Pfarrnachrichten 36 / 2010 - 23. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Auf dem Mosaik-Bild ist im Detail Kaiser Léon VI. (886-912) dargestellt, der von Christus, dem Pantokrator (Allherrscher, Weltenherrscher), mit der Gabe der Weisheit bedacht wird. Das Original gehört zu den Mosaiken in der „Hagia Sophia“ im damaligen Byzanz bzw. Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Der weltliche Herrscher vollzieht mit all seiner Pracht vor dem Allherrscher den Fußfall und drückt damit aus, dass seine kaiserliche Fülle gegenüber der göttlichen wie Armut ist. Diese Haltung stimmt überein mit den Weisungen, die uns die erste Lesung des Sonntags (Weisheit 9,13-14; 16) mit auf den Weg gibt: „Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken … Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?“

Auch der Klügste unter den irdischen Menschen findet aus eigener Kraft nicht den Schlüssel zum Leben. Das ist bislang noch nie jemandem gelungen. Keiner hat ein Patentrezept vorlegen können, das den Weg zum Glück garantiert. Auch der zeitgenössische Versuch, wegen dieses Unvermögens nur noch das eigene Glück zu erstreben und damit zu experimentieren, hat sich als hinfällig erwiesen.

Das biblische Buch der Weisheit nennt den Grund, indem es auf den Weltenherrscher, den Pantokrator, den Allherrscher verweist. Er hat diese Welt gut geschaffen, und er will auch das Gute, das er seiner Schöpfung eingeschrieben hat (vgl. Buch Genesis). Es ist jedoch ein Gut, das den Menschen übersteigt; das größer ist als der Mensch selber. Der Heilige Paulus erklärt das unübertroffen im ersten Brief an die Korinther (2,9,): »Wir verkündigen, … was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.«

Immer haben die bedeutenden Denker mit mehr oder weniger Faszination um das Große gewusst, das dem Menschen in die Wiege gelegt ist. Aber wirklich erschließen konnten sie es nicht.

Zu dem wirklich Großen kann und wird der Mensch auch nur gelangen, wenn er es sich schenken lässt. Weisheit erwirbt man nicht durch Studium, das im besten Fall nur Vielwisserei vermittelt, sondern nur durch das uneingeschränkte Offensein für das Höhere, das Gott für den Menschen vorgesehen hat.

Diese uneingeschränkte Offenheit spricht Jesus im Lukasevangelium an, dass an diesem Sonntag auf die Lesung folgend vorgetragen wird (Lk 14,26): »Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.«

Die deutsche Übersetzung schwächt durch die Übersetzung des griechischen μισέω (= hassen) mit »gering achten« den Originaltext ab. Das ist nicht ganz falsch. Tatsächlich ist das »gering achten« beziehungsweise »hassen« des eigenen Lebens usw. als Ausdruck der kategorischen Entschiedenheit zu verstehen, mit der alles andere Gott und seiner Weisheit als das wirklich Entscheidende und Orientierung Gebende unterzuordnen ist.

Jeder Mensch steht vor dieser Wahl, im Raum der eigenen Möglichkeiten zu verbleiben, oder sich durch Glaube den Möglichkeiten Gottes zu vertrauen. Die zweite Option, der Glaube, muss aktiv erstrebt werden, was der Herr mit dem Nachfolgesatz ausdrückt, der dann noch anderes mit einschließt (Lk 14,27): »Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.«

Durch Passivität wählt man automatisch die erste Option. Ihnen möchte ich das jedoch nicht wünschen; denn Sie sind zu Größerem bestimmt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35 / 2010 - 22. Woche im Jahreskreis (C)

Einladung zum Gastmahl von Eugène Burnand (1850-1921)

Liebe Mitchristenund Freunde von St. Pantaleon!

Dieser Sonntag beschenkt uns im Tagesevangelium mit einer „Belehrung“ Jesu, die deutlich über das hinausgeht, was in einem Ratgeber über gutes Benehmen zu finden ist. Dazu muss man aber genau hinschauen.

Ein führender Pharisäer hatte zum Essen eingeladen. Auch Jesus, der die Einladung annahm und kam. Der Evangelist Lukas, der dies erzählt, bemerkt eigens, dass „man ihn genau beobachtete“ (Lukas 14,1). Es ging wohl unter den geladenen Gästen damals nicht viel anders zu wie heute: Nach eingehender Beobachtung hat man schließlich reichlich Gesprächsstoff, um sich über die anderen auszulassen.

Aber auch Jesus beobachtet genau und stellt fest, dass viele Gäste für sich die Ehrenplätze in Anspruch nahmen. Auch das ist heute meist nicht anders.

Im Unterschied zum sonst Üblichen spricht Jesus, der Herr, dies jedoch ganz offen vor allen Geladenen in Form einer Belehrung aus und erklärt: „Ein anderer könnte eingeladen sein, der vornehmer ist.“ Wenn dann der Gastgeber einschreiten und bitten müsste, dem Vornehmeren Platz zu machen, wäre das für den weniger Vornehmen beschämend. Er müsste den dann noch freien „untersten Platz einnehmen.“

Deshalb, so der Rat des Herrn: „Setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen“ (Lukas 14,10).

Was Jesus meint, geht weit über das wörtlich Gesagte hinaus. Mit der strikten, nur einfachen und direkten Umsetzung dieses Ratschlages ist es bei weitem nicht getan. Das bringt der Philosoph Friedrich Nietzsche spöttelnd auf den Punkt, indem er scharfsinnig bemerkt: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden!“

Genau das meint Jesus eben nicht. Deshalb wechselt er vom anschaulich Konkreten ins grundsätzlich Allgemeine: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lukas 14,11).

Die von Jesus gemeinte Erniedrigung oder Erhöhung wird gegeben. Sie kann nicht beabsichtigt oder angestrebt werden, weil sie über das dem Menschen mögliche weit hinausgeht. Als Erhöhung wird sie einem über das hinaus geschenkt, was man aus eigener Kraft vermag. Und als Erniedrigung wird sie einen schmachvoll weit unter dem widerfahren, was man im Leben darstellt und geleistet hat.

Was hier im Irdischen genau in dieser Weise letztlich als Peinlichkeit oder eben als echte Wertschätzung erfahrbar ist, ist vom Glauben her nur eine schwache Spiegelung der Wirklichkeit von Himmel und Hölle, die zudem ewig ist.

Mit einer auf der ersten folgenden zweiten Belehrung lässt sich die hintergründige Aussageabsicht Jesu weiter verdeutlichen. Jesus empfiehlt nämlich in einem zweiten Schritt dem Gastgeber, nicht wie bisher Freunde, Brüder, Verwandte oder reiche Nachbarn einzuladen, die alle vermeintliche Großzügigkeit durch eine Gegeneinladung wieder begleichen werden, sondern „Arme, Krüppel, Lahme und Blinde“.

Erst dann, so erklärt der Herr abschließend, „wirst du selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ (Lukas 14,12-14).

Damit legt uns der Herr ans Herz, wahrhaft menschlich zu sein. Dazu gehört, nicht für sich sondern für den anderen das Beste zu wollen. Dazu gehören Charaktereigenschaften wie Dienstbereitschaft und Demut. – Hier wird die wahre Größe des Menschen sichtbar, wie sie hier auf Erden wächst und im Himmel für immer bleiben wird.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34 / 2010 - 21. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Auf dem Weg nach Jerusalem wird der Herr von einem aus der Menge gefragt (Lk 13,23): »Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?« Anders als in vergangenen Zeiten scheint in unseren Tagen eine solche Frage erst einmal völlig uninteressant und ohne Bedeutung. Wo aber durch die Realität des Lebens gereift der vordergründige Blick aus der Verengung auf heute und morgen, auf gesund und satt, auf feiern, auf Spaß und Erfolg haben heraustritt, stellt sich diese uralte Frage auch heute mit ungebrochene Aktualität: »Sind es nur wenige, die gerettet werden?«

Es gibt zurzeit annähernd 2,6 Milliarden Christen. Aber die Welt ist auch dort, wo sie größeren Einfluss haben, nicht frei von Hass, Angst und Gewalt: Angst vor dem Leben, vor der Zukunft, vor den Menschen. Ändern wird sich das nur, wo jemand entschieden den Tellerrand seines irdischen und vergänglichen Lebens hinter sich lässt, weit darüber hinaus zu schauen und dem dann Erkannten zu folgen beginnt.

So antwortete Herr auf die ihm gestellte Frage (ibid. 13,24): »Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.« Hinter der engen Tür liegt das versprochene Glück, das schon im irdischen Leben beginnt, wenn auch noch unter fortdauernder Anstrengung (vgl. Mk 10,30), von der es erst im jenseitigen Leben endgültig befreit werden kann.

Auf das auch an anderen Stellen von Jesus gebrauchte Wort von der engen Tür und der notwendigen Anstrengung, folgt das Wort von der verschlossenen Tür (ibid. 25): »Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.« - All das hören wir im Evangelium von diesem Sonntag.

In der Geschichte Gottes mit jedem Menschen und auch mit den Völkern gibt es also einen entscheidenden Augenblick: »Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt ...«

Darüber hinaus ist entscheidend, dass die enge Tür nicht allein durch kulturelle Vertrautheit mit dem Christentum oder der Heiligen Schrift durchschritten werden kann. Denen, die von daher mit vermeintlichem Anrecht auf Einlass an die verschlossene Tür klopfen (ibid. 26f): »Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt«, wird geantwortet: »Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan.«

Diese werden dann (ibid. 28) »mit den Zähnen knirschen«, und müssen feststellen, »dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, sie selbst aber ausgeschlossen sind.« Sogar »von Osten und Westen und von Norden und Süden« werden viele andere »kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.« Ganz in diesem Sinne beendet der Herr seine Antwort dann mit dem bekannten Satz: »Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.«

Entscheidend ist folglich, ob und wie man sich »mit allen Kräften bemüht«. Nur dann kommt man durch die enge Tür zu dem Glück, das Gott jedem schenken möchte.

Hier gäbe es dann noch manches zu sagen. Ich möchte es exemplarisch mit zwei Aphorismen des Heiligen Josefmaria Escrivá tun, der in dem kleinen Buch »Spur des Sämanns« (Nr. 137f) schrieb: »Führe keinen Dialog mit der Versuchung. Lass es mich wiederholen: Hab den Mut zu fliehen! Und besitze ebenso die Stärke, keine Experimente mit deiner eigenen Schwachheit anzustellen - spiele nie mit dem Gedanken, wie weit du gehen könntest... Mach rechtzeitig Schluss - und zwar ganz! … Wenn dir klar ist - und du kennst dich ja gut genug -, dass du auf diesem Weg - mit dieser Lektüre, mit dieser Freundschaft... - in einen Abgrund geraten kannst... Warum versteifst du dich dann darauf, es sei vielleicht von Vorteil für deine Bildung, für die Entwicklung deiner Persönlichkeit? Ändere den Kurs - radikal! Mag das auch mehr Mühe kosten und weniger Zerstreuungen bieten. Es ist höchste Zeit, dass du dich wie ein erwachsener Mensch benimmst.«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33 / 2010 - 20. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Dieser Sonntag, der 15. August, ist zugleich das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Das Fest ist weiterhin mehr unter dem älteren, theologisch aber ungenaueren Namen Mariä Himmelfahrt bekannt

Am 1. November 1950 hat Pius XII. die im urchristlichen Glauben vorhandene Überzeugung, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet und endgültig bestätigt. In der antiken Ostkirche führte diese Glaubensüberzeugung schon bald nach dem Konzil von Ephesus (431) zur Feier dieses Glaubens. Unter Kaiser Mauritius (582-602) wurde diese Glaubensfeier zugleich staatlicher Feier- und Gedenktag und auf den 15. August festgelegt. Darauf geht die bis heute geltende Datierung zurück. In der römischen Kirche wurde das Fest etwas später, seit dem 7. Jahrhundert gefeiert.

Die dogmatische Erklärung von Papst Pius XII. gipfelt in der Aussage: „Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“

Passend zum Fest umreißt die erste Lesung aus Offb 12 in wenigen Sätzen ein gewaltiges Geschehen. »Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.« (Offb. 11,19a.12, 1-2)

Mit der Frau, die am Himmel als das große Zeichen erscheint, ist Maria, die Mutter des Messiaskindes gemeint. Sie verkörpert zugleich das Gottesvolk, insofern die zwölf Sterne über ihrem Haupt an die zwölf Stämme Israels erinnern. Damit eng verbunden beziehen sich die Geburtswehen nicht auf die leibliche Jungfrauengeburt ihres Messiaskindes. So wie Jesus von Maria außerhalb weltlicher Rahmenbedingungen, nämlich jungfräulich geboren wurde, so geht die Theologie von alters her auch von einer von Geburtswehen freien Geburt des Messias aus.

Mit den in der geheimen Offenbarung genannten Geburtswehen sind die Leiden des Gottesvolkes gemeint. Von diesen Leiden spricht auch der Heilige Paulus im Römerbrief (8,22): »Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.«

Neben Maria, die uns den Messias geschenkt hat und damit dem Geheimnis der Erlösung ganz nahe steht, spricht die geheime Offenbarung von einem anderen großen und gewaltigen, aber unheilvollem Zeichen (12, 3-4): »Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.«

Über die himmlische Frau jedoch wird dann ganz einfach und schlicht gesagt: »Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.«

Der Unheil bringende Drache vermochte ihr nichts anzuhaben. Auch konnte er die Erlösung bringende Geburt und das aus ihr erwachsende und sich ausbreitende Heil nicht vereiteln. So endet die Lesung mit der Feststellung (Offb. 12,10): »Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.«

Maria wurde also »mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen« auch damit wir, die wir noch nicht frei sind vom Leiden in dieser irdischen Zeit der Bewährung, getröstet, bestärkt und hoffnungsfroh ermutigt werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32 / 2010 - 19. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Monat August ist der Monat einer Reihe bekannter kirchlicher Fest- und Feiertage. Von den Bedeutenderen sind zu nennen der 6. August, das Fest der Verklärung des Herrn, und der 15. August, das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Das erste dieser beiden Feste, die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor,  wurde in der Ostkirche schon im 6. Jahrhundert gefeiert. In der lateinischen Kirche wurde dieses Fest erst im Jahre 1457 von Papst Kallistus II fest vorgeschrieben, und zwar zum Dank für einen wichtigen Sieg über die muslimischen Türken bei Belgrad. Für die weitere Entwicklung Europas und seine Zukunft ist dieser militärische Sieg nicht unbedeutend gewesen.

Ein solcher historischer Kontext für ein kirchliches Fest ist uns heute fremd geworden. Verständlicher und nachvollziehbar wird er jedoch durch die Tatsache, dass es dem damaligen Papst gar nicht um die militärische Dimension dieses Sieges ging, sondern um die geistliche und geistige Verfassung des Menschen: Dieser Sieg über die muslimische Militärinvasion hat, wie andere Siege dieser Art, die dem christlichen Europa eigene und spezifische Freiheits- und Wertevorstellungen bewahrt.

Es sind Vorstellungen und Grundhaltungen, die dem Menschen ohne jeden Zweifel dann besser entsprechen, wenn der Mensch davon, mit Gottes Hilfe, einen guten Gebrauch macht. Das der gute Gebrauch Jahrhunderte später, im derzeitigen schon fast nachchristlichen Europa ganz offensichtlich nicht mehr der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt.

Hier lässt sich dann auch ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Fest der Verklärung und dem äußeren Grund des militärischen Sieges mit dem daraus folgenden Überleben und Fortbestehen der christlichen Größe und Freiheit des Menschen erkennen. Die christlichen Größe und Freiheit des Menschen sind in ihrer ganzen Dimension nur vom gelebten Glauben an einen Gott her möglich, der aus Liebe zum Menschen ganz aus freien Stücken den Weg einer Erlösung durch den Tod am Kreuz geht.

Erst dieser freiwillige Schritt in die äußerste Erniedrigung legt die Größe der dem Menschen möglichen Freiheit offen. Somit führt erst dieser Schritt zur endgültigen Freiheit und Befreiung des Menschen. Es ist ein Schritt, der deutlich über die Menschwerdung Gottes hinaus geht. Wenn schon Gottes Menschwerdung im muslimischen Umfeld eine nicht denkbare Vorstellung ist, dann ist für Denker mit muslimischem Hintergrund noch weniger eine Erlösung des Menschen zur Freiheit durch eine Liebe nachvollzieh- und denkbar, die bis in den Tod am Kreuz hinabsteigt.

Das Christentum hat von diesem Hinabsteigen Gottes in die tiefste Erniedrigung des Menschseins aus die Werte und Freiheitsvorstellungen des Menschen ableiten können, wie sie für die christliche Hemisphäre, nicht aber für die muslimische, prägend und spezifisch sind, bzw. waren, sofern sie in der Gegenwart global überlagert werden von einem falschen Gebrauch, wie er für die Modernen und Postmoderne typisch ist.

Um die Jünger auf den Kreuzestod und seine Folgen, das heißt auf den wieder gewonnen Glanz und die wiederhergestellte Größe des Menschen, vorzubereiten, lässt er einige der Apostel die Herrlichkeit des Menschensohnes in der göttlichen Verklärung auf dem Berg Tabor schauen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31 / 2010 - 18. Woche im Jahreskreis (C)

Erste Seite des Buches Kohelet aus dem „Codex Sinaiticus“, einer Bibelabschrift aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

»Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.« So steht es im Buch Kohelet (1, 2). Ein Satz, der mit zu den bekanntesten der Bibel gehört. Er verwundert, seiner Unmittelbarkeit wegen, ist aber auf Anhieb eingängig und verständlich.

Jeder weiß um die Augenblicke, in denen einem das Leben zur Frage wird: ‚Was ist der Mensch? Wozu lebt er? Was nützen ihm Reichtum und Wissen, wenn der Tod doch alles auslöscht?’

Der biblische Verfasser des Buches Kohelet stellt sich und seinen Lesern unbequeme, aber zugleich auch spannende Fragen, auf die er bei den Philosophen und Theologen seiner Zeit  keine Antwort bekommt: »Es kommt vor,« stellt er fest, »dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.« (ibid. 2,21)

Der Autor fragt kritisch: »Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?« und konstatiert: »Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.« (ibid. 2,22-23).

Im Evangelium vom Sonntag dieser Woche kehren diese Fragen wieder, freilich in einem ganz anderen Klima. Aller Reichtum verfällt, aber es gibt etwas Besseres, einen Reichtum „vor Gott“: nicht das, was der Mensch hat, sondern das, was Gott aus ihm gemacht hat.

Mahnend erhebt der Herr seine Stimme: »Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.« (Lk 12,15).

Bei Lukas folgt das bekannte Gleichnis vom Landwirt, der unerwartet eine so große Ernte einfuhr, dass er seine alten Scheunen abreißen und deutlich größere errichten ließ in der Meinung, er habe nun bis an sein Lebensende ausgesorgt: »Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!« (ibid., 19)

Darauf sagt Gott zu ihm: »Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?« (ibid., 20), und Jesus, der Herr, verallgemeinert: »So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.« (ibid., 21)

Ist es nicht längst und allen schon immer bekannt, dass Vermögen und Erfolg die Gefahr mit sich bringen, dass der Mensch hart wird gegen andere Menschen und stumpf gegenüber dem eigentlichen Anspruch seiner Person? Die Folgen sind Überdruss und innere Leere ohne Perspektive. Ein solcher Mensch ist zur Ablenkung von einer schwindelerregenden und nicht zu bewältigenden Hoffnungslosigkeit verdammt durch äußerliche Geschäftigkeit und hohlem Getue. Für den Menschen gibt es nur den einen „Ausweg“ aus diesem seinem Elend: Gott anerkennen und an seine Liebe glauben.

Ohne die Anerkennung Gottes und einem gelebten Glauben wird man praktischer „Atheist“. Man wird ein Mensch ohne Gott, ein gottloser Mensch, der nicht mehr fähig ist, die Wirklichkeit Gottes und seine Liebe zu begreifen. Als gottloser Mensch verfällt man gottlosem Tun und verfehlt den Sinn seines Lebens.

Die Ferienzeit schenkt Abstand vom Alltag und die Möglichkeit, über sein Verhältnis zu Gott nachzudenken, und mit sich selber in seinem Bemühen um eine lebendige Beziehung zu Gott wieder ins Reine zu kommen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30 / 2010 - 17. Woche im Jahreskreis (C)

Mose begegnet Gott im brennenden Dornbusch

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

In dem Maß, wie die Elektronik in unser Leben Einzug hält, sind sichere Passwörter immer wichtiger. Sie schützen das Bankkonto, wenn es von zuhause über Internet verwaltet wird, und erlauben den Zugriff nur dem, der das Passwort kennt. Ähnlich ist es bei Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten.

Das richtige Passwort verschafft Zugang und sichert vor Missbrauch. Passwörter sind deshalb gewöhnlich geheim zu halten. Sie sollten auch möglichst ausgefallen und vielfältig sein, damit Unbefugte sie nicht erraten können. So ist etwa das Geburtsdatum oder der Vorname als Passwort ein denkbar schlechtes Passwort.

Am kommenden Sonntag teilt der Herr uns ein ganz besonderes Passwort mit. Es ist vielleicht das wichtigste Passwort überhaupt, und gegen alle Passwortregeln denkbar einfach und weltbekannt. Es ist das Passwort, das uns Zugang zu Gott verschafft.

Lange Zeit war Gott dem Menschen verborgen. Bei aller Gottesnähe, die der Herr etwa dem alttestamentlichen Mose gewährte, hörte Mose nur die Stimme aus dem brennenden Dornbusch, die ihm auftrug: „Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab“ (Ex. 3,5)

Jesus Christus hat als die zweite der drei göttlichen Personen, als der menschgewordene  Sohn Gottes diese Schwelle überschreiten und uns als seine menschlichen Brüder und Schwestern in ein viel größere, eine schwindelerregende Nähe zu Gott mitnehmen können. Jesus Christus führt uns, nachdem er „die Reinigung von den Sünden bewirkt“ hat (Hebr. 1,3), vor das Angesicht des Vaters: „Seht, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat“ (Hebr. 2,13).

Das für diese Nähe notwendige Passwort lautet: „Vater“. – Wir sprechen es aus im Gebet, das der Herr uns gelehrt hat: Im Vaterunser. Das Sonntagsevangelium berichtete uns darüber.

In unseren liturgischen Gottesdienstfeiern wird die Gemeinde eingeladen, das Vaterunser mit kindlicher Kühnheit zu sprechen. Auch die östlichen Liturgien verwenden ähnliche Ausdrücke: „voll Vertrauen wagen“ und „mach uns würdig“.

Wo wir als Menschen in eine kindliche Nähe zu Gott treten können, werden uns nicht nur die Besonderheiten Gottes als liebender Vater, sondern auch die Besonderheiten des Menschen als Kind Gottes geoffenbart. Der Heilige Ambrosius (sacr. 5,19) sagt dazu:

„O Mensch, du wagtest nicht, das Antlitz zum Himmel zu erheben, du senktest den Blick zur Erde, und plötzlich hast du die Gnade Christi erhalten: alle deine Sünden wurden dir vergeben. Aus einem schlimmen Knecht bist du ein guter Sohn geworden ... Erhebe also deinen Blick zum Vater, ... der dich durch seinen Sohn erlöst hat, und sage: ‚Vater unser‘ ... Berufe dich aber auf kein Vorrecht. Eigentlicher Vater ist er nur in Bezug auf Christus, während wir von ihm erschaffen sind. Sage also aus Gnade auch du: ‚Vater unser‘, um zu verdienen, sein Sohn zu sein.“

Wer Gott „Vater“ nennt, bekennt damit in einem Atemzug seine Bereitschaft, sich auch als würdiger Sohn, als würde Tochter zu erweisen. Ein anderer Kirchenvater, der Heilige Cyprian (Dom. orat. 11), bringt das so auf den Punkt: „Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes verhalten“.

Wer täglich das Vaterunser, das Gebet des Herrn, in dieser Haltung und Bereitschaft spricht, wird am eigenen Leibe erfahren, was der Heilige Augustinus (serm. Dom. 2,4,16) über dieses Gebet sagt: „Vater unser: Dieser Name weckt in uns beim Beten gleichzeitig Liebe, Zuneigung ... und auch die Hoffnung, zu erlangen, um was wir bitten ... Was kann er denn dem Gebet seiner Kinder verweigern, wenn er ihnen schon zuvor gestattet hat, seine Kinder zu sein?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29 / 2010 - 16. Woche im Jahreskreis (C)

Christus bei Marta und Maria (Lk 10, 38-42) – Jan Vermeer (1632 – 1675)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Die Sommerferien haben begonnen. Dazu passend hören wir am Sonntag, wie der Herr Marta von Betanien vor ihrer Schwester Maria zurechtweist und Maria lobt. Was war geschehen?

Marta war ganz davon in Anspruch genommen, Jesus und seine Jünger zu bewirten. Maria hingegen machte „Urlaub“: Sie hatte sich „dem Herrn zu Füßen gesetzt und hörte seinen Worten zu“ (Lukasevangelium, 10, 39). Marta war darüber verständlicherweise erbost und beklagte sich beim Herrn, dass ihre Schwester die ganze Arbeit ihr allein überlasse: „Sagt ihr doch, sie soll mir helfen!" (ebd., 40)

Marta muss sehr überrascht gewesen sein, als der Herr Ihrem Wunsch nicht entsprach. Statt Maria zu sagen: „Ab in die Küche, du hast mir lange genug zugehört“, tadelt er die fleißige Marta und lobt zu deren Erstaunen ihre scheinbar müßige Schwester Maria: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ (ebd., 41-42).

Die richtige Auslegung und das richtige Verständnis dieser Aussage Jesu ist spannend. Was genau meinte er mit dem »Einen Notwendigen«, das Maria als das »Bessere« gewählt hat?

Mit Blick auf das Ganze der Heiligen Schrift wäre es falsch, daraus einfach zu schließen: Da nach Jesu Aussage ihm zuzuhören als das Bessere notwendig ist, ist es weniger gut und nicht so notwendig, den Gast zu bewirten und dafür wie überhaupt zu arbeiten und sich ins Zeug zu legen. - Das könnte leicht wie ein Freibrief verstanden werden, sich immer mehr Urlaub und Auszeiten zu gönnen bei mehr oder weniger frommen Müßigsein.

Der an den Menschen gerichtete Schöpfungsauftrag lautet unmissverständlich, die Erde zu bebauen und sie zu behüten (vgl. Genesis, 1, 28-29) Das ist nicht weniger wichtig und nicht weniger gut als Jesus zuzuhören; das heißt richtig zu beten. Richtig beten bedeutet ja nicht nur bitten und betteln, sondern Gott zumindest genauso intensiv zuhören, sich seinen Eingebungen und Anregungen öffnen und darauf dann einlassen.

Damit sind wir am Kern des Problems und haben den richtigen „Verständnisschlüssel“ für dieses interessante Gespräch Jesu mit Marta aus Betanien über deren Schwester Maria.

Wer gut arbeitet weiß, dass die Arbeit einen ganz in Beschlag nehmen und dann einseitig auf falsche Wege führen kann. Intensive Arbeit kann dazu verleiten, müde und schlecht gelaunt oder auch erfolgsbesessen und eitel und manches mehr dieser Art zu werden.

Wer ein guter Arbeiter sein will, der muss auch ein guter Beter sein; wie auch umgekehrt. Das Beten ist insofern das einzig wirklich Notwendige und Bessere, weil jeder Arbeiter die Perspektive Gottes benötigt, um sich in und durch seine tägliche Arbeit nicht auf Abwegen zu verlieren.

Der guten Marta ist offenbar genau das widerfahren. Als Jesus mit seinen Jüngern bei ihr eintraf, hat sie völlig richtig reagiert: Die Ärmel hoch gekrempelt und aufgetragen, was die Speisekammer hergab. Aber dabei hat sie sich ereifert und ‚im Eifer des Gefechts’ ihrer Schwester Maria unrecht getan, die „das bessere gewählt hat, das ihr nicht genommen werden soll.“

Lassen wir uns von niemandem, auch nicht von uns selbst, die Zeiten des Gesprächs mit Gott nehmen, die notwendig sind, um unser Leben und Arbeiten aus seiner Perspektive zu sehen, damit alles wieder ins rechte Lot kommt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommer- und Urlaubszeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28 / 2010 - 15. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Ein Reisender wurde von Räubern brutal niedergeschlagen, ausgeraubt und schwer verletzt in der sengenden Wüstensonne halbtot liegen gelassen. Hintereinander kamen zwei scheinbar fromme Männer am Ort des Geschehens vorbei. Sie sahen den Verletzten, gingen jedoch davon unberührt weiter, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern.

Danach kam jemand vorbei, der als einer aus Samarien zu Unrecht als unfrommer Außenseiter galt. Als er den Ausgeraubten sah, empfand „er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie“ (Lukasevangelium, 10, 33f). Diese Erzählung gehört als Gleichnis vom barmherzigen Samariter mit zu den bekannten und sprichwörtlich gewordenen Lehrgeschichten, mit denen Jesus seinen Zuhörern etwas erklären möchte.

Ein Gesetzeslehrer hatte um Auskunft gebeten, wie man das ewige Leben gewinnt. Jesus verwies ihn auf das doppelte Gebot: ‚Gott mit ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben, und den Nächsten wie sich selbst.’

Der Gesetzeslehrer gab sich damit noch nicht zufrieden. „Wer ist mein Nächster?", wollte er wissen.

Hier geht es um ein bekanntes Phänomen. Nicht nur Prominente, die schon gerne einmal Gutes tun und dann auch möglichst viel darüber reden und berichten lassen, sondern auch „Normalsterblichen“ widerfährt es leicht: Durch Gefühle des Mitleids und der Anteilnahme bewegt setzt man sich in Wort und Tat ein für die Ärmsten der Armen. Aber in der eigenen Familie, im Kreis derer, mit denen man zusammen lebt, kommt man nicht so gut zurecht. Das fällt es einem merkwürdigerweise schwer, seinen Nächsten heute, morgen, übermorgen und alle Tage aus ganzem Herzen zu lieben.

Da gibt es einen Zusammenhang mit jener scheinbar frommen Frau, die bekennt: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie heiß und innig ich alle Menschen liebe und wie sehr mich jedes Unrecht zu Tränen rührt. …

Aber meine Nachbarin: Das ist eine ganz unmögliche, unausstehliche Frau. Wenn ich die schon sehe .…“

Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter erklärt Jesus, dass jeder einem der Nächste ist. Auch die Nachbarin. Diese gewöhnlich sogar noch mehr als all die Armen, die man nur über Fernsehen und Nachrichten kennt. Diese Art von Mitgefühl kostet einen nichts. Sie ist nicht gerade anspruchsvoll.

Von der heiligen Therese von Lisieux wird folgendes erzählt. Eine ältere Mitschwester aus ihrem Kloster besaß einen äußerst schwierigen Charakter. Sie wurde von allen anderen gemieden. Keine aus dem Frauenkloster kam mit ihr und sie kam mit keiner anderen gut zurecht. Als die blutjunge Therese das bemerkte, leistete sie der älteren Mitschwester über die Maßen oft Gesellschaft und war in ihrer Gegenwart immer besonders gut gelaunt.

Die ältere Mitschwester war darüber so verwundert, dass sie die jüngere fragte, was sie angesichts ihres verschrobenen Charakters denn so besonders an ihr fände. Die kleine Therese soll sich geschickt aus der Affäre gezogen haben. Sie wollte nur eines: Um der Liebe Jesu Christi willen auch dieser Außenseiterin als von Gott geliebtes Kind die dem Nächsten geschuldete Liebe und Zuneigung erweisen.

Tatsache ist: Bin ich gegenüber demjenigen aus meiner Nähe, bei dem es mir am schwersten fällt, in ganz besonderer Weise freundlich und zuvorkommend, dann strahle ich in meiner Umgebung auch allen anderen gegenüber eine überdurchschnittliche Sympathie aus. Dann kann Gottes Liebe in ganz besonderer Weise gegenwärtig sein.

Genau das ist im doppelten Gebot gefordert: ‚Gott mit ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben, und den Nächsten wie sich selbst.’ So konkret kann und sollte man es anpacken. Alles andere ist Gerede und bloßes Getue.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27 / 2010 - 14. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freude von St. Pantaleon!

„Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ Mit diesen Worten sendet der Herr zweiundsiebzig seiner Jünger „wie Schafe mitten unter die Wölfe“ in alle Städte und Ortschaften aus, in die er dann selbst gehen will. Sie sollen überall Frieden hinbringen und seine Ankunft vorbereiten.

Angesichts der anspruchsvollen Aufgabe ermutigt der Herr die Seinen: Wenn in dem Ort, zu dem sie gehen, „ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr im wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.“

Nach vollbrachter Mission kehrten die Zweiundsiebzig zurück und berichteten voll Freude: „Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.“

Hier wird deutliche: Es ist ein großes Geschenk, sich als Mitarbeiter Gottes wissen und am Aufbau seines Reiches mitwirken zu dürfen. Jeder soll in der Welt als Jünger Jesu den Frieden ausrufen; und kein Jünger Jesu wird dies vergeblich tun. Das Bemühen als Jünger Jesu wird vom Rest der Menschheit positiv aufgenommen und so viele und gute Früchte bringen, dass man als Jünger Jesu darüber erstaunt und überrascht ist, weil man eine so gute Reaktion und Wirksamkeit selber nicht erwartet hatte.

Wo das Bemühen gegen alle Erwartungen auf Ablehnung stößt, wird kein Jünger Jesu deshalb den eigenen Frieden verlieren (s.o.). – Erklärbar ist dies alles, weil man als Jünger Jesu nicht im eigenen Namen und aus eigener Kraft sondern im Namen Gottes und mit seinem Beistand für den Frieden arbeitet.

Ein aktuelles Beispiel: Aufmerksamen Beobachtern der Fußballweltmeisterschaft wird nicht entgangen sein, dass die letzte, noch im Wettbewerb stehende Fußballnationalmannschaft des afrikanischen Kontinents, die ‚Black Stars’ aus Ghana, miteinander singt, tanzt und betet. Kaum ein Team ist so religiös wie das aus dem westafrikanischen Land Ghana. Journalisten sind beeindruckt.

Ein Reporter des amerikanischen Sportmagazin "ESPN The Magazine", Jeff Bradley, berichtete kürzlich, was er beim Besuch der ghanaischen Nationalmannschaft erlebte. Schon von weitem könne man die Freude der Spieler spüren. "Praktisch alles, was an den 'Black Stars' auffällt, ist, dass sie ein Team sind, im wahrsten Sinne des Wortes", schreibt Bradley.

Die Gemeinschaft umfasse auch das gemeinsame Gebet. "Wir lieben es, zusammen zu singen, zu tanzen und zu beten. Das bringt Freude in unsere Herzen. Das ist unser Team", sagt der Stürmer der Mannschaft, Asamoah Gyan.

Und Kapitän John Mensah sagte in einem Interview mit der deutschen Presseagentur dpa: "Wir sind Christen, und wir alle wissen, wie wichtig Gott ist. Wir respektieren alle Gott, und wir beten jedes Mal vor einem Spiel und nach einem Spiel. Wir preisen Gott für das, was er für uns getan hat." Er fügte hinzu: "Wir beten zu Gott, bevor wir aufs Spielfeld gehen." Auch nach dem Training singen sie zusammen. "Nicht immer, aber auf jeden Fall am Tag vor einem Spiel."

In einer Verkündigungssendung der evangelischen Kirche habe ich das folgende Gebet der Nationalmannschaft aus Ghana gefunden: „Herr, lass uns fair spielen. Lass unser Spiel in deinen Augen gut sein. Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen. Und Herr, wenn du gnädig bist, dann lass uns gewinnen, hier im Spiel und später, wenn das Spiel und das Leben zu Ende sind. Amen.“

Uns allen wünsche ich ein schönes und gelungenes Pfarrfest, einen guten weiteren Verlauf der Fußballweltmeisterschaft … und dass auch Sie als Jünger Jesu die Ärmel hochkrempeln und ihm, dem Herrn, als Botschafter des Friedens vorausgehen. Bleiben Sie nicht nur Zuschauer, wenn andere es erfolgreich vormachen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26 / 2010 - 13. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Samstag, dem 26. Juni jährt sich zum 35. Mal der Todestag des heiligen Josefmaria Escrivá, der als Gründer des Opus Dei weltweit bekannt und verehrt wird. Auch in Sankt Pantaleon ist zu seinen Ehren – gestiftet von der Dr. Zieseniß-Krambo-Stiftung – in der Apsis des nördlichen Seitenschiffes eine Kapelle zu seinen Ehren durch die Künstler Elmar und Klemens Hillebrand entstanden. Papst Benedikt XVI. war einer der ersten, der bei seinem Besuch in Sankt Pantaleon während des Weltjugendtages 2005 in Köln in der zu diesem Zeitpunkt gerade fertig gestellten Josefmaria-Kapelle für einen kurzen Augenblick des Gebetes und Gedenkens an diesen Heiligen hat innehalten können.

Es ist für uns in Sankt Pantaleon eine große Ehre, dass fast genau fünf Jahre später der Vertreter des römischen Pontifex, der apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, am 35 Todestag des heiligen Josefmaria zu seinen Ehren ein großes feierliches Hochamt feiern wird.

Man muss Gott wirklich dankbar für diese zwei großen Geschenke päpstlichen Besuches sein. Der Besuch von Papst Benedikt galt den Priesteramtskandidaten auf dem Weltjugendtag, was in der Presse oft übersehen und mit Blick auf das Opus Dei schief dargestellt wurde. Erst der jetzige Besuch seines Vertreters in Deutschland, des päpstlichen Nuntius, fünf Jahre später, gilt nun dem heiligen Josefmaria und seiner Gründung, dem Opus Dei.

Man muss zum zweiten Gott auch sehr dankbar für das sein, was er durch das vorbildhafte Mitwirken des Heiligen Escrivá der Kirche als Gabe und Auftrag hat schenken können. Josefmaria Escrivá hat besonders den Menschen, die aufgrund ihres familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Engagements darüber klagen mussten, keine Zeit und Möglichkeit für ein geistliches Leben zu haben, neue Horizonte eröffnet. Er hat ihnen in Wort und Tat vermittelt, im hektischen Alltag im ständigen Bewusstsein von Gottes Gegenwart zu leben, und ihm gerade dort zu begegnen. Damit hat er die Menschen „vor der damals wie heute so häufigen Versuchung bewahren, eine Art Doppelleben zu führen: auf der einen Seite das Innenleben, der Umgang mit Gott, und auf der anderen Seite, säuberlich getrennt davon, das familiäre, berufliche und soziale Leben, ein Leben voll irdischer Kleinigkeiten.“

Diesem Dualismus hat Escrivá vom Heiligen Geist explizit gewollt und inspiriert ein klares Nein entgegengesetzt: „Es darf kein Doppelleben geben. Wenn wir Christen sein wollen, können wir diese Art von Bewusstseinsspaltung nicht mitmachen. …

Es gibt keinen anderen Weg“, hat Escrivá konkretisiert. „Entweder lernen wir, den Herrn in unserem alltäglichen Leben zu entdecken, oder wir werden ihn niemals finden. Es tut unserer Zeit not, der Materie und den ganz gewöhnlich erscheinenden Situationen ihren edlen, ursprünglichen Sinn zurückzugeben, sie in den Dienst des Reiches Gottes zu stellen und sie dadurch, dass sie zum Mittel und zur Gelegenheit unserer ständigen Begegnung mit Jesus Christus werden, zu vergeistigen.“

Soweit zur Kernbotschaft dieses bedeutenden und außergewöhnlich sympathischen Heiligen. Dann noch in eigener Sache zum Pfarrfest am Sonntag, dem 4. Juli: Bitte haben Sie vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine einzige Hl. Messe und zudem schon um 9.30 Uhr gefeiert wird. Zur anschließenden Pfarrprozession lade ich Sei alle herzlich ein und bitte die Anwohner um ein Zeichen der Sympathie gegenüber dem eucharistischen Herrn in der Monstranz: Eine Kerze im Fenster, eine kleine Figur oder eine kleines Altärchen o.ä.

Der Prozessionsweg verläuft in diesem Jahr wie folgt: Von der Kirche zur 1. Station in der Katholischen Grundschule „Trierer Straße“; dann über die Straßen „Am Pantaleonsberg“, „Vor den Siebenburgen“, „Am Trutzenberg“, „Martinsfeld“, “Heinrichstraße“, „Steinstraße“, „Schnurgasse“ zur 2. Station in der Kirche Maria im Frieden (Karmel). Von dort über die Straßen „Vor den Siebenburgen“, „Am Pantaleonsberg“ und „durch den Torbogen Am Weidenbach“ wieder zurück in die Kirche.


Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25 / 2010 - 12. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Am Mittwoch, dem 16. Juni, wurde der Raum hinter dem Hochaltar nach aufwendigen und mit hoher Sachkompetenz durchgeführten Restaurationsarbeiten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Was ist das für ein Raum? – Ich möchte es Ihnen kurz wie folgt erklären.

Der Nachkriegs-Wiederaufbau von St. Pantaleon ließ verschiedene Bereiche notgedrungen unberücksichtigt; unter anderem den Bereich hinter dem Hochaltar. Viele Jahre war dieser Raum zweckentfremdet Abstell-, fast schon eine Rumpelkammer; was der ursprünglichen Bedeutung dieses Ortes natürlich überhaupt nicht entsprach.

Der Bereich um den Altar ist nach ältester Tradition „heiliger Ort“ und gehört den Heiligen. Er ist Ruhestätte derer, die Großes geleistet haben: Heilige, deren sterbliche Überreste (Reliquien) hier einen Ehrenplatz erhielten.

Nur noch wenigen war bekannt, dass St. Pantaleon zwei große und kostbare Wandreliquienschränke in säulenflankierten Steinrahmen aus der Zeit der ersten barocken Chorumgestaltung unter Abt Spichernagel (1607-1640) besitzt. In Vergessenheit geraten waren auch die Nischen im Hochaltar, in denen einmal die kostbaren mittelalterlichen Reliquienschreine der Heiligen Albanus und Maurinus gestanden haben.

Der Hochaltar entstand in der zweiten Barockisierungsphase unter Abt Everhard von Schallenberg (1747-49). Die in diesem Hochaltar eingelassenen Nischen für die Schreine waren zum Kirchenschiff hin geöffnet, wurden aber nach dem Krieg durch geschickt im Barockstil übermalte Sperrholzplatten provisorisch geschlossen. Auch von der Rückseite waren sie, wie die gesamte Rückfront des Hochaltars, mit Sperrholzplatten vernagelt. Bei der Restaurierung des Umganges hinter dem Hochaltar wurden sie wiederentdeckt.

Man erkennt hier die schon in der Antike belegte, im Mittelalter intensivierte und im Barock ungebrochen weiter gepflegte Gewohnheit, die größten Schätze der Kirche, die sterblichen Überreste (Reliquien) der Heiligen, in größter Nähe zum Altar zu verehren. Mit dem nun vollständig wiederhergestellten Raum hinter dem Hochaltar ist diese Tradition bis in unsere Zeit nun fortgeführt.

Die Stelle der vor etwa 10 Jahren im Kirchenschiff aufgestellten Schreine der Heiligen Albanus und Maurinus, rechts und links neben dem Zelebrationsaltar unter der Orgel, füllen in den Hochaltarnischen nun zwei hölzerne Sammelreliquienschreine des frühen 17. Jahrhunderts aus der Kölner Jesuitenkircheh St. Mariä Himmelfahrt aus.

Der Umgang hinter dem Hochchor lockt mit zusätzlichen Besonderheiten. Künstlerisch hochwertig und aufwendig in Vollglasvitrinen werden hier nun kostbare Gegenstände präsentiert, die den wechselvollen Verlauf der Jahrhunderte überstanden und nicht nur wegen ihrer Einmaligkeit hohen Wert haben: Unter anderem zwei wunderschöne Vortragekreuze.

Das älteste, das sogenannte Albertuskreuz, mit eingraviertem Reliquienverzeichnis, entstand um 1170 in Köln. Das jüngere, aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, schmückt ein mit höchster Qualität gemalter „Corpus Christi“, der in mühevoller Restaurierung hinter einem stark verkrusteten und kaum noch durchsichtigen Balsamharzfirnis wieder zum Vorschein kam.

Nach den aufwändigen Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten sind dem Raum hinter dem Hochaltar seine ursprüngliche Würde und sein geheimnisvoller Glanz zurückgegeben. Alle an diesem Projekt Beteiligten haben eine Arbeit geleistet, die sich sehen lassen kann. Sie stellt einen beachtlichen Gewinn für die romanischen Kirchen Kölns und das einzigartige Kunstprofil dieser Stadt dar.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24 / 2010 - 11. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Mit dem zu Ende gehenden Priesterjahr am Herz Jesu Fest (Freitag, 11. Juni 2010) werden die Christen wohl noch lange dunkle und beschämende Monate für die Kirche verbinden. In dem Jahr der Priester sollte die Heiligkeit der im Dienste Gottes Stehenden gestärkt und neu ins Bewusstsein gerückt werden. Herausgekommen sind für den oberflächlichen Betrachter Missstände auch unter Priestern und Bischöfen, die abscheulich und in jeder Hinsicht verwerflich sind.

Wer sich an Kindern und jungen Menschen vergreift und ihnen für den Rest ihres Lebens schwersten seelischen Schaden zufügt, für den gilt das Wort des Herrn: »Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.« (Matthäus 18,6)

Mit der nüchternen Tatsache, dass Kirche und Gesellschaft seit Menschengedenken sich gegen schwere Verbrechen immer wieder neu haben verteidigen müssen, und es Missbräuche dieser Art immer schon gegeben hat – mit Abstand am häufigsten in der eigenen Familie, darf nicht ein einziger Verbrecher entschuldigt und nicht ein einziges Opfer weniger Zuwendung, Schutz und Hilfe erfahren. Aber der nüchterne Blick auf die Wirklichkeit ist heilsam und bewahrt davor, den Missbrauch für etwas ganz anderes, etwa für eine verlogene und böswillige Kritik an der Kirche zu missbrauchen.

Gibt es denn jemanden, der ein wirksameres Rezept als die Kirche gegen die Versuchung hat, sich von den Neigungen der gebrechlichen Natur des Menschen in sündhafter und menschenverachtender Form verleiten zu lassen? Das Rezept der Kirche ist Gott selber, der Mensch geworden ist, um uns zu sagen und vorzuleben, wie der Mensch gut und richtig ist.

Der menschgewordene Gott hat der Kirche die unverzichtbare Aufgabe anvertraut, diese Realität unter den Menschen ganz wach und lebendig zu halten. Sie tut es unter anderem mit dem Herz Jesu-Fest. Im Mittelpunkt dieses Hochfestes steht das Geheimnis des Herzens Jesu, das die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch, seit den Anfängen des Glaubens, beschäftigt.

Wenn die Kirchenväter über dieses Geheimnis nachsinnen, dann sprechen sie von dem Durchbohrten. Damit wird unser Blick dahin gelenkt, wo sich dieses Geheimnis entbirgt und doch zugleich verbirgt, wo es sich entschlüsselt und doch zugleich verschlüsselt bleibt: auf das Kreuz, auf den Gekreuzigten mit seinem durchbohrten Herzen. Offenbar und entschlüsselt wird hier die unermessliche, unendliche, unbegreifliche Liebe Gottes, die sich nicht scheut, die Mühsal und Beschwernis eines menschlichen Lebens auf sich zu nehmen, und nicht davor zurückschreckt, Leiden, Schmach und Tod zu erdulden.

Doch zugleich bleibt diese Liebe verschlüsselt und verborgen. Denn: Wer kann sie begreifen? Wer kann begreifen, dass Gott dies tut, dass Gott sich in seinem einzigen, innigstgeliebten Sohn so sehr entäußert und erniedrigt? Ist das nicht ausgesprochene Dummheit? Muss das nicht allen vernünftig und weise denkenden Menschen töricht erscheinen? So wird ja auch Paulus von den klugen Korinthern die Torheit des Kreuzes vorgeworfen (vgl. 1 Korinther 1, 18 f).

Die Heilige Schrift bezeugt es uns genügend: Liebe ist das Geheimnis dieser unbegreiflichen Wirklichkeit von Kreuz und Tod! Liebe ist damit aber auch zugleich das Geheimnis der Wirklichkeit überhaupt.

Und diese Liebe war, ist und wird auch in Zukunft ganz die Mitte der Kirche sein. Wer etwas genauer hinblickt, den werden die schmerzlichen, notwendigen und von Gott gewollten „Enthüllungen“ (s.o.) eine ganz besondere Hilfe sein, jetzt erst recht aus dieser Mitte zu leben. Ohne diese Mitte wären die Menschen verloren und würden sich vergeblich gegen immer wieder neue und vielfältige Missbräuche zu wehren versuchen.

So ist dieses nun zu Ende gehende Priesterjahr ein Segen gewesen. In ganz unerwarteter Weise ist die von Gott gewollte Heiligkeit, besonders auch der Priester, wieder ins Zentrum gerückt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23 / 2010 - 10. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Am vergangenen Samstagvormittag fand im Petersdom eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung statt: Eine eucharistische Anbetung zur Sühne für die Sünden der Priester. Darin wurde die Tragödie, die in den letzten Monaten mit Schmerzen die ganze Kirche erfüllte, vor Gott gebracht: Das Schicksal vieler Kinder, deren Vergangenheit von pädophilen Priestern „zertreten“ worden war, und die die Worte Jesu „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ verraten haben. (…)

Der eucharistischen Anbetung (…) folgte eine Betrachtung des „Staatsanwaltes“ im Vatikan für Fälle sexuellen Missbrauchs von Geistlichen, Monsignore Charles Scicluna, der offiziell verantwortlich für den Gerichtshof der Kongregation für die Glaubenslehre ist. Monsignore Scicluna fand klare Worte: „Wie viele Sünden werden in der Kirche durch Arroganz, unersättliche Gier, Missbrauch und Ungerechtigkeit derer begangen, die ihren Dienst dazu ausnutzen, Karriere zu machen, etwas darzustellen, aufgrund einer sinnlosen und erbärmlichen Ruhmsucht.“

Der maltesische Priester, der schon seit Jahren Fälle von Pädophilie und Kindesmissbrauch durch Priester untersucht und überprüft, stellte fest, dass Christus seine härtesten Worte gegen die Urheber dieser Verbrechen gebraucht. „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde“, zitierte er Jesu Wort aus dem Markusevangelium (Mk 9, 42).

Das Kind sei „kostbar in den Augen Gottes und in den Augen eines wahren Jüngers Jesu“, betonte der Bischof während dieses Gottesdienstes am Ende des Priester-Jahres. Msgr. Scicluna prangerte an: „Wie dürr wird jedoch die Erde und wie traurig die Welt, wenn dieses so wunderbare Bild und diese heilige Ikone zertreten, zerbrochen, beschmutz, missbraucht, zerstört wird!“

Die anwesenden Gläubigen (…) erinnerte Bischof Scicluna an die Worte Jesu: „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab“. Er deutete diese „Hand“, die man abtrennen muss, als „den lieben Freund, mit dem wir unser Leben verbringen und mit dem uns die Bande der Zuneigung, Harmonie und Solidarität verbindet. Es gibt eine Grenze in dieser Verbindung“, so Sciluna.

„Die christliche Freundschaft ist dem Gesetz Gottes unterworfen. Wenn mein Freund, mein Begleiter oder der geliebte Mensch für mich ein Anlass zur Sünde wird oder zu einem Hindernis auf meiner Pilgerreise, habe ich keine andere Wahl, entsprechend dem Maßstab des Herrn, als diese Verbindung zu trennen. Wer würde die Qual einer solchen Entscheidung leugnen?

Handelt es sich nicht um eine grausame Amputation?“, stellt der Staatsanwalt des Vatikans zur Frage. „Der Herr spricht jedoch eindeutig: Es ist besser für mich allein ins Reich Gottes zu kommen (ohne eine Hand, ohne ein Auge, ohne einen Fuß), als mit meinem Freund »in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer«.“

Angesichts der schwierigen Situation der Kirche in dieser Zeit schloss der Bischof mit der Bitte aus der Messbuch: „Herr Jesus Christus, du hast den Apostel gesagt: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.« Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und schenke ihr nach deinem Wort Einheit und Frieden.“

Diesen vom Nachrichtendienst „Zenit“ wörtlich übernommen Bericht möchte ich Ihnen zum Ende des „Jahres der Priester“ mit auf den Weg geben. Dass es gerade Kinder als Opfer und diese unsäglichen Verbrechen sind, mit denen wir in diesem Priesterjahr konfrontiert wurden, ist für mich nur als vom Heiligen Geist ausdrücklich so gewollt und zugelassen zu verstehen, damit wir alle – jeder in seiner Weise – dem Leitwort dieses Priesterjahres uneingeschränkt entsprechen: „Treue in Christus, Treue des Priesters“, und Sühne tun für jene, die es missbraucht haben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22 / 2010 - Dreifaltigkeitssonntag (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

In diesen Tagen wird das Glaubensleben geprägt von einer Abfolge größerer Feste, die nachvollziehen lassen, in welch intensiver Weise Gott zum Heil der Menschen da ist. Auf das Fest der Auferstehung folgt der Tag der Himmelfahrt, an dem unser Herr Jesus Christus das gesamte irdische Leben gewissermaßen erneut in die Höhen des Himmels hebt und dabei die Erde wieder mit dem Himmel verbindet.

10 Tage später feiert die Kirche mit dem Pfingstfest das endgültige Herabsteigen Gottes von den Höhen des Himmels hinunter zur Erde. Damit stellt Gott sicher, dass die Verbindung zwischen Himmel und Erde, wie auch umgekehrt, nicht noch einmal hoffnungslos verloren geht.

Von daher ist es konsequent, dass die Kirche am Sonntag nach Pfingsten das Fest der Dreifaltigkeit feiert. Denn „das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium, Nummer 44).

Von klein an ist zwar allen Christen das Geheimnis der Dreifaltigkeit irgendwie bewusst – wenn Christen beten, beginnen sie meist mit dem Kreuzzeichen und bekennen dabei ihren Glauben an den dreifaltigen Gott: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ –, aber zugleich ist die Bedeutung dieses zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens und Lebens vielen so gut wie kaum bekannt.

Das liegt primär am Geheimnischarakter, zum anderen aber auch an einer bedauerlichen religiösen Unwissenheit.

In der Dreifaltigkeit offenbart sich der eine und einzige Gott als personales Wesen in drei Personen. Dieser dreipersonaler Gott ist eine einzige und innige Gemeinschaft, die zeitlos und damit ewig ist. Der immerwährende und ewige Austausch der drei Personen in dem einen und einzigen Gott spiegelt sich wider in dem auf Gemeinschaft hin geschaffenen Menschen.

In besonderer Weise ist die Familie Abbild der göttlichen Dreifaltigkeit. Von daher ist sie in der Natur des Menschen vorgegeben und nicht beliebig. Familie ist die Verbindung eines Mannes mit einer Frau und ihren gemeinsamen Kindern. Alles andere ist nicht wirklich Familie.

Zu diesem Zusammenhang zwischen dem Urbild der Dreifaltigkeit als himmlische Personengemeinschaft und ihrem Abbild in der irdischen Familie kennt die christliche Kunst die Darstellung der Dreifaltigkeit im Himmel und der „Dreifaltigkeit auf Erden“, die in der Heiligen Familie zugleich Vorbild aller Familien ist.

Dargestellt wird in vertikaler Linie, wie auf dem Bild der Pfarrnachrichten erkennbar, der Vater, der Heilige Geist und Sohn, der als der menschgewordene Jesus Christus eine Doppelfunktion als Bindeglied ausfüllt. Jesus Christus verbindet die himmlische Dreifaltigkeit als Urbild mit der irdischen Dreifaltigkeit als ihr erstes und schönstes Abbild in der Heiligen Familie.

Damit zeigt sich zugleich die Bedeutung des zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens und Lebens: Die Dreifaltigkeit ist der Ursprung und zugleich das Ziel jeder menschlichen Gemeinschaft, die auf die Familie zurückgeht. Vieles wäre hierzu noch zu sagen.

Auf das Hochfest der Dreifaltigkeit folgt das Fest Fronleichnam, das aus einer Perspektive die besondere Gegenwart unseres Gottes unter der Gestalt des Brotes als Stärkung und Nahrung für uns in den Mittelpunkt rückt. Auch hierzu wäre noch so vieles zu sagen.

Von Herzen lade ich Sie dazu ein, am Fronleichnamstag nach der Hl. Messe um 9:30 Uhr gemeinsam mit uns zum Roncalliplatz, und von dort aus in der zentralen Fronleichnamspression mit zu gehen. Darüber hinaus wünsche ich Ihnen Kraft, Trost und Zuversicht; denn Gott ist uns wirklich überaus nahe und zugleich als unsere Orientierung immer ansprechbar.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21 / 2010 - Pfingstwoche (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Eines der biblischen Symbole für den Heiligen Geist ist das Feuer. In dieser Gestalt kam er am Pfingsttag auf die Apostel herab. „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder“, so berichtet von jenem Ereignis die Apostelgeschichte (2,3).

Feuer ist ambivalent. Es bewirkt sowohl Gutes wie auch Böses. Es kann Leben erhalten und erretten wie auch vernichten und zerstören. Schon in manchen Redewendungen wird das deutlich: „In Liebe entbrennen“; „Feuer und Flamme sein“; „Feuertaufe“ wie auch „mit dem Feuer spielen“; „Feuer gefangen haben“; „sich die Finger verbrennen“ usw. Auch manche Begriffe werden in beiderlei Richtung mit Feuer in Verbindung gebracht: „Begeisterung“, „Liebe“, „Hass“, „Zorn“, „Leiden“, „Läuterung“, „Reinheit“ usw.

Das Evangelium Jesu Christi verkündet die Erlösung. Erlösung ermöglicht, dass der Mensch aus seiner Ambivalenz herausfindet und von ihr befreit wird. Jeder Mensch weiß sehr gut, dass er sowohl Gutes wie auch Böses tun kann. Wer sich Gott anvertraut, der spürt immer mehr eine Kraft, eine göttliche Kraft in sich, aus der heraus er sich dem Böse ab- und dem Guten immer endgültiger zuwenden kann.

So wird auch all das im Menschen, was mit Feuer in Verbindung gebracht werden kann, „erlöst“ und damit immer weniger ambivalent. Wer sich Gott anvertraut, ihm gehören möchte, sich mit Ausdauer und Gottes Kraft von der Gottlosigkeit abwendet, sich die Vater-unser-Bitte „Dein Wille geschehe“ auf die Fahnen schreibt, der lässt sich ein auf einen Prozess geheimnisvoller und doch zugleich wirklicher und spürbarer Reinigung und Läuterung. Er nimmt wahr und erfährt, wie seine Leidenschaften immer eindeutiger werden im Guten und immer geringer in ihrer Zweideutigkeit.

Auch hier gibt uns die Bibel ein wundervolles Bild an die Hand. Im Alten Testament, im Buch Exodus (3,1 ff), wird Mose von einem Dornenbusch in Bann gezogen, der „brannte und doch nicht verbrannte.“ In diesem Dornenbusch offenbarte sich Gott. In dieser Offenbarung können wir eine Vorbereitung auf das Pfingstfest sehen. Im Bild vom brennenden Dornenbusch, der nicht verbrannte, können wir auch sehen, wie Gott den Menschen durch die Kraft seines Geistes verändert und umgestaltet: Wie er ihn erlöst.

Wer sich von Gott nicht erlösen lassen möchte, und sich damit selber zur Gottlosigkeit verdammt, wird über eine gewisse Entwicklungsstufe aus eigener Kraft nicht hinaus kommen. Er wird feststellen müssen, dass seine Leidenschaften, wofür er sich mit Feuer und Flamme eingesetzt hat, mehr Schutt und Asche hinterlassen, als ihm lieb ist.

Nur in und mit der Kraft Gottes vermag der Mensch „zu brennen ohne zu verbrennen“; zu entzünden ohne zu verletzen; Feuer und Flamme ohne Schutt und Asche zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gnadenreiches Pfingstfest.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20 / 2010 - 7. Osterwoche (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Monat Mai loben und verehren die katholischen Christen in besonderer Weise die Gottesmutter und Jungfrau Maria. Weithin sichtbar schmücken sie vielfältig ihre Mariendarstellungen. Dabei sind Blumen und Blüten Symbole für Maria in ihrer Gnadenfülle. Die Gottesmutter wird verehrt als „Rose ohne Dornen“ und „schönste Blume“, wie es in einem Marienlied heißt. Schwertlilien, Anemonen und Nelken wiederum weisen auf Maria als schmerzhafte Mutter hin. Das Maiglöckchen – als beliebte Heilpflanze – steht für das Heil, das endgültig durch Maria in die Welt gekommen ist.

Schon im frühen Mittelalter stellten Künstler Maria häufig inmitten von Blumen dar. Sie sollten zudem das verloren gegangene Paradies versinnbildlichen, das uns durch Maria als Mutter Gottes nun in anderer Weise zurückgeschenkt ist. Darüber hinaus steht die im Frühling erwachende Natur mit ihrer Blütenpracht für neues Leben und Fruchtbarkeit. Auch dies ist in besonderer Weise durch Maria als der Mutter Gottes ermöglicht und Wirklichkeit geworden.

Von daher erklärt sich, dass auf der Südhalbkugel nicht der Mai, sondern der dortige Frühlingsmonat November als Marienmonat begangen wird.

Das Leben Mariens lädt dazu ein, es in der Beziehung zu ihrem Sohn zu betrachten. Viele Künstler haben das in ihren Kunstwerken getan. So wird Maria oft als junges Mädchen dargestellt: bei der Verkündigung, neben der Krippe, im Tempel. Eine ganz andere Maria begegnet uns in den Darstellungen von Leidensweg und Kreuz: eine erfahrene, reife und treue Mutter, die den Lebensweg des Sohnes bis zum Ende mitging.

Die letzte Station dieses Weges stellte Michelangelo (1475-1564) in seiner berühmten Pieta dar. Als Papst Paul VI. vor dem restaurierten Werk stand, sagte er: Hier ist Arbeit Gebet geworden.

Neben dem friedvollen Gesicht der Gottesmutter fällt dem Betrachter ihre Jugendlichkeit auf. Man fragt unwillkürlich, weshalb Michelangelo einer Mutter mit einem über dreißig Jahre alten Sohn ein so jugendliches Gesicht geben konnte.

Seinem Schüler Ascanio Condivi gab Michelangel darauf die Antwort: „Weißt du nicht, dass die keuschen Frauen sich viel frischer erhalten als die unkeuschen? Um wie viel mehr also eine Jungfrau, welche niemals auch nur der geringste wollüstige Gedanke befiel, der ihren Leib hätte entstellen können. (...) Das war bei dem Sohn nicht nötig; vielmehr eher das Gegenteil, weil zu zeigen war, dass der Sohn Gottes wirklich einen menschlichen Körper angenommen hat. (...) Darum steht's dir nicht zu, dich zu wundern, wenn mich diese Einsicht bewog, die Allerheiligste Jungfrau, die Mutter Gottes, im Vergleich zu ihrem Sohn weit jünger zu gestalten, als es jenes Alter gewöhnlich fordert, dem Sohn aber sein Alter zu lassen.”

Hier klingt eine tiefe Einsicht an: die Jugendlichkeit eines Menschen entscheidet sich in seiner Einstellung und Lebenshaltung. Dabei sind auch die Gedanken besonders wichtig. Nicht wenige Ärzte und Psychologen behaupten: „Die unheilvollste Krankheit des heutigen Menschen ist die Negativität seines Denkens. Vielen Patienten fehlt nichts außer gesunden Gedanken.”

Maria macht Mut und erwirkt von ihrem Sohn die Gnade, Gedanken und Gefühle von allem Ungesunden, Unsinnigen und Destruktiven zu reinigen und weit von sich zu weisen. Maria bezog ihre Frische daraus, dass Gott für sie alles zum Positiven gewendet hat; auch das Kreuz und alle anderen negativen Lebenserfahrung.

Alles mit den Augen Gottes sehen, das könnte ihr unausgesprochenes Lebensmotto sein. Das könnte auch unsere Regel sein, um Unausgegorenes zu klären und zu reinigen, etwa Egoismus, ungeordnete Selbstwertgefühle oder vagabundierende Sexualität.

Auch wenn wir altern, wir bleiben doch jung. Die Jugendlichkeit der Pieta des Michelangelo hat einen tiefen und schönen Sinn.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19 / 2010 - 6. Osterwoche (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem 6. Ostersonntag hören wir als Evangelium einige Verse aus den sogenannten Abschiedesreden Jesu. Zwischen den Zeilen nimmt der aufmerksame Zuhörer eine gewisse Angst und Unruhe der Jünger wahr, auf die der Herr im 14. Kapitel des Evangeliums nach Johannes wie folgt antwortet:

„Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“

Es sind beruhigende Worte des Herrn, die vor allem auch den Grund für die Zuversicht nennen: Die Liebe.

Blind macht nur die unreife Liebe. Die gereifte Liebe hingegen macht sehend. Wenn wir dem Herrn mit wirklicher, das heißt mit gereifter Liebe verbunden sind, dann ist der Abstand zwischen uns und ihm kein Hindernis; im Gegenteil: Er hilft der Liebe reif zu werden.

Auch wenn der Sohn Gottes nicht mehr als der Mensch Jesus von Nazareth unter uns ist, sind wir keine Waisenkinder Gottes. Wir sind nicht alleine. Und auch die Kirche ist nicht alleine, mag sie auch im Laufe ihrer zweitausendjährigen Geschichte immer wieder erschüttert und bis an den Abgrund getrieben worden zu sein. Der Heilige Geist, den das Pfingstereignis bezeugt, steht den Seinen zur Seite und leistet der Kirche seinen Beistand.

„Beistand“ ist eigentlich ein zu schwacher Ausdruck. Im griechischen Original steht das Wort „parakletos“, das ist der Herbeigerufene, der hilfreiche Berater, aber auch der Handhalter, der ganz in der Nähe ist und die Hand hält, wenn es darauf ankommt. Wir kennen so etwas z.B. wenn man krank ist: Wie froh ist man dann, wenn ein lieber Mensch bei einem ist und die Hand hält!

Der Beistand, den Jesus den Seinen zusichert, nimmt sie also an die Hand, und setzt auf diese Weise Jesu Werk fort. Er bringt den Seinen die Botschaft Jesu noch näher, wie der Herr es an dieser Stelle dann auch ausdrücklich erklärt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Die Himmelfahrt Jesu und seine von da an scheinbar größere Distance zu den Menschen ist Chance und Herausforderung zugleich, dass die Liebe zu ihm reift und in die Tiefe geht. Bei diesem Prozess, in dem natürlich auch der Glaube sich entfalten und in die Tiefe wachsen muss, bleibt die Herde Jesu nie ohne himmlischen Helfer, Hirten und „Handhalter“.

Jesus erklärt im dem oben genannten Evangelium auch, was der einzelne Christ dazu konkret tun soll: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“

Jesus Worte dienen dem heutigen Jünger Jesu wie eine Art Treppen-Geländer, das vor dem Absturz bewahrt und unaufdringlich nach oben führt. Dabei muss man sich am Geländer aber auch festhalten; sonst drohen Stolpern und Lebensgefahr!

Interessant dabei ist der ursprüngliche Ausdruck für „festhalten“ im Neuen Testament. Man kann diesen Vers nämlich auch so übersetzen: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort bewachen.“ – Jesus spricht also nicht von einem passiven Festhalten, sondern von einem aktiven Handeln: Damit das Wort des Herrn im alltäglichen Leben nicht verloren geht, muss jeder diesen Schatz auch aktiv bewachen und behüten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18 / 2010 - 5. Osterwoche (C)

Der Heilige Paulus, Mosaik aus dem 5. Jh., Ravenna

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesen Sonntagen in der Osterzeit wird uns im Gottesdienst aus der Apostelgeschichte vorgetragen, wie sich das Reich Gottes durch die Glaubensstärke der Apostel und der frühen Christen beständig ausgebreitete. Die Berichte vermitteln dem Leser oder Hörer eine positive Grundstimmung und enthalten versteckte Impulse, die den christlichen Gemeinden von heute sehr gut tun.

Obwohl die christlichen Gemeinden damals ganz geringe Zahlen aufwiesen, blies ihnen der Wind einer ganz anders denkenden Umwelt wesentlich kräftiger ins Gesicht als uns heute. Materielles Wohlergehen, religiöse Vielfalt und Beliebigkeit, Individualismus und Werteverfall waren damals so überwältigend groß, dass die Kulturen der Antike daran untergegangen sind.

Unser Problem heute besteht darin, dass die Kirche in unseren Tagen nicht nur von außen infrage gestellt wird. So ist es unter anderem nicht korrekt, nur mit Blick auf Priester und Bischöfe vom „Bodenpersonal“ zu sprechen. Zum „Bodenpersonal“ der Kirche gehören schließlich alle Christen. Uneinigkeit und Beliebigkeit, gegenseitige Vorwürfe und Unwille zur Kooperation sind nur einige Aspekte, die das Licht und den Segen, die von der Kirche für die Welt ausgehen, in der Öffentlichkeit verdunkeln und trüben.

Die Berichte der Apostelgeschichte verschweigen nicht die vielen Schwierigkeiten, äußere wie innere, die auch damals bestanden. Allen zum trotz sprachen Paulus und Barnabas den anderen „Jüngern Mut zu und ermahnte sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.“ (vgl. Apostelgeschichte, 14. Kapitel, Vers 22)

Entscheidend und ausschlaggebend war eine wichtige Grundüberzeugung, welche die christlichen Gemeinden des Anfangs ganz wesentlich geprägt hat. Die frühen Christen, allen voran die Apostel, verstanden sich als Werkzeuge Gottes. Sie ließen Gott ganz bewusst durch sich handeln; was auch auf eine innige und tiefe Gottesbeziehung schließen lässt.

Darin liegt das eigentliche Mutmachende; und wenn wir so wollen, das Erfolgsrezept. Paulus und Barnabas berichteten alles, wie es in der Apostelgeschichte wörtlich heißt, „was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.“

Das Leben eines jeden, der sich Christ nennt, muss davon geprägt sein, wenn man nicht nur ein Taufscheinkatholik sein möchte.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17 / 2010 - 4. Osterwoche (C)

Der gute Hirt – Fresko in der Priscilla-Katakombe, Rom, Ende des 3. Jh.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Kommunionvers an diesem Sonntag, dem 4. in der Osterzeit, betet die Kirche: „Auferstanden ist der Gute Hirt. Er gab sein Leben für die Schafe. Er ist für seine Herde gestorben, Halleluja.“ Hier wird die Gestalt des guten Hirten angesprochen, die im Sonntags-Evange­lium im Mittelpunkt steht.

Er, Jesus, der gute Hirt hat durch sein aufopferndes Leben bis zum Tod den Schafen das Leben gerettet und wiedergeschenkt. Wir können auch sagen: Die Hingabe des guten Hirten hat Rettung und Erlösung gebracht.

Jahre später stärkt Petrus den Glauben der Christen daran. Er erinnert an die Taten Jesu und wofür er gelitten hat (1 Petr 2,24-25): „Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.“

Ganz ähnlich betet die Kirche auch heute, und erinnert damit zugleich die Gläubigen unserer Tage an das bis zum Ende der Zeit fortdauernde segensreiche Tun des guten Hirten: Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt. Geleite auch die Herde, für die er sein Leben dahingab, aus aller Not zur ewigen Freude. (Tagesgebet vom 4. Sonntag)

Aus den ersten christlichen Jahrhunderten sind uns vor allem in Fresken und Mosaiken zahlreiche Darstellungen vom guten Hirten überliefert. Sie veranschaulichen die barmherzige Güte des menschgewordenen Gottes, der die Seinen nicht im Stich lässt. Darüber hinaus können und sollen diese Darstellungen auch Assoziationen mit Blick auf diejenigen wecken, die im Auftrag Gottes das Hirtenamt vor Christus ausübten, und nach Christus in anderer Form weiterhin ausüben.

Im Alten Testament ist Mose der Hirt der Herde Gottes (vgl. Jes 63,11), und David wird von Gott von seinen Schafen weggeholt, um das Volk Israel zu weiden (vgl. Ps 78(77),70 ff). Aber auch Gott selber ist der Hirte Israels (Ps 80(79),2), der das zerstreute und versprengte Volk wieder sammelt. Alle Verheißungen und Erwartungen an den vollkommenen Hirten, die im Alten Testament anklingen, erfüllen sich im Neuen Testament in der Gestalt Jesu.

Vor allem im Johannes-Evangelium erkennen wir neue Züge. Jesus ist keine Herrschergestalt, wie der messianische König es ist. Er ist der gute Hirt, der sein Leben für die Schafe hingibt und Hirten einsetzt, damit diese sein Werk weiterführen. Im Gegensatz zum Mietling, der im Augenblick der Gefahr die Schafe im Stich lässt, um sein eigenes Leben zu retten, setzt Jesus sein Leben für die Schafe ein und zeigt damit, dass sie seine Schafe sind.

Damit ist nicht ein materielles Eigentumsverhältnis gemeint. Hier geht es vielmehr um ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Hirt und Herde. Dieses Verhältnis wird durch zusätzliche Bilder vom Rufen des Hirten und dem Hören bzw. Kennen seiner Stimme durch die Schafe als sehr innig beschreiben. Jesus ist der eine und – wie es im 1. Petrusbrief (5,4) heißt – der oberste Hirt.

Jesus Christus wiederum, der eine und oberste Hirt, hat weiter Hirten eingesetzt, die in seinem Namen sprechen und handeln und ihn dabei auf eine ganz besondere Weise nicht nur vertreten sondern auch gegenwärtig machen. Nach katholischem Glauben wird das Priesteramt (= das Amt des [guten] Hirten) durch ein besonderes Sakrament übertragen. Dieses zeichnet die Priester, und in einem noch umfassenderen Maß die Bischöfe und den Papst aus und prägt als „Salbung des Heiligen Geistes“ dem zum Priester Geweihten ein unauslöschbares „Prägemal“ ein.

Durch diese „Besiegelung“ ist der Priester, und noch umfassender der Bischof, Christus gleichförmig, so dass er beim Verkünden und der kirchentreuen Auslegen des Evangeliums wie beim Spenden der Sakramente „in der Person Christi des Hauptes“ handelt.

Auch wenn diese Tatsache durch Priester und Bischöfe, die sich des sehr großen und verabscheuungswürdigen Verbrechens von sexuellem Kindesmissbrauch schuldig gemacht haben, in der oberflächlichen Wahrnehmung fast gänzlich verdunkelt wird, bleibt sie im Kern davon unberührt und darf deshalb im gläubigen wie auch – mit Blick auf religiöse Toleranz – im öffentlichen Bewusstsein nicht verdrängt oder gar geächtet werden.

„Die Mächte der Unterwelt werden sie (die Kirche) nicht überwältigen.“ (Mt 16,18). Die Missbrauchsfälle, und dass es dazu kommen konnte, sind ein Signal für sehr sehr viele, die Schuld ihrer Gottvergessenheit und ihre Gottlosigkeit zu er- und zu bekennen und umzukehren.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16 / 2010 - 3. Osterwoche (C)

Der nachösterliche Fischfang - Konrad Witz (+1444)

Ostern und Auferstehung waren vorbei. Nun hatte der Alltag die übriggebliebenen Jünger wieder fest im Griff. Sieben der Jünger waren in der Nähe der Stadt Tiberias am See Genesareth zusammen und wussten nicht so recht, wie es nun weitergehen sollte. Es ist der Evangelist Johannes, der uns davon berichtet (vgl. Joh. 21,1 ff).

Petrus als temperamentvolle und ungeduldige Führernatur hielt die Ungewissheit eines Abends nicht mehr aus: „Ich gehe fischen.“ Ohne Diskussion stimmten alle zu, und fuhren mit hinaus auf den See. „Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“

Wenn sie doch wenigstens einen ganz kleinen Fang gemacht hätten! … Aber sie fingen nichts. Gar nichts! … Umsonst hatten sie sich abgeplagt! Sie standen mit leeren Händen da. Was haben sie bloß falsch gemacht?

Die Frage des Auferstandenen, den sie wieder einmal nicht erkannten, brachte sie in zusätzliche Verlegenheit: „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Bei Ihrer Antwort: „Nein“ hört man es förmlich knistern. Es ist zugleich Eingeständnis des eigenen Unvermögens und der Unfähigkeit, einen hungrigen Fremden zu sättigen.

Wie schon einmal, als sie drei Jahre zuvor Jesus zum ersten Mal begegneten, lassen sie sich ein auf die sonderbare Aufforderung: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Fischfang bei Tag – das hat noch nie funktioniert! Eine solche Aufforderung ist so abwegig wie die Anweisung, beim Bau eines Hauses mit dem Dach anzufangen!

Dann aber war der Fang so überwältigend groß, dass sie wie vor drei Jahren Schwierigkeiten hatten, das Netz einzuholen. Da gingen ihnen die Augen auf. Sie erkannten die „Handschrift“ des Herrn. Wieder einmal zeigte sich Petrus, wie wir ihn kennen: In Ufernähe angekommen, konnte er es nicht abwarten. Er sprang in den See, um schneller beim Herrn zu sein!

Als sie an Land gingen, wartete die nächste Überraschung auf sie: Jesus hatte ein Feuer gemacht, und über den Flammen garten Fisch und frisches Brot. Da wird ihnen die wunderbare Brotvermehrung wieder in den Sinn gekommen sein.

Der überraschende Gastgeber ist der Herr selber!

Wie lange brauchen auch wir, um zu verstehen, wenn das Netz des eigenen Lebens manchmal so leer oder nur mit so wenig gefüllt zu sein scheint; wenn man scheinbar mit leeren Händen da steht, obwohl man sich doch so bemüht hat!

Damals haben die Jünger für sich gelernt und verstanden: Unser Wissen und Können alleine ist bei weitem nicht alles! Wer auf den Herrn hört, sich ihm anvertraut und auf sein Wort baut, nur der wird reich beschenkt. Er geht ganz gewiss nicht mehr leer aus.

Nicht wie man selber, sondern wie Gott denkt und lenkt, sollen wir leben: „Dein Wille geschehe!“

Das Netz der Jünger war mit 153 großen Fischen gefüllt. Eine symbolische Zahl. Sie ergibt sich aus 3 x 3 x 17, was in der Zahlensymbolik der Bibel Vollkommenheit bedeutet. Darüber hinaus nahm man damals an, es gäbe 153 verschiedene Völker auf der Erde. Damit also sagt der Herr seinen Jüngern, die bis dahin ja nur arme Fischer waren, dass der Missionsauftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkünden, sie dann nicht überfordern wird, wenn sie sich getreu an sein Wort halten. Dann würden die Netze wirklich voll werden.

Halten auch wir uns daran.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15 / 2010 - 2. Osterwoche (C)

"Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen" betet die Kirche in ihren liturgischen Texten (Tagesgebet vom 26. Sonntag im Jahreskreis). Und im Gebet nach dem Te deum bete sie: "Großer Gott, dein Erbarmen und deine Güte sind unerschöpflich."

Papst Johannes Paul II. war es ein großes, durch den Heilige Geist bewirktes Anliegen, das unerschöpfliche Erbarmen Gottes tief in die Herzen der Gläubigen einzusenken. So hat er bestimmt, Gottes Barmherzigkeit am zweiten Sonntag der Osterzeit besonderes zu verehren und diesem Tag die Bezeichnung zu verleihen: »Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit« (Dekret Misericors et miserator, 5. Mai 2000).

Gottes unermessliche Zuwendung leuchtet vor allem dann auf, wenn der Sünder nach der Vergebung inniger als zuvor in der väterlichen Freundschaftsliebe mit Gott leben darf, die er verdientermaßen verloren hatte.

Gott vergibt auch die schwersten Sünden und bewegt gleichzeitig den Gläubigen dazu, einen übernatürlichen, nicht nur psychologischen Schmerz über die eigenen Sünden zu verspüren. Nur so kann der Gläubige, immer mit Hilfe göttlicher Gnade, den festen Vorsatz fassen, nicht mehr zu sündigen.

Mit einer solchen inneren Haltung“, wird im genannten Dekret erklärt, „erlangt der Gläubige wirklich die Vergebung der Todsünden, wenn er das Bußsakrament fruchtbringend empfängt oder sie in einem Akt vollkommenen Schmerzes und vollkommener Liebe bereut mit dem Vorsatz, baldmöglichst das Bußsakrament zu empfangen. Denn unser Herr Jesus Christus lehrt uns im Gleichnis des verlorenen Sohnes, dass der Sünder sein Elend vor Gott mit den Worten »Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein« (Lk 15, 18–19) bekennen und auch spüren muss, dass es Gottes Werk ist: Er »war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (Lk 15, 32).“

Ergänzend dazu wird im Evangelium vom zweiten Sonntag der Osterzeit, dem Barmherzigkeitssonntag, berichtet, wie Jesus seine Jünger anhauchte und zu ihnen sprach: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20, 19–23).

Wer uneingeschränkt und vorbehaltlos die mit dem Bußsakrament zuinnerst verwobene über jede Vorstellung erhabene Barmherzigkeit Gottes im Glauben nachvollzieht, der weiß sich mit Papst Johannes Paul II. im Innersten des Herzens zutiefst berührt, angesprochen und gedrängt, das Geheimnisse der göttlichen Vergebung andächtig zu feiern und seiner besonders zu gedenken.

Vor diesem Hintergrund hat die Apostolische Pönitentiarie am 29. Juni 2002 ein Dekret über mit Ablässen verbundenen Andachtsübungen zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit erlassen und darin bestimmt, dass das Volk Gottes seinen Glauben an Gottes Barmherzigkeit „durch besondere Gebetstexte“ ausdrücken und sie dabei zugleich lobpreisen soll. Es sei angebracht, so das Dekret weiter, dass das Volk Gottes „nachdem es die erforderlichen Werke dankbaren Herzens vollbracht und die notwendigen Bedingungen erfüllt hat, geistlichen Gewinn aus dem Schatz der Kirche ziehen kann.“

Folgerichtig wird dann im Dekret erklärt: „Damit die Gläubigen diese Feier mit ganzem Herzen begehen, hat der Papst festgelegt, dass der vorgenannte Sonntag … mit dem vollkommenen Ablass ausgestattet wird. Das hat den Zweck, dass die Gläubigen das Geschenk des Trostes des Heiligen Geistes in höherem Maß empfangen und so eine wachsende Liebe zu Gott und zum Nächsten entfalten können und, nachdem sie selbst die Vergebung Gottes empfangen haben, ihrerseits angeregt werden, sogleich den Brüdern und Schwestern zu vergeben.“

Die Bedingungen zum Empfang des vollkommenen Ablasses werden gesondert ausgelegt. Herzlich lade ich Sie zum Erwerb des vollkommenen Ablasses ein. Diesem Anliegen dient auch die Abendandacht am Barmherzigkeitssonntag.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

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Ablässe am Barmherzigkeitssonntag

Mit dem brennenden Wunsch, im christlichen Volk die Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit zu fördern, hat Papst Johannes Paul II. am 13. Juni 2002 folgende Ablässe gemäß der unten genannter Bedingungen gewährt:

Der vollkommene Ablass wird unter den gewohnten Bedingungen (Empfang des Bußsakraments, der heiligen Eucharistie und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters) dem Gläubigen gewährt, der mit reinem, jeder, auch der lässlichen Sünde abgewandtem Herzen am zweiten Sonntag der Osterzeit, das heißt, dem »der Göttlichen Barmherzigkeit«, in einer Kirche oder einem Oratorium an den zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit durchgeführten Andachtsübungen teilnimmt oder wenigstens vor dem Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie – öffentlich ausgesetzt oder im Tabernakel aufbewahrt – das »Vater unser« und das »Credo« betet mit dem Zusatz einer kurzen Anrufung des Barmherzigen Herrn Jesus (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich!«)

Ein Teilablass wird dem Gläubigen gewährt, wenn er mit reuigem Herzen an den Barmherzigen Herrn Jesus eine der rechtmäßig genehmigten Anrufungen richtet.

Die Seefahrer, die ihre Pflicht im weiten Meer tun; die zahllosen Brüder und Schwestern, die durch das Unheil des Krieges, die politischen Wirrnisse, die Unbarmherzigkeit der Orte und aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen haben; die Kranken und ihre Pfleger und alle, die aus berechtigten Gründen nicht außer Haus gehen können oder zugunsten der Gemeinschaft eine unaufschiebbare Tätigkeit ausüben, können den vollkommenen Ablass am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit gewinnen, wenn sie unter vollständiger Abkehr von jeder Sünde, wie zuvor gesagt, und mit dem Vorsatz, baldmöglichst die drei gewohnten Bedingungen zu erfüllen, vor dem Bild Unseres Barmherzigen Herrn Jesus das »Vater unser« und das Glaubensbekenntnis beten und eine Anrufung an den Barmherzigen Herrn Jesus hinzufügen (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich«).

Sollte den Gläubigen auch das nicht möglich sein, können an demselben Tag den vollkommenen Ablass erlangen, die sich in der Absicht und Gesinnung des Herzens geistig mit denen vereinen, die in ordentlicher Weise das für den Ablass vorgeschriebene Werk erfüllen und dem Barmherzigen Gott ein Gebet und die Leiden, die Krankheit und die Beschwerlichkeiten ihres Lebens aufopfern, wobei auch sie den Vorsatz haben, baldmöglichst die für die Gewinnung des vollkommenen Ablasses vorgeschriebenen drei Bedingungen zu erfüllen.

Die Priester, die den pastoralen Dienst versehen, vor allem die Pfarrer, sollen ihre Gläubigen in der angemessensten Weise von dieser heilsamen Verfügung der Kirche unterrichten; sie sollen selbstlos und hilfsbereit deren Beichte hören und am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit nach der Feier der heiligen Messe oder der Vesper oder während einer Andacht zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit die vorgenannten Gebete mit der dem Ritus entsprechenden Würde leiten; sie sollen, gemäß dem Wort des Herrn: »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5, 7), die Gläubigen in der Katechese behutsam dazu drängen, so häufig wie möglich Werke der Barmherzigkeit zu tun und dem Beispiel und Auftrag Jesu Christi folgen, wie es in der zweiten allgemeinen Gewährung des Enchiridion Indulgentiarum angegeben ist.

Das vorliegende Dekret bleibt immer in Kraft, ungeachtet jeglicher gegenteilig lautenden Vorschrift. – Rom, beim Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 29. Juni 2002, am Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus 2002.

 

 

Pfarrnachrichten 14 / 2010 - 1. Osterwoche (C)

Matthias Grünewald (+ 1528), Isenheimer Altar

Was würden Sie einem Reporter im Anschluss eines Ostergottesdienstes antworten, der auf Sie zukäme, Ihnen sein Mirkofon unter die Nase hielte und Sie fragen würde: Warum feiern Sie Ostern?

Vielleicht würde Sie interessieren, was auch andere darauf antworten würden.

Aber zugunsten der Antwort eines Prominenten, des Heiligen Paulus nämlich, wollen wir darauf verzichten, hierüber weiter zu spekulieren.

Paulus antwortet auf diese Frage nämlich nicht, wie es wohl viele von uns tun würden: Wir feiern Ostern, weil Jesus von den Toten auferstanden ist. – Paulus würde dem Reporter antworten: Wir feiern Ostern, weil auch Du als Christ von den Toten auferweckt wurdest, und weil auch Du nach Ostern als neuer Mensch leben kannst und leben sollst.

Im Brief an die Römer – wir hören ihn der Osternacht – erzählt Paulus keine Geschichten von Ostern. Er erzählt nicht – wie Matthäus, Markus oder Lukas – von einem leeren Grab. Auch nichts von Engel, die Frauen an das erinnern, was der Herr schon in Galiläa vorausgesagt hatte, dass er den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werde und am dritten Tage auferstehe (vgl. Lk 24,7).

Ganz anders der Heilige Paulus. Er kreist immer wieder um das eine Thema: Was bedeutet Ostern, was bedeutet die Auferstehung Jesu für uns?

Paulus geht dabei so weit, dass er behauptet: Hätte die Auferweckung Jesu keine Folgen für uns, dann wäre unser ganzer Glaube sinnlos und nichtig.

In der Osternachtslesung formuliert Paulus das so: „Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod, damit wir – wie Christus auferweckt wurde – auch in dieser neuen Wirklichkeit leben“ (nach Röm 6,4).

Leben in einer neuen Wirklichkeit: Das ist nicht abgehoben! Das kann und soll der Gläubige Tag für Tag ganz unmittelbar und so lebendig erfahren, wie das im Ritus der Taufe, schon zur Zeit des Heiligen Paulus, vollzogen und zelebriert wurde.

Zu Beginn der Taufe legten die Erwachsenen ihre alten Kleider ab, und mit ihren alten Kleidern auch ihr altes Leben. Davon entledigt stiegen sie in die Taufanlage hinab und wurden für eine gewisse, meist auch längere Zeit unter Wasser getaucht. Damit wurden sie zeichenhaft, aber zugleich auch existentiell erfahrbar, in die Nähe des Todes gebracht.

Paulus sagt im Römerbrief (6,3.6): „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

Aus dieser auch längeren Zeit unter Wasser und in Todesnähe wurde der Täufling dann befreit. – „Wenn wir Christus gleich geworden sind in seinem Tod“, sagt wiederum Paulus, „dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“

Beim Auftauchen erlebte der Getaufte im Durch- und Aufatmen das neue Leben, das ihm in der Taufe geschenkt worden war. – „Ihr sollt euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind“, lesen wir noch einmal bei Paulus (Röm 6,11), „aber für Gott leben in Christus Jesus.“

Christen haben immer wieder erfahren, dass dies keine Theorie sondern gerade auch im Alltag lebbare Wirklichkeit ist.

So wünsche ich uns allen, dass wir beständig und ausdauernd sind in dem, was wir in der Fastenzeit und jetzt zu Ostern ganz einfach und direkt tun und aus ganzem Herzen feiern und erleben: Wir sind mit Christus gestorben und könne nun mit ihm leben.

Das ist Ostern! Und darum feiern wir Ostern.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 13 / 2010 - Karwoche (C)

Giotto di Bondone: Einzug in Jerusalem, 1304 - 1306, Fresko in der Cappella Scrovegni in Padu

Predigtauszug, Palmsonntag 2007, Papst Benedikt XVI.

In der Palmsonntagsprozession schließen wir uns der Schar seiner Jünger an, die den Herrn in festlicher Freude nach Jerusalem geleiten. Wie sie loben wir den Herrn mit lauter Stimme für all die Wunder, die wir erlebt haben. Ja, auch wir haben die Wohltaten Christi gesehen und sehen sie: Wie er Menschen dazu bringt, auf ihr eigenes bequemes Leben zu verzichten und sich ganz in den Dienst der Leidenden zu stellen; wie er Menschen den Mut gibt, der Gewalt und der Lüge zu widerstehen und der Wahrheit in der Welt Raum zu schaffen; wie er ganz im stillen Menschen bewegt, einander Gutes zu tun, Versöhnung zu schaffen, wo Hass war; Friede zu schaffen, wo Feindschaft herrschte.

Die Prozession ist zuallererst ein freudiges Bekenntnis zu Jesus Christus, in dem uns das Antlitz Gottes sichtbar geworden ist; durch den das Herz Gottes für uns offensteht. Im Lukas-Evangelium ist der Anfang der Prozession zum Teil wörtlich nach dem Krönungsritual gestaltet, mit dem – dem Buch der Könige zufolge – Salomon zum Erben von Davids Königtum bestellt wurde (1 Kön 1, 33 – 35). So ist die Palmprozession auch eine Christkönigsprozession: Wir bekennen uns zum Königtum Jesu Christi, bekennen ihn als den Davidssohn, den wahren Salomon – den König des Friedens und der Gerechtigkeit. Ihn als König anerkennen heißt: Ihn als den Wegweiser annehmen, dem wir trauen und dem wir folgen. Es heißt: Sein Wort als gültigen Maßstab für unser Leben annehmen Tag um Tag. Es bedeutet, in ihm die Autorität zu sehen, der wir uns beugen. Ihm beugen wir uns, weil seine Autorität die Autorität der Wahrheit ist.

Die Palmprozession ist – wie damals bei den Jüngern – zunächst einfach Ausdruck der Freude darüber, dass wir Jesus kennen dürfen; dass wir ihm Freunde sein dürfen; und dass er uns den Schlüssel zum Leben geschenkt hat. Diese Freude, die am Anfang steht, ist aber auch Ausdruck unseres Ja zu Jesus und unserer Bereitschaft, mit ihm zu gehen, wohin er uns führt. Der Aufruf, mit dem die Liturgie heute begonnen hat, deutet deswegen die Prozession auch als symbolische Darstellung dessen, was wir Nachfolge Christi nennen: „Bitten wir um die Gnade, ihm zu folgen“, heißt es da. Das Wort Nachfolge Christi ist eine Beschreibung des Ganzen der christlichen Existenz überhaupt. Worin besteht sie? Was heißt das praktisch „Christus nachfolgen“?

… Nachfolge ist etwas Äußerliches und zugleich etwas ganz Innerliches... Etwas Äußerliches: das Nachgehen hinter Jesus auf seinen Wanderungen durch Palästina; etwas Innerliches: die neue Orientierung der Existenz, die nicht mehr im Geschäft, im Broterwerb, im eigenen Wollen ihre Leitpunkte hat, sondern weggegeben ist an den Willen eines anderen. Ihm zur Verfügung stehen ist nun Lebensinhalt geworden. Wieviel Verzicht auf das Eigene, welche Wendung von sich selbst das für die Jünger einschloss, können wir aus einzelnen Szenen der Evangelien recht deutlich erkennen.

So wird aber auch schon sichtbar, was Nachfolge für uns bedeutet und was für uns ihr eigentliches Wesen ist: Es geht um eine innere Verwandlung der Existenz. Es geht darum, dass ich nicht mehr in mein Ich eingeschlossen bin und meine Selbstverwirklichung als meinen hauptsächlichen Lebensinhalt annehme. Es geht darum, dass ich mich frei gebe an einen anderen hin – für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott, der mir in Jesus Christus vorausgeht und den Weg zeigt. Es geht um die Grundentscheidung, nicht Nutzen und Erwerb, Karriere und Erfolg als letztes Ziel meines Lebens anzusehen, sondern Wahrheit und Liebe als die eigentlichen Maßstäbe anzuerkennen. Es geht um die Wahl, nur für mich selber zu leben oder mich wegzugeben – an das Größere hin. Und bedenken wir dabei, dass Wahrheit und Liebe nicht abstrakte Größen sind, sondern in Jesus Christus sind sie Person. Wenn ich ihm folge, dann trete ich in den Dienst der Wahrheit und der Liebe. Mich verlierend finde ich mich.

 

Pfarrnachrichten 12 / 2010 - 5. Fastenwoche (C)

In drastischer Weise stellt Max Beckmann 1917 die Erzählung von Jesus und der Ehebrecherin dar: Die Sündern, als rothaarige, schamentblößte Prostituierte auf Knien betend dargestellt, wird von Jesus gegen die Heuchelei der sündigen Pharisäer in Schutz genommen.

Der fünfte Fastensonntag greift in der Erzählung von der Ehebrecherin das Anliegen Jesu vom vergangenen Sonntag (Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen zwei Söhnen) auf und führt es fort: Gott verurteilt und verstößt den Sünder nicht. Er hält seine Hand schützend über ihn So kann er umkehren und sich von seiner Sünde lossagen.

Die Erzählung von der Ehebrecherin gehört zu den eindrucksvollsten Texten des Johannesevangeliums. Unter den Bibelstellen, die Jesu Umgang mit Frauen zum Thema haben, nimmt sie einen hervorragenden Platz ein. In ihr kommt das gegenüber der jüdischen Tradition völlig neue Verhältnis Jesu zu den Frauen überzeugend zum Ausdruck. Ohne diese Geschichte würde uns etwas Wesentliches über die beispielhafte Haltung und Predigt Jesu in Wort und Tat fehlen.

Die Erzählung besteht aus zwei Teilen und hat zwei Höhepunkte.

Jesus wird von den Pharisäern mit einer „auf frischer Tat ertappten“ Ehebrecherin konfrontiert, die nach jüdischem Gesetzt zu steinigen wäre. Die Konfrontation erreicht ihren Höhepunkt in der Erwiderung Jesu: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie“ und klingt damit aus, dass „einer nach dem anderen fort ging“.

Der zweite Teil schildert die kurze, aber umso intensivere Begegnung mit der Frau, die mit dem Freispruch, mit der Lossprechung endet: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“

Auffallend ist, dass die Schuld des beteiligten Mannes überhaupt nicht erwähnt wird. So steht die Frau mit ihrer Sünde alleine da, ausgesetzt der öffentlichen Meinung. Die Schuld des mitverantwortlichen Mannes wird stillschweigend übergangen.

Wird der Ehebruch eines Mannes oft nicht weiterhin als Kavaliersdelikt angesehen und die Frau mit strengeren Maßstäben gemessen? Ganz abwegig ist die Tendenz, Ehebruch mit allerlei Geschwätz sogar zu legitimieren.

Die Pharisäer stellen die Frage nach der Schuldigkeit der Frau, um Jesus eine Falle zu stellen. Entscheidet er sich für ein mildes Vorgehen, stellt er sich gegen das Gesetz. Entscheidet er sich für die strikte Anwendung des Gesetzes, widerspricht er seiner Predigt von Gottes Barmherzigkeit.

Jesus durchschaut ihre Absicht. Er reagiert mit Stillschweigen und lässt sich nicht auf eine spitzfindige Diskussion ein. Gelassen und souverän „schreibt“ er mit dem Finger „auf die Erde“.

Als die Ankläger hartnäckig weiterfragen, lenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit von der Frau weg und konfrontiert sie mit sich selber: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ – Im Hintergrund steht der Brauch, dass die ersten Zeugen auch den ersten Stein zu werfen hatten (vgl. Lev 24,10‑16; Dtn 17,2‑7) und damit die volle Verantwortung für die Hinrichtung übernahmen. Eine derartige Verantwortung könnte aber nur übernehmen, wer selber „ohne Sünde ist.“

Dieses Wort Jesu wirkt. Er hat die Ankläger im Innersten getroffen. Einer um den anderen geht. Sie müssen anerkennen, dass sie als Sünder nicht das Recht haben, andere zu richten. Das setzt voraus, dass sie ihre eigenen Sünden anerkennen.

In den aktuellen Diskussionen um die Moral liegt hier das Problem: Die eigene Sünde wird mit dem legitimiert, was doch alle tun. Um so gnadenloser und alles Anspruchsvolle und Hohe der Moral pauschal gleich mit über Bord werfend rechnet man mit diesen Sünden und schweren Verbrechen ab, die im gegenwärtigen Trend nicht alle, aber immer noch viel zu viele begehen.

Am Ende seht die Frau Jesus in ihrer Menschlichkeit und ihrer menschlichen Schwäche, in ihrer Scham und ihrer Schuld ganz alleine gegenüber. Er stellt ihr die Schuldfrage nicht. Kein Wort der Verurteilung, auch keine Moralpredigt, sondern nur die Frage „Hat dich keiner verurteilt?“ Mit dieser Frage holt er sie aus der Verlegenheit und Unsicherheit heraus. – Die befreiende Erleichterung ist in ihrer Antwort zu spüren. „Keiner, Herr.“

Jesus entscheidet die kritische Situation der Frau durch die Worte: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr!“

Jesus schenkt mit dieser Entscheidung der Frau ein neues Leben. – Es wird gelingen, wenn die Frau fortan Gottes Wirken in ihrem Inneren zulässt, Gott um Beistand bittet und sich aus dieser inneren Kraft heraus an seine Weisungen, seine Gebote hält.

Jesus verhält sich hier wie der barmherzige Vater mit seinen zwei Söhnen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11 / 2010 - 4. Fastenwoche (C)

Die Gesamtschau nimmt uns als Rückenbild mit dem heimkehrenden Sohn mit hinein in die Barmherzigkeit des vergebenden Vaters. Im Hintergrund sind die Knechte und der zweite Sohn zu erkennen. - Das vergrößerte Detail zeigt die unterschiedlichen Hände des Vaters (vgl. Text).

In seinem apostolischen Schreiben über Buße und Versöhnung aus dem Jahre 1984 erläutert Papst Johannes Paul II. das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Der barmherzige Vater „hatte den Sohn keineswegs vergessen. Im Gegenteil“, so Johannes Paul II., „er hatte ihm unverändert Liebe und Achtung bewahrt. So hatte er immer auf ihn gewartet, und so umarmt er ihn jetzt, während er zum großen Fest für denjenigen auffordert, der tot war und wieder lebt, der verloren war und wiedergefunden wurde.

Der Mensch – ein jeder Mensch – ist ein solcher verlorener Sohn: betört von der Versuchung, sich vom Vater zu trennen, um ein unabhängiges Leben zu führen; dieser Versuchung verfallen; enttäuscht von der Leere, die ihn wie ein Blendwerk verzaubert hatte; allein, entehrt, ausgenutzt, als er sich eine Welt ganz für sich allein zu schaffen versucht; auch in der Tiefe seines Elendes noch immer gequält von der Sehnsucht, zur Gemeinschaft mit dem Vater zurückzukehren. Wie der Vater im Gleichnis erspäht Gott den heimkehrenden Sohn, er umarmt ihn bei seiner Ankunft und lässt die Tafel herrichten für das Festmahl ihrer neuen Begegnung, mit dem der Vater und die Brüder die Wiederversöhnung feiern.

Was an diesem Gleichnis am meisten beeindruckt, ist die festliche und liebevolle Aufnahme, die der Vater dem heimkehrenden Sohn bereitet: ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, der immer bereit ist zu verzeihen. Sagen wir es gleich: Die Versöhnung ist in erster Linie ein Geschenk des himmlischen Vaters.“ Soweit Papst Johannes Paul II.

Rembrandt (1606-166) hat passend hierzu in dem bekannten Bild „Die Heimkehr des verlorenen Sohnes“, das in der Eremitage von St. Petersburg zu bewundern ist, die barmherzige Versöhnung des Vaters in interessanter Weise visuell erschlossen.

Das Bild drückt das Verhältnis des Sohnes zu seinem Vater als Verhältnis des Gläubigen zu Gott aus. Durch den als Rückenfigur dargestellten Sohn fühlt der Betrachter sich in Rembrandts Bild und hierdurch in Gottes Barmherzigkeit hineingenommen und von den väterlichen Armen sanft umschlossen. Im Detail wird gut sichtbar, dass die Hände des Vaters unterschiedlich sind: Rembrand hat eine Frauen- und eine Männerhand gemalt, um die umfassende Größe und Weite des göttlichen Erbamens sichtbar zu machen.

Das Gemälde ist eine der letzten biblischen Darstellungen Rembrandts.

Johannes Paul II. lenkt im oben genannten Schreiben den Blick auch auf den zweiten Sohn: „Das Gleichnis lässt aber auch den älteren Bruder auftreten, der seinen Platz beim Festmahl verschmäht. Er wirft dem jüngeren Bruder dessen lockeres Treiben vor und dem Vater den Empfang, den dieser dem verlorenen Sohn vorbehalten habe, während es ihm selbst, immer beherrscht und fleißig und treu zum Vater und zum Hause stehend, niemals erlaubt worden sei – wie er sagt –, mit seinen Freunden ein Fest zu feiern.

Ein Zeichen, dass er die Güte des Vaters nicht versteht.

Solange dieser Bruder, von sich selbst und seinen Verdiensten allzu sehr überzeugt, eifersüchtig und verächtlich, voller Bitterkeit und Zorn, sich nicht bekehrt und mit dem Vater und dem Bruder versöhnt, ist dieses Mahl noch nicht ganz das Fest der Begegnung und des Sichwiederfindens.

Der Mensch – ein jeder Mensch –„ so Papst Johannes Paul II, „ist auch ein solcher älterer Bruder. Egoismus macht ihn eifersüchtig, lässt sein Herz hart werden, verblendet und verschließt ihn gegenüber den anderen und vor Gott. Die Güte und Barmherzigkeit des Vaters reizen und ärgern ihn; das Glück des heimgekehrten Bruders schmeckt ihm bitter. Auch in dieser Hinsicht hat der Mensch es nötig, sich zu bekehren, um sich auszusöhnen.“

Vertiefen wir uns zuerst in die Größe und Weite der entgegenkommenden Barmherzigkeit Gottes. Bekehrung und Umkehr werden daraufhin viel leichter folgen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10 / 2010 - 3. Fastenwoche (C)

Zur ersten Sonntagslesung: Gott zeigt sich Mose im brennenden Dornbusch, der lichterloh brennt und doch nicht verbrennt (vgl. Exodus,3,2f).

Im Sonntagsevangelium geht es um eine der ganz großen, immer wieder gestellten Fragen: Warum lässt Gott das Leid zu? Warum Erdbeben, Tsunamis, Kriege und noch Schlimmeres?

Im Sonntagsevangelium bezieht Jesus sich auf zwei Ereignisse, die aktuell zum Hauptgesprächsthema gehörten, und wieder einmal diese große Frage aufwarf: Warum wurden einige Galiläer von Pilatus umgebracht und warum wurden achtzehn Menschen von einem einstürzenden Turm erschlagen?

Warum? Das fragen wir nach jeder Katastrophe immer wieder.

Jesus erklärt seinen Zuhörern (Lukas, 13,2-5): „Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? … Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“

Das Leid hat nach dieser Erklärung also ursächlich mit der Sünde des Menschen zu tun, ist mit ihm ursächlich verwoben. Wäre die Sünde nicht in die Welt gekommen, dann wäre das Paradies dem Menschen wohl erhalten geblieben und er hätte nicht in der Form leiden müssen, wie er das nach dem Sündenfall nun erlebt.

Damit ist die Frage nach dem „Warum?“ allerdings noch lange nicht beantwortet. Der Katechismus der Katholischen Kirche holt zu dieser Frage weiter aus und erklärt: „Jede vorschnelle Antwort auf diese ebenso bedrängende wie unvermeidliche, ebenso schmerzliche wie geheimnisvolle Frage wird unbefriedigt lassen.“ (Nr. 309)

Im Folgenden weist der Katechismus darauf hin, dass die Antwort auf diese Frage „der christliche Glaube als ganzer“ ist: „Das Gutsein der Schöpfung, das Drama der Sünde, die geduldige Liebe Gottes, der dem Menschen entgegenkommt.“ (ibid.) Die Beantwortung dieser Frage ist also in den komplexen Zusammenhängen der Schöpfung und der Freiheit des geschaffenen Menschen zu suchen, wie sie sich im Licht des Glaubens zeigen.

Der große, christliche Denker des Mittelalters, Thomas vom Aquin, hat darüber nachgedacht, dass Gott in seiner unendlichen Macht stets etwas Besseres schaffen könnte (vgl. Thomas v. A., s. th. 1,25,6). In seiner unendlichen Weisheit und Güte jedoch wollte Gott aus freiem Entschluss eine Welt erschaffen, die „auf dem Weg“ zu ihrer letzten Vollkommenheit ist. Dieses Werden bringt nach Gottes Plan mit dem Erscheinen gewisser Daseinsformen das Verschwinden anderer, mit dem Vollkommenen auch weniger Vollkommenes mit sich, mit dem Aufbau auch den Abbau in der Natur. So kommt der heilige Thomas  zu dem Schluss: Solange die Schöpfung noch nicht zur Vollendung gelangt ist, gibt es mit dem physisch Guten folglich auch das physische Übel (vgl. Thomas v. A., s. gent. 3,71).

Weitaus schlimmer ist es mit dem (moralisch) Bösen / Übel, das die mit Geist und Freiheit ausgestatten Geschöpfe verursachen. Gegenüber dem physischen Übel, etwa einem Erdbeben, ist das moralische Übel unvergleichlich schlimmer.

„Gott ist auf keine Weise, weder direkt noch indirekt, Ursache des moralischen Übels. Er lässt es jedoch zu, da er die Freiheit seines Geschöpfes achtet, und er auf geheimnisvolle Weise weiß, daraus Gutes zu ziehen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 311)

Der heilige Augustinus erklärt das mit folgenden Worten: „Der allmächtige Gott ... könnte in seiner unendlichen Güte unmöglich irgend etwas Böses in seinen Werken dulden, wenn er nicht dermaßen allmächtig und gut wäre, dass er auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen vermöchte“ (Augustinus, enchir. 11,3).

Das hat etwas sehr tröstliches an sich und ist zur Bewältigung von Leid und Übel sehr hilfreich. Auf diese Sichtweise hat etwa der hl. Thomas Morus kurz vor seinem Martyrium seine Tochter Margret tröstend hingewiesen: „Es kann nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es auch scheinen mag, es ist für uns dennoch wahrhaft das Beste.“ – So ist also die Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ des Bösen „der christliche Glaube als ganzer.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 9 / 2010 - 2. Fastenwoche (C)

Die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor ist ein Schlüsselereignis in seinem Leben und in dem seiner Jünger. Aus diesem Grund nimmt Jesus auch drei besonders ausgesuchte Zeugen mit. Bevor sein Leidensweg beginnt, sollen sie die göttliche Herrlichkeit und Größe Jesu ganz intensiv erfahren. Sie sollen das Ziel erkennen, das der Herr durch den erlösenden Tod hindurch ansteuert. In seiner Verklärung nimmt Jesus die Auferstehung vorweg. So festigt er den Glauben der Jünger, damit sie nicht ganz verwirrt sind, wenn er leidend am Kreuz sein Leben hingibt.

Petrus erinnert an dieses Tabor-Erlebnis in seinem zweiten Brief als Augenzeuge: „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.“ (2 Petr 1,16-18)

Die Verklärung ruft bei den drei Aposteln zuerst ein Gefühl der Geborgenheit hervor, das dann überwechselt in Staunen und Furcht. Die Drei sind fasziniert und erschrocken zugleich. Das entspricht voll und ganz einem Erscheinen Gottes: Gott ist „mysterium fascinosum et tremendum“, ein faszinierende Geheimnis, das zugleich erzittern lässt. Diese Wirklichkeit Gottes, seine unser Fassungsvermögen weit überschreitende Majestät und Erhabenheit, ist uns heute fremd geworden. Gott wurde über Jahre verniedlicht. Für viele ist er nur noch der nette alte Herr, der dem Treiben der Menschen, wenn überhaupt, dann nur vergnüglich zuschaut.

Kaum jemand versucht noch, sich heranzutasten an die unendliche Erhabenheit Gottes, an seine majestätische Größe, Herrlichkeit und Macht, an seine absolute Heiligkeit. Daraus folgt, und es liegt in der Natur einer falschen und unzureichenden Gottesvorstellung: Verflachung und Banalisierung aller Lebensvollzüge, eine ungeheure geistige Verarmung, schließlich eine falsche Selbstsicherheit, wovor Paulus im Brief an die Philipper warnt: Viele leben als Feind des Kreuzes Christi; alles dreht sich um Essen und Trinken und irdische Vergnügen: „Ihr Gott ist der Bauch“.

Christen fasten, damit genau das nicht geschieht. Sie fasten, um frei zu bleiben – oder wieder frei zu werden – für die Erhabenheit und Größe Gottes. Die drei Jünger damals haben sie „erlebt“ und „verstanden“: Die Begegnung mit der umwerfenden Wirklichkeit Gottes, die alles Bekannte in den Schatten stellt, hat sie gerüstet für die kommende Zeit, die nicht einfach war.

Nutzen deshalb auch wir diese Fastenzeit, um uns für die Aufgaben des Lebens zu rüsten. Auch wir sollen wie die Apostel Zeugnis ablegen: Für Jesus Christus. Das ist nicht immer leicht und kostet mitunter Mut.

Jeden von uns erwarten früher oder später allerlei Leiden oder Krankheiten. Wir werden sie besser bestehen und anders mit ihnen umgehen, wenn unsere Beziehung zu Gott stimmt, wenn sie in der Vertrautheit mit Gott gefestigt wurde.

Die Verklärung lässt auch uns Mut fassen und Kraft schöpfen für die Selbstdisziplin und bewahrt vor der Verwirrung der Geister. Sie schenkt uns Zuversicht und Gewissheit, dass die Mühe um ein gutes Leben nicht vergeblich bleiben und keine Träne umsonst geweint wird: Gott hat denen Großes bereitet, die ihn lieben. (Vgl. 1 Kor 2,9)

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 8 / 2010 - 1. Fastenwoche (C)

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, so haben es nicht wenige von uns in den letzten Tagen gesungen und geschunkelt. Vorbei ist die ausgelassene Fröhlichkeit, die mit dem Beginn der Fastenzeit nun übergegangen ist in die 40-tägige Zeit der Besinnung. Der Besinnung auf die Wurzeln und die Verankerung des Lebens in Gott, dem Schöpfer und Erlöser. Diese Besinnung ist nicht möglich ohne Umkehr.

Jeder Mensch kennt in sich den Geist der Auf- und Ablehnung, den „Un-Geist“ des Verneinens. Dieser Geist ist mit allen Wassern gewaschen. Heute tarnt er sich zunehmend als Geist der Bejahung, als „Un-Geist“ vermeintlichen Lebens.

Dieser Ungeist bejaht das Leben nur vordergründig. Er propagiert nicht das Verschenken sondern das Verschleudern. Er steht nicht wirklich für das Leben, sondern immer mehr nur für das Ausleben: Für ein Leben, das wie ein Strohfeuer hell aufflackert, dann aber ohne jede Wärme und Glut als kalte und fade Asche für immer verlischt.

Dieser Tendenz, von der keiner frei ist und die mit ihrem äußeren, vergänglichen Schein leicht blind macht, kann nur durch Umkehr Einhalt geboten werden. Durch notwendige Umkehr, die zugleich eine Bekehrung zur unverrückbaren Wahrheit über das Leben des Menschen ist.

Diese Wahrheit über den Menschen wird in einzigartiger Weise in Jesus Christus offenbar. Wer den Menschen und sich selber als Mensch verstehen will, muss auf Christus schauen. Nur in seinem Geheimnis, im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes klärt sich „das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.“ (2. Vatikanische Konzil, Gaudium et spes, Nr. 22)

Gott ist Mensch geworden, um allen Menschen zu sagen und vorzuleben, wie sie als Geschöpfe Gottes richtig, wahr und gut sind. So macht Christus „dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung.“ (ibid.)

Leider steckt im Leben jedes Menschen „der Wurm drin“. Die Theologie spricht von Erbsünde. Jeder Mensch ist durchaus und in gewisser Weise auch ehrlich auf der Suche danach, wie sein Leben wirklich gelingt. Und er weiß auch, dass er dabei auf Orientierung und Hilfe angewiesen ist. Niemand kann sich alleine und aus sich selber heraus verwirklichen.

Zugleich aber hat jeder Mensch erfahren, dass er sich wiederholt getäuscht hat, falschen Idealen nachgelaufen ist und wegen seiner Begrenztheit falsche Kompromisse eingegangen ist. Bis dahin, dass er sogar ausreichend „Gründe“ gefunden hat, faule Kompromisse zu legitimieren und als richtig, wahr und gut hinzustellen.

Das ist die erbsündliche Tragik aller Menschen: Aus eigener Kraft findet kein Mensch zum dem Heil, das ihm entspricht. Um nicht zu resignieren und der Hoffnungslosigkeit zu verfallen, wird das aus eigener Kraft unerreichbare Heil sogar zum Gegner erklärt. Wie „über Nacht“, fast unbemerkt, tritt ein Pseudo-Heil an seine Stelle, das dem wirklichen nur noch in der Perversion ähnelt. Es lässt den Menschen taumeln und stürzen.

Das Heil findet er nur in Jesus Christus. Dafür muss er Christus aber annehmen, und sich abwenden von der tragischen Verstrickung in sich selber. Das ist Umkehr und Bekehrung.

Im Kreuzwegbild der ersten Station – 1933 von Professor Robert Seuffert geschaffen und neu aufgehängt im nördlichen Seitenschiff von St. Pantaleon – kommt manches davon eindrucksvoll zum Ausdruck.

Pilatus, als kleine Figur auf dem Richterstuhl sitzend rechts im Bild dargestellt, will nichts damit zu tun haben. Er weist zurück und lehnt ab. Vergeblich lässt er sein Personal kommen (links im Bild dargestellt), um sich die Hände in Unschuld zu waschen. Er ahnt und scheint zu wissen, dass er nicht nur bei diesem Urteil das Rechte verdreht und dem „Un-Geist“ vermeintlichen Lebens huldigt.

Pilatus hat seine Chance gehabt. Er hätte den wie einen majestätischen König dargestellten Christus und damit die Wahrheit über das Leben des Menschen annehmen können. Er ist beidem ja begegnet.

Jeder Mensch hat diese Chance. Du und ich, wir haben sie jetzt in dieser Fastenzeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 7 / 2010 - 6. Woche im Jahreskreis (C)

Im Sonntagsevangelium stehen vier Seligpreisungen vier Wehrufe gegenüber. „Selig seid ihr!“ so ruft der Herr den einen zu. Die anderen hingegen mahnt er, wenn er sagt: „Weh euch!“

„Weh euch!“ das ist in der Sprache der Hl. Schrift der Beginn einer Totenklage. – Mit den Wehrufen erklärt der Herr somit jene für tot, die reich und satt sind, die lachen und allen sympathisch sind! Also gerade die, die in unseren Augen das Glück scheinbar auf ihrer Seite haben.

Denen gegenüber stehen die Armen, die Hungernden, die Weinenden, die Ausgestoßenen. Die nennt der Herr selig. Also jene, die vom Leben scheinbar nichts haben und zu kurz kommen.

Selig ist in der Sprache der Bibel jedoch nicht mit „glücklich“ gleichzusetzen. Selig drückt vielmehr die Nähe zu Gott aus. Somit sind jener selig, der Gott nahe sind.

Gott nahe zu sein, dass muss nicht einhergehen mit irdischen Erfolgen, mit Spaß, mit Geld und Ruhm. Ein Seliger ist kein Glückspilz, dem alles zu Füssen liegt.

Die von der Kirche Selig und Heiliggesprochen waren weiß Gott nicht alle samt und sonders Glückspilze. Aber sie alle besaßen eine innere Freude und Zuversicht, eine inner Heiterkeit und Leichtigkeit mit dem Leben umzugehen, dass äußere Bedrängnis und Not ihnen letztlich nichts anhaben konnten.

Jeder einzelne ohne Ausnahme macht die Erfahrungen:

Wer alles hat, wer nur noch darauf aus ist, seine Güter immer noch weiter zu vermehren und besser zu bewahren, wer nicht genug von all dem bekommen kann, was uns diese Welt bietet, der hat Kopf und Herz nicht frei für das, was das Leben eigentlich ausmacht, der kann auch nach dem Tod nichts mehr für sich erwarten. Deshalb ruft der Herr: Weh euch, die ihr reich seid, denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten

Wer sich immer anpasst, wer sein Fähnchen immer in den Wind hängt, wer nicht zu seiner Verantwortung steht, wer den anderen immer nach dem Mund redet, der wird sich irgendwann selbst in Widersprüche verwickeln. Deshalb ruft der Herr: „Weh euch, wenn euch alle Menschen loben, denn ebenso haben es eure Väter mit den falschen Propheten gemacht.“

In den Augen Jesu sind tot, die so leben, als ob es Gott, den Urheber allen Lebens nicht gäbe.

Anders verhält es sich mit denen, die der Herr selig preist: „Selig seid ihr.“ – Gemeint sind jene, die nicht auf sich und die eigene Stärke allein vertrauen. In den Augen Jesu sind sie Gott und damit dem Leben sehr nah. Und wenn das Leben sie nicht sonderlich verwöhnt, dann betrübt sei das auch nicht sonderlich. Ihre Stärke liegt im Vertrauen und Glauben an Gott.

Wer bereit ist, die Bedürftigkeit des Menschen und damit seine eigene anzuerkennen, der kann abgeben und verzichten. Der muss nicht alles haben. Der lässt sich beschenken und erwartet letztlich alles von Gott, dem Schöpfer aller Dinge. Deshalb ruft der Herr: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“

Das alles gehört zum Grundbestand des christlichen Glaubens und ist denen, die ihn praktizieren, wohl bekannt.

Auf dieser Grundlage geht dann etwa die christliche Art und Weise zurück, mit einer bewundernswerten und ausgelassenen, eben nicht zügellosen, Leichtigkeit zu feiern und sich zu freuen, wie es an den Wurzen des Kölner Karnevals unverkennbar auszumachen ist.

Es lohnt sich, mit Einsatz und Anstrengung diese christlichen Wurzeln aufzuzeigen, sie zu verteidigen und einzufordern. – Es wäre doch Schade, wenn der Kölner Karneval „vor die Hunde ginge“, weil viel zu oft nur „die Sau rausgelassen wird.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 6 / 2010 - 5. Woche im Jahreskreis (C)

Der Herr schenkt in überreichem Maß. Sein Geschenk besteht darin, dass er ruft, auffordert und den Berufenen in die Verantwortung nimmt. So führt es uns das Evangelium vom 5. Sonntag im Jahreskreis vor Augen.

Simon Petrus und die beiden Söhnen des Zebedäus hatten die ganze Nacht vergeblich gefischt. Die Netze waren leer geblieben. – Als am anderen Morgen viele Menschen Jesus am Ufer des Sees bedrängten, sie wollten das Wort Gottes hören, bat er die müden und enttäuschten Fischer, ihm ihr Boot zur Verfügung zu stellen. Einige Meter vom Ufer entfernt konnten ihn dann alle sehen, hören und verstehen.

Als Jesus seine Predigt beendet hatte und die Fischer aufforderte, noch einmal die Netze auszuwerfen, obwohl das angesichts der erfolglosen Nacht nun völlig sinnlos erschien, gingen so viele Fische ins Netz, dass die Netze zu zerreißen drohten und ein zweites Boot bis zum äußersten Rand gefüllt wurde.

Petrus, der anfing zu begreifen, bat Jesus von ihm abzusehen: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.“ Der Herr aber sprach ihm gut zu, forderte ihn auf und nahm ihn in eine besondere, in eine heilige Verantwortung: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ – Petrus und die beiden anderen ließen sich darauf ein. „Sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach“, berichtet der Evangelist.

An das rechts dargestellte Bild muss sich das Auge erst ein wenig gewöhnen, so wie der Mensch sich an seine Berufung, an die Art wie Gott ihn ruft, stetig neu gewöhnen und sich darauf einlassen muss. – Beim näheren Hinsehen erkennt man zwei Bilder, die ineinander gefügt sind.

In der Mitte des Bildes sieht man, wie die drei zukünftigen Apostel sich abmühen. Sie haben mit den drei Fischen, die ihnen ins Netzt gegangen sind, schon mehr als genug zu tun. Aber über ihnen beugt sich ein anderer hinunter, der kräftig mit anpackt und nicht nur weitere, noch viel größere Fische, sondern mit ihnen auch die drei zukünftigen Apostel „ins Boot holt“.

Es ist ein Bild der Kirche, ein Bild vom Reich Gottes, das schon mitten unter den Menschen ist.

Jesus sagt nicht „Menschen fischen“, denn das Gefischte wird am Ende in die Pfanne gehauen. Er sagt „fangen“. Das Netz, das diese „Fische“ fängt, fängt sie auf, gibt ihnen Orientierung und trägt sie durch dieses bis hin zum Ewigen Leben.

Jeder Getaufte ist nicht nur hineingenommen in dieses rettende Boot, das sich weder verliert in den Launen des irdischen Ozeans noch untergeht. Jeder Getaufte ist auch mit hineingenommen in die Verantwortung, was ihm von Gott geschenkt wurde weiterzugeben und seinen Beitrag am Fangen, am Ein- wie am Auffangen zu leisten.

Das Bild drückt es aus: Wer diese Verantwortung wie die ersten Jünger auf sich nimmt, der ist dem Herzen Jesu besonders nahe. Die durchaus mit Arbeit und Mühe verbundene Bitte des Herrn „Werft eure Netze zum Fang aus“ ist nicht auf die ersten Jünger, und auch nicht nur auf Priester und Ordensleute beschränkt. Diese Bitte ist nichts anderes als die an alle Menschen guten Willens, vor allem an jeden Getauften ergangene Berufung Gottes, die adelt und zur Mitarbeit im Weinberg des Herrn bestellt.

Man sagt: „Adel verpflichtet.“ – Es wäre dumm und schade, und man würde sich vom Herzen Gottes wieder entfernen, ließe man sich zurückfallen in die scheinbar bequemen, aber trügerischen und jeder beliebigen Strömung ausgesetzten Gewässer irdischer Niedrigkeiten. – Jeder verfügt über ein Netzt von ausreichendem Charme, von Begabung, Wertschätzung und Hochachtung seinem Nachbarn gegenüber, um ihn mit diesem Netz und dann mit Gottes Hilfe zu „fangen“ und aufzufangen, und den rechten Weg zu weisen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 5 / 2010 - 4. Woche im Jahreskreis (C)

Rembrandt: Der Evangelist Matthäus als vom Heiligen Geist - in Gestalt eines Engels - inspirieter "Redakteur"

Im letzen Pfarrbrief haben wir in einem ersten Schritt erklärt, dass die Bibel Gottes Wort im Menschen Wort ist. Dies soll in einem zweiten Schritt, spezifisch für die Evangelien, weiter erläutert werden. – Man unterscheidet drei Phasen in der Entstehungsgeschichte der Evangelien:

1. Das irdische Leben Jesu: Jesus hat selbst nichts geschrieben, nur mündlich gelehrt. Dabei wandte er vielfach eine Sprachtechnik an, die es sehr erleichterte, das Gesagte im Gedächtnis zu behalten, vor allem Bilder, Gleichnisse, rhythmische Wiederholungen sowie Parallelismen und Antithesen, z.B. „Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten.“ (Mt 20,16) Solche Sätze prägen sich ein wie markige Werbesprüche, und die Apostel, die sie häufiger hörten, brauchten sie gar nicht aufzuschreiben, sondern konnten sie ohne Mühe im Gedächtnis behalten.

2. Die mündliche Predigt der Apostel: Bald nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesus begannen die Apostel damit, überall von Jesus zu predigen. Sie schöpften aus ihren reichen Erfahrungen mit Jesus und erzählten das Erlebte so lebendig wie möglich, jedoch nicht in der Absicht, eine genaue historische Abfolge vom Leben Jesu zu geben. Sie betonten hingegen mal dies, mal jenes – je nach dem, was für die Hörer gerade nützlich erschien –, um ihren Glauben zu stärken. Nicht die Oberfläche der Geschehnisse war ihnen wichtig, sondern der tiefe Sinn, der dahinter steckte und den sie nach Ostern durch Gottes Gnade klar erkannt hatten. In all dem, was für den Glauben wichtig ist, waren Ihre Predigten vom Heiligen Geist gelenkt. Ob es also 4.000 oder 5.000 Männer waren, die Jesus bei der Brotvermehrung gespeist hat, oder ob es solche Wunder mehr als eines gegeben hat, ist für die Zuverlässigkeit des Evangeliums in Fragen des Glaubens unwichtig.

3. Die geschriebenen Evangelien: Ungefähr 30 Jahre nach dem Tod Jesu begannen einige Autoren, die apostolische Predigt, die auf mündlichem Weg zu ihnen gelangt war, schriftlich festzuhalten. Vermutlich gab es zu der Zeit schon einige kleinere schriftliche Sammlungen von Einzelberichten. Lukas erwähnt im Vorwort zu seinem Evangelium, dass es „viele“ waren, die es bereits unternommen haben, erste Zusammenfassungen in schriftlicher Form abzufassen. Einige dieser Berichte hat er vor sich, anderem ist er selber genauer nachgegangen, „von Grund auf“, wie er sagt, um es vom Anfang der Überlieferungskette her, d.h. von den Augenzeugen zu verifizieren. Selbstverständlich musste er für sein Werk in den literarischen Stoff selbst stark gestaltend eingreifen: durch Auswahl des Wichtigeren und Auslassung des Nebensächlichen; durch Einpassung in eine sinnvoll erscheinende Ordnung, die nicht unbedingt die chronologische sein musste; durch eine Färbung und Gewichtung nach persönlicher Vorliebe und im Hinblick auf den Leserkreis. Lukas z.B. schreibt vor allem für die Armen und Geringen, und darum liegt ihm die Herausstellung der Barmherzigkeit Gottes am Herzen, worin er  „eine gute Nachricht für die Armen“ sieht (Lk 4,18). Matthäus hingegen, da er für Judenchristen schrieb, hat viele Vorraussagen aus dem Alten Testament „eingebaut“, um zu „beweisen“, dass sie in Jesus erfüllt sind.

Solche Unterschiede zeigen, dass die Evangelien keine Geschichtsbücher in dem Sinne sind, dass sie die Vergangenheit möglichst genau zu rekonstruieren versuchen. Die Evangelien sind Glaubensbücher. Durch den Bericht über das, was Jesus gesagt und getan hat, geben sie zuverlässig seine Botschaft von der Erlösung und dem Reich Gottes weiter. Diese Botschaft ist frei von Irrtum. Dafür hat der Heilige Geist gesorgt, als die Evangelisten sie niederschreiben. – Das Bild von Rembrandt drückt deshalb viel besser als die beiden Bilder im letzen Pfarrbrief aus, wie es zu verstehen ist, dass die Bibel Gottes Wort im Menschen Wort und dass sie ganz frei von Irrtum in all dem ist, was Gott zum Heil der Menschen durch Jesus Christus geoffenbart hat: Der Heilige Geist – als Engel – inspiriert den Evangelisten: Er nimmt ihm als „Redakteur“ das eigene Tun nicht ab, garantiert aber die Irrtumslosigkeit in all dem, was zum Heil der Menschen wichtig ist.

Das Neue Testament ist in der Weltliteratur einmalig. Religiöse Tiefe und historische Zuverlässigkeit treffen hier zusammen, wie sonst nirgendwo. Als Christ muss man sich gerade mit der Bibel vor niemandem verstecken!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 4 / 2010 - 3. Woche im Jahreskreis (C)

Der Evangelist Lukas beginnt sein Evangelium mit einer interessanten Vorbemerkung. Sie macht deutlich, wozu er den Bericht über das Leben Jesu verfasst, welche Informationen er dazu eingeholt und welche Zeugen er befragt hat. So erfahren wir, wie sein Evangelium zu verstehen ist.

Die interessante Vorbemerkung ist Teil des Sonntagsevangeliums: „Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.“ (Lk 1,1-4)

Wir fragen manchmal: Sind die neutestamentlichen Berichte auch wahr? Während in früheren Zeiten hieran überhaupt kein Zweifel bestand und man eine solche Frage schon für skandalös hielt, scheint es heute von einem kritischen Geist zu zeugen, wenn man die biblischen Erzählungen ins Reich der Legende verweist. Es handle sich nicht um Geschichte, sondern nur um Geschichten.

Doch Lukas will offensichtlich nicht bloße Geschichten erzählen, so wie auch der Autor des 2. Petrusbriefes klarstellt. „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.“ (2 Petr 1,16) Dasselbe Wort von den Augenzeugen verwendet auch Lukas in seiner kurzen Vorbemerkung. Am Anfang der Überlieferungen, die Lukas gesammelt hat, müssen Augenzeugen stehen, damit sein Bericht auch zuverlässig und glaubwürdig ist.

Freilich ist das geschriebene Evangelium nicht ein vom Himmel gefallenes Dokument, in dem uns Wort für Wort detailgetreu berichtet wird, was Jesus gesagt und getan hat. Vielmehr ist es in einem Überlieferungsprozess entstanden.

Mit den beiden Bildern auf dieser Seite lässt sich zu diesem Überlieferungsprozess folgendes verdeutlichen: Die mittelalterliche Miniatur legt nahe, ein Engel sei vom Himmel gekommen und habe dem Evangelisten Wort für Wort das Evangelium „diktiert“. Das stimmt so nicht. Die moderne Darstellung hingegen legt nahe, die Evangelisten hätten ausschließlich wie Redakteure gearbeitet, die alle vorhandenen Erzählungen und Berichte über Jesu Leben und Wort gesammelt, zusammengefasst und dann der Reihe nach logisch und sinnvoll aufgeschrieben hätten. Das deutet Lukas ja an. Aber das alleine stimmt auch nicht.

Das Evangelium, wie die gesamte Heilige Schrift, ist sowohl Wort Gottes – was die mittelalterliche Miniatur einseitig betont – aber zugleich auch Menschenwort, nämlich das der Verfasser und Autoren der biblischen Bücher – was die moderne Karikatur einseitig betont.

Die Bibel ist beides. Sie ist das unfehlbare Wort Gottes, das alles für uns Menschen zum Heil notwendige unfehlbar enthält, das sich zugleich aber in dem begrenzten und gebrechlichen Wort der menschlichen Verfasser eingeschlossen hat, denn nur so kann es uns erreichen.

Die Bibel ist deshalb Gottes Wort im Menschen Wort. Da zeigt sich eine Parallele zu Gottes Menschwerdung in Jesus Christus: Der ewige unsterbliche und unbegrenzte Gott hat sich „eingeschlossen“ in dem der Zeit unterliegenden, und damit sterblichen und begrenzten Menschen Jesus Christus, der Gott und Mensch zugleich ist.

Wie sich das mit der Schrift als Wort Gottes im Wort der Menschen genauer verhält, erfahren sie im Pfarrbrief der kommenden Woche.

 

Pfarrnachrichten 3 / 2010 - 2. Woche im Jahreskreis (C)

Papst Benedikt und der orthodoxe Patriarch Bartholomaios in Istanbul

Gebetsoktav für die Einheit der Christen

Vom 18. bis zum 25. Januar 2010 hält die Kirche weltweit die traditionelle jährliche Gebetsoktav für die Einheit der Christen. Sie wird seit 1908 gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und der Römisch-Katholischen Kirche vorbereitet und steht in diesem Jahr unter dem Thema: „Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen“. Thema und Impulse wurden von den Kirchen in Schottland erarbeitet, die gleichzeitig auch das hundertjährige Jubiläum der Weltmissionskonferenz vorbereiteten, die 1910 zum Thema: „Heute Zeugnis von Christus ablegen“ stattfand.

Die Versöhnung der Christen untereinander hat im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr unterschiedliche Formen angenommen. Die spirituelle ökumenische Bewegung hat gezeigt, wie wichtig das Gebet für die Einheit der Christen ist. Große Energie wurde auf das wissenschaftlich-theologische Gespräch verwendet, was zu zahlreichen Übereinstimmungen in Lehrfragen geführt hat. Die praktische Zusammenarbeit der Kirchen auf sozialem Gebiet hat fruchtbare Initiativen hervorgebracht. Neben diesen wichtigen Leistungen nahm die Frage der Mission eine besondere Stellung ein. Heute betrachtet man die Missionskonferenz, die 1910 in Edinburgh stattfand, als den Beginn der modernen ökumenischen Bewegung.

Zum Erbe und zur Tradition der Kirche Sankt Pantaleon gehören seit Jahren die ökumenischen Akzente, sowohl im Kontext des jährlichen Theophanu-Gedenkens (um den 15. Juni) wie auch des monatlichen Albanusgedenkens in der Abendmesse jeweils am 22igsten des Monats mit der besonderen Gebetsintention „für die Einheit der Christen in Ost und West“.

Darüber hinaus werden wir auch diesmal der Gebetsoktav für die Einheit der Christen, die alljährlich vom 18. bis 25. Januar stattfindet, in den täglich zwei Eucharistiefeiern besonderen Raum geben und uns dabei an die vom Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen und von der Kommission "Glaube und Verfassung" des Ökumenischen Rates der Kirchen vorbereiteten Themen und Leitgedanken halten:

  1. Tag (Montag, 18. Januar) Zeugnis durch die Feier des Lebens: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lk 24, 5)
  2. Tag (Dienstag, 19. Januar) Zeugnis durch das Teilen von Lebensgeschichten: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ (Lk 24, 17)
  3. Tag (Mittwoch, 20. Januar) Zeugnis durch Achtsamkeit: „Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ (Lk 24, 18)
  4. Tag (Donnerstag, 21. Januar) Zeugnis durch die Feier des Glaubenserbes: „Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazareth“ (Lk 24, 19)
  5. Tag (Freitag, 22. Januar) Zeugnis im Leiden: „Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24, 26)
  6. Tag (Samstag, 23. Januar) Zeugnis durch Treue zur Schrift: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk 24,32)
  7. Tag (Sonntag, 24. Januar) Zeugnis durch Hoffnung und Vertrauen: „Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“ (Lk 24,38)
  8. Tag (Montag, 25. Januar) Zeugnis durch Gastfreundschaft: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ (Lk 24, 41)

In der römischen Basilika vom hl. Paulus vor den Mauern wird Papst Benedikt XVI. am 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des Apostel Paulus, die Gebetswoche mit einer feierlichen Vesper beschließen, an der auch ökumenische Vertreter teilnehmen werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 2 / 2010 - Ende der Weihnachtszeit (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Das Fest, Taufe des Herrn, das wir diesen Sonntag feiern, drückt in anderer Weise das noch einmal aus, was uns am Fest der Heiligen Drei Könige, dem Fest der Erscheinung des Herrn, vor Augen geführt wurde.

Die Weisen aus dem Morgenland brachen auf und nahmen eine beschwerliche Reise in Kauf, um dem „neugeborenen König der Juden“ (Mt 2, 2) die Ehre zu erweisen. Den Neugeborenen finden Sie jedoch nicht in einem königlichen Palast, umgeben von großer Dienerschaft und in einer prachtvollen Königswiege, sondern in einem Stall, umgeben von Tieren und Stallgeruch in deren Futterkrippe.

Durch Gottes Gnade geht Ihnen auf, wie unendlich groß dieses Königskind ist. Gott selber ist in ihm zum kleinsten unter den menschlichen Geschöpfen geworden: Ein hilfloses Kind; ganz angewiesen auf die Geborgenheit bei seiner Mutter und allen Menschen. Die Macht seiner Herrschaft ist die Liebe, die all jene anspricht, die – im Gegensatz zu Herodes – um aufrichtige Menschlichkeit bemüht bleiben.

Um die Menschlichkeit zu bewahren müssen wir zugleich die „Pietas“, die Frömmigkeit und Ehrfurcht Gott gegenüber kultivieren. Das eine geht nicht ohne das andere. Ohne Menschlichkeit verlieren wir die „Pietas“, ohne „Pietas“ die Menschlichkeit.

Das wird bei den Königen im Gegensatz zu Herodes konkret. Sie brachten Gold, Weihrauch und Myrre dar: Geschenke, die den alltäglichen Bedürfnissen nicht gerade entsprechen. In diesem Augenblick hätte die Heilige Familie bestimmt etwas anderes dringender gebraucht: Weihrauch und Myrre, und auch das Gold, konnten sie nicht unmittelbar gebrauchen.

Diese Geschenke haben einen tieferen Sinn: Sie drücken „Pietät“, Ehrfurcht und Wertschätzung aus, und in der Folge Gerechtigkeit.

In jener Zeit bedeuten die Gaben von Gold, Weihrauch und Myrre die Anerkennung einer Person als König und Gott. Mit ihren Geschenken stellen sich die Weisen unter das neugeborene Kind, dessen Göttlichkeit ihnen erschien und offenbar wurde. Ihr Kniefall ist als Akt der Unterwerfung Ausdruck ihrer Gerechtigkeit Gott gegenüber, dem wir alles verdanken.

Als Folge davon können sie nun auch den Mitmenschen in ganz neuer Weise sehen: In Ehrfurcht und Wertschätzung, durch die sich die Gerechtigkeit auch zwischen den Menschen ausdrückt. Von dieser göttlichen Begegnung im Stall an können die Weisen nicht mehr auf ihrem bisherigen Weg weitergehen. Sie können nicht mehr zu Herodes zurückkehren. Sie können nicht mehr als Verbündete gemeinsam mit einem so mächtigen und grausamen Herrscher dessen gottlose Wege gehen. Sie haben sich auf den Weg des Jesuskindes begeben und folgen fortan ihm.

Bei seiner Taufe erscheint Jesus durch die Offenbarung aus dem Himmel erneut als Sohn Gottes. Als der ganz Sündenlose reiht er sich ein in die Schar der Sünder: Aus Wertschätzung, aus Ehrfurcht und Liebe sowohl gegenüber Gottvater, dem Schöpfer aller Menschen, wie auch gegenüber dem – weil es vom ersten nicht zu trennen ist –, was in jedem Menschen trotz seiner Sünden an unzerstörbarem Rest, an wahrer Menschlichkeit bleibt und geblieben ist.

Von da an ruft Jesus auf zu Umkehr und Bekehrung, für die in der Taufe der Grund gelegt wird.

Gegenwärtig verstehen viele diese Botschaft nicht mehr, die aus dem Stall von Bethlehem und von der Taufe des Herrn an von ihm dann unmittelbar verkündet wird. Den Unverständigen fehlt die Fähigkeit, im Herzen ein Kind zu bleiben. Übersteigerte Selbstsicherheit und Eigenmächtigkeit machen nicht nur blind für all das, was von Gott kommt. Sie trüben auch die Gerechtigkeit, die Wertschätzung und Pietät Gott und dem Nächsten gegenüber.

Zu viele maßen sich gegenwärtig an, die Realität gänzlich zu kennen, und haben bereits ihr endgültiges Urteil über die Dinge gefällt. Das verschließt ihre Herzen für die Neuheiten Gottes und die individuelle Würde des Menschen. Zu viele vertrauen eher sich selbst als Gott und können nicht glauben, dass er die Größe besitzt, sich klein zu machen, um uns nah zu sein.

So fehlt es dann auch an echter Demut, sich dem unterzuordnen, was größer ist. Was fehlt, ist echter Mut, an das zu glauben, was wirklich groß ist, auch wenn es sich in einem wehrlosen Kind offenbart. Damit fehlt es auch an der typisch christgläubigen Fähigkeit, im Herzen ein Kind zu bleiben, sich zu wundern und aus sich heraus zu gehen, um dem Weg zu folgen, den der Stern von Bethlehem aufzeigt, dem Weg Gottes.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 1 / 2010 - Weihnachtszeit (C)

Orantenhaltung - Frühchristlich römische Katakombenmalerei

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Am 9. Januar begehen wir in St. Pantaleon wieder den Tag des Ewigen Gebetes. An jedem Tag des Jahres beten Gläubige in einer anderen Pfarrkirche unseres Erzbistums füreinander.

So möchte ich Ihnen weitergeben, nicht nur mit Blick auf diesen Tag, was der spätere Kardinal Franz Xaver Nguyên van Thuân nach 13 Jahren Gefangenschaft als Erzbischof, davon 9 Jahre in absoluter Einzelhaft, in vietnamesischen Gefängnissen der Kommunisten zwischen 1975 bis 1988 niedergeschrieben hat.

Er schildert unter anderem, dass seine Freude unbeschreiblich war, als es Freunden gelungen war, ihm ein kleines Medizinfläschchen mit einigen Milliliter Wein zukommen zu lassen, als Tropfen gegen Bauchschmerzen deklariert. Von da an, schreibt Bischof van Thuân, »feierte ich jeden Tag die heilige Messe in der hohlen Hand mit drei Tropfen Wein und einem Tropfen Wasser.« Die hohle Hand diente ihm als Kelch; und einige Brotreste konnte er sich immer zur Seite legen.

Alle seine Bewacher hat er durch seine Liebe, seine Freude und Zuversicht „angesteckt“, weshalb sie alle zwei Wochen ausgewechselt wurden, bis die Vorgesetzen darauf verzichteten, damit nicht alle Wachbeamten „angesteckt“ würden.

In der Gefangenschaft schrieb Van Thuân über das Gebet: »Behüte dein Geheimnis, deinen Schlüssel zum Leben: das Gebet. Niemand ist stärker als der Betende, weil der Herr versprochen hat, ihm alles zu geben, worum er bittet. Wenn ihr euch im Gebet versammelt, dann ist Gott mitten unter euch (vgl. Mt 18,20). Ich ermahne Dich inständig: außer dem „offiziellen“ Gebet sollst du täglich eine oder besser zwei Stunden dem persönlichen Gebet widmen. Das ist keine verlorene nutzlose Zeit. Auf meinem Lebensweg habe ich die Wahrheit eines Wortes von Theresia von Avila erfahren: ‚Es bedarf keiner Bemühungen des Teufels, um einen Nichtbetenden in die Hölle zu treiben. Er wird aus eigenem Antrieb hineinstürzen.’«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 53 / 2009 - Weihnachtsoktav (C)

Aufruf der deutschen Bischöfe zur Aktion Dreikönigssingen 2010

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Verantwortliche in den Gemeinden und Gruppen, liebe Schwestern und Brüder,

„Kinder finden neue Wege“. So lautet dieses Mal das Motto der Aktion Dreikönigssingen. Es erinnert an die oft langen Wege, die Kinder und Jugendliche in vielen Teilen der Welt täglich gehen müssen, um leben und überleben zu können: zur Schule, zur Kirche, zur Wasserstelle, zum Holzsammeln oder auf den Markt in der weit entfernten Stadt. So ist es auch im Senegal, dem diesjährigen Beispielland des Dreikönigssingens. Immer wieder dürfen wir aber auch die erstaunliche Erfahrung machen, mit welchem Mut und welcher Beharrlichkeit Kinder trotz der schwierigen Verhältnisse ihr eigenes Leben und das ihrer Familien meistern. Viele finden dabei Zuversicht und Orientierung im Glauben.

In den kommenden Wochen machen sich die Sternsinger in unseren Gemeinden wieder auf den Weg. Wenn sie von Haus zu Haus ziehen, nehmen sie teil am Leben ihrer Altersgenossen aus den Armutszonen der Welt. Zugleich verkünden sie dabei Jesus Christus. In ihm geht Gott selbst unsere Wege des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe mit.

Alle Pfarrgemeinden, Jugendverbände und Initiativen, aber auch die vielen persönlich Engagierten bitten wir, die Aktion Dreikönigssingen wieder nach Kräften zu unterstützen.

Fulda, den 24. September 2009

Für das Erzbistum Köln: + Joachim Card. Meisner, Erzbischof von Köln

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Die Sternsinger kommen zu Ihnen nach Hause, entweder am 04. Januar, Montagvormittag, zwischen 10 und 12 Uhr, oder am 05. Januar, Dienstagnachmittag, zwischen 16 und 18 Uhr. Teilen Sie den Sternsingern Ihren Terminwunsch bitte mit dem entsprechenden Zettel mit, der in der Kirche ausliegt oder über das Pfarrbüro.

Darüber hinaus werden die Sternsinger Ihnen ihr Anliegen auch beim Neujahrsempfang, am Sonntag, dem 10 Januar ab 12 Uhr im Pfarrsaal vortragen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 52 / 2009 - 4. Adventswoche (C)

Rogier van der Weyden. Besuch Marias bei Elisabeth, 1440-1445

Liebe Mitchristen!

Im Evangelium vom 4. Advents-Sonntag begegnen sich Maria und Elisabeth, zwei Angehörige des auserwählten Volkes. Ihre Begegnung ist Zeichen und Ausdruck der besonderen Geschichte Gottes mit den Menschen, die von Liebe geprägt ist.

Gott hat den Menschen geschaffen als Mann und Frau, nach seinem Abbild. Er leidet unter der Schuld des Menschen, gibt ihn aber nicht auf. So wählt er sich sein Volk aus, damit die Liebe Gottes zu allen Völkern zeichenhaft deutlich werde. Obwohl das auserwählte Volk ihn verlässt, verlässt er es nicht. Ihm bleibt er treu in guten und in bösen Stunden. Als größtes Zeichen seiner Liebe sendet er seinen Sohn, der „Jesus“ genannt wird, was soviel bedeutet wie: „In Gott ist das Heil.“

So begegnen sich nun zwei Frauen, die Gott mit seiner Liebe überrascht hat.

Elisabeth, die als unfruchtbar galt, wurde dank der Verheißung Gottes überraschend doch noch schwanger, obwohl sie längst über das Alter hinaus war. Und auch Maria, erstaunt über Gottes Anliegen, kann anfangs nur die Frage stellen: „Wie soll das geschehen?“ Auf die klärenden Worte des Engels hin hat sie dann uneingeschränkt sagen können: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

So begegnen sich nun zwei Frauen, durch deren Söhne sich Gott endgültig offenbaren wird.

Der Evangelist Lukas lässt uns teilhaben an dieser Begegnung. Kaum hat Maria Elisabet begrüßt, reagiert das Kind im Mutterleib. Im Evangelium heißt es: „Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.“

Johannes hüpfte in ihrem Leib. – Man weiß heute sehr genau, wie sensibel Kinder im Mutterleib auf ihre Umwelt reagieren, auf Musik, auf laute Geräusche und vieles mehr. Johannes reagiert darüber hinaus „vor Freude“.

Schon im Mutterleib ist Johannes durch Einwirkung des Heiligen Geistes von Freude über den kommenden Messias erfüllt. Die Reaktion des Kindes bewirkt nun auch in Elisabeth, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt wird. „Mit lauter Stimme“ ruft sie aus: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Immer wieder haben – auch in der Kunst – gläubige Menschen das Vertrauen und die Liebe dieser beiden Frauen zu verdeutlichen versucht, die sie miteinander verbinden. Gemeint ist das Vertrauen zueinander; zugleich aber auch Gott gegenüber, der ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder lenken wird.

Vertrauen auf den unbegreiflichen Gott! Warum gerade sie? Wie kommt Gott dazu, gerade sie auszuwählen?

Das ist Liebe, die man nie endgültig versteht und deren Gründe man nie wirklich enträtseln kann, auch unter Menschen nicht: Warum liebt mich meine Frau, mein Mann? Warum liebe ich meine Kinder, warum sie mich? – Wir werden es nie endgültig verstehen, insbesondere nicht, wenn es um die Liebe zwischen Gott und den Menschen geht! Wie kann Gott so sein, wie er ist?

Maria und Elisabeth halten sich nicht bei ihren Fragen auf, auch wenn sie noch keine abschließende Antwort kennen. Sie rühmen nicht sich selbst, sondern preisen Gott und seine Liebe. Sie staunen und sind dankbar. – Das ist die beste Antwort auf diese Fragen!

Die Begegnung von Maria und Elisabeth lädt ein, alles was wir an Liebe erfahren haben, in dieser Weise zu bedenken und zu beantworten: Dankend und preisend! – Dann ist es gar nicht einmal so schwer, Gottes Wohltaten als Ausdruck seiner Liebe zu erkennen, und schweigend und staunend inne zu halten, anzubeten und zu danken

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51 / 2009 - 3. Adventswoche (C)

„Es kommt einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Lukasevangelium: 3,16) – Johannes der Täufer, Isenheimer Altar, Matthias Grünewald - Detail

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es passiert an einem Samstag vor Weihnachten. Im Haushalt steht bei Familie Meier der große Hausputz an, und so gibt es wieder einmal Eintopf zum Mittagessen. Beim Anblick dieser Köstlichkeit auf seinem Teller verfinstert sich die Miene des 12-jährigen Sohnes deutlich. Das bleibt der Mutter natürlich nicht verborgen, und so weist sie ihren Sohn zurecht: „Dir geht es viel zu gut! Viele Kinder in armen Ländern wären froh, wenn sie die Hälfte dieser Suppe hätten!“ – Der Sohn antwortet darauf: „Ich wäre darüber auch froh, Mama, ich auch!“

So ist das manchmal mit unseren Erziehungsmaßnahmen. Immer wieder müssen wir erleben, dass unsere gutgemeinten Ratschläge nicht auf fruchtbaren Boden fallen

Im Evangelium vom 3. Adventssonntag erleben wir mit, wie Menschen tief beeindruckt sind von Johannes dem Täufer. Er ist ein Prophet, ein regelrechter Lautsprecher Gottes. Mitten in der Einöde lebt er, ganz auf Gott und dessen Wort konzentriert. Dieser Mann ist sich absolut sicher: Sehr bald schon wird der so sehnsüchtig erwartete Messias kommen.

Doch das Erstaunlichste ist nicht sein karges Leben in der lebensfeindlichen Wüste, sondern dass sich überall im Lande herumspricht: In der Wüste lebt ein gewaltiger Bußprediger!

Viele Menschen ziehen dorthin, um diesen Mann zu erleben, weil sie tief in ihrem Herzen eine innere Unruhe spüren. Ihnen wird bewusst, dass sie sich in ihrem Leben eigentlich neu auf Gott hin orientieren müssen.

Das, was ihnen die Schriftgelehrten und Priester in Jerusalem an frommen Belehrungen verkünden, ist zu eintönig und begeistert nicht. Johannes hingegen, der Täufer in der Wüste, nimmt kein Blatt vor den Mund. Viele wollen sich zum Zeichen der Reue und Umkehr von ihm taufen lassen. Doch so einfach geht das nicht.

Johannes hält seinen Zuhörern vor: Ihr seid eine „Schlangenbrut“, wenn eure Umkehr nicht durch Taten sichtbar wird. So fragen sie ihn: „Was sollen wir also tun?“

Viele sind offenbar bereit, ein neues Leben mit Gott zu beginnen. Aber sie sind verunsichert. Was ist dabei wirklich wichtig? Wie soll ich mich verhalten?

Johannes antwortet ihnen konkret: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“

Vielleicht hatten einige mit dem Rat gerechnet, die vielen jüdischen Vorschriften strenger einzuhalten. Oder einfach mehr zu beten.

Die Antwort des Johannes fällt jedoch ganz anders aus, handfest und praktisch, aber deshalb keineswegs leichter.

Johannes sagt ihnen: Gebt großzügig von dem, was ihr besitzt. Gebt so euren Mitmenschen eine Chance, die in Not sind und weder genug zum Essen noch zum Anziehen haben und kein menschenwürdiges Leben führen können.

Johannes nimmt damit die Illusion, sich mit Frömmigkeitsleistungen bei Gott etwas erkaufen zu können. Umkehr, so sagt Johannes, muss konkret und handfest sein: So wie Gott im Himmel barmherzig ist, so sollt auch ihr es sein. Dient Gott in eurem ganz normalen Alltag. Teilt euer Geld, euren Überfluss, eure Zeit, euer Leben mit denen, die auf eure Nächstenliebe angewiesen sind.

Johannes sagt dies den vom Volk verhassten Zöllnern und Soldaten. Damit erklärt er indirekt, dass jeder Nächstenliebe und Barmherzigkeit dort zeigen kann, wohin er durch die Lebensumstände geführt worden ist; wo er lebt und arbeitet; auch als Zöllner und Besatzungssoldat.

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Zeit adventlicher Besinnung und Kurskorrektur; und dass wir die Worte des Wüstenpredigers nicht so verdrehen wie der 12-jährige Sohn die Worte seiner Mutter anlässlich seines Blicks in den Eintopf. Nehmen wir die Worte des Täufers so an wie sie gemeint sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50 / 2009 - 2. Adventswoche (C)

Meine Adventswünsche an den lieben Gott

Darf ich Dir, lieber Gott, anlässlich Advent meine vielen Wünsche vortragen, samt dem Versprechen besser mein Bestes zu tun? Darf ich Dir auch sagen, was ich gern zur Adventszeit hätte?

Hör denn, lieber Gott:

Ich hätte gern einen neuen Kopf. ... Mit diesem hier wollte ich schon so oft durch die Wand; ich habe ihn in schweren Zeiten unschön hängen lassen, und zwischendurch habe ich ihn auch einige Male verloren.

Schenk mir dann auch bitte neue Augen. … Zur Zeit verliere ich so wichtige Dinge aus dem Auge. Ich sehe vieles nur noch schwarz‑weiß, gern sähe ich alles wieder in Farben.

Vielleicht hast Du für mich auch noch eine neue Nase. … Meine habe ich vor vielem gerümpft; ich stecke sie auch überall hinein, wo es nicht sein müsste.

Eine andere Zunge käme mir auch ganz gut zustatten! … Die ich jetzt habe, ist bereits ein wenig scharf geworden. Sie redet zuviel und kritisiert auch gern. Zwischendurch spreche ich auch schnell einmal zweideutig.

Selbst, neue Ohren könnte ich brauchen. … Ich stecke über beide in Arbeit und Sorgen. Das eine Ohr klingt vom Tratsch um mich herum; das andere ist fast taub; es hört wenig Gutes und Fröhliches. Ich möchte gern wieder ruhig und ausgeglichen sein.

Und dann meine Zähne, lieber Gott. … Ich musste sie oft zusammenbeißen. Ich habe sie auch zu oft gezeigt. Manchmal stehen zu viele Haare darauf, und manchmal zu wenig.

Und dann zum Schluss, lieber Gott, mein Mund! … In der letzten Zeit habe ich so einen großen Mund. Ich nehme ihn schnell zu voll. Er hat das Singen und auch das Pfeifen verlernt, und er schweigt, wenn er sprechen sollte. Gib mir einen etwas kleineren, der wieder herzlich lachen kann.

Und dann, ja, wenn ich noch um eine ganz kleine Zugabe bitten darf, sorg darin bitte auch noch für neue Ellbogen. … Ich habe so fest damit gearbeitet und gestoßen. Ich habe beinahe keine mehr.

Ich danke Dir sehr, lieber Gott!

In Erwartung auf Dein Kommen … und von Dir beschenkt zu werden.

(G. de Vooght)

 

Pfarrnachrichten 49 / 2009 - 1. Adventswoche (C)

Der Weihnachtsteufel

Wenn ich der Teufel wäre ... Gedanken zum Advent

Ich stelle mir vor, wie mir wohl in dieser schönen Vorweihnachtszeit zumute sein würde, wenn ich der Teufel wäre...

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich also ganz genau, worum es zur Weihnacht geht ‑ um das genaue Gegenteil dessen, was ich will. Ich wüsste auch ganz genau, was ich zu tun hätte. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich zunächst einmal an den gesunden Menschenverstand appellieren.

Seit wann gibt's denn so was? ‑ würde ich die Menschen fragen. Gott ein Mensch? Gott ein Kind? Und ausgerechnet in Palästina? In einem Dorf? In einem Stall? Wie geschmacklos!

Wenn ich der Teufel wäre, würde ich gerade in der Weihnachtszeit eine meiner bewährtesten Theorien zur Anwendung bringen ‑ die Beschäftigungstheorie. Wenn man weiß, dass die Menschen hinter dem Gelde her sind, wie ich Teufel hinter den armen Seelen, gelingt einem das ja sehr leicht. Man lässt die Menschen an den blanken Talern riechen, dann machen sie Überstunden. Überstunden in den Fabriken. Überstunden in den Kaufhäusern, Überstunden in den Geschäften. Die Frauen würde ich in ihren Wohnungen beschäftigen, mit Hausputz, Kuchenbacken und dergleichen. Ich würde ihnen allen keine Ruhe geben und keine Ruhe lassen. Wer sich nämlich auf die Weihnacht rüsten will, muss Ruhe haben. Wer keine Ruhe hat, kann sich nicht rüsten. Wer sich nicht rüsten kann, kann auch nicht Weihnacht feiern.

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich natürlich, dass es zur Weihnacht auch um den Frieden geht, den inneren Frieden, wie man so sagt. Gegen den Frieden gibt es ein ganz herrliches Mittel. Dieses Mittel heißt Tempo. Ich würde die Menschen also gerade in der Weihnachtszeit auf Touren bringen. Ich würde ihnen das Herz hochjagen wie einen Motor. Ich würde sie in einen Haufen tempotoller Ameisen verwandeln. Ich würde sie schon um ihren Frieden bringen.

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich natürlich auch, dass man Stille haben muss, wenn man das Schlagen der rettenden Stunde hören will; dass Stille walten

muss, wenn die Menschen hören sollen, was Gott mit ihnen redet. Allein ‑ auch gegen die Stille lässt sich schon etwas tun. Nachgerade ein Wundermittel gegen die Stille ist der Rummel. Ich würde also einen Rummel inszenieren, eine Art Gegenstück zum Karneval. Einen Rummel, von dem die Menschen ganz toll und verrückt werden. Das lässt sich machen. Das ist nicht einmal Hexerei. Die Weihnachtslieder würde ich in Weihnachtsschlager verwandeln, in Weihnachtsgassenhauer. Eine Kleinigkeit. Man braucht sie nur durch die Lautsprecher zu jagen. Und die Lautsprecher braucht man nur brüllen zu lassen. An jeder Straßenecke...

Ich würde die Menschen dahin bringen, dass sie Weihnachten auf der Straße feiern, dass sie gar keine Lust mehr haben, Weihnachten noch bei sich zu Hause zu feiern. Und eine Weihnacht, die nicht zu Hause gefeiert wird, ist überhaupt keine.

Das heißt natürlich nicht, dass eine Weihnacht, die zu Hause gefeiert wird, nun auch eine echte Weihnacht sein müsste. Wer sollte das besser wissen als ich, wenn ich der Teufel wäre? Dafür wollen die Menschen viel zu gern sein wie der liebe Gott selber. Das fehlte gerade noch, dass die Menschen sich von Gott beschenken lassen müssten. Das können sie selber doch auch, so wie sie nun einmal gebaut sind. Eigentlich müsste die ganze Weihnacht um die Armut der Menschen kreisen, in die Gott seinen Sohn hineingeschenkt hat. Aber wer redet denn da von Armut? Ich? ‑ Ich bin doch der Teufel. Ich rede den Menschen doch gerade ein, dass sie gar nicht so arm sind, dass sie Gott gar nicht brauchen, zum Schenken bestimmt nicht. Das können sie selber doch viel besser. Sie haben doch Geld.

Und wenn sie jetzt immer noch auf den Gedanken kommen sollten, Weihnachten zu feiern, wirkliche Weihnacht, dann ‑ ja dann würde ich einfach wieder von vorn anfangen...

Gekürzte Fassung, Verfasser unbekannt


Pfarrnachrichten 48 / 2009 - 34. Woche im Jahreskreis (B)

Hans Memling (um 1430/40 1494) – Das jüngste Gericht

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Die Heilsgeheimnisse, die wir im Laufe des Kirchenjahres gefeiert haben, münden in das Fest von Christus, dem König. Auch andere Hochfeste wie Epiphanie (Hl. drei Könige), Ostern oder Christi Himmelfahrt verweisen auf das Königtum unseres Herrn.

Als Papst Pius XI. im Jahre 1925 das Christkönigsfest einführte, ging es ihm jedoch »nicht so sehr um das heilsgeschichtliche Königtum Christi, sondern um den sozialen und staatspolitischen Wert der Christkönigsidee: die Völker können in sich und untereinander den Frieden nicht finden, wenn sie sich nicht Christus unterordnen.«

Die Messtexte, insbesondere die Lesung, weisen auf die Herrschaft eines Königs hin, der sein Reich nicht auf Eroberung gründet, sondern auf die Fürsorglichkeit eines Hirten: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

Zu unserem  Glauben gehört die Tatsache, dass Gott die durch die Sünde verirrten Menschen aufgesucht hat: Sie waren krank, er heilt ihre Wunden.

Christus ist gekommen als der die Liebe Gottes offenbarende König, als Erlöser der Menschen und Mittler des Neuen Bundes. Sein Reich ist Zeichen des Heiles unter den Menschen, damit diese eine Welt aufbauen in Gerechtigkeit und geschwisterliche und solidarische Gesinnung in der Hoffnung auf das künftige Heil herrschen.

Deshalb heißt es in der Präfation der heutigen Messe: Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

Vor allem das Evangelium vom Lesejahr A bekräftigt dies in sehr anschaulicher Weise. Matthäus gibt im 25. Kapitel wieder, was Jesus seinen Jüngern mitgeteilt hat: Am Ende dieser unserer sichtbaren Welt, am sogenannten jüngsten Tag, wird Christus das letzte Urteil sprechen, dem keiner mehr wird widersprechen können. Ohne die Möglichkeit des Einspruchs, weil Gottes Urteil der Wahrheit entspricht, wird Christus als in Herrlichkeit Wiedergekommener den Gerechten und damit denen, die Christi Königsherrschaft anerkannt und sich von ihm als dem guten Hirten wie Schafe haben führen und leiten lassen, erklären: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ bzw. „was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, dass habt ihr auch mir nicht getan.“

Jesus der Herr möchte sein Reich in dieser unserer Zeit also durch uns errichten, um uns am Tag des Unterganges dieser Welt dereinst sagen zu können, dass unsere vergänglichen Bemühungen mit dieser Welt nicht untergehen werden. All das Gute haben wir ja auch ihm getan. Es bleibt für immer und uns voll und ganz zugänglich aufgehoben in seinem Herzen und damit bis in alle Ewigkeit. Dort werden wir uns als die wiederfinden, deren Einsatz für das Gute und Gerechte endgültig alles Böse und Gemeine überwunden haben wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47 / 2009 - 33. Woche im Jahreskreis (B)

Die Priesterweihe wird durch die Handauflegung des Bischofs gespendet.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag wird in allen Gottesdiensten ein Hirtenwort unseres Erzbischofs über den Zölibat verlesen. Dabei geht es unserem Erzbischof darum, den Gläubigen den Sinn des Zölibates näher zu bringen: „Denn immer wieder ist es der Zölibat, der angefragt wird oder gar auf Unverständnis stößt.“

„Die gelebte, gottgewollte Ehelosigkeit, der Zölibat“, so der Kardinal, „ist ein unübersehbares Zeugnis, für den lebendigen Gott mitten in der Welt.“ Deshalb binde die Kirche das Priestertum an Menschen, „deren Lebensstil nur erklärbar ist, wenn es Gott gibt.“

So wie die unauflösliche Ehe, so ist auch der treu durchgetragene Zölibat „Zeichen für das nahe gekommene Reich Gottes.“ Was der Priester verkündigt, das Reich Gottes, bezeuge er somit „zeichenhaft und wirksam zugleich durch seinen (zölibatären) Lebensstil.“

Der Kölner Erzbischof präzisiert die zeichenhafte und wirksame Bedeutung von Ehe und Ehelosigkeit: „Das unauflösliche Ja der Eheleute wie die vorbehaltlose Verfügbarkeit im Zölibat zeugen davon, dass Menschen sich voll und ganz einlassen auf Gottes entgegenkommende Liebe.“ So werden sie zu neuen Menschen. „Christliche Ehe und zölibatäres Leben sind daher zwei Ausprägungen derselben Botschaft von Gottes unbedingter Nähe und Treue.“

Im Zentrum des christlichen Glaubens stehe die Tatsache, das „Gottes Herz in der Welt … nicht irgendein Herz angenommen hat, sondern die Gestalt des Priesters. Jesus ist der … einzig wahre Priester, weil er als Opfergabe nicht irgendetwas, sondern sich selbst darbringt.“ Hier habe auch „der Zölibat Jesu seinen Ursprung: Jesus gehört nicht nur einem Menschen, einer Frau, einer Familie. Jesus ist ehelos geblieben und hat keine Familie im üblichen Sinn gegründet, weil er etwa das Geschlechtliche abgewertet oder Frau und Familie gering geschätzt hätte. Er wollte in seinem zölibatren Leben ein Zeichen dafür setzten, dass Gott der Vater aller ist.“

So wird dann auch „der zölibatäre Priester in seiner Treue … ein getreues Abbild Christi.“ Er werde „allen zum Bruder … und bindet sich nicht an einen einzelnen Menschen.“ Das ermögliche ihm, „in größerer Freiheit ein um so klareres Zeugnis zu geben von der entgegenkommenden Liebe Gottes.“ Das habe auch ganz praktische Auswirkungen: „Weil ein Priester weniger Rücksicht auf unmittelbare Angehörige nehmen muss, kann er sich freier den Menschen zuwenden.“ Zölibat und Ehe würden sich dabei einander stützen, sofern sich „beide Lebensformen als glaubwürdiges Zeichen erweisen.“

In Abgrenzung zu den Eheleuten wollte Jesus „sein eigenes priesterliches Dasein“ in besonderer Weise „in den geweihten Priestern … fortsetzen und vergegenwärtigen.“ Unser Erzbischof schreibt hierzu: „Im Zölibat will sich Gott unter den Menschen bekannt machen. Er will zeigen, dass er uns Menschen so nahe ist und uns so überschwänglich liebt, dass ein Mann als zölibatärer Priester sich ganz an Gott und an die Menschen verschwendet und dabei ganz Mensch ist und bleibt. Hier wird deutlich: Nur wer wirklich an Gott glaubt, versteht etwas vom Zölibat.“

Neben vielen weiteren Gründen spricht Kardinal Meisner auch den sogenannten eschatologischen an: „Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen hält mitten unter uns die Sehnsucht wach nach der einen, endgültigen, vollkommenen Liebe. Der zölibatäre Mensch streckt sich mit seinem ganzen Dasein aus nach jener letzten Erfüllung, die nur Gott schenken kann. Der Zölibat ist deshalb ein Charisma, eine Gnadengabe, und damit ein kostbares Geschenk der Freiheit.“ Mit Blick auf unsere oft nur pragmatische, funktionale oder psychologische Sichtweise stellt der Kardinal die zukunftsweisende Frage „Könnte es nicht sein, dass der Zölibat gerade in seiner gesellschaftlichen Widerspenstigkeit ein Schatz ist, den es neu zu heben gilt und dessen prophetische Botschaft neu verstanden werden muss?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 46 / 2009 - 32. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Kaum vergehen hier die Tage, ohne dass es immer wieder etwas Schönes und Neues gäbe.

Am 2. November etwa haben wir die Allerseelenmesse gemeinsam mit Msgr. Anthony Muheria, seit 2008 Bischof von Kitui / Kenia feiern können. Das war nicht nur für die kleine Messdienerschar (mehr ...) etwas ganz Besonderes.

Inzwischen ist auch das Kreuzigungsbild, das viele Jahre an der Rückwand des südlichen Seitenschiffes hing – seitlich neben, aber räumlich höher als der Windfang –, durch den Kunstrestaurator Vladimir Tkatchenko, der seit Monaten hier in St. Pantaleon arbeitet, wieder in einen sehr guten Zustand gebracht worden. Da den langjährigen Platz dieses Bildes nun schon seit einiger Zeit das ebenfalls restaurierte, etwa 400 kg schwere Wappen von Abt Schallenberg eingenommen hat, wir aber dieses schöne, den „Pantaleönern“ gut vertraute Bild wieder in der Kirche aufhängen möchten, haben wir dafür einen neuen Ort gefunden: in der Marienkapelle, relativ hoch an der Rückwand gegenüber der Schmerzenmutter.

Aller guten Dinge sind drei. So gibt es auch eine dritte gute Nachricht.

Ab diesem Wochenende werden wir bis etwa September 2010 einen vierten Seelsorger in unseren Reihen begrüßen: Ein Diakon auf dem Weg und in der Vorbereitung zum Priesteramt.

Es ist ein etwas außergewöhnlicher Diakon: Prof. Dr. Dr. Harm Klueting, ein katholischer Theologe und Historiker, der als Theologieprofessor an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg in der Schweiz Kirchengeschichte lehrt und auch Professor der Universität zu Köln ist für Geschichte und Katholische Theologie im Fach Kirchengeschichte (mehr ...).

Prof. Klueting wird in St. Pantaleon seinen Dienst zunächst als Diakon verrichten, zugleich seine Lehrtätigkeit fortführen, und, so Gott will, im Frühjahr im Alter von 60 Jahren zum Priester geweiht. Er war früher evangelischer Geistlicher der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie evangelischer Theologieprofessor im Fach Kirchengeschichte (in Sibiu / Rumänien) und ist 2004 zur katholischen Kirche konvertiert.

Wir heißen ihn herzlich willkommen und freuen uns sehr auf die gemeinsame, vor uns liegende Zeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45 / 2009 - 31. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Nach altem Brauch besuchen katholische Christen in unserem Land, weil er zugleich ein staatlicher Feiertag ist, bereits an Allerheiligen den Friedhof, um dort ihrer Verstorbenen betend zu gedenken. Meist wird das Gebet begleitet durch das Aufstellen von Kerzen und eine besonderer Grabpflege.

Auch wenn der eigentliche Gebetstag für die Verstorbenen der Allerseelentag ist, gehört der ihm vorausgehende Allerheiligentag wie ein Zwilling untrennbar zu ihm: Beide Tage bilden eine gewisse Einheit.

Was bringt es, so könnte man kritisch fragen, für die Verstorbenen zu beten? Die sind doch tot! … Die haben doch nichts mehr davon, könnte ein Skeptiker vorbringen!

Eine erste Antwort darauf gibt uns die Liturgie. In der Allerseelenmesse betet die Kirche in der Präfation: „Vita mutatur, non tollitur“, was übersetzt heißt: „Das Leben wird gewandelt, nicht genommen.“

Damit glaubt und verkündet die Kirche, dass die Seele, das Innere und Eigentliche des Menschen nicht stirbt, sondern der Mensch ohne seinen Körper, der im Grab zurückbleibt und verfällt, als körperloses Individuum mit seinem bisherigen Selbstbewusstsein, mit seinem Ich und seiner Persönlichkeit – allerdings ohne Haut, ohne Knochen und ganz ohne seine materiell biologischen Organe – weiter- und fortlebt.

Hier wird deutlich, wie wichtig das Innere des Menschen ist. Weder die äußere Kraft noch der äußere Glanz des irdischen Lebens sind entscheidend, sondern die innere Herzenskraft und Größe eines Menschen.

Am Allerseelentag beten wir auf dem Friedhof, im Gottesdienst oder zu Hause, dass das Innere der Verstorbenen, das einzige was ihnen als gewandelte aber weiterhin als Inhaber des eigenen Lebens und Daseins geblieben ist, gereinigt werde von aller falschen Anhänglichkeit an irdisch-vergänglichem und verführerischem Glanz.

Nach dem Tod eröffnen sich dem Menschen drei Möglichkeiten seines zukünftigen, zeitlich und von der Dauer her unbegrenzten Lebens und Daseins.

Wer hier auf Erden aus ganzem Herzen Gott gesucht, seine Liebe erfleht und nach Maß der eigenen Möglichkeiten gerne angenommen und an seinen Nächsten weitergegeben hat, der ist für immer und ewig bei Gott. Dieser Verstorbenen gedenken wir nicht bittend, sondern feierlich an Allerheiligen. Wir feiern ihretwegen, die keiner Fürbitte und keiner reinigenden Veränderung mehr bedürfen. Sie sind im Himmel.

Wer hier auf Erden zwar nicht unbelehrbar und verbohrt böse war, aber doch in vielem gleichgültig und nachlässig, und Gott und den Nächsten nicht in Liebe und Anteilnahme aus ganzem Herzen gesucht hat, der bedarf nach seinem Tod noch einer reinigenden Veränderung, um von Gottes Liebe nicht erschlagen und erdrückt zu werden. Für diese Verstorbenen beten wir. Wir beten dafür, dass die Dauer und Intensität der für sie schmerzhaft und qualvoll empfundenen reinigenden und läuternden Änderung verkürzt werde und nicht allzu schmerzhaft ausfalle. Diese Verstorbenen befinden sich im Zustand der Läuterung. Sie sind im Fegefeuer, sagt man. Aber sie sind voller Zuversicht, weil sie bereits definitiv wissen, nach der Läuterung endgültig und für immer bei Gott zu sein.

Wer aber das Böse zugelassen und gewollt, wer den Streit und die Verachtung des Schwächeren gesucht hat … usw., und das bis in den Tod hinein, der wird Gottes Liebe und seiner vergebenden Barmherzigkeit nie mehr begegnen können. Der ist und bleibt für immer in der Hölle.

So sind beide Tage, Allerheiligen und Allerseelen, für uns, die wir noch im irdischen Leben stehen, ein guter Anlass, erneut auf unser Herz zu hören und Gott zu bitten, dass unser Leben gelinge. Beide Tage machen uns Mut, Gott noch mehr zu vertrauen. Er erneuert unsere Kraft und hilft uns, beharrlich und Tag für Tag ihn und unseren Nächsten im Guten zu suchen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44 / 2009 - 30. Woche im Jahreskreis (B)

Die Heilung des blinden Bartimäus - Codex Egberti

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Das Sonntagsevangelium berichtet über die Heilung des blinden Bartimäus. Jesus hört den Schrei des Blinden und bleibt stehen; denn für solche Menschen ist er gekommen: Für Menschen, die aus Erfahrung davon überzeugt sind, dass Gott uns zu Höherem berufen hat und zu Größerem führen möchte, als was wir sehen beziehungsweise noch nicht sehen können.

Der biblische Heilungsbericht ist gespickt mit interessanten Details. Er erwähnt etwa, dass die Umstehenden anfangs ärgerlich auf den Hilferuf des Blinden reagieren. Sie fahren ihn an, er soll schweigen. Doch Bartimäus schreit daraufhin noch viel lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“

Der Herr hat ihn wohl vom ersten Augenblick an gehört. Aber er ließ ihn weiter rufen.

So macht er es auch mit uns. Er vernimmt unser erstes Bitten. Aber er wartet; denn so begreifen wir besser, dass wir ihn brauchen und ohne ihn keine wirkliche Chance im Leben haben.

Gott will, dass wir ihn mit der Hartnäckigkeit des Blinden am Rande des Weges von Jericho bitten. „Hierin sollen wir ihn (den Blinden) nachahmen“, empfiehlt der Hl. Johannes Chrysostomus (In Matthaeum homiliae, 66, 1; PG 58, 626): „Wenn Gott die Erhörung hinausschiebt, wenn manche uns vom Beten abhalten wollen, so dürfen wir trotzdem nicht nachlassen.“

Weiterhin ist auffällig, dass der Herr den Blinden schließlich nicht selber zu sich ruft. Er fordert vielmehr die Umstehenden auf, dem Blinden zu sagen, er solle zu ihm kommen. Also waren auch die Umstehenden anfangs blind: Sie waren blind für die Not des Blinden und sie waren blind für das, was der Herr uns Menschen geben möchte. So heilt er auch sie.

Überlegen Sie selber einmal, was der von Gott inspirierte Evangelist mit dem nächsten Detail sagen möchte. Er erzählt, dass der Blinde auf die Aufforderung der Umstehenden hin aufspringt und seinen Mantel wegwirft. Ohne den schützenden Mantel ist er eigentlich noch ärmer dran!

Ist das nicht wie ein Hinweis, dass man, um ganz nahe bei Gott sein zu können, manches zurücklassen und sich auch von bislang scheinbar Notwendigem trennen muss? – Überlegen Sie einmal, was für Sie bislang Notwendiges möglicherweise nicht mehr nötiger Ballast darstellt, der sie von einer größeren Nähe zu Gott zurückhält!

Und schließlich: Als der Blinde vor Jesus auf die Knie fällt, fragt er ihn, obwohl er doch genau weiß, was der Blinde möchte: „Was soll ich dir tun?“ – Es ist es also gut, weiterhin zu bitten und darin nicht nachzulassen, obwohl Gott längst weiß, was wir brauchen.

Es ist gut für uns! Es führt mit Gottes Gnade dazu, dass wir immer weniger blind sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43 / 2009 - 29. Woche im Jahreskreis (B)

Dieser herrliche barocke Messkelch (Augsburg 1710 von Johann I. Mittnacht) wurde St. Pantaleon am 23. April dieses Jahres gestiftet.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Zwei Apostel, Jakobus und Johannes, kommen zum Herrn und tragen ihm eine Bitte vor. Sie möchten im Reich Gottes zur Rechten und zur Linken des Herrn sitzen. So steht es im Sonntags-Evangelium dieser Woche (Mk 19,35-45).

Jesus erwidert ihnen, dass sie nicht wirklich wissen, worum sie eigentlich bitten. Deshalb stellt er ihnen die Frage: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“

Mit der „Taufe“ meint der Herr ohne Zweifel seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, wo all sein Tun hinführt und von wo aus er seine Erlösung schenken wird. So ist der Kelch von daher auch als Leidens-Kelch zu verstehen. Aber er ist nicht nur Leidenskelch.

So ist auch die Taufe nicht nur Hinabsteigen in den Taufbrunnen mit Hineingehalten- und Untergetaucht-Werden in den reinigenden Tod Jesu Christi. Taufe ist auch das Aufsteigen aus dem Bad der „Wiedergeburt“ und der „Erneuerung“.

So hat es einmal der Hl. Paulus im Römerbrief (6,3-5) ausgedrückt: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“

In der Taufe wird der Mensch neu und wieder geboren. Die Taufe befähigt, als neuer Mensch zu leben. So ist der Kelch, von dem der Herr spricht, auch Inbegriff eines guten und erfüllten Lebens. Er ist immer zugleich auch Ausdruck üppiger Lebensfreude: Er ist Leidenskelch und Siegerpokal in einem.

Der Herr beschließt den Dialog mit der Feststellung, dass er die gewünschten Plätze nicht vergeben kann. Auf diesen Plätzen „werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.“

Damit weist Jesus hin auf die Gnade des göttlichen Vaters, für den die Zukunft immer zugleich Gegenwart ist: Gott Vater im Himmel weiß, wer von uns Menschen seine Gnade aus freien Stücken annehmen und wer sie ablehnen wird. Gott weiß im Voraus, wer sich ihm anvertrauen wird, und wer nichts von ihm wissen will und die entscheidende Gnade Gottes ablehnen wird. In diesem Sinne gibt es eine Vorsehung Gottes und eine ewige Bestimmung des Menschen.

Uns aber ist das noch verborgen; denn wir haben uns noch nicht endgültig entschieden. Auch darum geht es in diesem Sonntagsevangelium.

Was in der Taufe durch Gott grundgelegt ist, muss durch das Tun des Menschen Gestalt gewinnen. Ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und seid zu einem neuen Menschen geworden“, schreibt Paulus an die Kolosser (3,9-10). Das Neue muss wachsen, es muss beschützt und umhegt werden.

Manche Verhaltensweisen des alten Menschen leben in uns weiter, sind vielleicht sogar tief in uns verwurzelt. Deshalb ist ein Bemühen notwendig, das einem wahren Kampf gleicht. Dieses auch kämpferische Bemühen bereitet den Boden, auf dem die Freundschaft mit dem Herrn gedeihen kann. Schritt für Schritt können wir uns so der Gestalt Christi nähern.

Der Heilige Vater hat das als Kardinal Ratzinger einmal so formuliert: „Nachfolge Jesu Christi bedeutet, dass wir einen Weg gehen müssen und gehen können, der gegen die natürliche Schwerkraft gerichtet ist, gegen die Schwerkraft des Egoismus, der Suche nach dem bloß Materiellen und nach dem Maximum an Lustgewinn, das man mit Glück verwechselt. Nachfolge ist ein Weg durch die aufgeregten, stürmischen Wasser, den wir nur gehen können, wenn wir im Schwerefeld der Liebe Jesu Christi sind, den Blick auf ihn gerichtet und so getragen von der neuen Schwerkraft der Gnade, die uns den Weg zur Wahrheit und zu Gott hin möglich macht, den wir aus eigenem nicht durchschreiten können. Deswegen ist Nachfolge Christi mehr als Zustimmung zu einem bestimmten Programm, mehr als Sympathie und Solidarität mit einem Menschen, den wir als Vorbild ansehen. Wir folgen nicht nur Jesus, einem Menschen; wir folgen Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes. Wir gehen einen göttlichen Weg.“ (J.Kard.Ratzinger, Diener eurer Freude, Freiburg 1989, S.68-69)

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrand

 

Pfarrnachrichten 42 / 2009 - 28. Woche im Jahreskreis (B)

Berufung ist ein Weg bewussten Hinhörens und Sprechens: zwischen Gott und Mensch. Berufung entsteht und wächst in der Beziehung zu Gott. // Berufung ist kein ausgetretener Pfad, aber es gibt Wegweiser. Berufung braucht Aufmerksamkeit, waches Unterscheiden, wohin ich von wem und was gezogen werde.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium der Messe berichtet Markus von einem jungen Mann, den seine irdischen Güter daran hinderten, Christus nachzufolgen.

Der Herr war auf dem Weg nach Jerusalem, berichtet Markus. Da lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Der Herr antwortet ihm mit den Geboten, den göttlichen Weisungen im Alten Testament. Er erfülle sie schon, sagt ihm darauf der junge Mann.

Hier wird sichtbar, dass die Erfüllung der Gebote den jungen Mann noch nicht ausfüllte. Er war von einem Verlangen nach Höherem erfüllt. Ihn drängt eine innere Sehnsucht, zu einer Höhe und Größe aufzusteigen, die über dem Gebot liegen. In dieses Verlangen geht der Blick, mit dem Jesus ihn daraufhin ansieht.

Da sah ihn Jesus an, berichtet Markus, und weil er ihn liebt, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkauf was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!

Der Herr blickt ihn in Liebe an, um ihm einen neuen Weg zu zeigen, der sich mit seinem Kommen aufgetan hat: Alles verlassen und ihm, dem Herrn, nachfolgen.

Halten wir einen Moment beim Blick des Herrn inne.

Der Blick des Herrn kann herzlich gewinnend sein wie hier, da er zur Nachfolge aufruft, oder von Mitleid erfüllt, wie angesichts des Leichenzugs in Nain (vgl. Lk 7,13), oder fordernd wie beim Ruf an Matthäus (vgl. Mt 9,9), zur inneren Bekehrung führend wie bei Zachäus (vgl. Lk 19,5), zärtliche Rührung ausdrückend wie bei der armen Witwe, die zwei kleine Münzen, alles, was sie besaß, in den Opferkasten warf (vgl. Mk 12,41-44). In seinem Blick wird die Gnade spürbar, die einen Menschen durchdringt und verändert - so bei der Ehebrecherin (vgl. Joh 8,10) und bei Petrus, der nach seinem Versagen hinausging und bitterlich weinte (vgl. Lk 22,61). – So schaute der Herr auch den jungen Mann an: voll Liebe.

Papst Johannes Paul II. bezog sich darauf vor jungen Leuten: »Der Mensch braucht diesen liebevollen Blick: Er muss das Bewusstsein haben, geliebt zu sein, von Ewigkeit her geliebt und erwählt zu sein (vgl. Eph 1,4). Diese ewige Liebe göttlicher Erwählung begleitet den Menschen durch sein ganzes Leben wie der liebende Blick Christi. Und vielleicht am stärksten im Augenblick der Prüfung, der Niederlage, wenn unser Menschsein vor den Augen der Leute fast erlöscht ist, geschändet und zertreten. Dann wird das Bewusstsein, dass der Vater uns immer schon in seinem Sohn geliebt hat, dass Christus selbst einen jeden ohne Unterlass liebt, zu einem festen Halt für unsere gesamte menschliche Existenz. Wenn alles für den Zweifel an sich selbst und am Sinn des eigenen Lebens spricht, dann läst uns dieser Blick Christi überleben, das Bewusstsein von jener Liebe, die sich in ihm mächtiger als jedes Übel und jede Zerstörung erwiesen hat.« (Apost. Schreiben An die Jugend, 31.3.85)

Christus, der Herr, ruft jeden und spricht jeden darauf an, ihm zu folgen. Der junge Mann aber ging traurig weg. Sein Herz hing an seinem Geld; an seiner Karriere, am äußeren Glanz und Schein. Das aber machte ihn nicht glücklich, sondern traurig.

Wer dagegen zu Christus »Ja« sagt, findet Frieden und Freude. So vielfältig die Menschen, so vielfältig sind die Wege, die Gott für einen jeden vorgesehen und bereitet hat. Einige wenige beruft er dazu, Priester zu sein und zu werden. Andere beruft er in die Abgeschiedenheit eines Klosters. Die Mehrzahl beruft er dazu, inmitten der Welt, in allen ehrbaren Berufen und Unternehmungen, in Familie und Gesellschaft uneingeschränkt nach Gottes Willen, der für uns Menschen nur das Beste will, zu leben. – Da ist nun jeder einzelne gefragt, ob er das auch will, und wie er es am besten mit Gottes Hilfe umsetzen kann.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41 / 2009 - 27. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Erst jüngst wurden uns in verschiedenen Gottesdiensten Schriftlesungen vorgetragen, in denen der Herr dazu auffordert, vor Gott wie Kinder zu sein. Diese Aufforderung unterstreicht der Herr wiederholt durch eine bewegende Geste: Er ruft Kinder herbei und stellt sie mitten unter die Apostel.

Darüber hinaus berichtet der hl. Matthäus im 19. Kapitel, dass man Kinder zu ihm brachte, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete, die Jünger aber die Leute schroff abwiesen. Darauf reagierte Jesus überaus deutlich und wies seine Jünger mit den Worten zurecht: »Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.«

Kinder gehören beim Gottesdienst unbedingt mit dazu und sie haben hier einen Platz, der nicht zu verhandeln und ihnen nicht abzustreiten ist.

Es ist nachvollziehbar, wenn sich vor allem ältere Gottesdienstbesucher in ihrer Andacht durch unruhige und schreiende Kinder gestört fühlen. Aber es ist nicht nachvollziehbar, wenn diese Gottesdienstbesucher den Eltern dieser Kinder ihr Unverständnis über die Unruhe äußern. Durch ein solches Verhalten lösen sie bei den betroffenen Eltern nur noch mehr das Gefühl aus – sicher unbeabsichtigt –, was ihnen unsere oft kinderfeindliche Gesellschaft schon mehr als genug vermittelt, nämlich mit ihren Kindern unerwünscht zu sein.

Für St. Pantaleon haben wir seit geraumer Zeit folgende Regelung getroffen und dies auch mehrfach in Form eines Hinweises / einer Vermeldung deutlich gesagt: In der Familienmesse am Sonntag um 10:00 Uhr ist jede Mutter und ist jeder Vater mit Kind, in welchem Alter auch immer, in jedem einzelnen Fall uneingeschränkt willkommen und braucht sich wegen kindlicher Unruhe des ihm von Gott geschenkten Kindes nicht die geringste Sorge zu machen. – Mit seinem Mikrofon und seiner körperlichen Überlegenheit ist der Pastor immer noch lauter und stärker als alle Kinder zusammen; sollten sie einmal auch alle gemeinsam und laut schreiend auf ihn losrennen.

Ich hoffe, dass das nun endlich auch vom Letzten verstanden worden ist. Und so sage ich noch einmal, und hoffentlich das letzte Mal: Wenn Sie sich als Gottesdienstbesucher der Familienmesse um 10:00 Uhr von der kindlichen Unruhe gestört fühlen, bitte ich Sie, einen der anderen Sonntagsgottesdienste zu besuchen: Die Vorabendmesse, das Hochamt oder die Abendmesse. Oder gehen Sie bitte in eine andere Kirche. Das ist mir alles Recht. Aber lassen Sie bitte Eltern mit ihren Kindern in Ruhe, wenn deren Bemühen, die kindliche Unruhe während der Familienmesse in einem angebrachten Maß zu halten, einmal vergeblich war.

Welches Maß angebrachte ist, entscheiden nicht jene Gottesdienstbesucher, die in ihrer Andacht nicht gestört werden möchten – für sie gibt es genug andere Gottesdienste –, sondern – was die Familienmesse betrifft – die Eltern in Absprache und in Übereinstimmung mit dem Pfarrer.

Ich möchte nicht noch einmal erleben, dass eine Mutter mit Tränen in den Augen mir davon berichtet, dass eine »fromme« ältere Dame ihr Nachhilfe in religiöser Kindererziehung zu geben versucht habe, ihr dabei zugleich unmissverständlich gesagt hat, dass ihr unruhiges Kind nicht erwünscht sei.

Es gilt, was der Herr sagt (Mt 18,3): »Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen«; was ich für die Familienmesse Sonntags um 10:00 Uhr mit diesen Zeilen definitiv hoffentlich für alle verständlich hiermit noch einmal konkretisiert habe.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40 / 2009 - 26. Woche im Jahreskreis (B)

Mauritus-Schrein in St. Maurice / Schweiz

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Als am 13. September auf einem S-Bahnhof in München zwei Jugendliche am Sonnabend einen Mann angegriffen und zu Boden geschlagen haben, waren viele zu Recht erschrocken.

Der Mann war dazwischengegangen, als die Jugendlichen in einer S-Bahn vier 13- bis 15-Jährige bedroht und Geld von ihnen verlangt hatten. Als er ausstieg, folgten ihm die jungen Männer. Der Polizei zufolge schlugen und traten die 17 und 18 Jahre alten Deutschen brutal auf ihr Opfer ein. Der Mann sei mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen und bewusstlos liegengeblieben. Der 50-Jährige erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der Überlieferung nach geschah am 22. September – allerdings vor wohl 1706 Jahren – in der jetzigen Schweiz in mancher Hinsicht noch weitaus Erschreckendes bzw. Erhebendes. Einer alten, von Eucherius, dem um 450 gestorbenen Bischof von Lyon, aufgeschriebenen Legende zufolge, gehörte einer zur Zeit der römischen Kaiser Diokletian und Maximian bei Theben in Ägypten aus vorwiegend christlichen Männern ausgehobenen Legion ein Offizier Namens Mauritius (dt: Moritz, frz. Maurice) mit seinen Gefährten an.

Die Legende berichtet: »Für den Kaiser kämpften sie mit Tapferkeit, für Christus aber mit Frömmigkeit. Auch als Soldaten vergaßen sie das Gebot des Evangeliums nicht und gaben Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers war.«

Eines Tages wurden sie »zu gewaltsamem Vorgehen gegen die zahlreichen Christen aufgeboten.« Mauritius und seine Gefährten stellten sich schützend vor die unschuldigen Menschen und verweigerten den Befehl.

Als der Kaiser das vernahm, ließ er die Legion antreten, durchzählen und jeden Zehnten vortreten, die vor den Augen der anderen hingerichtet wurden. »Als … der Befehl zum zweiten Mal … erging, und sie erkannten, dass sie wieder zu verbrecherischen Handlungen verpflichtet werden sollten, erhob sich im Lager überall Lärm und Aufruhr. Alle schrien, keiner werde je zu solchen Verbrechen Beihilfe leisten. Sie zögen es vor, eher den Tod zu erleiden, als Befehlen gegen den christlichen Glauben zu folgen.«

Der erzürnte Kaiser ließ wiederum jeden zehnten Mann hinrichten. »Die übrigen Soldaten aber munterten sich gegenseitig auf, in diesem herrlichen Kampfe durchzuhalten. Den größten Überredungseifer zeigte dabei Mauritius.« Gemeinsam mit anderen Offizieren »ermunterten und ermahnten sie jeden einzelnen Mann. Gestärkt durch diese Offiziere, ließen sie (dem Kaiser) Maximianus ihren Entschluss übermitteln. Als er ihn vernommen hatte, gab er die Hoffnung auf, ihre Standhaftigkeit erschüttern zu können, gab den Befehl, … alle hinzurichten und ließ zur Vollstreckung von allen Seiten zahlreiche Truppen heranziehen. So wurden alle mit dem Schwert enthauptet, ohne dass sie sich widersetzten. Sie legten ihre Waffen freiwillig nieder und hielten den Nacken ihren Henkern hin.«

Eine unserer Kirche St. Pantaleon unmittelbar benachbarte ist dem Hl. Mauritius geweiht: St. Mauritius; und man gelangt von hier nach dort über den Mauritius - Steinweg.

Der Heilige Mauritius ist St. Pantaleon auch über den deutschen Kaiser Otto I., dem Schwiegervater der in St. Pantaleon begrabenen Kaiserin Theophanu, besonders nahe. – Otto I. erhielt anlässlich seiner Heirat 951 mit Adelheid, der Tochter des Königs von Burgund, von diesem zum Weihnachtsfest 960 Reliquien von Mauritius für den gleichnamigen Dom (St. Mauritius) in Magdeburg. Sie galten damals als das ehrwürdigste Heiligtum auf deutschem Boden. Otto führte seinen Sieg gegen Ungarn von 955 auf Mauritius' Hilfe zurück und ließ 962 sein Fest vom Papst bestätigen.

Von seiner bis hin zur Stauferzeit blühte die Verehrung des Heiligen in Deutschland. Mauritius wurde zum Reichsheiligen und zum Kriegerheiligen, dessen Heilige Lanze in wichtigen Kriegszügen des Reiches zum Schutz vorangetragen wurde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39 / 2009 - 25. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Ein schwergewichtiger Mann ist nach St. Pantaleon zurückgekehrt. Er wiegt über 1.500 Kilogramm! Seine Heimkehr hat viel Schweiß gekostet. Mit nicht gerade geringem Kraftaufwand wurde er unter großer Vorsicht die Eingangsstufen bis zum Hochalter hinauf gehoben.

Gemeint ist der Hl. Bruno; nicht seine Reliquien, die unbeschadet gewissermaßen auch als Fundament unserer Kirche in der Krypta ruhen, sondern das barocke Grabdenkmal.

Seit 1922 stand das Grabdenkmal bis zur Einrichtung der Josefmaria – Kapelle eher unbeachtet und deplaziert ganz in der Ecke der nördlichen Seitenapsis. Nach jahrelanger Zwischenlagerung wurde es von den Restauratoren im Karthäuserhof sorgfältig in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Nun hat das Grabdenkmal einen Platz in die Nähe seines ursprünglichen im Hochchor erhalten.

Das Grabdenkmal entstand unter Abt Eberhard Schallenberg, nachdem die in Vergessenheit geratenen Gräber des Heiligen Bruno und der Kaiserin Theophanu 1747 in der zugeschütteten Krypta neu entdeckt wurden. Über dieses Ereignis berichtet ein zeitgenössisches Dokument folgendes:

»Nach Entfernung des Steines sah man den verehrungswürdigen Leib und das Haupt, beide vom Fleisch entblößt, aber in richtiger Anordnung der Gliedmaßen daliegend und angethan mit violett seidenen bischöflichen Gewändern, die hier und da mit reinen Goldfäden durchwoben waren. Unter seinem h.Haupte lag als Polster oder Kissen ein Tuffstein, die Füße waren mit spitzen Schuhen bekleidet, wie die Frauen sie tragen, und die Hände mit Handschuhen bekleidet. Nachdem dies in Gegenwart des Abtes Everhard und des ganzen Conventes so gefunden, wurde ein weißes Tuch ehrfurchtsvoll darüber ausgebreitet bis zum folgenden Tage, an dem man das Grab wieder aufdeckte und der Notar Hoedt in Gegenwart der vorhin genannten und noch vieler anderer Personen eine Urkunde darüber ausfertigte. Als nun der Sacristanpriester Heinrich Sauvage das Haupt in die Hand nahm und es den Umstehenden zeigte, so sah man, wie der Gaumen noch röthlich war, als gehöre er einem lebenden Menschen an, ebenso war es mit den beiden Kinnbacken. Auch alle Zähne waren mit Ausnahme eines einzigen weiß und fest. Ein Schenkel, der noch mit Haut und Fleisch, aber etwas eingetrocknet, bedeckt war und im Innern so zu sagen noch lebendfrisches Mark hatte, zeigte eine frische röthliche Farbe. Das übrige Gebein war theils in Staub zerfallen, theils ausgetrocknet, aber wohl erhalten«.

Abt Schallenberg beließ das Grab in der Krypta, errichtete aber im Hochchor vor dem Hochaltar Denkmäler für Bruno, Theophanu und Abt Hermann I. Ein 1819 auf Veranlassung des Kölner Bürgermeisters angefertigter Bericht beschreibt das Ensemble aus drei schwarzen Tumben mit Liegefiguren aus hellem Stuck. Brunos Sarkophag stand in der Mittelachse vor dem Hauptaltar, westlich von seiner Gruft, die Tumba Theophanus rechts vom Hochaltar, und ihr gegenüber die Tumba Hermanns. – Auch wenn das Ensemble aus künstlerischer Sicht wenig bedeutend war, so waren mit ihm die wichtigsten Persönlichkeiten der Klostergeschichte der Vergessenheit enthoben und erneut in die Liturgie eingebunden.

Als Historiker darf ich dazu abschließend bemerken: Geschichte wiederholt sich nicht, aber die Ereignisse ähneln sich. So freut es mich, dass der Heilige Bruno, wie schon einmal vor fast 300 Jahren, als maßgeblicher Stifter unserer schönen Kirche und als heiliger Fürsprecher auf diese Weise erneut erhoben in lebendiger Erinnerung bleibt und angerufen und verehrt wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 38 / 2009 - 24. Woche im Jahreskreis (B)

Cäsaréa Philippi: der historische, wundervolle Ort des Messiasbekenntnisses des Hl. Petrus

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium von diesem Sonntag fragt Jesus seine Jünger: »Für wen halten mich die Menschen?« Mit dieser Frage will Jesus am Ende darauf hinaus, dass seine Jüngern und auch wir darüber nachdenken, wer Jesus ist und welche Bedeutung er in unserem Leben hat.

Der Herr führt seine Jünger wie ein kluger Erzieher schrittweise zu dieser schwierigeren Fragen: »Für wen halten mich die Menschen?« – Diese Frage ist noch leicht. Aber sie regt an zum Innehalten und Nachdenken. Alle Jünger beteiligen sich an der Beantwortung.

Die zweite Frage ist schon schwieriger. Sie verlangt, über sich selbst nach zu denken, in sich hinein zu horchen und zu einer Standortbestimmung zu kommen. – Ist nicht genau das einer der ganz wichtigen Wege, Christus immer näher zu kommen? – Diesmal hat nur Petrus den Mut zu antworten.

Ähnlich wie den Jüngern stellt Christus auch uns immer wieder überraschend Fragen. Er stellt uns vor Situationen, in denen wir gefordert sind, die berühmte „Gretchen-Frage“ zu stellen: »Wie hältst du es mit der Religion?« Oder: »Welche Rolle spielt Jesus in deinem Leben? … Ist er für dich nicht nur der Theorie nach der menschgewordene Gott, der dir als wahrer Gott den wahren Weg, auch den für dich wahren Weg als Mensch auf Erden hin zu seiner ewigen Heimat zeigt?«

Wie den Jüngern so geht es auch uns. Nähern wir uns Christus, dann gibt er sich uns zu erkennen.

Wie damals, so gibt es auch heute viele falsche Vorstellungen über den Messias. Er ist nicht der politische Befreier von der römischen Fremdherrschaft. Er ist auch nicht der Wunderdoktor oder der Brotvermehrer, der das irische Leben in ein Schlaraffenland verwandelt. Ganz unmissverständlich macht er Petrus und den Jüngern klar, dass er der leidende Gottesknecht Jahwes sei, der leiden müsse, verworfen werden aber durch diese Läuterung hindurch in seiner Auferstehung alles in einer Weise verwandelt, die uns wirklich entspricht und Perspektive wie Zukunft hat.

Der Weg zur Erlösung führt über die Leiden des Kreuzes zur Freude der Auferstehung. Der Herr stärkt jeden, der ihn ernst und wichtig nimmt und seine Nähe sucht, seinen Fußstapfen zu folgen und die Schwierigkeiten des Tages mit Freude an zu nehmen.

Dann noch eine Mitteilung zum Messplan: Die tägliche 12.00 Uhr - Messe ist so gut angenommen worden, dass wir ab Oktober die bisherige Frauengemeinschaftsmesse von Mittwoch auf Dienstag verlegen und in die 12.00 Uhr – Messe mit integrieren werden. Am ersten Dienstag des Monats gibt es dann nach der 12.00 Uhr – und zugleich Frauen-Messe, etwas Gutes und Kräftiges zum Speisen in geselliger Runde im Pfarrsaal.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37 / 2009 - 23. Woche im Jahreskreis (B)

Zum Sonntagsevangelium: Jesus heilt einen Taubstummen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Ein wunderschönes Pfarrfest liegt hinter uns: Zuerst die jedes Herz immer wieder öffnende Sonntagsmesse mit sich unmittelbar daran anschließender Pfarrprozession und danach unvergessliche Stunden des Zusammenseins mit durchweg gutgelaunten und angenehmen Menschen jeden Alters.

So viele quirlige und muntere Kinder auf einem Raum kann man sonst nur noch ganz selten erleben. Das abwechslungsreiche Programm war ihnen auf den Leib geschneidert. Omas, Opas und natürlich die Eltern waren auf das Höchste zufrieden; aber nicht nur deshalb: Jeder, ob jung oder alt, fand Gleichgesinnte. Das biblische Wort, dass »die Gemeinde der Gläubigen ein Herz und eine Seele war« und dass »keiner etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum nannte, sondern sie alles gemeinsam hatten«, gehört also definitiv nicht der Vergangenheit an.

Zu dem schönen Zeitungsbericht werden bald auch noch Fotos ausgehängt und ins Internet gestellt. – Allen Beteiligten sei von Herzen für ihren Einsatz und ihr Mitwirken gedankt!

Nicht weniger positiv ist die neue »12.00 Uhr Messe« angenommen worden, die von nun an ohne Ausnahme jeden Montag bis Freitag, bis auf weiteres noch in der Josefmaria-Kapelle, gefeiert werden wird. Sie war vom ersten Mal an mit durchschnittlich 10 Gläubigen eigentlich recht gut besucht. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Möglichkeit, zur Mittagszeit eine Heilige Messe besuchen zu können, »herumspricht«, und es wäre schön, wenn Sie bei der »Mund-zu-Mund – Propaganda«, die sich immer wieder als die wirksamste erweist, kräftig mithelfen würden.

Eine E-Mail, die uns vor kurzem erreichte, bestätigt, dass diese Eucharistiefeier zur Mittagszeit eine Lücke füllt und wohl »Zukunft hat«. In dieser E-Mail schreibt der Verfasser: »Eben habe ich von der Möglichkeit erfahren, ab sofort jeden Tag zur Mittagszeit eine hl. Messe zu besuchen. Ich möchte Ihnen auf diesem Wege meinen herzlichen Dank für die Einrichtung dieses zusätzlichen Angebotes sagen. Seit 2003 ist mir aufgrund des langen Arbeitstages und der anderen familiären Verpflichtungen oft nur noch die Sonntagsmesse geblieben. … Ich freue mich daher sehr auf die Möglichkeit in der Mittagspause diese Nähe zum Herrn erfahren zu können.«

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36 / 2009 - 22. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wer betet, der darf auch feiern. – Und wer feiert, sollte zumindest dieselbe Energie aufwenden, um zu beten. Denn nur wer betet, verliert nicht den Boden unter den Füßen und bleibt, so paradox es klingen mag, „geerdet“ und „mit beiden Füßen auf dem Teppich“. Der Grund dafür ist ganz einfach und im Prinzip selbstverständlich.

Gott schuf die Welt und gab ihr eine Ordnung. So bezeugt es das Buch der Weisheit (11,20): »Allmächtiger Gott: Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.« So liebt Gott diese Welt und er verabscheut nichts von all dem, was er gemacht hat. Darüber hinaus hat ohne seinen Willen nichts Bestand. »Wie könnte etwas erhalten bleiben«, heißt es im Buch der Weisheit (11,25), »das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?«

Durch Beten und Glauben bleibt der Mensch somit Gott als dem Urherber von allem, was ist, verbunden. Durch Beten und Glauben bleibt der Mensch damit auch sich selber treu. Denn: Durch Beten und Glauben findet der Mensch nicht nur zu Gott als Mitte und Ursprung allen Lebens. Er findet auch zu sich selber; so wie er von Gott gewollt und geschaffen worden ist.

»Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist«, erklärt das Buch der Weisheit (12,1). Durch das Beten bleibt der Mensch in Ordnung und findet dahin wieder zurück, wenn etwas durcheinandergeraten ist. So ist und bleibt der Mensch gut, kann sich darüber freuen und vermag in rechter Weise zu feiern.

Am Tag unseres Pfarrfestes wird beides besonders sichtbar. Nach dem Sonntagsgottesdienst um 10:00 Uhr und der sich unmittelbar daran anschließenden Prozession wird das Pfarrfest pünktlich um 12:15 Uhr mit einem schönen und abwechslungsreichen Programm mit bekannten Stars und Gruppen eröffnet.

Vom 31. August an gilt dann unsere neues und zusätzliches Angebot geistlich-religiöser Art: Täglich von Montag bis Freitag wird zwischen 10:00 und 12:00 Uhr immer ein Priester in der Kirche anwesend und für Gespräche wie für Beichte ansprechbar sein. Im Anschluss daran wird täglich von Montag bis Freitag um 12:00 Uhr eine Hl. Messe gefeiert.

Die unregelmäßige Frühmesse wird entfallen. Die neue 12:00 Uhr – Messe wird dagegen von Montag bis Freitag jeden Tag ohne Ausnahme immer gefeiert werden.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35 / 2009 - 21. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nachdem nun auch der Pfarrgemeinderat darüber beraten hat, wollen wir das Jahr des Priesters zum Anlass nehmen, das geistliche Angebot in St. Pantaleon zu erweitern. Ab Montag, dem 31. August, wird nun auch vormittags von Montag bis Freitag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr immer ein Priester in der Kirche anwesend und für Gespräche wie für Beichte ansprechbar sein. Im Anschluss daran wird täglich von Montag bis Freitag um 12:00 Uhr eine Hl. Messe gefeiert.

Die unregelmäßige Frühmesse wird entfallen. Die neue 12:00 Uhr – Messe wird dagegen täglich von Montag bis Freitag ohne Ausnahme immer gefeiert werden. Was in Zukunft mit der bisherigen Frauengemeinschaftsmesse am Mittwoch um 08:15 Uhr geschehen wird, das müssen wir noch gemeinsam mit allen Beteiligten bereden. Möglich wäre, dass diese Heilige Messe, die eine lange Tradition hat, für eine gewisse Zeit nur noch am ersten Mittwoch des Monats mit anschließendem Frühstück gefeiert wird.

Ich bitte um Ihr Gebet und um Ihre Unterstürzung, dass dieses zusätzliche und zeitintensive Angebot geistlicher Natur reiche Früchte bringt; spirituell-seelische Früchte, die man oft nicht sieht oder unmittelbar wahrnimmt, die aber Grundlage für alles andere sind.

Dann möchte ich noch einmal auf unser diesjähriges Pfarrfest am Sonntag, dem 30. August hinweisen. Haben Sie bitte vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine Heilige Messe als Familienmesse um 10:00 Uhr stattfinden wird. Daran schließt sich die Pfarrprozession an. Am Sonntag, dem 30. August, entfällt also das Hochamt!

Der Prozessionsweg verläuft wie folgt:

  • Von der Kirche St. Pantaleon über die Straßen „Am Weidenbach / Am Pantaleonsberg“ auf den Schulhof Trierer Straße: 1. Statio
  • Von dort über die Straßen „Am Pantaleonsberg / Waisenhausgasse / Pantaleonswall / Am Trutzenberg / Vor den Siebenburgen“ zur Kirche der Karmelitinnen (Maria vom Frieden): 2. Statio
  • Von dort über die Straßen „Schnurgase / Steinstraße / Heinrichtstraße / Martinsfeld / Quirinstraße / Waisenhausgasse“ bis zur Madonna an der Wand: 3. Statio
  • Von dort über die Straßen „Trierer Straße / Am Weidenbach“ zur Kirche St. Pantaleon: 4. Statio

Es wäre schön, wenn Sie als Anwohner mit einem kleinen Zeichen der Verbundenheit den Weg schmücken könnten. - Im Anschluss an die Prozession gibt es bei fröhlicher und der über die Pfarrgrenzen hinaus gut bekannten Geselligkeit bei Würstchen, Erbsensuppe, Kaffe, Kuchen, Limo und Bier unterhaltsame Programmpunkte wie Greifvogelschau, Darbietungen und Auftritte bekannter Stars und Tanzgruppen.

Kommen Sie vorbei, beten und feiern Sie mit uns!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34 / 2009 - 20. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Sonntag, dem 30. August feiern wir unser diesjähriges Pfarrfest. Haben Sie bitte vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine Heilige Messe um 10:00 Uhr als Familienmesse stattfinden wird. Daran schließt sich die Pfarrprozession an. Am Sonntag, dem 30. August, entfällt also das Hochamt!

Der Prozessionsweg verläuft wie folgt:

·        Von der Kirche St. Pantaleon über die Straßen „Am Weidenbach / Am Pantaleonsberg“ auf den Schulhof Trierer Straße: 1. Statio

·        Von dort über die Straßen „Am Pantaleonsberg / Waisenhausgasse / Pantaleonswall / Am Trutzenberg / Vor den Siebenburgen“ zur Kirche der Karmelitinnen (Maria vom Frieden): 2. Statio

·        Von dort über die Straßen „Schnurgase / Steinstraße / Heinrichtstraße / Martinsfeld / Quirinstraße / Waisenhausgasse“ bis zur Madonna an der Wand: 3. Statio

·        Von dort über die Straßen „Trierer Straße / Am Weidenbach“ zur Kirche St. Pantaleon: 4. Statio

Es wäre schön, wenn Sie als Anwohner mit einem kleinen Zeichen der Verbundenheit den Weg schmücken könnten. - Im Anschluss an die Prozession gibt es bei fröhlicher und über die Pfarrgrenzen hinaus gut bekannter Geselligkeit bei Würstchen, Erbsensuppe, Kaffe, Kuchen, Limo und Bier ein unterhaltsames Programm mit Greifvogelschau, Darbietungen und Auftritte bekannter Stars und Tanzgruppen.

Kommen Sie vorbei! Beten und feiern Sie mit uns!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33 / 2009 - 19. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

In seinem Schreiben zum Jahr der Priester spricht Papst Benedikt auch das Leben der Priester an, das ganz vom Wort Gottes bestimmt und durchdrungen sein müsse. Wörtlich sagt der Heilige Vater: »In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“«

So ermutigt Papst Benedikt die Priester – wobei er sich als Priester auch selber mit hinein nimmt: »Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.«

Diesen neuen Lebensstil verdeutlicht Papst Benedikt an den drei großen christlichen Grundhaltungen Armut, Keuschheit und Gehorsam, wobei er erneut auf das Lebenszeugnis des Pfarrers von Ars zurückgreift.

»Seine Armut war ... die, welche von einem Weltpriester erwartet wird: Obwohl er mit viel Geld wirtschaftete (da die wohlhabenderen Pilger nicht versäumten, sich seiner karitativen Werke anzunehmen), wusste er, dass alles seiner Kirche, seinen Armen, seinen Waisen, den Mädchen seiner „Providence“, den am meisten notleidenden Familien zugedacht war. Darum war er „reich, um den anderen zu geben, und sehr arm für sich selbst“. Er erklärte: „Mein Geheimnis ist einfach: Alles geben und nichts behalten.“ Wenn er mit leeren Händen dastand, sagte er zufrieden zu den Armen, die sich an ihn wendeten: „Heute bin ich arm wie ihr, bin einer von euch.“ So konnte er am Ende seines Lebens in aller Ruhe sagen: „Ich habe nichts mehr. Nun kann der liebe Gott mich rufen, wann er will!“ Auch seine Keuschheit war so, wie sie für den Dienst eines Priesters nötig ist. Man kann sagen, es war die angemessene Keuschheit dessen, der gewöhnlich die Eucharistie berühren muss und der sie gewöhnlich mit der ganzen Begeisterung seines Herzens betrachtet und sie mit derselben Begeisterung seinen Gläubigen reicht. Man sagte von ihm, „die Keuschheit strahle in seinem Blick“, und die Gläubigen bemerkten es, wenn er mit den Augen eines Verliebten zum Tabernakel schaute. Auch der Gehorsam von Johannes Maria Vianney war ganz und gar verkörpert in der leidvoll errungenen inneren Einwilligung in die täglichen Anforderungen seines Amtes. Es ist bekannt, wie sehr ihn der Gedanke an seine Unzulänglichkeit für den Dienst des Pfarrers quälte und wie sehr ihn der Wunsch umtrieb, zu fliehen „um in Einsamkeit sein armes Leben zu beweinen“. Nur der Gehorsam und seine Leidenschaft für die Seelen konnten ihn überzeugen, an seinem Platz zu bleiben. Sich selbst und seinen Gläubigen erklärte er: „Es gibt nicht zwei gute Arten, Gott zu dienen. Es gibt nur eine einzige: ihm so zu dienen, wie er es will.“ Die goldene Regel für ein Leben im Gehorsam schien ihm diese zu sein: „Nur das tun, was dem lieben Gott dargebracht werden kann.“«

Möge dieser Lebensstil uns alle ansprechen und Orientierung und Maßstab sein.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32 / 2009 - 18. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Einem weiteren Abschnitt des Schreibens von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters könnte man die Überschrift geben: »Bußsakrament als Dialog des Heils«.

Vom heiligen Pfarrer von Ars könnten die Priester ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, so Papst Benedikt. Das lässt sich ganz allgemein gewiss für alle Christen sagen.

Für die Priester regt der Heiligen Vater an, indem er sich selber als Priester mit einschließt, »das Bußsakrament wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen« und konkretisiert das an einer Fähigkeit, die den Heiligen Pfarrer von Ars auszeichnete und die „wir Priester“ durch sein Beispiel ebenfalls lernen könnten: nämlich »die Methode des „Dialogs des Heiles“, der sich darin (im Bußsakrament) vollziehen muss«. Was Papst Benedikt unter dem »Dialog des Heils« versteht und wie er besonders im Bußsakrament stattfindet, verdeutlicht er dann am Beispiel des Heiligen Pfarrers von Ars.

»Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise. Wer zu seinem Beichtstuhl kam, weil er von einem inneren und demütigen Bedürfnis nach der Vergebung Gottes angezogen war, fand bei ihm die Ermutigung, in den „Strom der göttlichen Barmherzigkeit“ einzutauchen, der in seiner Wucht alles mit sich fortreißt. Und wenn jemand niedergeschlagen war beim Gedanken an seine Schwäche und Unbeständigkeit und sich vor zukünftigen Rückfällen fürchtete, offenbarte der Pfarrer ihm das Geheimnis Gottes mit einem Ausspruch von rührender Schönheit: „Der liebe Gott weiß alles. Noch bevor ihr sündigt, weiß er schon, dass ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, freiwillig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann!“ Wer sich dagegen lau und fast gleichgültig anklagte, dem bot er durch seine eigenen Tränen die ernste und erlittene deutliche Einsicht, wie „abscheulich“ diese Haltung sei: „Ich weine, weil ihr nicht weint“, sagte er. „Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muss ein Barbar sei, um sich einem so guten Vater gegenüber so zu verhalten!“ Er ließ die Reue im Herzen der Lauen aufkommen, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beichtvaters gleichsam „verkörperte“ Leiden Gottes wegen der Sünden mit eigenen Augen zu sehen. Wer sich dagegen voll Verlangen und fähig zu einem tieferen geistlichen Leben zeigte, dem öffnete er weit die Tiefen der Liebe, indem er ihm erklärte, wie unbeschreiblich schön es ist, mit Gott vereint und in seiner Gegenwart zu leben: „Alles unter den Augen Gottes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefallen … Wie schön ist das!“ Und er lehrte sie zu beten: „Mein Gott, erweise mir die Gnade, dich so sehr wie nur möglich zu lieben.“

So beende ich das Wort für den Pfarrbrief dieser Woche mit der Anregung und Bitte, uns Priester durch Gebet und Ihre Ermutigung zu stärken, der anspruchsvollen Aufgabe der Beichtpastoral viel Zeit und Einsatz zu widmen und uns der Herausforderung des »Dialogs des Heils« zu stellen.

Darüber hinaus lege ich Ihnen ans Herz, sich auch selber auf diesen »Dialog des Heils« einzulassen. – Das ist kein Theater. Dieser »Dialog des Heiles« wird gnadenhaft von Gott geschenkt, wo Christen, Priester und Gläubige, den Glauben zulassen, dass Gott in besonderer Weise durch den Heiligen Geist wirkt und spricht, wo wir uns auf die Heilsdynamik des Bußsakramentes neu einlassen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31 / 2009 - 17. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Wer das Schreiben von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters unvoreingenommen liest, fühlt sich unwillkürlich angesprochen, sich mit einbinden zu lassen in die Dringlichkeit des Anliegens, Sorge für viele gute Priester zu tragen. Im Schreiben des Heiligen Vaters wird deutlich, wie nahe ihm dieses Anliegen auch persönlich ist. So fühlt sich der Leser liebevoll aber bestimmt gedrängt, sein Herz diesem Anliegen nicht zu verschließen.

Papst Benedikt macht dieses Anliegen an dem Heiligen Pfarrer von Ars fest und schreibt: »Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie die barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen. Auch in unserer Zeit ist eine solche Verkündigung und ein solches Zeugnis der Wahrheit der Liebe dringend: Deus caritas est (1 Joh 4, 8 - [Gott ist Liebe]). Mit dem Wort und den Sakramenten seines Jesus wusste Johannes Maria Vianney sein Volk aufzubauen, auch wenn er, überzeugt von seiner persönlichen Unzulänglichkeit, oft schauderte, so dass er mehrmals wünschte, sich der Verantwortung des Dienstes in der Pfarrei zu entziehen, dessen er sich unwürdig fühlte. Trotzdem blieb er in vorbildlichem Gehorsam stets an seinem Posten, denn die apostolische Leidenschaft für das Heil der Seelen verzehrte ihn. Durch eine strenge Askese versuchte er, seiner Berufung völlig nachzukommen: „Das große Unglück für uns Pfarrer“, beklagte der Heilige, „besteht darin, daß die Seele abstumpft“, und er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben. Mit Wachen und Fasten zügelte er den Leib, um zu vermeiden, dass dieser sich seiner priesterlichen Seele widersetzte. Und er schreckte nicht davor zurück, sich selbst zu kasteien zum Wohl der ihm anvertrauten Seelen und um zur Sühne all der Sünden beizutragen, die er in der Beichte gehört hatte. Einem priesterlichen Mitbruder erklärte er: „Ich verrate Euch mein Rezept: Ich gebe den Sündern eine kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle.“ Jenseits der konkreten Bußübungen, denen der Pfarrer von Ars sich unterzog, bleibt in jedem Fall der Kern seiner Lehre für alle gültig: die Seelen sind mit dem Blut Jesu erkauft, und der Priester kann sich nicht ihrer Rettung widmen, wenn er sich weigert, sich persönlich an dem „teuren Preis“ ihrer Erlösung zu beteiligen.«

Davon ausgehend lenkt im folgenden Abschnitt Papst Benedikt, mit der Absicht entsprechend zu motivieren, den Blick in unserer Zeit: »In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“ Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.«

Lassen wir uns vom Heiligen Vater mit auf den Weg nehmen und nehmen auch wir uns dieses Anliegen zu Herzen – jeder in der ihm möglichen Weise.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30 / 2009 - 16. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Von den verschiedenen Qualitäten des Heiligen Pfarrers von Ars, die wir über das Schrieben von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters in den vorausgehenden Pfarrnachrichten bereits vorgestellt haben, ragt eine ganz besonders hervor: Die Führung der Seelen zu einem guten und heiligen Leben durch das Bußsakrament.

Papst Benedikt sieht diese Qualität in enger Verbindung mit der inneren Einstellung, in der der Pfarrer von Ars täglich Eucharistie feierte: »Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“

Dieses persönliche Sicheinfühlen in das Kreuzesopfer führte ihn – in einer einzigen inneren Bewegung – vom Altar zum Beichtstuhl«, fährt Papst Benedikt fort, und führt weiter aus: »Die Priester dürften niemals resignieren, wenn sie ihre Beichtstühle verlassen sehen, noch sich darauf beschränken, die Abneigung der Gläubigen gegenüber diesem Sakrament festzustellen. Zur Zeit des heiligen Pfarrers war in Frankreich die Beichte weder einfacher, noch häufiger als in unseren Tagen, da der eisige Sturm der Revolution die religiöse Praxis auf lange Zeit erstickt hatte. Doch er versuchte auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte. Auf diese Weise verstand er, einen Kreislauf der Tugend in Gang zu setzen. Durch seine langen Aufenthalte in der Kirche vor dem Tabernakel erreichte er, dass die Gläubigen begannen, es ihm nachzutun; sie begaben sich dorthin, um Jesus zu besuchen, und waren zugleich sicher, den Pfarrer anzutreffen, der bereit war zum Hören und zum Vergeben. Später war es dann die wachsende Menge der Bußfertigen aus ganz Frankreich, die ihn bis zu 16 Stunden täglich im Beichtstuhl hielt. Man sagte damals, Ars sei „das große Krankenhaus der Seelen“ geworden. „Die Gnade, die er empfing [für die Bekehrung der Sünder], war so stark, dass sie ihnen nachging, ohne ihnen einen Moment der Ruhe zu lassen“, sagt der erste Biograph. Der heilige Pfarrer sah das nicht anders, wenn er sagte: „Nicht der Sünder ist es, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um Vergebung zu bitten, sondern Gott selbst läuft dem Sünder nach und lässt ihn zu sich zurückkehren.“ „Dieser gute Heiland ist so von Liebe erfüllt, dass er uns überall sucht.“

Den Priestern erklärt Papst Benedikt daraufhin, dass sie alle spüren müssten, »dass jene Worte, die er Christus in den Mund legte, uns persönlich angehen: „Ich beauftrage meine Diener, den Sündern zu verkünden, dass ich immer bereit bin, sie zu empfangen, dass meine Barmherzigkeit unbegrenzt ist.“ Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester … ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen.«

Dieses Anliegen darf nicht, nachdem es gehört und vernommen wurde, doch wieder in den bekannten und oben bereits genannten Schwierigkeiten untergehen. Es ist eine Frage des Glaubens, nicht eines theoretischen sondern eines gelebten Glaubens.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29 / 2009 - 15. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Erneut möchte ich Ihnen die Anliegen von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Priesters ans Herz legen.

In dem für dieses Priesterjahr veröffentlichten Schreiben weist Papst Benedikt auf Situationen hin, »die nie genug beklagt werden können«. Er bezieht sich auf die Untreue einiger Diener der Kirche. In solchen Fällen sei »weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener« hilfreich.

Damit leugnet der Heilige Vater nicht die Notwendigkeit, alles Notwendige aufzudecken und ggf. auch öffentlich zu machen. Aber er betont, dass in solchen Fällen für die Kirche »das erneute und frohe Bewusstsein der Größe des Geschenkes Gottes« weitaus hilfreicher sei, »das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern.«

So stellt der Heilige Vater in seinem bewegenden Schreiben das priesterliche Format des heiligen Pfarrers von Ars in den Mittelpunkt und erneuert damit den Blick aller für die Größe des Priestertums, die durch eine Skandale suchende Presse beeinträchtig oder sogar verloren gegangen ist.

Die gläubige Seelengröße des Heiligen Pfarrers von Ars äußert sich nicht nur darin, dass er ein Mann des Gebetes, sondern auch der Tat war. »Er besuchte systematisch die Kranken und die Familien; er organisierte Volksmissionen und Patronatsfeste; er sammelte und verwaltete Geld für seine karitativen und missionarischen Werke; er verschönerte seine Kirche und stattete sie mit Kirchengerät aus; er kümmerte sich um die Waisenmädchen der „Providence“ (einer von ihm gegründeten Einrichtung) und ihre Erzieherinnen; er kümmerte sich um die Schulausbildung der Kinder; er gründete Bruderschaften und forderte die Laien zur Zusammenarbeit mit ihm auf«, schreibt Papst Benedikt.

Der Heilige Pfarrer von Ars war als leuchtendes Priester-Vorbild also nicht nur ein Mann des Gebetes. Wohl war das die Grundlage von allem anderem. – Der Heilige Vater nimmt das an Tätigkeit reiche Leben des Pfarrers von Ars zum Anlass, die Zusammenarbeit zu betonen, mittels der »die Priester das eine priesterliche Volk bilden und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums alle zur Einheit in der Liebe zu führen, „indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen“ (Röm 12,10).«

Das Zweite Vatikanischen Konzils habe die Priester aufgefordert, so der Papst, »die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern … Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.«

So sollen die Priester nach dem, was Papst Benedikt durch Gestalt und Person des Heiligen Pfarrers von Ars kraftvoll sagt, auch heute wieder vermehrt aus der Kraft des Gebetes und ihrer besonderen Verbundenheit mit Christus in einer Weise aktiv sein, dass sie ihr Amt und ihre Aufgabe nicht mit dem eines Managers verwechseln. Sie würden das auf Dauer auch nicht durchhalten. Niemand kann rund um die Uhr im Einsatz wein.

Vom Priester wird dies aber zu Recht, allerdings in anderer Weise erwartet: Er soll Pastor (Hirt) sein, der Christus durch sein Gebet und seinen Einsatz in einer Weise für die Gläubigen gegenwärtig macht, dass sich alle angesprochen wissen, gemeinsam, zugleich jeder durch seine Begabung und seine Arbeit, dem erlösenden Heilswillen Gottes den Weg zu bahnen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28 / 2009 - 14. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Gerne fahre ich damit fort, die Anliegen von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Priesters weiter bekannt zu machen.

Papst Benedikt schreibt: »Als er (der Hl. Pfarrer) nach Ars, einem kleinen Dorf mit 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, dass er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: „Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden Sie dort einführen.“ Folglich war er sich völlig bewusst, dass er dorthin gehen musste, um die Gegenwart Christi zu verkörpern, in dem er dessen heilbringende Sanftmut bezeugte. „[Mein Gott,] gewährt mir die Bekehrung meiner Pfarrei; ich will dafür alles erleiden, was ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“ – mit diesem Gebet begann er seine Mission. Die Bekehrung seiner Pfarrei widmete sich der Heilige Pfarrer mit all seinen Kräften …

Er begann sofort … sein Leben als Priester mit der Tätigkeit des ihm anvertrauten Dienstes in Einklang zu bringen und sagte, dass er sogar materiell in seiner Pfarrkirche „wohne“: „Kaum war er angekommen, wählte er die Kirche zu seinem Wohnsitz … Vor dem Morgenrot betrat er die Kirche und kam erst nach dem abendlichen Angelus wieder heraus. Dort musste man ihn suchen, wenn man ihn brauchte“, heißt es in seiner ersten Biografie (Nodet).«

Manches daran ist gewiss »fromme Übertreibung des ehrfurchtsvollen Hagiographen«, so Papst Benedikt. Dennoch steht fest, dass der Heilige Pfarrer seine Pfarreimitglieder »vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens belehrte. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren. „Es ist nicht nötig, viel zu sprechen, um gut zu beten“, erklärte ihnen der Pfarrer. „Man weiß, dass Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“ Und er ermunterte sie: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt … Es stimmt, dass ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“

Diese Erziehung der Gläubigen zur eucharistischen Gegenwart und zur Kommunionempfang«, so Papst Benedikt, »wurde besonders wirkkräftig, wenn die Gläubigen ihn das Heilige Messopfer zelebrieren sahen. Wer ihm beiwohnte, sagte, dass „es nicht möglich war, eine Gestalt zu finden, welche die Anbetung besser ausgedrückt hätte … Er betrachtete die Hostie liebevoll.“ „Alle guten Werke zusammen wiegen das Messopfer nicht auf, denn sie sind Werke von Menschen, während die heilige Messe Werk Gottes ist“, sagte er. Er war überzeugt«, so Papst Benedikt, »dass von der Messe der ganze Eifer eines Priesterlebens abhängt: „Die Ursache der Erschlaffung des Priesters liegt darin, dass er bei der Messe nicht aufmerksam ist! Mein Gott, wie ist ein Priester zu beklagen, der so zelebriert, als ob er etwas Gewöhnliches täte!“«

Papst Benedikt beschließt diesen Abschnitt mit der Feststellung, dass der Heilige Pfarrer von Ars »es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“«

So kann ich für heute mit der evidenten Feststellung schließen, dass Papst Benedikt mit dem Jahr des Priesters für alle christgläubigen Laien und Priester weltweit genau das gleiche wünscht und beabsichtigt, was der Heilige Pfarrer von Ars für die Gläubigen seiner Pfarrei gewünscht und Gott durch sein Leben und Beten erlangt hat: Dass sie sich alle bekehren.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27 / 2009 - 13. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Gerne löse ich mein Wort von letzter Woche ein, Ihnen in den nächsten Pfarrbriefen die Anliegen unseres Heiligen Vaters, Papst Benedikts, die er mit dem »Jahr des Priesters« verbindet, näher zu bringen.

Das »Jahr des Priesters« soll nach dem Wunsch des Papstes »dazu beitragen ... eine innere Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis zu fördern.« (Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Beginn des Priesterjahres)

Für dieses Anliegen greift Papst Benedikt viele Formulierung des Heiligen Pfarrers von Ars auf. Etwa: »Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu«. Der Papst erklärt dazu: »Diese bewegende Formulierung veranlasst uns ... innerlich angerührt und dankbar bewusst zu werden, welch unermessliches Geschenk die Priester nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Menschheit überhaupt sind.«

Der demütige Pfarrer von Ars habe sehr wohl gewusst, »dass er als Priester ein unermessliches Geschenk für seine Leute war«, und so habe er in aller Demut vom Priestertum so gesprochen, »als könne er die Größe der dem Geschöpf Mensch anvertrauten Gabe und Aufgabe einfach nicht fassen«.

Dies wird etwa in den folgenden, vom Papst wiedergegebenen Aussagen des Heiligen deutlich: »Oh, wie groß ist der Priester! … Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben … Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein…«

Und weiter: Als er seinen Gläubigen die Bedeutsamkeit der Sakramente erklärte, hat er gesagt: »Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. Und wenn diese Seele [durch die Sünde] stirbt, wer wird sie auferwecken, wer wird ihr die Ruhe und den Frieden geben? Wieder der Priester … Nach Gott ist der Priester alles! … Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.«

Papst Benedikt kommentiert diese Worte wie folgt: »Diese Aussagen, die aus dem priesterlichen Herzen eines heiligen Priesters hervorgegangen sind, mögen übertrieben erscheinen. Doch in ihnen offenbart sich die außerordentliche Achtung, die er dem Sakrament des Priestertums entgegenbrachte. Er schien überwältigt von einem grenzenlosen Verantwortungsbewusstsein.«

Papst Benedikt hat wohl nicht ohne Grund gerade diese Worte dieses einfachen und bescheidenen, aber überaus heiligen Priesters ausgewählt. Er möchte damit nicht nur den Priestern sondern allen Christen sagen, dass sie sich mit der Größe des Weihesakramentes sowie des Priestertums und seiner Bedeutung für Kirche und Welt neu befassen mögen.

Dazu muss man sich wieder bewusst werden, dass uns durch Priesterweihe, Priesteramt und die Priester eine ganz besondere Gegenwart Christi geschenkt ist, die im Entscheidenden unabhängig von der Persönlichkeit, den Vorzügen und Charakterstärken des jeweiligen Priesters wie umgekehrt im Entscheidenden auch unabhängig  von seinen Schwächen, Defiziten oder sogar Verfehlungen ist.

Das entpflichtet den Priester nicht, sich auch als Mensch um ein heiligmäßiges Leben zu bemühen. Im Gegenteil: Es lässt etwas Vergessenes wieder sichtbar werden; dass nämlich unabhängig von seiner eigenen Person als Mensch der Priester in besonderer Weise Christus gegenwärtig macht. Von daher muss er sich dann auch selber in besonderer Weise um ein heiligmäßiges Leben bemühen.

Diese Anliegen des Heiligen Vaters im Jahr des Priesters werden wir in den nächsten Pfarrnachrichten weiter vertiefen; aber schon jetzt wie in den folgenden Wochen für dieses Anliegen intensiv beten und uns dafür einsetzen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26 / 2009 - 12. Woche im Jahreskreis (B)

Der Heilige Pfarrer von Ars Jean Maria Vainney

Liebe Mitchristen!

Am Freitag, dem 19. Juni hat das weltweite »Jahr des Priesters« begonnen. Papst Benedikt XVI. hat es maßgeblich initiiert und es ganz bewusst mit dem 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars – Jean Marie Vianney – in Verbindung gebracht, der nach einem ungemein segensreichen Leben als Priester und Seelsorger am 4. August 1859 gestorben ist. Außergewöhnlich an diesem Heiligen ist, dass die kirchlichen Autoritäten ihn anfangs gar nicht zum Priester weihen wollten; denn er konnte weder fehlerfrei reden geschweige predigen und hatte die größten Schwierigkeiten mit dem Latein.

Schließlich konnte sich der Bischof von Grenoble im Vertrauen auf Gottes Gnade dazu durchringen. Allerdings weihte er ihn zum Priester mit der Einschränkung, ihm die Erlaubnis zur Spendung des Beichtsakramentes erst nach Ablauf einer längeren Zeit zu gewähren. Gemeinsam mit den für die Priesterausbildung Verantwortlichen traute er Jean Marie Vianney die Fähigkeit der Unterscheidung der Sünden nicht zu.

Vianney hat diesen kränkenden Vorbehalt demütig entgegen nehmen müssen. – Später wurde Vianney der größte Beichtvater des Jahrhunderts. Zu Hunderten, auch aus höchstem Adel, pilgerten die Menschen nach Ars und nahmen tagelange Wartezeiten in Kauf, um bei diesem „Dorf-Priester“ beichten zu können.

Als Jean Marie zum Pfarrer von Ars ernannt wurde, schickte ihn der Generalvikar mit den Worten dorthin: „Gehen Sie, mein Freund, es ist nicht viel Gottesliebe in dieser Pfarrei. Sie sollen ihr diese bringen.“

Johannes-Maria war relativ rasch über den Zustand seiner Gemeinde im Bilde. Die Einwohner zeigten ihrem Pfarrer die kalte Schulter; sie waren an einem gottwohlgefälligen Leben überhaupt nicht interessiert. Vianney wusste, dass er seine Pfarrei zur Umkehr bewegen musste.

Dazu bemühte er sich auf verschiedene Weise zuerst selber einem heiligen Leben näher zu kommen. Er verbrachte Stunden auf den Knien in der Kirche und lebte ungewöhnlich asketisch. Seine Hauptmahlzeit bestand aus Kartoffeln, die er jeweils für eine ganze Woche kochte. Es störte ihn nicht, wenn sie am Ende der Woche schimmelig waren.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit versuchte Johannes-Maria Vianney, seine Pfarrkinder kennenzulernen und alle zu besuchen. Der Kampf um die „Seelen von Ars“ sollte zwar ein Leben lang dauern, trotzdem war es vor allem das erste Jahrzehnt, in dem sich in Ars die wichtigsten Veränderungen ergaben. ...

Als zwei Tage nach seinem Tod der Leichnam dieses „Dorfpfarrers“ zu Grabe getragen wurde, gaben dreihundert Priester und Ordensleute und mehr als sechstausend Gläubige Johannes-Maria Vianney das letzte Geleit. Man trug ihn im Triumph durch den Ort. Die Menge, die die Straßen säumte, sank vor dem Toten in die Knie wie einst vor dem Lebenden. In der Rede des Bischofs hieß es: „Wohlan denn, du guter und getreuer Knecht, geh’ ein in die Freude deines Herrn! ... In wie vielen Jahren, in wie vielen Jahrhunderten vielleicht hat man einen solchen Priester nicht gesehen, einen Priester in ähnlichen Verhältnissen, so fruchtbringend, so heilig, so fortwährend beschäftigt und tätig im Dienste des Herrn ... Wir haben viel verloren; man kann den Pfarrer von Ars nicht ersetzen ... Ganz Frankreich hat einen Priester verloren, der ihm zur Ehre gereichte ... Die armen Sünder, ach, was haben sie verloren ...!“

Gerne möchte ich Ihnen in den nächsten Pfarrbriefen die Anliegen unseres Heiligen Vaters, Papst Benedikts, die er mit dem »Jahr des Priesters« verbindet, näher bringen, und sie einladen, in diesem »Jahr des Priesters«, das vor uns liegt, gemeinsam – besonders auch in der Gebetsstunde vor dem Allerheiligsten jeden Freitag – zu beten, dass unser Herr uns gute und zahlreiche Priester schenken möge. – Wir brauchen sie!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25 / 2009 - 11. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

In ihren kraftvollen Hymnen an die Kirche, die Gertrud v. le Fort, eine der profiliertesten Vertreterinnen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, 1924 noch kurz vor ihrer Konversion zur Katholischen Kirche verfasst hat, schreibt sie: »Ein Priester am Altar hat kein Antlitz, und die Arme, die den Herrn erheben, sind ohne Schmuck noch Staub.«

Damit weist die Dichterin, deren eigenwillige Sprache an Ausdrucksstärke und Gestaltungskraft nur von wenigen erreicht wird, auf eine Kirche im Vollzug ihres Wesens hin; auf eine Kirche in dem Wagnis, im Gespräch mit dem Ewigen zu sein.

Deshalb hat für le Fort der Priester am Altar kein Antlitz: Nicht seine Person steht im Vordergrund, sondern sein Dienst. Deshalb sind auch seine Arme ohne Schmuck noch Staub. Zeitlos, und ohne dass Eitles noch des Priesters Schwäche und Vergänglichkeit stören würden, verrichtet er kraft seiner Weihe, die ihn von allen Gläubigen in dieser Hinsicht aus- und absondert, den Dienst der Anbetung und Gottesverehrung, des Lobpreises und des Dankes, aber auch der Wiedergutmachung und Versöhnung wie des fürbittenden Gebetes.

Viele schrecken davor zurück, auch weil dieser Dienst aus rein menschlicher Kraft so nie vollzogen werden könnte. Dieser Dienst setzt eine besondere Identifikation mit Christus durch die Priesterweihe voraus.

Gleich zwei Ereignisse in den kommenden Tagen lassen dies Besondere eindrucksvoll erfahrbar werden: Die Vorabendmesse am 13. Juni im byzantinischen Ritus und der von Papst Benedikt festgesetzte Beginn des Jahres der Priester, zum 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars, am 19. Juni, dem Hochfest Herz-Jesu. An diesem Tag werden im Kölner Dom 9 Kandidaten zum Priester geweiht. In St. Pantaleon werden wir von diesem Tag an das ganze Jahr jeden Freitag während der eucharistischen Anbetung für die Priester und für zahlreiche und gute Berufungen beten.

Die byzantinische Liturgie vermittelt in bemerkenswerter Weise die Zeitlosigkeit des Gespräches mit dem Ewigen: Sie gehört mit zu den ältesten Liturgien und wird dem Heiligen Chrysostomus († 14. September 407) zugeschrieben. Sie hilft uns »lateinischen« Christen die ort- und kulturübergreifende Weite des Katholischen ein Stück besser zu begreifen. In der byzantinische Liturgie vollzieht sich vom Wesen her, was uns von der römischen Liturgie vertraut sein sollte: Anbetung und Dank, Wiedergutmachung und Bitte. Aber die byzantinische Liturgie vollzieht es in einer Weise, die uns aus unserer römisch lateinischen Prägung herausholt und so den Blick weiten und den Horizont öffnen kann.

Es fügt sich gut, dass diese Liturgie bei uns in St. Pantaleon anlässlich unseres diesjährigen Theophanu – Gedenkens zum Beginn des Jahres für die Priester gefeiert wird. So kann sie Hilfe sein für eine gute Einstimmung auf das Jahr der Priester und bewirken, unser Gebet für gute Priester und Berufungen in diesem Jahr in eine größere als der uns bisher vertrauten Weite hinein zu geben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24 / 2009 - Dreifaltigkeitswoche (B)

Dreifaltigkeit von Roland Peter Litzenburger (1917-88)

Liebe Mitchristen!

Am Sonntag nach Pfingsten begeht die Kirche den Dreifaltigkeitssonntag. Zu diesem Festtag möchte ich Ihnen das Geheimnis des dreifaltigen Gottes über einen Vergleich mit dem Kreuzzeichen näher bringen! Wir machen dieses Zeichen ja öfter: Zum Beginn unseres Betens und auf jeden Fall immer zu Beginn der heiligen Messe. Oft aber machen wir es unandächtig und mechanisch, obwohl es uns helfen kann, ganz bewusst den dreifaltigen Gott zu grüßen und ihn zu bitten, uns zu segnen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Bei einer in Südeuropa und in Südamerika bekannteren Form berühren wir als Gläubige beim Bekreuzigen mit unserer Hand 1) unsere Stirn, 2) unseren Mund und 3) unsere Brust. Diese drei Körperbereiche stehen für drei verschiedene Kräfte und Fähigkeiten. Wir haben 1) einen Verstand, mit dem wir denken; 2) einen Mund, mit dem wir reden, und 3) ein Herz, mit dem wir fühlen und lieben.

Es sind drei verschiedene Fähigkeiten, aber es ist ein und derselbe Mensch, der denkt, redet und liebt. – In einem ersten Schritt kann man das mit Gott vergleichen, in dem drei Personen sind: 1) der Vater, 2) der Sohn und 3) der Heilige Geist, und es ist doch nur ein Gott. – Der Vergleich kann uns noch tiefer führen.

1) Beim Nennen des Vaters bezeichnen wir unsere Stirn, in der wir den Sitz des Verstandes sehen. Am Anfang all unsres Tuns soll das Denken, die Überlegung stehen. Wir ehren in besonderer Weise den Vater, wenn wir uns darum bemühen, zuerst richtig zu denken und dann besonnen zu handeln.

Gönnen Sie sich wenigstens fünf Minuten, in denen sie innerlich ruhig werden und ganz bewusst zu Gott beten und auf ihn hören. Wenn wir uns gegenüber ehrlich sind, dann werden uns unsere Gedankenlosigkeit und unsere Oberflächlichkeit immer wieder auffallen. Wir gehen nicht nur mit Gott gedankenlos um. Wie wenig mitdenkend gehen wir oft auch mit den liebsten Menschen um!

2) Wir bezeichnen dann beim Bekreuzigen unseren Mund und nennen dabei den Sohn. Wir Menschen äußern uns im Reden und im Wort und teilen auch etwas von uns selber dabei mit. Das Wort ist die Brücke, auf der wir aufeinander zugehen und miteinander in Berührung kommen. Im Gespräch können wir uns austauschen und gegenseitig bereichern. Im schlechten Reden vermögen wir andere und sogar Gott herabzusetzen und in den Schmutz zu ziehen. Jeder, der die Fähigkeit zum Reden hat, hat auch die Macht des Wortes und kann sie zum Guten wie auch zum Gegenteil benützen.

Unser Reden mit- und untereinander hat mit Jesus zu tun; denn im Johannesevangelium wird Jesus das „Wort“ genannt. Wir ehren Jesus, wenn wir mit unserem Mund wahr und gut reden; wenn unsere Worte Licht, Wärme und Freude schenken. Wir kommen Jesus näher, wenn wir uns im Glauben austauschen und vor allem seine Worte bedenken.

3) Wir nennen schließlich den Heiligen Geist, bezeichnen dabei unsere Brust und meinen damit das Herz. Das Herz steht für die Kraft zu fühlen, zu lieben, zu wollen. Dem entspricht der Heilige Geist. Seine höchste Gabe ist die Liebe. Um diese Gabe und damit um den Heiligen Geist müssen wir immer wieder beten und ihn anrufen. Alle tiefen Gefühle und Regungen gehen zum Herzen und kommen vom Herzen. Wo wir echte Trauer und Schmerz empfinden, wo wir Freude haben, da ist ebenso der Heilige Geist am Werk; wie auch in unseren Denken und Reden.

Unsere Empfindungen sind nicht religiös neutral und unbedeutend, sie sind Werke des Heiligen Geistes, der oft weht, wo wir es gar nicht wollen. Manche Mitmenschlichkeit, der liebevolle Umgang miteinander, könnte eine Überprüfung von dieser Seite her gut vertragen.

Ich möchte Ihnen raten, die Anrufung der Dreifaltigkeit als immerwährendes Gebet zu pflegen. Die Dreifaltigkeit nimmt im Beten der Kirche eine überragende Bedeutung bei. So betet man am Ende vieler Gebete: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“ In ähnlicher Weise beschließen wir das Hochgebet der Heiligen Messe: „Durch ihn (Christus) und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit.“

Wenn wir das Kreuzzeichen machen, dann ist dies eine Kurzformel unseres Glaubens, ein Bekenntnis und ein Programm für jeden Tag; ein Gebet, mit dem wir jeden Tag unseres Lebens beginnen und beschließen können. – Wir empfangen dieses Zeichen bei unserer Taufe, bei der wir Kinder Gottes werden, und beschließen unsere Leben mit diesem Zeichen. Mit dem Kreuzzeichen und der Anrufung der Dreifaltigkeit erbitten wir Segen und Heil für uns und andere.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23 / 2009 - Pfingstwoche (B)

Liebe Mitchristen!

Der heilige Geist, Gott selber in seiner dritten Person, hat zu allen Zeiten Menschen erfüllt und tut es heute noch. Gerne und mit Freude darf ich Ihnen mitteilen, dass nach entsprechender Vorbereitung hier in Sankt Pantaleon sechs jüngere Erwachsene am Pfingst-Samstag in der Vorabendmesse im Kölner Dom von Abt Raphael Bahrs OSB (vom Benediktinerkloster auf dem Siegburger Michelsberg) zusammen mit zahlreichen anderen Erwachsenen das Sakrament der Firmung empfangen werden.

Diese Erwachsenen haben sich dafür entschieden, Gott selber und die Gaben des Heiligen Geistes in Fülle zu empfangen. In der Firmung geschieht dies tatsächlich, wenngleich immer auch geheimnisvoll. Nicht der momentane Eindruck einer erhebenden Firmfeier und auch nicht das sich dabei oft spontan einstellende und beglückende Gefühl, von Gott selber geliebt, ausdrücklich gewollt und bestätigt zu sein, ist dabei das Entscheidende.

Wenn es im Rahmen einer solchen Firmfeier so empfunden und erfahren wird, ist das gut und hilfreich. Entscheidend aber ist, dass es sich bei der Firmung um ein reales, ein wirkliches und gnadenhaftes Ereignis handelt, das der Seele ein unauslöschliches Siegel einprägt. Das Sakrament der Firmung bewirkt die Ausgießung des Heiligen Geistes in Fülle, wie sie einst am Pfingsttag den Aposteln zuteil wurde. Durch diese Ausgießung des Heiligen Geistes führt die Firmung zum Wachstum und zur Vertiefung der Taufgnade:

·        Sie verwurzelt uns tiefer in der Gotteskindschaft;

·        sie vereint uns fester mit Christus;

·        sie vermehrt in uns die Gaben des Heiligen Geistes;

·        sie verbindet uns vollkommener mit der Kirche;

·        sie schenkt uns eine besondere Kraft, um in Wort und Tat als wahre Zeugen Christie den Glauben auszubreiten und zu verteidigen.

Von daher ist von der Seite des Gefirmten entscheidend, sich mit ganzem Glauben an dieses Ereignis seiner Firmung alle Tage seines irdischen Lebens zu erinnern und es so zu vergegenwärtigen. Dann wird die Firmung sein alltägliches Leben erfüllen und positiv verändern.

In diesem Sinne hat etwa der heilige Kirchenvater Ambrosius den Gefirmten der Antike ausdrücklich dazu ermuntert: »Erinnere dich daran, dass du die Besiegelung durch den Geist empfangen hast: den Geist der Weisheit und der Einsicht, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit, den Geist der heiligen Furcht, und bewahre was du empfangen hast! Gott Vater hat dicht besiegelt, Christus der Herr dich gestärkt und das Pfand des Geistes in dein Herz gegeben.«

Nehmen auch wir heute uns das zu Herzen und wir werden neu erfahren, was bei unserer Firmung geheimnis- aber kraftvoll wirklich geschehen ist.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22 / 2009 - 7. Osterwoche (B)

Liebe Mitchristen!

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind es genau 10 Tage, die uns dabei helfen können, wie die Apostel mit beiden Füßen im Leben zu stehen und zugleich mit Verstand und Herz dem himmelwärts Aufgefahrenen sehr nahe zu sein. Beides gehört zusammen: Das Stehen in der Mitte des Lebens und das gleichzeitige Verbundensein mit dem Himmlischen. Beides widerspricht sich nicht; im Gegenteil: Von der Art des Mensche zu sein her ergänzt sich beides und gehört zum wahren und vollen Menschensein dazu.

Ein Leben in diesem Sinne gelingt vor allem durch eine der Gaben, die der Heilige Geist den Menschen großzügig schenkt, sofern der Mensch das aus ganzem Herzen wünscht und danach verlangt: Die Gabe der Weisheit.

Auch wenn diese Gabe dem Verstand zugeordnet wird, vermag sie das Tun des Menschen zu leiten. Der von Gott, vom Heiligen Geist mit Weisheit Gesegnete, erfreut sich nicht nur einer außergewöhnlichen, einer verständigen und sinnstiftenden Sicht der ganzen Welt und seines eigenen Lebens. Aus der von Gott geschenkten Weisheit heraus vermag der Mensch dann auch danach zu leben.

Durch die Weisheit erlangt der Mensch in gewisser Weise Anteil an der Sicht, die Gott von seiner Schöpfung hat, und diese gnadenhafte Einsicht prägt als Folge das menschliche Tun. Deshalb ist diese Gaben des Heiligen Geistes – die Weisheit – eine Gabe, die wir Christen besonders nötig haben. »Sie lässt uns Gott kennen und kosten«, so hat es einmal der Heilige Josefmaria Escrivá formuliert, und ermöglicht, »in Wahrheit die Situationen und Geschehnisse unseres Lebens zu beurteilen.«

So haben dann besonders auch die Heiligen im Lichte dieser Gabe der Weisheit den wahren Sinn ihres Lebens erfasst. So wurden sie fähig, Widerwärtigkeiten nicht als Unglück zu sehen. Sie verstanden, dass Gott auf vielfache Art segnet - und oft mit dem Kreuz. Sie wussten, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt (Röm 8,28) – auch die Dinge, die uns »schleierhaft« bleiben.

Statt in unerwarteten, schmerzlichen Situationen ratlos zu werden, führt die Weisheit dazu sich einzufügen in die größere Sichtweise Gottes. Durch die Weisheit erkennt der Gläubige, dass nichts der wunderbaren Ordnung der göttlichen Vorsehung entraten kann.

Somit schenkt die Weisheit auch großen Frieden, nicht nur einem selbst, sondern auch unseren Mitmenschen. Sie hilft, Freundlichkeit weiterzugeben und das versöhnende Wort zu finden. Die Weisheit entspricht der Seligpreisung der Friedliebenden. Dieser Friede, den die Welt nicht geben kann, entspringt einer Sicht der Dinge, die um die göttliche Vorsorge weiß.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21 / 2009 - 6. Osterwoche (B)

Himmelfahrt Christi - romanisch

Liebe Mitchristen!

»Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.« So hören wir es vom Herrn an diesem Sonntag im Evangelium. – Die Freude ist Folge der Erlösung, und sie prägt das Leben all derer, die dem vertrauen, was Jesus zu unserem Heil gesagt und getan hat.

Nach dem Osterfest, der Auferstehung des Herrn, folgt als nächstes größeres Fest Christi Himmelfahrt. In Wort und Tat führt Jesus uns mit diesem Ereignis noch einmal, nun abschließend, den Grund, das Fundament wirklicher und dauerhafter Freude vor Augen.

Wenn uns einmal Schmerz niederdrückt oder Treue und Beharrlichkeit bei der Arbeit oder im alltäglichen Ablauf schwer fallen, richtet der Gedanke an das himmlische Ende auch uns und unser Leben wieder auf. Ein Kirchenvater sagt: »Die Hoffnung auf den Lohn stärkt die Seele beim Verrichten von guten Werken.« (Cyrill von Jerusalem, Katechese 348,18,1.)

Die reizvolle romanische Darstellung der Himmelfahrt Christi drückt dies in schöner Weise bildhaft aus:

Wie einen Wanderstab trägt Christus das Kreuz mit leichter Hand auf der Schulter: »Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht«, so hat er selber im Matthäus Evangelium gesagt (11,30). Von daher kann er guten Gewissens dazu auffordern, dass wir sein Joch / Kreuz auf uns nehmen und von ihm lernen: »denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.« (Mt 11,29)

Gottes Gebote sind nur für den eine quälende Last, der seinem eigenen Willen und damit der eigenen Begrenztheit verhaftet bleibt. Wer aber darauf vertraut, in Gottes Geboten die Fülle der Liebe zu entdecken, mit der Gott uns Menschen zum wahren, dauerhaften und endgültigen Glück führen möchte, der geht mit Ihnen so leicht um, wie der Herr auf dieser Darstellung mit seinem Kreuz. Und dieses »Kreuz«, diese »Gebote« lassen den Weg unbeschwerter gehen, weil wir durch sie mit dem himmlischen Vater verbunden bleiben. Es geht dann in unserem Leben in Erfüllung, was er uns an Liebe, Glück und Freude schenken möchte. So heißt es deshalb an diesem Sonntag: »Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.«

Nicht wir haben ihn, sonder er hat uns erwählt. Auch daran erinnert uns der Herr an diesem Sonntag. Mit ihm können deshalb auch wir leichten Schritts mit dem Kreuz wie mit einem Wanderstab durchs Leben gehen, wobei die starke Hand des Vaters, wie sie einfühlsam auf diesem Bild dargestellt wird, vor jeder Zerstreuung und jedem Niveauverlust bewahrt.

Herz, Seele und Gesicht des Herrn sind nach oben gerichtet. Das Flache, das Oberflächliche und Ordinäre sind nicht seine Sache: Wenn, dann schenken sie nur kurze Befriedigung, aber keine wahre Freude und ebenso wenig echte Liebe. Genau das aber kann und wird der Herr denen geben können, die, gemäß seiner Aufforderung im Sonntagsevangelium, durch Einhalten der Gebote in seiner Liebe bleiben.

 

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20 / 2009 - 5. Osterwoche (B)

Liebe Mitchristen!

An diesem Sonntag hören wir im Gottesdienst ein weiteres Ich - Wort des Herrn. Letzte Woche hieß es: »Ich bin der gute Hirt.« In dieser Woche nun: »Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.« Weitere Erklärungen machen diese Bilder noch stärker.

So wie etwa unsere Haushaltsgeräte ohne den Steckdosenstrom nicht allzu viel Wert sind, so auch wir Menschen nicht ohne Gott. Bei dem Bild vom Weinstock, den Reben und dem Winzer kommt noch hinzu, dass die Reben nicht nur mit dem Weinstock als ihrer »Strom–, Kraft– und Nahrungsquelle« um wachsen und gedeihen zu können eng verbunden sein, sondern vom Winzer »erzogen« werden müssen.

In der Tat sprechen Winzer von der »Erziehung der Reben« und meinen damit, dass alle Reben mehrfach beschnitten und hochgebunden werden. Ein Weinstock kostet viele Jahre Mühe und Geduld, bis er gute Reben trägt. Jeder ungeordnete, so genannter Wildwuchs führt zur Minderung der Traubenqualität. Der Winzer muss alle Reben am Weinstock »erziehen« oder »reinigen«, wie es im heutigen Evangelium heißt: Alle minderwertigen Trauben müssen herausgeschnitten werden, sonst können die guten Reben ihre volle Qualität nicht entfalten.

Bildhaft heißt es hierzu im Evangelium: »Jede Rede, die keine Frucht bringt, schneidet er ab.« Wortgetreuer übersetzt müsste es eigentlich heißen: »Jede Rebe, die keine Frucht bringen will ...« Damit betont der Urtext, dass der Winzer, Gott Vater, nicht nach Belieben herausschneidet. Als »Rebe mit Vernunft und freiem Willen« löst sich der Mensch durch das eigene Verhalten selber aus der Verbundenheit mit dem Weinstock Jesu: Meist sind es Unterlassungen und Gleichgültigkeiten Gott und den Menschen gegenüber.

Wenn der Winzer etwas zurechtstutzt, ist das für die Rebe erst einmal unangenehm: Saft tritt heraus. Die Rebe »blutet«. So muss auch in unserem Leben manches weg– und abgeschnitten werden, was oft vordergründig als Schmerz und Verlust empfunden wird. Aber es ist nötig, damit die guten Reben ausreichend Nahrung und Licht bekommen.

Sicher ist auch unsere Leben noch davon gekennzeichnet, dass wir nicht durchgängig und ganz entschlossen Frucht bringen wollen. Das sind die Unterlassungen. Und sicher ist auch unsere Leben noch davon gekennzeichnet, dass es durch Selbsterziehung weiterhin der Reinigung bedarf. – Das Gute daran ist, dass der Winzer, Gott, auch unser Vater ist, dem viel an uns, seinen Reben, liegt, und der deshalb auch alle denkbare Hilfe gibt, dass uns beides gelingt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19 / 2009 - 4. Osterwoche (B)

Liebe Mitchristen!

An diesem vierten Sonntag in der Osterzeit begeht die Kirche weltweit den 46. Weltgebetstag um Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben. Er steht unter dem Leitwort „Das Vertrauen in die Initiative Gottes und die menschliche Antwort“.

Dazu schreibt Papst Benedikt: „Liebe Freunde, werdet nicht mutlos angesichts von Schwierigkeiten und Zweifeln; vertraut auf Gott und folgt Christus treu nach, und ihr werdet Zeugen der Freude sein, die der innigen Vereinigung mit ihm entspringt.“ Der Heilige Vater möchte das ganze Gottesvolk dazu einladen, über das Leitwort “Das Vertrauen in die Initiative Gottes und die menschliche Antwort“ nachzudenken. In der Kirche sei stets die Mahnung Jesu an seine Jünger zu vernehmen: »Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden« (Mt 9,38).

„Bittet!“, so der Heilige Vater. „Der eindringliche Aufruf des Herrn macht deutlich, dass das Gebet für die Berufungen unablässig und voll Vertrauen sein muss. Nur wenn sie vom Gebet beseelt ist, kann die christliche Gemeinschaft ... mit mehr Glauben und Hoffnung auf die Initiative Gottes vertrauen.“

Die Berufung zum Priestertum und zum geweihten Leben sei ein besonderes göttliches Geschenk, „das sich in den großen Liebes- und Heilsplan einfügt, den Gott für jeden Menschen und für die gesamte Menschheit hat. ... Innerhalb der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit tritt die besondere Initiative Gottes hervor, durch die er einige dazu auserwählt, seinem Sohn Jesus Christus enger nachzufolgen und dessen bevorzugte Diener und Zeugen zu sein.“

Dann geht der Heilige Vater auch auf die Schwierigkeiten ein: „Wenn es tatsächlich in einigen Regionen der Erde einen besorgniserregenden Priestermangel gibt ..., so trägt uns doch die unerschütterliche Gewissheit, dass der Herr seine Kirche ... sicher führt bis hin zur endgültigen Vollendung des Gottesreiches.“ Und dann spricht der Papst jeden Gläubigen an: „Unsere erste Pflicht ist es daher, diesen Ruf der göttlichen Initiative in den Familien und in den Pfarreien, in den Bewegungen und in den apostolisch tätigen Verbänden ... durch das unablässige Gebet lebendig zu erhalten. Wir müssen beten, dass das ganze christliche Volk im Vertrauen auf Gott wachsen möge – in der Überzeugung, dass der »Herr der Ernte« nicht aufhört, manche zu rufen, ihr Leben aus freiem Willen dafür einzusetzen, enger mit ihm am Heilswerk mitzuarbeiten.“

Von Seiten der Berufenen sei „aufmerksames Hören und kluges Unterscheiden gefordert, großherzige und bereitwillige Zustimmung zum göttlichen Plan, ernsthafte Vertiefung dessen, was zur Berufung zum Priestertum und zum Ordensleben gehört.“ Der Katechismus der Katholischen Kirche erinnere zu Recht daran, „dass die freie Initiative Gottes die freie Antwort des Menschen verlangt: eine positive Antwort, die immer voraussetzt, daß der Plan, den Gott mit einem jeden Menschen hat, angenommen und geteilt wird; eine Antwort, die die Initiative der Liebe des Herrn aufgreift und die für den Berufenen zum verbindlichen moralischen Anspruch wird, zur dankbaren Ehrerbietung an Gott und zur völligen Mitwirkung am Plan, den er in der Geschichte verfolgt (vgl. Nr. 2062).“

Das vollständige Schreiben des Papstes ist im Internet auf der Homepage des Vatikans zu finden. Dieser Auszug mag ein erster Anstoß sein, sich im Glauben an Gottes Treue und seine Möglichkeiten neu zu besinnen, um ihm dann voll Vertrauen, verwurzelt im Gebet, durch Taten zu entsprechen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18 / 2009 - 3. Osterwoche (B)

Abendmahl - Evangeliar Augustinus

Liebe Mitchristen!

»Am Tag, den man Sonntag nennt, findet eine Zusammenkunft aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen. Dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es üblich ist. Hat der Vorleser aufgehört, so hält der Vorsteher eine Ansprache, worin er zur Nachahmung all dieses Guten ermahnt und auffordert. Dann stehen wir alle auf und senden Gebete empor. Und wenn das Beten beendet ist, wird Brot, Wein und Wasser herbeigebracht. Der Vorsteher spricht mit aller Kraft Gebete und Danksagungen, und das Volk stimmt ein, indem es >Amen< sagt. Darauf findet die Ausspendung und Entgegennahme (der Eucharistie) statt.« Mit diesen Worten schildert Justin der Märtyrer um die Mitte des 2. Jahrhunderts eine Eucharistiefeier (Justin der Märtyrer, Apologie, 67).

Nicht mehr der jüdische Sabbat, sondern der Sonntag steht von Anfang an in der Mitte des christlichen Kults, weil – so schreibt Justin weiter – der Sonntag der Tag ist, »an dem Gott (...) die Welt erschuf, und weil an diesem Tag Jesus Christus, unser Erlöser, von den Toten wieder auferstanden ist.« (ibid.)

Der Sabbat war im Alten Gesetz der Tag Jahwes, eingesetzt auf dessen Befehl (Gen 2,3) und durch Enthaltung von gewissen Arbeiten seiner Verherrlichung gewidmet (Ex 20,8-11; 21,13; Dt 5,14). Neben dem humanen Aspekt – Erholung von der Arbeit – verweist der Sabbat auf die Vollendung der Schöpfung: Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte (Gen 2,2), und damit auf die heilige Ruhe Gottes, die der Mensch nachahmen soll: und er ruhte am siebten Tag (ibid.). Hinzu kommt das Gedenken an die Befreiung Israels aus dem Sklavenhaus. Die Sabbatruhe wurde vom Gesetz sehr streng ausgelegt. Es war verboten, Feuer anzuzünden, Holz zu sammeln oder Speisen zu bereiten.

Nach der Auferstehung wird der erste Tag der Woche für die Christen zum dominica dies, zum Tag des Herrn (Offb 1,10). Es ist der Tag seines Sieges über Tod und Sünde. Daher die ständige Praxis der Kirche von Anfang an, die gottesdienstliche Versammlung am Sonntag zu feiern. In der Liturgie-Konstitution des Zweiten Vatikanums heißt es dazu: »Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tage, der deshalb mit Recht Tag des Herrn oder Herrentag genannt wird.« (Sacrosanctum Concilium, 106)

Das Gebot der Sonntagsheiligung ist also keine willkürliche Verfügung der Kirche, sondern die Konkretisierung der wesentlichen Pflicht des erlösten Geschöpfes, seinem Schöpfer und Erlöser zu huldigen. »Die Heiligung des Sonntags ist in der Schöpfungsordnung begründet und verankert. Der Mensch soll und darf an der Souveränität und Freiheit Gottes teilnehmen. Er ist nicht so wie das Tier in die Mechanismen des Lebens eingespannt. Der Mensch kann aussteigen. Er muss nicht täglich wie ein Maulwurf die Erde durchwühlen. Als Ebenbild Gottes darf er aus den Zwecken und Zwängen des Lebens wenigstens einmal in der Woche aussteigen, um an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes teilzunehmen. Das entlastet und entsorgt ihn. Die Konstruktion von Maschinen und die Organisation von Produktionsbetrieben aber, die das nicht mehr möglich machen, stellen die Schöpfungsordnung auf den Kopf.« (J.Kard.Meisner, Wider die Entsinnlichung des Glaubens, Graz 1991, S.49)

So wünsche ich uns allen, dass die Freude des Osterfestes Sonntag für Sonntag erneuert und uns für jede Woche in der Sonntagsmesse neu geschenkt werde und ganz lebendig bleibe.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17 / 2009 - 2. Osterwoche (B)

Der Auferstandene fordert den ungläubigen Thomas auf, seine Wunden zu überprüfen - Caravaggio (1573 – 1610).

Liebe Mitchristen!

Vom Weißen Sonntag her ist vielen das Evangelium vom so genannten »ungläubigen Thomas« wohl bekannt (Johannes 20,19-31). Kurz skizziert: Der Herr erschien den Aposteln. Dabei »hauchte er sie an« und sie empfingen den Heiligen Geist; jene Kraft Gottes, um fortan Sünden nachzulassen: »Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.« – Der Apostel Thomas jedoch war nicht dabei.

Man darf sich vorstellen, wie begeistert ihm die anderen bei seiner Rückkehr von dieser geheimnisvollen und doch zugleich so ungemein vertrauten Begegnung mit dem Herrn berichteten. Thomas aber sperrte sich. Er wollte das alles nur glauben, wenn er die Wunden des Herrn sehen und betasten könne. – Als acht Tage darauf der Herr erneut erschien, diesmal war Thomas dabei, bot er ihm nach dem Friedensgruß seine Wunden zum Überprüfen an: »Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!«

Der in die Wunde gelegte Finger war auch schon vor Caravaggio dargestellt worden. Erst Caravaggios Realismus (vgl. das rechte Bild) macht ihn zum physisch spürbaren, fast unerträglichen Vorgang.

Die Hl. Schrift berichtet nichts Näheres darüber; lediglich, dass Thomas auf die Aufforderung Jesu hin diese wunderbare Antwort gibt: »Mein Herr und mein Gott!« und daraufhin der Herr jene selig preist, »die nicht sehen und doch glauben.«

Das Entscheidende ist gewiss nicht, ob Thomas überhaupt und wenn, in welcher Intensität er die Wunden Jesu untersucht hat. Entscheidend ist, dass Gott uns Menschen fassbare und in gewissem Sinn wahrnehmbare Hilfen und Unterstützungen im Glauben gibt, damit er gestärkt werde und wachse.

Natürlich preist der Herr selig, »die nicht sehen und doch glauben«. Zugleich kommt er unserer menschlichen Bedingtheit entgegen; denn immer noch bleibt im Vertrauen auf Gottes Wort so viel an »Unsichtbarem« für den dann selig gepriesenen Glauben, dass wir für jede Glaubenshilfe dankbar sein müssen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir glauben, dass Gott unsere Schuld vergibt. Aber dieser Glaube alleine reicht nicht. Er wäre längst kraftlos und hätte sich in einem diffusen und vagen Allerlei-Glauben an Gottes Vergebung verloren, wenn Gott die Sündenvergebung nicht an das Bußsakrament, an die Heilige Beichte gebunden hätte. Hier wird Sündenvergebung »wahrnehmbar«, ersetzt aber nicht den Glauben daran, sondern stärkt ihn. Und deshalb ist das Bußsakrament ein Segen. – Wo nicht mehr gebeichtet wird, verdunstet der Geist Jesu und geht langsam, meist unbemerkt immer mehr verloren. Diese traurige Erfahrung macht jeder, der einmal mit Blick darauf verschiedene Gemeinden besucht.

Ähnliches gilt für alle anderen Sakramente, die sichtbare Zeichen dessen sind, was Jesus für uns tut. Sie ersetzen den Glauben nicht, sind aber unverzichtbare Stärkung und Nährboden, auf dem alleine der Glaube nach dem Maßstab Gottes wachsen kann.

Ihr Pfr. Dr. V. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16 / 2009 - Osterwoche (B)

Der auferstandene Christus - romanisch– Wienhausen

Liebe Mitchristen!

 

Im letzten Jahr hat unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., in seiner Osterbotschaft die Osterfreude von der Liebe Gottes her erklärt und wie folgt dargelegt:

»Das erstaunliche Ereignis der Auferstehung Jesu ist im wesentlichen ein Ereignis der Liebe: Liebe des Vaters, der den Sohn zum Heil der Welt hingibt; Liebe des Sohnes, der sich dem Willen des Vaters für uns alle überlässt; Liebe des Geistes, der Jesus in seinem verklärten Leib von den Toten erweckt. Und weiter: Liebe des Vaters, der den Sohn „wieder umarmt“, indem er ihn in seine Herrlichkeit hüllt; Liebe des Sohnes, der in der Kraft des Geistes mit unserer verklärten Menschengestalt zum Vater zurückkehrt.

Vom heutigen Festtag, der uns die unbedingte und einzigartige Erfahrung der Auferstehung Jesu neu erleben lässt, ergeht also an uns ein Aufruf, dass wir uns zu der Liebe bekehren; eine Einladung, den Hass und den Egoismus von uns zu weisen und gelehrig der Spur des Lammes, das zu unserem Heil geopfert wurde, zu folgen, den „gütigen und von Herzen demütigen“ Erlöser nachzuahmen, der „Ruhe für unsere Seelen“ ist (vgl. Mt 11, 29).«

Nachdem wir uns in den dem Osterfest vorausgehenden und auf dieses große Fest einstimmenden Tagen der Karwoche letztlich genau darauf vorbereitet haben, wünsche ich Ihnen von Herzen in der nun beginnenden Osterzeit, die bis zum Pfingstfest dauern wird, in dieser versöhnenden Liebe unseres Herrn miteinander gut auszukommen und zu einem Segen in Ihrer Familie, Ihrem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis zu werden.

 

Ihr Pfr. Dr. V. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15 / 2009 - Karwoche (B)

Liebe Mitchristen!

Aus den Berichten der Evangelien können wir uns ein gutes Bild von den Ereignissen am Palmsonntag machen. Vom Gebiet Betfage und Betanien am Ölberg bricht Jesus auf. Er lässt vom nahe gelegenen Dorf einen Esel holen. Im damaligen Palästina galt der Esel schon seit den Tagen Bileams als Reittier hochgestellter Persönlichkeiten (vgl. Num 22,21 ff).

Es war nicht ungewöhnlich, dass man von der Stadt aus größeren Pilgergruppen entgegenging, um mit ihnen gemeinsam unter Gesängen und Jubelrufen in Jerusalem einzuziehen. Das geschah wohl auch jetzt. So hat sich eine beachtliche Menge zu einem großen Zug versammelt. Einige legen ihre Kleider über den Rücken des Tieres, andere breiten ihre Kleider wie einen Teppich auf dem Boden aus; wieder andere schneiden »Zweige von den Büschen ab«, wohl Oliven- und Palmzweige, »und streuten sei auf den Weg«.

Das Evangelium berichtet weiter: »Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!« (Mk 11,9-10)

Für den Gläubigen geht hier das prophetische Wort aus dem Buch Sacharja (9,9) in Erfüllung: »Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.« Auch der Jubelgesang des Volkes trägt messianische Züge.

Jesus nimmt die Huldigung an und entgegnet den Pharisäern, die die gläubige, überaus freudige und kraftvolle Manifestation zu ersticken suchen: »Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.« (Lk 19,40)

Trotzdem ist Jesu Triumph ohne Pomp. Der Heilige Josefmaria bringt beides in interessanter Weise zusammen: »Seht ihr? Jesus ist zufrieden mit einem armen Tier als Thron. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist; für mich ist es nicht erniedrigend, mich vor Gott als armer Esel zu fühlen: Wie ein Esel, so war ich vor dir. Nun aber bleibe ich immer vor dir, du hast mich ergriffen mit deiner Rechten (Ps 73,22-23), du führst mich am Halfterstrick.« (J. Escrivá, Christus begegnen, 181)

Zu allen Zeiten will der Herr mit sanfter Mächtigkeit in das Leben der Menschen Einzug halten; und wir dürfen und sollen dafür »gute Esel« sein. Gott will durch uns als seine Esel im Leben der Menschen gegenwärtig sein und überall hingetragen werden: durch unser freudiges und unaufdringliches Zeugnis einer gut verrichteten Arbeit etwa, durch das Zeugnis unserer Freude und Gelassenheit, wie auch durch unser Zeugnis ehrlicher Sorge um den Nächsten.

So weitet sich das Psalmwort »Wie ein Esel, so war ich vor dir« (Ps 73,22) und kann im Gebet auch so verstanden werden, wie es etwa der Heilige Josefmaria gesehen hat: »Wie ein Esel. Heute sieht man dieses Lasttier nicht mehr so oft wie früher, aber denkt einmal an seine Eigenschaften. Nicht den alten, starrköpfigen, nachtragenden Esel meine ich, der sich hinterhältig mit einem Tritt rächt, sondern ein junges Tier: die Ohren steil wie Antennen, genügsam im Futter, hart in der Arbeit, entschieden und freudig im Trott. Viele Tiere sind schöner, tüchtiger und urwüchsiger. Christus aber hat sich einen Esel ausgesucht, um als König vor dem jubelnden Volk zu erscheinen. Denn Jesus weiß nichts anzufangen mit berechnender Schläue, mit der Grausamkeit eines kalten Herzens, mit augenfälliger, aber leerer Schönheit. Unser Herr schätzt die Freude eines jungen Herzens, den einfachen Schritt, eine Stimme ohne Falsch, klare Augen, ein Ohr, das sein liebevolles Wort sucht.« (J. Escrivá, Christus begegnen, 181)

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Karwoche und ein gnadenvolles Osterfest.

Ihr Pfr. Dr. V. Hildebrandt

Pfarrnachrichten 14 /2009 - 5. Fastenwoche (B)

Dorfkirche in Kamerun

Benedikt XVI. zwischen Wirklichkeit und künstlicher Polemik. – Die zwei Reisen des Papstes.

Eine Bilanz Von Andrea Tornielli

Andrea Tornielli hat den Papst auf seiner Reise nach Afrika begleitet, die Berichterstattung in unseren Medien verfolgt und beides miteinander verglichen. Er zählt zu den besten Kennern des Vatikans und arbeitet als Vatikanist für die Mailänder Zeitung „Il Giornale“. Den folgenden Kommentar hat er in seinem »Blog« veröffentlicht; Übersetzung vom Nachrichtendienst »Zenit«.

Bei seinem Afrikabesuch hat Benedikt XVI. in den sechs Tagen seines Aufenthalts auf dem schwarzen Kontinent zwei Reisen unternommen. Zwei Reisen, die sich sehr voneinander unterschieden.

Die erste Reise war die wirkliche, die sich durch den Kontakt mit den Menschenmengen in Kamerun und Angola auszeichnete. Es war die Reise der Themen, die der Papst in seinen Ansprachen und Predigten angegangen hat, die Reise des Aufeinanderprallens mit den Widersprüchen der beiden Hauptstädte, in denen Reichtum und extremste Armut Seite an Seite leben.

Die andere Reise war die virtuelle, jene Reise, mit der sich Kommentatoren, Bürokraten und westliche Meinungsumfrager beschäftigt haben, die Ratzinger der Unverantwortlichkeit bezichtigten, weil er das gesagt hatte, was alle mittlerweile anerkennen müssten und durch wissenschaftliche Studien bestätigt ist: Die Verteilung von Präservativen ist keine wirksame Methode zur Bekämpfung der Verbreitung von AIDS in diesen Ländern.

Drei Tage lang – während der Papst von Armut, Entwicklung und Menschenrechten sprach – diskutierte man über Präservative. Um dann während der folgenden drei Tage dazu überzugehen, über die therapeutische Abtreibung zu debattieren, auf der Grundlage eines Satzes, den Benedikt XVI. in einer starken Rede über die Übel ausgesprochen hatte, die Afrika quälen.

Die Maschine der Massenmedien und der Politik setzte in Gang und kam nicht mehr zur Ruhe. Und so wurden in Frankreich, wo es in der letzten Zeit zu einem Nationalsport geworden zu sein scheint, auf den Papst zu schießen, Meinungsumfragen veranstaltet, um zu beweisen, dass wenigstens die Hälfte der Katholiken des Landes den Rücktritt von Ratzinger fordert.

Liest man die Erklärungen von einigen Ministern und deren Sprechern, so entsteht der Eindruck, dass der Papst zum ersten Mal seit langer Zeit nicht mehr von jenem Respekt umgeben ist, der einer Person „super partes“ gezollt wird, sondern dass er wie ein Parteichef betrachtet wird, der dem täglichen Hin und Her von Erklärungen ausgesetzt ist, die typisch für den politischen „Eintopf“ sind.

Da sind die, die ihn zum Schweigen auffordern, andere wollen, dass er zurücktritt, wieder andere erklären ihm, was er zu sagen hat und wie dies geschehen soll. Auf diese Weise wurden 16 Ansprachen, die auf afrikanischem Boden gehalten wurden, auf zwei Sätze reduziert, wobei der erste sogar spontan während der Pressekonferenz im Flugzeug gefallen ist.

Man hat den Eindruck, dass Benedikt XVI. nicht übermäßig über diese wachsende Feindseligkeit besorgt ist. Nie wie in diesen Tagen konnte man die enorme Distanz wahrnehmen, die zwischen der wirklichen und der virtuellen Reise lag. Und wenn es wahr ist, dass die aufschäumende Kritik seitens gewisser westlicher Bürokratien in der jüngsten Zeit beispiellos ist, so ist auch in Erinnerung zu rufen, dass Johannes Paul II. in den ersten Jahren seines Pontifikats extrem harten Kritiken ausgesetzt war.

Ebenso ist an das Leiden und die Isolierung Pauls VI. in dem Moment zu erinnern, als er mutige Entscheidungen wie jene der Enzyklika „Humanae vitae“ traf und so zum Zeichen des Widerspruches wurde.

Was bleibt also von der Reise Benedikts XVI. nach Kamerun und Angola?

Vor allen Botschaften des Papstes zum Kampf gegen die Armut, für die Würde der Frau, für eine Wirtschaft, die nicht unmenschlich ist, für die Erziehung und die Entwicklung, bleibt eine Gegenwart und ein außerordentlicher Strom von menschlicher Sympathie, die in Angola ihren Höhepunkt gefunden hatte.

Viele einfache und außerordentliche Menschen haben eine Stunde nach der anderen unter der Sonne ausgeharrt: nicht um Joseph Ratzinger zu grüßen, sondern den Nachfolger des Petrus, der bis dort hin gekommen war, um die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Und in Ländern, die unter inneren Kriegen, Missbräuchen, Unterdrückung, Elend und Gewalt leiden, sind die Umarmung des Petrus, sein Lächeln und seine Nähe mehr wert gewesen als tausend Ansprachen.

 

Pfarrnachrichten 13 /2009 - 4. Fastenwoche (B)

Liebe Pfarrangehörige!

Erneut wurde Papst Benedikt XVI. in Schlagzeilen kritisiert. Was er allerdings wirklich gesagt hat, das erfährt man nicht. – Und erneut kritisieren namhafte Politiker und Gesundheitsbehörden, was der Papst laut Schlagzeilen gesagt hat. Aber mit dem, was er wirklich gesagt und an konkreten Vorschlägen und Anregungen zur AIDS – Bekämpfung vorgetragen hat, setzen sie sich nicht weiter auseinander und geben damit ein Armutszeugnis ab.

Auf dem Flug von Rom nach Yaoundé, Kamerun wurde Papst Benedikt gefragt: »Heiligkeit, unter den vielen Übeln, die Afrika heimsuchen, ist insbesondere auch das der Verbreitung von Aids. Die Position der katholischen Kirche in Bezug auf die Art und Weise, dagegen anzukämpfen, wird oft als unrealistisch und unwirksam betrachtet. Werden Sie auf Ihrer Reise über dieses Thema sprechen?«

Darauf antwortete Papst Benedikt XVI. spontan: »Ich würde das Gegenteil behaupten. Ich denke, dass die wirksamste, am meisten präsente Realität im Kampf gegen Aids gerade die katholische Kirche mit ihren Bewegungen und verschiedenen Strukturen ist.

Ich denke an die Gemeinschaft Sant’Egidio, die im Kampf gegen Aids so viel tut – sichtbar und auch im Verborgenen –, ich denke an die Kamillianer, an viele andere Dinge, an all die Ordensschwestern, die sich um die Kranken kümmern… Ich würde sagen, dass man das Aidsproblem nicht nur mit Geld lösen kann, das zwar auch notwendig ist. Aber wenn die Seele nicht beteiligt ist, wenn die Afrikaner nicht mithelfen (indem sie eigene Verantwortung übernehmen), kann man es mit der Verteilung von Präservativen nicht bewältigen. Im Gegenteil, sie vergrößern das Problem. Die Lösung kann nur in einem zweifachen Bemühen gefunden werden: erstens in einer Humanisierung der Sexualität, das heißt in einer spirituellen und menschlichen Erneuerung, die eine neue Verhaltensweise im gegenseitigen Umgang mit sich bringt; und zweitens in einer wahren Freundschaft auch und vor allem zu den Leidenden, in einer Verfügbarkeit, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht an der Seite der Leidenden zu sein.

Das sind die Faktoren, die helfen und sichtbare Fortschritte bringen. Deshalb würde ich sagen, es geht um diese unsere doppelte Kraft, einmal den Menschen von innen her zu erneuern, ihm spirituelle und menschliche Kraft zu geben für ein rechtes Verhalten zu seinem eigenen Leib und dem des anderen, und dann diese Fähigkeit mit den Leidenden zu leiden, in Situationen innerer Prüfung präsent zu bleiben. Mir scheint das die richtige Antwort zu sein, und die Kirche tut dies und leistet so einen sehr großen und wichtigen Beitrag. Danken wir all denen, die dies tun.« (http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2009/march/documents/hf_ben-xvi_spe_20090317_africa-interview_ge.html)

Die Statistiken geben Papst und Kirche Recht. Die Devise „Sei enthaltsam und treu” erwies sich bisher als einzig wirksamer Weg der AIDS-Bekämpfung. Die Daten sprechen eine klare Sprache: Mehr Kondome heißt nicht weniger HIV.

So hat sich etwa in Botswana von 1993 bis 2001 der Absatz an Kondomen verdreifacht (3 Millionen Stück). Entgegen aller Erwartungen stieg etwa die HIV-Rate von Schwangeren von 27% auf 45% (im Gegensatz zu Europa sind in Afrika mehrheitlich Frauen von HIV betroffen); ähnliches wird auch von Kamerun berichtet.

Dagegen konnte in Uganda durch eine konsequente Gesundheitspolitik nach dem Motto „common sense” statt „condom sense” mit Rückkehr zu traditionellen Familienwerten die Häufigkeit der HIV-Neuinfektionen um 70% reduziert werden; unter den Schwangeren sogar von 21,1% im Jahre 1991 auf 5,0% im Jahre 2001. Als ausschlaggebend für die günstigen Ergebnisse zeigten sich sexuelle Abstinenz bei den Unverheirateten, spätere Aufnahme sexueller Kontakte sowie daraus resultierende geringere Promiskuität. Auch in Kenia oder Zimbabwe wurde durch die Veränderung der Verhaltensweise mit Zunahme von Treue und Verringerung der Partnerzahl ein deutlicher Rückgang der HIV-Fälle verzeichnet. Entgegen der etablierten Meinung erwies sich in diesen Ländern der Kondomverbrauch bei der HIV-Prävention als nebensächlich. (Quelle: Imago Hominis, Quartalsschrift für Medizinische Anthropologie und Bioethik, Band 15, Heft 2, 2008, S. 96–98. ISSN 1021-9803)

Fazit: Eine auf Kondomverteilung basierte Prävention hat sich als völlig unzureichend und kontraproduktiv erwiesen. Sie hat kläglich versagt. Der Ansatz der Kirche hingegen ist alles andere als „weltfremd“; er entspricht dem Menschen, ist nüchtern und realistisch.

Es ist erfrischend, dass Werte wie Enthaltsamkeit, Warten bis zur Ehe, Keuschheit und Treue auch statistisch mit Abstand im Trend liegen und sich als wahr und richtig erweisen. Wer das nicht wahrnimmt, ist blind und unverantwortlich und muss sich fragen, ob er wirklich bereit ist, das eigentlich Wichtige und Entscheidende zu tun, um der Ausbreitung der tödlichen Immunschwäche AIDS entgegen zu treten. Die Kirche jedenfalls hat es bislang nachweislich mit sehr gutem Erfolg getan.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 12 /2009 - 3. Fastenwoche (B)

Modell des von Herodes wiederaufgebauten Tempels

Liebe Pfarrangehörige!

Im Evangelium des 3. Fastensonntages lassen sich drei Abschnitte unterscheiden. Nachdem der Herr Schafe und Rinder aus dem Tempel heraus getrieben, das Geld der Wechsler ausgeschüttet und ihre Tische umgestoßen hatte, stellten ihn Juden zur Rede und fordern einen Nachweis, »dass du dies tun darfst.«

Zum »Beweis« erklärt der Herr, er werde den niedergerissenen Tempel in drei Tagen wieder aufbauen. Seine ungläubigen Gesprächspartner halten ihm entgegen, sie hätten 46 Jahre lang an diesem Tempel gebaut, weshalb er ihn unmöglich in drei Tagen wieder aufrichten könne.

Der Evangelist fügt zur Erläuterung hinzu, Jesus meine »den Tempel seines Leibes«; und seine Jünger hätten sich nach seiner Auferstehung an seine Worte erinnert, weshalb sie nun der Schrift und Jesu Worten glaubten.

Jesu Tun ist vom heiligen Eifer geprägt. Mit leidenschaftlicher Liebe zu Gott, seinem Vater, führt er sein Haus, den Tempel, wieder dem ursprünglichen Gebrauch zu und lehrt dabei, dass sein und damit auch unser Leib Tempel Gottes ist. So wird ein tiefer Zusammenhang deutlich zwischen der Tempelreinigung und der Reinigung von uns selber: Als Menschen müssen wir uns vertrauensvoll immer wieder Gott zu wenden. Allein mit seiner Hilfe vermögen wir uns zu reinigen, uns frei zu machen von jedem Egoismus und jedem Nützlichkeitsdenken. Nur mit seiner Gnade können wir all das ablegen, was zwischen Gott, uns und unserem Nächsten steht.

Mit diesen Worten über den Tempel, über seine Zerstörung und Aufrichtung spricht der Herr über die innere Reinigung, in der das Geheimnis von Ostern, das Geheimnis von Sterben und Auferstehen konkret wird. Der Mensch muss sich selber sterben; er muss der irdischen Sorgen sterben, die Herz und Verstand beherrschen, um zu leben. So gereinigt kann er wieder aufstehen. So wird er reinen Herzens wieder die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen.

Der Herr kennt den Menschen. Er hat ihn geschaffen und ist es als Gott selber geworden. Er kennt die menschliche Natur und ihre Widerstände. Er weiß, wie schwer es ist, sich von sich selber zu verabschieden, um so geläutert sich selber wieder zu finden. Er kennt aus eigener Erfahrung die Versuchungen, denen jeder Mensch ausgesetzt ist. Wie oft etwa denkt der Mensch nur an das Brot!

Durch seine Aufforderungen, diesen Tempel nieder zu reißen und ihn mit Gottes Hilfe in drei Tagen wieder aufzubauen, führt er zum Kern und an die Wurzeln des Glaubens. Glaube muss immer an die Wurzel – lateinisch: »radix« – gehen. Nur wer sich »radikal«, an die Wurzeln gehend, für Gott entscheidet und ihn voller Vertrauen und mit Mut an die erste Stelle seines Lebens setzt, kann gerettet und zur Liebe und zur Freiheit Gottes erlöst und da hinein verwandelt werden.

So lautet eine wichtige Frage in der Fastenzeit: Nimmt Gott die erste Stelle in meiner Arbeit, meiner Familie und meinem Privatleben ein? – Reißen wir alles Falsche nieder, und wir werden leben!

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11 / 2009 - 2. Fastenwoche (B)

Liebe Pfarrangehörige!

Nachdem der Herr den Aposteln reinen Wein eingeschenkt hatte, waren diese zuerst einmal schlichtweg geschockt. Sie hatten Angst (vgl. Mk 10,32).

Der Evangelist Markus etwa berichtet im 8. Kapitel, Vers 31-33, wie Jesus seine Jünger zum ersten Mal über seine bevorstehende Verurteilung durch die Ältesten und Hohenpriester unterrichtet. Er werde getötet werden, aber nach drei Tagen wieder auferstehen. Petrus nahm ihn daraufhin beiseite und machte ihm schwere Vorwürfe. Jesus aber wies ihn zurecht (Mk 8,33): »Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.«

Jesu Lehre von der Kreuzesnachfolge hängt damit natürlich eng zusammen (Mk 16,24): »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«

All das ist uns zwar längst irgendwie vertraut. Aber wir wissen, dass diese Wirklichkeit des Lebens, die Anwesenheit des Kreuzes, nicht wie Zucker schmeckt. Sie hat etwas Ernstes, Anspruchsvolles, Herausforderndes und manchmal auch eine gewisse Härte an sich. Von daher erklärt sich, warum Jesus drei Apostel mit auf den Taborberg nimmt und vor ihren Augen in seine himmlische Herrlichkeit verwandelt wird: Der Herr stärkt die Apostel auf dem Weg nach Jerusalem, wo er für unsere Erlösung das Kreuz auf sich nehmen und sterben wird. Er gewährt den Aposteln auf dem Taborberg einen kurzen Einblick in das Ziel, zu dem wir alle unterwegs sind, nämlich einmal für immer, und damit endgültig bei Gott in diesem unbeschreibbaren Licht seiner Liebe und Seinsfülle zu sein.

Schon hier auf Erden gewährt uns der Herr lichte und erhabene Augenblicke, die auf das Zukünftige und Kommende hinweisen. Das kann die Geburt eines Kindes sein, ein wunderschöner Abend im Kreis der Familie, ein besonderer beruflicher Erfolg oder ein ergreifendes Jubiläum, oder einfach eine schöne Stunde, die man einmal in Ruhe genießen kann. Dann aber müssen wir erneut heruntersteigen in die scheinbaren Niederungen des täglichen Alltages.

Die Fastenzeit soll uns stark machen gerade dafür. Sie ist besondere Einübung in die Nüchternheit des Alltags und in die Härten des täglichen Kreuzes. Deshalb sagen wir als Christen in diesen Tagen bewusst „Ja“ zu ihnen; wir nehmen sie auf uns und stellen uns ihnen. Als Christen wissen wir um ihre reinigende Notwendigkeit, die uns vorbereiten auf die Taborstunden in diesem Leben und uns vor allem befähigen für das ewige Leben bei Gott, dem Herrn, das ohne Erlösung über das Kreuz nicht möglich wäre.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10 / 2009 - 1. Fastenwoche (B)

Carl Spitzweg "Aschermittwoch"

Liebe Mitchristen!

„Kehr um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen. – Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ (Joel 2,12f) – Mit diesen eindringlichen Worten werden die Gläubigen jedes Jahr am Aschermittwoch auf die Fastenzeit eingeschworen. Sie ist eine segensreiche, eine befreiende Zeit, die all jenen Ballast zurück lassen hilft, der nach unten zieht und nicht richtig frei und froh sein lässt.

Jeder kennt diese Verschattungen, die es im Leben gibt: Die kleinen oder auch die größeren Unzufriedenheiten, die wie eine geheime Last in unserem Leben anwesend sind und sich allzuoft auf unser Tun legen. So ist unser Leben zu selten von einer sorglosen und tiefgehenden Freude und einer Leichtigkeit geprägt, wie wir sie doch eigentlich wünschen.

In der Fastenzeit geht es darum, wieder zur Quelle unserer Lebensfreude und Zuversicht vorzudringen. Diese Quelle ist Gott alleine. Und deshalb fordert die Kirche mit diesen so eindringlichen Worten der Bibel zur Umkehr, zu einer neuen Hinwendung zu Gott auf: „Kehr um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen. – Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ (Joel 2,12f)

Eine alte jüdische Geschichte verdeutlicht, worum es hier geht. Gott habe den Menschen mit einem Mantel umkleidet, der zwei Taschen habe. Abwechselnd solle der Mensch in diese Taschen greifen, denn in ihnen finde er zwei Wahrheiten über sein Leben. In der einen Tasche stecke die Wahrheit: Du bist Staub. Und in der anderen die Wahrheit: Um deinetwillen wurde die Welt erschaffen. – So veranschaulicht diese Geschichte, dass sich zwischen diesen beiden Polen unser Leben abspielt.

Auf der einen Seite sind wir winzige Wesen, ein Pünktchen angesichts der unendlichen Weite des Kosmos; unbedeutend, vergänglich, wie ein Sandkorn oder wie Staub, nur ein Hauch angesichts der Unendlichkeit Gottes. Es ist unser Los, aus dem Staub genommen zu sein, kurz aufzublühen, zu vergehen und wieder zu Staub zu werden. Diese Wahrheit unseres Lebens ist Anlass genug, allen Stolz und alle Überheblichkeit abzulegen. Wie lächerlich ist es, wenn einer so tut, als müsse sich alles in der Welt um ihn drehen.

Wäre aber dies die einzige Wahrheit über unser Leben, müssten wir verzweifeln: alle Arbeit und Mühe, alles Leiden, alle Freude wären vergeblich. Darum steckt in der anderen Tasche die zweite Wahrheit, nämlich: Um deinetwillen wurde die Welt erschaffen! Jeder Mensch ist ein einmaliger Gedanke Gottes. In jeden einzelnen hinein hat Gott seine Phantasie verschwendet. Jeder ist je ein Wunder auf dieser Erde.

Sicher - wir sind vergänglich wie Staub. Aber zugleich sind wir unendlich wertvoll, weil von Gott gewollt und geliebt. Beide Seiten sind wahr. Und um diese Wahrheit der beiden Seiten geht es in der Fastenzeit.

Um uns als Menschen zu verstehen, die von Gott unendlich geliebt sind, ist es notwendig, dass wir unsere Armut vor Gott nicht vergessen. – In der Fastenzeit wird uns gesagt: Steige von Deinem hohen Ross herab und lass Dich von Gott wieder lieben.

So ist die Fastenzeit Umkehr, Versöhnung und neu erwachende Liebe. Sie ist Hinkehr zu Gott über diese beiden Wahrheiten. Sie ist die Entdeckung, dass wir in aller Vergänglichkeit zum Leben berufen sind!

Die Asche, die katholische Christen am Aschermittwoch in der Form des Kreuzes empfangen, drückt kraftvoll und zeichenhaft aus, dass wir alle ohne Ausnahme „Staub sind und zum Staub zurückkehren"; aber zugleich auch, dass dieses so verfasste Leben durch Christi Kreuz Anteil hat am Licht des Ostermorgens, der Auferstehung und es ewigen Lebens in Herrlichkeit.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09 / 2009 - 7. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen

Die jecke Zeit lädt ein, über den eigentlichen und tieferen Grund der Freude nachzudenken, die uns im Leben geschenkt ist. Das Sonntagsevangelium vor dem diesjährigen Aschermittwoch ist dafür hilfreich.

Es berichtet darüber, wie vier Männer in das Dach eines Hauses eine Öffnung „schlagen“ und von dort ihren gelähmten Freund auf seiner Bahre in das überfüllte Haus unmittelbar vor dem Herrn hinunterlassen. Der Herr spricht ihn an und erklärt ihm: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“

Der griechische Urtext benutzt das Wort „téknon“ und sagt damit noch viel schöner: „Mein geliebtes Kind. ...“ „Téknon“ ist eine zärtliche Form der Anrede, wie sie bei Eltern für ihr kleines Kind üblich war. Der hilflose und gelähmte Mann ist Gottes geliebtes Kind. Eine ergreifende Nuance, die damit in das Ganze des Geschehens hineinkommt!

Die Schriftgelehrten denken sofort an Gotteslästerung. Zum Beweis, dass er als Sohn des Vaters aus der Vollmacht seiner Gottheit Sünden vergeben kann, gebietet Jesus dem Gelähmten: „Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!“

Die zärtliche Anrede deutet darauf hin, dass es hier nicht einfach nur um den Nachweis der Gottheit Jesu und seiner engen Verbundenheit zum Vater geht. Der Herr möchte auch sein Verhältnis zu uns Menschen „unter Beweis stellen“. Ihm geht es darum, auch seine Verbundenheit mit uns Menschen sichtbar zu machen. Sie ist Grundlage und krisenfestes Fundament unserer Freude und Zuversicht.

Der Herr sieht nicht nur auf die äußere Lähmung des Kranken. Er sieht auch sein Inneres, so wie er ebenfalls die Gedanken der Schriftgelehrten kannte. Und im Inneren des Gelähmten wird es wohl keine Hoffnung auf Besserung gegeben haben. Mehr noch! Den Gelähmten werden auch Gewissenszweifel geplagt haben.

Nach antiker Vorstellung ist jede schwere Krankheit ursächlich in einer moralischen Schuld, in einer Sünde begründet. Ganz falsch ist diese Vorstellung nicht. Denn Krankheit und Tod kamen erst nach dem Sündenfall, nach der ersten Sünde von Adam und Eva in die Welt. Im Paradies gab es sie nicht. Krankheit und Tod sind Folgen der Sünde. Nach dem Sündenfall ist es allerdings nicht mehr möglich, Krankheit, Lähmung und Tod auf eine weitere, der Ursünde folgende individuelle Sünde zurückzuführen.

Das war Vielen in der Antike so nicht bewusst. Ein Gelähmter lebte deshalb mit der unterschwelligen Angst, an seiner Lähmung ursächlich mit verantwortlich und für sie schuldig zu sein. Zur Lähmung des Körpers kam die Lähmung des Geistes. Jesus befreit seine „geliebten Kinder“ von beidem. – So ist er, der Herr, der eigentliche und krisenfeste Grund jeder Freude, die uns im Leben geschenkt wird.

Die kommende, jährliche Fastenzeit ist eine gute Chance, die eigenen Lähmungen genau zu beobachten, sie im Sakrament der Buße und Beichte vor den Herrn zu bringen. Denn nur wer bekennt, und dabei Ross und Reiter nennt, der erkennt wirklich. Und nur so kann er jene Vergebung erlangen, die den Gelähmten zu einem wirklich und umfassend freien und frohen Menschen werden ließen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08 / 2009 - 6. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Seit fast einem Jahr ist nun auch in unserem Seelsorgebereich der Prozess der notwenig gewordenen Umstrukturierung im Gange. Im Moment steht die Frage an, ob die Pfarreien unseres Seelsorgebereiches für die Zukunft eine Fusion der Pfarreien zu einer einzigen oder die Bildung einer Pfarreiengemeinschaft wünschen; in beiden Fällen unter einem leitenden Pfarrer. Über diese Frage werden am 2. April in St. Maria im Kapitol nun auch die Kirchenvorstände und Pfarrgemeindräte diskutieren und am Ende ein Votum abgeben. Zu unserem Seelsorgebereich gehören St. Georg, St. Maria im Kapitol, St. Maria Lyskirchen, St. Pantaleon und St. Peter.

Haben Sie bei dem Umstrukturierungsprozess bitte vor Augen, dass unser Erzbischof die je eigene Ausprägung der Kirchorte in der Innenstadt ausdrücklich wünscht und unterstützt. Durch die nötige Umstrukturierung wird diese Prägung nicht angetastet. Es ist unser aller, vom Erzbischof ausdrücklich gewolltes Anliegen, dass auch in der Kölner Innenstadt die Administration zentralisiert, aber die bisherige Vielfalt der Seelsorge und der Pastoral erhalten bleibt. Für die Kirche St. Pantaleon wird dies am Ende bedeuten, dass sich nach außen hin eigentlich wenig ändern wird.

Die Mitglieder des bisherigen Pfarrgemeinderates St. Pantaleon und alle Ehrenamtlichen werden sich weiterhin und auch wie bisher in und für St. Pantaleon engagieren können. Wir werden dafür schon eine adäquate Form finden. Seien Sie alle deshalb bitte ohne Angst und ohne jede Sorge: Hier wird niemandem von Ihnen etwas weggenommen; und keiner von Ihnen wird nicht mehr tun können, was er und was wir bislang gemeinsam haben tun können.

Anders ist es mit dem Kirchenvorstand. Die Administration wird zentralisiert. Im Falle der Fusion heißt das: Die Kirchengemeindevermögen "kommen in einen Topf" und werden über ein zentrales Verwaltungsbüro von einem Kirchenvorstand unter dem Vorsitz des einen leitenden Pfarrers verwaltet. – Im Fall der Pfarreiengemeinschaft bleiben die Pfarreien als Pfarrei mit eigenem Kirchenvermögen bestehen, das von den ebenfalls bestehen bleibenden Kirchenvorständen unter Leitung des einen leitenden Pfarrers aller Pfarreien über ein zentrales Verwaltungsbüro verwaltet wird. Die jeweiligen Kirchenvorstände oder, im Fall der Fusion, der eine zentrale Kirchenvorstand sind dann natürlich der je eigenen Ausprägung ihres Kirchortes beziehungsweise der dezentralen Kirchorte verpflichtet.

Nach reiflicher Überlegung scheint uns Pfarrern für unseren Seelsorgebereich die Fusion zu einer einzigen Pfarrei mit Abstand die beste Lösung.

Unabhängig davon, ob die administrative Zentralisierung über eine Pfarreiengemeinschaft oder eine Pfarreienfusion geregelt wird, wird es in unserem Innenstadt-Seelsorgebereich in Zukunft nur noch einen einzigen Pfarrgemeinderat mit dem leitenden Pfarrer geben, unter der dann ebenso selbstverständlichen Vorgabe, die jeweils eigene Ausprägung der Kirchorte zu bewahren und zu unterstützen.

Bei dem gesamten Umstrukturierungsprozess bleiben bisherige Absprachen mit Ordensgemeinschaften (hier: St. Peter) oder der Gehörlosenseelsorge (hier: St. Georg) unberührt. Ähnliches gilt für St. Pantaleon: Bei den derzeitigen Gesprächen zwischen dem Opus Dei und dem Generalvikar geht es um die Form der Anstellung der Priester und die Bewahrung der bisherigen, Ihnen bekannten und vertrauten Prägung von St. Pantaleon. Diese Gespräche und Absprachen entsprechen dem Wunsch, um es noch einmal anders zu formulieren, die pastorale Prägung von St. Pantaleon nach der administrativen und seelsorglichen Neustrukturierung des Seelsorgebereiches zu wahren und zu fördern.

Zuletzt noch ein wichtiges Anliegen, das mir sehr am Herzen liegt. Wer von Ihnen wäre bereit, in den zukünftigen zentralen Gremien (Kirchenvorstand und Pfarrgemeindrat) – oder im Falle der Pfarreiengemeinschaft: des örtlichen Kirchenvorstandes – jeweils unter Leitung des einen und einzigen zukünftigen leitenden Pfarrers mitzuarbeiten? Ich bitte Sie, das zum Wohl des Gesamtbereiches ernsthaft zu überlegen und in Erwägung zu ziehen.

Ihr  Pfarrer Dr. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 07 / 2009 - 5. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Nachdem sich alles wieder etwas beruhigt hat und die kontroversen Wortmeldungen zu Papst, Kirche, Holocaust und Erzkonservative ihr vorläufiges Ende gefunden zu haben scheinen, ist ein klärendes Wort sicher sinnvoll und hilfreich.

1. Es stimmt traurig, dass manche, die wissen, wie es sich wirklich verhält, wider besseres Wissen die Unwahrheit sagen und eine verantwortungslose Presse gerade solche Stimmen aufgreift, um der Kirche zu schaden und Verwirrung zu stiften. Darauf hat indirekt der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Kurt Koch, in einem Interview hingewiesen. Er habe kein Verständnis, so Koch, „für Reaktionen von sogenannt kritischen Theologen wie Hans Küng. Er tut so, als ob sich der Papst mit der Aufhebung der Exkommunikation definitiv mit den Traditionalisten versöhnt hätte. Dabei weiß er genau, dass das falsch ist. Er redet wider besseres Wissen. Das ist verantwortungslos.“

2. Es stimmt nachdenklich, dass unsere Bundeskanzlerin Anfang Februar fordert, Papst und Vatikan müssten "eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben darf. ... Diese Klarstellung“, so Frau Merkel, „ist aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“

Die Antwort aus dem Vatikan kam prompt. Der deutsche Papst, so Vatikansprecher Lombardi, habe seine Position zum Holocaust „mit großer Klarheit“ unter anderem am 19. August 2005 in der Kölner Synagoge, dann am 28. Mai 2006 beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, in der darauf folgenden Generalaudienz vom 31. Mai 2006 und erneut am Ende der Generalaudienz vom 28. Januar 2009 dargelegt.

In dieser Audienz erklärte der Heilige Vater: „In diesen Tagen, in denen wir der Shoah gedenken, kommen mir Bilder meiner wiederholten Besuche in Auschwitz wieder neu in Erinnerung, einem jener Lager, in denen ein höhnischer Mord an Millionen von Juden, den unschuldigen Opfern eines blinden Rassen- und Religionshasses, verübt wurde.

Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidariät für unsere Brüder, die Träger des ersten Bundes, bekunde, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu veranlassen möge, über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift, nachzudenken.

Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Verharmlosung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen Menschen verübt wird, wird gegen alle verübt. ,Kein Mensch ist eine Insel‘, schrieb ein bekannter Poet.

Die Shoah lehre sowohl den alten als auch den jungen Generationen, dass nur der mühsame Weg des aufeinander Hörens, der Weg des Dialogs, der Liebe und der Vergebung die Völker, Kulturen und Religionen der Welt zum gewünschten Ziel der Brüderlichkeit und des Friedens in Wahrheit führt. Gewalt soll die Würde des Menschen nie wieder demütigen.“ – So Papst Benedikt XVI. am 28. Januar 2009.

3. Im Innenbetrieb des Vatikans hat es in dieser ganzen Sache mit der Aufhebung der Exkommunikation wohl Kommunikationsschwierigkeiten und falsche Situationseinschätzungen gegeben. Demgegenüber sind die Pannen, die der Bundeskanzlerin hier unterlaufen sind, gravierender.

Die Manipulationen der Presse und anderer tun das Ihrige. Manche haben offenbar lange darauf gewartet, dem bisher guten Image von Papst Benedikt endlich einmal schaden zu können. Und viele sind darauf hereingefallen.

Was im Zusammenhang der Aufhebung der Exkommunikation wirklich passiert ist und warum der Hl. Vater sie vorgenommen hat, können sie in den nächsten Tagen auf unserer Home-Page nachlesen.

Ihr

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06 / 2009 - 4. Woche im Jahreskreis (B)

Der von Gott zur Heiligkeit berufene Mensch ist schnell von Unheiligem „besessen“.

Liebe Pfarrangehörige!

Im Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis begegnen wir auf eindringliche Weise dem Herrn als Erlöser. Am Sabbat in der Synagoge »lehrte er wie einer, der göttliche Vollmacht hat.«

Mit einer Vollmacht betreibt man Geschäfte für einen anderen; man handelt im Namen des anderen. – So lehrt auch der Herr nicht im eigenen, sondern im Namen Gottes. Aus diesem Grunde waren die Zuhörer in der Synagoge »sehr betroffen«, wie es im Evangelium heißt. Was Gott uns Menschen zu sagen hat, das geht an die Substanz.

Worüber der Herr im Einzelnen gesprochen hat, wird nicht überliefert. Aber man kann spekulieren und vermuten. Wahrscheinlich hat er über uns Menschen gesprochen und über die Notwendigkeit, in Beziehung zu Gott zu leben.

Wir sind, weil Gott die Liebe ist und er uns in Freiheit gewollt hat. Gott bringt Schaffen und Geben unmittelbar keine Erfüllung. Gott hat alles. Ihm fehlt nichts. Bei uns ist das anders. Zu unserem Leben gehören Tun und Schaffen unbedingt dazu. Nur so können wir uns entfalten und wir selber werden.

In vollendeter Weise gelingt das allerdings nur in enger Verbundenheit mit Gott. – Das wird es wohl gewesen sein, was der Herr seinen Zuhörern in einer Weise gepredigt hat, dass es sie mitten ins Herz traf.

Zum anderen berichtet das Evangelium von einem Besessenen, der vom Herrn geheilt wird. Auf den ersten Blick scheint das eine mit dem anderen nichts zu tun zu haben. Schauen wir aber genauer hin, wird ein tiefer Zusammenhang deutlich.

Jemand ist besessen, wenn er im Besitz von etwas anderem und nicht mehr Herr seiner selber ist. So kann jemand vom Sport, vom Geld oder von Machtwillen besessen sein. Besessenheit ist weit verbreitet. Es ist auch eine Form von Besessenheit, dass einer Umfrage nach in unserer Leistungsgesellschaft nahezu 90 % unserer Bürger das Zerbrechen anderer kalt lässt.

Die Predigt Jesu im Namen Gottes, der er selber als Mensch in der Einheit seiner Person ist, wie auch die Kraft, die von ihm ausgeht, rütteln die Menschen damals und uns heute auf und helfen frei zu sein von jeder Form von Besessenheit; frei von all dem, was uns in Beschlag nimmt, so dass wir nicht mehr das tun, was wir eigentlich und ganz tief von Innen heraus, wo Selbstsucht und Eigensinn uns noch nicht verbogen haben, tun wollen. Genau darauf spielt der Hl. Paulus im Römerbrief (7,15) an: »Ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse.«

Damit schließt sich der Kreis. Der Herr erklärt, dass und wie er uns aus dieser verstrickten Situation herausholt und erlöst. Er hilft uns, so zu wirken und zu arbeiten, dass wir uns nicht selber im Wege stehen und in Fesseln legen.

Im aufrichtigen Gespräch mit und vor Gott können wir diese unheilvolle Situation durchbrechen. Dann kommen wir auch zu uns selber.

Ich wünsche Ihnen, sich im Glauben auf das Gespräch mit Gott und vor ihm stehend einzulassen. – Lassen auch Sie sich, wie Jesu Jünger damals, von dieser Aufforderung »treffen«. Nehmen Sie sich Zeit für das Beten, für das Sprechen mit Gott über Ihr alltägliches Leben, Ihr Tun und Schaffen, und gehen Sie nicht gleich wieder zur Tagesordnung über.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05 / 2009 - 3. Woche im Jahreskreis (B)

Die Bekehrung des Hl. Paulus, Caravaggio 1573 – 1610, Rom: S. Maria del Populo

Liebe Pfarrangehörige!

Anlässlich des Paulus-Jahres (2000 Jahre Apostel Paulus) wird am kommenden Sonntag die Hl. Messe von der „Bekehrung des Hl. Apostels Paulus“ mit den für diesen Festtag vorgesehenen Lesungen gefeiert. In ihnen geht es um Bekehrung. Aus dem Saulus wird ein Paulus. Und es geht um Auserwählung und Mission. Paulus ist ein von Gott »auserwähltes Werkzeug« (Apg 9,15), dazu bestimmt, Großes und Bleibendes zu bewirken.

In der Geschichte war der Mensch immer wieder versucht, religiöses Sendungsbewusstsein für eigene Vorstellungen zu bemühen. Demgegenüber muss wahre und segensreiche Sendung immer uneingeschränkt in Gott verwurzelt bleiben, und sie setzt Bekehrung voraus.

Anlässlich der neuen Präsidentschaft in den Vereinigten Staaten hat sich die Kirche durch den Vorsitzender der US-Bischofskonferenz deutlich zu Wort gemeldet. Wenn sie das tut, dann nicht in politischen Fragen, die der freien Meinung überlassen sind, sonder ausschließlich in solchen Fragen, welche die in Gott gründende Wahrheit über den als sein Abbild geschaffenen Menschen berühren. Diese Wahrheit sieht die Kirche durch den neuen Präsidenten vor allem beim Lebensschutz Ungeborener deutlich gefährdet.

In einem Brief an US-Präsident Barack Obama nennt Kardinal Francis George, Erzbischof von Chicago und Vorsitzender der US-Bischofskonferenz als zentrales Anliegen der katholischen Kirche den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Wörtlich schreibt der Kardinal: „Ganz besonders werden wir das Leben der verletzlichsten und stimmlosen Mitglieder der Menschheitsfamilie beschützen, allen voran der ungeborenen Kinder und derjenigen, die behindert oder unheilbar krank sind ... Wir werden uns gegen gesetzliche oder andere Maßnahmen stellen, die Abtreibung ausweiten. Wir werden daran arbeiten, eine wesentliche und breit unterstützte Politik zu erhalten, die Respekt vor dem ungeborenen Leben zeigt, die Gewissensrechte des Gesundheitspersonals und anderer Amerikaner schützt und die verhindert, dass die Regierung Abtreibung finanziell fördert und vorantreibt."

Dieser Passus bezieht sich auf einen entsprechenden Gesetzesvorschlag. Barack Obama hatte wenige Wochen vor seiner Wahl erklärt: „Die erste Sache, die ich als Präsident machen werde, ist es, den ‚Freedom of Choice Act' zu unterzeichnen." Der „Freedom of Choice Act" ist ein Gesetzentwurf, der die Regelungen einzelner Bundesstaaten zur rechtlichen Beschränkung von Abtreibungen wieder einschränken soll. Im Klartext: Mit diesem Gesetz soll jedes Krankenhaus und jede Klinik dazu verpflichtet werden können, dem Klienten eine Abtreibung zu ermöglichen. Für katholische Krankenhäuser ein Unding.

Demgegenüber betont Kardinal Francis George: „Bemühungen, Amerikaner zu zwingen, Abtreibungen mit ihrem Steuergeld zu finanzieren, würden ein ernsthaftes moralisches Problem bringen und das Durchgehen wesentlicher Gesundheitsreformen aufs Spiel setzen." Eine Gesundheitsreform müsse jedes Leben „einschließlich ungeborenes Leben" schützen sowie die moralischen und religiösen Überzeugungen von Gesundheitspersonal und Patienten respektieren.

Kardinal George spricht weitere Themen dieser Art an. Der Kampf gegen HIV sollte auf „wirksame und moralisch angemessene Weise" fortgesetzt werden. Auch die gesetzlich verankerte Ehe ist der Kirche ein zentrales, da die innere Wahrheit des Menschen betreffendes Anliegen: Die Ehe ist, wie Kardinal George in dem Brief bekräftigt, eine „treue, exklusive, lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau und muss vor dem Gesetz eine solche bleiben".

Mehrfach hebt der Kardinal das Wohl der ärmsten Bevölkerungsschichten hervor, denen die besondere Sorge der Kirche gelte. Die Wiederherstellung der Wirtschaft dürfe sie nicht draußen vor lassen.

Damals wie heute sind Sendung und Auftrag wirksam und segensreich, wenn sie eng an Bekehrung gekoppelt bleiben. Mit letzterem, der Bekehrung, steht und fällt auch das US-amerikanische Sendungsbewusstsein. Die Geschichte der letzen Jahrzehnte hat dies immer wieder gezeigt. Dem neuen US-Präsidenten bleibt diese Verbindung von Sendung und Bekehrung von Herzen zu wünschen.

Papst Benedikt XVI. hat dies politisch korrekt dem neuen US-Präsidenten mit den folgenden Worten gewünscht: „Unter Ihrer Führung möge das amerikanische Volk damit fortfahren, in seinem beeindruckenden religiösen und politischen Erbe die geistigen Werte und ethischen Prinzipien zu finden, die für den Aufbau einer wahrhaft gerechten und freien Gesellschaft notwendig sind, welche sich durch die Achtung der Würde, der Gleichheit und der Rechte eines jeden ihrer Glieder und dabei besonders der Armen, der Ausgegrenzten und derjenigen auszeichnet, die keine Stimme besitzen."

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04 / 2009 - 2. Woche im Jahreskreis (B)

Johannes der Täufer erklärt den Schriftgelehrten seine Sendung - Bernardo Strozzi

Liebe Pfarrangehörige!

Die Tannenbäume sind abgeräumt, die Weihnachtszeit ist zu Ende. In vielen Kirchen darf die Krippe bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn, noch stehen bleiben. So auch bei uns. Dennoch hat der Alltag uns längst wieder fest im Griff.

Alltag gab es auch im Leben Johannes des Täufers. Aus der Adventszeit ist er uns noch in guter Erinnerung. An diesem Sonntag hören wir erneut von ihm. Er stand am Jordan, „wo er taufte und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes.“ Daraufhin folgten die beiden Jünger dem Herrn und blieben fortan bei ihm.

Für Johannes gehörte das Taufen zum Alltag wie für uns Planen und Terminabsprachen, Kaufen und Verkaufen, Diskutieren und Studieren usw. Aus seinem Alltag heraus „richtete Johannes seinen Blick auf den Herrn.“ – Es heißt „richtete“ und nicht „sah“. Die Augen auf jemanden richten ist viel intensiver als einfach nur hinschauen.

In starkem Kontrast dazu heißt es über Jesus, dass er „vorüberging“. Er hatte offenbar nicht vor, dort zu verweilen und das Gespräch zu suchen. Das verwundert.

Im Neuen Testament ist Wichtiges oft nur zwischen den Zeilen zu lesen. Jesus ging vorüber. Er ist in Sichtweite, aber er bleibt in einer gewissen Distanz. Er will Niemandem zu nahe treten, Niemandem etwas wegnehmen. Er drängt sich nicht auf und bedrängt nicht. Und doch hat er Wichtiges zu sagen und Befreiendes zu geben.

Die Jünger des Täufers blieben fortan beim Herrn und ließen den Täufer zurück. Hat Jesus ihm damit etwas weggenommen, ihm „Freunde ausgespannt“ und Unannehmlichkeiten bereitet? ... Und wie ist das in unserem Alltag mit Unannehmlich- und Schwierigkeiten?

Wenn wir genau hinschauen und im Alltag, gewissermaßen gerade aus ihm heraus, unseren Blick auf Jesus richten, wird uns die Erfahrung des Täufers zuteil. Der meist zurückhaltende, immer in einer gewissen Entfernung „vorübergehende“ Herr wird dann auch uns auf einmal sehr nahe sein, überraschender Weise gerade im Alltag. Er wird uns beschenken wie Johannes den Täufer, obwohl ihm seine besten Freunde und lieb gewonnenen Jünger genommen wurden.

Schaut man genauer hin: Für den Täufer ist dies kein Verlust. Sein Lebenswerk bestand doch darin, den Herrn als das „Lamm Gottes“, als den Erlöser kund zu tun. Genau hier nun werden seine Träume wahr. Indem der Täufer aus seiner alltäglichen Tätigkeit heraus ganz wachsam und aufmerksam für den Herrn ist, fügt sich alles in wunderbarer Weise.

Wenn Sie das, was hier im Evangelium erzählt wird, auf Ihren Alltag beziehen und ihn so vor Gott bringen und bedenken, wird Ihnen ein Licht aufgehen. Sie werden manches, was Ihnen schwer fällt, viel besser als wahre Erfüllung Ihres alltäglichen Tun und Schaffens verstehen. ... Auch das ist Erlösung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51 / 2008 - 4. Advents-Woche (B)

Geburt Christi – Detail Klarenaltar im Kölner Dom

Liebe Pfarrangehörige!

Papst Benedikt hat in einer Ansprache am vergangenen 17. Dezember nachdrücklich ermutigt, das Weihnachtsfest von den Krusten des Konsumdenkens zu befreien und zum wahren Sinn dieses Festes vorzudringen.

Weihnachten werde heute überall auf der Welt, nicht nur in christlichen Gegenden, gefeiert. An Weihnachten, so Papst Benedikt, »begegnen wir einem neugeborenen Kind; es ist ein Fest, welches das Geschenk des Lebens besingt.« Weit darüber hinaus sei Weihnachten für uns Christen zudem »das zentrale Ereignis der Geschichte, die Menschwerdung des Ewigen Wortes Gottes für die Erlösung der Menschheit.«

Dieses Ereignis ist für Papst Benedikt XVI. kein Fall einer abstrakten Sinnsuche, sondern Ausdruck dessen, dass Gott den Menschen zur Liebe zu ihm befähigen will. Wörtlich sagte der Heilige Vater: »Der Schöpfer des Alls hat Fleisch angenommen, er hat sich unlöslich mit der menschlichen Natur vereint. Weil wir mit unserem Denken seine Größe nicht fassen können, hat er sich aus Liebe klein gemacht, dass wir ihn lieben können. Gott ist nicht fern, sondern einem jeden von uns nahe. Über die Dürftigkeit und Kälte einer von der Sünde verwundeten Menschheit hinaus offenbart das göttliche Kind in der Krippe die barmherzige Güte des Herrn. Er kommt uns entgegen, um uns die Heil bringende Wahrheit zu schenken und uns teilhaben zu lassen an seiner Freundschaft und seinem Leben.«

So drücke ich meine Weihnachtswünsche für Sie und Ihre Familie mit dem aus, was der Heilige Vater aus der Wirklichkeit des weihnachtlichen Geheimnisses ableitet, indem der uns schlussfolgernd vor Augen führt: »Als derartig Beschenkte werden wir frei, auch den Erwartungen und Bedürfnissen unserer Mitmenschen zu Hilfe zu kommen. Christus schenkt uns sein Licht, und wir dürfen Zeugen des Lichtes sein, mit welchem die Heilige Nacht die Menschen erleuchtet.«

Von Herzen wünsche ich Ihnen in diesen Tagen die notwendige Zeit und Besinnung, den hier aufgezeigten wahren Sinn und den wirklichen Kern dieses Festes ganz persönlich für Ihr Leben neu zu entdecken und in seine unauslotbare Tiefe eindringend für sich weiter zu entschlüsseln.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50 / 2008 - 3. Advents-Woche (B)

Liebe Pfarrangehörige!

Der dritte Adventssonntag trägt den lateinischen Namen »gaudete«. Es ist das erste Wort des Messformulars von diesem Tag: »gaudete – freut euch« und geht auf den Hl. Paulus zurück, der im Philpperbrief (4,4-5) schreibt: »Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich euch: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.«

Die Freude des Advents kann und sollte die Freude eines jeden Tages sein: Jesus ist nahe und kommt uns immer näher. Darüber hinaus kommt der Herr zu uns nicht in der Betrübnis, sondern in der Freude: »Freue dich, du Begnadete, der Herr ist mit dir«, verkündet der Engel Maria (Lk 1,28). Der Grund für ihre Freude ist die Nähe des Herrn. Und auch Johannes der Täufer, noch im Leibe der Mutter, gibt seiner Freude über die Nähe des Messias Ausdruck (vgl. Lk 1,41). Den Hirten verkündet der Engel: »Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren.« (Lk 2,10-11)

Jesus zu besitzen macht froh, ihn zu verlieren traurig. So sagt ein Schriftsteller unserer Zeit ganz zu Recht: »Alle seine Geheimnisse sind Mysterien der Freude; die Mysterien des Schmerzes aber sind von uns verursacht.« (P.A. Reggio, Vergiß die Freude nicht, Freiburg 1958) Der eigentliche Ursprung unserer Traurigkeiten ist das Abrücken von Gott durch Lauheit oder in der Sünde.

Der Advent ist eine Zeit der Besinnung; eine Zeit, in der man in sich geht und sich mit großem Vertrauen auf Gottes Hilfe erneut daran begibt, dass zu begradigen und wieder zu glätten, was durch Nachlässigkeiten, Enttäuschungen, Egoismen, noch unerzogenen Leidenschaften an und in uns krumm oder uneben geworden ist.

Unser Beitrag ist verglichen mit dem, was Gott uns dann erneut schenken kann und wird, eher der kleinere und unbedeutende Teil, auch wenn er uns möglicherweise sehr große Anstrengungen kostet. Aber verglichen mit der Fülle an Freude und Glaubenszuversicht und all dem Licht und all der Liebe, die Gott uns dann schenken kann – weil er einen vorbereiteten Acker, ein dafür »bearbeiteten« und offenen Menschen vorfindet, ist es mehr als lohnend, diese »Umkehrarbeit« auf sich zu nehmen, und mögliche Trägheiten zu überwinden.

So wünsche ich Ihnen aus ganzem Herzen eine gesegnete Adventszeit. Möge die oben beschriebene Erfahrung auch Ihnen zuteil werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 49 / 2008 - 2. Advents-Woche (B)

Johannes der Täufer sinnt nach über das "Lamm Gottes" - Bild von Hieronymus Bosch - In Demut und mit sichtbarem Staunen sinnt der Täufer über den nach, der von ihm getauft werden möchte, obwohl Johannes sich nicht einmal wert weiß, „ihm die Schuhe aufzuschnüren“.

Liebe Pfarrangehörige!

Die Zeit des Advents ist ähnlich wie die Fastenzeit eine Zeit der Umkehr und Bekehrung, der Buße und Besinnung. Die so genannte liturgische Farbe dieser Zeit ist das Violett. Es drückt die Trauer darüber aus, dass es uns Menschen nicht leicht ist, in diesem Frieden zu leben, der uns zu Weihnachten verheißen wird.

Zugleich ist Advent die Zeit des Hoffens und der Erwartung. Wir hoffen darauf, dass es mit Gottes Gnade allem zum Trotz doch möglich wird, in einem Frieden zu leben, der unsere begrenzten Möglichkeiten übersteigt.

Johannes der Täufer sagt und zeigt uns, wie das geht. Er wird uns an diesem 2. Adventsonntag wieder vor Augen geführt. Es sind nicht nur seine Worte, es ist auch seine Haltung, die uns den Weg dazu weisen, in Erwartung zu leben, dass Dinge möglich werden, die uns überfordern.

Johannes trat als Prophet auf, herb und streng. In rauen Kamelhaaren gekleidet und nur von Heuschrecken und wildem Honig lebend ruft er dazu auf, dem Herrn den Weg zu bereiten und ihm den Weg zu ebnen. Wie von selber, und das ist ja auch die Absicht des Bußpredigers Johannes, fragt man sich da: Was tue ich denn dafür? Wo und wie bereite ich dem Herrn den Weg? Gibt es etwas Unehrliches in meinem Leben? Bin ich mir, anderen oder Gott gegenüber nicht Aufrecht? Lass ich innere Risse und Verwerfungen zu, ohne etwas dagegen zu unternehmen?

Neben der strengen und herben Bußpredigt ist Johannes zugleich sanft und demütig. Er beugt sich vor dem Größeren, der nach ihm kommt. Das eine wie auch das andere sind nötig: Eine gesunde Strenge gegen sich selber und ein immer innigeres und demütigeres Vertrauen darauf, dass nicht unserer Umkehr nachhaltige Änderung bewirkt, sondern das Wirken Gottes. Denn: Wenn wir tun, was uns möglich ist, dann tut Gott, was jenseits unserer Möglichkeiten liegt; denn es gilt: „Nicht der Mensch bereitet den Weg zu Gott, sondern Gott bahnt sich selber eine Straße zum Mensch. Nicht der Mensch vermag durch sein eigenes Bemühen Gott zu erkennen, sondern Gott gibt sich, durch die Offenbarung seiner Herrlichkeit, aus freien Stücken den Menschen zu erkennen. Nicht der Mensch macht Gottes Wort wirksam, sondern Gottes Wort währt und bewährt sich trotz des Versagens des Menschen. Nicht der Mensch geht zu Gott, sondern Gott kommt zum Menschen.“ (Notger Füglister)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit und bedanke mich zudem für die Caritas-Tür-Kollekte, die 186,45 Euro erbrachte.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebramdt

 

Pfarrnachrichten 48 / 2008 - 1. Advents-Woche (B)

Liebe Pfarrangehörige!

Vor uns liegen vier Wochen der Einstimmung und Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Von Angelus Silesius stammt das Wort: Und wäre Gott tausendmal geboren, aber nicht in dir, du wärest dennoch ewiglich verloren.

Als vor 2000 Jahren nach vielen Ankündigungen der Messias endlich kam, gab es nur wenige, die ihn wirklich erwarteten. Das bemerkt der Evangelist Johannes im Prolog seines Evangeliums: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Viele jener Menschen hatten das entscheidende Ereignis ihres Lebens und der Welt versäumt.

Seid wachsam, sagt der Herr im Evangelium, und der heilige Paulus ermahnt im Römerbrief, aufzustehen vom Schlaf. Auch uns könnte widerfahren, dass wir den wichtigsten Moment unseres Daseins verpassen. Deshalb beten wir mit dem Antwortpsalm vom Montag der 1. Adventswoche: Ruft die ganze Welt zusammen, verkündet es den Nationen und sagt: Schaut auf Gott, unseren Erlöser, der kommt. Verkündet es, dass man es hört; ruft es mit lauter Stimme. Vier Wochen im Voraus können wir uns auf die Feier der Geburt des Herrn voll Zuversicht vorbereiten.

In Erinnerung an die Menschwerdung Gottes gedenkt die Kirche zugleich jener Wiederkehr des Herrn, die am Ende unseres eigenen Lebens und am Ende aller Tage stattfinden wird. So ist der Advent eine Zeit der Vorbereitung und der Hoffnung.

Komme zu uns, Herr, und säume nicht! Nicht lange mehr wird es dauern, bis der Herr kommt. Wir wollen ihm den Weg bereiten! Sollten wir merken, dass unser Blick getrübt ist und wir jenes Licht aus Betlehem, das von Jesus ausgeht, nicht klar erkennen, dann ist der Augenblick gekommen, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Es ist der Augenblick, eine gute und sorgsame Gewissenserforschung zu halten und uns innerlich zu läutern. Um Gott empfangen zu können muss man in einem ersten Schritt feststellen, welche Dinge uns von Gott trennen und sie in einem zweiten Schritt weit von sich stoßen. Diese Selbstprüfung muss bis zu den Motiven unserer Handlungen hinabreichen, bis zu den tieferen Gründen, die unser Tun bestimmen.

Es hat viele aus unserer Gemeinde bewegt, dass Gott eher unerwartet zwei unserer »Säulen«, die sich unermüdlich für die Belange der Pfarrei eingesetzt haben, zu sich gerufen hat: Frau Prinz und Herrn Baum. Wir sind zuversichtlich, dass sie in Erfüllung von dem, was sie immer geglaubt haben nun vor einem überaus gnädigen Richter stehen, der ja zugleich unser Erlöser ist.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47 / 2008 - 34. Woche im Jahreskeis (A)

Liebe Pfarrangehörige!

Nach den zwei schönen Gottesdiensten mit unserem Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner am vergangenen Sonntag anlässlich des 80. Geburtstages des Opus Dei und darauf folgend am letzten Freitag mit unserem Weihbischof M. Melzer gemeinsam mit vielen jungen Ehe- und Brautpaaren, die hier in St. Pantaleon geheiratet haben oder noch heiraten werden, geht nun das Kirchenjahr mit dem Christkönigsfest an diesem Sonntag mit der darauf folgenden Woche zu Ende.

"Der Herr thront als König in Ewigkeit. Der Herr segnet sein Volk mit Frieden", heißt es im Kommunionvers der Hl. Messe zum Christkönigsfest. Zu diesem Fest hat Papst Johanns Paul II. einmal gesagt: "Die Liturgie dieses Festes bringt uns in besonderer Weise zum Bewusstsein, dass die Geschichte des Menschen und der Welt in dem vom gekreuzigten und auferstandenen Christus geoffenbarten Reich ihre endgültige Vollendung finden muss."

All die vielschichtigen und ineinander greifenden Heilsgeheimnisse, die wir im Laufe des Kirchenjahres gefeiert haben – wie die Menschwerdung, die Auferstehung, die Sendung des Heiligen Geistes usw. – münden in das Fest von Christus, dem König. Als Papst Pius XI. im Jahre 1925 dieses Fest einführte, ging es ihm jedoch "nicht so sehr um das heilsgeschichtliche Königtum Christi, sondern um den sozialen und staatspolitischen Wert der Christkönigsidee: die Völker können in sich und untereinander den Frieden nicht finden, wenn sie sich nicht Christus unterordnen."

Am Christkönigstag feiern wir einen König, der sein Reich nicht auf Eroberung gründet, sondern auf die Fürsorglichkeit eines Hirten, ganz so, wie es in der Lesung zum Fest heißt: "Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben."

Gott hat die durch die Sünde verirrten und kranken Menschen aufgesucht, ihre Wunden geheilt und sein Reich als Zeichen des Heils unter den Menschen errichtet. Mit der Gnade Gottes sollen sie in der Kraft der Hoffnung auf das zukünftige Heil eine Welt aufbauen, in der Gerechtigkeit und geschwisterliche Gesinnung herrschen. Darum betet die Kirche und bekennt in der Präfation der Messe zum Fest: "Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens."

"Die einen reduzieren die Religion auf einen Katalog von Verboten oder begnügen sich mit einem konturlosen Katholizismus. Die anderen wollen den Herrn mit dem Gesicht zur Wand stellen oder in eine Dunkelkammer der Seele verbannen ... Ihnen gegenüber müssen wir in Wort und Tat bekräftigen, dass wir Christus zum wirklichen König aller Menschenherzen machen wollen!" (Hl. Josefmaria Escrivá). So wird der Herr gegenwärtig sein in unseren Familien, Freunden, Nachbarn, Kollegen und Bekannten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hiledbrandt

 

Pfarrnachrichten 46 / 2008 - 33. Woche im Jahreskeis (A)

Liebe Pfarrangehörige!

Wir freuen uns sehr darüber, in den nächsten Tagen und Wochen gleich mehrfach die Eucharistie unter dem Vorsitz unseres Kölner Ortsbischofs, Joachim Kardinal Meisner und einer unserer Weihbischöfe, Manfred Melzer, feiern zu können.

Unser Erzbischof wird an diesem Sonntag (17.11.) hier bei uns in St. Pantaleon die Heilige Messe zum Dank für 80 Jahre Opus Dei feiern. Uns gereicht es zur Ehre, dass so die Verbundenheit aller im Geiste Jesu und seiner Botschaft Lebender feierlich zum Ausdruck kommt und bestärkt wird.

Anlässlich des 80. Gründungstages des Opus Dei am 2. Oktober 2008 erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dass das Opus Dei vielen Menschen helfe „sich der eigenen Berufung zur Heiligung des Lebens gewiss zu werden“.

Dabei zeichnete Zollitsch auch den kirchenrechtlichen Weg des Opus Dei nach, dem heute 87.000 Mitglieder weltweit angehören, davon knapp 600 in Deutschland. Mit der Errichtung als Personalprälatur im Jahr 1982 „erfuhr die äußere sowie die kirchenrechtliche Gestalt ihre endgültige Ausprägung“, erläuterte der Freiburger Erzbischof.

Auf Kritik am Opus Dei eingehend schrieb Zollitsch: „Natürlich blieben der Gemeinschaft Konflikte und Enttäuschungen, sogar Missverständnisse und harte Kritik nicht erspart. Dies gehört in der Regel mit zu einem Weg der Heiligkeit, der nicht ohne Läuterung und ohne Klärung gegangen werden kann. Das Opus Dei ist eine profilierte katholische Gemeinschaft, die sich durch eine enge und treue Verbundenheit mit der Kirche besonders auszeichnet.“

Ein weiteres Mal werden wir unseren Erzbischof am 12. Dezember, dem großen Feiertag der Gottesmutter von Guadalupe (Mexiko), hier in St. Pantaleon begrüßen dürfen. Über die Jahre hin hat sich in unserer Pfarrkirche eine schöne, Völker verbindende Tradition entwickelt. An diesem Tag kommen seit Jahren sehr viele lateinamerikanische Christen hier zusammen, um fern ihrem Heimatland dennoch allen nahe zu sein, die im Glauben verbunden sind. Die Gottesmutter von Guadalupe ist nicht nur die große Patronin Mexikos, sondern auch aller anderen südamerikanischen Länder. Sie wird inzwischen auch in unserem Land in einem eigenen Gedenktag gefeiert.

Zuletzt werden wir im Rahmen der bischöflichen Visitation gemeinsam mit Weihbischof Manfred Melzer am Freitag, dem 21.11. die Abendmesse mit sichtlich größerer Feierlichkeit feiern. Weihbischof Melzer wird sich anschließend mit über 30 Ehe- und Brautleuten im Pfarrsaal treffen und sich mit ihnen über das „Ja“-Wort austauschen, dass sie sich in den letzten Monaten in St. Pantaleon gegeben oder in den nächsten Monaten noch geben werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45 / 2008 - 32. Woche im Jahreskeis (A)

Lateranbasilika in Rom

Liebe Pfarrangehörige!

An die Stelle dieses Sonntags tritt der Jahrestag der Kirchweihe der Lateranbasilika in Rom. Kaiser Konstantin ließ sie auf einem Grundstück bauen, auf dem die Kaserne der berittenen Leibgarde gestanden hatte. Die Basilika wurde 324 von Papst Silvester I. dem Erlöser geweiht. Im 12. Jahrhundert kamen die heiligen Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist als Patrone hinzu. Im anliegenden Lateranpalast residierten die Päpste vom 4. Jahrhundert bis zum Exil von Avignon (14. Jahrhundert). Papst Benedikt XIII. hat diese Kirche nach umfangreichen Restaurationsarbeiten neu eingeweiht und den 9. November als Kirchweihtag bestätigt.

Die Lateranbasilika ist die älteste Papstkirche und führt den Titel »Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises.« Deshalb wird der Weihetag dieser Kirche weltweit gefeiert.

Der Brauch, das Jahrgedächtnis einer Kirchweihe zu feiern, wurzelt im Alten Testament. Im Jahre 165 v. Chr. zogen Judas Makkabäus und seine Brüder mit dem ganzen Heer, nachdem sie ihre Feinde geschlagen hatten, nach Jerusalem hinauf, um den von den Heiden entweihten Tempel des Herrn zu reinigen und neu zu weihen. Damals wurde beschlossen, den Weihetag Jahr für Jahr zur selben Zeit mit festlichem Jubel zu begehen.

Die Kirche hat den Brauch, den jährlichen Weihetag zu feiern, übernommen. Dabei steht aber nicht mehr so sehr das Gotteshaus im Mittelpunkt, sondern Christus. Das wird etwa im Tagesgebet deutlich, in dem das Kirchengebäude symbolisch betrachtet wird: »Erhabener Gott, du erbaust dir aus lebendigen und erlesenen Steinen ein ewiges Haus. ... Lass alle Gläubigen in der Gnade wachsen, bis das Volk, das dir gehört, im himmlischen Jerusalem vollendet wird.«

In der Lesung wird das Symbol vom Gebäude vertieft. Paulus schreibt im ersten Brief an die Korinther: »Ihr seid Gottes Bau. ... Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?«

Daran knüpft etwa Cäsarius, Bischof von Arles, im 6. Jahrhundert in einer Predigt zu diesem festlichen Weihetag an: »Durch die Güte Gottes dürfen wir heute den Weihetag dieses Gotteshauses mit Freude und Jubel begehen. Der wirkliche und lebendige Tempel jedoch müssen wir selber sein. Dennoch feiern die christlichen Völker mit Recht das Fest der Mutterkirche, weil sie wissen, dass sie durch diese Kirche im Geist wiedergeboren wurden. «

Die Mater et caput omnium ecclesiarum urbis et orbis (Mutter und Haupt aller Kirchen der Hauptstadt und des Erdkreises), wie es in der Inschrift auf der Fassade heißt, lässt die Gemeinschaft der Heiligen »berührbar« werden. Man kann sich einreihen in den Zug von Menschen, die hier gebetet haben, seit den Anfängen der Kirche bis heute.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

 

Pfarrnachrichten 44 / 2008 - 31. Woche im Jahreskeis (A)

William-Adolphe Bouguereau (1825-1905) - The Day of the Dead (1859)

Liebe Pfarrangehörige!

Für diese Pfarrnachrichten gibt es dieses Mal gleich mehrere »Pfarr-Nachrichten« auf einmal, so dass ich für den geistlichen Impuls zum Sonntagsevangelium diesmal auf die Predigt allein verweisen muss.

1. Der Pfarrgemeinderat möchte erstmalig in diesem November am ersten Sonntag im Monat alle Gottesdienstbesucher nach der Kinder- und Familienmesse zu einem Stehbeisammensein im Westwerkgewölbe einladen. In der Gottesdienstordnung wird das von nun an mit »Jour – Fix vor dem Westwerk« angekündigt.

Für diese Initiative bin ich sehr dankbar. – Es wäre schön, wenn die Intention, sich einmal in Ruhe austauschen, sich einmal besser kennen lernen und eine Weile schöner Geselligkeit nach gemeinsamem Gottesdienst erleben zu können, bei vielen Anklang findet und von vielen geteilt würde. Dem Pfarrgemeinderat sind wir schon jetzt für sein Bemühen dankbar, zu jeder Jahreszeit passend eine Kleinigkeit vorzubereiten, die das Ihrige beiträgt, dass wir im Sommer der Hitze und im Winter der Kälte mit guter und bester Laune werden antworten können.

2. Der Pfarrgemeinderat kommt vom 7. bis 8. November zu einer Klausurtagung in Bensberg zusammen, um über gemeinsame Schwerpunkte für die Zukunft nachzudenken und sich auszutauschen. Im Namen aller darf ich um Ihre Begleitung und um ein Mittragen dieses wichtigen Anliegens im Gebet bitten.

3. Am Sonntag, dem 16. November freuen wir uns auf unseren Kardinal Joachim Meisner. Der Kölner Erzbischof wird hier in St. Pantaleon mit uns allen – ausnahmslos jeder ist herzlich willkommen und persönlich dazu eingeladen – um 11:00 Uhr das Hochamt feiern anlässlich des 80. Geburtstages des Opus Dei, das am 2. Oktober 1928 auf Gottes Eingebung hin der Heilige Josefmaria Escrivá de Balaguer ins Leben rief. Vor gut zwei Jahren, am 10.8.2006, hat unser Kardinal bereits den Altar zu Ehren des Heiligen Gründers in der Josefmaria-Kapelle gesegnet. Seitdem wird der Heilige auch in unserer Kirche besonders verehrt.

4. Am Freitag, dem 21. November wird im Rahmen der Visitation unseres Dekanates Weihbischof Manfred Melzer um 18:30 Uhr die Abendmesse in St. Pantaleon feiern und sich anschließend mit jungen Braut- und Ehepaaren und allen am Thema „Ehe und Familie“ Interessierten zu einem Austausch und einer Begegnung im Pfarrsaal treffen. Es geht bei diesem Treffen vor allem um das bei der Ehe gesprochene „Ja-Wort“ (vgl. hierzu den gesonderten Aushang). Auch dazu darf und möchte ich Sie alle von ganzem Herzen einladen.

Zwei Bischofsmessen hintereinander und dann ein so gewichtiges und für unsere Gesellschaft so zentrales Thema: Das lässt man sich doch auch dann nicht entgehen, wenn man sonst schon mal „kölsch-katholisch“ liebäugelt.

Am Hochfest Allerheiligen dürfen wir uns erneut unser aller Berufung zur Heiligkeit bewusst werden und am Allerseelentag gedenken die Priester bei der Feier der Eucharistie ganz besonders all Ihrer lieben Verstorbenen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43 / 2008 - 30. Woche im Jahreskeis (A)

Zum Weltmissionssonntag 2008: Schlusswort der Botschaft von Papst Benedikt XVI zu diesem Anlass:

Liebe Brüder und Schwestern, die Feier des Weltmissionstags ermutige Euch zu einem erneuerten Bewußtsein von der dringenden Notwendigkeit der Verkündigung des Evangeliums. Ich kann nicht umhin, mit lebendiger Wertschätzung den Beitrag der Päpstlichen Missionswerke zur Evangelisierungstätigkeit der Kirche zu betonen. Ich danke Ihnen für die Unterstützung, die sie allen Gemeinden und insbesondere den jungen unter ihnen anbieten. Sie sind ein wertvolles Instrument für die missionarische Animation und Bildung des Gottesvolkes und fördern die Gemeinschaft von Menschen und Gütern zwischen den verschiedenen Teilen des mystischen Leibes Christi. Die Kollekte, die am Weltmissionstag in allen Pfarrgemeinden stattfindet, soll Zeichen der Gemeinschaft und der gegenseitigen Fürsorge unter den Kirchen sein. Schließlich soll unter dem christlichen Volk auch das Gebet mehr und mehr intensiviert werden, denn es ist ein unverzichtbares geistliches Instrument, damit unter allen Völkern das Licht Christi, »das Licht selber« verbreitet wird, »das über allen Dunkelheiten der Geschichte« leuchtet. Während ich dem Herrn die apostolische Arbeit der Missionare, der Kirchen in aller Welt und der Gläubigen, die auf unterschiedliche Weise missionarisch tätig sind, anvertraue, bitte ich um die Fürsprache des Apostels Paulus und der allerseligsten Jungfrau Maria, »lebendige Bundeslade«, Stern der Evangelisierung und der Hoffnung, und erteile allen den Apostolischen Segen.

 

Pfarrnachrichten 42 / 2008 - 29. Woche im Jahreskeis (A)

Liebe Pfarrangehörige!

In hinterlistiger Weise wurde Jesus einmal gefragt, ob es erlaubt sei, »dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht?« Hätte sich Jesus für das Zahlen dieser „Kopfsteuer“ und damit für die römische Besatzungsmacht ausgesprochen, hätten er vor den frommen Juden seine Autorität als Rabbi verloren. Im anderen Fall wäre er mit der römischen Besatzungsmacht in einen ernsten Konflikt geraten. Die Verweigerung, gar die Auforderung, dem Kaiser keinen Tribut zu bezahlen, konnte als Aufruhr deklariert und in der Folge mit dem Tod bestraft werden. – Jesus entgeht der „Zwickmühle“ mit der bekannten Antwort: »Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.«

Schauen Sie sich einmal die römische Steuermünze dieser Zeit, ein Denár, näher an! Auf der Vorderseite ist der Kopf des Kaisers Tiberius aufgeprägt, geschmückt mit einem Lorbeerkranz. Schon das Portrait läuft dem biblischen Bilderverbot zuwider und war für den echten Juden ein Greuel. Darüber hinaus lautet die umlaufende Schrift in ihrer vollen, auf der Münze abgekürzten Länge: »TI(berius) CAESAR DIVI AUG(usti) F(ilius) AUGUSTUS«! Übersetzt: »Kaiser Tiberius, der erhabene Sohn des göttlichen Augustus!« Für gläubige Juden der noch größere Skandal! Ein Mensch - und wenn es auch der Kaiser selbst war – gibt sich als Sohn eines Gottes aus!

Die Rückseite ist nicht weniger anstößig: Die Kaiserin-Mutter Julia Augusta Livia sitzt auf einem Götterthron, mit einem Zepter in der Rechten und einem Ölzweig in der Linken. Die Inschrift der Vorderseite wird fortgesetzt: »PONTIF(ex) MAXIM(us)« – zu deutsch »Hoherpriester«!

Leben wir nicht auch heute in der Gefahr, die Finanzen und uns selber in den Mittelpunkt zu rücken, als das Einzige was zählt und wichtig ist? Wie fragwürdig das ist, führt uns im Augenblick die weltweite Finanzkrise täglich vor Augen.

Jesu Aufforderung hingegen lautet: »Gebt Gott, was Gott gehört.« Das bedeutet: Gebt Gott, was er euch zuerst gegeben hat; antwortet auf seine grenzenlose Liebe und gebt sie dabei weiter an Euren Nächsten. – Dem „Kaiser" zu geben, was sein Recht ist, ist genau festgelegt. Aber Gott zu geben, was Gottes ist, kennt keine Grenzen und keine Beschränkungen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

 

Pfarrnachrichten 41 / 2008 - 28. Woche im Jahreskeis (A)

Liebe Pfarrangehörige!

Ein König lädt ein zur Hochzeit seines Sohnes. Die vorgesehenen Gäste verschmähen auch die zweite Einladung, misshandeln die einladenden Diener und bringen einige sogar um. Der König lässt die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Die zuerst Geladenen waren der Einladung nicht wert.

Daraufhin wird jeder auf der Straße eingeladen. Der Festsaal füllt sich mit Guten und Bösen. Darunter ist jedoch einer ohne Hochzeitgewand. Vom König darauf angesprochen weiß er nichts zu sagen. So wirft ihn der König hinaus in die äußerste Finsternis.

Das biblische Gleichnis stellt die Erzählung unter die abschließende Feststellung: »Viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.«

Das passt zum Erntedank. Alles wirklich Wichtige im Leben wird uns geschenkt, letztlich von Gott. Man muss Gottes Geschenke aber auch annehmen. Dazu gehört die rechte Einstellung und ausreichende Vorbereitung. 

Zur Zeit Jesu kamen Hochzeitgäste zu Fuß von weither. Im Eingang wurden ihnen die Füße gewaschen und gegebenenfalls Hochzeitsgewänder geliehen. Wer ein solches Gewand ablehnte, der nahm den Einladenden und seine Gastfreundschaft nicht ernst.

Vor dem Hintergrund dieses Gleichnisses werden wir am Erntedank-Sonntag vor allem mit zwei Schicksals-Fragen konfrontiert:

1)      Pflege und vertiefte ich das Bewusstsein, von Gott Geladener zu sein, um seine Einladung ausreichend schätzen und ihr so folgen zu können?

2)      Ist meine Dankbarkeit Gott gegenüber so innig und intensiv wie das Anziehen eines Hochzeitkleides, was vor dem Schicksal des Gewandlosen bewahrt?

Dankbarkeit öffnet die Herzen: Sie öffnet das Herz des Empfangenden wie das des Gebenden. Noch genauer: Dankbare schenken und werden beschenkt: Ihre Herzen sind offen und sie öffnen nicht nur das Herz der Gebenden.

Deshalb zieht Dankbarkeit Freude nach sich. Beides kennzeichnet gelebten Glauben. Auch aus diesem Grunde fällt es in der Nähe echter Christen so wunderbar leicht zu glauben. – Darum geht es beim Erntedank!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40 / 2008 - 27. Woche im Jahreskreis (A)

Liebe Pfarrangehörige!

In den Lesungen des Alten wie des Neuen Testamentes geht es diesen Sonntag noch einmal um einen Weinbergbesitzer, der sich leidenschaftlich für seinen Weinberg einsetzt. Ein guter Ertrag wird ihm aber vorenthalten. Daraufhin entbrennt sein Zorn.

Weder das alttestamentliche Weinberglied noch die neutestamentliche Weinbergerzählung streichelt unsere Ohren. Beide Male erscheint der Besitzer schroff und hart. Der deshalb möglichen, aber falschen Vorstellung eines drohenden Gottes, der Angst einjagt und uns Menschen endgültig abschreibt, wird durch die mittlere Lesung aus dem Philipperbrief grundlegend widersprochen. Paulus erinnert hier an den Gott des Friedens!

So wird mit den beiden biblischen Weinbergüberlieferungen der Einsatz Gottes zum Wohl der Menschen veranschaulicht. Mit allen Fasern seines Wesens müht sich Gott, dass wir wachsen und gedeihen. Wenn das nicht gelingt und statt der erhofften süßen Trauben nur saure Beeren wachsen, bleibt Gott nicht gleichgültig, weil wir ihm nicht gleichgültig sind. Die Drohung, den Weinberg zu zerstören und ihm zum Ödland zu machen, ist eine sehr ernste Warnung, die uns vor der Selbstzerstörung durch einen Lebenswandel bewahren will, der uns nicht entspricht.

So hinterfragt Gott durch seine Heilige Schrift unsere Lebensführung. Mit Nachdruck fragt er, ob unser Lebenswandel süße Trauben oder saure Beeren hervorbringt. Er fragt danach, weil wir ihm so wichtig sind. So wie aus Liebe der Geduldsfaden reißen kann, weil der Geliebte nur durch drastische Maßnahmen wieder zur Vernunft zu bringen ist, so konfrontiert Gott mit den Folgen nachlässigen und widersprüchlichen Handelns, mit dem man sich auf Dauer selber zerstören würde. – Das Neue Testament betont dabei die enge Verbundenheit zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn, der zu uns gesandt wurde. Nur durch, mit und in ihm – dem von den Menschen verworfenen Eckstein –, können wir in dieser Welt schmackhafte Früchte bringen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Bekehrungsszene: Augustinus liest den Römerbrief; B. Gozzoli, 1465

Pfarrnachrichten 39 / 2008 - 26. Woche im Jahreskreis (A)

„Zöllner und Dirnen kommen eher in das Reich Gottes als ihr" (Matthäus 21, 31). Jesus sagt dies zu Pharisäern und Schriftgelehrten, die hohes Ansehen genießen und Verantwortung für das Volk tragen. Eine Provokation! - Heute ist man allerdings an Provokationen gewöhnt. Zudem ist Prostitution fast schon als ganz normaler "Dienstleistungsberuf" anerkannt.

Dafür kann man sich jedoch nicht auf den Herrn berufen. Er meint etwas ganz anderes. Und die Dirnen, von denen er spricht, sind solche, die sich bekehren. In den biblischen Lesungen dieses Sonntags geht es um persönliche Umkehr, um die radikale Wandlung der Einstellung, nicht um die Umkehrung moralischer Normen.

Umkehr ist allerdings nicht nur eine Sache des guten Willens. Umkehr ist ein Prozess im Inneren, vergleichbar einem Sturm, der uns aufwühlt. Umkehr ist wie das Salz in der Speise, wie Sauerteig im Mehl, wie das Wachsen der Saat auf dem Acker. Umkehr ist etwas, das wir selber nur sehr bedingt machen können. Umkehr geschieht auch mit uns. Umkehr beginnt am ehesten, wenn wir begreifen, dass wir nicht in allem Herr der Lage sind; dass wir uns haben verleiten lassen zu einem Tun, das unserer Würde nicht in allem entspricht, oder in dieser Hinsicht zumindest verunsichert sind. Dann kommt unser Inneres in Bewegung. Dann wird man sich bewusst, dass man Hilfe, am Ende Gottes Hilfe braucht.

Menschen in einer solchen Situation sind für Neues aufgeschlossen. Sie nehmen Hilfe dankbar an. So öffnet sich manchen gerade in einer schwierigen Lebenssituation nach schmerzlichen Erlebnissen die Welt des Glaubens. Anderen öffnet sie sich, wenn sie überwältigt werden von der wahren Schönheit des Lebens. So sieht Jesus in den Zöllnern und Dirnen weniger die verwerfliche Tat. Er sieht ihr Elend, das ihr Leben bestimmt. Wenn auch sie das erkennen, dann haben sie eine größere Chance als die, die im Wohlstand lebend sich scheinbar auch im Religiösen nichts vorzuwerfen haben.

Die biblischen Lesungen sind eine Aufforderung, zu unseren Schwächen zu stehen; sie nicht zu verdrängen, als hätten wir sie nicht, um sie dann vor Gott zu bringen mit der Bitte um seine Hilfe und Vergebung. Es ist ein Segen, wenn gerade auch die, denen es gut geht, keine Scheu davor haben, sich vor Gott in Frage stellen zu lassen, um sich dann seiner Gnade erneut anzuvertrauen.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 38 / 2008 - 25. Woche im Jahreskreis (A)

Die Sonntagslesungen verbindet ein Grundgedanke: Gott ist anders. Gottes Wege und Gedanken unterscheiden sich vielfach von unseren Gedanken und Wegen. – Wir fragen oft: Was haben wir davon? Was bekommen wir dafür? Man wird gewöhnlich nach Leistung bezahlt. Wer viel leistet, bekommt entsprechend mehr.

Das Sonntagsevangelium stellt diese in vielen Bereichen durchaus sinnvolle Regelung auf den Kopf: Am Ende eines langen Arbeitstages bekommen die Tagelöhner, die vom frühen Morgen an im Weinberg gearbeitet haben, genauso viel wie diejenigen, die erst in der letzten Stunde für die Arbeit gewonnen wurden. Alle bekommen genau einen Denar, unabhängig davon ob sie von früh bis abends geschuftet oder nur die letzte Stunde des Tages noch mitgearbeitet haben. Der Ärger der Ersten ist groß und zuerst einmal verständlich.

Auf der anderen Seite gibt es Arbeiten, die unbezahlbar sind. Wer kann die Zeit bezahlen, die ein Ehemann für seine bettlägerige Frau aufbringt? Was ist der Einsatz eines gut verdienenden Familienvaters wert, der die Spülmaschine ausräumt, mit den Kindern zum Spielen in den Wald geht oder sie zu Bett bringt? – Gott handelt an uns wie ein Familienvater. Er ist wie eine Mutter, die am Ende eines Monats das Haushaltsgeld nicht nach der jeweils aufgebrachten Leistung unter den Familiemitgliedern verteilt; sondern allen an Liebe alles gibt.

Genau einen Denar! Soviel bekam jeder, der sich vom Herrn für die Arbeit im Weinberg gewinnen ließ. Mit einem Denar konnte auch eine große Tagelöhnerfamilie einen Tag lang sehr gut auskommen. – So gibt auch Gott einem jeden, was er zum Leben hier und dereinst in Ewigkeit braucht. Nicht unsere Leistung ist dafür entscheidend, sondern die Bereitschaft, sich glaubend auf ein Leben in Gottes Liebe und nach diesem Maß einzulassen.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 37 / 2008 - Fest Kreuzerhöhung

Am 14. September feiert die Kirche das Fest „Kreuzerhöhung“, hinter dem der 24. Sonntag im Jahreskreis zurücktritt. Dieses Fest hat seinen Ursprung in Jerusalem. Am 13. September 335 war die Konstantinische Basilika über dem Heiligen Grab und dem Kalvarienberg feierlich eingeweiht worden. Am darauf folgenden Tag wurde in der neuen Kirche dem Volk zum ersten Mal das Kreuzesholz zur Verehrung dargeboten („erhöht“).

In der alttestamentlichen Lesung wird uns berichtet, wie Mose nach Gottes Geheiß eine kupferne Schlage anfertigen und sie an einer Fahnenstange aufhängen ließ. Jeder in der Wüste von einer Giftschlage Gebissene, der zu dieser Schlage aufblickte, blieb am Leben. Jesus selber deutet im Evangelium zum Fest diese Erzählung als Hinweis auf seine eigene Erhöhung am Kreuz, das so zum erlösenden Kreuz geworden ist.

Papst Benedikt XVI hat beim Kölner Weltjugendtag diese Verwandlung des Schandkreuzes hin zum Zeichen des Sieges und der Erlösung wie folgt erklärt: »Was von außen her brutale Gewalt ist, die Kreuzigung, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar. Dies ist die eigentliche Wandlung, die ... dazu bestimmt war, einen Prozess der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, dass Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15, 28). Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben. Weil er den Tod in Liebe umformt, darum ist der Tod als solcher schon von innen her überwunden und Auferstehung schon in ihm da. Der Tod ist gleichsam von innen verwundet und kann nicht mehr das letzte Wort sein. Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, die das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht. Darum sprechen wir von Erlösung: Das zuinnerst Notwendige ist geschehen, und wir können in diesen Vorgang hineintreten.«

Mit Blick auf das letzte Abendmahl und die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu bei jeder Feier der Eucharistie fügt Papst Benedikt noch hinzu: »Jesus kann seinen Leib austeilen, weil er wirklich sich selber gibt.«

Möge das Fest der Kreuzerhöhung dazu führen, dass wir uns nie an dieses christliche Symbol gewöhnen. Wir begegnen ihm so oft. Es erinnert uns an die grenzenlose Liebe Gottes, der sich für uns bis zum Tod am Kreuz erniedrigt, dabei in seiner Allmacht zugleich Hass, Gewalt, Sünde und Tod im Tiefsten Inneren endgültig ihre scheinbare Kraft genommen und uns davon wirklich befreit