Pfarrnachrichten 19/2013

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den Lesungen des 6. Sonntags in der Osterzeit wird uns mit Blick auf das nahende Pfingstfest gesagt, dass Gott in seiner Kirche ganz besonders gegenwärtig ist. In allen wichtigen Fragen fällt deshalb die Kirche keine Entscheidung ohne und gegen Ihn.

Als die frühe Kirche erstmalig vor einer wichtigen Entscheidung stand, machte der Heilige Petrus darauf aufmerksam, dass „Gott schon längst … die Entscheidung getroffen habe“ (Apg., 15,7). Die anderen Apostel und Ältesten schlossen sich dem an und verkündeten: „der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg., 15,28).

Es ging damals um die Frage, ob ein Heide die Taufe empfangen und Christ werden konnte, auch ohne die jüdischen Vorschriften zu übernehmen, denen sich die sogenannten Judenchristen weiterhin verpflichtet fühlten, da sie als Juden den Glauben an Christus angenommen hatten. Damals wurde für alle Zukunft bindend entschieden, den sogenannten Heidenchristen, die also als Nicht-Juden den Glauben an Christus angenommen hatten, die „Last“ (Apg., 15, 28) der jüdischen Gebote nicht zusätzlich aufzuerlegen. Sie sollten lediglich „Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht … meiden“; und ihnen wurde erklärt: „Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig.“ (Apg., 15, 29)

Heute ist das in der Kirche nicht anders. Gott ist als Heiliger Geist weiterhin besonders in ihr gegenwärtig und trägt dafür Sorge, dass alles Wichtige nicht ohne und noch weniger gegen Ihn entschieden wird. Deshalb nimmt der Christ die wichtigen und bindenden Entscheidungen der Kirche als zum Glauben dazugehörend an und lehnt eine selbstgemachte Kirche ab, die sich vermeintlich als von unten, von der Basis kommend gegen den Glauben stellt.

Gott ist denen, die der Kirche glauben und mit ihr eins sind, besonders in seiner Liebe gegenwärtig. Das wird angedeutet in der apokalyptischen Vision des Heiligen Johannes, von der wir auch diesen Sonntag wieder hören werden. Das wird uns dann im Sonntagsevangelium zudem vom Herrn selber gesagt: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ (Joh., 14,23)

Man muss das natürlich umfassend und im richtigen Kontext verstehen: Das Festhalten am Wort Gottes ist ohne Kirche eben gar nicht möglich. So kann auch ohne Liebe zur Kirche die göttliche Liebe nicht wirklich wachsen. – In ähnlicher Weise nimmt auch die göttliche Liebe nicht irgendwo, sondern in unübertreffbarer Weise in der Mitfeier der sonntäglichen Eucharistie konkret Gestalt an und strahlt von ihr besonders in die Welt und den Alltag aus.

Am Fest Christi Himmelfahrt werden vier Kinder, die sich in St. Pantaleon auf die Erstkommunion vorbereitet haben, zum ersten Mal Jesus Christus in einer Weise nahe sein, die vom Ansatz her nicht inniger sein kann.

Als Papst Benedikt einmal von einem Kommunionkind gefragt wurde: „Welche Erinnerungen hast du an deine Erstkommunion?“ antwortete er spontan: „Im Mittelpunkt meiner frohen und schönen Erinnerungen steht …, dass ich verstanden habe, dass Jesus in mein Herz eingetreten ist und gerade mich besucht hat. Und mit Jesus ist Gott selbst bei mir. Das ist ein Geschenk, das tatsächlich mehr wert ist als der ganze Rest, der uns vom Leben gegeben werden kann. Und ich habe begriffen, dass jetzt eine neue Etappe meines Lebens begonnen hat. Ich war neun Jahre alt; jetzt war es wichtig, dieser Begegnung treu zu bleiben, dieser Kommunion. Ich habe dem Herrn versprochen, so gut ich konnte: ‚Ich möchte immer bei dir sein‘ und habe gebetet: ‚Aber sei du vor allem bei mir!‘ Und so bin ich in meinem Leben weitergegangen. Gott sei Dank, der Herr hat mich immer bei der Hand genommen, mich auch in schwierigen Situationen geführt. Und so war diese Freude der Erstkommunion der Anfang eines gemeinsamen Weges. Ich hoffe, auch für euch alle, dass die Erstkommunion … der Anfang einer Freundschaft mit Jesus für das ganze Leben ist. Der Anfang eines gemeinsamen Weges, weil wir dann gut gehen und das Leben gut wird, wenn wir mit Jesus gehen.“

Das wünschen wir unseren vier Kommunionkindern von Herzen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18/2013

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die zweite Lesung des fünften Sonntags in der Osterzeit ist der Geheimen Offenbarung, der Apokalypse entnommen, in welcher der Heilige Johannes als ihr Verfasser im 21. Kapitel eine Vision niederschrieb, die ihm von Gott geschenkt wurde (Offb. 21,1): „Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.“

Johannes nennt den „neuen Himmel und die neue Erde“ auch „heilige Stadt“ und „neues Jerusalem“ und vergleicht sie mit einer Braut, „die sich für ihren Mann geschmückt hat“. Sie zeichnet sich durch die Nähe Gottes aus (ibid., 3): „Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein.“ Und als Folge davon, durch das Wirken des ganz nahen, ihre Mitte bestimmenden Gottes, unterscheidet sich diese „heilige“ und „neue Stadt“ von all dem, was wir bisher kennen (ibid., 4): „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“.

Es klingt wie eine märchenhafte Zukunft, was hier angekündigt wird. Aber es ist kein Märchen. Es ist wahr und wird einmal so kommen (ibid., 5a): „Er, der auf dem Throne saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“

An der Wahrheit dieser Zukunft zweifelt der nicht mehr, der sich das neue Gebot, mit dem der Herr sich von seinen Jüngern verabschiedet, zu Herzen nimmt. Derselbe Johannes, dem Gott den visionären, apokalyptischen Blick in die Zukunft gewährte, gibt in seinem Evangelium, das wir passend am selben Sonntag hören werden, als Abschiedsworte Jesu wieder (Joh 13,33a-35): „Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“

Die Zukunft für den Menschen beginnt bereits jetzt. Sie beginnt in seinem irdischen Leben, das zwar weiterhin von der Widersprüchlichkeit der Gottferne und folglich des eigenen Versagens geprägt bleibt. Aber zugleich scheint in diese unbeständige Vergänglichkeit das verwandelnde Licht Gottes hinein. Wer es aufnimmt, sein Leben trotz aller Unzulänglichkeiten am unfehlbaren Wort Gottes stetig neu orientiert, der erfährt Gottes wiederaufbauende und verwandelnde Gnade schon in diesem Leben; und das in zunehmendem Maß.

Gott lässt mit seiner Gegenwart im Herzen der Menschen, die ihn nicht abweisen, bereits im noch ganz irdischen Leben aufleuchten, wozu jeder als Mensch fähig ist, und verhilft erfahrbar zu einem Leben, das ganz von der Liebe mit all ihrer positiv verwandelnden Kraft geprägt ist. – Gerne sage ich auch Ihnen: Versuchen Sie es und lassen Sie sich darauf ein. Ich empfehle nur, was ich selber erprobt habe und auch weiterhin erfahre.

In einer gewissen Korrespondenz dazu stehen die Bilder von Gerd Mosbach, die an diesem Sonntag nach dem Hochamt gegen 12.00 Uhr im Westwerk von St. Pantaleon enthüllt und dort einige Tage, bis zum 24. Mai, zu sehen sein werden.

Die beiden Gemälde stellen die Gültigkeit von Opfer-/Täter-Rollen in Frage: Täter werden zu Opfern, und Opfer zu Tätern. Mosbach beleuchtet das Kausalverhältnis Unrecht/Leid – neues Unrecht/Leid nicht nur in der jeweiligen Beziehung, sondern im Hinblick auf das tatsächliche gesellschaftliche Verständnis. Täter und Opfer vermengen sich zu Täter-Opfer-Konglomeraten in ein und der gleichen Struktur; als Individuum und als Gruppe. Näheres erfahren Sie vor Ort.

Der gläubige Christ weiß und hat es im eigenen Leben erfahren: Mit Gottes Hilfe vermag der Mensch diese Spirale der Gewalt und des menschlichen Versagens endgültig zu durchbrechen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17/2013

Frühchristliche Darstellung von Jesus als Guter Hirte, 4. Jahrhundert, epigrafisches Museum "Terme di Diocleziano", Rom

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Gegensatz zu den vorherigen Ostersonntagen fällt das Evangelium dieses Sonntags ganz knapp und kurz aus. Umso nachhaltiger wiegt das Gewicht seiner Aussage (Joh 10,27-29): „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.“

Es bedarf keiner allzu großen Kenntnis der Heiligen Schrift, um zu verstehen, dass Jesus mit den Schafen bildhaft uns Menschen und sich selber als guten Hirt meint. Bedenkt man, dass Schafherden mit ihren Hirten zur Zeit Jesu sogar das Leben der großen Städte entscheidend mitgeprägt haben, dann gewinnt die bildhafte Rede Jesu zusätzlich an pädagogischem Gewicht: Jeder hat ihn unmissverständlich verstehen können: „Meine Schafe hören auf meine Stimme.“

Dazu folgende Geschichte: Ein Reisender traf in Palästina an einer Wasserstelle drei Hirten an, die ihre Tiere nicht nach Herden getrennt, sondern gemeinsam tränkten. Er dachte sich: „Wie soll da der Einzelne seine Schafe wieder herausfinden?“

Als sich die Tiere satt getrunken hatten, nahm einer der Hirten seinen Stab und rief: „Men ah!“ (Folgt mir!) Sogleich schloss sich ihm etwa ein Drittel der Tiere an, nämlich genau seine Herde.

Dann rief der zweite Hirte, und das Gleiche geschah. – Der Besucher fragte nun den dritten Hirten: „Würden deine Schafe wohl auch mir folgen, wenn ich so rufe?“ – Der Hirt schüttelte den Kopf: „Versuch es!“

Daraufhin zog der Reisende den Mantel des Hirten an, band sich den Turban um, ergriff den Hirtenstab und rief: „Men ah!" … Aber kein Tier folgte. – „Nur wenn ein Tier verrückt und krank ist“, lächelte der Hirte, „folgt es dem Nächstbesten.“

Diese Geschichte hält unserer Zeit einen Spiegel vor Augen. Im Zeitalter bislang ungeahnter Mobilität und Vernetzung, die unbegrenzte Freiheit und ein Leben mit tausend Möglichkeiten vorgaukeln, sind viele Zeitgenossen längst fremdgesteuerte Individuen geworden, die, beeinflusst von gewinnsüchtigen Trends und vorübergehenden Modeerscheinungen, ihre fundamentale Freiheit scheinbar längst aufgegeben haben. Mit ihren Smartphones und Kopfhörerclips haben sie sich in ein geistiges Funkloch manövrieren lassen, das ihnen die großen Möglichkeiten ihres Lebens gänzlich wegzunehmen droht.

„Meine Schafe hören auf meine Stimme.“ Entscheidend ist in dieser kurzen Feststellung das zweimal vorkommende Wort: „meine“. Anders als wir es im Zwischenmenschlichen zu oft gewohnt sind, ist hier das Wort „mein“ gerade nicht im egozentrischen Sinn gemeint. Gott ist „Sein in Fülle“. Nichts, was es außerhalb von ihm gibt, kann der Seinsfülle Gottes irgendetwas hinzufügen. Und alles, was außerhalb von ihm ist, geht zudem auf ihn zurück: Er hat die Schöpfung an seinem Sein teilhaben lassen wollen, damit auch sie etwas, und sogar sehr viel davon, haben kann.

Wer nicht mehr, oder immer weniger auf Gott, und dafür immer mehr auf andere Stimmen und „Angebote“ hörte, der ist krank und verrückt geworden. – An diesem Sonntag werden wir kurz, aber sehr intensiv daran erinnert und dazu ermutigt, die Beziehung zu Gott weiterhin und zuversichtlich zu pflegen und uns so nicht in ein „Funkloch“ abdrängen zu lassen. Dabei hilft unter anderem das sogenannte „Sonntagsgebot“. Es ist das erste von den insgesamt fünf Geboten der Kirche und lautet (Kompendium Katechismus der Katholischen Kirche): „Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen an der Messe teilnehmen und keine Arbeiten und Tätigkeiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16/2013

Die Reue des Petrus - Claude Vignon - zwischen 1623 und 1630

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Gottesdienste von Ostern bis Pfingsten sind von dem geprägt, was die Auferstehung Jesu bedeutet und wie sie sich im Herzen eines jeden wirkmächtig entfalten kann. Die Auferstehung Jesu ist wie eine Wende von der Finsternis zum Licht, von der Angst, der Vergeblichkeit und der Sinnlosigkeit zu einem neuen Anfang, zu neuer Hoffnung und neuer Zukunft.

Doch wie geht das? Wie wird diese Wende zu einem bleibenden Durchbruch, der das Leben der Menschen fortan positiv bestimmt und in guter Weise bleibend verändert? Dass eine solche Wende notwendig ist, wird wohl niemand bestreiten. Dazu genügt ein aufmerksamer Blick in eine beliebige Tageszeitung. – Aber noch einmal: Wie geht das?

Wir sehen ja nicht den auferstandenen Jesus, der in seiner Auferstehung alles verändert hat. Und der Glaube daran ist ein eher dunkles Licht, auch wenn er schon viele Menschen, existentiell bewegt, getroffen und wirklich verändert hat. In gewisser Weise sitzen hier gläubige und ungläubige Menschen im selben Boot.

Beide haben ihre Erfahrung mit dem machen können, was über das Irdisch-Vergängliche hinausragt und nicht darauf begrenzt bleibt. Aber diese Erfahrungen oder „inneren Erleuchtungen“ sind meist nur von kurzer Dauer. Dann sind sie wieder bedroht, im Grau des Alltags unterzugehen.

Den Aposteln ist es nicht anders ergangen. Als sich nach den ersten hoffnungsvollen Begegnungen mit dem Auferstanden nichts weiter mehr tut, kehren sie zunächst in ihre Alltagsarbeit zurück. – Petrus sagte (Joh 21,3): „Ich gehe fischen.“ Einige der anderen Apostel, die mit ihm zusammen waren, „sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“

Daraufhin aber geschah es (Joh 21,4): „Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ Der für die Apostel noch Unerkannte forderte sie auf, das Netz erneut auszuwerfen. Sie taten es (Joh 21,6): „Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.“ – Jesus selber ergreift also die Initiative; mitten hinein in das alltägliche Leben der Apostel. Und sie lassen sich darauf ein.

So also geht das. Glaube ist Gnade. Er übersteigt menschliches Vermögen und kann von Menschen weder erweckt noch zum Wachsen bewegt werden. Glaube wird von Gott geschenkt. Aber Glaube wächst zugleich nur dort, wo sich der Menschen der gnadenhaften Initiative des göttlichen Jesus ganz öffnet und sich ohne Vorbehalte auf sie einlässt. – Das ist oft nicht leicht und setzt voraus, dass man sich wieder einmal etwas weniger wichtig nimmt, wie wir es sonst voneinander gewohnt sind, dafür aber Gottes Barmherzigkeit wieder in den Vordergrund stellt.

Papst Franziskus hat dies am letzten Sonntag, dem Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, mit Blick auf den Hl. Petrus verdeutlicht: „Dreimal verleugnet er Jesus gerade in dem Moment, als er ihm ganz besonders nahe hätte sein sollen. Und als ihm dies zutiefst bewusst wird, begegnet ihm der Blick Jesu, der ihm geduldig und ohne Worte zu verstehen gibt: ‚Petrus, hab‘ keine Angst wegen deiner Schwachheit, vertraue auf mich!‘ Und Petrus versteht, spürt den liebevollen Blick Jesu und weint.“

Im Evangelium von diesem Sonntag nun wendet sich Jesus nach dem erfolgreichen Fischfang dreimal fragend an den dreimaligen Verleugner Petrus: „Petrus, liebst du mich?“ – Auf die von diesem Zusammenhang geprägte dreimalige Antwort des Petrus: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe“ sagte Jesus zu ihm: „Weide meine Lämmer / weide meine Schafe!“

So also geht das mit der positiven Veränderung und Wende. Durch die entgegenkommende und gnadenhafte Initiative Jesu wurde Petrus vom feigen Leugner zum standhaften Felsen, weil er sich der Frage Jesu stellte – „Liebst du mich?“ –und sie beantwortet hat. – Was hindert uns daran wahrzunehmen, dass der Herr auch uns diese Frage stellt, und sich auf sie einzulassen und in rechter Weise zu antworten?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15/2013

Das Bild vom barmherzigen Jesus in St. Pantaleon von Wladimir Naumez - inspiriert von den Visionen der heiligen Mystikerin, Sr. Maria Faustyna Kowalska, und der klassischen russischen Ikonenmalerei.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Auf ausdrücklichen Wunsch des seligen Papstes Johanes Paul II. trägt der Sonntag nach Ostern neben dem durch viele Erstkommunionfeiern allseits bekannten Namen „Weißer Sonntag“ seit nunmehr 13 Jahren noch einen weiteren Namen: „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“. Papst Johannes Paul II. hat ihn im Jubiläumsjahr 2000 am Sonntag nach Ostern als besonderes Fest für die ganze Kirche eingeführt.

Gerade heute sind das Bedürfnis und die Sehnsucht vieler Menschen nach befreiender Vergebung, nach liebender Annahme und heilender Versöhnung wieder deutlich spürbar und erkennbar geworden. Vor diesem Hintergrund kommen das Fest der göttlichen Barmherzigkeit und seine Einführung zur rechten Zeit. Sie erscheinen wie eine zielgenaue, den Menschen geschenkte Antwort Gottes auf die Zeichen der Zeit. Auch sprechen die bisherigen Erfahrungen der besonderen Feier dieses Festes eine überzeugende Sprache: Wo der Barmherzigkeitssonntag gefeiert wird, da ist auch eine spürbare und schon seit langem notwendige Wiederbelebung und Erneuerung der Beichtpraxis festzustellen.

Das Sakrament der Vergebung mit seiner unüberbietbar wirksamen Versöhnung mit Gott, der Kirche und dem Nächsten ist ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens an die verwandelnde und erneuende Barmherzigkeit Gottes. Dieser Zusammenhang ist so alt und zugleich so aktuell ist wie das Evangelium selbst. Dort ist er gegründet und lässt die Barmherzigkeit Gottes, die nach der Hl. Schrift ganz entscheidend zum Wesen Gottes gehört, für den Menschen in besonderer, weil sakramentaler Weise erfahrbar und konkret werden.

Die Einführung des Barmherzigkeit-Sonntags wurde angeregt durch die hl. Schwester Maria Faustyna Kowalska ( gest. 1938 in Krakau) und ist zugleich eng mit der Lebensgeschichte Karol Woytilas verbunden.

Der junge Karol studierte während der deutschen Besetzung Polens im geheimen Priesterseminar von Krakau Theologie und musste gleichzeitig in der Chemiefabrik „Solvay“ Zwangsarbeit leisten. In dieser Zeit suchte er häufig ein nahegelegenes Kloster auf und kniete dort am Grab von Sr. Maria Faustyna nieder, die bereits als 33-jährige verstorben war.

Als 3. von 10 Kindern war sie 1905 in einer einfachen polnischen Bauernfamilie geboren worden und mit 20 Jahren in Warschau in die Kongregation der Muttergottes der Barmherzigkeit eingetreten. Während der 13 Jahre ihres Ordenslebens arbeitete sie als Köchin, Gärtnerin und Pförtnerin. Nach außen hin war dieses Leben scheinbar eintönig und grau. Im Inneren aber war es erfüllt von einer ungewöhnlich tiefen Vereinigung mit Gott.

In mystischen Einsprechungen legt ihr der auferstandene Christus die folgenden Worte als seine eigenen in den Mund: „Die Menschheit wird keinen Frieden finden, solange sie sich nicht mit Vertrauen an meine Barmherzigkeit wendet.“ – „Ich wünsche, dass meine Barmherzigkeit festlich am 1. Sonntag nach Ostern begangen werde.“

Ein anderes Mal gibt sie folgende Worte als von Jesu selber ihr in den Mund gelegte wieder: „Niemand soll Angst haben, zu mir zu kommen, selbst wenn seine Sünden so rot wären, wie Scharlach. Meine Barmherzigkeit ist so groß, dass kein Verstand, weder von Menschen noch von Engeln sie in Ewigkeit ergründen kann. – Jene, die am Fest meiner Barmherzigkeit beichten und die heilige Kommunion empfangen, erhalten nicht nur die Verzeihung ihrer Sünden, sondern auch den Nachlass der Strafen, die sie dafür verdienen.“

Der junge Theologiestudent Karol Woytila verspürte in den dunklen Jahren des 2.Weltkriegs an ihrem Grab die mystische Kraft, die von dieser einfachen, aber heiligen Ordensfrau ausging und hat daraus Mut für seinen eigenen Weg geschöpft. – Später als Papst blickt er auf diese Zeit zurück und schreibt: „Es war, als habe Christus begreiflich machen wollen, dass das Böse, dessen Urheber und Opfer der Mensch ist, an eine ihm gesetzte Grenze stößt, und dass diese Grenze letztendlich die göttliche Barmherzigkeit ist. [...] Es war, als hätte Christus durch Sr. Faustyna sagen wollen: »Das Böse trägt nicht den endgültigen Sieg davon!«“ – Am 30. April 2000 sprach er sie heilig; nicht zuletzt wegen der hier skizzierten Zusammenhänge.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 13/2013

Marienfelder Altar, rechter Flügel von 1457 - Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Jahr für Jahr wird am Palmsonntag mit den Passionsberichten aus den Evangelien die Karwoche eröffnet und eingeleitet. Auch wenn man die Passionsgeschichten längst zu kennen meint und sie einem gut vertraut erscheinen, gehen sie immer wieder unter die Haut. In ihnen wird erkennbar, wer dieser Gott für uns ist, der aus der Höhe des Himmels zu uns Menschen hinabgestiegen ist, das Leben mit uns geteilt hat, und dies nicht nur in Augenblicken der freudigen Ereignisse wie bei der Hochzeit zu Kana, sondern auch in den schmerzhaften und traurigen Momenten wie beim Tod des Lazarus und der kraftvoll gewirkten Auferweckung desselben.

Als menschgewordener Gott nimmt Jesus bereitwillig den Tod auf sich. Damit überwindet er die Sünde als Ursache des Todes und der Abwendung von Gott und erlöst zugleich alle Menschen, die sich auf diese Realität einzulassen bereit sind. So ist die Todesstunde Jesu zum einen die dunkelste Stunde der menschlichen Geschichte überhaupt. Zugleich ist sie aber auch die Stunde der Reinigung von allen Sünden, die Menschen je begangen haben und noch begehen werden. Damit ist sie zum anderen eine Sternstunde, die jeden Menschen heilsam auch mit sich selber konfrontiert.

Dies verdeutlicht die Karfreitagsliturgie während der Kreuzverehrung durch die „Heilandsklagen“, die sogenannten „Improperien“, in denen es heißt: „Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir. Aus der Knechtschaft Ägyptens habe ich dich herausgeführt. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser.“
Immer wieder erinnern die Heilandsklagen an die Wohltaten, die Gott seinem Volk erwiesen hat, welche dieses aber damit beantwortet, dass es sich des Gottessohnes entledigen will: „Vierzig Jahre habe ich dich geleitet durch die Wüste. Ich habe dich mit Manna gespeist und dich hineingeführt in das Land der Verheißung. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser.“

Schließlich legt die Liturgie dem gekreuzigten Gottessohn die Frage und die darauf folgende Klage in den Mund: „Was hätte ich dir mehr tun sollen und tat es nicht? Als meinen erlesenen Weinberg pflanzte ich dich, du aber brachtest mir bittere Trauben, du hast mich in meinem Durst mit Essig getränkt und mit der Lanze deinem Erlöser die Seite durchstoßen.“

In seiner Meditation zur neunten Kreuzwegstation – „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ – sagte Josef Kardinal Ratzinger am Karfreitag 2005, noch vor seiner Papstwahl: „Was kann uns der dritte Fall Jesu unter dem Kreuz sagen? Wir haben an den Sturz des Menschen insgesamt gedacht, an den Abfall so vieler von Christus in einen gottlosen Säkularismus hinein.“ Dann wandte Ratzinger den Blick aber auch in die Kirche selber hinein: „Müssen wir nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muss? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart missbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? … Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten?“

Und Ratzinger schloss damals seine Betrachtung zum dritten Sturz Jesu: „All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison - Herr, rette uns (vgl. Mt 8, 25).“

Möge die Karwoche uns alle bewegen, über unseren Umgang mit Jesus Christus selbstkritisch nachzudenken, um uns ihm so mit und aus ganzem Herzen wieder zuzuwenden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 12/2013

Papst Franziskus

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

„Habemus Papam“ – Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht am Mittwochabend, dem 13. März, um die ganze Welt und war angesichts der Bedeutung der weltweiten Kirche und damit dieser Nachricht Thema Nummer eins auf allen Kanälen.

„Habemus Papam“ – Seit diesem Mittwochabend ist es Papst Franziskus. Unser Generalvikar, Dr. Stefan Heße, der hier in Köln wegen der Teilnahme unseres Erzbischofs am Konklave die „Stallwache“ innehatte, fasst zusammen: „In einem sehr kurzen Konklave fiel die Wahl auf den bisherigen Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio. Er wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires geboren und studierte zunächst Chemie. 1958 trat er in den Jesuitenorden ein und empfing 1969 die Priesterweihe. Nach den ewigen Gelübden war er Novizenmeister und Provinzial seines Ordens und lehrte an der Katholischen Fakultät von San Miguel in Buenos Aires. Seine Studien im Rahmen seiner Promotion führten ihn auch in unser Land. 1992 wurde er Weihbischof im Erzbistum Buenos Aires, 1998 Erzbischof. Er ist Beauftragter für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen, die in Argentinien keinen eigenen Seelsorger haben. Von 2005 bis 2011 war er Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz, 2001 erhob Johannes Paul II. ihn zum Kardinal.“

Es ist in mehrfacher Hinsicht eine historische Wahl! Zum ersten Mal kommt ein Papst, dem als „Stellvertreter Christi auf Erden“ im tiefsten Sinn des Wortes eine „Schlüsselstellung“ (vgl. Mt 16,19) zukommt, aus Lateinamerika, wo knapp die Hälfte der Katholiken leben. Zum ersten Mal in der Geschichte ist es ein Ordensmann aus der Gesellschaft Jesu, dem vom Heiligen Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert gegründeten Jesuitenorden, der nun das Petrusamt übernimmt. Und wiederum wählt zum ersten Mal ein Papst den Namen des heiligen Franziskus und stellt sich damit besonders unter den Schutz des Heiligen Franz von Assisi, dem Gründer des Franziskanerordens.

Weltweit lässt sich eine schöne Übereinstimmung über seinen ersten Auftritt auf der Loggia des Petersdoms feststellen, der viele beeindruckt hat. Er sei vom „Ende der Welt“ nach Rom gekommen, sagt Papst Franziskus, und er wolle nun mit den Gläubigen einen gemeinsamen Weg gehen. Bevor er seinen ersten Segen „Urbi et orbi“ spendete, hielt er einen Moment inne, verneigte sich und bat alle, den Segen Gottes für ihn zu erflehen. Nach dem anfänglichen Jubel wurde es für eine kurze Zeit auf dem Petersplatz ganz still. Alle verharrten, innerlich angerührt, im stillen Gebet.

Gerne gebe ich die von unserem Herrn Generalvikar an uns Priester gerichtete Bitte im Wortlaut an Sie weiter: „Ich darf Sie ganz herzlich einladen, in Ihren Gemeinden und Gemeinschaften dieser aufrichtigen und demütigen Bitte unseres neuen Papstes nachzu-kommen: den Segen Gottes für ihn und seinen Dienst in der Weltkirche und für die großen Aufgaben, die nun vor ihm liegen, zu erflehen.“

Unser Erzbischof hat zudem alle Gläubigen zu einem feierlichen Dankgottesdienst für unseren neuen Papst Franziskus für Samstag, den 13. April 2013, um 18.30 Uhr in den Kölner Dom eingeladen, besonders auch alle Sängerinnen und Sänger aus unseren Chören, um die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart mitzusingen.

In Dankbarkeit, Freude und innigster Verbundenheit mit unserem Heiligen Vater, Papst Franziskus, grüßt Sie von Herzen,

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11/2013

Das Gleichnisvom verlorener Sohn - James Tissot - 1836-1902

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am vierten Fastensonntag wird das längste Gleichnis Jesu vorgetragen: das Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ oder, wie es auch genannt wird, vom „barmherzigen Vater“. Vor nicht ganz 29 Jahren hat sich der selige Papst Johannes Paul II. dazu wie folgt geäußert:

„»Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht«, so erzählt Jesus bei der Darstellung der dramatischen Geschichte dieses jungen Mannes: der leichtsinnige Weggang aus seinem Vaterhaus, die Vergeudung all seines Besitzes in einem ausschweifenden Lebenswandel ohne Sinn, die dunklen Tage der Fremde und des Hungers, aber mehr noch die Tage der verlorenen Würde, der Erniedrigung und Beschämung und schließlich die Sehnsucht nach dem Vaterhaus, der Mut zur Heimkehr, der Empfang durch den Vater. Dieser hatte den Sohn keineswegs vergessen; im Gegenteil, er hatte ihm unverändert Liebe und Achtung bewahrt. So hatte er immer auf ihn gewartet, und so umarmt er ihn jetzt, während er zum großen Fest für denjenigen auffordert, der tot war und wieder lebt, der verloren war und wiedergefunden wurde.

Der Mensch - ein jeder Mensch - ist ein solcher verlorener Sohn: betört von der Versuchung, sich vom Vater zu trennen, um ein unabhängiges Leben zu führen; dieser Versuchung verfallen; enttäuscht von der Leere, die ihn wie ein Blendwerk verzaubert hatte; allein, entehrt, ausgenutzt, als er sich eine Welt ganz für sich allein zu schaffen versucht; auch in der Tiefe seines Elendes noch immer gequält von der Sehnsucht, zur Gemeinschaft mit dem Vater zurückzukehren. Wie der Vater im Gleichnis erspäht Gott den heimkehrenden Sohn, er umarmt ihn bei seiner Ankunft und lässt die Tafel herrichten für das Festmahl ihrer neuen Begegnung, mit dem der Vater und die Brüder die Wiederversöhnung feiern.

Was an diesem Gleichnis am meisten beeindruckt, ist die festliche und liebevolle Aufnahme, die der Vater dem heimkehrenden Sohn bereitet: ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, der immer bereit ist zu verzeihen. Sagen wir es gleich: Die Versöhnung ist in erster Linie ein Geschenk des himmlischen Vaters.

Das Gleichnis lässt aber auch den älteren Bruder auftreten, der seinen Platz beim Festmahl verschmäht. Er wirft dem jüngeren Bruder dessen lockeres Treiben vor und dem Vater den Empfang, den dieser dem verlorenen Sohn vorbehalten habe, während es ihm selbst, immer beherrscht und fleißig und treu zum Vater und zum Hause stehend, niemals erlaubt worden sei - wie er sagt -, mit seinen Freunden ein Fest zu feiern. Ein Zeichen, dass er die Güte des Vaters nicht versteht. Solange dieser Bruder, von sich selbst und seinen Verdiensten allzu sehr überzeugt, eifersüchtig und verächtlich, voller Bitterkeit und Zorn, sich nicht bekehrt und mit dem Vater und dem Bruder versöhnt, ist dieses Mahl noch nicht ganz das Fest der Begeg-nung und des Sichwiederfindens.

Der Mensch - ein jeder Mensch - ist auch ein solcher älterer Bruder. Egoismus macht ihn eifersüchtig, lässt sein Herz hart werden, verblendet und verschließt ihn gegenüber den anderen und vor Gott. Die Güte und Barmherzigkeit des Vaters reizen und ärgern ihn; das Glück des heimgekehrten Bruders schmeckt ihm bitter. Auch in dieser Hinsicht hat der Mensch es nötig, sich zu bekehren, um sich auszusöhnen.“

Gerne empfehle ich Ihnen, mit diesen Gedanken die große Liebe Gottes, des Vaters, die sich im Anbieten vollständiger Versöhnung unüberbietbar ausdrückt, für das eigene Leben vertiefend zu betrachten. Da auch „die Gestalt des älteren Bruders an den Egoismus erinnert, der die Brüder untereinander entzweit, wird es auch zur Geschichte der Menschheitsfamilie. Es kennzeichnet unsere Lage und gibt den zu gehenden Weg an“, so noch einmal Papst Johannes Paul II.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10/2013

Der Hl. Petrus - Glasmalerei im Dom zu Regensburg

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Abschied von Papst Benedikt XVI. ist all denen schwer gefallen, die der Kirche, wie sie auf Jesus Christus zurückgeht, verbunden sind. „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18), sagte damals Jesus zu Petrus. Dass dieses an Petrus gerichtete Wort auch für seine Nachfolger gilt, ergibt sich notgedrungen daraus, dass der Bestand der irdischen Kirche die Sterblichkeit des Petrus überdauert. So sind diese Worte Jesu schon in der Urkirche gedeutet und folglich auf die ersten Nachfolger des Hl. Petrus bezogen worden. Schon das hat große Bedeutung für die rechte Auslegung der Hl. Schrift und das rechte Verständnis der Worte Jesu.

In gewisser Weise ist Papst Benedikt XVI. am 28. Februar um 20.00 Uhr, dem Zeitpunkt seines Rücktritts, gestorben. Das hat er bei seiner letzten öffentlichen Audienz am 27. Februar, die zugleich sein großer „Abschied“ war, mehr oder weniger selber so erklärt.

Einleitend erinnerte er an den Anfang seines Pontifikates: „Als ich vor knapp acht Jahren, am 19. April 2005, Ja dazu gesagt habe, das Amt des Nachfolgers Petri anzunehmen, erfüllte mich eine Gewissheit, die mich seitdem begleitet: Die Gewissheit, dass die Kirche ihr Leben aus dem Wort Gottes schöpft. Wie ich schon mehrmals erzählt habe, hallten damals in meinem Herzen die Worte wider: Herr, warum verlangst Du das von mir? Und was erwartest du von mir? Es ist eine schwere Last, die du auf meine Schulter legst, doch wenn du es von mir verlangst, werde ich meine Netze auf dein Wort hin auswerfen in der Gewissheit, dass du mich führen wirst. Acht Jahre später kann ich sagen: Der Herr hat mich wahrlich geführt und ist mir immer nahe gewesen; ich habe seine Nähe täglich spüren können.“

Und dann kehrte Papst Benedikt, nachdem er auf die Kraft Gottes und des Glaubens verwiesen und sich bei allen bedankt hatte, auf diesen Anfang zurück: „Erlaubt mir, in Gedanken noch einmal zu jenem 19. April 2005 zurückzukehren. Von jenem Augenblick an bin ich immer und für immer mit der Arbeit für den Herrn beschäftigt gewesen. Immer: Wer das Amt des Nachfolgers Petri annimmt, hat kein Privatleben mehr. Er gehört immer und ganz der Kirche, das heißt, allen. Seinem Leben wird sozusagen die Privatsphäre völlig entzogen. Ich habe dabei erfahren, und ich erfahre es auch jetzt wieder, dass man sein Leben genau dann empfängt, wenn man es seinen Brüdern schenkt. Ich sagte vorhin, dass viele Menschen, die den Herrn lieben, auch den Nachfolger Petri lieben. Der Papst hat wirklich unzählige Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter in der ganzen Welt; er fühlt sich geborgen in dieser Umarmung der Gemeinschaft, eben weil er nicht mehr sich selbst gehört, sondern allen und weil alle ihm gehören.

»Immer« bedeutet auch »für immer« – es gibt keine Rückkehr zum Privatleben. Meine Entscheidung, auf die aktive Ausübung meines Amtes zu verzichten, kann daran nichts ändern. Ich ziehe mich nicht ins Privatleben zurück, kehre nicht zu Reisen, Begegnungen, Konferenzen und ähnlichem zurück. Ich verlasse das Kreuz nicht, sondern bleibe auf eine neue Weise beim gekreuzigten Herrn. Ich trage nicht mehr das Amt und die Verantwortung der Führung der Kirche, aber im Dienst und im Gebet bleibe ich sozusagen im Hof des heiligen Petrus.“

Von daher ist der Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. ein „Sterben“ zum Wohl der Kirche und aller Christgläubigen; und von daher ist sein Rücktritt zu verstehen und zu erklären, zu dem er sich wörtlich noch einmal wie folgt äußerte: „In den vergangenen Monaten habe ich gespürt, wie meine Kräfte nachlassen, und ich habe Gott im Gebet eindringlich gebeten, mich zu erleuchten und mir zu helfen, einen Entschluss zu fassen, der das Beste, nicht für mich, sondern für das Wohl der Kirche ist. Ich habe mich für diesen Schritt entschieden, im vollen Bewusstsein seines Ernstes und seiner Neuartigkeit, doch in tiefem Frieden des Geistes. Die Kirche lieben bedeutet auch den Mut besitzen, schwere Entscheidungen zu treffen, indem man immer das Wohl der Kirche und nicht sich selbst vor Augen hat.“

Nach seiner Ankunft in Castel Gandolfo am Abend des Rücktritts fasste er das alles in wenigen Worten und in freier Rede vom Balkon der Residenz vor den jubelnden Menschen, die dicht gedrängt auf dem Platz gewartet haben, noch einmal zusammen, die Arme weit ausgebreitet zum Gruß: „Danke! Danke! Liebe Freunde, ich bin glücklich, bei euch zu sein, umgeben von der Schönheit der Schöpfung und eurer Zuneigung, die mir sehr gut tut. Danke für eure Freundschaft, für eure Liebe. Ihr wisst, dass dieser Tag für mich anders ist als die vorherigen: Ich bin nicht mehr der Oberste Pontifex der katholischen Kirche, bis acht Uhr werde ich es noch sein, danach nicht mehr. Ich bin nur noch ein einfacher Pilger, der die letzte Station seines irdischen Pilgerweges beginnt. Aber ich werde noch mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit meinem Gebet, mit meinen Gedanken, mit all meinen inneren Kräften für das Gemeinwohl und das Wohl der Kirche und der Menschheit beten. Und ich empfinde eure Zuneigung als große Unterstützung. Gehen wir weiter, zusammen mit dem Herrn für das Wohl der Kirche und der Welt.“ Dann erteilte er zum letzten Mal den Segen als Papst.

Wir können nicht anders, als von ganzem Herzen zu danken, tiefen Respekt und Ehrfurcht zu bekunden, auf das Leben dieses großen Papstes als beispielhaft zu verweisen und nun zum Hl. Geist für eine gute Entscheidung der Kardinäle und um die rechte Wahl zu beten, damit nach der Sedisvakanz bald das erwartete „habemus papam“ erklinge.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09/2013

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Leidensankündigungen Jesu haben bei den Aposteln Verwunderung und sogar Ablehnung ausgelöst. Auch die Aufforderung Jesu, das Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen, ist bis heute auf den ersten Blick alles andere als einladend. Man kann es getrost ganz offen sagen: Die zum Kern des Evangeliums gehörende Botschaft, dass der Mensch durch Jesu Tod am Kreuz erlöst worden ist und jeder das Heil nur in der Kreuzesnachfolge findet, ist und bleibt sperrig. Sie ist für die Apostel damals wie für uns heute eine Zumutung.

Acht Tage, nachdem Jesus den Aposteln sein Leiden und Auferstehen angekündigt und sie zur Nachfolge und Selbstverleugnung aufgefordert hatte (vgl. Lk 9,18-27), „nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betet, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß" (ibid. 28 f). Bei dieser lichtvollen Verwandlung ließ der Herr die Apostel, die sowohl den Beginn dieses lichtvollen Ereignisses wie dann auch später die dunkle Stunde Jesu im Ölgarten verschlafen haben, für einen kurzen Augenblick seine Herrlichkeit schauen, wohl um ihren Glauben zu stärken und sie wieder Mut fassen zu lassen.

Dabei erschienen neben dem im Glanz der göttlichen Herrlichkeit strahlenden Herrn Mose und Elija, ebenfalls im strahlenden Licht, und sprachen mit ihm „von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte“ (ibid. 30f). Petrus und die anderen, die nun wach wurden, hätten diesen lichtdurchfluteten Augenblick gerne festgehalten. Petrus schlägt vor, drei Hütten zu bauen. Aber noch während er redete „kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie“ (ibid. 34).

Wir Menschen brauchen solche Augenblicke; und Gott schenkt sie auch. Sie schenken uns neuen Mut und die Kraft, vor den Herausforderungen des Lebens nicht weg zu laufen und den alltäglichen oder auch besonderen Schwierigkeiten nicht in falscher Weise auszuweichen.

Der bevorstehende Eucharistische Kongress ist für die katholische Kirche in Deutschland ein solcher Augenblick besonderen Lichtes, wo Gottes Gegenwart wieder erfahrbar und spürbar werden wird. Er ist ein Fest des Glaubens. Anders, als der übliche Sprachgebrauch vielleicht nahelegt, ist dieser Kongress im ursprünglichen Wort eine Zusammenkunft. Die gläubigen Pilger kommen nach Köln um sich um das Zentrum des Glaubens zu versammeln: um die Eucharistie. Sie ist Jesus Christus selber; denn nach der Verwandlung in der Messfeier von Brot und Wein in den Leib und in das Blut Jesu, ist in ihr – der Eucharistie – Christus selber in den verbleibenden, nur noch äußeren Gestalten von Brot und Wein geheimnisvoll, aber dennoch wirklich und tatsächlich gegenwärtig.

Zur inneren Vorbereitung auf den Eucharistischen Kongress, und um für sein Gelingen zu beten, lade ich Sie herzlich zu folgenden Stunden der eucharistischen Anbetung jeweils mittwochs einmal im Monat im Anschluss an die Abendmesse von 19:15 bis 21:00 Uhr ein: am 20.3.; am 24.04. und am 29.05. Dazu wird auch noch ein Aushang erstellt. Darüber hinaus suchen wir ab sofort Freiwillige, die an den Tagen des eucharistischen Kongresses von Donnerstag bis Sonntag, 6.-8. Juni, anfallende Aufgaben der Gastfreundschaft zum Wohl der Pilger übernehmen können. In den nächsten Tagen liegt eine Liste zum Eintragen aus.

Außerdem hat eine Pilgergruppe aus der Diözese Magdeburg uns in St. Pantaleon um Privatquartiere gebeten. Im Einzelnen: 2 Ehepaare; 2 Rentner, eine ältere Dame; 2 Studentinnen (sie möchten gerne zusammen untergebracht werden); 2 Jugendliche (ein Mädchen und ein Junge) und eine Familie mit 4 noch sehr kleinen Kindern sowie 2 Pfarrer. Bitte melden Sie sich im Pfarrbüro, wenn Sie aus dieser Gruppe Gäste bei sich zu Hause aufnehmen können.

Ihr Pfr. Dr. volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08/2013

Papst Benedikt XVI.- Februar 2013

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Nachricht von der Rücktrittsentscheidung unseres verehrten, geschätzten und geliebten Heiligen Vaters ist am Rosenmontag in Windeseile um die Welt gegangen. Viele Katholiken waren nicht nur überrascht; sondern geradezu erschüttert. Das hat es bislang in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche nur ein einziges Mal im Mittelalter gegeben. Ganz zu Recht fragen sich viele Gläubige, wie denn ein Papst, der in ganz besonderer Weise Christus auf dieser Erde vertritt, und deshalb auch besonders die Rolle eines nicht austauschbaren Vaters und mit einzigartiger Gnadenfülle, zurücktreten könne.

Dazu schreibt unser Erzbischof in einem Brief an alle Priester, Diakone und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Erzbistum Köln: „Unser verehrter und lieber Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. sah sich von innen her gedrängt, den Auftrag des Petrusamtes in die Hände des Herrn zurückzugeben, da seine Kräfte ‚infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben‘, wie er selbst wörtlich sagte.“

Die Bildnachrichten haben uns wahrnehmen lassen, wie sehr Papst Benedikt in den letzten Monaten gealtert ist. Viele sprachen dann auch von einem mutigen, einem klugen, einem gut überlegten und einem demütigen Schritt, der wahre, innere Größe zeige. Fast 8 Jahre lang stand er als Pontifex in einer unausweichlichen Verantwortung für eine Weltkirche. Und das in einem Alter – Papst Benedikt steht vor der Vollendung seines 86. Lebensjahres –, wo die Rentenkassen gewöhnlich schon mehr als 20 Jahre ein sorgloses Leben im Alter ermöglichen. Die katholische Kirche gehört mit ihren 1,2 Milliarden Gläubigen zur größten christliche Konfessionsgemeinschaften weltweit. Und in keiner anderen Konfessions- oder Religionsgemeinschaft ist das Oberhaupt so intensiv an allem beteiligt, wie in der katholischen Kirche. Das fordert vom Nachfolger des Heiligen Petrus den Einsatz aller Kräfte.

Mit Blick darauf schreibt unser Erzbischof über Papst Benedikt: „Obwohl in seiner Verkündigung nichts davon zu spüren war, ist er überzeugt, dass nun sowohl seine körperliche wie geistige Kraft in einer Weise abgenommen haben, die ihn den ihm anvertrauten Dienst nicht länger angemessen ausführen lassen. Darum hat er sich vor Gottes Angesicht im Gebet geprüft und ist schließlich zu der Einsicht gelangt, dass es auch dem Willen Gottes entspricht, das vor knapp 8 Jahren übernommene Petrusamt wieder zurückzugeben.“

Es setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass die Entscheidung von Papst Benedikt nicht nur höchsten Respekt sondern Ehrfurcht abverlangt; denn er hat seinen Rücktritt im Vertrauen auf Gottes Beistand und der die Kirche und ihr Geschicke lenkenden Kraft des Heiligen Geistes gefällt. Diese Rücktrittsentscheidung ist im tiefsten eine religiöse Entscheidung. So ist sie zum einen, wie es Kardinal Meisner ausdrückt, ein Zeugnis „der hohen und ernsten Verantwortung, die unseren Heiligen Vater stets ausgezeichnet hat“ und sie erfüllt „zugleich mit höchstem Respekt und großer Dankbarkeit.“ Unser Erzbischof kommt zu dem Schluss: „Unser Papst unterstreicht mit seinem Schritt gleichsam noch einmal die Bedeutung dieses Amtes.“

Von Herzen schließe ich mich dem Wunsch unseres Bischofs an: „Ich möchte Sie herzlich und nachdrücklich darum bitten, im Gebet des Heiligen Vaters besonders intensiv zu gedenken. Bei allen heiligen Messen sollten für den Heiligen Vater Fürbitten eingelegt werden.“ Nach dem 28. Februar 2013 „ist dann Zeit, dass wir umgehend mit der ganzen Kirche um ein gesegnetes Konklave bitten, damit uns ein guter neuer Nachfolger von Papst Benedikt XVI. geschenkt werde.“

Ganz herzlich lädt schließlich der Erzbischof von Köln seine pastoralen Mitarbeiter „und alle Gläubigen unseres Erzbistums zu einem Dankgottesdienst für das Wirken unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI. für den letzten Tag seines Pontifikates, Donnerstag, 28. Februar 2013, um 18.30 Uhr in unserem Dom ein.“ Hiermit gebe ich diese Einladung empfehlend an Sie weiter.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

Pfarrnachrichten 07/2013

Giovanni Battista Tiepolo - Der nahende Engel berührt mit einer glühenden Kohle die Lippen des Propheten. So gereinigt und frei von Sünden kann dieser Gott zustimmen und ihn fortan auf Erden in segensreicher Erinnerung halten.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der fünfte Sonntag im Jahreskreis, den wir in diesem Jahr vor Aschermittwoch feiern, beginnt den Sonntagsgottesdienst mit folgenden Worten aus dem 95. (94.) Psalm: „Kommt, lasst uns niederfallen, uns verneigen vor dem Herrn, unserem Schöpfer! Denn er ist unser Gott.“ Diese Aufforderung geht an die Substanz; denn der Mensch erfährt und weiß nicht durch Nachgrübeln, wer er ist.

Die Gedanken sind frei. So heißt es schon in einem deutschen Volkslied. Tatsächlich kann sich jeder – und manche setzten es zu Karneval in witziger Weise um – die tollsten und kühnsten Gedanken darüber machen, wer er ist oder vielleicht sein könnte und möchte. Den Vorstellungen darüber sind auf der Ebene der Gedanken kaum Grenzen gesetzt; wohl aber in Abgleichung dieser Gedanken mit der Wirklichkeit.

Wer man als Mensch eigentlich ist, erfährt man durch die und in der Begegnung mit der Wirklichkeit, wobei aus dem Gesamt der Wirklichkeit die Begegnung mit dem Du des anderen herausragt. Im mitmenschlichen Du des anderen kann jeder am besten sein eigenes Ich erproben, erfahren und realisieren.

Vor allem im Gegenüber zum Du begreift sich das Ich. Dieser Prozess beginnt nach der Geburt, und nimmt von da an kein Ende. Aus diesem Gegenüber zum Du ragt noch einmal das besondere Gegenüber zum größeren Du Gottes und seiner uns nur allmählich verstehbaren Geheimnisse heraus. Wer dem Du Gottes gegenübertritt – und das sei jedem empfohlen, der wirklich Mensch werden, sich recht entfalten und richtig bleiben möchte –, der begreift zum einen, dass er ein kleines Wesen und ein verlorener Sünder ist. Darüber hinaus macht er die überraschende Erfahrung, dass sich ihm Gott ungeachtet der eigenen Geringfügigkeit zuwendet, von Sünden reinigt und mit einer überaus wichtigen Aufgabe betraut.

In der ersten Lesung dieses Sonntags aus dem Prophetenbuch Jesaja (6,1-2a.3-5) ist dies als uralte Erfahrung der Menschen festgehalten: „Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf, und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen.“

Die Erfahrung der eigenen Nichtigkeit vor der Größe Gottes tut dem Menschen sehr gut und ist unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass er über sich selber die rechte Vorstellung entwickeln kann. Die großen und kleinen Verirrungen des Menschen sind am Ende alle darin begründet, dass er sich als kleines Geschöpf Dinge zutraut und anmaßt, denen er schließlich nicht mehr gewachsen ist und durch die er in eine falsche, und damit in eine Un-Ordnung des Lebens gerät.

Nach dieser ersten Erfahrung beschreibt Jesaja eine zweite Erfahrung, die der mit sich selber aufrichtige Mensch dann machen wird (ibid., 6-8): “Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt. Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!“

Der schmerzhafte Vorgang der Lippenberührung mit einer glühenden Kohle veranschaulicht den in anderer Weise schmerzhaften Vorgang, den eigenen Hochmut angesichts der Größe Gottes abzulegen und fortan dem Allerhöchsten zu vertrauen. Dann geschieht ein Letztes: Gott nimmt dieses Vertrauen auf und vertraut dem Menschen wiederum die große Sendung an, fortan im Namen Gottes das große Du des Allmächtigen unter den Menschen lebendig zu halten, damit die nachfolgenden Genrationen in der Begegnung mit diesem Du Gottes ihr eigenes Ich in rechter Weise entfalten können.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06/2013

Jesus in der Synagoge von Nazareth -Zillis, Schweiz

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag hören wir die Fortsetzung des Evangeliums von letzter Woche. Jesus war nach Nazareth zurückgekehrt und am Sabbat, wie gewohnt, in die Synagoge gegangen. Das war zu der Zeit, wo er in den umliegenden Ortschaften bereits öffentlich aufgetreten war und Aufsehen erregt hatte. Die Kunde von ihm hatte sich in der ganzen Gegend verbreitet (vgl. Lk 4,14).

An diesem Sabbat nun las er in der Synagoge aus dem Prophetenbuch Jesaia vor und die Augen aller waren voll Erwartung auf ihn gerichtet. Dann begann er, gemäß jüdischer Gewohnheit, die vorgetragenen Worte auszulegen (Lk4, 21): „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Es ist die kürzeste Predigt Jesu, die uns überliefert ist, aber zugleich die beredtste.
Jesus stellt sich in dieser Kurz-Predigt seinen langjährigen Nachbarn und Mitbürgern aus Nazareth als den vor, auf den der Geist des Herrn ruht und den der Herr gesalbt und gesandt hat (Lk 4,18f), „damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Anfangs fand „seine Rede bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?“

Die abschließende Frage drückt nicht nur Verwunderung aus. Sie lässt bereits den Stimmungsumschlag unter den langjährigen Nachbarn und Mitbürger Jesu erkennen. Anfangs hatte sie Beifall über seine gelungene Kurzpredigt gespendet. Der Beifall ist noch nicht verklungen, da artikulieren sie schon die handfeste Absicht, Jesus umzubringen.

Der Heilig Lukas, dem wir diesen Bericht verdanken, erzählt diesen Stimmungsumschwung äußerst sparsam. Vielleicht möchte er damit als Stilmittel auf den ebenfalls nur schwer verständlichen Stimmungsumschwung nach dem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem hinweisen; denn nur ganz kurze Zeit später schrien dieselben Einwohner Jerusalems, von den Pharisäer angestachelten (Lk 23, 21): „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“

Wo liegt das Problem? Wie kommt es zu diesem Stimmungswandel?

Jesus selber lässt es uns in dem erkennen, was er seinen Nachbarn vorwirft (Lk 4, 23): „Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst!“ – Damit reflektiert Jesus, was ihm die Menschen damals in der Synagoge - und heute ist es nicht anders - schwer übel nehmen: zu bekennen, dass er der Gesalbte und Gesandte Gottes ist (s.o.).

Die Menschen wollen spektakuläre Wunder sehen, um dann noch einmal darüber zu verhandeln und zu diskutieren, ob sie ihm nun auch glauben sollten. Jesus spricht genau diesen wunden Punkt an, wenn er sie in der Synagoge an den Prophet Elija erinnert, der nicht den Israeliten sondern zwei Heiden die Wunderkraft Gottes erfahren ließ: der Witwe aus Sarepta und dem Syrer Náaman (vgl. Lk 4, 25-27). Beide glaubten bis zum Äußersten. So konnte Gott seine Wunder wirken.

Die Wunder selber führen nur bedingt zum Glauben. Wichtiger ist der Glaube. Dann sind auch wieder Wunder möglich. – Die langjährigen Nachbarn und Mitbürger Jesu glaubten nicht und wollten ihn schließlich den Abhang hinunterstürzen (vgl. Lk 4, 29). So konnte er dort auch keine Wunder wirken.

Auf welcher Seite stehen wir? Auf der, der Gläubigen; oder auf der, der Wundersüchtigen?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05/2014

Der Evangelist Lukas – Chorgemälde in Sankt Erhard, Rheinmünster-Stollhofen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Nehemia bereitet an diesem dritten Sonntag im Jahreskreis in einzigartiger Weise das Evangelium vor. Wir hören, wie Esra vom frühen Morgen bis zum Mittag (Neh, 8,3) „den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten" aus der Heiligen Schrift vorlas: „Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes.“ Dem Schriftgelehrten Esra wurde eigens dafür eine Kanzel aus Holz hergerichtet. So „stand er höher als das versammelte Volk“, und „als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle“. (ibid., 4a f)

Nehemia betont so mit Feierlichkeit die Besonderheit und die erlösende Kraft des göttlichen Wortes. Alle, die dem Vortrag des Wortes Gottes zuhörten, „verneigten sich“ und „warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zu Boden.“ Vor Ergriffenheit „weinten alle Leute, als sie die Worte des Gesetzes hörten.“ (ibid., 9)

Im Sonntagsevangelium, zusammengesetzt aus den ersten vier Versen des Lukas-Evangeliums und dann den Versen ab Lukas 4,14, geht es ebenfalls in besonderer Weise um das Wort Gottes. Lukas schreibt in der Einleitung seines Evangeliums (Lk 1,1-4), dass „schon viele es unternommen haben, eine Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat“, wobei sie sich getreu an die Überlieferung der Augenzeugen gehalten hätten. Nun habe auch er sich „entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.“

Hier wird zum einen die menschliche Sorgfalt unterstrichen, mit der die Worte und Taten unseres Herrn von Anfang an getreu und unverfälscht weitergegeben wurden. Das lässt sich auch textkritisch überraschend genau belegen. Hinzu kommt die Hilfe, die Gott den Hagiographen gewährt hat, den heiligen Schriftstellern, so dass die Hl. Schrift in all dem frei von Irrtum ist, was für unser Heil entscheidend und grundlegend ist. Wir sprechen hier von der „göttlichen Inspiration“ der Hl. Schrift, die deshalb zu recht „Wort Gottes“ genannt wird.

Lukas schreibt sein Evangelium nicht für eine anonyme Masse. Er wendet seine ganze Mühe auf, um einem einzigen, seinem „hochverehrten Theophilus“, alles der Reihe nach aufzuschreiben, damit, wie Lukas schreibt (1,4) „du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen kannst, in der du unterwiesen wurdest“. – Ähnlich persönlich wie für Theophilus, ist die Heilige Schrift auch ganz persönlich für uns geschrieben worden. Ähnlich wie beim Vortrag der Hl. Schrift durch Esra, möchte Gott auch unser Herz anrühren, wenn wir dem Wort Gottes zuhören und uns lesend damit beschäftigen.

Das wird noch einmal im zweiten Teil des Sonntagsevangeliums unterstrichen. Als Jesus nach Nazareth zurückkam, „wo er aufgewachsen war“ (Lk 4, 16ff), ging er wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge. Diesmal aber übernahm er den Lektorendienst, „schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich die Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Diese gnadenreiche Verheißung ist nun zur Wirklichkeit geworden. Jesus erklärt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“; und der Herr spricht uns damit genauso aktuell an, wie damals seine Zuhörer. Es ist eine Frage des Glaubens, der dann wachsen und zunehmen und seine Feuerprobe im realen Leben bestehen wird, wenn wir das Wort Gottes in dieser Haltung lesen, wie es uns soeben erklärt wurde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04/2014

Hochzeit zu Kana, romanischer Decken-Bilder-Zyklus aus Zillis

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag, den wir auch als Familiensonntag feiern, wird uns eines der wohl bekanntesten Wunder des Herrn aus dem Evangelium vorgetragen: die Verwandlung von Wasser in Wein auf der „Hochzeit zu Kana“ in Galiläa (vgl. Johannesevangelium 2,1-11). – Es ist das erste Wunder, das Jesus in der Öffentlichkeit wirkt (vgl. Joh 2,11) und es steht in einer gewissen Beziehung zu den vor kurzem gefeierten „Erscheinungsfesten“: dem Fest der Heiligen Drei Könige und dem Fest der Taufe Jesu, die aus folgender Perspektive „Erscheinungsfeste“ genannt werden.

Der als Kind geboren Gottessohn „erscheint“ in seiner Besonderheit in Bethlehem den „Sterndeutern aus dem Osten“ (Mt 2,1), die sich stellvertretend für alle Menschen auf den Weg gemacht haben; und Jahre später offenbart eine Stimme aus dem Himmel bei der Taufe Jesu am Jordan (Lk 3,22): „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Gott offenbart Jesus also schrittweise als den, auf dem „der Geist des Herrn ruht“ (vgl. Jes 61,1 und Lk 4,16 ff). Als solcher „erscheint“ er uns.

Bei der Hochzeit zu Kana „erscheint“ die Besonderheit Jesus zum dritten Mal. Der Evangelist erwähnt dies als Tatsache auch ausdrücklich am Ende des Berichtes über diese einzigartige Hochzeit (ibid.): “und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.“ Diese Verwandtschaft der Hochzeit zu Kana mit dem Weihnachtsgeschehen fasst ein Gebet zusammen aus dem Stundenbuch der Kirche zum Hochfest der Drei Könige: „Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führt der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil, Halleluja!“

Als man den Kirchenvater Hieronymus fragte, wie die Hochzeitsgesellschaft von Kana eine solche Weinmenge trinken konnte – es wurden sechs steinerne Krüge á 100 Liter Wasser in 600 Liter kostbaren Wein verwandelt –, gab er zur Antwort: „Von diesem Wein trinken wir noch heute!“ Seine Aussage geht in dieselbe Richtung wie dieses Gebet aus dem Stundenbuch: „Heute!“

Die Verwandlung von Wasser in Wein erzählt uns etwas über die Weise, wie Gott sich zu uns Menschen bis heute und damit bis zum Ende der Zeit verhält. Deshalb steht das Wandlungswunder nicht zufällig am Anfang des Johannesevangeliums. Das Evangelium bezeugt: Gott verwandelt; er erlöst. Dafür ist er als Mensch zu uns gekommen und uns „erschienen“.

In diesem Zusammenhang ist auffällig, dass alles sehr genau datiert ist: „Am dritten Tag fand in Kana eine Hochzeit statt“ (Joh 2,1). Nach dem Verlauf des Johannesevangeliums findet an den zwei vorhergehenden Tagen zum einen (Joh 1, 29 f) die erste öffentliche Begegnung mit dem Täufer am Jordan und am darauf folgenden Tag (Joh 1, 35 f) die Berufung der ersten Jünger statt. Nun ist die Strecke vom Ort der Taufe Jesu, vom Jordan in der Nähe von Jerusalem, bis zum Ort der Hochzeit in Kana in Galiläa deutlich größer, als dass sie damals an einem einzigen Tag bewältigt werden konnte. Die Zeitangaben des ortskundigen Evangelisten haben von daher eindeutig einen metaphorischen, einen tiefergehenden Sinn.

Dem Evangelisten geht es nicht um die Aneinanderreihung von Geschehnissen wie bei einem die Abläufe aufzählendem Polizeibericht. Johannes will mit dem engmaschigen Zeitrahmen darlegen, wie eng die Erscheinung Gottes in Jesus verknüpft ist mit dem Erkennen und dem Zustimmen seiner Jünger. Das ist heute nicht anders wie damals, als der Täufer am Jordan Jesus das „Lamm Gottes“ nennt, worauf seine Jünger fortan Jesus folgen, und wie beim Wandlungswunder in Kana, wo „Jesus seine Herrlichkeit offenbarte und seine Jünger an ihn glaubten.“ (Joh 2,11)

Der Gottessohn Jesus von Nazareth und seine göttliche Vollmacht sind eng verbunden mit denen, die ihm folgen. Ihnen gibt er sich und seine verwandelnde Kraft zu erkennen, und wiederum wird er gewöhnlich nur über sie als menschgewordener Gott in seiner verwandelnden Kraft erkannt.

Wer dies aus der Art, wie Johannes sein Evangelium gewoben hat, vielleicht noch nicht so recht zu erkennen vermag, der darf es sich noch einmal direkt von Maria, der Mutter Jesu, sagen lassen. Den Dienern von damals sagte sie (Joh 2,5): „Alles, was er euch sagt, das tut!“ – Das sagt Maria jedem von uns auch heute. Wer sich wie die Diener damals auch heute daran hält, erfährt die verwandelnde Kraft Jesu auch im eigenen Leben und wird so vor anderen zum Zeugen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 03/2013

Asperges: Sonntägliches Taufgedächtnis - Quelle: Wikepedia

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Bei besonderen Gelegenheiten pflegt der Zelebrant zur Eröffnung eines Gottesdienstes mit einem handlichen, kleinen Weihwasserkessel durch den Mittelgang der Kirche zu ziehen und die Gläubigen mit Weihwasser zu besprengen. Wer ganz vorne steht, kann schon einmal unfreiwillig „eine kleine Dusche“ abbekommen. Und das ist auch gut so.

Diese Segenshandlung wird nicht selten „asperges“ genannt, nach dem Text aus dem 51. Psalm, der dabei gesungenen wird: „Asperges me, Domine, hyssopo, et mundabor: lavabis me, et super nivem dealbabor. Miserere mei, Deus, secundum magnam misericordiam tuam. [Entsündige mich (wörtlich: Besprenge mich) mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee. (Ps 51,9 EU) Erbarme dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit. (Ps 51,3)].“

Es geht hier um ein Taufgedächtnis, um eine Erinnerung und damit eine Erneuerung des Taufsakramentes. Der Empfänger dieses sogenannten Sakramentales, abgeleitet vom Begriff Sakrament, bekreuzigt sich dabei zum Gedächtnis an die eigene Taufe. Er bittet um Erneuerung der empfangenen Taufgnade und um Vergebung der Sünden. Dieser Ritus des Taufgedächtnisses und der Reinigung ersetzt das Schuldbekenntnis zu Beginn der Heiligen Messe, das damit entfällt. In der Osterzeit wird zum Besprengen das in der Osternacht geweihte Taufwasser genommen, und an Stelle des „Asperges me“ wird das „Vidi aquam“ gesungen.

Auch am Fest der Taufe Jesu an diesem Sonntag werden wir an die Taufe erinnert.

Die Taufe Jesu ist eng mit einer wirkmächtigen Person verbunden: mit Johannes dem Täufer, dem Mann in der Wüste. Auffällig ist seine Selbstlosigkeit. Seine Zeitgenossen dachten insgeheim bereits, ob nicht er der Messias sei. „Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3, 16) Ganz selbstlos weist er auf Jesus hin. Ohne jede Selbstbespiegelung ist er von dem Wunsch beseelt, dass alle den Weg zu Jesus finden und ihm begegnen.

Johannes der Täufer beeindruckt in seiner Art, niemanden bei sich fest zu halten. Großherzig lässt er selbst seine engsten Freunde, seine Wegbegleiter und Jünger in die Gefolgschaft Jesu überwechseln (vgl. Joh 1,35 ff). Damit hält sich selber an das, was er predigt: „Die Zukunft liegt bei dem, der nach mir kommt.”

Der Weg der Zukunft liegt für Johannes in der Gemeinschaft mit Jesus. Mit seinem ganzen Leben setzt er sich dafür ein, jeden einzelnen mit Jesus bekannt zu machen. Damit bekennt und verkündet Johannes: Wer die Nähe Jesu sucht, sie pflegt und aufrechterhält, der hat Zukunft, denn er wird Gott begegnet. In Gottes Nähe wird einem existentiell erfahrbar geschenkt, wofür man lebt, welch überraschender Sinn dem eigenen Leben eingewoben ist, und aus welcher Kraft man lebt.

Wer sich mit Gottes Hilfe in der Nähe Jesu aufzuhalten pflegt, hört gewiss nicht immer die Engel singen, aber er wird reichlich mit den Augenblicken beschenkt, in denen sich der Himmel öffnet, wie es am Fest der Taufe Jesu im Evangelium heißt.

Noch klingt die weihnachtliche Zeit nach. Auch diese ist ein Augenblick, in dem der Himmel offen steht und Gott sein Wort in diese Welt sendet. Bei der Taufe Jesu öffnet sich der Himmel erneut und der Vater spricht die Worte, die er bei jeder Taufe, auch bei unserer Taufe und jeder Tauferneuerung wiederholt (Lk 3,22): „Du bist mein geliebter Sohn (mein geliebtes Kind), an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Gott hat seine Freude an uns. Es lohnt sich, die Tragweiter dieser Tatsache betrachtend zu vertiefen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 02/2013

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Hochfest der Heiligen Drei Könige ist in gewisser Weise ein zweites Weihnachtsfest. Gottes Sohn wurde im Stall nicht nur für das Volk Israel geboren, das in den Hirten von Bethlehem vertreten ist, sondern für alle Menschen, für die die Sterndeuter stehen. Das heutige Fest trägt von daher auch den Namen „Erscheinung des Herrn“. Mit der Ankunft der Sterndeuter ist Jesus nun also der ganzen Menschheit „erschienen“. Alle Menschen können nun Weihnachten feiern.

Darüber hinaus sind die Begleitumstände dieses zweiten Weihnachtsfestes bedeutsam. Anders als bei den Hirten sind es nun gescheite Leute, die sich als Gebildete in ihrer Weise, und damit anders als die Hirten auf den Weg und die Suche machen. Die Weisen folgen einem außergewöhnlichen Licht in der Hoffnung, ein großes, alles überragende Licht zu finden, das unser Dasein erklärt und seine Erfüllung möglich macht.

Zunächst aber begegnen sie König Herodes, einem kaltblütigen Machtmenschen, der sich ebenfalls sehr für das Kind interessiert, allerdings um es zu töten. Im anderen, egal ob Gott oder Mensch, sieht Herodes nur den möglichen Rivalen, der bekämpft und beseitigt werden muss. Ein solcher Herodes steckt in jedem von uns. Er macht unglücklich. Schieben nicht auch wir die leise Stimme Gottes, der uns zum Guten, zur Umkehr und zur Veränderung hin zum Besseren mahnt, wiederholt beiseite? Weder Gott noch andere sollen uns stören in unserem Drang nach ichbezogener, und deshalb rücksichtsloser und ungezügelter Selbstverwirklichung.

Wenn Gott uns nicht erlaubt, nach unserem Belieben über das Leben zu verfügen, dann setzt er damit unserem Leben keine wirklichen Grenzen. Im Gegenteil: Wer Gott Raum gibt, der erfährt, dass Gott nicht beschränkt, sondern das Große in uns erst ermöglicht. Gott ist allmächtige Liebe, die nichts hinwegnimmt und uns nicht bedroht. Allein er ermöglicht, in Fülle zu leben und wahre Freude zu empfinden.

Von all dem will Herodes nichts wissen. Deshalb ist der Stern über Jerusalem auch nicht mehr zu sehen und deshalb ist das neugeborene Kind auch nicht im königlichen Palast zu finden, wo die Sterndeuter aus gutem Grund zuerst nachgefragt haben.
Allerdings erfahren die Sterndeuter dort, wo sie das Kind finden könnten; merkwürdigerweise von Gelehrten wie sie, die sich nun gemeinsam mit ihnen auf den Weg zum neugeborenen König hätten machen können. Sie aber ziehen es vor, darüber nur zu diskutieren und zu debattieren. Selber machen sie sich nicht auf den Weg. Auch das ist uns hinreichend bekannt.

Anders die drei Weisen: Sie „machten … sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ (Mt 2,9) Was ist das für ein Stern?

Astronomisch gilt ein selten auffälliges Sternenbild im historisch wahrscheinlichen Geburtsjahr Jesu Christi längst als erwiesen. Aber noch viel interessanter ist die zeichenhafte Bedeutung dieses Sterns. – Er steht für die nicht übersehbaren Spuren Gottes in seiner Schöpfung, die uns zu ihrem Schöpfer, zu Gott selber führen. Die Drei waren sich sicher, Gott in der Schöpfung, besonders in der zwischenmenschlichen Liebe erkennen zu können. Sie versuchten, die Handschrift Gottes in der Schöpfung zu lesen und zu entziffern.

Wir täten gut daran, es ihnen nachzutun, und sensibler umzugehen mit dem, was die Natur uns sagt. Wir würden Kinder nicht mehr abtreiben und gegen die innere Natur der Liebe verhüten, und uns vom Kindermachen auf Bestellung verabschieden.

Um die Natur in rechter Weise zu dechiffrieren sind wir zudem, wie die Sterndeuter, auf die Hl. Schrift, auf Gottes Wort angewiesen. Ohne den biblischen Hinweis auf Bethlehem hätten sie das Kind nicht gefunden. So aber fanden sie „das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.“ (Mt 2, 11). Tun wir es den Dreien in allem gleich, bis hin zur Anbetung und Huldigung Gottes. Dann wird auch unser Leben weihnachtlich.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 52/2012 und 01/2013

Kinderzeichnung - Katholische Hauptschule Großer Griechenmarkt, Köln

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Aus gutem Grund ist es Tradition, sich zu Weihnachten das zu sagen, was einen besonders bewegt. Gott hat es uns vorgemacht. Er hat uns sein Wort gegeben, das für uns Mensch geworden ist. Wunderbares wurde uns so geschenkt: Ein hilfloses Kind, das unser aller Helfer ist.

So ist irdische Vergänglichkeit fortan von himmlischer Herrlichkeit erfüllt; die Antwort der unauflösbaren Sinnfrage liegt nun überraschend in einer Krippe.

Als kleine Ergänzung zu dem Großen, was Gott uns sagt, pflegen wir zu Weihnachten uns gegenseitig zu sagen, was uns bereichert und beschenkt hat. So befreit recht gefeierte Weihnacht von einer Illusion, die nicht zum Glück, sondern in die Einsamkeit führt: Von der trügerischen Illusion, unsere tiefsten Wünsche uns selber erfüllen zu können.

Zu Weihnachten sagen wir ganz bescheiden Dank für all das, was andere im vergangenen Jahr für uns getan haben. So öffnet sich unser Herz wieder ganz der überraschenden Wirklichkeit, dass wir alle am Wunder der Heiligen Nacht mitgewirkt haben.

Durch unser gegenseitiges Wirken und Helfen haben wir uns in dieses Wunder hineinbegeben und hineinnehmen lassen. So haben wir vielen eine Freude bereiten und selber Freude empfangen können. Möge diese Freude die noch viel größere abrunden, die unser Herr und Gott auch an diesem Weihnachtsfest uns allen schenken möchte.

Mit aufrichtigem Dank für Ihr Mitsorgen und Mithelfen über den Kreis der Ihrigen hinaus auch für unsere Gemeinde St. Pantaleon wünsche ich Ihnen von Herzen ein gnadenreiches Weihnachtsfest und Gottes reichen Segen im kommenden Jahr.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51/2012

Bartolomé Esteban Perez Murillo - Das Christuskind reicht Johannes dem Täufer eine Schale Wasser - 1675-1680

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die drei Schriftlesungen vom dritten Adventsonntag verbinden, wie ein weiter Bogen gespannt, zwei scheinbar entgegen gesetzte aber innerlich eng zusammen hängende Anliegen. Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Zefanja fordert in höchsten Tönen dazu auf, sich zu freuen und zu frohlocken (Zef 3,14): „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“

Ganz ähnlich, wenn auch in der Wortwahl nicht ganz so überschwänglich, schreibt Paulus an seine geliebte Gemeinde in Philippi, was uns danach in der zweiten, der neutestamentlichen Lesung vorgetragen wird (Phil 4,4): „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ Diese Aufforderung des Heiligen Paulus hat dem dritten Adventsonntag seinen Namen gegeben: „Gaudete“ – das lateinische Wort für „Freut euch“.

Vielerorts trägt der Priester am Altar ein rosa gefärbtes Messgewand, das nur am 3. Advent- und am 4. Fastensonntag getragen wird. In der Zeit der Umkehr, der Buße und des Verzicht als Vorbereitung auf die jeweiligen Hochfeste Weihnachten und Ostern sind diese beiden Sonntage nicht vom Violett der Buße und auch (noch) nicht vom Weiß oder Gold der Freude bestimmt, sondern von der dazwischen liegenden Farbe rosa. Manchmal findet man das auch bei Adventkränzen: Die dritte Kerze ist rosa gefärbt. Es soll einem innerlich das Herz dabei aufgeht und der Zusammenhang zwischen Freude und Buße, zwischen Frohlocken und Verzicht wieder bewusst werden.

Im Gegensatz zu den beiden Lesungen kommt das Evangelium mit den Worten des Bußpredigers Johannes, des Täufers, auf den ersten Blick nämlich ganz anders daher. Über Jesus, dessen Kommen er ankündigt, sagt er (Lk 3,17): „Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“ Das klingt erst einmal nicht so schön und scheint den verheißungsvollen Worten der Lesungen, die zur Freude einladen, zu widersprechen. Auch Theologen haben nicht immer der Versuchung widerstanden, diese eher unangenehmen Worte über Jesus einfach zu verschweigen.

Diese Worte stören, wenn man in Jesus, dem Herrn, vor allem einen harmlosen, zärtlichen und milden Humanisten sehen will, der immer nur Frieden und Nächstenliebe verkündet habe. Ohne diese Worte über Jesus wird man ihm aber nicht gerecht. Auch der Herr hat, wie der Täufer, verschiedentlich in der Art der Gerichtsprediger gesprochen. So z.B. über die Städte am See im galiläischen Zentrum seines Wirkens (Lk 10,13-15): "Weh dir, Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Wenn einst in (den heidnischen Städten) Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Tyrus und Sidon wird es beim Gericht nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du würdest bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen."

Das eine hängt mit dem anderen unverzichtbar zusammen: Wahre und erfüllende Freude gibt es nur dort, wo man davor liegende Schuld eingesteht, sie bedauert und bereut, und sich von ihr ab- und Gott wieder zuwendet. Die Lesung aus dem Buch Zefanja macht diesen inneren Zusammenhang deutlich. Zion darf jubeln, sich freuen und frohlocken, weil (Zef 3,15) "der Herr das Urteil … aufgehoben hat."

So gehören Freude und bußfertige Umkehr ganz eng zusammen: Sie bilden die beiden Eckpunkte, zwischen denen das Leben des irdischen Menschen ausgespannt bleibt bis er einmal für immer und unübertreffbar von Gott erfüllt und umgestaltet ist in der Ewigkeit, die Gott durch seiner Menschwerdung den Seinen endgültig ermöglicht hat.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50/2012

Dietrich Bouts, der Jüngere - Johannes der Täufer, um 1470, Alte Pinakothek in München

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der zweite Adventsonntag wird umrahmt von zwei Marienfesten: Dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria – zugleich Patronatsfest des Kölner Erzbistums, und dem Gedenktag der Gottesmutter von Guadalupe, den wir in St. Pantaleon aus gegebenem Anlass seit Jahren in ganz besonderer Weise feiern.

Ohne im Einzelnen näher darauf eingehen zu können, hilft in besondere Weise der Blick auf und von Maria aus die Dringlichkeit des Täufers zu verstehen, mit der er „Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ und die Vorbereitung auf die Ankunft des Erlösers predigt.

Vom Geheimnis Mariens her bekommen wir das Ganze in Blick; ausgehend von Adam und Eva bis heute und darüber hinaus. Denn in der Geschichte von der Schöpfung und vom Sündenfall spiegelt sich nicht nur die Geschichte des Anfangs; sondern zugleich die Geschichte aller Zeiten wider. Wir alle spüren bis heute eine Neigung in unserem Inneren, wie sie im Sündenfall bildhaft veranschaulicht wird.

Hat nicht jeder von uns schon einmal gedacht, dass die Moral das Leben ziemlich langweilig macht? Und womöglich haben wir diesen Gedanken dann auch zum Vorwand genommen, Gott beiseite zu schieben und das Verbotene zu tun. … Irgendwann haben wir alle wohl einmal gedacht, dass man sich gar nicht richtig verwirklichen könne, wenn man sich immer an die Gebote hält, dass man alles auch einmal anders sehen und manches doch auch ausprobieren müsse.

Letztlich vollzog sich genau darin die erste Sünde von Adam und Eva: Von der Schlange verführt, verdächtigen sie Gott, er würde ihnen etwas vom Leben wegnehmen. „Ihr werdet nicht sterben“, sagt die Schlagen. „Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“

Die Schlange stellt Gott als Konkurrenten dar, der nicht will, dass uns die Augen aufgehen, der nicht will, dass wir erwachsen werden und auf eigenen Füßen stehen können. Gott wird dargestellt als jemand, der unsere Freiheit einschränkt, uns in Abhängigkeit hält und der uns gefangen hält in moralischer Unmündigkeit, ohne das wahre Wissen über Gut und Böse, damit wir nicht so klug wie er werden.

Damit gaukelt die Schlange vor, wir würden uns und unsere Freiheit nur ohne Gott verwirklichen können. Der Mensch im Paradies hat sich auf diesen Schwindel der Schlange eingelassen. Fortan schwelt in ihm der Verdacht, die Liebe Gottes erzeuge Abhängigkeit und er müsse sich davon befreien. Dann zählt aber nicht mehr die Liebe, sondern die Macht.

In dieser Haltung will der Mensch sein Leben und das Gelingen seines Lebens nicht mehr von Gott empfangen. Fortan erwartet er das alles vom Baum der Erkenntnis; aber eben nicht mehr von Gott.

Im Keim lautet jede gottlose Versuchung gleich, nämlich: Macht erlangen vom Baum der Erkenntnis; Macht, die Welt zu formen, Gott zu werden. Der erbsündliche Mensch will selber Gott sein und Tod und Finsternis mit eigener Kraft besiegen. Der erbsündliche Mensch will nicht auf die Liebe zählen, die ihm nicht zuverlässig erscheint.

Anstatt auf die Liebe setzt er auf die Macht der Erkenntnis, mit der er sein Leben selbständig in die Hand nehmen möchte. – Die geschichtliche Erfahrung aber lehrt, dass der Mensch bei dieser Einstellung vom guten Weg abkommt; dass er den gute Weg immer weniger erkennen kann und sich schließlich verirrt. Ohne Gott findet der Mensch in seinem Leben immer nur vorübergehendes Glück und keinen bleibenden Sinn. So verliert er sich im Vergänglichen, das dann zur Lüge wird und in Tod und Finsternis endet.

Von daher weist Johannes eindringlich auf Christus, auf das Lamm Gottes hin. Er hat uns aus dieser Situation erlöst. Die Dimension und Größe dieser Erlösung wird in besondere Weise in Maria deutlich; denn in ihr beginnt die Geschichte Gottes mit uns Menschen ganz von Neuem. Das Geheimnis Mariens bringt noch sehr viel mehr Licht in die letztlich kosmische Dimension der Erlösung. Vielleicht ein anderes Mal mehr darüber.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 49/2012

Portal der Kathedrale in Arles - Christus als Weltenrichter

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“, singen Kinder in einem kindlich gehaltenen, recht bekannten Weihnachtslied. Und „alle Jahre wieder“ bereiten sich Christen vom ersten Advent an auf die Ankunft dieses Kindes vor.

Wem das nichts mehr sagt, wer damit nichts mehr anfangen kann oder das nicht mehr versteht, sieht das alles wahrscheinlich nur in einem komikartig reduzierten Horizont, wie er etwa alljährlich in der zu Silvesterabend ausgestrahlten Satire „Dinner for one“ in Szene gesetzt wird: An ihrem 90. Geburtstag lädt Miss Sophie wie in jedem Jahr ihre vier engsten Freunde ein, Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom, obwohl alle längst verstorben sind. Um die Illusion zu wahren, muss Butler James zuerst den vier imaginären Herren die von Miss Sophie zu jedem Gang ausgewählten Getränke (Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein) einschenken und daraufhin den Trinkspruch der Gastgeberin stellvertretend für alle imaginären Gäste mit dem vollständigen Austrinken des Drinks beantworten. – Nebenbei bemerkt wird diese Rolle des Butlers vom englischen Komiker Freddie Frinton – mit seiner Partnerin May Warden – großartig gespielt.

Mit jedem Menügang steigt neben dem Blutalkohol in unterschiedlichem Maß einerseits die Erwartung des nächsten Drinks, zugleich aber auch seine Zurückweisung und Ablehnung. Butler James drückt dies vor jeder neuen Runde unter anderem in der immer gleichen Frage aus: “The same procedure as last year, Miss Sophie?“ (Der gleiche Ablauf wie im vergangenen Jahr, Miss Sophie?) Und Miss Sophie erwidert jedes Mal: “The same procedure as every year, James.“ (Der gleiche Ablauf wie in jedem Jahr, James.)

Diesen markanten Dialog wiederholen beide Schauspieler insgesamt fünfmal. Er hat sich inzwischen „durch fortwährende Wiederholung zu Silvester über vier Jahrzehnte zu selbstironisierender Tradition bis hin zur Selbstbezüglichkeit konkretisiert.“ (Wikipedia)

Das eingangs erwähnte „alle Jahre wieder“ des kindlichen Weihnachtsliedes ist von völlig anderer Art. Es wird von der tiefen Überzeugung getragen, dass Gott selber mit seiner ganzen Sinnfülle nicht eigentlich in den unter Tannenbäumen aufgestellten Krippen, dafür aber ganz real im Herzen jedes Menschen ankommen möchte. Advent und im Anschluss daran Weihnachten feiern heißt, Gott in mein Leben und damit in meinen Alltag hinein zu lassen. Ein solches Leben mit Gott muss als Lebensaufgabe beständig neu angepackt und mit dieser Perspektive immer neu in Angriff genommen werden. Das ist nämlich sehr anspruchsvoll; weil es unsere eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten weit übersteigt. Und deshalb singen wir mit dem Gesangbuch (Gotteslob, Nr. 644) in der zweiten Strophe: „Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, dass sie Deine Stimme hört, sich zu Deinem Wort bekehrt. Erbarm Dich, Herr.“

Ein solches Beginnen und wieder neu Beginnen setzt auch die Befreiung von Altlasten voraus. Wer im Advent in der ganz oben genannten Weise „Alle Jahre wieder“ singen und es in rechter Weise durchbeten möchte, der sollte auch wieder einmal zur Beichte gehen und vor Gott reinen Tisch machen. Durch dieses Sakrament verliert man auch den letzten Rest von Skepsis und selbstironisierender Verharmlosung des „Alle Jahre wieder“. Die Beichte ist ein interessantes und großes Sakrament, weil es den Horizont des eigenen Lebens wieder an die Größe Gottes anpasst.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 48/2012

Dom von Cefalù / Sizilien - Mosaik der Zentralapsis: Jesus Christus als Pantokrator

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Christkönigssonntag ist der letzte Sonntag im Jahreskreis. Mit dem ersten Advent beginnt dann der darauf folgende nächste Jahreskreis.

Überraschender Weise versetzt uns das „Christkönigs-Evangelium“ des aktuellen Lesejahres in genau jenen Augenblick, an dem Jesu als Angeklagter vor Pontius Pilatus steht und sich als König bekennt. Die Erklärung ist erst einmal einfach: Es ist das einzige von den Evangelien überlieferte Mal, an dem Jesus über sich selber sagt, dass er ein König ist. Auffällig und zugleich interessant daran ist, dass Jesus dieses Bekenntnis nicht im Augenblicken seiner großen Wunder ablegt, oder seines umjubelten Einzugs in Jerusalem. Fast gegenläufig entzieht er sich etwa bei der großen Brotvermehrung sogar der Menge, als diese ihn zum „Brot“-König machen will (vg. Joh. 6,15). Jesus bekennt sich exklusiv nur einmal ausdrücklich als König: zielgerichtet und ganz bewusst in genau diesem Augenblick seines scheinbaren Scheiterns, da man ihn endgültig aus dem Wege schaffen möchte.

Der Gegensatz kann kaum größer sein. Jesus steht in der Ohnmacht eines von der Todesstrafe bedrohten Gefangenen vor der weltlichen Machtfülle und Pracht eines Pontius Pilatus und sagt genau hier von sich selber, dass er ein König sei. Diese Situation ist geeignet, eine Komik auszulösen, die den Spott der misshandelnden Soldaten und des die Kreuzigung fordernden Pöbel zusätzlich anheizt.

Die genaue Lektüre des biblischen Textes verschiebt allerdings ganz gewaltig das nur auf den ersten Blick so scheinende Verhältnis von der Ohnmacht Jesu gegenüber der Übermacht des Pilatus. Auf die Frage des Pilatus (Joh 18,33b): „Bist du der König der Juden?“ muss sich Pilatus von Jesus die Gegenfrage gefallen lassen (ibid., 34): „Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?“

Pilatus lässt sich nicht von seiner eigenen Überzeugung leiten. Er handelt, um anderen zu gefallen und für sich Vorteile zu erlangen (ibid., 35): „Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?“ Daraufhin erklärt Jesus (ibid.: 36): „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“

Was meint Jesus mit seinem Königtum, das nicht von dieser Welt ist? Was für ein Königtum ist das? Jesus erklärt weiter (ibid., 37): „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Gegenüber einer Welt, die schnell zum Lüge bereit ist, hält Jesus auch und gerade in der Stunde seiner scheinbar größten Schwachheit und Niederlage an der Wahrheit fest.

So zeigt Jesus, dass seine Macht anders als die des Pilatus ist. Sie zerstört nicht, sondern baut auf. Sie vernichtet nicht sondern erlöst

Wer ist denn letztlich größer und stärker? Wer einen Porzellanteller zertrümmert, oder wer die Scherben wieder zusammenkittet? Ist stärker, wer einen Streit anfängt, oder wer versöhnt und Ausgleich schafft?

Papst Benedikt hat die eigentlichen Machtverhältnisse in seiner Predigt zu Beginn seines Pontifikates im April 2005 auf dem Petersplatz sehr schön auf den Punkt gebracht: „Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Der Gott, der Lamm wurde, sagt es uns: Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47/2012

Quinten Massys - Vision des Propheten Ezechiels - Auferstehung der Toten

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Alten Testament finden wir nur wenig über die so genannte Auferstehung der Toten, mit der als vielversprechender Wirklichkeit das christliche Glaubensbekenntnis schließt: „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“

In der ersten Lesung dieses Sonntags aus recht spät verfassten Prophetenbuch Daniel (12,2-3) wird dieser Glaube jedoch bereits im Alten Testament ausgesprochen: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.“

Mit der „Auferstehung der Toten“ – im apostolischen Glaubensbekenntnis wörtlich sogar „carnis resurrectionem“ = „Auferstehung des Fleisches“ – ist gemeint, „dass der endgültige Zustand des Menschen nicht nur die vom Leib getrennte Geistseele betrifft, sondern dass auch unsere sterblichen Leiber einst wieder lebendig werden“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium, Nr. 203). Der christliche Glaube erklärt dies von Jesus Christus her (ibid., Nr. 204): „Wie Christus wahrhaft von den Toten auferstanden ist und für immer lebt, so wird er selbst alle am Letzten Tag mit einem unvergänglichen Leib auferwecken: »Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht« (Joh 5,29).“

Sobald sich die Seele im Augenblick des Todes vom Leib trennt, ihn in der Verwesung zurücklässt und dem Gericht Gottes entgegen geht, „wartet sie darauf, wieder mit dem Leib vereint zu werden, der bei der Wiederkunft des Herrn verwandelt auferstehen wird. Das Wie dieser Auferstehung übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen“, so noch einmal der katholische Katechismus (ibid., Nr. 205).

Das ist zugleich das Thema des Sonntagsevangeliums. – Als einmal ein Jünger auf die erhabene Größe des Tempels hinwiest: „Meister, sieh, was für Steine und was für Bauten!“, antwortet ihm Jesus: „Kein Stein wird auf dem andern bleiben, alles wird niedergerissen“ (Mk 13,1-2).

Das Irdische, besonders der Leib des Menschen, sein Fleisch, hat eine entscheidende Bedeutung, die aber einem zeitlichen Bruch unterliegt. Eben deshalb spricht Jesus vom zeitlichen Ende. Nach einer gewissen Zeit großer Not „wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden“ (Mk 13,24 f). Ein Total-Kollaps des Kosmos! Darauf folgt, worauf alles hinausläuft: „Man wird den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“ (Mk 13, 26 f).

Interessanterweise haben die ersten Christen diesen Augenblick mit Sehnsucht erwartet. "Maranatha! – Komm, Herr Jesus!", so haben sie mit innigem Glauben und aus tiefster Sehnsucht gebetet. Damit endet auch das Neue Testament (Offb., 22,2): "Komm, Herr Jesus!"

Warum ist von dieser Erwartung in unserer Zeit so wenig zu spüren; stattdessen aber eine diffuse Angst vor dem, was kommen wird? Hängen wir so sehr am Irdischen, an unserem Fleisch, am materiellen Wohlergehen, dass unsere Seelen blind geworden sind?

Die Seele braucht den Leib. In ihm und durch ihn drückt sie sich aus. Aber dafür muss sie das Fleisch beherrschen. Sonst hat der Leib das Sagen. Er knechtet dann die Seele und macht sie sich gefügig. Dann sterben im Menschen alle großen Erwartungen. Und die Angst vor einer zunehmend nur materiell gesehenen Zukunft nimmt zu, greift um sich, und erdrückt den Menschen.

Wer in einer solchen Situation nicht umkehrt und Gott um Erlösung bittet, dessen auferstandener Leib wird ihn dann auch in der Ewigkeit für immer knechten und bestimmen. – Wer aber umkehrt, dessen auferstandenes Fleisch wird das Gute und Schöne der freien und erlösten, weil bestimmenden Seele in der Ewigkeit des „neuen Himmels und der neuen Erde“ (Offb. 21,1) für immer auch leiblich hell leuchten lassen und in „neuer“ Weise (s.o.: Offb 21,1 und Dan. 12,3) materiell-körperlich beglücken.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45/2012

Das „Doppeltgebot“ der Gottes- und Nächstenliebe wird in der Reihenfolge der 10 Gebote deutlich.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pataleon!

Die Lesungen des 31. Sonntages im Jahreskreis sind gut geeignet, die Anliegen des von Papst Benedikt mit dem apostolischen Schreiben „Porta fidei“ im Oktober ausgerufenen Glaubensjahr weiter zu vertiefen. „Von Anfang meines Dienstes als Nachfolger Petri an“, so Papst Benedikt, „habe ich an die Notwendigkeit erinnert, den Weg des Glaubens wiederzuentdecken, um die Freunde und die erneute Begeisterung der Begegnung mit Christus immer deutlicher zutage treten zu lassen.“

Ausgehend von den Lesungen dieses Sonntags lässt sich darlegen, dass ein Christ sich nicht damit zufrieden geben kann, anständig zu sein und rechtschaffen seine Pflicht zu tun. Das tun auch alle anderen, auch die Nichtchristen und Heiden. Das Besondere, die große Wahrheit im Leben eines Christen ist Christus selbst. Er ist „Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“, wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Und das große Gebot Jesu Christi ist die Liebe, so wie er sie verkündet hat. Diese Liebe Jesu Christi, die christliche Liebe, geht weit über das hinaus, wozu Menschen aus eigener Kraft in der Lage sind.

Diese Liebe überragt alles andere. Nichts kommt ihr gleich. Diese Liebe ist gewissermaßen der Motor für alles Weitere, für all das Gute und Schöne, was das Leben reich und lebenswert macht. Diese Liebe kann durch nichts ersetzt werden und ist deshalb für das Wohl der Menschen unverzichtbar. Diese Liebe aber ist in Gefahr. Nicht als solche, denn in Gott hat sie ewig Bestand. Wohl aber vom Menschen aus, der sie vergessen kann. Diese Gefahr besteht gegenwärtig sehr konkret.

Papst Benedikt beklagt ausdrücklichen, dass „sich die Christen nicht selten mehr um die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen ihres Einsatzes kümmern und dabei den Glauben immer noch als eine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens betrachten.“ Diese Voraussetzung aber, so Papst Benedikt, besteht „nicht nur nicht mehr in dieser Form, sondern wird häufig sogar geleugnet.“

Schon in der Antike unterlag das Volk Israel der Gefahr, sich mehr für alles Mögliche, darunter auch für andere Gottheiten zu interessieren als für den wahren Gott Israels. Die vielgestaltigen Naturgottheiten des Landes Kanaan waren auf den ersten Blick anziehender als der große, alles überragende Gott, der Israel aus Ägypten herausgeführt hat. Gegenüber der in all dem Vielen und Anderen sich verlierenden Aufmerksamkeit lautet der Kernsatz des israelitischen Glauben bis heute: „Höre, Israel: Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.“ Wir Christen teilen diesen Grundsatz und er wird uns zur stets neu vorzunehmenden Orientierung in der ersten Lesung dieses Sonntags und dann im Evangelium von Jesus Christus selber vorgelegt.

Auf die Frage eines Schriftgelehrten, welches Gebot das erste von allen sei, antwortete Jesus: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.“ Dann legt Jesus dar, was daraus folgt: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites (Gebot) kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“

Wo der eine und einzige Gott wieder im Mittelpunkt steht, da stimmt dann auch alles Nachfolgende. Alles im Leben im Menschen wird gut und richtig, wo der Mensch auf diesen Mittelpunkt ausgerichtet bleibt. Von daher spricht die Kirche an diesem Sonntag im Tagesgebet: „Nimm alles von uns, was uns auf dem Weg zu dir aufhält, damit wir ungehindert der Freude entgegeneilen, die du uns verheißen hast.“

Und Papst Benedikt konkretisiert sein Anliegen für das Jahr des Glaubens wie folgt: „Die Kirche als ganze und die Hirten in ihr müssen wie Christus sich auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Pfarrbrief der letzten Wochen haben wir den ersten Teil der Predigt von Papst Benedikt XVI. anlässlich der feierlichen Eröffnung des Jahres des Glaubens auszugsweise wiedergeben und dabei angekündigt, im kommenden Pfarrbrief, den Sie gerade in Händen halten, den zweiten Teil der Hauptanliegen des Heiligen Vaters für dieses Glaubens-Jahr wiederzugeben.

Papst Benedikt betont das Anliegen, wie er es formuliert, „die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen“. Es geht ihm um das letzte große, das zweite Vatikanische Konzil, das oft als vermeintlicher Neuansatz missverstanden worden ist. Im Glauben gibt es keinen Bruch, so sinngemäß Papst Benedikt in seiner Predigt; wörtlich: „Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen. Es hat sich vielmehr darum bemüht dafür zu sorgen, dass derselbe Glaube im Heute weiter gelebt werde, dass er in einer sich verändernden Welt weiterhin ein gelebter Glaube sei. Wir müssen in der Tat dem Heute der Kirche treu sein, nicht dem Gestern oder dem Morgen. Und dieses Heute finden wir gerade in den Konzilsdokumenten, weil sie immer so aktuell sind, wie der Diener Gottes Paul VI. und die Konzilsväter sie verkündet haben, in ihrer Vollständigkeit und in ihrem Zusammenhang, ohne Abstriche und ohne Hinzufügungen.

Wenn wir uns in Einklang mit der authentischen Grundausrichtung begeben, die der selige Johannes XXIII. dem Zweiten Vatikanischen Konzil geben wollte, können wir sie im Laufe dieses Jahres des Glaubens aktualisieren, innerhalb des einen Weges der Kirche, die das uns von Christus anvertraute Glaubensgut fortwährend vertiefen möchte. Die Konzilsväter wollten den Glauben wieder wirkungsvoll präsentieren; und wenn sie sich zuversichtlich dem Dialog mit der modernen Welt öffneten, so geschah dies, weil sie sich ihres Glaubens, des sicheren Felsens, auf dem sie standen, sicher waren. In den darauffolgenden Jahren haben hingegen viele die herrschende Mentalität ohne Unterscheidungsvermögen angenommen und die Fundamente des depositum fidei (des unverrückbaren Glaubensgutes) selbst in Frage gestellt, die sie leider in ihrer Wahrheit nicht mehr als geeignet empfanden.

Wenn die Kirche heute ein neues Jahr des Glaubens und die neue Evangelisierung vorschlägt, dann nicht, um ein Jubiläum zu ehren, sondern weil es notwendig ist, mehr noch als vor fünfzig Jahren! Und die Antwort auf diese Notwendigkeit ist dieselbe, die von den Päpsten und Vätern des Konzils beabsichtigt war und die in den Dokumenten enthalten ist. … In diesen Jahrzehnten ist eine geistliche „Verwüstung“ vorangeschritten. Was ein Leben, eine Welt ohne Gott bedeutet, konnte man zur Zeit des Konzils bereits aus einigen tragischen Vorfällen der Geschichte entnehmen, heute aber sehen wir es leider tagtäglich in unserer Umgebung. Es ist die Leere, die sich ausgebreitet hat. Doch gerade von der Erfahrung der Wüste her, von dieser Leere her können wir erneut die Freude entdecken, die im Glauben liegt, seine lebensnotwendige Bedeutung für uns Menschen. In der Wüste entdeckt man wieder den Wert dessen, was zum Leben wesentlich ist; so gibt es in der heutigen Welt unzählige, oft implizit oder negativ ausgedrückte Zeichen des Durstes nach Gott, nach dem letzten Sinn des Lebens. Und in der Wüste braucht man vor allem glaubende Menschen, die mit ihrem eigenen Leben den Weg zum Land der Verheißung weisen und so die Hoffnung wach halten. Der gelebte Glaube öffnet das Herz für die Gnade Gottes, die vom Pessimismus befreit.“

Am Ende seiner Predigt vertraut Papst Benedikt XVI. das Jahr des Glaubens der heiligen Gottesmutter Maria an: „Möge die Jungfrau Maria immer als Stern über dem Weg der neuen Evangelisierung leuchten. Sie helfe uns, die Aufforderung des Apostels Paulus zu befolgen: »Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. … Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!« (Kol 3,16-17). Amen.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Vergangene Woche hat Papst Benedikt XVI. das Jahr des Glaubens eröffnet mit einem feierlichen Gottesdienst. In seiner Predigt, deren ersten Teil wir auszugsweise wiedergeben möchten, hat er die Hauptanliegen für dieses Jahr wie folgt benannt:

„Das Jahr des Glaubens, das wir heute eröffnen, ist konsequent mit dem ganzen Weg der Kirche in den letzten fünfzig Jahren verbunden: vom Konzil, über die Lehre des Dieners Gottes Pauls VI., der 1967 ein »Jahr des Glaubens« ausrief, bis zu dem Großen Jubiläum des Jahres 2000, mit dem der selige Johannes Paul II. der gesamten Menschheit erneut Jesus Christus als den einzigen Retter – gestern, heute und allezeit – vor Augen gestellt hat. … Jesus ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Der Christ glaubt an Gott durch Jesus Christus, der Gottes Angesicht offenbart hat. Jesus Christus ist die Erfüllung der Schrift und ihr endgültiger Interpret. Er ist nicht nur Objekt des Glaubens, sondern – wie der Hebräerbrief sagt – »Urheber und Vollender des Glaubens« (12,2). …

Christus selbst … wollte seine Sendung der Kirche übertragen, und er tat dies und tut es weiterhin bis zum Ende der Zeiten, indem er seinen Jüngern den Heiligen Geist einflößt – denselben Geist, der auf ihn herabkam und sein ganzes Erdenleben hindurch in ihm blieb und ihm Kraft gab ...

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Glauben nicht zum Thema eines spezifischen Dokuments machen wollen. Und doch war es ganz und gar durchdrungen von dem Bewusstsein und dem Wunsch, sich sozusagen neu in das christliche Mysterium zu vertiefen, um es dem Menschen von heute wieder wirksam vortragen zu können.“
Papst Benedikt XVI. bringt schließlich das Hauptanliegen dieses Konzils mit Worten des seligen Papst Johannes XXIII folgendermaßen auf folgenden Punkt: „Das Hauptanliegen dieses Konzils ist … nicht die Diskussion über das eine oder andere Thema der Lehre … Dafür bedurfte es nicht eines Konzils … Es ist nötig, dass diese sichere und unveränderliche Lehre, an der in Treue festgehalten werden muss, vertieft und in einer Weise vorgetragen wird, die den Erfordernissen unserer Zeit entspricht.“

Papst Benedikt fährt dann fort: „Im Licht dieser Worte versteht man, was ich selbst damals erleben konnte: Während des Konzils herrschte eine bewegende innere Spannung angesichts der gemeinsamen Aufgabe, die Wahrheit und die Schönheit des Glaubens im Heute unserer Zeit erstrahlen zu lassen, ohne sie den Ansprüchen der Gegenwart zu opfern, noch sie an die Vergangenheit gefesselt zu halten: Im Glauben schwingt die ewige Gegenwart Gottes mit, die über die Zeit hinausreicht und dennoch von uns nur in unserem unwiederholbaren Heute aufgenommen werden kann. Darum halte ich es – besonders an einem so bedeutsamen Jahrestag wie diesem – für das Wichtigste, in der ganzen Kirche jene positive Spannung, jenes tiefe Verlangen, Christus dem Menschen unserer Zeit erneut zu verkünden, wieder zu beleben.
Damit aber dieser innere Antrieb zur neuen Evangelisierung nicht auf der Ebene der Vorstellungen stehenbleibt und nicht zu Verwirrung führt, muss er sich auf ein konkretes und präzises Fundament stützen, und dieses Fundament sind die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, in denen er zum Ausdruck gekommen ist. Darum habe ich mehrmals auf der Notwendigkeit bestanden, sozusagen zum „Buchstaben“ des Konzils zurückzukehren – d. h. zu seinen Texten –, um seinen authentischen Geist zu entdecken, und habe wiederholt, dass in ihnen das wahre Erbe des Zweiten Vatikanums liegt. Die Bezugnahme auf die Dokumente schützt vor den Extremen anachronistischer Nostalgien einerseits und eines Vorauseilens andererseits und erlaubt, die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen.“

In der nächsten Woche werden wir Auszüge aus dem zweiten Teil dieser Predigt wiedergeben, in der sicheren Zuversicht, dass diese Anregungen berühren und helfen, sich selber mit dem eigenen Glauben in der angedeuteten Richtung weiter und vertiefend auseinander zu setzen. Es lohnt sich allemal!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 42/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., hat ein Jahr des Glaubens ausgerufen, das an diesem Donnerstag, dem 11. Oktober begonnen hat. An diesem Tag wurde von den inzwischen seliggesprochenen Päpsten zum einen vor genau fünfzig Jahren von Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil einberufen (11. Oktober 1962), und vor genau zwanzig Jahren von Johannes Paul II. der Katechismus der katholischen Kirche veröffentlicht und der Kirche geschenkt (11. Oktober 1992).

Das Jahr des Glaubens dauert bis zum 24. November 2013, dem Hochfest Christkönig. Es soll allen Gläubigen als das Fundament christlichen Glaubens „die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“ (so Papst Benedikt XVI.) tiefer erfassen helfen. Nur in der „Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus, kann der Glaube in seiner Ganzheit und in seiner vollen Strahlkraft neu entdeckt werden“ erklärt dazu die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre.

Gerne wollen wir von unserer Gemeinde aus daran mitwirken, dass der Glaube, den es „zu pflegen und zu bezeugen gilt“, in diesem besonderen Jahr als Geschenk von uns allen und neu dazu kommenden wiederentdeckt wird. Wo wir mitwirken, da vermag der Herr einem jeden von uns „die Schönheit und Freude des Christseins“ (Papst Benedikt XVI.) auch dann wieder zu erschließen, wenn die Freude am Glauben zu wenig sichtbar war und an Stelle der Schönheit des Glaube dieser schon als Einschränkung oder Belastung erschien.

Ich möchte Sie bitten und einladen, sich die unterschiedlichen Initiativen zu Eigen zu machen, die wir aus diesem Anlass in St. Pantaleon fortführen und intensivieren möchten. Da gibt es zum einen die beiden Glaubenskurs. Ein Glaubenskurs für Jung und Alt wird von unserem Monsignore Dr. Cesar Martinez gehalten; der andere für jüngere Christen im Alter zwischen 20 und 30 vom Pastor.

Sehr am Herzen liegt uns auch die angemessene Vorbereitung und Begleitung der jungen Brautleute und Ehepaare. Neben dem viermal stattfindenden Treffen von einem sich konsolidierenden Kreis junger Familien beginnen wir nun auch mit einem eigenen Eheseminar (vgl. Aushang). Für alle anderen Ehepaare findet nahezu monatlich das Ehegebet statt, dass wie all die anderen Einkehrstunden entweder für Frauen, für Männer oder für Priester wie auch die stille Anbetung der Eucharistie montags und freitags über das Gebetsleben hinaus auch der Vertiefung des Glaubens dienen.

Für den eucharistischen Kongress vom 5. bis 9. Juni 2013 im Jahr des Glaubens werden wir, wie vom Erzbistum vorgeschlagen, sogenannte Kernteams bilden. Darüber hinaus ist trotz aller Mühen der Kreis junger Christen in St.Pantaleon weiterhin unterwegs, um alle als katholisch gemeldeten Gläubigen unsere Pfarrei zwischen 20 und 35 Jahren zu besuchen und einzuladen. Beten Sie bitte auch für die 14 Jugendlichen, die nach einer guten Vorbereitung am 4. November im Dom das Sakrament der Firmung empfangen werden, für die vier Kommunionkinder, die sich inzwischen auf ihre Erstkommunion im Mai 2013 vorbereiten, und die langsam jedoch stetig gewachsene kleine aber muntere Schar von Messdienern.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41/2012

Miniatur aus der Bibel des Matteo de Planisio

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Jesus legt dar, dass eine Ehe bis zum Lebensende dauert und somit von keinem Menschen aufgehoben werden kann (vgl. Sonntagsevangelium: Mk 10,9). Wo ein Paar jedoch nur so lang zusammen bleiben will, wie es gut geht, geht es gar keine Ehe ein. Ein solches außereheliches Verhältnis entspricht dem Mensch auch gar nicht, denn es schränkt ihn in seiner ganzmenschlichen Entfaltungsmöglichkeit ein.

Das neudeutsche Wort „Beziehungskiste“ erfasst treffend die Erfahrung einer solchen Beziehung: man steigt, in unguter Weise von gewissen Leidenschaften getrieben, gemeinsam „in die Kiste“ und gerät zunehmend in die Enge. Gott stimmt einer solchen Lebensgemeinschaft nicht zu. Er hat dem Menschen seine geschlechtlichen Anziehungskraft und Ergänzung nicht für außereheliche Beziehungen, sondern für die Ehe in die Wiege gelegt. Deshalb wird in der Bibel und in der Theologie jedes außereheliche Verhältnis Sünde, eindeutig schwere Sünde genannt; und in der profanen Sprache Unzucht, auch wenn dieses Wort zunehmend in Vergessenheit gerät. – Es ist folgerichtig, dass ein Christ die Sakramente nicht empfangen kann, solange er eine solche Situation nicht ändern will.

Die eheliche Vereinigung, in der Mann und Frau in biblischer Sprache „ein Fleisch werden“ (vgl. erste Sonntagslesung, Gen. 2,24), ist die von Gott gegebene ganz intime Möglichkeit auszudrücken, dass man einen Menschen in all seinen Dimensionen bejaht und annimmt; auch in seiner Fähigkeit, an der Schöpfung eines neuen Menschen mitzuwirken. So etwas kann man nicht probeweise tun, wie es der selige Papst Johannes II. in Köln (Butzweilerhof, 15.11.1980) gepredigt hat: „Man kann nicht nur auf Probe leben, man kann nicht nur auf Probe sterben. Man kann nicht nur auf Probe lieben, nur auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen.“

Entsprechend lautet das Eheversprechen: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine Frau / meinen Mann. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“

Hierbei ist wichtig, dass der Mensch seine Sexualität angemessen und stimmig nur als leiblich-seelisches Geschöpf entfalten kann. Das wird heute oft übersehen. Sexualität wird viel zu einseitig rein körperlich gesehen. Demgegenüber gehören zu einer menschenwürdigen Sexualität immer eine aufrichtige Liebe und die uneingeschränkte Offenheit für die Weitergabe des Lebens. Das gibt die menschliche Natur selber so vor. Hält man sich daran, öffnen sich einem neue, heute oft schon ganz unbekannte und vergessene Dimensionen von Ehe und Familie.

Die Umsetzung ist gewiss anspruchsvoll. Aber Gott lässt den Menschen gerade hier nicht alleine. – Die mittelalterliche Buchmalerei von der zweigeschlechtlichen Schöpfung des Menschen (vgl. Darstellung) illustriert dies vorzüglich.
Es sind im Grunde drei Schöpfungsbilder in einem, bzw. drei Schöpfungsschritte: Im Hintergrund ist die Schöpfung des erdfarbenen Adam aus der noch leblosen und unbeseelten Lehmgestalt dargestellt; vorne die Schaffung Evas „aus dem Herzen“ – wie die Kirchenväter gerne erklärten – des schon „beseelten“, aber in seiner Einsamkeit noch schlummernden Adams. Die Schöpfung des Menschen kommt im dritten Schöpfungsschritt zur Vollendung, wo der Mensch vor Gott steht und ihn anbetet.

Ähnlich wie Gott am siebten Schöpfungstag ruhte – der deshalb als siebter Tag für den Gottesdienst bestimmt ist – und damit die gesamte Schöpfung vollendete, vollendet Gott den Menschen im dritten Schöpfungsschritt, bei dem der Mensch Gott anbetet. In dieser Haltung des Menschen vor Gott kann ihm Gott in Ehe und Familie durch das Ehesakrament beistehen. In der sogenannten „Theologie des Leibes“ hat Gott seiner Kirche zudem eine zeitgemäße Erklärung der menschlichen Sexualität geschenkt, die hierbei hilfreich und wegweisend ist.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Passend zum Erntedank werden uns in der zweiten, dem Jakobusbrief entnommenen Lesung dieses Sonntags Verfluchung und Klage über jene vorgetragen, die ihren Reichtum für sich behalten und dem Arbeiter nicht den gerechten Lohn geben (Jak 5,1-4). „Ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault, und eure Kleider werden von Motten zerfressen. … Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere.“
Die katechetische Tradition zählt im Rückgriff auf u.a. diese Bibelstelle als fünfte und letzte von den sogenannten „himmelschreienden Sünden“ auf: „den Arbeitern den gerechten Lohn vorenthalten“ (vgl. KKK 1867). Auch der Ausdruck „etwas stinkt zum Himmel“ hat hier seine Wurzeln.
Dem heutigen Sprachempfinden angemessener als der traditionelle Ausdruck „himmelschreiende Sünden“ ist die Formulierung „Soziale Sünden, die zum Himmel schreien“, den Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Ecclesia in America verwendet. Er meint damit Verhältnisse, die Gewalt erzeugen und den Frieden und die Harmonie zerstören und nennt im Einzelnen neben Drogenhandel, Geldwäsche, Korruption … auch die vernunftlose Zerstörung der Natur.
Die Feier des Erntedankes ist eine gute Tradition. Sie erinnert daran, dass wir weder uns noch alles anderer ganz alleine selber und aus uns heraus gemacht haben. Wir haben uns vorgefunden und können nur mit dem kreativ werden, was wir vorfinden und weiter veredeln. – Wir selber sind, weil es die Liebe gibt: Grundlegend für alles die Liebe Gottes; und aus ihr hervorgehend die Liebe der Geschöpfe, die zu erhalten, zu gestalten und weiterzugeben vermag, was ihr mitgegeben wurde.
So danken wir für die Ernte nicht nur der Felder sondern auch unseres Wirkens und Schaffens in doppelter Hinsicht. Wir danken Gott dafür, dass er alles wachsen lässt, und wir danken für unsere, am Ende in Gottes Liebe gegründeten Fähigkeit, alles, was wir vorfinden, in rechter Weise zu gebrauchen, zu gestalten und zu mehren.
In rechter Weise danken: das macht frei für das Gute. Der dankbare Mensch erkennt, wie viel Gutes er empfangen hat. So ist er auch entschlossen bereit, anderen Gutes zu tun. Er zahlt dem Arbeiter den rechten Lohn, er hört die Klage der Fremden, der „Witwen und Waisen“ (vgl. Ex. 22,20-22) und nimmt sich ihrer an, er widersteht der Gewalt, der Aufrüstung, der Rassendiskriminierung, der ungerechten Ungleichheit innerhalb der sozialen Schichten und all der anderen „sozialen Sünden, die zum Himmel schreien“.
Wie schön wäre es in unserer Welt, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, wenn wir alle ein wenig dankbarer wären.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39/2012

Das Verhältnis von Jesus zu Kindern hat die religiöse Kunst oft aufgegriffen. Hier ein Deckengemälde aus St. Remigius Stafflangen, Stadt Biberach an der Riß: "Lasset die Kinder zu mir kommen“.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Lange vor der Ankunft Christi wurden die folgenden Worte nieder geschrieben, die uns in der 1. Lesung dieses Sonntages aus dem Buch der Weisheit (2,12 ff) vorgetragen werden: „Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung (...). Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennenzulernen, seine Geduld zu erproben. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.

Es hat immer Gerechte gegeben, die man wegen ihrer Gerechtigkeit verfolgt hat. Das Buch der Weisheit setzt hier aber ausdrücklich den Gerechten mit dem „Sohn Gottes“ gleich (Weish, 2,18): „Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.“
Jesus knüpft im Evangelium an diese prophetische Aussage an und bestätigt sie, indem er sie auf sich selber bezieht und die Seinen, mit denen er in Galiläa wandernd unterwegs war, vorausblickend über seinen Tod und seine Auferstehung belehrt (Mk 9,31): „Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tode wird er auferstehen.“ Die Jünger hatten wohl längst eine ziemlich andere Vorstellung vom kommenden Reich. So „verstanden (sie) den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.“ (Mk 9,32)

Überraschend nimmt das Evangelium dann eine neue Wendung. Sie ließe sich so formulieren: Vom Leiden zum Dienen.

Als die Wandergruppe in Kafarnaum ankam, fragte der Herr seine Jünger (Mk 9, 33): „Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?“ Sie aber schwiegen, berichtet Markus (9, 34), „denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei.“

»Die Jünger sind eifersüchtig gegeneinander. Sie glauben, das Reich Israel werde bald kommen; wohl von Gott aufgerichtet, aber doch in Menschenherrlichkeit. So machen sie sich Gedanken, welche Rolle sie selbst darin spielen werden.« So sieht es Romano Guardini in seinem bekannten Buch, »Der Herr«, von 1951, S. 309.

Daraufhin „setzte sich Jesus, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Wie so oft, unterstreicht Jesus seine Lehrworte durch ein bildhaftes Gleichnis. Der Evangelist erzählt weiter (Mk 9,36): „Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Als Erklärung lesen wir in dem genannten Buch von Romano Guardini (S. 311): Es ist, als sagte der Herr: »Ihr Erwachsenen, Rechthaberischen, Zwecke Verfolgenden, hier ist der Maßstab! Das Gegenteil von euch. Das Gegenteil von eurer Art, zu sehen und euch zu benehmen.« Indem er die Apostel belehrt, belehrt Christus alle, die Autorität ausüben: in der Kirche, in der Familie, in der Gesellschaft. Er zeigt uns allen, dass Autorität und dienende Demut zusammengehören. Autorität verkommt ohne die Bereitschaft zu dienen: Sie wird zur Diktatur. Umgekehrt bleibt wahre Dienstbereitschaft an eine gewisse Autorität geknüpft, sonst verkommt sie zur Servilität. Die Kraft zu beidem, zum Dienen und zur Autorität, schenkt Jesus durch sein Kreuz, das die Auferstehung und Erlösung vorbereitet und ihnen zum Durchbruch verhilft.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 38/2012

An diesem herrlichen Ort Cäsarea Philippi stand zurzeit Jesu ein dem heidnischen Gott „Pan“ geweihter Tempel. Dieser Gott war für all das zuständig, wofür all die anderen Götter der Heiden nicht zuständig waren. An diesem Ort bekennt Petrus, dass Jesus „der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ ist, der eine und wahre Gott, der für uns Mensch wurde.

LIebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Evangelist Markus berichtet, wie Jesus das jüdische Gebiet verließ und das obere Jordantal hinauf zum ruhigen Cäsarea Philippi wanderte. Unterwegs und, wie Lukas vermerkt, nachdem er in der Einsamkeit gebetet hatte, fragt Jesus die Zwölf: „Für wen halten mich die Menschen?“ (Mk 8,27) Sie geben ihm weiter, was sie gehört hatten (ibid., 28): „Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija ...“ Der Herr stellt dann die entscheidende Frage (ibid. 29): „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Es gibt Fragen, die zwar interessant, jedoch unerheblich sind für unser Leben. Es gibt dann Fragen, wie etwa „Was ist der Mensch?“ deren Beantwortung Einfluss auf unser Tun und Lassen hat. Die Frage jedoch, die Jesus am Fuße des schneebedeckten Hermon nahe bei Cäsarea Philippi seinen Aposteln stellt, entscheidet grundlegend über den Sinn und die Aus-richtung unseres Lebens: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus gibt die - damals wie heute - einzig wahre Antwort (ibid.): „Du bist der Messias“, das heißt: der Christus, der Ge-salbte. Mit diesem Würdetitel verband Petrus in seinem Bekenntnis noch die Aussage: „Sohn Gottes“, wie uns Matthäus überliefert. Es ist „jenes Bekenntnis, das erstmals in der Weltge-schichte, in der Heilsgeschichte die Einheit von ‚Menschensohn’ und ‚Gottessohn’ vom glau-benden Menschen her erkannte und aussprach. Ein ungeheures Ereignis der Menschheits-geschichte! Der Fischer Simon aus Galiläa ermisst zwar noch nicht die Tiefe und die Folgen seines Bekenntnisses, doch er wirft seinen grenzenlosen Glauben weit über seinen begrenz-ten Verstand hinaus“ schriebt Peter Berglar in seinem Petrusbuch (P. Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.20).

Der Apostel will sagen: Du bist jener, an dem der Sinn meines Lebens hängt – Gelingen oder Scheitern, Sinn oder Sinnlosigkeit –, alles entscheidet sich an dieser Antwort, an diesem Bekenntnis.

Weder die Gunst des Geschicks noch Gesundheit oder Erfolg sind der Maßstab für das Ge-lingen unseres Lebens. Entscheidend ist nur unsere Antwort auf die Frage Christi: Für wen hältst du mich? Sie gibt allem und jedem, was geschieht, seinen Sinn.

Etwa zwei Jahre sind vergangen, seitdem der Herr die Zwölf in seine Nachfolge berufen hat. Der Umgang mit ihm während dieser Zeit lässt sie allmählich Tiefen ahnen, die sie erst nach der Auferstehung voll ergründen werden. Das ist auch unser Weg. Johannes Paul II. nennt ihn „einen Weg des aufmerksamen, bereiten Eindringens in die Geheimnisse Christi“. Und der Papst fährt fort: „Wir müssen in die Schule jener ersten Jünger gehen, die seine Zeugen und unsere Lehrer sind, und uns gleichzeitig der Erfahrung und dem Zeugnis von zwanzig Jahrhunderten Geschichte öffnen, die von der Frage des Meisters und der vielstimmigen Antwort von Gläubigen aller Zeiten und aller Orte geprägt sind.“ (Johannes Paul II., General-audienz, 7.1.1987)

So wünsche ich Ihnen, dass auch Sie, wie vor Ihnen schon viele andere, angefangen bei den Aposteln, Jesus Christus als dem begegnen, der Ihnen in allen Fragen Ihres Lebens auf die richtige Spur führen kann und wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37/2012

Heilung eines Taubstummen – Mk 7,31-37 – um 1425-30 – Ottheinrich-Bibel, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 8010

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Vor drei Jahren hat Papst Benedikt XVI. beim Besuch in seiner bayrischen Heimat über die Lesungen des 23. Sonntages im Jahreskreis in seiner Predigt u.a. folgendes gesagt:

Alle drei (Sonntags-)Lesungen sprechen von Gott als Zentrum der Wirklichkeit und als Zentrum unseres eigenen Lebens. "Seht, Gott ist da!" ruft uns der Prophet Jesaja zu (35,4). Der Jakobus-Brief und das Evangelium sagen auf ihre Weise dasselbe. Sie wollen uns zu Gott hinführen und uns so auf den rechten Weg bringen. Mit dem Thema Gott ist aber das soziale Thema, unsere Verantwortung füreinander, für die Herrschaft von Gerechtigkeit und Liebe in der Welt verbunden.

Dramatisch wird das in der Lesung zu Worte gebracht, in der Jakobus, ein naher Verwandter Jesu, zu uns spricht. Er redet zu einer Gemeinde, in der man anfängt, stolz zu sein, wenn es da auch reiche und vornehme Leute gibt, während die Sorge um das Recht für die Armen zu verkümmern droht. Jakobus lässt in seinen Worten das Bild Jesu durchscheinen, des Gottes, der Mensch wurde und obgleich davidischer, also königlicher Herkunft, ein Einfacher unter den Einfachen wurde, sich auf keinen Thron setzte, sondern am Ende in der letzten Armut des Kreuzes starb.

Die Nächstenliebe, die zuallererst Sorge um die Gerechtigkeit ist, ist der Prüfstein des Glaubens und der Gottesliebe. Jakobus nennt sie das "königliche Gesetz". Er lässt darin das Lieblingswort Jesu durchblicken: das Königtum Gottes, die Herrschaft Gottes. Damit ist nicht irgendein Reich gemeint, das irgendwann einmal kommt, sondern dass Gott bestimmend werden muss für unser Leben und Handeln. Darum bitten wir, wenn wir sagen: Dein Reich komme; wir beten nicht um irgend etwas Entferntes, das wir selber gar nicht zu erleben wünschen.

Wir beten vielmehr darum, dass jetzt Gottes Wille unseren Willen bestimme und so Gott in der Welt herrsche; darum also, dass Recht und Liebe entscheidend werden in der Ordnung der Welt. Eine solche Bitte richtet sich gewiss zuerst an Gott, aber sie rüttelt auch an unser eigenes Herz.

Wollen wir das eigentlich? Leben wir in dieser Richtung?

Jakobus nennt das "königliche Gesetz", das Gesetz von Gottes Königtum, zugleich Gesetz der Freiheit: Wenn alle von Gott her denken und leben, dann werden wir gleich, und dann werden wir frei, und dann entsteht die wahre Geschwisterlichkeit. Wenn Jesaja in der ersten Lesung von Gott spricht, dann redet er zugleich vom Heil für die Leidenden, und wenn Jakobus von der sozialen Ordnung als dringlichem Ausdruck unseres Glaubens redet, dann spricht er ganz selbstverständlich von Gott, dessen Kinder wir sind.
Soweit die Predigtworte von Papst Benedikt.

Von Gott her denken und leben: Das Sonntagsevangelium konkretisiert dies mit der auch zutiefst bildhaft gemeinten Heilung eines Taubstummen. Hier geht es nicht nur um die Heilung der physischen, sondern auch der in unserer Zeit dramatisch angewachsenen zwischenmenschlichen Gehör- und Sprachlosigkeit und insbesondere um deren tiefer liegenden Ursachen: der Schwerhörigkeit Gott gegenüber. Wo diese durch Gott von uns genommen wird, vor allem in der kraftvollen Berührung durch die Sakramente, da vermag eine ganze Gesellschaft wieder gesund zu werden.

Die Buchmalerei aus dem 15 Jahrhundert (s.o.) erhellt diese Dimensionen mit den damaligen Mitteln künstlerischer Darstellung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36/2012

Mit großer Liebe schafft Gott den Menschen als sein Abbild – Er holt Eva aus der Seite Adams hervor: von dort, wo Adams Herz schlägt.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Lesungen des 22. Sonntags im Jahreskreis sind voller Dynamik und Überraschung. Sie legen u.a. dar, dass die Gesetze Gottes viel menschlicher sind als die Satzungen der Menschen. Vor diesem Hintergrund betet die Kirche im dazu passenden Tagesgebet: „Allmächtiger Gott, von dir kommt alles Gute. Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein. Binde uns immer mehr an dich, damit in uns wächst, was gut und heilig ist. Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.“
Im Evangelium verurteilt Jesus diejenigen, welche sich hinter Gesetze und Vorschriften verkriechen, anstatt in Freiheit nach dem Willen Gottes zu fragen. Im Rückgriff auf den alttestamentlichen Propheten Jesaja sagt Jesus wörtlich (Mk 7,6f): „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. … Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.“ Diese Art nicht wirklich gottgläubiger, sondern an „Satzungen von Menschen“ ausgerichteter Lebenspraxis ist nach Jesu Worten „sinnlos“ (vgl. Mk 7,7).
Wie selbstverständlich, und das darf und soll auch gar nicht verschwiegen werden, wird hier vorausgesetzt und in der zweiten Lesung ausdrücklich gesagt (Jak 1,17): „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“ Hier wird davon ausgegangen, dass unsere Welt Gottes Schöpfung ist. Diese Überzeugung – die übrigens von der überwiegenden Mehrheit der führenden Naturwissenschaftler im Grundsätzlichen uneingeschränkt geteilt wird – ist gegenüber allen anderen Theorien vom Ursprung des Universums mit Abstand eindeutig die vernünftigere.
Implizit erklärt die Heilige Schrift damit, dass sich Gottes Wahrheit, und damit der innere Kern seines Wesens, der sich insbesondere in unbegrenzter Liebe kundtut, in seiner Schöpfung widerspiegelt (Jak 1,18): „Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren.“ Daraus folgt die inhaltliche Empfehlung (ibid.,21b): „Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten.“
Somit lehrt die Heilige Schrift als Wort Gottes, und erinnert den Menschen daran, dass er, der Mensch, nicht durch sich selber zu sich selber findet, sondern nur durch Gott. Hier wird in vielem dem emanzipatorischen Zeitgeist, der eine menschliche Freiheit alleine aus dem Menschen heraus verspricht, widersprochen. Die Bibel verkündet ein Alternativprogramm (Jak 1,22): „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst.“
Die Bitte im Tagesgebet (s.o.), dass Gott selber uns immer mehr an sich binde, „damit in uns wächst, was gut und heilig ist“, ist entgegen einem nur oberflächlichen Eindruck eine Bitte um Freiheit; denn alles Gute kommt von Gott und wird im Menschen nur wachsen können in enger Verbundenheit mit Gott, nie aber in Löslösung und Entfremdung von ihm. Von Gott losgelöst, wächst nicht das Gute, sondern das Böse, das den Menschen knechtet und unfrei macht.
Der Heilige Augustinus greift in einer hierzu passenden Predigt zur Veranschaulichung auf das Wandern zurück (Sermo 169): „Wir sind Wanderer. … Wandern heißt Vorwärtsgehen. … Ich sage Vorwärtsgehen, damit ihr es nicht missversteht und faul werdet. Geht immer voran, meine Brüder. Erforscht euch jeden Tag aufrichtig, ohne Eitelkeit und Selbstgefälligkeit. … Prüfe dich und gib dich nicht damit zufrieden, was du bist, wenn Du werden willst, was du noch nicht bist. Denn sobald du dich mit dir selbst zufrieden gibst, bist du schon stehengeblieben. Wenn du sagst: Es genügt, bist du verloren.“
Dabei ist nicht ausschlaggebend die Leistung des Menschen. Gegen dieses Missverständnis hat Augustinus sich immer entschieden gewehrt. Ausschlaggebend ist Gottes Liebe, die sich in uns jedoch erst durch unser rechtes Tun entfalten kann.
Um das alles weiter zu vertiefen, möchte ich Ihnen, lieber Leser, für ihr betrachtendes Beten zum Abschluss noch den folgenden Gedanken des Heiligen Josefmaria Escrivá mit auf den Weg geben, der einmal gesagt hat: „Die Heiligkeit besteht nicht darin, jeden Tag schwierigere Dinge zu verrichten, sondern sie jedes Mal mit mir Liebe zu verrichten."

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35/2012

Karlskirche Wien, Fresco von Johann Michael Rottmayr ( 1714 ) - Allegorie des Glaubens, Eucharistie

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Evangelium an diesem Sonntag beginnt recht unvermittelt mit der Feststellung, dass „viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ (Joh 6.60). Es kommt schließlich zum Eklat. Als Jesus auf die Notwendigkeit hinweist, uneingeschränkt den Glauben anzunehmen, den Gott den Menschen vom Himmel aus schenkt, „zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.“ (ibid., 66)
Den von Jesus geforderten Schritt, über alle menschlichen Einsichten und Erfahrungen hinaus mehr den von Gott geschenkten Einsichten als dem eigenen, menschlich begrenzten Wahrnehmungshorizont zu vertrauen, wollen die vielen, die sich von ihm trennen, nicht vollziehen. Das war zu viel für sie. Anders die 12 Apostel.
„Jesus fragte die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (ibid., 67-69) Wieder einmal spricht Petrus, der Fels, auf dem Jesus seine Kirche aufbaut (vgl. Mt 16,18), für die anderen. Keiner widerspricht. Sie sehen es also wie er.
Die Apostel haben „die Worte, die Jesus zu ihnen gesprochen hat“ (Joh 6, 63), als „Geist und Leben“ (ibid.) aufgenommen und dabei erfahren, dass sie „vom Vater gegeben“ sind; also wahrhaft göttliche Worte, die menschliche Erkenntnis übertreffen, diese aber nicht auslöschen sondern in die göttliche Weite und Größe hinein aufweiten.
Der Stein des Anstoßes waren die Worte Jesu, die wir letzten Sonntag hörten (Joh 6,53-56): „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“
Es sind in der Tat überraschende Worte, die im Kontext des Evangeliums klar und eindeutig zu verstehen sind: Mit seinem „Fleisch und Blut“ gibt Jesus sich als Mensch und Gott uneingeschränkt und ganz: In der Eucharistie nämlich. Das meint Jesus real und konkret; aber nicht rein biologisch (Joh 6,63: „der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“). Der Herr meint es im umfassenden Sinne seiner gott-menschlichen Existenz. Diese setzt er ein für das Heil und die Erlösung der Menschen und schenkt sie ihm ganz. – Nur wer daran glaubt, und in diesem Glauben den in der Eucharistie real gegenwärtigen Jesus empfängt, lässt Gott in sich hinein.
Damit sind aber zugleich die überraschenden Worte Jesu („Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst …“) aus rein menschlicher Perspektive weder leicht noch auf Anhieb, sondern mit wachsendem Glauben nur schrittweise in ihrer Unauslotbarkeit nachvollziehbar. Hier offenbart sich ein Gott, der in seiner uneingeschränkten Liebe bis zum Äußersten geht. So sind und bleiben diese Worte Jesu und die sie bezeichnende eucharistische Wirklichkeit des sich bis zum Verspeisen schenkenden Gottes eine Provokation, der gegenüber am Ende keiner neutral bleiben kann.
Die Rede Jesu über das lebendige Brot, das er der Welt geben will, ist für die Jünger damals wie für uns heute eine Offenbarung und zugleich eine Glaubensprobe. So wie die Jünger müssen auch wir uns entscheiden. Jesus nimmt nichts zurück. Im „Brot des Lebens“ ist der ganze Christus gegenwärtig – für uns: seine Menschheit, sein Opfer, seine göttliche Herrlichkeit. Die Glaubensentscheidung, der angesichts dieser Größe niemand ausweichen kann, gilt der ganzen Wahrheit und Wirklichkeit Christi.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34/2012

Salvador Dali: das letzte Abendmahl – Jesus in der Mitte ist zugleich über ihm als

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wie in den vorausgehenden Pfarrnachrichten angekündigt und von daher für den Leser erwartet, beschäftigt sich das Evangelium von diesem 20. Sonntag im Jahreskreis noch einmal mit Jesus als dem lebendigen Brot, das ewiges Leben schenkt. Der Herr kommt vor seinen zahlreichen Zuhörern ohne Umschweife und direkt zur Sache. Er erklärt: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“
Die Aussage Jesu provoziert, und die Zuhörer ringen um das rechte Verständnis. Wie ist das mit seinem Fleisch zu verstehen, das er als Speise für das Leben der Welt hinzugeben ankündigt. Wie meint Jesus das? Will er wirklich das Fleisch seines Leibes zum Essen anbieten? Die Verwirrung, ja sogar das Erschrecken und Entsetzen sind sehr verständlich. – Wie soll das gehen; wie ist das gemeint?
Wie es scheint, nimmt Jesus die Verwunderung und den Unmut seiner Zuhörer sehr genau wahr. Denn er wiederholt und präzisiert: „Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.“
Nicht nur damals, sondern zu allen Zeiten haben Menschen an dieser Aussage Jesu über sein Fleisch und Blut Anstoß genommen. Für die Juden war Blut tabu. Sie durften es auf keinen Fall zu sich nehmen. Allein diese Vorstellung machte es vielen Zuhörer Jesu fast unmöglich, ihm hier zu folgen. – Das war dem Herrn sehr wohl bekannt. Aber diese Aussage ist ihm so wichtig, dass er sie nicht abschwächt und keine gefällige und vieldeutige Formulierung gebraucht, die jeden jeweils das verstehen ließe, was er für sich noch als akzeptabel hinnehmen könnte.
Sein Fleisch und Blut ist das himmlische Brot. Es ist Jesus Christus selber, der durch sein Fleisch und sein Blut das ewige Leben schenkt.
Beim letzten Abendmahl löst Jesus sein Versprechen ein. In den eucharistischen Gaben von Brot und Wein schenkt er auf unblutige Weise – wie dann auch in jeder Heiligen Messe –, was er am Tag darauf in blutiger Weise für das Heil und die Erlösung aller Menschen, die das glauben und annehmen, opfert und hergibt: Sich selber ganz und gar.
Im Originaltext des heutigen Evangeliums steht übrigens nicht einfach „essen“, sondern genauer, wer sein Fleisch „beißt“, „kaut“, „verschlingt“. Das ist dann so zu verstehen: Wer Jesu Jünger sein will, der nimmt ihn nicht wie eine kleine Vorspeise zu sich, die dem verwöhnten Gaumen schmeichelt. – Sondern: Wie eine Leseratte ein spannendes Buch bis zum Ende verschlingt und sehnsüchtige auf die Stunden der Lektüre wartet, so soll der Gläubige Jesus in sich aufnehmen und den Augenblick der Kommunion erwarten.
Nur aus der Kraft des täglichen Kommunion-Empfangs konnte z.B. Mutter Theresa in Kalkutta Tag für Tag und Jahr für Jahr so viele Sterbende mit größter Liebe pflegen und trösten. Von einigen Heiligen ist sogar bekannt, dass sie jahrelang keine andere Nahrung mehr zu sich nahmen außer dieser himmlischen Speise.

Ihr Pfr. Dr. Volker HIldebrandt

 

Pfarrnachrichten 33/2012

Elija unter dem Ginsterstrauch

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wie in der letzten Woche angekündigt, werde nun drei Sonntage hintereinander als Tagesevangelium aufeinanderfolgende Abschnitte unterschiedlicher Länge aus dem sechsten Kapitel des Johannesevangeliums vorgetragen. An diesem Sonntag hören wir, wie die Juden gegen Jesus murrten (Joh 6,41 ff), „weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ In dieser sogenannten eucharistischen Rede in Kafarnaum (Joh 6,22-59) gibt der Herr unmissverständlich zu verstehen, dass das eucharistische Brot, die Heilige Hostie, er selber ist; oder, wie es die Kirche in ihrer Sprache formuliert hat (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium, Nr. 282): „Jesus Christus ist in der Eucharistie auf einzigartige und unvergleichliche Weise gegenwärtig: wirklich, tatsächlich und substantiell, mit seinem Leib und seinem Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit. In der Eucharistie ist also der ganze Christus, Gott und Mensch, auf sakramentale Weise gegenwärtig, das heißt unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein.
Von daher erklärt sich, warum der heilige Pfarrer von Ars in seiner überraschenden und beeindruckend unmittelbaren Direktheit sagen konnte: „Nicht kommunizieren: wie wenn jemand neben einer Quelle verdurstet." Mit dem Heiligen Franz von Sales können wir hinzufügen: „In der heiligen Eucharistie werden wir eins mit Gott wie die Speise mit dem Körper“ und diese Feststellung mit der Eingebung fortführen, die in frühchristlicher Zeit dem Heiligen Augustinus geschenkt wurde: „Es war, als hörte ich eine Stimme aus der Höhe: ich bin die Speise der Starken; wachse und iss dann von mir! Aber du wirst mich nicht wie eine leibliche Speise in dich verwandeln, sondern du wirst in mich verwandelt werden.“
Angesichts dieser Wirklichkeit und Größe der eucharistischen Gegenwart Gottes zum Wohl der Menschen drängte es den Heiligen Josefmaria Escrivá, zu folgenden Betrachtung einzuladen: „Demut Jesu: in Bethlehem, in Nazareth, auf Kalvaria. Aber mehr Demütigung und Erniedrigung in der heiligen Hostie; mehr als im Stall, als in Nazareth und als am Kreuz.“
Die Bedeutung der Eucharistie, des aus Liebe sich demütig in die Gestalt des Brotes verbergenden Gottes für das Leben der Menschen wird in einer bekannten Geschichte aus dem ersten Buch der Könige (19,4-8) anschaulich vor Augen geführt. Diese Geschichte wird aus neutestamentlicher Perspektive als Hinweis und Vorbereitung auf die dann durch Jesus gestiftete Eucharistie gelesen. Diesen Sonntag hören wir sie als erste Lesung. Folgendes wird erzählt:
Um vor dem Zorn der Königin Isebel zu fliehen, hatte der Prophet Elija sich auf den Weg zum Gottesberg Horeb gemacht. „Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.“ Als er sich zum Schlafen unter einen Ginsterstrauch legte, rührte ihn schließlich „ein Engel an und sprach: Steh auf und iss!“
Elija blickte sich um. „Da sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank.“ Dann legte er sich wieder schlafen. „Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.“ Da stand Elija auf, „aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.“
Elijas Wanderung hatte als Flucht begonnen. Durch vom „Engel des Herrn“ gereichte Speise endete sie am Gottesberg Horeb, wo Elija Gott begegnet, von ihm gestärkt und wieder aufgebaut wird. Genauso ist es mit all denen, die angemessen durch das Sakrament der Beichte dazu vorbereitet, wenigstens Sonntag für Sonntag den Leib des Herrn in der Kommunion empfangen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32/2012

Siger Köder: "Ich bin das Brot des Lebens."

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am kommenden und den folgenden drei Sonntagen hören wir, was sich im Anschluss an die Brotvermehrung (Evangelium vom letzten Sonntag: Joh. 6,1-15) ereignet hat. Auf diese Brotvermehrung folgt im 6. Kapitel bei Johannes das Gehen Jesu über den See, die große Rede in Kafarnaum und schließlich die Krise bei den Jüngern.
Die wunderbare Speisung „am anderen Ufer des Sees von Galiläa“ (Joh 6,1) ist wie die früheren Zeichen ein Hinweis auf das Geheimnis Jesu. Im Laufe der Rede in Kafarnaum wird deutlich, dass sie darüber hinaus auch ein Hinweis auf das Geheimnis der Eucharistie ist. Die Menschen aber, die Jesus nachliefen, wollten ihn anfangs sogar „in ihre Gewalt bringen und zum König machen“, wie Johannes (6,15) berichtet. Sie wollten das wunderbare und für sie so bequeme „Sattwerden“ als vermeintliches Glück erzwingen; weiter dachten sie nicht. Vom wirklichen Sinn des Wunders hatten sie nichts begriffen.
Jesus sagt es ihnen offen und klar (Joh 6,26): „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ Dann weist er sie, und damit auch uns, auf eine weitaus größere Gabe hin (ibid. 27): „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird.“
Im Laufe der dann folgenden Rede, die wir an den kommenden Sonntagen in fortlaufenden Abschnitten hören werden, wird deutlich, dass Jesus selber die Gabe Gottes, dass er selber „Brot Gottes“ für die Welt ist. Dieses Brot kann man nicht verdienen, man kann es auch nicht erzwingen, man kann es nur als Gabe, als Geschenk Gottes annehmen und empfangen.
Dafür ist jedoch notwendig, dass man glaubt und sich mit der Gnade des Glaubens der Wirklichkeit Gottes öffnet. Nur in der Gnade des Glaubens kann man Jesus, den Sohn Gottes, als die unseren Horizont übersteigende Wirklichkeit und Gegenwart Gottes in unserer Welt annehmen, wie es offenbart ist.
Als damals Jesus den Vielen vorhielt, nur an das bequeme Sattwerden durch Hinterherlaufen zu denken, und gar zu meinen, es einfach erzwingen zu können, fragten sie daraufhin betroffen (Joh 6,28-29): „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“
Als Jesus im weiteren Verlauf des Gespräches (Joh 6,30-36) daran erinnert, dass in der Wüste Sinai nicht Mose das Manna als „das Brot vom Himmel“ gegeben hat, sondern sein himmlischer Vater, der „das wahre Brot vom Himmel“ gibt, das „der Welt das Leben“ schenkt, bitten ihn die Vielen schließlich: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ Darauf antwortet ihnen Jesus: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“
Damit sind die Weichen zu einem tieferen Zugang und einem bewegenden Verständnis der geheimnisvollen Wirklichkeit der Eucharistie, der Heiligen Kommunion gestellt.
In seiner Predigt auf dem Mareinfeld zwischen Köln und Kerpen beim Weltjugendtag 2005 hat Papst Benedikt XVI. in großer Dichte erklärt: „Wie kann Jesus seinen Leib austeilen und sein Blut? Indem er Brot zu seinem Leib und Wein zu seinem Blut macht und austeilt, nimmt er seinen Tod vorweg, nimmt er ihn von innen her an und verwandelt ihn in eine Tat der Liebe. Was von außen her brutaler Gewalt ist – die Kreuzigung –, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sie selber schenkt, ganz und gar.“
Der Eucharistie kann man sich nicht nur über katechetische Erklärungen nähern, so notwendig sie sind. Die Eucharistie ist geheimnisvolle Gegenwart der uneingeschränkten Liebe Gottes in unserer Welt, die den Heiligen Josefmaria Escrivá in der ihm von Gott großzügig geschenkten Glaubensgnade erfahren ließ: „Zu wissen, dass Du mich so sehr liebst, mein Gott, und – ich habe noch nicht den Verstand verloren?“ (Der Weg, Nr. 425) In den kommenden drei Wochen werden wir mehr darüber erfahren.

Ihr Pr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31/2012

Darstellung de Hl. Pantaleon in der Basilika „Vierzehnheiligen“, dessen Sterbetag am 27. Juli 305 wir jährlich festlich begehen.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

„Gott ist hier, an heiliger Stätte. Gott versammelt sein Volk in seinem Haus, er schenkt ihm Stärke und Kraft.“ Mit diesen Worten aus dem Eröffnungsvers (vgl. Ps. 68 (67), 6-7.36) vom 17. Sonntag im Jahreskreis holt der Gottesdienst dieses Sonntags die Menschen wieder zurück in eine Realität, die sie im Bemühen und im täglichen Kampf um Behauptung und Vorankommen zu schnell vergessen und ausblenden. „Gott ist hier, an heiliger Stätte. Gott versammelt sein Volk in seinem Haus, er schenkt ihm Stärke und Kraft.“
Es ist ein großer Verlust nicht nur für den Einzelnen, sondern für die ganze Gesellschaft, wenn die Menschen ihren Schöpfer und Erlöser vergessen. Gerät er in Vergessenheit, dann verliert der Mensch Grund und Boden, er verliert sein Zuhause. Er verliert dann seine Verwurzelung, aus der alleine heraus er wachsen, blühen und gedeihen kann.
Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, bevor sie diese Pfarrnachrichten weiterlesen. Setzten Sie sich kurz hin – wenn Sie hier in dieser wunderschönen Pantaleonskirche sind in die erst beste Bank – und denken Sie einmal zurück an das, was Sie ganz besonders glücklich gemacht hat, worauf Sie in gesunder, eben nicht krankhafter Weise stolz sein dürfen, was Ihr Leben bislang mit Freude und Dankbarkeit erfüllt hat. … Sind es nicht vor allem jene Dinge, an denen man zwar mitgewirkt hat, die einem aber weit mehr als aus eigenem Verdienst vor allem geschenkt worden sind?
Von wem und warum? …
Vor dieser Frage auszuweichen ist nicht nur feige, sondern auch äußerst dumm; ja sogar verantwortungslos und böse. Am Ende hat der Keim alles Bösen unter den Menschen hier ihren Ursprung. … Immer wieder igelt der Mensch sich ein, kreist um sich, denkt mehr an sich selber und weist zunehmend alle Anderen aus Furcht, aus vermeintlicher Überlebensstrategie, letztlich aber aus einem ganz tief liegenden Stolz und Eigensinn wie mit Stacheln eines Igel von sich ab – beginnend bei denen, die einem am Nächsten sind, gefolgt von denen, die einem nicht mehr so nahe stehen.
Dem Menschen ist als Lebensaufgabe aufgetragen, dieser bösen Neigung zu widerstehen und sich der ebenfalls in ihm wohnenden guten Neigung immer mehr zu öffnen, nämlich ausdrücklich gewolltes und geliebtes Geschöpf Gottes zu sein. Mit dieser Öffnung hin zu Gott wird auch eine überraschende Öffnung hin zum Nächsten möglich. Wer sich Gott öffnet wird auch wieder ganz offen für seinen Nächsten, der ja nicht weniger ausdrücklich gewolltes und geliebtes Geschöpf des einen himmlischen Vaters ist.
Die weiteren Texte und Schriftlesungen dieses Sonntags bekräftigen dies. In der ersten Lesung aus dem zweiten Buch der Könige (4, 42-44) wiederholen sich die Wunder des Auszugs aus Ägypten. Durch den Glauben und die innige Beziehung, die Elischa zu Gott pflegt, werden 100 Mann „durch zwanzig Gerstenbrot und frische Körner in einem Beutel“, die „ein Mann von Baal-Schalischa … dem Gottesmann … von den Erstlingsfrüchten“ brachte, gesättigt. Die Erzählung von der Brotvermehrung erinnert an das Manna in der Wüste (Exodus 16) und auch an die Brotvermehrung durch Jesus.
Der Überfluss des Augenblicks ist Zeichen und Ankündigung dessen, was Gott mit dieser Welt vorhat: nicht Überfluss, in dem die Menschen am Ende an sich selber ersticken, sondern Überfluss des Friedens und der Freude, die den Menschen frei machen von sich selber und frei für Gott und den Nächsten.
Vor diesem Hintergrund werden wir Anfang dieser Woche, am Montag, Herrn Hubert Piel zu Grabe tragen, der sich über Jahrzehnte aus seinem tiefen Glauben heraus für das Wohl der Menschen aus der Pfarrei St. Pantaleon eingesetzt hat. – Auch für ihn bitte ich um Ihr Gebet.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30/2012

Jesus unterrichtet von seinem Thron aus die Apostel – frühchristliches Mosaik, Ende 4. Jahrhundert, „Basilica di San Lorenzo“, Mailand. – Quelle: www.wikimedia.org, Autor: Giovanni Dall'Orto

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am vergangenen Sonntag hörten wir im Markusevangelium (6,7 ff), wie Jesus die Zwölf zu sich rief und sie aussandte: „jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen“.
Im Evangelium von diesem Sonntag, werden „die Zwölf“ in Fortführung des Berichtes über ihre ‚erfolgreiche’ Mission „Apostel“ (Mk 6, 30) genannt. Der griechische Ausdruck „apostolos“ entspricht dem hebräischen „schaliach“ und bedeutet „Gesandter“. Als von Jesus bevollmächtigte „Gesandte“ haben sie die Botschaft vom Reich Gottes verkündet, „viele Dämonen ausgetrieben“ (Mk 6,13), „viele Kranke mit Öl gesalbt und sie geheilt“ (ibid.).
Nach der aufreibenden und Kräfte zehrenden Missionsarbeit spüren sie die Notwendigkeit, zur Ruhe kommen und auch selber wieder auftanken zu müssen. „Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus“, erzählt Markus (6,30), „und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.“ Die Apostel brauchen nun wirklich wieder einmal Ruhe und Stille.
Markus erzählt weiter (6,31): „Da sagte er (Jesus) zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“ – Ein Evangelium, das hervorragende in die Zeit der Sommerpause hineinpasst, und das eine wertvolle Anweisung enthält, wie der Urlaub gelingt; wie er zu einem Segen werden kann: zu einer Zeit, in der Leib und Seele wieder so zueinanderfinden, dass man nicht nur selber wieder Ruhe findet sondern auch für andere wieder zum Ruhepunkt wird, der Friede ausstrahlt und ihn nach außen für andere vermittelt.
Die wertvolle Anweisung, die dieser „Urlaubsbericht“ des Herrn mit seinen Aposteln enthält, ist vielleicht nicht sofort ersichtlich. Sie ist aber zugleich auch nicht allzu verborgen. Der Herr lädt die Apostel zum Ausruhen an „einen einsamen Ort“ ein – einen solchen sucht fast jeder als Urlauber – „wo wir allein sind“. … Es lohnt sich, über diese letzten vier Worte des Herrn (wo wir allein sind) etwas mehr, und auch intensiv nachzudenken.
Die Apostel, mächtige Gesandte des Menschensohnes, die sogar Dämonen austrieben und Kranke heilten, sind jetzt wieder Jünger, Lernende, sie hören das Wort Jesu.
So möchte ich Sie als Urlauber fragen: Ist das auch Ihr Hauptanliegen und ihre Hauptsorge im Urlaub: Erneut Jesus Christus zu begegnen, ihm zuzuhören und ihm so wieder vertrauen, ihm glauben zu können? – Ein Urlaub ohne Gebet und Gottesdienst ist verlorene Zeit. Er heilt die Wunden des Daseins nur an der Oberfläche. Er führt nicht zu einer dauerhaften und tiefgreifenden Erneuerung, wie sie für unser Leben so notwendig ist.
„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Nehmen Sie diese Worte Jesu als Leitgedanke mit in Ihren Urlaub. Reservieren Sie sich als freier Mensch, der Sie sind – ganz unabhängig von wieder nur Stress erzeugenden Besichtigungs- bzw. Erlebnisprogrammen oder nur die Sinne befriedigenden Relaxplänen – täglich großzügig Zeit, um Gott begegnen und ihm Ihr Leben hinhalten zu können. Dann wird uneingeschränkt möglich, worum wir an diesem Sonntag im Tagesgebet beten:
„Herr, unser Gott, sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst gerufen hast. Mach uns stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, damit wir immer wachsam sind und auf dem Weg deiner Gebote bleiben.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29/2012

Hildesheimer Dom, Christussäule, Aussendung der zwölf Jünger – Quelle: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim; honorarfrei

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

„In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.“ So werden wir es an diesem Sonntag vom Evangelisten Markus hören.
Jesus wendet sich zielgerichtet an einen ganz besonderen Kreis seiner Zuhörer und Jünger: An die „Zwölf“, also ausschließlich an die Apostel. Ihnen alleine gab er die besondere Vollmacht „unreine Geister“ auszutreiben. Und nur sie sendet er unter besonderen Bedingungen aus, seine Botschaft hinauszutragen. Von dem, was die Zwölf dann taten, berichtet uns ebenfalls der Evangelist: „Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“
Es ist also klar, dass Jesus mit den hier genannten besonderen Aufgaben die „Zwölf“ beauftragt; also keineswegs alle seiner Jünger. Da klingt an, was die Kirche mit der lehramtlichen Unterscheidung von „Amtspriestertum“ und „gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen“ (vgl. u.a. Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium Nr. 336) meint.
Besondere Aufgaben sind den geweihten Priestern vorbehalten. Durch die Priesterweihe sind nur sie befugt und befähigt, diese besonderen Aufgaben wahrzunehmen und auszuüben: „Das Amtspriestertum unterscheidet sich dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen.“ (ibid.) Manche, gewöhnlich rein innerkirchliche Diskussionen und Befindlichkeiten kreisen immer wieder um dieselben Fragen der ‚Ersetzbarkeit’ der geweihten Priester durch nicht geweihte Gläubige oder der Abänderung der Zugangsvoraussetzungen zur Priesterweihe.
Hilfreicher ist, was uns der Heilige Paulus an diesem Sonntag sagt, mit seinem Brief an die Epheser (1,3-10). Paulus preist Gott, den „Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.“ Denn dieser Gott „hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“ Dieser Lobpreis wird dann von Paulus wie folgt präzisiert: „Denn in ihm (Christus) hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen.“
Liebe Mitchristen, es ist unbestreitbare Tatsache: Wo Christen sich um diesen Willen Gottes bemühen, heilig und untadelig vor ihm zu leben – da wird Gott auch die ausreichende Zahl Priester schenken. Gerade in diesem Wunsch – ich möchte es mit Worten der Bibel wiederholen: heilig und untadelig vor ihm zu leben –, da lässt Gott die Menschen nicht alleine, und schenkt die Priester, die dafür notwendig sind.
Möge die Zeit der Sommerferien in uns allen den Wunsch erneuern, die eigene Lebensführung an dieser wunderbaren Leitlinie auszurichten: heilig und untadelig vor Gott  zu leben. – Dann werden die größten innerkirchlichen Sorgen sich fast wie von selber lösen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28/2012

Jessu lehrt im Tempel

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon!

Im Sonntagevangelium berichtet Markus wirklichkeitsnah, wie es sich damals in der Synagoge wohl zugetragen hat, als der Herr dort in seiner Heimat predigte. Er geht seiner Sendung nach und verkündet, was sein himmlischer Vater ihm aufgetragen hat. Seine Zuhörer sind zu Recht erstaunt darüber. Solch vernünftige, kluge und praxisnahe Gedanken haben sie womöglich noch nie gehört. "Woher hat er das alles?", fragen sie überrascht.

Aber die Überraschung, die zu etwas Gutem hätte führen können, nämlich ihm und seinem Wort zu glauben, verleitet sie zum Gegenteil: „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.“

Die Zuhörer Jesu haben die große Chance verpasst, besser zu verstehen, wie nahe Gott uns allen ist. Er ist nicht nur einigen wenigen Großen nahe, sondern jedem Menschen, der Gottes Nähe nicht ablehnt und sie an sich herankommen lässt. Jesus ist „nur“ der Zimmermann, wie heute ein andere „nur“ Handwerker oder arbeitlose Diplommathematiker ist. Aber dennoch kann Gott ihnen allen unbeschreiblich nahe. In abgeleiteter Weise ist Gott wie seinem Sohn, so auch jedem anderen Menschen nahe, wer das nur will und zulässt.

Die Menschen damals glaubten dies nicht. „Sie nahmen Anstoß daran und lehnten ihn ab.“ Als Bewohner Nazareths kannten sie Jesus seit seiner Kindheit. Den Vorstellungen, die sie sich von einem Propheten, von einem Mann Gottes machten, entsprach er irgendwie nicht. Und sie nehmen das zum Vorwand, die Nähe Gottes zu jedem Menschen zu verwerfen.

Hätten sie sich in ihrem Inneren berühren lassen, dann hätten sie eine ganz neue Perspektive gewinnen können. So aber blieb Jesus nichts anderes übrig, als angesichts ihres Skeptizismus und ihres vorgefassten Bildes bei ihnen keine Wunder wirken zu können.

Und wie ist das mit Ihnen? – Wie viele haben auch heute ein vorgefasstes Bild von Gott. Sie trauen ihm diese Nähe zum Menschen, wie sie in Jesus sichtbar wird, einfach nicht zu. Schade. Denn so kann Gott auch heute unter diesen Zeitgenossen keine Wunder wirken.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27/2012

Die Erzählung der Erweckung der Tochter des Jairus (hier: Gemälde von Gabriel Max, 1881) rahmt die der Heilung der blutflüssigen Frau ein.

Liebe Michristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag wird in der kürzen Fassung des Evangeliums der mittlere Teil ausgelassen, auf den im Folgenden näher eingehen werden soll. Dort wird von einer Frau erzählt, „die schon zwölf Jahre an Blutungen litt“, ohne dass ihr ein Arzt helfen konnte (vgl. Mk 5,25 f). Sie drängte sich durch die Menge, um von hinten Jesu Gewand zu berühren. „Denn sie sagt sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.“ (Mk 5,28).

Erzählt Markus hier von einer Frau, die meint, einen physischen Kontakt zu Jesu Gewand herstellen zu müssen, um geheilt zu werden? Das wäre Aberglaube.

Als aufgeklärte Gläubige wissen wir, dass Weihwasser kein Wundermittel, sondern nur ein „Sakramental“ ist. Natürliches Lourdeswasser ist nicht einmal das. Auch können wir mit einem Kreuz keine Fledermäuse vertreiben. Und schützt eine Christophorus-Medaille im Auto wirklich vor Unfällen, wenn doch unsere Unaufmerksamkeit sie verursachen? Muss man zur Unfallvermeidung nicht zuerst dort ansetzen, statt das Auto mit zusätzlichen Medaillen auszustatten? Ebenso wenig kann ein tief fromm gesprochener Wettersegen einen guten Blitzableiter bzw. eine professionelle Wettervoraussage ersetzen.

Wenn, dann ist es doch Gott, der hilft; und ihn können und sollen wir auf direktem Wege bitten. – Sind damit Weihwasser, Medaillen, Taschenkreuze etc. wertlos, nur nutzlose Zwischeninstanzen, oder gar „Brimborium“ und „Aberglaube“?

Sogenannte aufgeklärte Christen, insbesondere protestantischer Richtungen, haben es in dieser Denkweise soweit getrieben, dass sie sogar in der Kommunion nur noch ein Zeichen sehen wollen, aber nicht mehr den Kraft schenkenden und Sünden vergebenden Gottessohn. Entscheidend sei allein der Glaube, so sagen sie. Nur Gott schenke Heil und Erlösung. Alles andere, Weihwasser, Medaillen etc. verneble das nur und müsse deshalb abgeschafft werden.

Haben anfangs vielleicht sogar die Apostel ein wenig in dieser Richtung gedacht? Jedenfalls verstehen sie nicht, was Jesus mit der Frage meint: „Wer hat mein Gewand berührt?“

Jesus hört über die dann folgenden Frage und Einwände der Jünger einfach hinweg. So dürfen also auch wir in solchen Fragen des Glaubens „aufgeklärte“ Kritiker und Zweifler ggf. einfach „überhören“. Man muss ihnen nicht immer Gehör schenken. Jesus hat das auch so gemacht. Hauptsache, man behält ein offenes Ohr für Gott und seine Kirche.

Jesus bezeichnet dann die Überzeugung der Frau als „Glaube“, der ihr „geholfen“ hat. Es ist jedoch nicht irgendeine geheime Kraft im Gewand Jesu, die ihr geholfen hätte. Ihr hat vielmehr der Glaube an Jesu Christus geholfen, der dieses Gewand trägt. So, und nicht anders, schenkt ihr dieses Gewand im Zeichen der Berührung Kraft und Heilung.

In eben diesem Sinne sind die Sakramentalien (Weihwasser, gesegnete Bilder und Kreuze etc.) „heilige Zeichen, durch die in einer gewissen Nachahmung der Sakramente Wirkungen, besonders geistlicher Art, bezeichnet und Kraft der Fürbitte der Kirche erlangt werden.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 1667) Deshalb ist es sinnvoll, und es hilft wirklich, wenn man sich im Gedächtnis an die eigene Taufe mit Weihwasser bekreuzigt, etwa beim Betreten einer katholischen Kirche, oder wenn man ein Kreuz am Computerbildschirm befestigt, um von gewissen Versuchungen befreit zu werden.

Wenn wir an Gottes Macht glauben, dann schützen ebenfalls eine Christophorus-Medaille, ein Wettersegen oder ein Herrgottswinkel im Wohnzimmer; dann haben Reliquien und Andenken einen guten Platz in unserem Leben. Wenn wir so wie die Frau im Evangelium, unserer erste Hoffnung auf Gott setzen, dann kann all das jenes Heil vermitteln, das Gott uns schenkt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26/2012

Plakat Pfarrfest 2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nun ist es wieder soweit. Am nächsten Sonntag findet unser jährliches Pfarrfest statt. Seit Wochen sind zahlreiche fleißige wie begabte Köpfe und Hände dabei, alles vorzubereiten.
Es geht hier bei weitem nicht nur um Unterhaltung und Geselligkeit. Das Fest beginnt mit der Sonntagsmesse, mit der ja eigentlich jede Woche im Jahr beginnen sollte. Die Kirche spricht hier weiterhin, und wird es wohl bedacht sicher auch so beibehalten, von einer wirklich schweren Pflicht, der „Sonntagspflicht“. Durch den treuen Besuch der Sonntagsmesse, ausnahmslos wirklich jeden Sonntag, wächst zunehmend der gesamte Alltag geheimnisvoll aber deutlich spürbar in den sonntäglichen Festcharakter hinein. Wenn zurzeit noch nicht alle Sonntage, so ist dieser Pfarrfest-Sonntag für manche dann zumindest wieder ein guter Anfang für das, was werden soll und womöglich auch wieder einmal werden kann.
Das Pfarrfest ist in besonderer Weise auch ein Glaubenszeugnis. Unmittelbar im Anschluss an die 10.00 Uhr Familienmesse tragen wir den eucharistischen Herr in der Monstranz betend und singend in gemeinsamer Prozession durch die Straßen unseres Wohnviertels um die Pfarrkirche. In all den Jahren zuvor hat sich noch nie ein Langschläfer beschwert, sich durch den „himmlischen“ Gesang und all die frommen Beter gestört zu fühlen. Sollte das einmal geschehen, werden wir wohl plausibel darlegen können, diese „Störung“ nicht als Belästigung sondern als Weckruf für das Große im Menschen zu verstehen, dass einem nur von oben geschenkt werden kann.
In diesem Jahr gehen wir folgenden Prozessionsweg: Von der Kirche über den Vorplatz durch den äußeren Torbogen über die Straße Am Weidenbach in die Friedrichstraße. Von dort Pantaleonsmühlengasse, Pantaleonswall, Trierer Straße, Vor den Siebenburgen bis zur 1. Statio in der Kirche der Karmeltinnen Maria vom Frieden. Von dort geht es nach kurzem „Zwischenstopp“ durch die Straßen Schnurgasse, Martinsfeld, Am Trutzenberg mit einer kurzen 2. Statio unter der Madonna am Weg. Über die Straße Am Pantaleonsberg sind wir kurz nach 12.00 Uhr wieder zurück in der Kirche zur 3. Statio und zum Schlusssegen.
Es wäre schön, auch in diesem Jahr in den leider doch recht gottvergessen gewordenen Straßenzügen die ein oder andere kleine Aufmerksamkeit gegenüber dem Herrn in der Eucharistie wahrnehmen zu können, der an diesen Häusern vorbeigetragen wird. Denken Sie also bitte an ein schmückendes Zeichen vor Ihrem Haus, wenn es am Prozessionsweg liegen sollte.
Über eine rege Teilnahme an der Familienmesse um 10.00 Uhr am nächsten Sonntag, der anschließenden Prozession und dem Pfarrfest würde ich mich sehr freuen und möchte Sie hiermit dazu einladen und ermutigen.
Noch etwas: Bringen Sei bitte Ihre „gefüllten“ Baby-Flaschen unserer Aktion vor vier Wochen entweder ins Pfarbüro bzw. nach oder vor den Heiligen Messen gerne auch in die Sakristei.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25/2012

Nicht alle Herz-Jesu-Darstellungen haben die Qualität wie diese Darstellung des barmherzigen Jesu von Wladimir Naumez – St. Pantaleon

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Auf das Fronleichnamsfest folgt recht unmittelbar das Herz-Jesu-Fest, das wir an diesem 15. Juni zugleich als feierliche Eucharistie für die Einheit der Christen am Todestag der Kaiserin Theophanu gemeinsam mit Vertretern der Ostkirchen und unter guter Beteiligung zahlreicher Gläubigen gefeiert haben.

Am Hochfest Herz-Jesu wird uns gesagt: „Gott hat ein Herz für die Menschen.“ Was das bedeutet, können wir nur ahnen. Alles Fragen und Forschen nach Gott gelangt nur bis an den äußeren Rand seines Wesens, weiter nicht. So entspricht das Herz Jesu Fest dem verständliche Wunsch der Gläubigen, über diesen äußeren Rand von Gottes Wesen einen innigeren Blick hinein bis in seine Mitte, bis in das unauslotbare Geheimnis Gottes werfen zu können.

Unter der Führung des Heiligen Geiste weiß die Kirche um diesen Wunsch. So folgt im liturgischen Kalender der lateinischen, der westlichen Kirche auf das Fronleichnamsfest das Herz-Jesu-Fest. Während Fronleichnam noch einmal in festlicher Form den Gründonnerstag aufnimmt, erinnert das Herz-Jesu-Fest an den Tag darauf: Es steht in enger Verbindung zum Karfreitag.

Das wird auch in den biblischen Texten des Hochfestes deutlich. Im Evangelium heißt es: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, … sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seiner Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ (Joh. 19,34 f).

Schon im Alten Testament ist oft die Rede davon, dass Gott ein Herz für die Menschen hat: Im Neuen Testament jedoch lässt Gott in unfassbarer Selbstoffenbarung zu, dass ein irdisches, ein aus seiner göttlichen Liebe heraus menschlich gewordenes Herz durchstoßen und durchbohrt wird. Der Lanzenstoß, der die Seite Jesu öffnete, um seinen Tod festzustellen, öffnete dieses menschgewordene Herz Gottes für uns: Für alle Menschen; auch für jene, die ihn noch nicht kennen oder ihn beklagenswerter Weise schon wieder vergessen haben.

Im Herzen des Sohnes wohnt die ganze Fülle der Liebe Gottes. Diese Liebe ist gekreuzigt worden. Und hier wird nun endgültig für alle deutlich: Diese Liebe wartet auf Antwort. Sie wartet auf die Antwort des Glaubens, auf die Antwort der Treue und der reinen Hingabe an diese Liebe des unbegreiflichen Gottes.

Im Evangelium von diesem Sonntag vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Senfkorn. Es ist „das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

Wenn wir diese bildhafte Rede vom Reich Gottes mit der von uns durch das Herz-Jesu-Fest geforderten Antwort auf Gotte Liebe verbinden, dann wird deutlich: Es geht nicht um zu vollbringenden Höchstleistungen. Es geht in einem christlich und heilig mäßigen Leben mit Worten des Hl. Josefmaria Escrivá eher darum, alles mit etwas mehr Liebe zu verrichten. Dann kann Gott sein Reich in uns und durch uns in dieser Welt weiter wunderbar wachsen lassen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24/2012

Pfarrprozession - St. Pantaleon

Nach den Hochfesten Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten scheinen alle Erwartungen erfüllt. Wie vorausgesagt hat Jesus Christus in seiner österlichen Auferstehung den Tod überwunden. Er ist zu seinem Vater zurückgekehrt und lässt uns zugleich nicht alleine zurück. Gemeinsam mit dem Vater sendet er den Heiligen Geist und wirkt in ihm in der Einheit des einen Gottes segensreich fort für alle, die guten Willens sind. Damit bleibt es nicht bei den erfüllten Erwartungen. Sie werden fortlaufend übertroffen. Und so bleibt auch die Kirche nicht bei ihnen stehen.

Sie feiert das Fortwirken Gottes ganz im Auftrag Jesu (vgl. Mk 16,15), „in die ganze Welt hinaus zu gehen und das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden“. Die Kirche feiert inhaltlich und höchst qualifiziert. Nur so wird sie dem Gläubigen gerecht. Denn der Gläubige, der Gott erfahren und ihm geheimnisvoll im Herzen begegnet ist, gehört gerade deshalb viel mehr als der Ungläubige zu denen, die aufrichtig weiter suchen und damit nicht aufhören.

Der feste und unerschütterliche Glaube an Gott schließt das Weitersuchen gerade nicht aus. Ganz im Gegenteil. So bleibt der Gläubige auch nicht auf der Stelle stehen und vergreist nicht. Er schreitet lebendig voran, in die Weite und Tiefe Gottes hinein.

„Darum werden wir nicht müde“, hören wir diesen Sonntag vom Hl. Paulus aus dem zweiten Brief an die Korinther (4,16.18). „Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn wir starren nicht auf das Sichtbare, sondern blicken nach dem Unsichtbaren aus; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“

Gott ist über alles groß. Wer von der geheimnisvollen Begegnung mit Gott her die göttliche Größe zulässt, kann nicht anders, als weiter nach ihr zu suchen. Sie ist unauslotbar und besteht vor allem in der Wahrheit und in der Liebe, die am Ende mit Gott identisch sind.

In der liturgischen Festtagsordnung folgt deshalb auf das Pfingstfest der Dreifaltigkeitssonntag. So ermöglicht die Kirche dem anspruchsvoll suchenden Gläubigen auch qualifiziert Antwort zu finden. Die kirchlich-liturgische Festtagsordnung ist eine Art Qualitätssicherung des Glaubens.

Am Dreifaltigkeitssonntag geht es um Gott selber in seiner Einheit als drei Personen. Darauf folgt das Fronleichnamsfest, an dem die Liebe Gottes in dem überraschenden Verlangen des Allerhöchsten deutlich wird, unter der Gestalt des Brotes bei den Menschen bleiben und ihnen Nahrung sein zu wollen. Wenige Tage später folgt das Herz-Jesu- Fest. Noch einmal wird deutlich, dass Gott Liebe ohne Grenze ist.

„Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet“, zitiert Paulus (2 Kor 4,13) das Alte Testament und fügt daran an: „Auch wir glauben, und darum reden wir.“ Mögen die Zeilen des Pfarrbriefes Anstoß sein, diesem Glauben nach zu spüren, der so viele Heilige – an erster Stelle Jesus selber – furchtlos hat reden und bekennen lassen.

Das letzte große Fest in dieser Reihe fällt in diesem Jahr zusammen mit unserer alljährlich besonderen Heiligen Messe im Rahmen des Theophanu-Gedenkens. Gemeinsam mit orthodoxen Christen beten wir dabei im lateinischen Ritus für die Einheit der Kirche und anschließend, am Theophanu-Grab, im orthodoxen Ritus für die verstorbene Kaisern. Das gemeinsame und abwechselnde Singen östlicher und westlicher Melodien beim Ausklang dieser außergewöhnlichen ökumenischen Begegnung im Pfarrsaal hat in den Vorjahren diesem Abend wiederholt unvergesslichen Charakter verliehen. – Es lohnt sich. Kommen Sie und unterstützen Sie durch Ihre Teilnahme dieses Anliegen.

Pfarrnachrichten 23/2012

Der Besuch Gottes in Gestalt von drei Engeln bei Abraham in Mamre (Gen 18,1-33) wurde in der Theologie oft als einer der alttestamentlichen Hinweise auf den Dreifaltigen Gott gesehen. – Mosaik im Kloster „Kykkos“ auf Zypern.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit dem Dreifaltigkeitssonntag feiert die Kirche das wichtigste Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens. Mit anderen Worten: Der Glaube an einen Gott in drei Personen und ein Leben auf dieser Grundlage gehört zum Tiefsten und Größten, was Christen glauben und woran sie ihr Tun und Leben ausrichten: „Gott ist nicht Einsamkeit, sondern vollkommene Gemeinschaft“ (Papst Benedikt XVI., 22.05.05). In ihrem Glauben beten Christen damit jedoch keineswegs drei verschiedene Götter an, „sondern ein einziges Wesen, das sich dreifach entfaltet und doch eins bleibt“ (Youcat, 35).

Die „Trinität“ (lat. trinitas = Dreiheit) ist „das Mysterium des inneren Lebens Gottes, der Urgrund aller anderen Glaubensmysterien und das Licht, das diese erhellt. Es ist in der ‚Hierarchie der Glaubenswahrheiten’ die grundlegendste und wesentlichste.“ (KKK. 234) Die deutschsprachige Tradition kennt für die Trinität zwei verschiedene Begriffe: „Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit“. Der erste Begriff betont die Einheit, der zweite den Unterschied in Gott.

Im Gebrauch von zwei unterschiedlichen Begriffen drückt sich aus, dass die Dreiheit Gottes in ihrer Einheit und Verschiedenheit mit der Vernunft nicht erschlossen werden kann. Dennoch ist dieser Glaube alles andere als unvernünftig. Er ist im Gegenteil höchst vernünftig; denn, wie es der heilige Augustinus sagt, dessen theologisches Hauptwerk „De Trinitate“ ganz diesem Glaubensgeheimnis gewidmet ist: „Wo es die Liebe gibt, gibt es eine Dreifaltigkeit: einen Liebenden, einen Geliebten und eine Quelle der Liebe.“

Überall kann man dieses dreifaltige Grundprinzip erkennen. Es ist gewissermaßen die Matrix, die als Strukturelement der ganzen Schöpfung zu Grunde liegt. Wer dieses Strukturelement nicht wahr haben will und verneint, muss konsequenter Weise auch glauben, dass alle und jede Liebe letztlich reiner Zufall ist, und damit die gesamte Wirklichkeit nicht in der Liebe gründet, sondern in einer zufällig funktionierenden ziel- und herkunftslosen Ansammlung und Verdichtung am Ende undefinierbarer und dem menschlichen Verstehen unzugänglich bleibender und keinen weiteren Sinn in sich tragender noch ergebender Elementarteilchen.

Wer hingegen die Offenbarung Gottes in Jesus Christus annimmt, macht die Erfahrung, dass dann alles viel vernünftiger wird und sich einem ein tiefer Sinn für und in dieser unserer Welt erschließt.

Wäre Gott allein und einsam, könnte er nicht von Ewigkeit her lieben. Gott ist aber, wie er sich in der Geschichte geoffenbart hat, einer in drei Personen. Von daher ist er grenzenlos göttliche Liebe, nach deren Art und Sein er alles als Abbild seiner Liebe und zugleich aus dieser Liebe heraus ins Dasein rief und geschaffen hat.

Hinweise auf die Dreifaltigkeit Gottes finden sich schon im Alten Testament (z.B. Gen 1,2; 18,2; 2 Sam 23,2); und ihre Spuren lassen sich in der ganzen Schöpfung finden. Zugleich ist Gottes innere Wesen als heilige Dreifaltigkeit weit darüber erhaben. Der menschlichen Vernunft bleibt es unzugänglich. Die Trinität ist ein Glaubensgeheimnis im strengen Sinn, eines der „in Gott verborgenen Geheimnisse … die, wenn sie nicht von Gott geoffenbart wären, nicht bekannt werden könnten.“ (1. Vaticanum).

So tun wir am Dreifaltigkeitssonntag nicht mehr, aber auch nicht wenig, als diese Dreifaltigkeit zu verehren und sie anzubeten. Dieser Weg der Anbetung und Verehrung führt am besten und weitesten hinein in das Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nach einem wunderbaren Erstkommuniontag an Christi Himmelfahrt, den unsere Kommunionkinder und ihre Familien mit Blick auf das Wesentliche in großer und angemessener innerer Teilnahme gefeiert haben, begehen wir nun den bedeutenden Pfingsttag. Er ist der Festtag der Kirche und damit von uns allen. Er ist der Tag, an dem Gott einlöst, was er durch seinen Sohn versprochen hat: alle Tage bei uns zu bleiben bis zum Ende der Welt.

So ist der Pfingsttag auch der Tag der Solidarität, wie sie in der alljährlichen Pfingstkollekte „Renovabis“, die in diesem Jahr unter dem Leitgedanken „Und er stellte ein Kind in ihre Mitte“ (Mk 9,36) steht, zum Ausdruck kommt. In Absprache mit dem Pfarrgemeinderat möchten wir darüber hinaus der Gemeinde am Samstag/Sonntag nach Pfingsten (2./3. Juni) das Projekt „1000plus“ mit dem Leitgedanken „Hilfe statt Abtreibung“ vorstellen. Über beide Projekte können Sie sich durch die Auslagen auf dem Tisch im Eingangsbereich wie die Aushänge in den Schaukästen informieren.

Als Pfarrer darf ich Sie zudem schon jetzt ermuntern und einladen, am Fronleichnamstag, 7. Juni, zahlreich an der zentralen Dom-Prozession teilzunehmen. Wie die Jahre zuvor werden wir unmittelbar im Anschluss an eine zügige, aber wie immer würdige und schöne Familienmesse gegen 10.40 Uhr von St. Pantaleon zum Roncalliplatz aufbrechen und uns nach dem Ende der Heiligen Messe dort in den Fronleichnamszug einreihen. Beachten Sie bitte Flyer und Aushänge auch hierzu.

Wenige Tage später feiert dann im Rahmen des Theophanugedenkens der Freundeskreis St. Pantaleon e.V. sein 20jähriges Bestehen bei einem Vortag des Stadtkonservators a.D. Dr. Ulrich Krings im Domforum über den „Wiederaufbau der Kölner Kirchen nach 1945.“ Doch damit sind wir mit dem Feiern noch lange nicht am Ende.

Zu der feierlichen Eucharistie für die Einheit der Christen in Ost und West – Freitag, 15, Juni, 18.30 Uhr, am Todestag der Kaiserin Theophanu (15. Juni 991) – werden wir auch einige der von uns jüngst besuchten jüngeren Christen, die zahlreich in unserer Pfarrei wohnen, einladen, in der Hoffnung, so das uns wichtige Anliegen gemeinsame Betens für die Einheit der Christen in Ost und West im Rahmen des alljährliche Theophanugedenkens pflegen und fortführen zu können. Unmittelbar an die feierliche Hl. Messe schließt sich ein Totengedenken (Mnemosynon) am Sarkophag der Kaiserin im orthodoxen Ritus der Ostkirchen durch die anwesenden orthodoxen Geistlichen an. Spätestens ab 20.00 Uhr lassen wir die in dieser Form einzigartige ökumenische Begegnung im Pfarrsaal ausklingen. Das gemeinsame und abwechselnde Singen östlicher und westlicher Melodien hat in den Vorjahren diesem freundschaftlichen Ausklang wiederholt unvergesslichen Charakter verliehen. Es lohnt sich. Kommen Sie mit dazu!

Vor der Sommerpause werden wir dann noch ein weiteres Mal besonders beten und feiern; denn am Sonntag, dem 1. Juli, findet unser weit über die Pfarrgrenze bekanntes jährliche Pfarrfest statt. Wir freuen uns über jeden, der am Samstag davor (30. Juni) ab 10.00 Uhr im Innenhof (Papst-Benedikt-Hof) bis gegen Mittag beim Aufbauen hilft. – Am Sonntag beginnen wir mit der Hl. Messe um 10.00 Uhr, an der sich eine Sakraments-Prozession durch das Pantaleonsviertel anschließt. Etwa ab 12.00 Uhr beginnt dann der gesellige Teil für jung und alt, mit guter Lauen, bei Grill, Bier, Kaffe, Kuchen und kurzweiligen Darbietungen bzw. Auftritten. – Wer am Vortag beim Aufbauen nicht dabei sein konnte, kann das am Sonntag zum Ende des Pfarrfestes, gegen 17.30 Uhr, in immer noch froher Runde mit vielen anderen, die mit anpacken werden, gerne nachholen. Seien Sie auch hier noch einmal mit dabei! – Hier in St. Pantaleon ist immer etwas los.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In Voraussicht seiner Himmelfahrt erklärt der Herr schon zu seinen Lebzeiten seinen Jüngern (Johannes-Evangelium 16,7): „Doch ich sage euch die Wahrheit: es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.“ Die Himmelfahrt hat bei den Aposteln wohl gemischte Gefühle ausgelöst, was die darstellende Kunst vielfacettig ausdrückt. In der hier wiedergegebenen Himmelfahrtsdarstellung überwiegt die mit Trauer und Ungewissheit erfüllte Gemütslage der Apostel und der heiligen Frauen. Der Abschied fällt ihnen sichtbar schwer. Zu den Gedanken an all die schönen Erinnerungen der gemeinsamen Zeit mit Jesus kommt in ihnen die Frage auf, wie es nun weitergehen wird.

Zehn Tage später, am Pfingsttag, am Tag der Herabkunft des Heilige Geistes, erfahren sie in überwältigender Weise, dass Gott sie nicht vergessen hat. Das Pfingstereignis klingt kraftvoll im Zeugnis nach, das der Hl. Paulus viele Jahre später im Römerbrief (5,5) aufgezeichnet hat: „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“

Auch in unserem Leben gibt es Höhen und Tiefen, erfüllte Zeiten und Zeiten des Erwartens und bangen Hoffens. Ein tiefgläubiger Christ bleibt davon nicht verschont. Auch er erlebt die Höhen und Tiefen des Lebens; wobei jedoch im Laufe der Zeit, wenn er auch im Glauben älter und reifer geworden ist, seine Zuversicht größer und seine Ungewissheit geringer werden. Was der Christgläubige anfangs „nur“ glaubt und worauf er sich „kindlich zuversichtlich“ einlässt, das wird ihm zur zweiten Natur, zu einer Art von Gewissheit. Denn das gläubige Leben bestätigt die wirkliche und reale Tragfähigkeit des Glaubens.

Der Glaube erweist sich unter anderem darin, Gott zuzutrauen, eine solche Verwandlung in uns Menschen bewirken zu können. Das setzt die Bereitschaft voraus, sich einer solchen Verwandlung nicht zu verschließt und sie ausdrücklich zu wünschen. Deshalb betet der Christ nach alter Tradition zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in besonderer Weise: „Komm herab, o Heil‘ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt. Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not, in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod. Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.“

Das Beten dieser Pfingstsequenz „Veni Sancte Spiritus“ (siehe Gotteslob, Nr. 244) ist eine gute Vorbereitung auf das kommende Pfingstfest; und lässt einen im Glauben älter und reifer werden!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 14/2012

Einzug in Jerusalem, Öl auf Kupfer, 27 x 41 cm, Henri van Waterschoot († 1748(?) in München)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den liturgischen Büchern werden zur Begrüßung der Gläubigen bei der Eröffnung der Palmweihe die folgenden Worte vorgeschlagen: „In den Tagen der Fastenzeit haben wir uns auf Ostern vorbereitet; wir haben uns bemüht um die Bekehrung unseres Herzens und um tätige Nächstenliebe. Heute aber sind wir zusammengekommen, um mit der ganzen Kirche in die Feier der österlichen Geheimnisse unseres Herrn einzutreten.“

Die Karwoche sollte davon geprägt sein, wieder einmal in sich und der Frage nach zu gehen, ob man allen guten Vorsätzen zum Trotz doch wieder mehr an sich selber und seine eigene Befindlichkeit, seine eigenen Anliegen und Sorgen gedacht hat, als sich frohgemut und zuversichtlich der geheimnisvollen aber bereichernden und segnenden Gegenwart Gottes anzuvertrauen. Nur dann ist man nämlich wirklich und dauerhaft in der Lage, sich den Anliegen seines Nächsten zu öffnen und nicht mehr nur für sich selber zu leben.

Die Karwoche ist eine wunderbare Gelegenheit, all die Unzulänglichkeiten, das eigene Unvermögen, und all die Ichbezogenheit und Selbstgefälligkeit, in die wir leider – seien wir doch bitte erneut einfach ganz ehrlich mit uns – mit hartnäckiger Beständigkeit zurückgefallen sind, in einer gut vorbereiteten Beichte wieder vor Gott zu bringen. Hierbei ist die Tatsache sehr hilfreich, dass Christus in seine Stadt Jerusalem eingezogen ist, um dort das erlösende Leiden und den befreienden Tod auf sich zu nehmen.

Spüren wir nicht alle immerfort, dass eigentlich wir selber unser Leben hingeben und verschenken müssten, aber darin völlig überfordert sind und es trotz aller guten Anfänge nicht vermögen, das auch durchzuhalten und zu Ende zu bringen? Und natürlich weiß auch Gott darum. Deshalb wurde er Mensch, um stellvertretend für uns diese Lebenshingabe des Menschen gegenüber Gott und seinem Nächsten ein für alle Male zu vollziehen.

Nie werden wir diese geheimnisvolle Realität der stellvertretenden Opferhingabe Jesu für alle Menschen in seiner Ganzheit verstehen, wohl aber punktuell aus all den möglichen und vielfältigen Betrachtungsmöglichkeiten nachempfinden können. Der französische Dichter Paul Claudel (1868 – 1955) hat einmal gesagt: „Gott ist nicht gekommen, das Leiden zu unterbinden, Er ist nicht einmal gekommen, es zu erklären, sondern er ist gekommen, es mit seiner Gegenwart zu füllen.“

In Jerusalem erleidet Jesus nicht nur seinen Tod. Dort überwindet er ihn auch in seiner Auferstehung. Denn „stark wie der Tod ist die Liebe … auch mächtige Wasser können sie nicht löschen“ heißt es bereits im Alten Testament (Hld 8.6f).

In ihrer Mission sind Gott Vater und Sohn „untrennbare Verbündete …, bereit und voller Sehnsucht, aus Liebe das Äußerste für den Menschen auf sich zu nehmen. Gott wollte einen Tausch vollziehen, um uns zu retten.“ So versucht es der neue Jugendkatechismus (Nr. 98) zu erklären. „Gott wollte uns sein eigenes Leben geben, damit wir seine Freude genießen, und wollte unser Sterben, unsere Verzweiflung, unsere Verlassenheit, unseren Tod erleiden, um in allem mit uns Gemeinschaft zu haben. … Seit Christus für uns gestorben ist, können wir unseren Tod gegen sein Leben tauschen.“ (ibid.)

Mit Glauben und innerer Hingabe folgen wir in der Karwoche dem Herrn auf seinem Leidensweg und nehmen teil an seinem Kreuz, damit wir auch Anteil erhalten an seiner Auferstehung und seinem Leben. Gehen Sie dafür bitte auch wieder einmal zur Beichte; und Sie werden ganz anders verstehen, was ich Ihnen zur Betrachtung für die bevorstehenden Tage geschrieben habe.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 13/2012

Kreuzweg in St. Pantaleon von Robert Seuffert, 1933 - 13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon

Das prophetische Buch Jeremia (Kapitel 31) überrascht uns an diesem fünften Fastensonntag mit Worten des Herrn, in denen er einen neuen Bund ankündigt: „Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde.“ Dieser neue Bund unterscheidet sich von dem alten, den er einst mit den Vätern geschlossenen hatte, „als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen.“ Diesen (alten) Bund „haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war - Spruch des Herrn.“

Das Entscheidende des neuen Bundes ist seine Innerlichkeit. „Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ Der Neue Bund bleibt also nach Gottes Absicht nicht mehr als das „Gesetzeswerk“ der 10 Gebote ein von außen gegebener und so auch leicht nur außen bleibender Anspruch Gottes an den Menschen. Der Neue Bund Gottes mit den Menschen berührt sein Herz. Wie ist dass zu verstehen?

Wir nähern uns in der zweiten Hälfte der Fastenzeit nun jenen drei Heiligen Tagen, die mit Ostern als dem höchsten Fest der Christenheit ihren Gipfel erreichen. Nach alter Gewohnheit betrachten und begleiten gläubige Christen ihren Herrn bei seinem Kreuzweg. Sie beten den sogenannten Kreuzweg. Diese Andacht führt zu einer Christusbegegnung besonderer Art. Wer den Kreuzweg betet, nimmt nicht nur mit den Ohren die Aufforderung des Herrn wahr, nach dem Prinzip des „Weizenkorns“ zu leben: „Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Evangelium von diesem Sonntag: Joh 12,24). Wer den Kreuzweg betend betrachtet, der möchte das dann auch umzusetzen.

Über das einfache, oft auch distanzierte Verstehen hinaus lässt die Kreuzwegbetrachtung intensiv erfahren, in welch radikaler Weise der Herr diesen Weg des „Weizenkorns“ gegangen ist. Das führt den betenden Betrachter mit Gottes Gnade zur, fortan auch selber wie das „Weizenkorn“ zu leben und Frucht nd Heil zu bringen.

Das Sonntagsevangelium (Joh 12,20f) berichtet von „einigen Griechen, die beim Osterfest in Jerusalem Gott anbeten wollten.“ Sie traten „an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Sie hatten wohl manches von Jesus gehört. Jetzt aber wollten sie ihn sehen, um endgültig zu verstehen und danach zu leben.

Kardinal Suenes hat einmal gesagt: „Unsere Zeitgenossen verlangen danach, heute dem lebendigen Christus zu begegnen. Sie wollen ihn mit Augen sehen, mit Händen greifen. – Wie die Pilger griechischer Herkunft, die nach Jerusalem hinaufgezogen waren, sich an den Apostel Philippus wandten mit der Bitte: ‚Wir wollen Jesus sehen’, so wollen unsere Zeitgenossen ihm unmittelbar gegenübertreten. … Sie verlangen, Christus in jedem von uns zu sehen: wir sollen ihn durch uns hindurch scheinen lassen wie ein Kirchenfenster die Sonne.

Was der Ungläubige uns vorwirft, ist nicht, dass wir Christen sind, sondern dass wir es nicht genug sind: hierin liegt das Drama. Als Gandhi das Evangelium las, war er erschüttert und wäre beinahe Christ geworden; der Anblick der Christen hielt ihn auf und ließ ihn sich zurückziehen. Hier, wahrhaftig, liegt unsere größte Verantwortung.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hldebrandt

 

Pfarrnachrichten 12/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Sonntagsevangelium nimmt Jesus Bezug auf eine Episode in den Jahren der entbehrungsreichen Wüstenwanderung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens in die Freiheit des gelobten Landes. Als damals die Israeliten angesichts der Schwierigkeiten unterwegs den Mut verloren, Gott nicht mehr vertrauten und sich von ihm abwandten, „schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk ... und viele Israeliten starben“ (Num 21,6). Da bekannten die Menschen Mose: „Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt.“ Daraufhin „betete Mose für das Volk“ (Num 21,7) und machte auf Gottes Anordnung hin „eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.“ (Num 21,9)

Im Gespräch mit Nikodemus erinnerte Jesus daran (Joh 3,14f): „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“ Die „Erhöhung“ Jesu am Kreuz prägt zunehmend den zweiten Teil der Fastenzeit, die in Vorbereitung des Osterfestes am Karfreitag im Tod Jesu gipfelt. Dank seiner Erlösung werden auch wir, wie damals die Israeliten, gerettet und am Leben bleiben, wenn wir zum Gekreuzigten aufblicken und unsere Sünden bekennen.

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt“, erklärt Jesus dem Nikodemus, „dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Ohne das hier im Einzelnen theologisch erklärend und deutend weiter entfalten zu können, möchte ich Ihnen für den zweiten Teil der Fastenzeit das weitergeben, was Papst Benedikt für diese Tage über die Heilige Beichte, das Sakramente der Buße gesagt hat. Zu diesem Sakramente gehört ja ebenfalls das ausdrückliche und qualifizierte Bekennen der einzelnen Sünden, wie die Israeliten das in der Wüste getan haben (s.o.). Erst durch das Bekennen erkannten sie die Tragweite ihres gottvergessenen Tuns und waren wieder empfänglich für Gottes Gnade, um umzukehren und die Wege der Auflehnung gegen Gott wieder zu verlassen.

„Bei der Beichte“, so Papst Benedikt, „findet der reuige Sünder dank des ungeschuldeten Eingriffs der göttlichen Gnade Rechtfertigung, Vergebung und Heiligung. ... Nur diejenigen, die sich von der göttlichen Gnade gründlich erneuern lassen, können die Neuheit des Evangeliums verinnerlichen.“ Alle Heiligen der Geschichte legten über die enge Beziehung Zeugnis ab, die zwischen einem heiligen Leben und dem Sakrament der Versöhnung bestehe. Die Neuevangelisierung „bezieht ihr Lebensblut von der Heiligkeit der Söhne und Töchter der Kirche, vom täglichen Prozess der Bekehrung des Einzelnen und der Gemeinschaften, in dem sie sich immer tiefer mit Christus gleich gestalten.“

Der Papst erinnerte seine Zuhörer daran, dass der Priester bei der Spendung des Bußsakraments ein Werkzeug sei, das die Begegnung zwischen Gott und den Menschen leichter ermögliche. Der reuige Sünder spüre ein tiefes Verlangen nach Wandel, er wolle Barmherzigkeit empfangen, sehne sich danach, „die Begegnung und Umarmung mit Christus“ durch den Sakramentsempfang erneut zu erfahren.

Insbesondere beginne „die Neuevangelisierung … im Beichtstuhl, bei der geheimnisvollen Begegnung zwischen der unaufhörlichen Bitte des Menschen ... und der Barmherzigkeit Gottes, die die einzig angemessene Antwort auf das Bedürfnis der Menschheit nach dem Unendlichen ist.“ Wenn die Gläubigen beim Sakramentsempfang wirklich Christi Erbarmen erführen, „werden sie glaubwürdige Zeugen der Heiligkeit werden, was das Ziel der Neuevangelisierung ist.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11/2012

Thomas Jessen - Detail vom neuen Wandbild (noch in Bearbeitung) der zukünftigen Taufkapelle in St. Pantaleon, Köln - hier: Die 10 Gebote - (C) Thomas Jessen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Immer wieder spricht Gott die Menschen an. Oft auch fordernd. Aber bis in die kleinste Forderung hinein tut er das allein aus seiner für uns unvorstellbaren Liebe heraus, mit der er uns ewig gewollt und an seiner göttlichen Fülle und seinshaften Seligkeit für immer beteiligen möchte. So ist die Ansprache Gottes an uns als Menschen in ihrer Forderung und Verheißung immer auch Offenbarung, durch die Gott uns zum einen sagt, wer er selber ist, und durch die er uns zum anderen den Weg zeigt, der zur Fülle und Erfüllung unseres Menscheins führt.

In der ersten Lesung des dritten Fastensonntags im Lesejahr B aus dem Buch Exodus (20, 1-17) werden uns die 10 Gebote zur getreuen Beachtung anvertraut. Gott gibt diese für alle gültigen und wertvollen Weisungen zu einem rechten Leben den Seinen, die er „aus dem Sklavenhaus Ägypten“ in die Freiheit geführt hat. Diese ‚Präambel’ zu den 10 Geboten – „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“– macht deutlich, worum es geht. Die 10 Gebote engen als Forderung Gottes die Freiheit des Menschen gerade nicht ein, sondern machen sie erst möglich.

Die Freiheit des Menschen, auch entgegen dieser 10 Weisungen handeln zu können, ist nicht Ausdruck, sondern nur Folge dieser menschlichen Freiheit. Der Freiheit des Menschen entspricht viel mehr, die 10 Gebote zu halten, als sie nicht zu halten. Und nur dann ist der Mensch wirklich frei, wenn er dem einen und einzigen Gott, der dem Menschen Retter und Befreier ist, treu bleibt und seinen Weisungen folgt. Ohne diesen einen und wahren Gott wäre der Mensch überhaupt nicht; und hätte er auch keine Freiheit. Die Freiheit des Menschen geht zurück auf Gott, der sie ihm gewährt, damit er Gott suchen und ihn finden kann. Nur so findet der Mensch dann auch zu sich selber.

Aus diesem Grund überliefert das Buch Deuteronomium (5,22) über die Mitteilung der 10 Geboten folgendes: „Er (Gott) schreib sie (10 Gebote) auf zwei Steintafeln und übergab sie mir (Mose).“ Auch in der Kunst wird Mose aus diesem Grund alleine oder gemeinsam mit Aaron (vgl. Ex. 19,24) mit insgesamt zwei Steintafeln dargestellt. So auch in dem abgebildeten Detail, das zu einem großflächigen Bild gehört, das zurzeit der Künstler Thomas Jessen für die Neugestaltung der Taufkapelle in St. Pantaleon malt.

Die erste Gesetzes-Tafel umfasst die Gebote eins bis drei, die zweite die Gebote vier bis zehn. Dazu äußert sich der Katechismus der Katholischen Kirche folgendermaßen (Nr. 2067): „Die zehn Gebote bringen die Forderungen der Gottes- und Nächstenliebe zum Ausdruck. Die ersten drei Gebote beziehen sich vor allem auf die Liebe zu Gott, die sieben weiteren auf die Liebe zum Nächsten.“

Schon aus der frühen Christenzeit finden wir diese Erklärung, etwa beim Heilige Augustinus: „Wie die Liebe zwei Gebote umfasst, auf die der Herr das ganze Gesetz und die Propheten bezieht … so sind die zehn Gebote auf zwei Tafeln verteilt. Drei waren auf die eine Tafel und sieben auf die andere geschrieben.“

Die grundlegende Forderung der Gebote ist somit die Treue zum einen und einzigen Gott, dem Retter und Befreier. Die einzelnen Gebote sind dann eine Art Grenzwall zum Schutz des einzelnen und der Gemeinschaft. Von daher bilden die 10 Gebote zugleich ein „unteilbares Ganzes“, wie der Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 2069) es ausdrückt. Jedes Gebot verweist auf alle anderen; „sie bedingen einander“. Die beiden Gebotstafeln bilden eine Einheit: „Wer ein Gebot übertritt, verstößt gegen das ganze Gesetz. Man kann den Mitmenschen nicht ehren, ohne Gott, seinen Schöpfer zu preisen. Man kann Gott nicht anbeten, ohne die Menschen, seine Geschöpfe zu lieben. Der Dekalog (10 Gebote) bringt das gottbezogene und das gesellschaftliche Leben des Menschen in eine Einheit.“ (ibid.)

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10/2012

Vom Berg Tabor aus, dem Ort der Verklärung Jesu, erfreut der Blick auf die Hochebene des Jordan

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am zweiten Sonntag in der Fastenzeit überrascht uns ein Evangelium, das auf den ersten Blick gar nicht so ganz in diese Zeit der Buße und Umkehr zu passen scheint. Jesus nimmt drei seiner Jünger zur Seite und gehrt mit Ihnen auf den Tabor-Berg. Der Anstieg bis zum Gipfel ist alles andere als anspruchs- oder mühevoll. Mit durchschnittlicher Kondition geht man ohne allzu große Mühe, fast schon wie im Spaziergang, bis nach oben. Aber die Aussicht von dort in die weite, vom tiefen Jordantal durchschnittene Ebene, ist beeindruckend.

Auf diesem Berg soll nach alter Tradition die Verklärung Jesu stattgefunden haben. Mit „Verklärung“ wird jener geheimnisvolle Vorgang gemeint, über den der Evangelist Markus im neunten Kapitel berichtet. Es heißt dort schlicht und einfach: Da wurde Jesus „vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“ (Mt 9,2-5)

Der Zusammenhang mit der Fastenzeit kann besonders in dem Umstand gesehen werden, dass Jesus vor seinem letzten Weg nach Jerusalem, der am Ende nicht auf den Tabor- sondern auf dem Kalvarienberg endet, seine Jünger noch einmal stärken und trösten möchte. Er lässt sie die Kraft Gottes erkennen, die ganz in ihm ist und von ihm ausgeht, die ihn vor ihren Augen verwandelt und ihm dann auch, die Kraft des Todes übertreffend, von den Toten auferwecken wird.

So schenkt auch uns dieses Evangelium Kraft, Mut und Hoffnung und lässt uns zuversichtlich sein, dass wir gemeinsam mit dem himmlischen Vater, mit dem Heiligen Geist und dem menschgewordenen Sohn allem zum Trotz die Herrlichkeit schauen und erlangen werden, die uns verheißen ist. Die Verklärung Jesu kann und soll uns daran glauben lassen, dass unser irdisches Bemühen über ihre irdische Vergänglichkeit hinaus bei Gott in seiner Ewigkeit aufgehoben bleiben und uns als zusätzliches Glück im ewigen Leben noch mit dazu gegeben werden.

So sind dann auch die Anregungen, die Papst Benedikt in seiner diesjährigen Fastenbotschaft vorgetragen hat, mehr als gutmenschliche und nur auf dieses Leben bezogene Grundsatzregeln. Ausgehend von dem Bibelwort aus dem Brief an die Hebräer (10,24) „Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen“, ermuntert der Heilige Vater, in dieser Fastenzeit das doch einfach wieder einmal besonders zu tun und umzusetzen.

Papst Benedikt fordert dazu auf, „den Blick auf den anderen zu richten, in erster Linie auf Jesus, und aufeinander zu achten, sich nicht unbeteiligt, gleichgültig gegenüber dem Schicksal unserer Brüder und Schwestern zu zeigen.“ Er kritisiert ganz zu Recht: „Stattdessen überwiegt häufig die entgegen gesetzte Haltung: Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit, die ihren Ursprung im Egoismus haben, der sich den Anschein der Achtung der »Privatsphäre« gibt. Auch heute ertönt nachdrücklich die Stimme des Herrn, der jeden von uns dazu aufruft, sich seines Nächsten anzunehmen. Auch heute fordert Gott von uns, »Hüter« unserer Brüder und Schwestern zu sein (vgl. Gen 4,9), Beziehungen zu schaffen, die von gegenseitiger Fürsorge geprägt sind, von der Aufmerksamkeit für das Wohl des anderen und für dessen gesamtes Wohl. Das große Gebot der Nächstenliebe verlangt und drängt dazu, sich der eigenen Verantwortung gegenüber dem bewusst zu sein, der wie ich Geschöpf und Kind Gottes ist.“

In dieser pointierten und zugleich detaillierten Aufforderung des Heiligen Vaters wird indirekt angedeutet, dass dieses Bemühen durch die verklärende und umwandelnde Kraft Gottes auch für immer und damit für die Ewigkeit eine große Bedeutung hat.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09/2012

Das Aschenkreuz (Quelle: www.wikimedia.org)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am ersten Sonntag in der Fastenzeit wird traditionsgemäß der Fastenhirtenbrief unseres Erzbischofs verlesen. Er liegt dann auch in der Kirche aus.

So möchte ich Ihnen in diesem Pfarrbrief die interessanten Erläuterungen unseres Heiligen Vaters zum Aschenkreuz weitergeben, die er in seiner Aschermittwochpredigt zu Beginn der diesjährigen Fastenzeit vorgetragen hat.

Das stoffliche Symbol und Naturelement „Asche“, so Papst Benedikt, sei bereits in der jüdischen Kultur Zeichen der Buße gewesen. In der Aschermittwochsliturgie, an dem Tag, an dem die österliche Bußzeit beginnt, werde sie zu einem nicht-sakramentalen, heiligen Zeichen mit einer hohen Bedeutung. Es trage den Kosmos in die Liturgie und verweise auf den Schöpfungsbericht, nach dem Gott den Menschen aus Erde vom Ackerboden formte.

Das Symbol der Asche „führt also zurück zu jenem großen Fresko der Schöpfung, von der gesagt wird, dass in ihr der Mensch eine einzigartige Einheit von Materie und göttlichem Hauch ist, und zwar im Bild des Staubes der Erde, der von Gott geformt und belebt wird durch seinen Atem, den er dem neuen Geschöpf durch die Nasenflügel einhaucht.“

Durch die Sünde erfahre im Buch Genesis das Symbol des Staubes eine negative Wandlung. Vor dem Sündenfall wird der Ackerboden als vollkommen gute Kraft beschreiben: Getränkt durch eine Wasserquelle ist er in der Lage, Bäume mit köstlichen Früchten wachsen zu lassen. Nach dem Sündenfalls ist er verflucht: Er bringt nun Dornen und Disteln hervor, und nur unter Schmerzen und im Schweiße des Angesichts gewährt er dem Menschen gute Früchte. Durch diese Wandlung sei der Staub der Erde zum Zeichen des unausweichlichen Todes geworden und erinnere nicht mehr an das Schöpfungshandeln Gottes.

Die Verfluchung des Ackerbodens habe für den Mensch allerdings die Funktion einer Arznei, erklärte Papst Benedikt, wobei er den Hl. Johannes Chrysostomos zitierte. Durch den „Widerstand“ der Erde werde dem Menschen geholfen, innerhalb seiner Grenzen zu bleiben und die eigene Natur anzuerkennen. Die Verfluchung des Ackerbodens habe „medizinische Funktion“ und zeige, dass Gottes Absichten immer gut sind. Gott müsse den Menschen strafen, weil er die Freiheit des Menschen und ihre Konsequenzen respektiere, auch wenn sie negativ seien. Aber Gott zeige zusammen mit der gerechten Strafe auch den Weg des Heils auf. Dieser Weg zum Heil führe durch die Erde, durch den Staub und durch jenes Fleisch, das das Wort annehmen werde. Die Einladung zur Buße und zum Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit führe den Menschen nicht in Verzweiflung, sondern zur Annahme der unvorstellbaren Nähe Gottes, „der jenseits des Todes den Weg zur Auferstehung und zum endlich wiedergefundenen Paradies eröffnet.“

„Jener Gott, der die Ureltern aus Eden vertrieben hat, hat seinen eigenen Sohn in die von der Sünde zerstörte Welt gesandt und hat ihn nicht geschont, auf dass wir verlorenen Söhne geläutert und erlöst durch seine Barmherzigkeit heimkehren können in unsere wahre Heimat“, schloss der Papst seine Ansprache und wünschte dies allen Menschen, die sich demütig als des Heils Bedürftige erkennen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08/2012

Heilung des Gelähmten von Kapharnaum, zwischen 980 und 993 n.Chr., Codex Egberti

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wer in diesen Tagen ausgelassen feiert, tut es aus sehr verschiedenen Gründen; und damit auch sehr unterschiedlich. Ganz so evident, wie es manche hinstellen, ist die Beziehung von Karneval und christlichem Glauben keineswegs.
Fröhliche Frühlingsfeste mit Wein, Weib und Gesang feierten etwa schon Griechen und Römer zu Ehren von Dionysos und Saturn. Gut belegt ist der germanische Brauch, die Wintersonnenwende zur Huldigung der Götter und als Vertreibung der bösen Winterdämonen zu feiern. Nach der Christianisierung wurden Teile dieser heidnischen Bräuche übernommen und im christlichen Kontext neu gedeutet. So wurde etwa mit der Fastnacht oder dem Karneval (carne vale = Fleisch lebe wohl!) die vorösterliche Fastenzeit eingeläutet.
»Aber schon im Mittelalter nahmen die Fastnachtsfreuden, die „Mummerei“, oft drastische Formen an, sehr zum Verdruss von Rat und Kirche der Stadt. Verbote und Verordnungen halfen wenig, es wurde wild und fröhlich gefeiert. Im 18. Jahrhundert gesellten sich zum lustigen Straßenkarneval die sogenannten „Redouten“ nach venezianischem Vorbild, ausgelassene Masken- und Kostümbälle, die zunächst dem Adel und dem reichen Bürgertum vorbehalten waren. 1736 gab es in Köln die erste Redoute in einem Adelshaus am Neumarkt.
Knapp 50 Jahre später wurde Köln von den französischen Revolutionstruppen erobert. Doch erlaubte die neue Obrigkeit den Einheimischen „de faire son tour“, ihre jecken Umzüge zu machen. Die Preußen, die kurz darauf das Sagen hatten, waren strenger, was die Kölner nicht abhielt, ihre närrische Tradition zu pflegen. Der Karneval wurde romantisiert, verbürgerlicht und geordnet! Mit dem „Held Karneval“, unser heutiger Prinz, kam zudem eine neue Idee hinzu.
1823 wurde das „Festordnende Komitee“ gegründet. Am 10. Februar des Jahres feierte Köln den ersten Rosenmontagszug unter dem Motto „Thronbesteigung des Helden Carneval“.« (leicht gekürzt entnommen aus www.karneval.de/karneval.aspx) Darauf geht die spezifische Prägung des Kölner Karnevals zurück, wie sie bis heute bestimmend ist. Beim Kölner Karneval geht es also eher um ein bürgerliches Ereingis. Wohl werden diese Tage in dem Maß „christlich“ gefeiert, wie die Feiernden einen christlichen Hintergrund haben. Aus einer christlichen Grundhaltung heraus feiert der Mensch immer aus Dankbarkeit seinem Gott gegenüber und er ist besonders bemüht, dass sein Feiern nicht in Widerspruch zum Wesen des Menschen gerät.
Das Evangelium vom siebten Sonntag im Jahreskreis zeigt uns mit der Heilung des Gelähmten, den seine Freunde auf einer Bahre von oben durch die von ihnen „durchgeschlagene Decke“ direkt vor Jesus herunterlassen (vgl. Markus 2,1-12), was Quelle und Ursprung der spezifisch christlichen Freude und damit der christlichen Art des Feierns sind.
Jesus hatte zu dem Gelähmten zunächst gesagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ (ibid.) Da die Schriftgelehrten im Stillen dachten: „Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“ (ibid.) sagte er daraufhin dem Gelähmten zum Zeichen seiner Vollmacht, „hier auf Erden Sünden zu vergeben“ (ibid.): „Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbarer, und gehe nach Hause!“
„Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbare und ging vor aller Augen weg.“ (ibid.) – Die biblische Überlieferung verdichtet in diesem neutestamentlichen Bericht die Erfüllung der Sehnsucht des Menschen, als ganzer Mensch an Leib, Seele und Geist heil zu werden und heil zu sein, durch Jesus Christus, den Herrn.
Auch die Freunde des Gelähmten, die sich große Mühe machen, sind in diesem Zusammenhang wichtig. Sie bringen ihren Freund nicht nur zum Herrn. Sie bemühen sich darüber hinaus um eine originelle und kreative Lösung, als sie sehen, dass sie auf normalem Wege nicht weiterkommen.
Mit solchem Freunden und einem solchen Glauben braucht man keinen Alkohol mehr, um sich über die Sorgen und Grenzen des Lebens hinweg zu trinken. Karneval ist dann viel schöner.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 07/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Tagesgebet betet die Kirche an diesem Sonntag: „Gott, du liebst deine Geschöpfe, und es ist deine Freude, bei den Menschen zu wohnen. Gib uns ein neues und reines Herz, das bereit ist, dich aufzunehmen.“
Dies weckt Assoziationen zu dem alttestamentlichen Versprechen Gottes: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.“ (Ezechiel, 36,26) Im Tagesgebet dieses Sonntags wird die Bitte um ein „neues und reines Herz“ nun ausdrücklich in einen engen Zusammenhang damit gebracht, dass Gott seine Geschöpfe liebt und mit Freude „bei den Menschen“ wohnt. Er ist also nicht nur der Gott, der ein neues und reines Herz gibt, sondern darüber hinaus das Herz mit seiner Gegenwart erfreut.
Mit dem „Herz von Fleisch“ ist ein Herz gemeint, das der Größe und Würde des Menschen entspricht. Das „Herz aus Stein“ hingegen ist das alte Herz, das wie ’versteinert’ ist, weil es auf sich selber bezogen bleibt. Wer beim Alten bleibt und seinem “Herzen aus Stein“ den Vorzug gibt – selbstherrlich und bequem –, der wird zum Sklaven seiner selbst und damit unfrei.
Wer nämlich sein „Herz aus Stein“ behalten möchte, der entscheidet sich damit zugleich für ein Leben ohne Gott. Und er bleibt dann auch ohne diesen Gott, der niemanden zu seinem Glück zwingt. Ohne Gott jedoch bleibt jeder Mensch unweigerlich sich selber und einer schließlich unbeugsamen und unbarmherzigen Eigenliebe verhaftet. Genau das ist der Zusammenhang, um den es hier geht, und der im Tagesgebet dieses Sonntags beleuchtet wird.
Es ist eine anthropologische Grundwahrheit, dass niemand aus eigener Kraft sich aus einer widersinnigen Ichbezogenheit zu lösen vermag, die raffiniert und „klug wie die Schlange“ den Menschen über sich selber immer wieder stolpern lässt und am Ende zu Fall bringt. Das ‚alte Herz’ ist schließlich doch immer stärker als man selber. Aus dieser Ichbezogenheit, die verfänglich und erniedrigend in jedem schlummert, vermag nur Gott zu befreien. Das ist Erlösung, wie christlicher Glaube sie verkündet.
Ohne Gott bleibt dem Menschen keine andere Wahl, als die Ichbezogenheit als vermeintlich eigentliches Lebensziel zu erproben, obwohl das gegen seine Natur und sein Wesen geht. Er spürt den inneren Zwiespalt, vermag diese Widersprüchlichkeit aus eigener Kraft aber nicht aufzulösen.
Menschen mit einem ‚alten und unreinen Herzen’ sind also solche, die nicht wollen, dass Gott sie erlöst und verwandelt. Sie wollen nicht, dass Gott in ihnen wohne. Sie ziehen es vor, ganz nach eigener Vorstellung sie selbst zu bleiben. Damit manövrieren sie sich in einen inneren Zweispalt, der sich im Widerspruch zum eigenen Wesen verfestigt und zunehmend unbeweglich macht. So sind sie unweigerlich der eigenen Vergänglichen, am Ende der Macht des Tod und den dunklen Mächten ausgeliefert.
Eine ganz andere Lebenshaltung kommt zum Ausdruck in dem abgebildeten Zettel, der klein zusammengefaltet unter Fotos im Nachlass von Bernhardine Willemsen gefunden wurde.
Er enthält auf der abgebildeten Vorderseite die folgende päpstliche Bestimmung zur Erlangung eines vollkommenen Ablasses bei Fliegerangriffen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges: "Vollkommener Ablaß zur Zeit eines feindlichen Fliegerangriffes. Der Hl. Vater hat allen Gläubigen, deren Wohnort von feindlichen Fliegern angegriffen wird, einen vollkommenen Ablaß bewilligt, wenn sie während des Angriffes 1) einen Akt wahrer Gottesliebe und vollkommener Reue über ihre Sünden erwecken (etwa mit den Worten: Dich liebt o Gott mein ganzes Herz, und dies ist mir der größte Schmerz, daß ich erzürnt dich höchstes Gut, ach wasch mich rein in deinem Blut!) 2) andächtig das Stoßgebet verrichten: Mein Jesus, Barmherzigkeit!"
Ich wünsche auch Ihnen die göttliche Gabe eines reinen Herzens.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06/2012

Jesus heilt die Schwiegermutter des Petrus - Codex Egberti, 10. Jh.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Markus berichtet über die Heilung der Schwiegermuter des Petrus durch den Herrn, die „mit Fieber im Bett lag. … Er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.“ Auffallend an der Heilung ist die sofortige Wiederherstellung. Die schwer kranke Schwiegermutter nahm sich keine Zeit, und benötigte sie offenbar auch nicht, um sich erst von der schweren Krankheit zu erholen. Sie stand auf und kümmerte sich sofort um die Gäste ihres Schwiegersohnes.
Im Maß der Verantwortung, die auf jedem von uns lastet, spüren wir, wie das Leben uns fordert. Oft sagen wir, dass es uns an Zeit fehlt, um allem gerecht zu werden.
Mehr als fehlende Zeit zu beklagen sollten wir jedoch darauf bedacht sein, keine Zeit zu verlieren. Die Zeit, die uns für unser irdisches Leben gegeben ist, ist kostbar, und sie ist zu kurz, um sie auf Essen, Schlafen, Geschäfte machen und Kultur zu beschränken. Das ist zu wenig. Die uns gegebene Zeit ermöglicht viel mehr. Und nur dieses ‚viel mehr’ erfüllt einen wahrhaft. Was ist mit diesem ‚viel mehr’ gemeint? – Es wird erkennbar im Beispiel, das der Herr uns gibt. Sein Leben lässt erkennen, bis zur welcher Größe ein Mensch in seinem Leben wachsen kann.
Die Heilung der Schwiegermuter des Petrus hatte sich offenbar schnell herumgesprochen. Denn „am Abend“, so berichtet der Evangelist Markus, „als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus.“
Durch alles, was Menschen tun, wird schon das zeitlich-irdische Leben mit ‚viel mehr’ und bleibender Größe erfüllt, wie alles Tun nicht auf sich selber ausgerichtet bleibt, sondern als Dienst für die Menschen, sogar bis zum Äußersten, verstanden und vollzogen wird. Das ist jedoch nur möglich, wenn man immer wieder den Weg ‚zur Quelle’ sucht, die alle hierfür notwendige Frische und Kraft verleiht.
„In aller Frühe, als es noch dunkel war“, berichtet Markus, „stand er (Jesus) auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“ Der irdische Jesus übt sich ein in das, „was für den ewigen Gottessohn das Leben ist: die vollkommene Hinwendung zum Vater“ (Kommentar im Schott-Messbuch). – Als Priester habe ich oft den Eindruck, am Ende immer nur dasselbe, wohl mit immer anderen Worten und aus immer anderen Perspektiven zu sagen, nämlich: Nur in tiefer Verbundenheit mit Gott, unserem Schöpfer und Erlöser – und deshalb sind das tägliche Beten und zumindest der Sonntagsgottesdienst so wichtig –, geht das zeitlich so begrenzte irdische Leben in bleibende Größe und Tiefe über, die schon auf Erden und in diesem Leben so ungemein bereichern und beglücken.
Auch der leidgeprüfte Ijob (vgl. die erste Lesung), dem unvorstellbares Leid widerfuhr, stand am Ende nicht als Verlierer da. Auch in seinem Leben hat sich Gott als der erwiesen, der den Seinen, die ihre irdische Lebenszeit in Gottes Hände legen, Großes und eben „viel mehr“ als ein gesundes Essen, einen gesunden Schlaf und ein intellektuell oder kulturell hochstehendes irdisches Leben gewährt.
Von daher ist es nicht überraschend, was sich früh am nächsten Morgen ereignete, als „Simon und seine Begleiter ihm (dem Herrn) nacheilten, und als sie ihn fanden, zu ihm sagten: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.“
Anstatt sich mit dem zufrieden zu geben, was ihm an Wertschätzung, Zuneigung und Erwartung im Dorf des Petrus entgegengebracht wurde, „zog er durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus."

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05/2012

„Geh du allein hin“ (Dtn 5,27), bat das Volk Mose, weil es zu Recht fürchtete, vor der erhabenen Größe und Schönheit Gottes aus eigener Kraft nicht länger bestehen zu können. Mose kehrte mit den 10 Weisungen Gotte zurück, deren Annahme zur Versöhnung mit Gott und gemeinsam mit ihm mit sich selber führt.

Der vierte Sonntag im Jahreskreis legt uns Bibelstellen vor, die wichtige und für den Gläubigen aufschlussreiche Bezüge sichtbar machen. In der ersten Lesung (Buch Deuteronomium) lässt Gott durch Mose dem auserwählten Volk sagen, dass er einen besonderen Propheten, den Messias und Erlöser „als Erfüllung von allem erstehen lassen wird, worum du (gemeint ist das Volk Gottes) … den Herrn, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe.“
Um was für eine Bitte des Volkes Gottes geht es hier? Sie wird uns ja nicht direkt genannt, wohl aber indirekt. Sie ist in die Aussage hineingewoben: „Ich kann die donnernde Stimme … Gottes nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe.“ – Damit wird ein vielschichtiger Sachverhalt auf den Punkt gebracht.
Gott ist so anders, so groß, so erhaben, so gut, so gerecht, ganz Liebe und das ewig, dass der Mensch angesichts seiner armseligen Geringheit immer dann zum sterbenden Scheitern und in die Dunkelheit verurteilt ist, wenn er sich in irgendeiner Form gegen Gott behaupten möchte. Und das ist leider eine böse Neigung im Herzen des Menschen, die er aus eigener Kraft nicht abzulegen vermag. Hier ist der Mensch wie jener böse Geist, über den uns das Sonntagsevangelium, in diesem Fall der Evangelist Markus berichtet.
Markus erzählt, wie Jesus am Sabbat in die Synagoge ging und lehrte. „Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.“ Markus sagt uns nichts über den Inhalt der Predigt. Er beschreibt nur ihre Wirkung: Staunen und Bestürzung. Aber zum Glauben kommen die Menschen nicht.
Damit sind sie wie jener „unreine Geist“, von dem einer der Zuhörer “besessen war“. Der unreine Geist begann zu schreien: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“ Markus berichtet weiter: „Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!“
Der Dämonen erkennt ihn als den „Heiligen Gottes“. Er gehorcht auch seinem Befehl, weil Gott mächtiger ist als er, aber sein Gehorsam ist Flucht in die Finsternis. Der Gehorsam des Glaubens hingegen ist Rückkehr zum Licht, Teilhabe an der Wahrheit und Heiligkeit Gottes. Der im Glauben Gehorsame will sich gerade nicht gegen Gott behaupten. Er traut hingegen der liebevollen Hilfe Gottes und vertraut sich ihm deshalb an. Der Glaubend sucht nicht Behauptung und Widerstand, wo er nur den Kürzeren ziehen könnte, sondern lebt aus der im gläubigen Lebensvollzug sich bestätigenden Gewissheit, dass die innige Gemeinschaft mit Gott einen nicht verbiegt und sich selbst entfremdet, sonder zu genau jener Stimmigkeit führt, die seinem tiefsten Wünschen entspricht.
Hier leuchtet aus der Tiefe auf, warum das Volk zu Recht befürchtet, sterben zu müssen, wenn es noch einmal „die donnernde Stimme … Gottes … hören und dieses große Feuer … noch einmal sehen“ würde. Der Heilige Paulus erklärt es in der zweiten Lesung zusammengefasst damit, dass der Mensch meist nur den anderen und sich selber gefallen möchte. Darin besteht seine Unerlöstheit, die ihn unfrei macht und nicht erfüllt, und ihn schließlich in dunkle Umnachtung führt. In die ganz andere, die genaue Gegenrichtung ist Jesus als der immer wieder angekündigte, ganz besondere Prophet, als Messias und Erlöser, als wahrer Gott und wahrer Mensch gegangen, um den, der ihm glaubt und vertraut als „Weg, Wahrheit und Leben“ in diese Richtung hinein in die Erlösung mitzunehmen.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04/2012

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium von diesem Sonntag berichtet uns Markus im ersten Kapitel, wie Jesus seine Jünger zu sich ruft: „Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“
Passend dazu wird ein bekanntes Tafelbild von Duccio di Buoninsegna (Siena 1311) – vgl. Abbildung – in einer von der Deutschen Bischofskonferenz 1978 herausgegebenen Schulbibel wie folgt kommentiert:
„Berufen werden heißt erwählt sein. Das gilt für das Volk Israel (Jes 4,18-10) wie für den einzelnen. … Mk 1,16-18 berichtet in knappster Form, wie Jesus den Simon und seinen Bruder Andreas beruft, als sie gerade ihre Netze auswerfen. Äußere Umstände werden nicht mitgeteilt. Entscheidend sind der erwählende Blick Jesu und sein Ruf, der kein Zögern erlaubt. – Diese Sicht kommt auch in der Bildgestaltung zum Ausdruck: Keine große Landschaft, keine imposante Szenerie. Das Zueinander der Personen ist auch für den Maler ausschlaggebend.
Jesus (am linken Bildrand) ist soeben an das felsige Ufer getreten. Nur sein Kopf und seine Hand ragen über die Felsenlinie hinaus. Von seinen Augen und seiner Hand geht alle Aktivität aus. Diese Geste der rechten Hand wirkt einladend und fordernd zugleich. Ihr antworten der Blick und die erhobene Rechte des Simon. Während Andreas noch vom Fischnetz in Anspruch genommen ist und nur 'mit einem Ohr' zuzuhören scheint, ist sein Bruder Simon mit Augen und Ohren schon ganz bei Jesus.
Zwischen den Händen und den Augen Jesu und des Simon liegt die Spannung des Bildes; sie wird verstärkt von der Stelle, wo sich die Spitze des Bootes dem zerklüfteten Ufer nähert, ohne es zu berühren. So entsteht zwischen Jesus und Petrus ein Kraftfeld, das große Ruhe ausstrahlt. Zur rechten Seite des Bildes hin nehmen Kraft und Spannung ab; die hochgewölbte Spitze des Bootes lenkt den Blick zurück auf das Zentrum des Geschehens.
Der Maler Duccio hat das Gemälde im Anschluss an die byzantinische Bild–Tradition geschaffen, es jedoch mit etwas mehr Wärme und Leben gefüllt. – Die Bildtafel stammt vom ehemaligen Hauptaltar des Doms von Siena, der insgesamt fast l00 Bilder verschiedener Größe von der Hand des Malers Duccio umfasste.“ Soweit die leicht gekürzt Bilderläuterung.
Nehmen Sie sich doch noch einige Minuten Zeit, dieses Bild mit der vorgetragenen Erläuterung einmal besonders aufmerksam zu betrachten; denn Gott spricht jeden Menschen an; auch Sie und mich. Und das tut er auch über künstlerische Darstellungen, die entscheidende Aspekte dieser seiner Ansprache und seines Rufens gekonnt ins Bild setzen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 03/2012

Deckenfresko (1913) von Georg Schmied, Niederkappel (Oberösterreich), Pfarrkirche St. Andreas

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Panaleon!

An diesem zweiten Sonntag im Jahreskreis erfahren wir, wie Jesus mit seinen beiden ersten zwei Jüngern zusammentraf, die bis dahin noch Jünger von Johannes dem Täufer waren. Jesus kam an dem Ort vorbei, berichtet das Evangelium, wo Johannes in Begleitung von zwei seiner Jünger im Jordan taufte. Da richtete der Täufer „seinen Blick auf Jesus und sagte: Seht, das Lamm Gottes!“ Als beide „hörten, was er sagte, folgten sie Jesus.“
Auch wenn es für Johannes den Täufer in gewisser Hinsicht ein schmerzlicher Verlust war, zwei seiner besten Mitstreiter zu verlieren, so entsprach doch genau das seiner Absicht: auf die Ankunft des Erlösers vorzubereiten und Menschen guten Willens mit Jesus Christus, dem erwarteten Messias, in Kontakt zu bringen. – Ähnliches widerfährt manchmal Eltern, Lehrern und auch uns Priestern.
Es ist wichtig, die uns Anvertrauten nicht „festzuhalten“; uns nicht an sie „zu klammern“. Die Aufgabe von uns als Eltern, Erzieher und auch Priester besteht allein drin, die uns Anvertrauten gut darauf vorzubereiten, dem Ruf Gottes folgen und Gottes Wege dann auch gehen zu können. Und nicht selten hat Gott unseren Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden einen auch deutlich anderen Weg bereitet, als wir dachten. So muss man Menschen „gehen lassen“, man darf sei nicht zurückhalten, auch wenn man sich anderes vorgestellt oder an weitere Unterstützung durch sie in eigenen Anliegen gehofft hatte.
Das Evangelium berichtet dann weiter: „Jesus wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: „Was wollt ihr?“ – Das erscheint zuerst einmal wenig einladend und wie zufällig; kann aber als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Begegnungen mit Jesus oft nur wie zufällig erscheinen, und ihm darüber hinaus nur solche werden nachfolgen können, die etwas ganz Bestimmtes von ihm erwarten: „Meister“, so fragen die beiden, „wo wohnst du?“
Das ist keine Verlegenheitsantwort. Das ist die fragende Antwort von zwei jungen Menschen, deren bisheriger Meister erklärt hatte, dass der, „der nach ihm kommen wird“ und auf den er als das „Lamm Gottes“ hinweisen würde, ein neues Menschsein, eine neue Art des Lebens bringen werde, die all die großen Fragen des Daseins in einer nie dagewesenen und unübertreffbaren Weise beantworten wird.
„Meister, wo wohnst du?“ Damit fragen sie nach dem Lebensstil, nach den Einstellungen, den Grundhaltungen und großen Überzeugungen, die Jesu Leben bestimmen. Die beiden wollen wissen, wie Jesus im Leben dasteht, was sein Leben bestimmt, wie er es sieht und gestaltet. Das ist es, was sie vom „Lamm Gottes“ erwarten. Und darauf wollen sie sich mit ihrer ganzen Person einlassen. Erst auf diese Erwartung und inneren Haltung hin, die notwendige Vorraussetzung ist, Gottes Stimme und seine Ansprache überhaupt wahrnehmen zu können, erfolgt die Einladung des Herrn: „Kommt und seht!“ – Gott kann in unserem Herrn Jesus Christus nur den persönlich ansprechen und einladen, der in dieser Offenheit und Bereitschaft nach dem menschgewordenen Gott fragt, wie diese beiden jungen Männer.
Gott ist Mensch geworden, um uns durch sein beispielhaftes Leben und sein weisendes Wort zu sagen, wie das geht, als Mensch gut, gerecht und in erfüllender Heiligkeit zu leben.
Das abgebildete Deckenfresko aus Oberösterreich hält genau diesen Augenblick fest. Johannes im Hintergrund hat seine Aufgabe erfüllt: Er darf nun in den Hintergrund treten, ganz so, wie er es schon vom ersten Augenblick seines Auftretens gewusst und verkündet hat (vgl. Joh 3, 28 ff): „Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht. … Er muss wachsen, ich aber muss geringer werden“.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 02/2012

Hl. Drei Könige, Ravenna, Sant'Apollinare, ca. 526 n.Chr.

Liebe Freunde und Mitchristen von St. Pantaleon!

Mit den zwei weihnachtlichen, in diesem Jahr eng aufeinander folgenden Festen von der Erscheinung des Herrn (drei Könige; am 6. Januar)) und dem der Taufe Jesu (an diesem Sonntag) endet die liturgische Weihnachtszeit. Nach einer schon längeren Tradition dürfen Krippe und Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, die Kirche weiterhin schmücken. Das schnelle Ende der eigentlichen Weihnachtszeit, die durch die genannte Tradition gemäß dem Verlangen des Gläubigen nach Verweilen beim göttlichen Kind am Ort seiner Niederkunft inoffiziell deutlich verlängert wird, lässt uns noch einmal zurückblicken und fragen, was Weihnachten denn für uns persönlich gebracht hat.

Nicht nur Juden – wenngleich die Hirten eher als eine Randgruppe, auch religiös zu betrachten sind –, sondern auch Fremde und Heiden haben den Weg zum Erlöser gefunden. Sie kamen mit Gaben, jeder nach seinen Möglichkeiten, und kehren dann als Beschenkte heim.

Im Tagesgebet vom Dreikönigsfest betet die Kirche: „Durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind, hast du … den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart. Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.“ Darauf heißt es dann unmittelbar folgend: „Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.“

Vom Grundanliegen recht ähnlich betet die Kirche am Fest der Taufe des Herrn: „Allmächtiger, ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab, und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart“, worauf wie am Dreikönigstag auf die Zusammenfassung des Fest-Ereignisses eine Bitte folgt. Bei diesem Fest die Bitte: „Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.“

Mit dem Glauben ist es wie auch sonst im Leben. Wir können bei allem, was für den Fortbestand des Lebens wichtig ist, nie sagen: Das ist jetzt gut. Mehr ist nicht notwendig. Wir können das weder sagen mit Blick auf die Ernährung noch hinsichtlich der Entwicklung unserer Persönlichkeit. Kaum, dass die eine Mahlzeit verzehrt ist, steht bereits die nächste auf dem Tisch. Und in gewisser Weise ganz ähnlich, wenn auch in anderer Hinsicht ganz anders, werden wir nie sagen können, und es auch gar nicht wollen, dass wir mit unserer Persönlichkeitsentwicklung am Ende sind. Dann wären wir nämlich sprichwörtlich „am Ende“.

Liebe Mitchristen: Hat Weihnachten für Sie einen Schritt weiter „vom Glauben zur unverhüllten Anschauung“ beziehungsweise einen Schritt voran „in Gottes Wohlgefallen“ und in die „Fülle des Geistes Gottes“ gebracht? Ganz unabhängig davon, wie Sie diese Frage beantworten, schlage ich Ihnen gerne vor, die inoffizielle Verlängerung der Weihnachtszeit dafür noch ein wenig zu nutzen.

Keiner von uns ist „am Ende“: Weder diejenigen, die von sich sagen, sie könnten nicht glauben, noch diejenigen, die von sich sagen, ihr Glaube sei durch nichts mehr zu erschüttern. Der Glaube ist etwas sehr Lebendiges. Er lebt vor allem durch die Impulse, die Gott selber schenkt. Von unserer Seite aus ist wichtig, dass wir Gott und seinem Geist die Möglichkeit dazu geben, und sie nicht zustellen bzw. verbauen.

Nehmen Sie sich deshalb noch ein wenig Zeit vor der Krippe, um die geheimnisvolle Wirklichkeit zu bedenken, dass der Allmächtige und Schöpfer aller Dinge auch aus Liebe zu Ihnen Geschöpf und Menschenkind geworden ist. Dann schenken Sie nicht nur sich selber noch etwas Zeit, sondern geben diese Zeit auch in Gottes Hände, so dass er Sie vom Glauben – ja sogar vom vermeintlichen Nicht-Glauben-Können – deutlich und wahrnehmbar in Richtung „unverhüllte Anschauung“ und „Stehen in Gottes Wohlgefallen“ führen kann; und führen wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 52/2011 und 01/2012 - Weihnachten

Anbetung der Könige - Roger van der Weyden

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wieder einmal feiern wir Weihnachten. Während der Festtage selber dürfen wir dankbar innehalten und uns freuen, dass Gott es wirklich gut mit uns meint.

Der Heilige Vater, Papst Benedikt, hat bei seinem Deutschlandbesuch wunderbar das Eigentliche von Weihnachten auf den Punkt gebracht. Er sagte wörtlich: „Die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht für sich sein, sie will sich verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschen zugekommen. Er ist aus dem Rahmen seines Gottseins herausgetreten, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden; und zwar nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie ganz so läßt, wie sie ist. Zum Christusgeschehen gehört das Unfaßbare, daß es – wie die Kirchenväter sagen – ein ‚sacrum commercium’, einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt, in dem beide – wenn auch auf ganz verschiedene Weise – Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende sind.“

Von Herzen wünsche ich Ihnen einen auch sehr persönlichen Zugang zu dieser Wirklichkeit des „sacrum commercium“, des heiligen Austauschs zwischen diesem Gott, der Liebe in Person ist, und Ihnen, die sich darauf glaubend und vertrauend einlassen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51/2011 - 4. Adventwoche (B)

Handschrift Dombibliothek – Miniatur – Verkündigung

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der vierte Adventssonntag stimmt uns mit dem Evangelium der Verkündigung ein auf das nahende Weihnachtsfest. Über alle Unbeständigkeit und Untreue der Menschen hinweg hat Gott seine Verheißung wahr gemacht und ist mit seiner erlösenden Herrlichkeit zu uns gekommen.

Aber Gott ist nicht mit äußerer Macht gekommen, und er setzt für sein Ankommen auf Erden auch keine Repressalien ein. Er braucht jedoch unsere innere Zustimmung. Ohne unser Wünschen und Wollen möchte er uns sein Heil – gemeint ist wirkliche Erlösung, wie sie nur von ihm kommen kann – nicht aufzwingen.

Maria ist die erste der Erlösten, die mit ihrem „Ja“ die Vorraussetzung dafür geschaffen hat. Sie hörte das Wort des Gottesboten Gabriel und antwortete als „Magd des Herrn“. Diese Haltung – Magd des Herrn – lässt sie aus der Kraft des Glaubens, dass „bei Gott nichts unmöglich ist“, über sich selber hinauswachsen in die Größe Gottes hinein.

Als Maria kurz darauf ihre Verwandte Elisabeth besucht, preist diese Maria selig, weil sie „geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“. Und Maria kann darauf antworten und ohne jede Art von Selbstbespiegelung über sich selber sagen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“

Die letzten Adventtage sind Tage ganz besonderen Wartens auf die Ankunft des Herrn; Tage des Wünschens und Bittens, er möge wirklich ankommen. Die Zeit bis zur Ankunft ist meist mit einer bestimmten Unruhe verbunden; mit gewissen Vorstellungen und Erwartungen, und dem nicht völlig sicheren Wissen, ob am Ende auch alles in Erfüllung geht.

Es wäre schade, wenn man die Zeit des Ankommens und Erwartens nicht hätte. Manches ginge einem verloren und vieles vom Erwarteten bliebe unbeachtet und würde leicht überhört und nicht recht wahrgenommen werden. – Somit ist nach alt hergebrachter Erfahrung und Überlieferung für das Weihnachtsfest der Advent, die Zeit des Erwartens unverzichtbar. Wer den Advent vernachlässigt, ihn in der Begehrlichkeit des Kaufens und Verkaufens nicht mehr wahrnimmt, ihn unbeachtet lässt, der verliert früher oder später auch Weihnachten.

Weihnachten ist eine ganz persönliche und intime Begegnung des Menschen mit seinem Seinsgrund: Mit seinem Schöpfer und Erlöser. Erst in dieser Begegnung kommt der Mensch wirklich an und findet Frieden: mit Gott, mit seinem Nächsten und mit sich selber. Der Advent hilft, das Ziel nicht zu verfehlen und nicht zu einem Menschen zu werden, der über das irdische Leben hinaus nichts mehr zu erhoffen und zu erwarten vermag.

Wer den Advent ernst nimmt, der entdeckt insbesondere, dass Gott zum einen längst angekommen ist, zugleich aber immer wieder erst noch ankommen muss. Denn jeder von uns ist jetzt anders als vor einem Jahr. Wir sehen manches inzwischen ganz anders als vor 12 Monaten um diese Zeit. Wir hören manches anders als im vergangenen Jahr. Wir denken anders, als letztes Jahr. Deshalb muss Gott in gewisser Weise beständig in uns neu geboren werden.

Der Advent ist also nicht ein unaufrichtiges „so Tun, als ob“ Gott noch gar nicht angekommen wäre. Er ist angekommen und hat uns erlöst! Er muss aber auch in uns ankommen, sonst würden er und seine Gaben an uns vorbeirauschen und uns nicht berühren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bis zum nahenden Fest eine segensreiche letzte Adventwoche, die zur inneren Umkehr in all dem führen möge, wo Gott, da wir uns weiter entwickelt haben, noch nicht angekommen ist.

Für diesen Prozess empfehle ich Ihnen von ganzem Herzen die Hl. Beichte! Durch dieses Sakrament lassen wir vor allem Gott handeln, bei dem, wie Maria es geglaubt hat, „kein Ding unmöglich ist“; eben auch nicht eine tiefgreifende Umwandlung unserer selbst hin zu einem grenzenlosen Vertrauen in Gottes heilende und erlösende Kraft.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50/2011 - 3. Adventwoche (B)

vor und nach der Einweihung des neuen Kerzenopferlichtständers

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nach dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember und der darauf vorbereitenden Novene, die in diesem Jahr übrigens sehr gut besucht war – ab dem 30. November täglich, neun Tage lang, ein feierlicher Gottesdienst mit besonderer Predigt –, wird St. Pantaleon an diesem Montag, dem 12. Dezember, noch einmal Ort besonderer Marienverehrung sein. Wie seit Jahren werden wir auch diesmal wieder das Fest der Gottesmutter von Guadalupe in besonderer Form und mit Teilnahme von zahlreichen Gläubigen aus Südamerika feiern. Im Pontifikalamt, von unserem Weihbischof Dr. Klaus Dick zelebrieret, wird zudem ein neuer Kerzenopferlichtständer gesegnet.

Der Kerzenopferlichtständer ist eine Bronzearbeit der Künstlerin Maria Fernandez, und er ist ihr außergewöhnlich gut gelungen. Er bleibt zukünftig aufgestellt in der Josefmariakapelle und verbindet ein Marienbild, eine getreue Darstellung des Gnadenbildes der Gottesmutter von Guadalupe – ein Geschenk vom derzeitigen Rektor der Basilika von Guadalupe in Mexiko, Mons. Enrique Glennie –, mit einer Darstellung des Heiligen Josefmaria Escrivá. So können an diesem Ort in Zukunft Maria wie auch der Heilige verehrt werden. Wer möchte, kann seine Verbundenheit mit Maria, mit dem Heiligen oder auch beider zusammen durch das Aufstellen einer Votivkerze zum Ausdruck bringen und entweder die eine oder den anderen, oder auch beide gemeinsam als Fürsprecher in seinen Anliegen anrufen, und seine Bitte oder Dankbarkeit mit einem Kerzenopferlicht unterstreichen.

Der Kerzenopferlichtständer besteht aus zwei Teilen: einer mit feinem Sand – zum Aufstellen der Kerzen – gefüllten, wunderbar proportionierten und sorgfältig in Bronze gestalteten mandelförmigen Opferkerzenwanne, und einem darüber auf einer Konsole befestigtem Marienbild, das umgeben ist von einem ebenfalls hochwertig bearbeitetem bronzenem Rahmen. Auf der Konsole kniet, liebevoll modelliert, der Hl. Josefmaria. Er hält eine Rose in der Hand und blickt auf Maria.

Diese Darstellung greift eine Begebenheit aus dem Leben des Heiligen auf, über die in der Zeitschrift Mariologisches (August 2010, S. 7) wie folgt berichtet wird:

„Das Leben des hl. Josefmaria schloss ab, wie er es sich gewünscht hatte: Als er fünf Jahre vor seinem Tod für eine kurze Zeit in Jaltepec weilte, betrachtete er mit inniger Anteilnahme ein Bild, auf dem Maria dem Seher Juan Diego lächelnd eine Blume reicht. Spontan flammte in seiner Seele der Wunsch auf: ‚So möchte ich sterben: Maria schauen, indem sie mir eine Blume schenkt.’

Das gewährte ihm der Herr: Am Tag seines Hinscheidens, als er von einem Besuch … zurückkehrte und in sein Arbeitszimmer eintrat, wandte er seinen Blick zu einem Bild Marias – einer Darstellung der Jungfrau von Guadalupe – und sank sterbend zu Boden: Sein Herzenswunsch war erfüllt!“

Der hl. Josefmaria wurde öfter gefragt, wie man seinem Beispiel folgen könnte. Der Heilige hat daraufhin mit großer Entschiedenheit erklärt, dass er in seinem Lebensstil, in seiner Art als Christ und Priester zu leben, nicht nachgeahmt werden möchte. Eine Ausnahme allerdings gestand er zu und pflegte dann zu sagen: „Wenn ihr mich nachahmen wollt, dann nur in der Liebe zu Maria!“

So verbinde ich mit der endgültigen Aufstellung dieser Kerzenopferlichtschale mit dem Bild der Gottesmutter von Guadalupe und der Darstellung des Heiligen Josefmaria die feste Zuversicht, dass dieses kunstvolle Kleinod viele Menschen anspricht und ihnen etwas von der Zuversicht, der Freude, der Stärke, dem Glauben und der Liebe der Heiligen vermittelt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 49/2011 - 2. Adventwoche (B)

Johannes der Täufer - Braunschweiger Dom

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Ohne Johannes den Täufer wäre der Advent nicht Advent. Johannes ist der Rufer in der Wüste, der auch heute, nicht zuletzt im vorweihnachtlichen Rummel, den Weg zum Wesentlichen und Entscheidenden weist. Es ist traurig, dass der Advent in der Hektik der Festvorbereitung und all den Begehrlichkeiten des Kaufens und Verkaufens teilweise schon überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird.

Advent ist Zeit sehnsüchtigen Wartens und Hoffens auf das, was kommen wird. Damit hängt zusammen, dass Advent zugleich die wichtige und unverzichtbare Zeit ist, sich wieder einmal „in die Augen zu schauen“ und über sich selber und sein Leben größtmögliche Klarheit zu gewinnen. Dabei muss man achtgeben auf falsche Selbstzufriedenheit. Sie kann im Ergebnis nur zu einer vordergründigen Selbstgerechtigkeit führen. Hier ist kritische Distanz zu sich selber gefragt. Eine solche Distanz wird möglich, wenn man das Laufrad andauernder Betriebsamkeit und darauf immer wieder neu folgender Belohnung seiner selbst einfach einmal anhält.

Nur eine gesunde Distanz zu sich selber macht fähig zu einer guten Selbstkritik. Man muss sie auch reinen Herzens und uneingeschränkt wünschen und wollen, ohne die mögliche Feststellung zu scheuen, dass Verhaltensweisen oder Einstellungen gegebenenfalls auch grundlegend zu verändern sind. Nun reicht die eigene Kraft für grundlegende und nachhaltige Korrekturen und Veränderungen meist nicht aus.

Hier kommt uns am zweiten Adventssonntag der Prophet Jesaja entgegen: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden.“

Nach christlichem Verständnis ist die Schuld beglichen und ist die „volle Strafe“ abgebüßt, wenn ein Mensch sich mit Gottes Hilfe dazu aufrafft und durchringt, nicht mehr länger vor sich und seinem Nächsten mit inneren Brüchen, nicht mehr in der Unwahrheit über sein Leben und in der Lüge über sich selber leben zu wollen. Deshalb verbindet Jesaja die Worte des Trostes mit der Aufforderung: „Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!“

Advent ist nicht „Wellnes-Relaxen“, sondern besinnliches Sich-Einlassen auf eine ehrliche Konfrontation mit sich selber in der liebenden Gegenwart des allmächtigen Gottes. Dem Advent eignet somit ein besonderes „Ambiente“, das der Prophet Jesaja nach biblischer Art wie folgt beschreibt: „Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.“

In dem folglich von Gott selber gewährleisteten „Ambiente“ adventlicher Besinnung lassen sich mit der Bereitschaft zu auch grundlegender Korrektur Fragen wie diese stellen: „Auf welchem belastbaren Fundament gründe ich mein Leben? – Wohin bin ich eigentlich unterwegs? Ist das stimmig? – Welche Absichten aus meinen tieferen und tiefsten Schichten bestimmen letztlich mein Handeln? Bin ich da ehrlich? Kann ich auch vor Gottes Angesicht dazu stehen?“

In seinem zweiten Brief schreibt der Heilige Petrus mit Blick auf das zu Erwartende, auf das was kommen wird: „Bemüht euch, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.“ In diesem Sinne ist Johannes der Täufer, dieser Mann in der Wüste, ganz konzentriert. Sein Leben kennt nur eine einzige Aufgabe: Vorbote und Wegbereiter zu sein für den, der viel größer ist als er.

Für diesen Advent wünsche ich uns allen sehr, durch die Begegnung mit diesem Größeren – warum nicht auch im Bußsakrament? – wieder ganz zu sich selber zu finden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 48/2011 - 1. Adventwoche (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit diesem Sonntag, dem ersten Advent, beginnt ein neues Kirchenjahr. Advent heißt – übersetzt in die Sprache der Herzen – Sehnsucht. Man sehnt sich nach dem, was kommen soll und wird. Und man sehnt sich immer wieder; jedes Mal von neuem.

Das Wort „Advent“ ist dem lateinischen „adventus“ = Ankunft entnommen, bzw. dem lateinischen Verb „advenire“ = ankommen, eintreffen. So bezeichnet Advent zum einen die Wochen, in denen man sich auf Weihnachten, auf das kommende Hochfest der Geburt Christi vorbereitet. Man seht sich danach, dass Christus auch bei einem selber ankomme. Der barocke Prediger Angelus Silesius drückt dies in seiner Weise aus: „Wär´ Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst noch ewiglich verloren.“

Zugleich erinnert der Advent daran, dass wir als Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten, wo dann endgültig alles in Erfüllung geht. Da macht es Sinn, dass mit dem ersten Advent auch das neue Kirchenjahr beginnt. Wie zu Neujahr hofft man, dass das kommende Gutes bringt; nicht nur ein wenig, sondern viel mehr Gutes als das zu Ende gegangene.

Da verwundert nicht, dass sich das Evangelium des ersten Advent nahtlos an das der letzen Sonntage anschließt. Es geht noch einmal um das Kommen des Herrn am Ende der Zeit, um das letzte Gericht und darum, wie wir uns darauf vorbereiten. Der Herr fordert zur Wachsamkeit auf.

Leben wir oft nicht so, als ob es kein Ende gebe? Schließen wir nicht oft die Augen vor dem, was einmal auf uns zukommen wird? – Im Schlussgebet des ersten Adventsonntag ist zusammengefasst, wie wir leben sollen: „Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche.“ – Man muss sich auf das Ende einstimmen, sonst verpasst man es.

Durch die Menschwerdung Gottes, wie wir sie zu Weihnachten als Jesu erstes Kommen feiern, hat sich alles verändert. Und doch sind wir noch unterwegs zu dem und erwarten das, was er bereits wirklich und tatsächlich gebracht hat. „Reiß doch den Himmel auf, und komm herab“ hören wir in der ersten Lesung (Jesaja 63,19b). Das irdische Leben ist eine Einstimmung, eine Vorbereitung auf das Große, das Gott uns einmal für immer schenken möchte und wofür er bei seinem ersten Kommen die Grundlage gelegt hat.

Dieses Große ist in manchem so anders, so unendlich viel größer, dass es nur durch innige Sehnsucht, durch inniges Beten, Bitten und Glauben erkannt werden kann; so aber selbst dann, wenn die vorübergehende und oft auch raue irdische Wirklichkeit dem zu widersprechen scheint. So etwa hat auf der Wand eines Kellers in Köln ein Jude, der sich während des Zweiten Weltkrieges dort versteckt hielt, geschrieben: „Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle. Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.“

„Reiß doch den Himmel auf, und komm herab!“ In diesem alttestamentlichen Wunsch, in dieser Sehnsucht nach dem Heil Gottes schwingt Israels Bekenntnis der eigenen Schuld und Untreue mit: „Wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden“. Die Schuld des Menschen hindert ihn dennoch nicht daran, Gott liebevoll vorzuwerfen: „Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht mehr fürchten?“

Gott lässt sich auf diese sehnsüchtige Bitte des Menschen ein. Beten wir also auch heute, wie schon damals, in vertrauensvoller Reue und im Schmerz des Gnadenverlustes dennoch von Gott gehalten: „Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.“ – In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47/2011 - 34. Woche im Jahreskreis (A)

Das Jüngste Gericht - Hans Memling

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Aus dem alltäglichen Leben sind uns ernsthafte Hinweisschilder nicht nur bekannt, sondern sie werden gewöhnlich auch sehr geschätzt und für unverzichtbar gehalten: Achtung, Hochspannung – Lebensgefahr!“, „Vorsicht – bissiger Hund!“ oder „Betreten der Baustelle verboten“. Kein Vernünftiger ärgert sich darüber oder montiert sie einfach ab.

Am Ende des kirchlichen Jahreskreises werden uns Gleichnisse Jesu vorgetragen, die offen, deutlich und nachvollziehbar erklären, was alle Menschen einmal erwartet (Matthäus 25, 31), „wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm.

Dass unser Universum nicht ewig sein kann, gilt naturwissenschaftlich durch das Entropiegesetz und den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik als bewiesen. Was dann aber sein wird, vermag die Naturwissenschaft nicht mehr zu berechnen. Sie vermag nur den sogenannten „Wäremtod des Alls“ näher zu bestimmen, bei dem zwingend alle bekannten Abläufe der Natur erstarren und zum Stillstand kommen werden. Mehr nicht. Auch philosophische Spekulationen helfen nicht weitet. Sie kommen zu keiner verbindlichen und logisch zwingenden Antwort über das Ende.

Jesus aber erklärt, dass der wiederkommende Herr sich am Ende der Welt „auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen" werde, und dass „alle Völker von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.“

Alle Völker, also nicht nur Kirchgänger oder solche, die zufällig ihren Taufschein dabei haben, werden nach der „Auferstehung der Toten“ mit ihrem Leben vor Christus stehen und er wird sie unaufhebbar voneinander trennen „wie der Hirt die Schafe von den Böcken“.

Die Trennung von Tieren großer Herden war zur Zeit Jesu ein allgegenwärtiges Geschehen. Sie war unvermeidlich. Die Entscheidung traf allein der Hirte, der seine Herde immer im Blick hatte. Jesus gebraucht ein starkes Bild. Es ist wie ein Hinweisschild: „Achtung – Das kommt auf Dich unabwendbar zu.“

Sofort nach dem Trennen, so erklärt Jesus im Evangelium, wird er als Richter zuerst zu denen sprechen, die vor ihm auf der guten Seite stehen dürfen: „Dann wird  der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.“

Jesus als König und Richter der Welt stellt hier die Einheit mit seinem Vater fest und betont den ursprünglichen und ganz am Anfang stehenden Wunsch, dass die Menschen als seine Kinder „das Reich in Besitz nehmen“. Das geht aber nicht automatisch; denn der Mensch ist ein freies Geschöpf, den auch Gott nicht zu seinem Heil zwingen möchte. Der Mensch muss es wollen und dafür auch etwas tun.

Dies ist der Hintergrund vor dem der Herr den Geretteten dann sagen wird: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“

Die Überraschung wird groß sein: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? …“ uns so weiter. „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Nur der Unvernünftige übersieht den deutlichen Hinweis, der mit Blick auf das Ende unserer Welt allen Menschen hier gegeben wird: „Achtung, auch Du stehst einmal vor mir und wirst nach dem gerichtet, was Du dem geringsten meiner Brüder getan“, beziehungsweise „nicht getan“ hast; denn auch das steht in diesem Evangelium.

Ist unsere Liebe groß genug? Bedürfen wir nicht der gläubigen Bitte und der Hilfe Gottes, um am Ende von ihm auf die richtige Seite geholt zu werden?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hldebrandt

 

Pfarrnachrichten 46/2011 - 33. Woche im Jahreskreis (A)

In vielen Gleichnissen des Herrn stehen Personen im Mittelpunkt, zu deren Tagesgeschäft der Umgang mit sehr viel Geld gehört. – In diesem Bild malt Rembrandt nach seiner Vorstellung das Gleichnis vom reichen Kornbauern. – Im Sonntagsevangelium ist die Rede von drei Dienern, denen ihr Herr eine große Geldsumme zur Verwaltung anvertraut. Entscheidend ist: Wie gehen sie damit um?

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wie am vergangenen Sonntags geht es in den Lesungen auch an diesem Sonntag um das Ende der Welt, um die Wiederkunft Christi und um die Gestaltung unseres Lebens mit wachem Blick auf das, was am Ende unabwendbar auf alle Menschen zukommt. Jesus spricht über die Ereignisse am Ende unserer Welt in Gleichnissen. So vermögen wir uns ein vages Bild von dem zu machen, was die bisherigen Verhältnisse jenseits von allem, was wir bisher erfahren haben, verändern und für die Ewigkeit endgültig umgestalten wird.

An diesem Sonntag hören wir von drei Verwalten (Matthäus 25,14-30), denen der Herr je nach Begabung und Fähigkeiten fünf, zwei und ein Talent Silbergeld zum Wirtschaften anvertraute.

Der weltliche Hintergrund dieser Gleichnisrede ist die römisch-antike Finanz- und Wirtschaftswelt, die sich von der unsrigen nur unwesentlich unterscheidet. Es geht zudem um Millionenbeträge. Ein Talent Silbergeld entspricht zur Zeit Jesu etwa 25 Jahresgehältern eines jüdischen Normalverdieners. Ausländische Investoren, oft mit Hauptwohnsitz in Rom, ließen ihre weit verstreuten Güter von hervorragend qualifizierten Sklaven verwalteten, die – ähnlich wie heute ein Prokurist – persönlich dafür hafteten. Diese „Top-Sklaven“ genossen den besonderen Schutz der römischen Besatzungsarmee und Justiz. Sie waren unverzichtbar für Bestand und Blüte der antiken Wirtschafts– und Sozialstruktur.

Der „Mann“ im Gleichnis, „der auf Reisen ging“, jedem „Diener nach seinen Fähigkeiten“ Teile seines Vermögens anvertraute, und „nach langer Zeit zurückkehrte, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen“, war den Zuhörern Jesu also bestens vertraut.

Im Gleichnis nennt der Herr die beiden, die mit dem übertragenen Vermögen von fünf bzw. zwei Talenten den Betrag jeweils verdoppelt haben, „tüchtige und treue Diener“. Er lobt, dass sie „im Kleinen ein treue Verwalter“ waren und überträgt ihnen zum Dank „eine große Aufgabe“, die interessanterweise ganz anderes als die bisherige ist: „Komm, nimm teil an der Freude des Herrn!“

Mit diesem Gleichnis führt Christus vor Augen, dass ihm unsere Talente und Begabungen überaus wichtig und Grundlage für etwas ganz Großes sind. Sie sollten es also auch für uns sein.

Das Gleichnis verurteilt eindringlich das Versagen des „schlechten und faulen Dieners“, der aus vermeintlicher Angst, hinter der sich wohl eine gute Portion Trägheit verbarg, „ein Loch in die Ede grub, um das Geld des Herrn“ zu verstecken. Der Herr wirft ihm vor: „Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.“

Liebe Mitchristen: Die uns von Gott anvertrauten Talente und Fähigkeiten haben eine große Bedeutung für unser zukünftiges Leben nach dem Tod. Sie stellen eine Herausforderung dar, der wir uns nicht aus Faulheit und falschem Selbstmitleid verschließen dürfen. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, die Verantwortung, die wir mit ihnen zu übernehmen bereit sind, bestimmen darüber, „ob wir an der Freude des Herrn“ einmal teilnehmen können oder nicht. Denn „wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat“. Mit andern Worten: Wer trotz der empfangenen Talente und Begabungen, mit denen er seiner Aufgabe im Leben mit Gottes Hilfe und Gnade sehr gut entsprechen kann, diese nicht dafür einsetzt, diese nicht im Sinne des Herrn entfaltet, der wird am Ende auch noch das Empfangene verlieren.

Der Blick in die zukünftige Endzeit, den die Evangelien uns gewähren, offenbaren zugleich den tiefen Sinn, der in der jeweiligen Lebensaufgabe geborgen liegt, die zusammen mit den dafür notwendigen Begabungen und Talenten jeder ebenso von Gott empfangen hat. In der Entfaltung der Talente und im vertrauten Zwiegespräch mit Gott ebene auch darüber entfaltet auch sie sich und zeigt sich uns. Es lohnt sich allemal; denn so, und nur so, wird uns eine noch viel größere Aufgabe, und dann für immer, erwarten können: „Nimm teil an der Freude des Herrn“.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45/2011 - 32. Woche im Jahreskreis (A)

Friedrich Wilhelm von Schadow (1788-1862) - Die fünf klugen und die fünf törichten Jungfrauen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Nach alter Gewohnheit sieht die kirchliche Leseordnung für die letzten Sonntage im Jahreskreis Evangelientexte vor, die das große, abschließende Finale der öffentlichen Predigten Jesu wiedergeben. So sind die Evangelien der kommenden drei Sonntage der fünften und letzten großen Rede aus dem Matthäusevangelium entnommen. Vor der Kulisse des gewaltigen Tempelbaus, den König Herodes hat errichten lassen (vgl. Mt 24,1f), blickt Jesus in die Zukunft. Er belehrt seine Jünger über sein Wiederkommen (seine ‚Parusie’) und über das Ende der Welt (Mt 24,3 – 25,46).

Die großen Schlussreden sind von Vorstellungen geprägt, die dem heutigen Empfinden fremd sind. Erschreckende Ereignisse, Kriege und Erdbeben sowie große Nöten werden vorausgesagt. Sie sind Zeichen für das Ende der Welt.

Diese, dem Zeitgeist fremde Vorstellungen haben ihre Wurzeln im Judentum der Jahrhunderte vor und nach Jesu Christi. Der Herr übernimmt diese Vorstellungen und spricht von ihnen her über das, was am Ende sein wird; sowohl nach dem Tod eines jeden wie auch nach dem Ende der Welt. Jesus prophezeit in diesen letzten Reden seine Wiederkunft als Auferstandener und zugleich als Richter im endzeitlichen Gericht.

An diesem Sonntag hören wir aus diesen Schlussreden das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten. Die fünf Klugen nahmen anders als die fünf Törichten genug Öl für ihre Lampen mit. Da sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte, standen die fünf Törichten schließlich ohne Öl da.

Als mitten in der Nacht laute Rufe zu hören waren: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“, versuchten sie noch, ausreichend Öl zu kaufen. Aber es war zu spät. Als sie schließlich zum Hochzeitssaal kamen, waren die Türen längst verschlossen. Auf ihre Bitte: „Herr, Herr, mach uns auf!“ antwortete der Herr von Innen: „Ich kenne Euch nicht.“ – Und Jesus beschließt das Gleichnis mit der Mahnung: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“

Dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard verdanken wir die treffende Tagebuchnotiz, dass „das Christentum durch den Gedanken an den Tod, den nahen Tod, vielleicht morgen, vielleicht heute, das Leben intensiver“ mache. Die gedankliche Vorwegnahme des eigenen Todes führe dazu, „den Tag ungeheuer intensiv zu nutzen.“

Der Tod lässt sich nicht verdrängen; es sei denn, man versucht albern und kindisch, gegen die Wahrnehmung der Realität, sein eigener Herr und Gott zu sein. Das kann eine zeitlang gelingen, aber bis höchstens in die Sterbestunde hinein. Und dann ist es vorbei und für eine Korrektur zu spät, wie es für die fünf Törichten zu spät war.

Die Klugen hatten ausreichend Öl dabei, weil sie vertrauend und vorausschauend die nächtlichen Rufe: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“ schon vor dem Ende wahr- und sich zu Herzen genommen hatten: Deshalb kannten sie den Bräutigam schon bevor er eintraf, und umgekehrt. Die Törichten aber waren unbekannte Fremde. Sie kannten nur sich selber. Sie wollten es nicht anders. Und so bleiben sie dann für immer: Ganz alleine und nur für sich selber.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44/2011 - 31. Woche im Jahreskreis (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den Sonntagslesungen geht es um die eng miteinander verwobenen Werte der Treue, der Glaubwürdigkeit wie der Übereinstimmung von Wort und Tat. Wie ein roter Faden ziehen sich diese Haltungen durch die Bibelstellen des 31. Sonntags im Jahreskreis. Auch wenn an Ihnen überwiegend Priester gemessen werden, sind diese Werte für jeden verbindlich.

Während die erste Lesung jene Priester anklagt, die ihrem Dienst vor Gott untreu wurden und Falsches verkündet haben, kritisiert Jesus das nach Außen gekehrte Leben der Pharisäer und Schriftgelehrten. In ihrem Inneren sind sie verarmt. Ihrem Lippenbekenntnis folgen keine Taten: „Sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“

Paulus hingegen spricht vom Bestreben, glaubwürdig das Evangelium zu verkünden und danach zu leben: „Wir wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben.“ Es folgt die entscheidende Begründung, die ein solches Bemühen dann auch wunderbar gelingen lässt: „Denn ihr ward uns sehr lieb geworden.“

Von dieser Begründung her erschließ sich ein tiefer Zugang, wie diese eng miteinander verwobenen und anspruchsvollen Werte gelebt und umgesetzt werden können. Dann nämlich, wenn man die Liebe zu- und gemäß der ihr innewohnenden Dynamik auch wachsen lässt. Von dieser Begründung her lässt sich zugleich erkennen, dass dem Praktisch-Werden guter und richtiger Grundsätze ein Leben als Pharisäer entgegensteht. Genau dies kritisiert Jesus in aller Deutlichkeit zwischen den Zeilen: „Sie schnüren schwere Lasten zusammen, wollen selber aber keinen Finger rühren. Alles tun sie nur, damit die Menschen es sehen.“

Immer wieder führt uns die Heilige Schrift das Entscheidende vor Augen. Der Schlüssel zu allem Guten ist die dreifache Liebe: Die Liebe zu Gott und zum Nächsten wie zu sich selber, die aus der lebendigen Begegnung mit unserem Schöpfer und Erlöser genährt wird. Dem innerlich verarmten und ausgebrannten Pharisäer hingegen ist die Verbundenheit mit Gott verloren gegangen. Er hält nur noch mit den Lippen an Überliefertem fest. Die im Buch Maleachi verklagten Priester haben gleich alles über Bord geworfen.

Eine lebendige Beziehung zu Gott kann von uns Menschen weder erzwungen noch selbstgemacht werden. Sie kann uns nur von Gott geschenkt werden. Aber um dieses Geschenk muss man sich – das lehrt die Erfahrung – anspruchsvoll und mit großer Zähigkeit bemühen; ähnlich wie um die Liebe zu unserem Nächsten. „Wie haben wir uns gemüht und geplagt“, erinnert sich Paulus, „bei Tag und bei Nacht haben wir gearbeitet.“ Von daher lautet also die zuverlässige Devise, die uns die Hl. Schrift ans Herz legt: Du bleibst glaubwürdig und treu, und in deinem Leben werden Wort und Tat übereinstimmen, wenn du in deinem Bemühen um uneingeschränkte Treue zum Wort Gottes nicht nachlässt und dich so der ganzen Liebe Gottes öffnest, die er dir dann in jedem Fall auch schenken wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Hinweise für Allerseelen

Vom 1. bis 8. November kann täglich einmal ein vollkommener Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden. Neben den üblichen Voraussetzungen (Beichte, wobei eine zur Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt; entschlossener Abkehr von jeder Sünde; Kommunionempfang und Gebet auf Meinung des Heiligen Vaters – diese Erfordernisse können mehrere Tage vor oder nach dem Kirchen- bzw. Friedhofsbesuch erfüllt werden) sind erforderlich:

a) am Allerseelentag (einschließlich 1. November ab 12 Uhr): Besuch einer Kirche oder öffentlichen Kapelle, Vaterunser und Glaubensbekenntnis; in Hauskapellen können nur die zum Haus Gehörenden den Ablass gewinnen;

oder b) vom 1. bis zum 8. November: Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen.

Fehlt die volle Disposition oder bleibt eine der Bedingungen unerfüllt, ist es ein Teilablass für die Verstorbenen. Ein solcher kann in diesen und auch an den übrigen Tagen des Jahres durch Friedhofsbesuch wiederholt gewonnen werden.

Wo zu Allerheiligen am Nachmittag Totenfeiern üblich sind, soll in ihnen nicht nur die Trauer, sondern vielmehr das österliche Heilsgeheimnis der Auferstehung zum Ausdruck kommen.

 

Pfarrnachrichten 43/2011 - 30. Woche im Jahreskreis (A)

Wie ist das mit der Liebe, mit dem wichtigsten und dem ebenso wichtigen Gebot? - Jesus erteilt treffend Auskunft.

Liebe Mitchristen und Freunde von St.Pantaleon!

Wissen Sie, wie es sich mit der Liebe als dem wichtigsten und dem ebenso wichtigen Gebot verhält? Jesus erteilt treffend Antwort darauf.

Nachdem Jesus in der Frage nach der Auferstehung „die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte“, forderte ihn „ein Gesetzeslehrer“ mit der Frage heraus: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ Angesichts der 248 Gebote und der 365 Verbote des alten Testamentes eine nicht leichte Aufgabe, die nur ein „Meister“ richtig lösen konnte. Jesus bestand die „Probe“. Seine Gegner verstummten.

Das Besondere der Antwort Jesu besteht nicht darin, dass er das berühmte Schema Israel (Deuteronomium 6,4f), das der fromme Jude bis heute morgens und abends betet: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ in leicht geänderter Fassung mit dem Gebot der Menschenliebe aus dem Buch Levitikus (19,18) zusammen bringt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das Besondere liegt in der Präzisierung, wie beide Gebote jenseits der reinen Vernunftlogik miteinander verwoben sind.

Bei der katechetischen Unterweisung der Heiden etwa, die zum jüdischen Glauben übertreten wollten, war die Konzentration auf das doppelte Liebesgebot der Gottes- und Menschenliebe weit verbreitet. Jesus jedoch lehrte eine besondere Rangordnung und Beziehung dieser beiden Gebote. Das war neu.

Die Gottesliebe, sagt Jesus, ist „das wichtigste und erste Gebot“. Im Folgenden wird er scheinbar unlogisch; denn wie kann das erste Gebot „das wichtigste“ sein, und das zweite „ebenso wichtig“? Der Heilige Augustinus löst den scheinbaren Widerspruch folgendermaßen auf: Das erste Gebot sei in der Ordnung des Gebotenen das wichtigste. In der Ordnung des Tuns jedoch habe das zweite Gebot den Vorrang. Man könne den unsichtbaren Gott doch gar nicht lieben, wenn man ihm nie wirklich begegnet sei, ihn bislang nicht richtig wahrgenommen habe. Deshalb solle man zuerst den Nächsten lieben, den man sieht, und dann begegne man als Grund und Ursache dieser Liebe dem unsichtbaren Gott. Dann wiederum begreife man, dass die Gottesliebe wichtiger sei als die Nächstenliebe und unbedingt an erster Stelle stehen muss.

Augustinus betont damit im Sinne Jesu den Vorrang der Gottesliebe vor der Menschenliebe, ohne damit die Menschenliebe an die zweite Stelle zu setzen. Indirekt kritisiert er damit die Neigung, sich auf die Menschenliebe zu beschränken. Dem hohen Anspruch wahrer Menschenliebe kann nur genügen, wer sich der Gottesliebe hingibt. Ohne die Priorität der Gottesliebe wird Menschenliebe zur Philanthropie, für die man den in Jesus menschgewordenen Gott nicht mehr braucht. Seine Inspiration jenseits einer nur durchschnittlichen Mitmenschlichkeit ginge ebenso verloren wie der Glaube an ihn. Papst Benedikt hat in seiner Freiburger Rede zwischen den Zeilen auch darüber gesprochen. Es lohnt sich, sie daraufhin erneut zu lesen, im Gebet zu bedenken und danach zu handeln.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 42/2011 - 29. Woche im Jahreskreis (A)

Mit dieser Münze, Zeichen der Unterdrückung und einer fragwürdig religiösen Herrschaftsbegründung, musste jeder seine Steuern an die Römer zahlen.

Entweltlicht in der Welt

Zur Zeit Jesu musste jeder eine „Kopfsteuer“ zahlen. Die Steuermünze trug das Abbild des römischen Kaisers und die Inschrift: „Kaiser Tiberius, anbetungswürdiger Sohn des göttlichen Augustus“. So war sie Ausdruck einer verkehrten Welt: Ein Regierungschef und sein Staat maßen sich göttliches Wesen auf Kosten anderer an, und legitimierten damit zugleich ihre vermeintliche Autorität. Demgegenüber „hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht“, eine durch irgendeinen Glauben begründete Rechtsordnung vorgegeben. „Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen“, wie Papst Benedikt vor dem Deutschen Bundestag sagte, wobei freilich der Zusammenklang beider Bereiche „das Gegründetsein in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt“.

Die Steuermünze war so fragwürdig wie die Absichten der Pharisäer, die ihre Jünger mit den „Anhängern des Herodes“ zum Schmeicheln zusammen brachten: „Wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst“, um schließlich den Herrn mit einer Fangfrage auszuschalten: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“

Die öffentliche Steuerverweigerung galt als Kapitalverbrechen. Die Pharisäer haben damals mangels innerer Stärke vor der Übermacht der Römer kapituliert, sich arrangiert und schließlich kollaboriert. So auch hier. Gemeinsam mit den Herodianern gingen sie gegen den vor, der „wirklich den Weg Gottes lehrte“. Aber „Jesus erkannte ihre böse Absicht“. Er sollte entweder als Kapitalverbrecher von den Römern abgeführt oder öffentlich als Steuerzahler, und damit als Verräter ‚der Wahrheit und der Wege Gottes’ bloßgestellt werden. „Ihr Heuchler“, erwiderte er und forderte sie auf, ihm eine Steuermünze zu zeigen.

Dumm, wie Mitläufer es oft sind, „hielten sie ihm einen Denar hin“. Damit hat Jesus die Sache für sich entschieden. Nicht er, sondern sie waren Verräter. Nicht er, sondern sie waren unterwürfige Steuerzahler. Die kompromittierende Münze, die sie sogleich zur Hand hatten, legte alles offen. Jesus ließ sie sich nur zeigen. Er nahm sie nicht einmal in die Hand.

Dann sagt der Herr das Entscheidende: „Gebt also dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, und Gott was Gott gehört.“ Das erinnert an die Mahnung von Papst Benedikt in seiner Freiburger Rede vor engagierten Katholiken, sich zu „entweltlichen“ und doch zugleich in der Welt zu sein. Die ersten Christen haben so gelebt: Als Beamte, Landwirte, Handwerker, Soldaten, Geschäftsleute, Jungfrauen, Mütter, verheiratete Väter, Musiker, Dichter und Philosophen. Der weltlichen Übermacht der Römer und dem Trend der Zeit vermochten sie bis zum Martyrium zu widerstehen, weil sie vor dem Abbild des Kaisers nicht in die Knie gingen, sondern betend das Abbild Gottes suchten, das er seiner ganzen geliebten Schöpfung eingeprägt hat. Um es zu finden, muss man freilich zuerst beten und beten und noch einmal beten. Daraus folgt dann das rechte Tun. So haben die scheinbar Machtlosen betend, und erst dann handelnd, das zu Unrecht gewordene römische Herrschaftssystem schließlich bezwungen und dem Zusammenklang der in Gott gegründeten Natur und der Vernunft des Menschen als Spiegel der schöpferischen Vernunft Gottes bis in unsere Gegenwart zu seinem Recht und einer wunderbaren Entfaltung verholfen.

Wir Christen sind manchmal dabei, durch Verweltlichung, Anpassung und innere Aufweichung das wieder aufzugeben. Darum ist der Papst in sein Heimatland gekommen und hat Wichtiges gesagt. Man muss die geradezu prophetischen Deutschlandreden des Papstes deshalb mehrmals lesen, sie genauer bedenken und ins Gebet nehmen. Dann öffnen sie Augen und Herz und weisen den rechten Weg.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41/2011 - 28. Woche im Jahreskreis (A)

Zum Festmahl waren alle geladen, aber nicht alle haben der Einladung in Würde entsprochen.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die erste Lesung und das Evangelium sprechen von einem Festmahl, bei dem der Herr allen, nicht nur den Privilegierten, „feinste Speisen“ (Jesaja), „Ochsen und Mastvieh“ (Matthäus) bringen lässt. Mit dem Bild vom Festmahl feiert der alttestamentliche Text Gott als den, der rettet: „Wir wollen jubeln und uns freuen“. In Ergänzung dazu betonen die anderen Perikopen, dass der Mensch diesem rettenden Gott deshalb mit Frömmigkeit und Gottesfurcht zu entsprechen hat.

Paulus erklärt den Philippern am Beispiel seines Leben, was dann passiert: Er komme mit Entbehrungen gleichermaßen zu Recht wie mit Überfluss. Durch Frömmigkeit und Gottesfurcht vermag er alles „durch IHN, der mir Kraft gibt.“

Frömmigkeit und Gottesfurcht entstehen aus der Gotteskindschaft: ein kindliches Vertrauen, das durch beständige Pflege wie von selber, also gnadenhaft, im Inneren des Menschen durch Gottes Nähe wächst und positiv verändert. In der Folge stellen sich Gleichmut und Größe, Gelassenheit und Noblesse ein. – Nehmen wir uns doch einmal reichlich Zeit für die ernste und zugleich befreiende Frage: Fällt es unseren Nachbarn durch unsere Präsenz ähnlich leicht wie damals den Philippern durch die Nähe des Paulus, an Gott und seine verwandelnde Kraft zu glauben?

In Evangelium wird das vertieft. Die mit vielen Vorzügen ausgestatteten Großen und Edlen sind viel zu sehr mit sich selber beschäftigt. Auch die zweite Einladung zur Hochzeitsfeier schlagen sie aus. Sie fällt ihnen sogar lästig und einige fallen über die Diener her. Ihre Ichbezogenheit macht sie blind dafür, dass sie ohne den einladenden Gott an sich selber ersticken und zu Grunde gehen.

Man spürt im Evangelium, menschlich gesprochen, den heiligen Eifer und die unendliche Sehnsucht Gottes nach dem Menschen. Er gibt ihn allem zum Trotz nicht auf. Auf Drängen des Herrn schwärmen die Diener zum dritten Mal aus und der Festsaal füllt sich gleichermaßen mit Guten und Bösen. Und doch unterschieden sie sich: Die Bösen haben schließlich auch das Hochzeitskleid der Barmherzigkeit Gottes angezogen. So sind nun auch sie im Himmel mit den Guten am richtigen Platz.

Einer jedoch hält das hochzeitliche Gewand der göttlichen Barmherzigkeit für überflüssig; auch noch, als er darauf angesprochen wird. So verurteilt er sich selber dazu, fortan „zu heulen und mit den Zähnen zu knirschen“.

Es gibt eine innere Einstellung, mit der die hier angesprochenen Wahrheiten des Menschen über sich selber wunderbar zu verstehen sind. Der Heilige Josefmaria Escrivá hat sie einmal in der ihm eigenen Tiefe spiritueller Erfahrung wie folgt auf den Punkt gebracht (Der Weg, 425): „Zu wissen, dass Du mich so sehr liebst, mein Gott, und – ich habe noch nicht den Verstand verloren?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40/2011 - 27. Woche im Jahreskreis (A)

Vincent van Gogh - Der rote Weinberg

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In der ersten Lesung wie im Evangelium von diesem Sonntag wird von einem Gutsbesitzer erzählt, der einen herrlichen Weinberg anlegt. Liebevoll, ohne Mühe zu scheuen, gräbt er ihn um. Der schützende Zaun, ergänzt durch einen hohen Turm, der alles überschauen lässt, hält Diebe und Räuber fern. Durch die neu angelegte Kelter ist erntefrischer Most garantiert. Aber die Hoffnung auf süße Trauben und edlen Wein geht nicht in Erfüllung.

Im neutestamentlichen Gleichnis sind die Pächter daran schuld. Nach den Knechten bringen sie skrupellos auch den Erben, den Sohn des Besitzers um. Sie wollen den Weinberg fortan für sich alleine, zu ihrem Vorteil und nach ihren Vorstellungen bewirtschaften.

Mit dem Sohn und Erben meint Jesus sich selber als Sohn Gottes. Dem alttestamentlichen Weinberglied ist der Menschensohn noch unbekannt. Mit dem Weinberg aber ist bildhaft schon im alten wie dann im neuen Testament der von Gott geschaffene Mensch gemeint.

Gott hat sich, menschlich gesprochen, viel Mühe mit ihm gegeben. Er ist ihm auch wunderbar gelungen; wie der Weinberg. Aber es steckt in ihm ein Keim des Verderbens, der sein ganzes Leben elend und fruchtlos machen kann. Diesen Keim des Verderbens hat die Schlange schon sehr früh wie Blendwerk ausgesät (Buch Genesis, 3,5): »Sobald ihr davon esst, werdet ihr wie Gott«. In den bildhaften Weinbergreden würde die Schlange sagen: »Genieß dich selber. Mach alles mit dir selber aus. Sei dein eigener Maßstab, dein eigener Herr und Gott«.

Wenn die Weinbergreden unsere Ohren nicht streicheln und unbarmherzig hart daherkommen, sind sie dennoch keine Drohbotschaft. In der zweiten Lesung korrigiert Paulus mögliche Missverständnisse: Gott ist ein Gott des Friedens, »der alles Verstehen übersteigt«. Er bewahrt »eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus«. – Die Weinberggleichnisse sind hart und kantig, um das Elend der Gottlosigkeit auf den Punkt zu bringen.

Ganz unberührt davon erklärt die Schlange auch heute ganz im Trend der Zeit: »Gott lügt. Du brauchst ihn nicht. Mit dem Zaun und dem Wachturm schränkt er dich nur ein. Und mit der Kelter nimmt er dir alles weg. Vergiss ihn. Erst dann wirst du wirklich leben«.

Gegen diesen Ungeist hat Papst Benedikt wiederholt seine Stimme erhoben (u.a. am 24.04.2005): »Wer Christus einlässt, dem geht nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist. Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles«.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39/2011 - 26. Woche im Jahreskreis (A)

Der Papst im Bundestag - 22. September 2011

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nach langer Nachtfahrt müde aber glücklich aus Berlin zurück, verweise ich für die Pfarrnachrichten mit dem folgenden Link auf einen Kommentar zur Papstrede im Deutschen Bundestag einer eher als liberal geltenden überregionalen Tageszeitung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

Pfarrnachrichten 38/2011 - 25. Woche im Jahreskreis (A)

Arbeiter für den Weinberg – Ausschnitt aus der Kassettendecke in der Hospitalkirche Hof, um 1688 / 89

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Gleichnis vom Weinberg, das diesen Sonntag aus dem Matthäusevangelium vorgetragen wird, ist schwer zu verstehen. Ein Gutsbesitzer wirbt wie üblich wohl um 6:00 Uhr früh Arbeiter für seinen Weinberg an und einigt sich mit ihnen auf einen Denar für den Arbeitstag (bis 18:00 Uhr), den damals üblichen Lohn für einen Tagelöhner. Auch damals gab es so etwas wie einen Mindestlohn.

Überraschend an dem Gleichnis ist, dass nicht, wie sonst üblich, irgendein Verwalter, sondern der Gutsherr persönlich Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt. Auch die Einbettung des Gleichnisses in das Ganze des Matthäusevangeliums ist überraschend. Kurz vorher hatte Petrus den Herrn zur Rede gestellt (Mt 19,27): »Du weißt, wir haben alles verlassen und sind der nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?«

Die Jünger beschäftigte die aus irdischer Sicht nachvollziehbare Frage: Was bringt uns das Ganze? Bleibt am Ende auch für uns etwas übrig für den Einsatz, den wir hier aufbringen? Ausdrücklich sagt Matthäus, dass Jesus seinen Jüngern, also dem engsten Kreis seiner Vertrauten und eben nicht der Menge dieses Gleichnis erzählt.

Fragt man sich als gläubiger Christ nicht auch manchmal: Ich halte die Gebote und verzichte auf manches, was sich andere, den bequemsten Weg suchend, wie selbstverständlich leisten. Dann spende ich auch regelmäßig und schenke anderen von meiner Zeit und Kraft. Rechnet sich das? Von daher ist das Gleichnis nicht nur an die Jünger sondern ebenso besonders an die bewusst aus der Kraft des Glaubens Lebenden, an die Arbeiter der ersten Stunde gerichtet.

Überraschend am Gleichnis ist zudem, dass der Gutsherr mit den später hinzukommenden Arbeitern um 9:00, um 12:00 und um 15:00 Uhr keinen bestimmten Lohn vereinbart. Er sagt nur: »Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.« Ganz außergewöhnlich und gegen jedes unternehmerische Denken ist, dass er sogar um 17:00 Uhr, nur 1 Stunde vor Schluss, noch Arbeiter anwirbt und dazu noch ein gut meinendes Gespräch mit ihnen führt: »Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Das sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!«

Richtig spannend wird es dann im zweiten Teil des Gleichnisses. Alle Arbeiter, angefangen bei denen der letzten bis schließlich zu denen der ersten Stunde, erhalten denselben Lohn: Einen Denar. Die Arbeiter der ersten Stunde, die sich bei der auf Anweisung des Gutsherrn zuerst vorgenommen Auszahlung der Arbeiter der letzten Stunde verständlicherweise heimliche Hoffnungen gemacht hatten, sind empört. Sie »begannen, über den Gutsherrn zu murren.«

Dem Wortführer erwidert der Gutsherr, wenn man die schönredende deutsche Einheitsübersetzung durch eine wörtliche ersetzen darf: »Verschwinde mit deinem Anteil und geh! Komm mir nicht mehr unter die Augen. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten. Ist dein Blick böse, weil ich gut bin?«

Gott ist anders. Man kann mit ihm keine Geschäfte machen, wie man es sonst so kennt. Gott ist gut, ohne all die Einschränkungen, an die wir gebunden sind. Deshalb ist im Himmel ist kein Platz für diejenigen, die „einen bösen Blick“ haben. Unsere Denkweise ist viel zu eng und eingeschränkt, um die unbegreifbare Liebe Gottes zu verstehen. Wohl aber kann man sich durch betrachtendes Beten dem Gleichnis nähern. Das ist die einzige Art, um das Gleichnisses zu allmählich zu verstehen und es so zu verinnerlichen, dass es auch unser Leben immer mehr bestimmt.

Wenn es uns gelingt, uns in kleinen Schritten der Andersartigkeit Gottes anzunähern, dann werden wir die „Entlohnung“ immer vertrauensvoller ihm überlassen können.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37/2011 - 24. Woche im Jahreskreis (A)

Ohne Vergebung nur Streit

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Diesen Sonntag gibt uns das Matthäusevangelium grundlegende Orientierung zum Thema Vergebung. Sie ist unverzichtbar für jede Gemeinschaft. Jeder von uns wird immer wieder schuldig und ohne Vergebung schließt jeder den anderen unwiderruflich und hoffnungslos aus. Die Gemeinschaft zerbricht und hört auf. Das schmerzhafte Scheitern vieler Ehen ist oft auf die Unfähigkeit zu vergeben zurückzuführen.

Offen schreibt ein Mann im Internet: »Ich bin in einer Ehe, wo meine Frau mir aus meiner Sicht geringste Kleinigkeiten nicht verzeiht. Ich rede von Kleinigkeiten, nicht vom Seitensprung o.ä. … Meine Fehler werden mir noch nach Jahren vorgehalten. Ich entschuldige mich, aber es wird „Wiedergutmachung“ eingefordert … Das Resultat nach 26 Jahren Ehe: alles zerrüttet. Über mich wird ein „Schwarzbuch der Missetaten“ geführt. Ich ziehe nun aus. Kein Verzeihen, keine Vergebung selbst kleinster Dinge.“

Und von einer Frau ist dort zu lesen: »Gestern Abend (wieder) Streit! Ich habe mich respektlos behandelt gefühlt, im Stich gelassen, bin erniedrigt worden. Er entschuldigt sich, ruft mich an, schreibt Nachrichten, bedauert sein Verhalten zutiefst. Es fällt mir nicht schwer, ihm zu verzeihen; ich habe mehr ein Problem mit der Tatsache, dass er mich respektlos behandelt. Ich verzeihe ihm, ja! Nur die Schwierigkeit ist, ihm WIRKLICH zu verzeihen, sodass … ich keine Wut mehr in mir habe. Es geht immer ein Teil in mir kaputt. Ich stelle anschließend die Frage, ob er wirklich DER Mann an meiner Seite sein kann. … Warum behandelt er mich immer so respektlos? … Vielleicht bin ich gar nicht in der Lage, ihm zu verzeihen, selbst wenn ich es sage!? Ich weiß es nicht, meine Gedanken sind durcheinander, bin sehr verwirrt. Ich muss nachdenken.«

Petrus fragt den Herrn (Mt 18,21): »Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?« Auf die Frage »wie oft?« nimmt Petrus die Antwort gleich vorweg: »Siebenmal?«

Die jüdischen Rabbiner kannten das dreimalige Vergeben in gleicher Sache. Irgendwann, so scheint es, muss doch einmal Schluss damit sein. Man kann doch nicht immer wieder neu vergeben!

Petrus geht deutlich weiter: »Siebenmal?« Die Zahl »sieben« drückt Vollkommenheit aus. Die siebenmalige Vergebung ist also nicht nur rein numerisch, sondern als unbeirrbare Haltung zu verstehen, allem zum Trotz immer wieder neu zu vergeben. Eigentlich hätte der Herr dem zustimmen müssen. Er antwortet aber (Mt 18, 22): »Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.«

Mit einem eindrucksvollen Gleichnis (Mt 18,23-35) verdeutlicht Christus, dass sich die Fähigkeit zur Vergebung – auch sie entgegen zu nehmen – zu einer Charaktereigenschaft entfalten muss. Nur so wird Vergebungsfähigkeit zu einem immerwährenden Verhalten, das den eigenen Lebensstil zutiefst bestimmt. Vergeben ist ein Prozess, auch ein Lernprozess, der lebenslang dauert und nie aufhört.

Vergebung setzt voraus, eigene Fehler uneingeschränkt einzugestehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Deshalb sollte es nie heißen: »Es tut mir leid, dass ich so reagiert habe, aber du hast mich auch provoziert!« Dieses »Aber« bewirkt, dass die wohlgemeinte Entschuldigung eher als Beschuldigung rüberkommt und Versöhnung unmöglich macht. Mit der Übernahme der vollen Verantwortung für den Bereich, wo man wirklich gefehlt hat, wächst die innere Stärke, die Konsequenzen zu tragen und neu zu beginnen.

Auch Wiedergutmachung will in diesem Zusammenhang gelernt sein: Wenn eine Frau ihren Fehler wieder gut machen möchte, indem sie ihrem Mann die Garage aufräumt, er ihre Hilfeleistung aber eher als Einmischung empfindet, wird die Aufräumaktion wohl einen weiteren Streit provozieren.

Der Gläubige weiß sich in allem Bemühen darum nie alleine. Gott öffnet neue Türen und zeigt ungeahnte Wege und Möglichkeiten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36/2011 - 23. Woche im Jahreskreis (A)

»Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.« (Mt 18,20) – Mitglieder der Prager Beerdigungsbruderschaft beten am Lager eines Sterbenden (um 1772)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Jeder von uns wünscht sich Harmonie. Jeder möchte mit Menschen zusammen leben, denen er vertrauen und mit denen er gemeinsam in übereinstimmender Gesinnung etwas Gutes aufbauen kann. Zugleich weiß jeder von uns, dass dies sehr anspruchsvoll ist und leider nicht immer gelingt.

Das Leben ist oft geprägt von Konkurrenz, von Streben nach Macht und Beherrschung des anderen. Zugleich ist es geprägt von der Schwäche des Menschen. Keiner ist davon frei. Auch und gerade in der Größe des Menschen kann sich fast unbemerkt eine Erbärmlichkeit einschleichen, die alles ins Gegenteil verkehrt. Anderen können wir sehr gut raten und ihnen helfen, die Fallen der Eitelkeit, des verborgenen Stolz, der Machtgelüste wie auch der Trägheit, der Bequemlichkeit usw. besser zu erkennen und elegant zu umgehen.

Für die subtilen Erbärmlichkeiten des Menschen ist man mit Blick auf sich selber meist relativ blind; denn sie kommen mit raffinierten Begründungen, die einen selber auf’s Kreuz legen. Das eigene Denken ist nicht immer ein guter Ratgeber oder Lotse, wenn es um die Ausrichtung des eigenen Verhaltens und Tuns auf das wirkliche Gute geht. Anderen gegenüber ist das meist viel leichter. Deshalb sind wir angewiesen auf fremde Hilfe und zugleich dazu verpflichtet, anderen zu helfen.

Darum geht es im Sonntagsevangelium. »Wenn dein Bruder sündigt«, sagt der Herr (Mt. 18,15), »dann geh zu ihm und wiese ihn unter vier Augen zurecht.«

Schon die ersten Christen haben dieses Wort in besonderer Weise mit Blick auf die Gemeinschaft der Christgläubigen, also die Kirche gesehen. Diese Gemeinschaft ist einzigartig. Sie gibt es weltweit kein zweites Mal. Ihr ist der besondere Beistand des Heiligen Geistes versprochen. Von daher konnte Augustinus schon für die frühe Kirche die Zurechtweisung des Bruders mit dem Wirken Gottes zum Wohl eines jeden in Beziehung setzten. Augustinus sagt wörtlich (Reg 4,6): »Gott, der in euch wohnt, wird euch durch eure Verantwortlichkeit füreinander beschützen.«

Augustinus weiß von seiner eigen Biographie her um die Gebrochenheit des Menschen und besitzt zugleich eine große Sensibilität, für deren Auswirkungen auf andere, auch auf die gesamte Kirche, den Leib Christi. Die Verletzungen, die Menschen einander zufügen, betreffen Christus selbst, die Kirche und mit ihr die ganze Menschheit. »Denn, Brüder«, so Augustinus (Sermo 137,2 [PL 38,755]), »seht unseres Hauptes Liebe. Schon ist er im Himmel, und doch leidet er hienieden, solange die Kirche hienieden leidet.«

Ganz in diesem Sinne sagt dann viele Jahrhunderte später der Hl. Josefmaria Escrivá (Im Feuer der Schmiede 566): »Die brüderliche Zurechtweisung, deren Wurzeln im Evangelium zu finden sind, ist ein Freundschaftserweis im Zeichen des Glaubens und ein Beweis von Vertrauen. Sei dankbar, wenn du sie empfängst, und unterlasse es nicht, sie denen zu erteilen, die mit dir zusammen sind.«

Zurechtweisen heißt, den rechten Weg weisen. Das darf nie im Zorn geschehen. Auch darf dem anderen dabei nicht der Kopf gewaschen werden. Jesus hat es vorgemacht: Eher sind die schmutzigen Füße an der Reihe. Nach seiner Aufforderung zur Zurechtweisung gibt der Herr auch das Ziel einer solchen an (Mt 18,15): »Hört Dein Bruder auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen.«

Wer also jemanden auf den rechten Weg zurückbringen möchte, tut dies nicht zu seinem Privatvergnügen oder aus persönlichem Ärger heraus, sondern im ausdrücklichen Auftrag Gottes. Das Sonntagsevangelium nennt eine Reihe sehr interessanter Vorraussetzungen, wodurch dies gewährleistet ist; insbesondere auch durch das gemeinsame Gebet (Mt 18, 19): »Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.«

Ihr Pfr. Dr. Voker HIldebrandt

 

Pfarrnachrichten 35/2011 - 22. Woche im Jahreskreis (A)

Die Versuchung Jesu, Duccio di Buoninsegna (um 1255-1319) - Die Prededellentafel ist Teil von Duccios Hauptwerk, der Sienser „Maestà“. Wie in der byzantinischen Malerei ist der Teufel als schwarzer Engel von äthiopischem Typus mit Fledermaus gesehen.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Letzen Sonntag hörten wir vom beeindruckenden Messiasbekenntnis des Petrus: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt. 16,16). Der Herr hat daraufhin Petrus zum Felsen auf Erden gemacht, auf den er seine Kirche bauen werde und erklärt: »die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen« (Mt 16,18).

An diesem Sonntag hören wir, was sich unmittelbar im Anschluss daran ereignet hat. Jesus kündigt mit Worten des Evangelisten Matthäus wie folgt sein Leiden an: »Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen« (Mt 16, 21). Petrus nimmt sich den Herrn zur Seite, »machte ihm Vorwürfe« und sagt ihm (Mt 16,22): »Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!«

Wer von uns hätte es nicht genauso getan.

Daraufhin geschieht das Unglaubliche: »Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen«. (Mt 16,23).

Wer sich in diesen Zusammenhang wirklich hineindenkt, kann nicht anders, als den Atem anhalten. Der soeben ernannte erste Papst, »du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16, 18), wird nun Satan genannt.

Jesu hat den Satan, den Versucher, schon reichlich kennen gelernt. Das Hauptziel Satans besteht damals wie heue darin, Gott zu widersprechen. Satan will nicht, was Gott will. Satan will sein eigener Gott sein. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Und er scheut auch nicht davor zurück, den noch unreifen, eben erst gekürten Papst für seine Ziele zu missbrauchen.

In der unvermischten, zugleich ungeteilten Verbundenheit mit Gott widersteht der Mensch Jesu dieser Versuchung, die ihm Satan ins Ohr flüstert durch Petrus, dem engsten Freund Jesu auf Erden, dem er soeben seine ganze zukünftige Sendung auf Erden anvertraut und in die Hände gelegt hat.

Der Versucher gibt nicht auf. Am Ende des lukanischen Berichtes über die drei großen Versuchungen in der Wüste stehen wie beiläufig und schnell überlesen, die gewichtigen Worte (Lk 4,13): »Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.« Diesen Zusatz »für eine gewisse Zeit« finden wir nur bei Lukas. Wenn dieser Zusatz bei den anderen Evangelisten nicht zu finden ist, bedeutet das nicht, dass er unwichtig und zu vernachlässigen wäre.

»Für eine gewisse Zeit …« Danach aber versuchte der Satan Jesus immer wieder einmal zu Fall zu bringen. Heute versucht der Satan sich an uns. In seiner Gerissenheit ist er uns allen überlegen und legt uns so elegant auf’s Kreuz, dass wir in genau diesem Moment meinen, eigentlich doch jetzt das Richtige, Wahre und Gute zu tun.

Der letzten großen Versuchung widersteht Jesus in den dramatischer Stunden des Ölgartens vor seinem Tod am Kreuz. Mit seinem Tod löst er nun auch selber die Antwort auf die Frage ein, wie man denn dieser, dem Menschen überlegenen Gerissenheit des Teufels überhaupt widerstehen kann. Nach der uneingeschränkten Abweisung des Petrus, stehen am Ende des Evangeliums von diesem Sonntag die Worte, die ich uns allen sehr ans Herz legen möchte (Mt 16,24f): »Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34/2011 - 21. Woche im Jahreskreis (A)

Vor dem Hintergrund allzu oft wie ein Gott verehrten weltlichen Glanzes übergibt Jesus dem Petrus die Schlüssel des Himmelreiches. – Pietro Perugino (1481-82) Fresco, 335 x 550 cm, Sixtinische Kapelle, Vatican.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Zur Zeit Jesu war Cäsaréa Philíppi ein berühmter Wallfahrtsort. Auf dem imposanten Felsmassiv neben der Ortschaft stand damals eine große und beeindruckende Tempelanlage. Herodes der Große hatte sie zu Ehren des Kaisers Augustus errichten lassen, der ihm dieses Gebiet geschenkt hatte.

Vor dieser Kulisse ereignete sich, was wir an diesem Sonntag im Evangelium hören werden. Der Herr fragt seine Jünger, für wen die Menschen ihn halten. Sie antworteten (Mt. 16, 14): »Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.« Auf diese Antwort hin spricht er sie auf ihre Position an: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Daraufhin antwortet Petrus, wie oft in solchen Situationen, als Wortführer der anderen (Ibid., 16): »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Die Frage des Herrn und die Antwort des Petrus an genau diesem Ort sind auch insofern höchst pikant, weil sich damals die römischen Kaiser, angefangen bei eben jenem Augustus, mit „Sohn Gottes“ anreden ließen. Münzen und Inschriften belegen es.

Hier also wird der Vergottung des römischen Imperiums und seiner Herrscher eine klare Absage erteilt. – Ist das nicht auch heute wieder sehr nötig, wo die schwankenden, krisengeschüttelten Finanzmärkte und die exorbitanten Staatsverschuldungen Denken und Leben über die Maßen beherrschen und zum Ein und Alles geworden sind?

Ein weiteres an diesem Ort, dem nicht nur die Tempelanlage zu Ehren des vermeintliche kaiserlichen „Gottessohnes“ großen Zulauf und Attraktivität verschaffte, ist interessant. Hier befand sich auch das Heiligtum des griechischen Gottes Pan. Im Zweifelsfalle war dieser Gott einfach für alles zuständig.

Hier in Cäsaréa Philíppi konnte man diese von Menschen geschaffenen Götter hautnah erleben. Felsenfest standen sie da, und es schien, als könne niemand an ihnen rütteln.

Diese selbstgemachten Götter sind wie Unkraut. Immer wieder wachsen sie nach. Ist ein Götze tot, steht schon der nächste vor der Tür. – Weder Aktienkurse noch Gesundheit oder ähnliche, von Menschen geschaffene Götter wie Geld, Besitz, Ansehen, Egoismus, Macht, Sex usw. sind ein Ersatz für den einen, wahren, in Jesus Christus menschgewordenen Gott, den Petrus wider dem Zeitgeist von damals wie heute bekennt.

Mit dem »ihr aber« (s.o.) sind nun auch wir gemeint.

Die berühmte Frage von Gretchen an Faust in Goethes Tragödie Erster Teil (Vers 3415) ist und bleibt aktuell: »Wie hast du’s mit der Religion?« – Nicht von ungefähr wird seitdem eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage als Gretchenfrage bezeichnet.

Ein Zweites steht im Mittelpunkt des Sonntagevangeliums und hat es weltbekannt gemacht; nämlich die Antwort Jesu auf das Messiasbekenntnis des Petrus(Mt 16,17-19):

»Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus der Fels , und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.«

Vor den naturgewaltigen Felsen in Cäsaréa Philíppi werden nicht nur die scheinbar unerschütterlichen Götter „Marke Eigenbau“ ins Wanken und zu Fall gebracht, sondern zugleich – gewissermaßen als Antwort darauf – von Gott selber durch seinen Sohn Jesus Christus ein Fels auf Erden gestiftet, der allen Anfechtungen bis zum Ende der irdischen Zeit widerstehen wird: Das Amt des Petrus ist durch Gottes Gnade unfehlbar, wenn der Papst »als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen … eine Lehre über den Glauben oder die Sitten in einem endgültigen Akt verkündet«. (vgl. u.a. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 891).

Der Weltjungetag ist beredtes Zeugnis für die Lebendigkeit und die reichen Früchte dieser ungebrochenen Glaubenstradition.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33/2011 - 20. Woche im Jahreskreis (A)

Die kanaanäische Frau - Les Très Riches Heures du duc de Berry, Folio 164r - Musée Condé, Chantilly

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der heilige Matthäus überrascht uns diesen Sonntag mit einer nicht nur auf den ersten Blick ganz unerwarteten Reaktion Jesu. Kurz vorher waren Pharisäer und Schriftgelehrte eigens aus Jerusalem zu ihm gekommen, um ihn warnend die Frage zu stellen, warum er seine Jünger nicht zu den üblichen Reinheitsvorschriften verpflichte. Daraufhin hatte sich der Herr in das benachbarte, aber heidnische Tyrus und Sidon zurückgezogen. Dort würde man ihn nicht zu schnell erneut belästigen.

Aber es kam anders. Eine kanaanäische, also für Juden ungläubige Frau näherte sich ihm höchst auffällig. Ihr Rufen muss nach dem von Matthäus verwendeten griechischen Ausdruck „ekrazein“ ein schrilles Schreien gewesen sein (Mt. 15,22): »Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief („ekrazein“): Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.«

»Jesus aber gab ihr keine Antwort« Er würdigt sie keines einzigen Blickes. Das verwundert.

Darüber hinaus weist er die Bitte der Jünger zurück (Mt 15,23): »Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her«. Sie scheinen ungeordnet, weil nicht ganz selbstlos zu bitten; zu sehr aus dem Wunsch heraus, endlich Ruhe zu haben.

Die Reaktion Jesu gegenüber der Frau und den Jüngern lässt zugleich deutlich werden, dass jede Vorstellung eines „Kuschel– oder Softi–Jesus“ hier völlig fehlt am Platz ist. Auch die anderen Lesungen dieses Sonntags betonen, dass Jesus von seinem himmlischen Vater (Mt 15, 24) »nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt« ist. Von dieser ihm aufgetragenen Aufgabe – was „heilstheologisch“ an anderer Stelle näher zu erörtern wäre – lässt er sich nicht abbringen.

Darüber hinaus ist Liebe nur dann wahr und echt, wenn sie geordnet ist. Die Fürsprache der Jünger für diese Frau entspricht dieser Anforderung nicht. Wie aber sieht es bei der bittenden Frau aus?

Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass ihre Liebe geordnet ist. Sie will nicht einfach eine Gelegenheit, die sich ihr scheinbar unerwartet und überraschend bietet, letztlich nur in egoistischer und eigennütziger Weise nutzen. Matthäus berichtet (Mt 15,25): »Sie fiel vor ihm nieder und sagte: Herr hilf mir!«

Ihr Bitten ist demütig. Es ist durchwoben von wahrer Ehrfurcht. – Das steht beim Evangelisten zwischen den Zeilen; denn der Herr erwiderte ihr (Mt 15.26): »Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.«

Es war im Volk Israel damals üblich, die Heiden als »Hunde« zu bezeichnen. Die Worte Jesu sind von daher weder geringschätzig noch verachtend gemeint. – Für das Verständnis des Ganzen wichtiger und entscheidender ist die Haltung der Frau. Sie entgegnet Jesus (Mt 15,27): »Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.«

Sie willigt also ein, wie Gott sein Heil uns Menschen schenkt. Dem Volk Israel kommt hier ein klarer Vorrang zu. Da lässt sie keinen Neid aufkommen. Zugleich wird deutlich, dass sie als wahrhaft Bittende kommt, die keinerlei Ansprüche stellt. Sie legt alles in Gottes Hand. Sein Wille soll geschehen.

Damit offenbart sie sich als wahrhaft Gläubige und wird uns abschließend als Vorbild geordneten Bittens und liebenden Vertrauens vor Augen gestellt (Mt 15,28): »Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.«

Ist auch unser Beten und Bitten von einer solchen Demut und rechten Ordnung in der Liebe und im Vertrauen geprägt?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32/2011 - 19. Woche im Jahreskreis (A)

Überfuhr bei nahendem Unwetter, signiert, datiert W. Völker 1845, Öl auf Leinwand, 93,5 x 101 cm

 

LIebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Sturm auf dem See Genesaret hat immer wieder die großen Meister der Malerei zu eindrucksvollen Gemälden inspiriert. Darüber hinaus wird der „biblische Sturm“, wie ihn etwa der Evangelist Matthäus für diesen Sonntag (Mt., 14,22-33) erzählt, als Hauptereignis von bedeutsamen, die Haupterzählung erklärenden und deutenden Begleitumständen umrahmt.

Mit fünf Broten und zwei Fischen hatten die Jünger durch das geheimnisvolle und wunderbare Wirken des Herrn an einem abgelegnen Ort weit über 5.000 Menschen gesättigt; und von den Resten zwölf Körbe voll eingesammelt. Diese Erzählung von der wunderbaren Brotvermehrung wurde uns vergangenen Sonntag mit in die Woche gegeben.

Nun überrascht es, dass der Herr kurz nach diesem wundervollen Ereignis, offenbar mit einer gewissen Eile und mit Nachdruck, die Jünger auffordert, »ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten.« - So erzählt es der Evangelist Matthäus (Vers 22 f).

Der Evangelist scheint durch seine Erzählweise die Absicht des Herrn unterstreichen zu wollen, nicht beim Vordergründigen stehen zu bleiben und vor allem nicht im Glanz der durch Gottes Gnade bewirkten Wohltaten in trügerischer und selbstgefälliger Weise zu verweilen. … So drängt er sowohl die Jünger, wie auch die Leute, möglichst umgehend nach Hause zu gehen und besteigt selber den nahe gelegenen Berg, um zu beten.

Jesus wirkt also Wunder, um die Kraft eines Lebens ganz aus dem Glauben sichtbar zu machen; und zu einem solchen Leben zu motivieren. – Der Sturm auf dem See, der die Jünger kurz nach diesen Ereignissen überrascht, und schließlich zur Begegnung mit dem über das Wasser wandelnden Herrn führt, soll den Jünger dafür die Augen öffnen.

Sie hatten mit eigenen Augen gesehen und dabei mitgewirkt: Mit nur fünf Broten und zwei Fischen vermochten sie durch Gottes Gnade eine unüberschaubare Menschenmenge zu sättigen. – Aber jetzt, alleine auf dem See und dem gnadenlosen Sturm ausgesetzt, scheint das alles wie vergessen. Und noch schlimmer: Als der Herr ihnen auf dem Wasser entgegenkommt (Vers 26), »meinten sie, es sei ein Gespenst und sie schrien vor Angst«.

Nur Petrus wagt schließlich, es dem Herrn gleich zu tun: Auf Jesu Wort hin »komm«, »stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.« (Vers 28 f) – Aber auch dieses Mal ist der Glaube des Petrus nur von kurzer Dauer. Durch den Sturm, den Wind und die Wellen von seiner Sammlung auf Jesus hin eine kurzen Augenblick abgelenkt, »bekam er Angst und begann unterzugehen.« (Vers 30)

Wilhelm Völker hat in seinem 1845 geschaffenen Ölgemälde auf Leinwand (93,5 x 101 cm) die Hauptaussage dieser biblischen Erzählung in ganz eigener Weise ins Bild gesetzt: Ein junges Mädchen bittet den Pfarrer, erfüllt vom Glauben an die heilende und erlösende Kraft des in der Heiligen Eucharistie wirklich gegenwärtigen Jesu, ihrem sterbenden Vater den Lieb Christi als letzte Wegzehrung zu reichen.

Aber der Fährmann weigert sich und stemmt sich mit ganzer Kraft gegen den Glauben des Mädchen, des Priesters und des ihm vertrauensvoll folgenden Messners. Mädchen und Priester geben durch Gestik und Blicke dem Fährmann zu verstehen: Christus selber wird in der Hostie mit uns im Boot sein. Der nahende Sturm und die gefährlich wachsenden Wellen werden uns nichts anhaben können. … Der Fährmann aber denkt nur irdisch; und stemmt sich gegen den vertrauens– und hoffnungsvollen Glauben der Drei.

Wie würden denn Sie Ihr Vertrauen auf Jesu und Ihren Glauben an seine geheimnisvolle Wirksamkeit und Gegenwart im Sakrament des Altares, mindestens Sonntag für Sonntag, ins Bild setzten? – Beschäftigen Sei sich mit dieser Frage doch eine kurze Weile. Ihr Bemühen darum wird Sie die Aussageabsicht des Sonntagevangeliums sehr viel besser verstehen lassen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31/2011 - 18. Woche im Jahreskreis (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Sommerpause tut gut und sie ist auch nötig. Leicht wächst uns die Arbeit über den Kopf. Auch wenn wir da vielleicht manchmal übertreiben, ist es doch so, dass schon allein dieser Eindruck uns zusätzlich lähmt und Kraft raubt.

So fühlten sich offenbar auch die Apostel, ja sogar unser Herr Jesus Christus selber – insofern er nicht nur Gott sondern in der Einzigkeit seiner Person zugleich auch ein Mensch wie wir ist – immer wieder einmal überfordert und an der Grenze der eigenen Möglichkeiten angelangt. So berichtet der Evangelist Matthäus unter anderem, dass Jesus, nachdem er gehört hatte, „dass Johannes (der Täufer) enthauptet worden war, mit dem Boot in eine einsame Gegend fuhr, um allein zu sein.“ (Mt 14,13)

Der schmachvolle Tod seines Wegbereiters wird ihn nicht nur schmerzlich berührt, sondern auch vor Augen geführt haben, wie wenig wir als Menschen letztlich bewegen und bewirken können. Die Bewohner Israels waren wohl in Scharen zum Täufer an den Jordan gekommen. Viele haben sich taufen lassen. Aber all das schien wie vergessen. Wie ein heruntergekommener Verbrecher wurde Johannes enthauptet; und nur noch wenige nahmen Notiz davon.

Wird das auch sein Schicksal sein, wenn einmal sein Weg am Kreuz enden wird? Wird dann alles vergebens gewesen sein? – Diese und ähnliche Fragen werden dem Herrn gekommen sein und ihn bedrückt haben. So muss er sich zuerst einmal zurückziehen, Abstand gewinnen, Herz und Kopf sortieren, um wieder klar sehen zu können.

Schließlich siegt das Mitleid, angesichts all der „Leute, die ihm zu Fuß nachgingen.“ (Mt 14,13) Durch sie wird ihm bewusst: Sie brauchen ihn. Auf ihn haben sie große Hoffnung gesetzt. Sie erwarten vieles von ihm. „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitlied mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.“ (Mt., 14,14)

Der Rahmen des Evangeliums von der Brotvermehrung (Mt 14,13-21), das wir an diesem Sonntag hören, ist höchst bedeutsam.

Als es Abend wurde, und die Vielen immer noch beim Herrn verweilten, werden die Apostel ungeduldig und sie drängen den Herrn voller Sorgen, sogar ein wenig vorwurfsvoll: „Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ (Mt., 14,15)

Als der Herr ihnen daraufhin erwidert (Mt 14,16): „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen“, da bricht auch aus ihnen das menschliche Unvermögen hervor, das kurz vorher den Herrn, angesichts der menschenverachtenden Hinrichtung des Täufers, in die Einsamkeit getrieben hatte. – Sie sagten zu ihm (Mt 14,17): „Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.“ In der parallelen Überlieferung bei Johannes finden wir noch den Zusatz: „Was ist das für so viele.“ (Joh 6,9)

Der Herr ordnet an, dass sie die fünf Brote und zwei Fische herbringen und „die Leute sich ins Gras setzten“ (Mt 14,18 f) sollen. Mit der Formulierung: „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern“ (Mt 14,9) deutet der Evangelist den tieferen Sinn der Brotvermehrung, der in der Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl in Erfüllung geht und fortan Bestand haben wird: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es seinen Jüngern und sagte: Nehmt und esst, das ist mein Leib.“ (Mt 26, 26)

Alle wurden satt. „Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.“ (Mt 14,20) Von den fünf Broten und den zwei Fischen blieb also für jeden Apostel ein voller Korb übrig.

Die Sommerpause wird uns helfen, erneut zu realisieren: Solange wir das „Wenige“, was wir hervorbringen und bewirken können – die Herstellung und den Vertrieb von Brot und Wein, vielmehr können wir am Ende auch heue nicht –, in die Hände Gottes legen, wie dieser Junge auf dem Bild, werden wir, wie die Apostel, immer wieder von den Möglichkeiten Gottes überrascht, der unser Bemühen reich segnet und von Dauer sein lässt.

Ihr Pfr.. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30/2011 - 17. Woche im Jahreskreis (A)

Der „hörende“ König David spielt Harfe - Weingarten, Museum für Klosterkultur - um 1770

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den Beginn der großen Sommerferien werden uns an diesem Sonntag drei Schriftlesungen hinein gegeben, die zu betrachten sehr aufschlussreich ist.

Wieder einmal macht Jesus mit drei Gleichnissen über das Himmelreich nachdenklich. Die beiden ersten sind sich sehr ähnlich: Ein Feldarbeiter entdeckt im Acker einen Schatz und ein Perlenhändler woanders eine außergewöhnlich kostbare Perle. Beide sind klug und nicht auf den Kopf gefallen: beide gehen aufs Ganze: Sie setzen ihr gesamtes Vermögen ein, um das weit Wertvollere zu erwerben. Durch Wagemut und Schlauheit gehören sie zu den Gewinnern.

Wer verstanden hat, was Jesus anbietet, wird nicht zögern, alles auf eine Karte zu setzen. Er wird das Eigene uneingeschränkt und ohne Abzüge einsetzen, um vor Gott wie ein Armer zu werden. So kann er das von Gott Angebotene im reinen und ungetrübten Glauben erwerben: „Selig, die arm sind vor Gott – das heißt, die in ihrer Gesinnung auf alles verzichten –, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,3)

Aber nicht jeder findet den Schatz oder die Perle; und nicht jeder vermag sofort aufs Ganze zu gehen. Deshalb folgt, wie am vorigen Sonntag, noch ein drittes Gleichnis: Fischer ziehen ihre Netze ans Land. Sie sortieren die guten Fische aus, die Schlechten aber werfen sie weg. – „So wird es auch am Ende der Welt sein.“ (Mt 13,49) Mit dieser Erklärung deutet der Herr das dritte Gleichnis zusammen mit den beiden vorausgehenden: Mit den klugen Entscheidungen im zeitlichen und irdischen Leben ist es wie mit den klugen Entscheidungen für die Ewigkeit: hinter dem Angebot Gottes, der einmaligen Chance, steht die ernste Warnung, sie nicht zu versäumen.

Es geht um Gewinn oder Verlust der gesamten menschlichen Existenz. Wie der mutige Landwirt und der kluge Kaufmann keinen Augenblick zögern, so wird der Christ, der begriffen hat, um was es geht, sogleich zu greifen.

Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten Ja.“ (ibid., 51) Womöglich haben die Jünger das alles erst nach Ostern richtig verstanden, als Jesus ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift öffnete: „Alles …, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.“ (Lk 24,44). – Im Licht des Neuen verstehen sie nun das „Gleichnis” des Alten. Und so kann nun Jesus die drei Gleichnisreden für die „Jünger des Himmelreichs“ mit einem letzten Vergleich abschließen. Wie er selber, sollen nun auch sie „einem Hausherrn” gleichen, „der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt" (ibid., 52): das Alte ist nicht obsolet geworden, sondern erhält im Licht des Neuen eine weitaus höhere und größere Bedeutung.

Die beiden Lesungen des ersten Feriensonntags spiegeln ‚das Alte und das Neue’ in der gemeinten Tiefe wieder. Gott will dem jungen, noch unerfahrenen König Salomo eine Bitte gewähren, und dieser bittet um „ein hörendes Herz, um als König das „Volk regieren und das Gute vom Bösen unterscheiden” zu können (1 Kön 3,9). Er bittet um genau das Richtige, er setzt alles auf den Schatz im Acker und die kostbare Perle. Das gefällt Gott. David erhält das kostbare Geschenk und alles Übrige wird ihm dazu gegeben. Ganz in diesem Sinne sagt der Herr dann auch wenig später noch im Mathäusevangelium (6, 33): „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“

Man kann dieses „Alte” also unverkürzt ins „Neue” hineinholen, wo freilich weit größere Güter angeboten werden. „Wir wissen“, sagt Paulus (zweite Sonntagslesung: Röm 8,28), „dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“. Wer sich aus seinem Innersten heraus für Gott entscheidet, der erfährt zunehmend, dass seine freie und ureigene Entscheidung schon ewig von Gottes Entscheidung zu ihm umgriffen und in ihr geborgen war. Die Gott wirklich lieben, sind immer schon in Christus gewesen; und nichts kann sie aus der Bahn werfen, wenn sie in dieser Liebe blieben. Diese Vorherbestimmung, von Gott angesprochen und berufen zu sein, zur Gerechtsprechung und zum ewigen Leben, ist kein schicksalhaftes Rad (vgl. Jak 3,6), sondern der in sich geschlossene Kreis der Liebe, der immer auf die ureigene Antwort jedes Menschen angewiesen bleibt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29/2011 - 16. Woche im Jahreskreis (A)

Der Taumel-Lolch (Quelle: Wikimedia Commons)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In altrömischen Archiven aus der Zeit Jesu sind Strafttatbelege böswilligen Unkrautsäens bis heute erhalten geblieben. Um dem Konkurrenten zu schaden, kamen solche böswilligen Aktionen offenbar häufiger vor. Eigentümer wie Pächter des Ackers gingen damals also auch gerichtlich gegen die Täter vor.

Auch der Name der Unkrautpflanze ist bekannt: Taumel-Lolch (Lolium temulentum). Im biblischen Buch Hiob (31,40) wird der Taumel-Lolch hebräisch B'oscha (באשה = „Unkraut“) und im Matthäusevangelium (13,24 ff), wie wir es diesen Sonntag hören, griechisch Zizanion (ζιζάνιον = „Unkraut“) genannt.

Dieses Unkraut ist eine bekannte Art aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die Bezeichnung als „Taumel-Lolch“ beruht auf den Vergiftungserscheinungen, die in der Vergangenheit nach dem Verzehr von mit Taumel-Lolch verunreinigtem Getreide auftraten.

Er sieht dem guten Weizen zum Verwechseln ähnlich, kann sich schnell ausbreiten und ist alles andere als harmlos. Vom flüchtigen äußeren Erscheinungsbild her kann man ihn vom Weizen erst kurz vor der Ernte deutlich unterscheiden. Werden seine Körner zusammen mit der Weizenernte gemahlen, verbacken und verzehrt, kommt es zu ernsten Kreislaufproblemen, Schwindel, Sehstörungen und in einigen Fällen kann die Vergiftung auch zum Tod führen. Der Taumel-Lolch ist also höchst gesundheitsschädlich und war wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Weizen sehr gefürchtet.

Das feindliche Ausstreuen dieses Unkrautes blieb dem geschädigten Bauern lange Zeit unbemerkt. Wurde das „Unkraut“ schließlich erkannt, war es längst zu spät. Die Wurzeln des Taumel-Lolchs umklammern tückischerweise auch noch die Wurzeln des Weizens. Man musste, um doch noch einen guten Ertrag zu bekommen, bis zur Ernte warten und dann genau so, wie Jesus es im Gleichnis (Mt 13,24 ff: s.o.) beschreibt, erst das „Unkraut“ mit einer Sichel direkt unterhalb der Ähren vorsichtig abschneiden und einsammeln, um es später zu verbrennen, und konnte erst danach den guten Weizen ernten. Die Ernte musste sicherheitshalber noch mehrmals gründlich gesiebt und in Augenschein genommen werden.

Das war den in ländlichen Dingen bestens bewanderten Zuhörern Jesu alles sehr gut bekannt. So verstanden sie auch, was er ihnen mit dem Gleichnis vom Unkraut sagen wollte, das der Feind nach der Aussaat guten Samens „während … die Leute schliefen … unter den Weizen säte“.

Der Gutsherr im Gleichnis hält die Knechte in ihrem Übereifer davon ab, das Unkraut, als es schließlich zum Vorschein kam, schon vor der Ernte zu vernichten: „… sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Die Zeit nach Jesus Christus „ist Zeit der Aussaat und des Wachstums. Jesus ist der Sämann. Aber nicht alles, was da wächst, ist guter Weizen“. Es wächst auch viel Unkraut: Besserwisserei, Hochmut, Unglaube, Unzucht, Spott, gegenseitige Verachtung, verletzende Entzweiung und anderes mehr. „Soll man alles Unkraut ausreißen, Menschen ausschließen? Die Antwort Jesu: Lasst beides wachsen: Es gibt den Tag des Gerichts und der großen Scheidung, das aber ist nicht Sache der Menschen.“ (vgl. Kommentar zum Sonntagsevangelium aus dem „Schott-Messbuch“).

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28/2011 - 15. Woche im Jahreskreis (A)

Ausaat - Gotisches Monatsbild Oktober - Gothem Kyrka auf Gotland

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Evangelist Matthäus (13,1-23) erzählt von einer großen Menschenmenge, die sich versammelt hatte, um den Worten Jesu zu lauschen. Der Herr bestieg deshalb ein Boot. In der Art eines bedeutenden Lehrers, der Wichtiges zu sagen hat, setzte er sich dort wie auf einen Lehrstuhl und redete zu der Menge in Gleichnissen. Wir hören davon diesen Sonntag.

Das uns überlieferte Gleichnis greift die Alltagserfahrung der Menschen vom Lande auf: Ein gewisser Teil der Saat, die ein Sämann aussät, bringt keine Frucht, weil dieser Teil entweder auf den Weg, auf felsigen Boden oder unter die Dornen fällt. Der Teil aber, der auf fruchtbaren Boden fällt, bringt reiche Frucht: »teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach«.

Interessant ist, dass Matthäus zu der gleichnishaften Rede auch ihre Interpretation überliefert, die Jesus selber auf die Frage seiner Apostel: »Warum redest du ihnen in Gleichnissen?« gegeben hat. Es bedarf nach der Erklärung des Herrn als Vorraussetzung zum Verstehen zuerst einmal eines gewissen Grundverständnisses. »Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat« - gemeint ist: wer dieses Grundverständnis hat –, »dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat.«

Im Grunde kann man von Gott nur in Bildern reden. Wer aber diese Bilder nicht verstehen kann oder will, weil sein Herz verhärtet (V. 15), durch weltliche Sorgen (V. 22) oder Oberflächlichkeit (V. 15) vereinnahmt ist, der kann die in den Bildern gemeinte göttliche Wirklichkeit nicht verstehen: Die Saat verdorrt, der Böse nimmt auch noch die Keime weg (V. 19).

Seinen Jüngern jedoch sagt er: »Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören«. Durch Gottes Gnade können seine Jünger ansatzweise verstehen, was Jesus ihnen erklärend darlegt. Aber das volle Verständnis ist ihnen erst nach Ostern und erst nach der Sendung des Heiligen Geistes möglich. So fragen sie jetzt nach dem Sinn der Gleichnisse, die sie erst der Heilige Geist und Wirklichkeit der Kirche recht verstehen lassen.

In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief (8,18-23) sagt Paulus, und so versteht man besser, was im Sonntagsevangelium auch hintergründig gemeint ist, »dass die ganze Schöpfung sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet.« Die Schöpfung, so Paulus, »ist der Vergänglichkeit, der Sklaverei und Verlorenheit unterworfen«. Sie liegt in Geburtswehen und bringt noch keine Frucht hervor. So ist es auch mit uns, sagt Paulus, »obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben«. Wir »seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

Der gläubige Christ gehört zu denen, in dessen Herz ein anfängliches Verstehen der Gleichnisse Jesu bereits gelegt ist. Aber schon er hat Mühe, im Gleichnis die Wahrheit Jesu zu finden! Und er muss fürchten, dass auch in ihm, der durch Gottes Gnade und im Heilige Geist und in seiner Kirchen zu sehen und zu hören vermag, steiniger Boden das Aufgehen der Saat Gottes verhindert!

Der gläubige Christ muss also auch heute der Versuchung widerstehen, angepasst leben zu wollen. Er muss stark sein und aushalten können, einer Minderheit anzugehören. Dass es sich lohnt, darin bekräftigt ihn die Heilige Schrift, weil sie zugleich bezeugt, dass die Saat auf dem guten Erdreich hundertfach, sechzigfach, dreißigfach aufgeht, dass also die Ernte doch eine im Ganzen überwiegend gute sein wird. Und das unbedingt (vgl. die erste Lesung: Jes 55, 10-11).

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27/2011 - 14. Woche im Jahreskreis (A)

Pfarrprozession St. Pantaleon: Ecke Waisenhausgasse/Pantaleonstraße

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag beginnen wir das Pfarrfest mit dem Gottesdienst. Im Anschluss daran ziehen wir mit dem Allerheiligsten in der Monstranz durch die Straßen unseres Viertels. Es hat einen tiefen Sinn, so zu beginnen, und das folgende Feiern auf diese Grundlage zu stellen.

Gott hat uns Menschen etwas ganz Besonderes geschenkt, das wir als Allerheiligstes, als das höchste der Sakramente, in Prozession durch die Straßen tragen. So zeigen wir, dass der Auferstandene Christus mitten unter uns ist und uns wunderbar durch dieses Leben bis in das Reich des Himmels führen möchte.

Das Besondere an diesem Sakrament ist die Wandlung, die Verwandlung in insgesamt drei Richtungen. Da ist zum einen die Verwandlung der Substanz des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi. Diese Verwandlung ist die Grundlage der anderen zwei. Sie ist uns von Gott geschenkt; sie ist das Geschenk, »das Christus mit sich selbst gegeben hat.« (Papst Benedikt XVI)

Über diese erste und grundlegende Verwandlung und dieses besondere Geschenk sagte jüngst Papst Benedikt: »Die Eucharistie ist Nahrung für das ewige Leben, Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus seinem „Eucharistischen Gebet“ am Abend vor seinem Leiden, geht diese Dynamik hervor, die die Realität in seiner kosmischen, menschlichen und historischen Dimension umgestaltet. Alles geschieht durch Gott, durch die Allmacht seiner Liebe innerhalb der Dreifaltigkeit ... In dieser Liebe ist das Herz Christi eingetaucht. Weil er, auch in Verrat und Gewalt, Gott zu danken und zu loben weiß, werden sich auf diese Weise die Dinge, die Personen und die Welt verändern.«

Nachdem durch Gottes Größe und Liebe Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt worden sind, und Gott selber sich im Leib und Blut seines Sohnes zur Speise und zum Trank gibt, wird der Gläubige, der entsprechend vorbereitet zur Kommunion geht, ebenfalls verwandelt. Und das ist die zweite Dimension dieser Verwandlung. Papst Benedikt erklärte es so:

»Das Wort „Kommunion“, das wir auch für die Eucharistie benutzen, schließt in sich die vertikale und horizontale Dimension … ein. Den Augenblick, in dem wir das eucharistische Brot essen, als „die Kommunion empfangen“ zu bezeichnen, ist schön und äußerst vielsagend. Tatsächlich, wenn wir dies tun, treten wir in die Gemeinschaft des Lebens mit Jesu selbst ein, in die Dynamik dieses Lebens, das sich an uns und für uns hingegeben hat. Von Gott her, durch Jesus, bis hin zu uns: Es ist eine einzige Gemeinschaft, die durch die heilige Eucharistie vermittelt wird.«

Der große Augustinus etwa erzählt von einer Vision, in der er die Stimme Gottes vernahm: »Ich bin Speise der Starken ... Nicht wirst du mich in dich verwandeln wie [es sonst bei der] Speise deines Fleisches [geschieht], sondern du wirst verwandelt werden in mich.« (Bekenntnisse VII, 10,18). Anders als bei der gewöhnlichen Nahrungsaufnahme, wo die Nahrung in unser Fleisch und Blut „verwandelt“ wird, verwandelt die Eucharistie als das ganz andere Brot uns in Gott hinein.

»Dies ist entscheidend«, sagt Papst Benedikt und erklärt: »In der eucharistischen Gemeinschaft … verwandelt Christus … uns in sich selbst. … Bei dieser Begegnung wird unsere Individualität geöffnet, von ihrem Egozentrismus befreit und der Person Jesu eingefügt, der wiederum in der Gemeinschaft der Trinität lebt.«

Diese zweite Verwandlung zieht eine dritte nach sich.

Während die Eucharistie uns mit Christus vereinigt, öffnet sie uns gleichzeitig für die anderen: wir sind nicht mehr getrennt sondern eins in Christus. Die Solidarität und Einheit der Menschheitsfamilie wird nicht länger mehr von oben durch ideologische oder ökonomische Interessen bestimmt, führt Papst Benedikt aus. Solidarität und Einheit gehen nun »von der gegenseitigen Verantwortung aus, weil … wir alle Glieder eines Leibes sind, des Leibes Christi. Wir haben vom Sakrament des Altares gelernt und lernen immer wieder, was Teilen, Liebe und der Weg der wahren Gerechtigkeit bedeuten.«

hr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26/2011 - 13. Woche im Jahreskreis (A)

Bleiglasfenster (Ausschnitt): Jesus lädt zur Anbetung der Eucharistie ein. "Chapelle des Catéchismes" in der Kirche St-Étienne-du-Mont, Paris

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon!

In einem Brief vom 20. Juni des Jahres hat sich der Generalvikar des Erzbistums Köln kurzfristig an alle in der Seelsorge Tätigen gewendet und schreibt: „Am 29. Juni 2011, dem Hochfest Peter und Paul, feiert Papst Benedikt XVI. den 60. Jahrestag seiner Priesterweihe. Aus diesem Grund hat die Kleruskongregation dazu eingeladen, in allen Diözesen eine 60-stündige Eucharistische Anbetung, quasi als Geschenk für den Hl. Vater mit der Bitte um Ordens- und Priesterberufungen zu halten.“

Im Schlusswort zu Stadt-Prozession am Fronleichnamstag hat unser Erzbischof dankbar auf diese Initiative hingewiesen und zu einer großzügigen Teilnahme eingeladen.

Dem möchte ich mich gerne anschließen. Im Schaukasten finden Sie eine Übersicht, an welchen Orten wann für dieses Anliegen Jesus Christus, gegenwärtig in der Heiligen Hostie, intensiv gebeten und angebetet wird.

Der selige Papst Johannes Paul II. schrieb in seinem bekannten Brief ‚Dominicae cenae’: „Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören.“

Schon in früher Christenheit haben die Kirchenväter, etwa der Heilige Ambrosius, den Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu in der Hostie unter der Gestalt des Brotes wie folgt als höchst vernünftig dargestellt: „Hier liegt etwas vor, was nicht die Natur gebildet, sondern die Segnung konsekriert (zu etwas Heiligem gemacht) hat, und die Wirksamkeit der Segnung geht über die Natur hinaus, indem sogar die Natur selbst kraft der Segnung verwandelt wird ... Das Wort Christi, das noch nicht Seiende aus dem Nichts zu schaffen vermochte, soll Seiendes nicht in etwas verwandeln können, was es vorher nicht war? Nichts Geringeres ist es, neue Dinge zu erschaffen, als Naturen zu verwandeln“ (myst. 9,50,52).

In dem auf den Heiligen Thomas von Aquin zurückgehenden Hymnus ‚Gottheit tief verborgen’, der im gängigen Gotteslob unter der Nr. 546 zu finden ist, wird darauf hingewiesen, „dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi in diesem Sakrament sich nicht mit den Sinnen erfassen lässt, sondern nur durch den Glauben, der sich auf die göttliche Autorität stützt.“ Deshalb kommentierte etwa schon der Heilige Cyrill in altkirchlicher Zeit die Worte des Herrn; ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird‘ (Lk 22,19) wie folgt: „Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lügt er nicht“ (zitiert nach KKK 1381).

Die Heilige Schrift lässt keine Alternative zu: In der Hl. Hostie, im heiligsten Sakrament der Eucharistie, ist „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten“ (K. v. Trient: DS 1651).

Wer den Herrn in der Eucharistie anbetet und verehrt, bringt seine Anliegen nicht vergeblich zu ihm. Deshalb ist es schlicht und einfach so, allen abschätzigen Äußerungen zum Trotz: Wenn wir gute und zahlreiche Priester wollen, werden sie uns von Gott geschenkt, wenn wir uns durch die Anbetung Gottes in der Eucharistie in das Geheimnis seiner göttlichen Liebe hineinnehmen und verwandeln lassen. Auf dieser Grundlage werden uns viele und gute Priester geschenkt. Ohne diese Grundlage werden viele Pfarreien und Kirchen weiterhin verwaist und priesterlos bleiben.

Im Aushang finden Sie die Übersicht der Anbetungsstunden vor ausgesetztem Allerheiligsten vom 22. Juni bis zur Priesterweihe am 01. Juli im Dom. Auf dem Gebiet unserer Pfarrei findet die Anbetung statt in der Kirche Maria vom Frieden (Karmelitinnenkloster) am Do., dem 30.6., von 14.30-17.30 Uhr.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25/2011 - Dreifaltigkeitssonntag und 12. Woche im Jahreskreis (A)

Stiftsmuseum St. Paul - Gnadenstuhl

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleoen!

Mit dem Pfingstfest ist die Osterzeit zu Ende gegangen. Der liturgische Kalender sieht unmittelbar im Anschluss daran drei sogenannte Herrenfeste vor: das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit; am kommenden Donnerstag das Fronleichnamsfest, und schließlich, am Freitag der dritten Wochen nach Pfingsten, das Fest des Heiligsten Herzens Jesu.

Jeder dieser Festtage schenkt dem Gläubigen eine besondere der vielen Dimensionen, die das Ganze des christlichen Glaubens umfassen: die Wirklichkeit des einen und dreifaltigen Gottes, das Sakrament der Eucharistie und die gottmenschliche Mitte der Person Christi. Es sind Aspekte des einen Heils, das uns von Gott geschenkt ist, und die »in gewisser Weise den ganzen Verlauf der Offenbarung Jesu zusammenfassen, von der Menschwerdung angefangen über den Tod und die Auferstehung bis hin zur Himmelfahrt und zum Geschenk des Heiligen Geistes« (Papst Benedikt XVI.)

An diesem Dreifaltigkeitssonntag feiert die Kirche den wahren Gott so, wie Jesus ihn uns zu verstehen gegeben hat: Als den einen Gott in drei Personen, was in der Präfation des Hochfestes theologisch genauer wie folgt formuliert ist: »nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens«.

Das sogenannte Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche erteilt auf die Frage »Welches ist das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens?« die folgende Antwort: »Das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit.«

Die fundamentale Bedeutung des einen Gottes in drei Personen als Dreifaltigen wird in der Glaubenspraxis etwa beim Bekreuzigen deutlich, die der christlich Betende mit den Worten begleitet: »Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes«. Auch wird die Taufe, das erste und für alle folgenden Sakramente grundlegende und notwendige, mit den Worten gespendet: »Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«.

In der gesamten Schöpfung, und in besonderer Weise in der Gemeinschaft der Mensch, spiegelt sich wider, was in ihrem Ursprung konstitutiv und wesentlich ist: Der eine Gott ist lebendige Gemeinschaft in drei Personen, er ist gegenseitiges Geben und Nehmen, Schenken und Beschenkt-Werden.

Das spiegelt sich wider bis hinein in den Makro- und Mikrokosmos, worauf Papst Benedikt XVI. in Anlehnung an frühchristliche Traditionen erinnert: »Wenn wir den Makrokosmos betrachten: unsere Erde, die Planeten, die Sterne, die Galaxien, oder aber den Mikrokosmos: die Zellen, die Atome, die Elementarteilchen. In allem, was ist, ist in einer gewissen Weise der „Name" der Heiligsten Dreifaltigkeit eingeprägt, da das ganze Sein, bis hin zum letzten Teilchen, ein Sein in Beziehung ist. Und so wird der Gott erkennbar, der Beziehung ist, so wird letztlich die schöpferische Liebe erkennbar. Alles geht aus der Liebe hervor, strebt hin zur Liebe und bewegt sich angetrieben von der Liebe - natürlich mit verschiedenen Graden des Bewusstseins und der Freiheit.«

Und mit besonderem Blick auf den Menschen fügt der heilige Vater hinzu: »Der stärkste Beweis dafür, dass wir nach dem Bild der Dreifaltigkeit gemacht sind, ist dieser: Nur die Liebe macht uns glücklich, denn wir leben in Beziehung; und wir leben, um zu lieben und geliebt zu werden. Unter Verwendung einer Analogie, die der Biologie entstammt, könnten wir sagen, dass das Sein des Menschen die tiefe Spur der Dreifaltigkeit – des Gottes, der die Liebe ist – in seinem „Genom" trägt.«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24/2011 - Pfingsten und 11. Woche im Jahreskreis (A)

Pfingstszene vom Altarretabel des Sieneser Doms, Rückseite – von Duccio di Buoninsegna

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Beim letzten großen Weltjugendtag in Sydney, 2008, hat Papst Benedikt XVI. den Jugendlichen seine eigene Erfahrung geschildert, wie er dem Heiligen Geist als junger Priester näher kam und ‚begegnete’.

„Als ich ein kleiner Junge war“, so Papst Benedikt, „lehrten mich meine Eltern – wie Eure auch – das Kreuzzeichen. Und so kam ich bald zu der Einsicht, dass es einen Gott in drei Personen gibt und dass die Dreifaltigkeit das Zentrum unseres christlichen Glaubens und Lebens ist. Während ich zu einem gewissen Verständnis von Gott Vater und Gott Sohn heranwuchs – die Namen sagten mir bereits viel –, blieb mein Verständnis der dritten Person in der Trinität unvollständig. Als junger Priester, der Theologie lehrte, entschied ich mich darum, die herausragenden Zeugen über den Geist in der Kirchengeschichte zu studieren. Auf diesem Weg geschah es, dass ich mich unter anderem in die Lektüre des großen Heiligen Augustinus vertiefte."

Das ‚Verstehen’ des Heiligen Geistes habe sich auch bei Augustinus schrittweise vollzogen. Es wäre ein inneres Ringen gewesen. Schließlich habe ihn die Erfahrung der in der Kirche gegenwärtigen Liebe Gottes dazu gebracht, deren Quelle im Leben des dreieinigen Gottes zu suchen. „Das führte ihn zu drei besonderen Einsichten über den Heiligen Geist als das Band der Einheit innerhalb der Heiligen Dreifaltigkeit: Einheit als Gemeinschaft, Einheit als bleibende Liebe und Einheit als Geben und Gabe.“

Dieser Einsichten seien hilfreich in einer Welt, „in der sowohl einzelne Menschen als auch Gemeinschaften oft an einem Mangel an Einheit oder Zusammenhalt leiden". Der Heilige Geist stelle sie wieder her und stärke sie.

Der heilige Augustinus habe bemerkt, „dass sich die beiden Begriffe ‚heilig’ und ‚Geist’ auf das Göttliche in Gott beziehen; mit anderen Worten: auf das, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben – auf ihre Communio. Wenn also das charakteristische Merkmal des Heiligen Geistes darin besteht, dass er das ist, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben, dann – so folgerte Augustinus – ist die besondere Eigenschaft des Geistes die Einheit. Es ist eine Einheit aus gelebter Gemeinschaft: eine Einheit von Personen in einer Beziehung ständigen Gebens, in der der Vater und der Sohn sich einander schenken.“

Das Studium des ersten Johannesbriefes – „Gott ist die Liebe … wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ –, habe Augustin schließlich fragen lassen, ob ‚Einheit als bleibende Liebe’ durch die Liebe selber oder durch den heiligen Geist gegeben und garantieret würde. Augustinus sei zu folgendem Schluss gekommen: „Der Heilige Geist lässt uns in Gott bleiben und Gott in uns; doch die Liebe ist es, die dies bewirkt. So ist der Geist also Gott als Liebe!" (De Trinitate, 15,17,31)

„Das ist eine wundervolle Erklärung", so Papst Benedikt: „Gott teilt sich selbst mit als Liebe im Heiligen Geist." Liebe ist also das Zeichen für die Gegenwart des Heiligen Geistes. All das, dem es an Liebe mangelt, stammt also nicht „vom Geist“. Darüber hinaus ist Liebe ihrem Wesen nach etwas Bleibendes. Sie ist folglich göttlichen Ursprungs und verwandelt von daher die Welt.

Zuletzt ist der Heilige Geist Gott selber, der sich uns als Gabe mitteilt (s.o.: „Einheit als Geben und Gabe“). „Der Heilige Geist ist Gott“, so Papst Benedikt, „der ewiglich sich selbst schenkt; wie eine nie versiegende Quelle gießt er nichts Geringeres aus als sich selbst. Angesichts dieser unaufhörlichen Gabe gehen uns die Augen auf für die Begrenztheiten alles Vergänglichen, für die Torheit der Konsum-Mentalität. Wir beginnen zu verstehen, warum die Suche nach dem Neuen uns unbefriedigt und sehnsuchtsvoll bleiben lässt. Schauen wir nicht nach einer ewigen Gabe aus? Nach der Quelle, die nie versiegen wird? Lasst uns mit der Samariterin ausrufen: ‚Gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr haben muss!’ (vgl. Joh. 4,15).“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23/2011 - 7. Osterwoche (A)

Kloster der heiligen Agnes von Böhmen ( Prag ). Kunstsammlung: Meister des Hohenfurter Altars - Maria belehrt die Apostel.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Apostelgeschichte (Kapitel 1, Verse 12-14) berichtet, dass die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn vom Ölberg nach Jerusalem zurückkehrten. Dort angekommen »gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben«. Dieses »ständige Bleiben« beschreibt die Apostelgeschichte dann noch pointiert wie folgt: »Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern«.

Über dieses »ständige Bleiben « im »Obergemach im einmütigen Gebet « gibt es nur wenige bildhafte Darstellungen. Das auf dieser Seite wiedergegebene Ikonengemälde aus dem Kloster der heiligen Agnes von Böhmen (Prag) vom Meister des Hohenfurter Altars zeigt Maria in der Mitte der Apostel, wie sie diese belehrt, wohl in Erwartung des Heiligen Geistes.

Die christliche Frömmigkeit und der Glaube des Volkes haben nie Schwierigkeiten damit gehabt, nach der Himmelfahrt des Herrn nun Maria einen bevorzugten Platz in der Mitte der Apostel zuzuweisen. Von allen „Zurückgebliebenen“ steht sie dem Herrn am nächsten. Sie ist und bliebt ihm in besonderer Weise verbunden.

Darüber hinaus hat sich ihr Leben und Dasein darin erfüllt, allen Menschen den Erlöser zu schenken. Diesem ihren Lebensinhalt bleibt sie treu und füllt nun die Lücke des in den Himmel Aufgefahrenen bis zu Herabkunft des Heiligen Geistes.

All diese Darstellungen mit Maria in der Mitte der Apostel haben etwas ausdrücklich Frommes an sich. Die darstellende Kunst hat sich hier ganz offensichtlich an den oben zitierten Worten der Apostelgeschichte inspiriert: »Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet«.

Es täte uns gut, ließen wir uns auf die Weite und auf den Horizont ein, die in allen Erzählungen der neutestamentlichen Berichte immer mitgemeint und deshalb auch mitzuhören sind. Beten kann man nicht nur in der Kirche; und auch nicht nur im Wald oder in der wunderbaren Natur. Beten ist überall möglich. Beten ist ein Lebensstil.

Beten heißt, freundschaftlich verbunden zu leben mit dem Schöpfer und dem Erlöser. Beten heißt, mit ihm zu sprechen und auf ihn zu hören. Das kann und sollte man beständig. Regelmäßige Gottesdienste und Gebetszeiten helfen einem dabei, in allen Situationen im Alltag diesen Lebensstil des beständigen Redens und Hörens durchzuhalten und dabei zu bleiben, alles Wichtige wie auch das ganz Alltägliche, in anhaltender und nachhaltiger Rücksprache mit Gott, dem Herrn, anzugehen und umzusetzen.

So ist diese Zeit der Apostel im Obergemach eine für sie höchst wertvolle Zeit. Sie erhalten nun gewissermaßen von Maria „den letzten Schliff“, um sich nun angesichts der physischen Abwesenheit ihres Herrn daran zu gewöhnen und darauf einzustimmen, mit und in seiner geheimnisvolle, deshalb aber nicht weniger realen Anwesenheit und Gegenwart zu leben.

Wie wäre es, wenn auch Sie in diesem Sinne einmal „in die Schule“ von Maria gingen? »Man geht zu Jesus und man kehrt zu Ihm zurück immer durch Maria«, so hat es der Heilige Josefmaria Escrivá in einem seiner bekannten Aphorismen erklärt (Der Weg, Nr. 495).

Man vermag hinter dem frommen Charakter dieser bildhaften Darstellung auch den Kern des Gemeinten erkennen: Nur in einer lebendigen Beziehung zu Gott gelingt das Leben. Da Maria immer auch für die Kirche steht, wird dem Betrachter also auch mitgeteilt: Nur mit und im lebendigen Leben der Kirche wird gelingen, was das Leben gelingen lässt: Ein Freund und Kind Gottes zu werden und es ein Leben lang zu bleiben. – Das wünsche ich auch Ihnen von Herzen.

Beachten Sei bitte unsere Einladung zur Teilnahme am Papstbesuch in Berlin; die Ankündigungen zu unserm diesjährigen Theophanu-Gedenken (insbesondere die traditionsreiche Hl. Messe am 15. Juni mit orthodoxem Totengedenken am Grab der Kaiserin) und die Ankündigungen zu unserem Pfarrfest am Sonntag, dem 3. Juli.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22/2011 - 6. Osterwoche (A)

Georgische Miniatur von Mamuka Schengelia; Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 1. Juni, 16.00 Uhr

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Vergleich zu den vergangenen Sonntagen ist der Text des Evangeliums von diesem Sonntag ausgesprochen kurz. Um so mehr fällt auf, dass das Wort „lieben“ gleich fünfmal darin vorkommt. Das Wort „lieben“ umschließt den Text wie eine Klammer. Es bestimmt den Anfang und den Schluss und umrahmt die in der Mitte stehende Aussage des Herrn, er werde die Seinen – die Apostel, wie alle anderen, die ihm einmal folgen werden – nicht alleine zurücklassen.

Darüber hinaus führen diese Evangelienverse das weiter fort, was der Herr den Seinen durch die Fußwaschung (vgl. Johannesevangelium, Kapitel 13) anschaulich erklärt hatte. Er, der Herr und Meister, hatte sein Obergewand abgelegt, sich mit einem Leinentuch umgürtet und den Aposteln die Füße gewaschen. Dieser von außen betrachtete „Sklavendienst“ war ein Liebesdienst, eine Liebeserklärung an die Seinen.

Diese anschauliche Liebeserklärung setzt er nun, sie mit Kopf und Herz erklärend, weiter fort. Seine Liebe kann ja nur dort begriffen werden, nur dort ist sie erfahrbar, wo sie auch beantwortet und erwidert wird und werden kann. Nun ist aber der Mensch aus eigenem Vermögen nur sehr bedingt dazu in der Lage; denn die Größe der Liebe Gottes zu ihm übersteigt sein Fassungsvermögen. Aus eigener Kraft hat keiner von uns eine Vorstellung davon, wie groß in der Tat Gottes Liebe zu uns Menschen ist.

Das kann der Mensch, ein jeder von uns, nur aus dem Licht heraus verstehen, mit dem Gott den Menschen gnadenhaft erleuchtet. Es ist das Licht des Heiligen Geistes, den der Herr als Beistand, als Tröster vom Vater für uns erbeten und gesendet hat.

„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.“

Anders als die „Welt“ können jedoch Jesu Jünger diesen Geist verstehen: „Ihr aber kennt ihn“, erklärt der Herr den Seinen, „weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“

Jesus lässt die Seinen also „nicht als Waisen“ zurück. Er bleibt in und bei ihnen durch den Heiligen Geist. Obwohl Jesus nicht mehr physisch unter seine Jüngern ist, bleibt er im und durch den Heiligen Geist und kann so erklären: „Ihr seid in mir und ich bin in euch.“

Das Ganze ist sehr konkret und bleibt nicht irgendwie abgehoben im rein Geistigen. Ein bestimmter Lebensstil, der Lebensstil unseres Herrn Jesus Christus, macht das alles möglich. Dieser Lebensstil spiegelt im lebendigen Vollzug die Gebote wider, die Gott in das Herz des Menschen als seine Bestimmung hineingelegt hat. Das meint Jesus, wenn er im Sonntagsevangelium sagt: „Wer meine Gebote hat uns sie hält, der ist es, der mich liebt.“

Der indische Philosoph Tagore hat dies als allgemeinmenschliche Erfahrung einmal mit den folgenden drei Sätzen auf den Punkt gebracht: „Ich schlief und träumte, das Leben sei Glück und Freude. Ich wurde wach und bemerkte, das Leben ist Pflicht. Ich begann die Pflicht zu erfüllen, und siehe, sie wurde mir zu Glück und Freude.“

Das tägliche Bemühen um einen Lebensstil im Sinne Jesu nach den zehn Geboten schafft die Vorraussetzung dafür, dass Gottes Liebe den Menschen erreichen und erfüllen kann. Die Erwiderung dieser Liebe folgt dann wie von selber und führt zur Vollendung eines solchen Lebens in der grenzenlosen Liebe Gottes.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21/2011 - 5. Osterwoche (A)

»Wer mich sieht, sieht den Vater.« (Joh 14,9) – Matthias Grünewald – Isenheimer-Altar – Antlitz des Auferstandenen (Detail)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es ist ein gutes Gefühl, eine Buchungsbestätigung in der Hand zu halten. Ein reservierter Platz schafft Sicherheit und schenkt Ruhe.

Ganz so einfach ist es jedoch mit einer Platzreservierung für den Himmel nicht.

Auf der einen Seite steht die zuversichtliche Gewissheit, die Gott uns mit Worten seines Sohnes im kommenden Sonntagsevangelium vermitteln möchte: » Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.«

Genauer übersetzt heißt es eigentlich: »Euer Herz lasse sich nicht durcheinander schütteln.« – Das trifft genauer auf die Situation der Jünger wie auch auf die des Christgläubigen zu. Auch der gläubige Mensch ist nicht immer frei davon, zwischen Vertrauen und Besorgnis hin- und hergerissen, eben durcheinandergeschüttelt zu sein.

Auf der anderen Seite steht die Distanz, in der auch der Gläubige als irdischer Mensch im Gegensatz zur Wirklichkeit der himmlischen Dinge lebt. Der Herr deutet an, dass diese Distanz für den, der glaubt, überbrückbar ist. Er fügt hinzu: »Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.«

Aber ist das wirklich so? Kennen wir denn den Weg zum Himmel; den Weg zu einem Frieden und einer Erfüllung, die bereits jetzt beginnen und dann für immer in Fülle sein werden? Den Weg, den unser Herr selber gegangen ist?

Da hatten sogar die Apostel ihre Zweifel. Wie uns das Evangelium im Folgenden berichtet, entgegnete ihm Thomas: »Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?«

Nicht weniger nachdrücklich ist die Ergänzung, mit der Jesus darauf antwortet: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.«

Der gläubige Christ, und das ist ein herausragendes Merkmal, glaubt nicht an Theorien. Er glaubt nicht an ein in sich schlüssiges Gedankengebäude. Er glaubt auch nicht nur einer Person; sondern er glaubt an eine Person, an die Person des menschgewordenen Gottes, unseren Herrn Jesus Christus.

In, mit und durch ihn sind die Distanz und der übergroße Abstand zwischen Himmel und Erde nicht mehr. Sie sind überwunden. In Jesus Christus verbindet sich der wahre und eine Gott mit dem wahren Menschen Jesus Christus.

Notwendig ist, und dazu schenkt Gott alle notwendige Hilfe, an Jesus als den menschgewordenen Gott zu glauben; d.h. in seine Fußstapfen treten zu wollen und sein Leben als Vorbild und Maßstab für das eigene Leben anzunehmen. So erklärt der Herr selber »Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.«

Damit ist zwar alles gesagt, aber es muss im Leben derer, die im Glauben Jesus nachfolgen, erst noch Wirklichkeit werden. Das zeigt auch der Fortgang des Gespräches Jesu mit seinen Jüngern.

Für diese Zeilen begnügen wir uns mit dem Hinweis darauf, es doch einfach immer wieder neu zu erproben. Etwa durch die vertrauensvollen Worte, die jeder an den Herrn wenden kann: »Hilf mir Herr, Deinen Lebenseinstellung und Deine Art zu leben, zum Maßstab und Vorbild meines Lebens zu machen.«

Sie werden überrascht sein, wie sehr die eingangs wiedergegebenen Worte unseres Herrn auch für Sie schon in diesem Leben in Erfüllung gehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20/2011 - 4. Osterwoche (A)

Jesus als der gute Hirt – vgl. Evangelium vom 4. Ostersonntag

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Uns erreichen weiterhin Zeilen des Dankes für die gemeinsamen Tage in Rom anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., zu der wir uns mit über 90 Pilgern, darunter auch 36 Jugendliche, vor zwei Wochen auf den Weg gemacht hatten. So schließt sich Martin J., der hier in St. Pantaleon viele Jahre Messdiener war, einem der jugendlichen Vorredner an und schreibt bestätigend: »… ich kann mich nur mit ganzem Herzen dem Statement eines anderen Teilnehmers anschließen, das Sie in den letzten Pfarrnachrichten zitierten. Auch ich werde noch lange von dieser Pilgerfahrt und ihrem Höhepunkt, der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., zehren. Vielen Dank, dass ich an dieser Fahrt teilnehmen durfte.«

Diese weitere Rückmeldung, von noch anderen, beflügelt in der Absicht, auch zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland eine interessante und schöne Reise etwa nach Berlin anzubieten, zum Ausdruck sowohl unsere Solidarität mit dem Heiligen Vater, wie auch zur Stärkung, zur Verlebendigung und Vertiefung der eigenen Beziehung zum Herrn, die sich immer wieder neu und ganz überraschend als ungemein befreiend und beglückend erweist.

Darüber hinaus ist auch eine erste kleine Fahrt mit unserer neuen Messdienergruppe im Gespräch; vielleicht schon über Christi Himmelfahrt, sonst auch in den Sommerferien.

Mittlerweile laufen auch die Vorbereitungen für das kommende Pfarrfest am Sonntag, dem 3. Juli. Nach erprobter Weise schließt sich an die einzige Heilige Messe am Sonntagvormittag um 10.00 Uhr die Prozession mit dem eucharistischen Herrn durch unser Veedel an. Sie endet mit dem sakramentalen Segen in der Kirche um 12.00 Uhr. Daran schließt sich unmittelbar das Pfarrfest im Papst Benedikthof, unserem Innenhof, an. Wie in jedem Jahr werden auch für dieses Mal noch zahlreiche Helfer und fleißige Hände gesucht. Auch Kuchen- und sonstige Sachspenden sind immer herzlich willkommen. – Am Mittwoch, dem 08. Juni findet dafür um 19.30 Uhr eine weiter Vorbesprechung im Sitzungssaal des Pfarrbüros statt, zu der alle Interessierte herzlich eingeladen sind.

Aber das ist nicht alles. Auch in diesem Jahr werden wir im festlichen Rahmen unseres traditionsreichen und ökumenisch ausgerichteten Theophanugedenkens am 15. Juni um 18.30 in einer feierlich gehaltenen Abendmesse für die Einheit der Christen in Ost und West beten, mit sich daran anschließendem orthodoxen Totengedenken (Mnemosynon) am Grab der Kaiserin.

Das diesjährigen Theophanugedenken wird am Mittwoch, dem 1. Juni um 16.00 Uhr mit einer Ikonenausstellung – »Georgische Miniaturen von Mamuka Schengelia« eröffnet. Diese Ausstellung bleibt im Kapitelsaal, vor allem am Wochenende, für Interessierte bis Samstag, dem 25. Juni zugänglich.

Als weitere Höhepunkte des traditionsreichen Gedenkens »unserer« griechisch-deutschen Kaiserin sind vorgesehen:

·         am Montag, dem 6. Juni um 19.30 Uhr im Domforum ein Vortrag von Prof. Dr. Günther Binding: »Die Kirche St. Pantaleon und neue Erkenntnisse der zeitlichen Einordnung«;

·         am Freitag, dem 17. Juni um 19.30 Uhr in unserem Pfarrsaal eine Autorenlesung von Gabrielle Alioth aus ihrem brandneuen Roman über Kaiserin Theophanu zwischen 980 bis 991: »Die griechische Kaiserin«; und

·         am Samstag, dem 18. Juni um 16.15 Uhr in der Kirche St. Pantaleon eine orthodoxe Vesper mit gemeinsamem Gebet für den Frieden, an der sich unterhaltsame und stimmungsvolle griechische Folklore mit Tanz und Musik und einem kulinarischen griechischen Imbiss im Pfarrsaal etwa gegen 17.00 Uhr anschließen werden

Es wäre schön, wenn hierdurch auch die Absicht der Völkerverständigung, die viele der Initiatoren zu diesem ihren Engagement inspiriert, von vielen anderen verstanden, aufgegriffen und mitgetragen würde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19/2011 - 3. Osterwoche (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Kurz nach unserer Romfahrt zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. erreicht mich von einem der 36 jungendlichen von insgesamt 93 Teilnehmern die folgende Rückmeldung:

»Im Namen der Jugendlichen möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass wir die Chance hatten, an der Seligsprechung teilzunehmen. Es waren wirklich schöne Tage in Rom und gerade auch die geistige Dimension war sehr schön. Auch andere Jugendliche haben mir erzählt, dass sie in Rom Gott spüren konnten. Ich denke, dass das ein beeindruckendes Zeugnis für diese Pilgerfahrt ist.«

Papst Benedikt hat in seiner Predigt zur Seligsprechung besonders auch zwischen den Zeilen verdeutlicht, warum das Leben als gläubiger Christ besser gelingt und mehr Freude und Seligkeit schenkt als ohne Gott. Wörtlich sagte der Heilige Vater unter anderem:

»„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29). Im heutigen Evangelium spricht Jesus diese Seligpreisung aus, die Seligpreisung des Glaubens. Sie berührt uns auf besondere Weise, da wir versammelt sind, um eben eine Seligsprechung zu feiern, und noch mehr, da heute ein Papst seliggesprochen wird, ein Nachfolger Petri, der dazu berufen war, die Brüder im Glauben zu stärken. Johannes Paul II. ist selig durch seinen starken und großherzigen, seinen apostolischen Glauben.«

Über viele Jahre haben wir miterleben können, wie dieser außergewöhnliche Mensch Karol Wojtyla durch die Kraft, die Gott all denen schenkt, der ihm glauben und sich ihm anvertrauen, nicht nur den eisernen Vorhang entschieden zu Fall gebracht hat, sondern auch die hartnäckigen Verhärtungen und Verkrampfung im Herzen vieler Menschen durch sein Lebensbeispiel und seine Worte zu überwinden verhalf.

Nur eine einzige Vorraussetzung ist dafür nötig: Sich Gott vorbehaltlos anvertrauen und ihm glauben und den fatalen, immer wiederkehrenden Irrtum endlich als dumme Lüge zu durchschauen, als ob wir selber alles besser wüssten. Papst Johannes Paul II hat durch das Beispiel seines Lebens gezeigt, je älter er wurde, dass Kraft und Weisheit Gottes um ein Vielfaches größer als von uns Menschen sind.

In seiner Predigt hat Papst Benedikt die seligmachende Größe des Glaubens durch noch weitere Dimensionen aufgezeigt. Er sagte unter anderem: »Unsere Gedanken gehen (noch) zu einer anderen Seligpreisung, die im Evangelium allen anderen vorausgeht. Es ist jene der Jungfrau Maria, der Mutter des Erlösers. Ihr, die soeben Jesus in ihrem Schoß empfangen hat, sagt die heilige Elisabeth: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45).«

Passend zum Marienmonat Mai betonte Papst Benedikt dann: »Die Seligpreisung des Glaubens hat ihr Vorbild in Maria. Wir alle freuen uns, dass die Seligsprechung von Johannes Paul II. am ersten Tag des Marienmonats stattfindet, unter dem mütterlichen Blick Marias, die durch ihren Glauben den Glauben der Apostel gestützt hat und fortwährend den Glauben ihrer Nachfolger stützt, besonders jener, die auf den Stuhl Petri berufen sind. Maria kommt in den Erzählungen der Auferstehung Christi nicht vor, aber ihre Anwesenheit ist gleichsam überall verborgen: Sie ist die Mutter, der Jesus jeden einzelnen der Jünger und die ganze Gemeinschaft anvertraut hat.«

In der Freude über den neuen Seligen und in der Freude des Marienmonates Mai wünsche ich Ihnen, in den kommenden Tagen und Wochen ein wenig mehr die seligmachende Freude und Zuversicht dieses von Gott kommenden und geschenkten Glaubens auch in ihrem persönliche Leben erfahren zu können. Öffnen auch Sie weit die Türen für Christus den Erlöser; ganz im Sinne des neuen Seligen, und wie er es so oft in seinen weltbekannten Predigten wiederholt hat: »Spalancate le porte a Cristo! Non abbiate paura di accogliere Cristo. e di accettare la Sua potestà!« (Öffnet Christus die Türen! Habt keine Angst davor, Christus aufzunehmen und seine Herrschaft zu akzeptieren!)

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18/2011 - 2. Osterwoche (A)

Abendmahl von Matthias Grünewald – Coburger Tafel

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am weißen Sonntag, wo manche von uns zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II in Rom sein werden, gehen anderen Orts wieder zahlreiche Kinder zur Erstkommunion. So möchte ich Ihnen die Fragen von Erstkommunionkindern an Papst Benedikt – es war während der Bischofssynode über die Eucharistie (2005) – und seine Antworten darauf auszugsweise mit in die Woche geben.

"Jesus ist gegenwärtig in der Eucharistie. Aber wie? Ich sehe ihn nicht!", fragte etwa der kleine Andrea. Und der Papst antwortete ihm und weiteren Jungen und Mädchen:

Papst Benedikt XVI.: „Ja, wir sehen ihn nicht, aber es gibt so viele Dinge, die wir nicht sehen, die doch existieren und wesentlich sind. Zum Beispiel sehen wir unseren Verstand nicht, obwohl wir Verstand haben. Wir sehen unsere Intelligenz nicht, und haben sie doch. Wir sehen, mit einem Wort, unsere Seele nicht und doch existiert sie; wir sehen ihre Wirkungen, denn wir können reden, denken, entscheiden usw. So sehen wir auch nicht, zum Beispiel, die Elektrizität, und doch merken wir, dass sie existiert. Wir sehen dieses Mikrofon, wie es funktioniert. Wir sehen das Licht. In einem Wort: Gerade die tiefsten Dinge, die das Leben und die Welt tatsächlich ausmachen, sehen wir nicht, aber wir können ihre Wirkungen sehen und fühlen. Die Elektrizität, den Strom sehen wir nicht, aber das Licht sehen wir. Und so sehen wir auch nicht den auferstandenen Herrn mit unseren Augen, aber wir sehen, dass dort, wo Jesus ist, die Menschen sich ändern und besser werden. Es entsteht eine größere Fähigkeit zum Frieden, zur Versöhnung usw. Also, wir sehen den Herrn selbst nicht, aber wir sehen die Wirkungen: So können wir begreifen, dass Jesus gegenwärtig ist. Wie ich gesagt habe: Gerade die unsichtbaren Dinge sind die tiefsten und wichtigsten. Gehen wir also diesem unsichtbaren, aber starken Herrn entgegen, der uns hilft, gut zu leben!“

Ein anders Kind fragte ihn: „Lieber Papst, welche Erinnerung hast du an deine Erstkommunion?“

Papst Benedikt XVI.: „Zunächst möchte ich danken für dieses Fest des Glaubens, das ihr mir schenkt, für eure Anwesenheit und Freude. Ich danke für die Umarmung, die ich von einigen von euch bekommen habe, eine Umarmung, die natürlich symbolisch euch allen gilt. Was die Frage angeht, so erinnere ich mich gut an den Tag meiner Erstkommunion. Es war ein schöner Märzsonntag des Jahres 1936, also vor 69 Jahren. Es war ein sonniger Tag, die Kirche sehr schön, die Musik, alles schöne Dinge, an die ich mich erinnere. Wir waren etwa 30 Jungen und Mädchen unseres kleinen Dorfes, das nicht mehr als 500 Einwohner hatte. Aber im Mittelpunkt meiner frohen und schönen Erinnerungen steht dieser Gedanke, dass ich verstanden habe, dass Jesus in mein Herz eingetreten ist und gerade mich besucht hat. Und mit Jesus ist Gott selbst bei mir. Das ist ein Geschenk, das tatsächlich mehr wert ist als der ganze Rest, der uns vom Leben gegeben werden kann. Und ich habe begriffen, dass jetzt eine neue Etappe meines Lebens begonnen hat. Ich war neun Jahre alt; jetzt war es wichtig, dieser Begegnung treu zu bleiben, dieser Kommunion. Ich habe dem Herrn versprochen, so gut ich konnte: "Ich möchte immer bei dir sein" und habe gebetet: "Aber sei du vor allem bei mir!" Und so bin ich in meinem Leben weitergegangen. Gott sei Dank, der Herr hat mich immer bei der Hand genommen, mich auch in schwierigen Situationen geführt. Und so war diese Freude der Erstkommunion der Anfang eines gemeinsamen Weges. Ich hoffe, auch für euch alle, dass die Erstkommunion, die ihr in diesem Jahr der Eucharistie empfangen habt, der Anfang einer Freundschaft mit Jesus für das ganze Leben ist. Der Anfang eines gemeinsamen Weges, weil wir dann gut gehen und das Leben gut wird, wenn wir mit Jesus gehen.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17/2011 - 1. Osterwoche (A)

Fra Angelico – Auferstehung Jesu – Fresko

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In seinem neuen Buch, dem zweiten Band »Jesus von Nazareth«, äußert sich Papst Benedikt ausführlich zu der Frage »worum es bei der Auferstehung Jesu geht«. … Auch wenn der Heilige Vater betont, nicht ausschließlich als Papst, sondern auch als der Professor und Gelehrte Joseph Ratzinger zu schreiben, kommt diesem Buch dennoch eine besondere Bedeutung zu.

Das Buch als Ganzes beschäftigt sich mit den österlichen Fragen »vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung«. Deshalb ist dieses neue Papstbuch eine für die Osterzeit sehr zu empfehlende Lektüre. Dem Kapitel »Worum es bei der Auferstehung Jesu geht« stellt Papst Benedikt eine aufschlussreiche Einleitung voran. Er schreibt dort:

»“Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt“ (1 Kor 15,14f). Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.

Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen – eine Art von religiöser Weltanschauung –, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz.

Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.«

Ganz in diesem Sinne wünsche ich im ungebrochenen Glauben an die wirkliche Auferstehung Jesu von den Toten und all dem, was für das Alltagsleben daraus folgt, gesegnete und besinnliche Ostertage.

Haben Sie bitte vor Augen, dass am kommenden Sonntag, dem 01. Mai, die Hl. Messe von 10 Uhr ausfallen wird. Am kommenden Sonntagvormittag wird nur das Hochamt um 11.00 Uhr gefeiert!

Christus ist wahrhaft auferstanden, halleluja!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16/2011 - Karwoche (A)

Glasmalerei – Einzug Jesu in Jerusalem – um 1900, Gotland, Schweden

Lieber Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Beachten Sie bitte, dass am Sonntag, dem 1. Mai, dem Tag der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., die Familienmesse um 10:00 Uhr ausnahmsweise ausfallen wird. An diesem Sonntagvormittag (1. Mai) gibt es nur eine heilige Messe: Um 11:00 Uhr das Hochamt.

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Für eine gute Mitfeier dieser besonderen Tage möchte ich Ihnen folgende zwei Leitgedanken mitgeben.

Pilatus, ein Nicht-Gläubiger, stellt unserem Herrn nach seiner Verhaftung die Frage »Bist du der König der Juden?«.

Vom Glauben her wissen wir: Christus ist nicht nur der König der Juden. Er ist auch der König der Heiden und der König der Männer und Frauen aller Zeiten, der Herr des Lebens und der Geschichte. Er ist der Sohn Gottes. Christus ist der eine, dreifaltige Gott, der in der zweiten Person des Sohnes Mensch und zugleich König aller geworden ist.

Es ist gut und wichtig, diesen Glauben zu vertiefen. Das geschieht vor allem im Gebet. Ohne das Gebet gerät man leicht auf die Seite derer, die am Palmsonntag Christus bejubelten, als er in Jerusalem einzog, aber ihn schon einige Tage später ablehnten.

Wer betet, dem wird unser Herr und Gott die Gnade geben, an ihn zu glauben! Im Gebet und aus ihm heraus erfährt der Gläubige in jedem Fall, dass Jesu Christus König aller Menschen ist.

Bei dem Schauprozess, den die damaligen Machthaber Jesus Christus bereiteten, schrie die Menge, angestachelt durch die Drahtzieher unter eben diesen Machthabern: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.«

Es sind Worte, welche die Leidenschaft der Menge zeigen, durch die sie wie blind geworden sind. So lässt die Volksmenge nicht nur zu, sondern sie stimmen mit ein in das ungerechteste Urteil, das je gefällt wurde: Er, der ganz ohne Sünde war, wurde wie ein Verbrecher zum Tode verurteilt.

Auch wir sind nicht frei von Leidenschaften, die uns blind machen, und wohl jeden von uns schon viel zu oft blind gemacht haben.

Die Worte der Mehrheit: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder« deuten aber zugleich geheimnisvoll etwas an, was den erregten Menschen damals gar nicht bewusst war. – Was sie riefen, ging in Erfüllung; aber ganz anders, als sie es meinten: Ihrer Ablehnung zum Trotz hat der Herr sein Blut auch für sie und ihre Kinder, für alle Menschen vergossen.

Wir sollten die Tage der Karwoche ganz nah bei Christus in der Eucharistie durchleben. In der Eucharistie ist der ganze Herr gegenwärtig, auch und besonders mit seinem Leib, den er für uns hingegeben, und mit seinem Blut, das er für uns vergossen hat.

»Das Fundament und die Quelle der Kirche«, so Papst Benedikt (vgl. Ecclesia de Eucharistia, No. 5), »ist das Triduum Paschale.« Das sind die drei Tage von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht. »Dieses Triduum Paschale ist in der eucharistischen Gabe gewissermaßen gesammelt … und für immer „konzentriert“.«

In diesen Gaben, so Papst Benedikt, stifte Jesus Christus eine geheimnisvolle »Gleichzeitigkeit« zwischen jenem Triduum vor 2000 Jahren und dem Triduum Paschale aller Jahrhunderte; auch dem Triduum Paschale, das wir in wenigen Tagen beginnend mit dem Gründonnerstag feiern werden.

So lade ich Sie herzlich ein, die Feier der Heiligen Drei Tage: die Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, die Karfreitagsliturgie am Karfreitag und die Osternacht gemeinsam mit uns allen mitzufeiern. – In der Kirche liegt eine Übersicht aus, in der alle Gottesdienste einschließlich der besonderen Beizeiten aufgenommen sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15/2011 - 5. Woche in der Fastenzeit (A)

Auferweckung des Lazarus

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Inzwischen haben sich für unsere Romfahrt zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II fast 100 Teilnehmer angemeldet. Die beiden Busse sowie unsere Unterkunft sind damit weitgehend ausgebucht.

Die Seligsprechung dieses geliebten Papstes wird als eine unvergessene und einmalige Stunde in die Kirchengeschichte eingehen. Wir alle freuen uns darauf.

Da auch die Priester von St. Pantaleon unterwegs sein werden: Bitte merken Sie sich schon jetzt vor: Am Tag der Seligsprechung, am Sonntag, dem 1. Mai, wird hier in St. Pantaleon ausnahmsweise die Familienmesse am Vormittag um 10:00 Uhr ausfallen. Es wird nur um 11:00 Uhr das Hochamt gefeiert.

Gerne gebe ich Ihnen für den Rest der Fastenzeit die folgenden Worte von Papst Benedikt XVI. Weiter: „Durch die traditionellen Übungen des Fastens, des Almosengebens und des Gebetes, Ausdrucksweisen der Verpflichtung zur Umkehr, erzieht die Fastenzeit dazu, die Liebe Christi immer radikaler zu leben. Das Fasten, das unterschiedlich begründet sein kann, hat für den Christen einen tief religiösen Sinn: Indem wir unseren Tisch ärmer machen, lernen wir unseren Egoismus zu überwinden, um in der Logik des Schenkens und der Liebe zu leben; indem wir den Verzicht auf etwas auf uns nehmen - nicht bloß auf etwas Überflüssiges - lernen wir, unseren Blick vom eigenen „Ich“ abzuwenden, um jemanden an unserer Seite zu entdecken und Gott im Angesicht vieler unserer Brüder zu erkennen. Für den Christen hat das Fasten nichts mit einer Ichbezogenheit zu tun, sondern es öffnet mehr und mehr auf Gott hin und auf die Bedürfnisse der Menschen und sorgt dafür, dass die Liebe zu Gott auch die Liebe zum Nächsten einschließt (vgl. Mk 12,31).

Auf unserem Weg sehen wir uns auch der Versuchung des Haben-Wollens gegenüber, der Habsucht nach Geld, die die Vorrangstellung Gottes in unserem Leben gefährdet. Die Besitzgier bringt Gewalt, Missbrauch und Tod hervor; aus diesem Grunde erinnert die Kirche besonders in der Fastenzeit an die Übung des Almosengebens, das heißt an das Teilen. Die Vergötterung der Güter hingegen entfernt nicht nur vom anderen, sondern sie entblößt den Menschen, macht ihn unglücklich, betrügt ihn, weckt falsche Hoffnungen, ohne das zu verwirklichen, was sie verspricht, weil sie die materiellen Dinge an die Stelle Gottes setzt, der allein Quelle des Lebens ist. Wie kann man die Vatergüte Gottes verstehen, wenn das Herz voll von sich selbst und den eigenen Plänen ist, mit denen man sich einbildet, sich die Zukunft sichern zu können? Es ist die Versuchung, so zu denken wie der Reiche im Gleichnis: „Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht...“. Wir kennen das Urteil des Herrn: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern...“ (Lk 12,19-20). Die Übung des Almosengebens ist ein Aufruf, Gott den Vorrang zu geben und dem anderen gegenüber aufmerksam zu sein, um unseren guten Vater neu zu entdecken und sein Erbarmen zu empfangen.«

An diesem Sonntag hören wir das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. Möge unser Bemühen in der Fastenzeit dazu führen, dass auch wir im Herzen lebendig bleiben und, indem wir den Herrn wirken lassen, nur noch mehr zum Leben geführt werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 14/2011 - 4. Woche in der Fastenzeit (A)

Liebe Mitchristen und Freudn evon St. Pantaleon!

Gewöhnlich gebe ich ausdrucksvoll-klassischen und meist auch frommen Bildern für diese wöchentlichen Pfarrernachrichten den Vorzug. So darf ich mir in der Fastenzeit ruhigen Gewissens auch einmal eine Ausnahme erlauben und einer satirischen Karikatur, einer provokanten Zeichnung an dieser Stelle einmal den Vorrang geben. Sie passt zum Evangelium dieses vierten Fastensonntags.

Der Herr hatte sich gerade vor den Pharisäern, die ihm wieder nachstellten, in Sicherheit gebracht, als er einem von Geburt an Blinden begegnet. Ohne ihn zu fragen, wie der Heilige Johannes in seinem Evangelium deutlich werden lässt, »spuckte Jesus auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach.«

In der antiken Medizin wurde Speichel häufig bei Augenleiden verwendet. Das Lecken von Wunden ist auch heute noch etwas ganz Gewöhnliches, nicht nur im Tierreich. Darüber hinaus erinnert der Lehmteig an die Schöpfungsgeschichte, bei der Gott den Menschen aus Erde formte. Bei der Heilung des Blindgeborenen formt Jesus einen Menschen neu, weil er Mitleid mit ihm hat.

Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde von Archäologen auch der Teich Shiloach (oder Shiloah) ausgegraben. Er liegt in der Nähe des Tempels von Jerusalem und diente der Wasserversorgung. Gespeist wurde er von der berühmten Gihonquelle, an der unter anderem auch Salomo zum König über ganz Israel gesalbt wurde.

Es fällt auf, dass die Initiative bei der Heilung zuerst einmal ganz beim Herrn liegt. Der Blinde folgt anfangs »blindlings« nur seinen Anweisungen. So wurde ihm das Augenlicht geschenkt; später kommt er auch durch sein Mittun zum Glauben an Jesus Christus.

Die Pharisäer hingegen sehen nur auf das Sabbatverbot. Für sie ist die Bereitung des heilenden Lehmteiges genauso Arbeit wie der segensreiche Gang zum Teich Shiloach. Die Not des Blinden sehen Sie genauso wenig wie Gottes Barmherzigkeit. Deshalb gelangen bekanntlich auch nach Jesu Worte (Matthäusevangelium, 21,31) »Zöllner und Dirnen eher in das Himmelreich« als sie, die Pharisäer.

Die Ereignisse spitzen sich zu, als die Pharisäer die auch für sie evidente Heilung durch einen Betrug abzutun versuchen. Um sich dem Glauben und damit all dem zu verschließen, was Gott spürbar für die Menschen Gutes tut, haben den Ungläubigen noch nie Worte und Argumente gefehlt. Die Karikatur spitzt es darauf zu, dass sogar die Botschaft des Herrn für Eigenes missbraucht werden kann.

Die Fastenzeit kann und soll dabei helfen, das Vertrauen auf Gottes Wort und seine spürbare Hilfe im alltäglichen Leben uneingeschränkt zu erneuern. Wie macht man das? Wie kann das gelingen?

Auch hier gilt das bekannte Wort: »learning by doing«. Die Kraft des Glaubens kann Gott uns Menschen nur dann schenken, wenn wir ihm uneingeschränkt vertrauen, mit all unserer Kraft. Jeder, der das tut, kann dann früher oder später bezeugen – und ich kenne keine Ausnahme davon –, dass die Kraft Gottes durch den Glauben im Alltag dann in der Tat wirkmächtig erfahren wird.

So wünsche ich für diese Fastenzeit Ihnen und uns allen, all die vielen Argumente und Einwände aufdecken zu können, die einem Vertrauen ohne Vorbehalte Gott gegenüber und damit einer Entfaltung der uneingeschränkten Kraft des Glaubens im Wege stehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 13/2011 - 3. Woche in der Fastenzeit (A)

Jan Joest von Kalkar (1455-1519) – Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Dieser Sonntag beschenkt uns mit einem der schönsten Dialoge aus der Heiligen Schrift.

Eine Frau aus Samarien kommt in der vollen Mittagshitze, zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit also, an den Jakobsbrunnen zum Wasserschöpfen. In der unerträglichen Mittagssonne geht nur zum Brunnen, wer all die anderen und die vielen zur frischen Morgen- oder zur lauen Abendzeit meiden möchte. Nur selten tut man dies freiwillig. Meist aus Notwendigkeit, weil man von all den anderen gemieden wird.

Eine solche ist diese Frau. Vielleicht möchte Jan Joest von Kalkar in seinem einfühlsamen Gemälde mit der Schadstelle im Krug andeuten, dass auch im Leben der Frau nicht alles in Ordnung ist. Auch der Herr, obwohl ein Fremder, weiß es genau. Aber er fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Noch weniger macht er ihr deshalb Vorhaltungen oder verurteilt er sie.

In gewissem Sinne kehrt der Herr die Verhältnisse sogar um. Er scheint der Unterlegene, der Bedürftige, der als Dürstender auf die Hilfe der Frau Angewiesene zu sein. Als die Frau zum Brunnen kommt, um Wasser zu schöpfen, sagt Jesus zu ihr: »Gib mir zu trinken!«

So macht er es der Frau leicht, sich ihm als Hilfesuchender zu öffnen. Er baut ihr eine Brücke, so dass sie sich auf das Gespräch mit ihm einlassen kann. Sie drückt ganz unbefangen ihr Erstaunen aus: »Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?« Der Evangelist Johannes fügt erklärend hierzu: »Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.«

Einmal ins Gespräch gekommen, kann der Herr Stück für Stück die Perspektive verändern und schließlich sogar umdrehen. Der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus ihr daraufhin antwortete: »Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.«

Im weiteren Verlauf des Gespräches erkennt die Frau, dass der Herr wirklich ein Prophet ist. Er ist als Fremder uneingeschränkt im Bilde darüber, dass sie bereits fünf Männer hatte und der jetzige auch nicht ihr Mann ist. Er weiß um ihre Not, aus der sie mit eigener Kraft nicht mehr heraus kommt. Er weiß auch um ihre Schuld, die mit dafür verantwortlich ist.

Er nennt ihre Schuld klar beim Namen. Aber er wirft sie ihr nicht im Geringsten in verletzender Weise vor. So kann sie ihm weiter zuhören, und sich von ihm an ihren Glauben erinnern lassen, den sie verborgen in der Tiefe ihres Herzens trägt. Durch das Gespräch verhilft ihr der Herr, diesen ihren Glauben erneut zu bekennen: »Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.«

Erst jetzt ist für den Herrn der Augenblick gekommen, solange hat er einfühlsam gewartet und das Gespräch schrittweise in die Tiefe geführt, dass er sich ihr offenbaren und sie nun auch glauben kann. »Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.«

»Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen«, berichtet Johannes, «eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?

Die Frau, berührt von der vornehm zurückhaltenden Klugheit des Herrn, geht nun in derselben Weise vor. Sie hilft denen, die sie bislang wie eine Ausgestoßene gemieden haben, zum Herrn und zum Glauben zu finden. Es gelingt ihr – nicht allein aus eigener Kraft, sondern mit Gottes Gnade.

Ich wünsche auch Ihnen, dem Herrn so begegnen zu können, wie die Samariterin am Brunnen, und einmal vom Herrn berührt dann klug das weiterzugeben, was er in diese seiner Art längst auch Ihnen geschenkt haben wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 12/2011 - 2. Woche in der Fastenzeit (A)

Verklärung Christi – Fra Angelico (1395-1455) – Freskenzyklus im Dominikanerkloster San Marco in Florenz

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Fra Angelico malt den verklärten Christus in Kreuzesform. Das Kreuz im Heiligenschein verstärkt seine Absicht. Zugleich sind Wundmale nicht zu erkennen. Ein Unkundiger, der vom bevorstehenden Kreuzestod Jesu Christi nichts weiß, könnte durchaus meinen, dass der vom Licht umstrahlte Christus die ganze Welt umarmen möchte.

Das eine schließt das andere nicht aus. Der Herr hat denen, die ihm nachfolgen wollen, keine sichere und unangefochtene Existenz versprochen. Schon kurz nach der ersten Leidensankündigung spricht er von der Möglichkeit, dass auch seine Jünger ihr kurzes irdisches Leben „verlieren“ werden, um es dann jedoch für ewig „wiederzugewinnen“ (vgl. Mt 16,24f). Nur in dieser durch Jesus geoffenbarten und vorgelebten „Logik des Verlierens und Wiedergewinnens“ kann man sich Gott und den anderen eingeschränkt und vollendet schenken.

Diese Logik ist bestechend. Sie ist auch klar und bis ins Letzte nachvollziehbar. Dennoch sträubt sich etwas in uns immer wieder gegen diese Logik. Es ist der alte Mensch, der das nicht begreifen will und sich dagegen auflehnt.

Auch die Apostel haben mit dieser Logik ihre Schwierigkeiten gehabt. Deshalb »nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.« (Mt 17,1-3)

Vor ihren Augen wurde Jesus verklärt. Die Verklärung des Herrn stellt ihnen seine göttliche Herrlichkeit vor Augen, die seine Auferstehung vorwegnahm. Zugleich kündigt die Verklärung die von Christus ermöglichte Vergöttlichung nun auch des Menschen an, sofern er, der Mensch, sich im Glauben einlässt auf diese Logik des „Verlierens und Gewinnens“ und des damit möglich gewordenen uneingeschränkten sich „Verschenkens.“

Ganz in diesem Sinne schreibt Paulus an Timotheus (2 Tim 1, 8b-10), und wir werden auch diese Schriftstelle am zweiten Fastensonntag hören: »Mein Sohn! Leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft« um Timotheus dann zu erklären: »Er [Christus] hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.«

So sind die Bibelstellen des zweiten Fastensonntags eine Einladung, in dieser Fastenzeit »vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: er möchte uns täglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es gut und böse unterscheidet (vgl. Hebräerbrief 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.« (Papst Benedikt XVI)

Wer sich diesen Ratschlag des Heiligen Vaters zu Herzen nimmt, was sehr zu empfehlen ist, wird die Erfahrung machen, dass er den alten Mensch, der sich auf diese Logik des „Verlierens“ und „Gewinnens“ und des daraus folgenden „Sich-Schenken-Könnens“ nicht einlassen möchte, überwinden kann. Die in Form des Kreuzes ausgebreiteten Hände vermögen Gott und seine Schöpfung zu umarmen und beide aus ganzem Herzen zu bejahen und sich ihrer anzunehmen; nicht nur trotz, sondern auch wegen aller Katastrophen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11/2011 - 1. Woche in der Fastenzeit (A)

Millstätter Fastentuch – 1591 – Die Versuchung Jesu

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit dem Aschermittwoch hat die 40tägige Fastenzeit begonnen. Am Aschermittwoch hörten wir im Tagesevangelium: »Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.«

Wenn jemand fasten möchte, empfiehlt ihm der Herr, das Haar zu salben und das Gesicht zu waschen. Die anderen sollen nicht merken, dass man fastet, sondern nur der »Vater im Himmel, der auch das Verborgene sieht«.

Beim christlichen Fasten geht es nicht darum, anderen oder sich selber zu beweisen, dass man sich im Griff hat. Es geht auch nicht darum, durch unsere Höchstleistung Gott unserer Sünden wegen wieder gnädig zu stimmen. Es geht vielmehr darum, vor Gott, vor sich selber und vor den anderen wieder ehrlich zu sein.

Ohne es recht zu merken, verfällt der Mensch sehr leicht in zumindest kleinere, manchmal auch größere Lügen sich selber gegenüber. Dann ist man auch Gott gegenüber nicht mehr aufrichtig; dann auch gegenüber dem Nächten nicht mehr. Wir machen uns mit all dem, was wir für unsere Gesundheit, für unser Wohlbefinden oder wofür auch sonst noch brauchen, schnell und relativ leicht immer wieder etwas vor. Auf manches von dem, was uns gewohnheitsmäßig fast ganz unentbehrlich geworden ist, könnten wir ohne weiteres verzichten.

Und es tut gut, bewusst und aus freien Stücken, zumindest auf die ein oder andere Kleinigkeit einmal 40 Tage lang zu verzichten. Man kann zum Beispiel den Fernsehkonsum einmal deutlich drosseln. Oder die Snacks zwischendurch. Oder auch auf das Bierchen am Abend verzichten. Für andere wäre es heilsam, die Zeit im Internet einmal ganz bewusst zu reduzieren. Für wieder andere wäre es sinnvoll, die Zeit des „Verquatschens“ zu beschneiden. Das ist dann vielleicht zugleich ein Akt der Nächstenliebe. Andere hingegen sollten einmal bewusst bestimmte Tätigkeiten eingrenzen, um etwas mehr Zeit für die Familie und das Gespräch miteinander zu haben.

Das bewusste Verzichten hilft, wieder mehr das zu sehen, was wesentlich und wichtig ist. Fasten macht frei. Fasten legt Abhängigkeiten offen, die uns im Griff haben und fremd bestimmen; manchmal so sehr, dass wir für Gott, für unseren Nächsten und auch für uns selber gar nicht mehr richtig frei und zugänglich sind.

Aus christlicher Sicht ist das Fasten eine Teilhabe am erlösenden Kreuz Jesu Christi. Christus hat uns nicht durch Wohlergehen und eine gute Gesundheit erlöst, sondern durch das Kreuz. Das Kreuz in rechter, in der Weise Jesu Christi verstanden, schenkt eine größere und umfassendere Gesundheit. Nicht nur die des Leibes, die sehr relativ ist, sondern die von Leib und Seele.

Der erste Sonntag der Fastenzeit macht unsere Situation hier auf Erden deutlich. Darauf hat Papst Benedikt in seiner diesjährigen Fastenbotschaft hingewiesen: »Der siegreiche Kampf gegen die Versuchungen, mit dem die Sendung Jesu beginnt, ist eine Einladung, sich der eigenen Schwachheit bewusst zu werden, um die Gnade zu empfangen, die von Sünden frei macht und neue Kraft in Christus ausgießt, der Weg, Wahrheit und Leben ist.«

Dieser siegreiche Kampf Jesu gegen die drei Versuchungen in der Wüst, so Papst Benedikt, »ist ein deutlicher Aufruf, sich daran zu erinnern, dass der christliche Glaube, nach dem Beispiel Jesu und in Gemeinschaft mit Ihm, einen Kampf „gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12) einschließt, in welcher der Teufel am Werk ist, der auch heute nicht müde wird, den Menschen, der sich dem Herrn nähern will, zu versuchen: Christus geht daraus als Sieger hervor, um auch unser Herz für die Hoffnung zu öffnen und uns darin zu leiten, die Verführungen des Bösen zu besiegen.«

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit. Wenn es Sie tröstet: Auch ich werde es wohl in diesem Jahr erneut nicht schaffen, meinen Fastenvorsätzen immer ganz treu zu bleiben. Aber das ist auch gar nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass wir es mit Gottes Hilfe jeden Tag erneut versuchen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10/2011 - 9. Woche im Jahreskreis (A)

Köln-Rosenmontag-Neumarkt-1836

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Karnevalssonntag hören wir im Sonntagsevangelium den Schluss der Bergpredigt. Es wird nochmals klar, worauf es ankommt und der Herrn bringt es wie folgt auf den Punkt: »Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.«

Das gilt auch für die, die am Tag des Gerichtes zu ihm sagen werden: »Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?«

Um es einmal pointiert auf den Punkt zu bringen: Nicht einmal die Mitarbeit als kirchlicher Angestellter oder in kirchlichen Strukturen, etwa in den so genannten Gremien, reicht aus, um in den Himmel zu kommen. Manchmal ist vielleicht dieser Personenkreis sogar besonders gefährdet, dass der Herr – wie in diesem Evangelium – ihnen einmal wird antworten müssen: »Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!«; denn sie sollten ja eigentlich wie der »kluge Mann, der sein Haus auf Fels baute« wissen, worum es geht.

Der Herr beschreibt den klugen Mann als jemanden, der »diese meine Worte hört und danach handelt«.

Die Worte des Herrn hören und danach handeln: Das also ist entscheidend! Entscheidend ist also nicht, dass sich die Kirche durch karnevalistische Veranstaltungen wieder füllen, sondern dass die Kirche den Menschen getreu ihrer Sendung all das vermittelt was notwendig ist, um Karneval wieder so zu feiern, wie er ursprünglich gedacht war.

Dafür ist es notwendig, den Menschen nicht nach dem Mund zu reden. Der Herr verdeutlicht dies durch das Bild vom Haus, das auf Sand gebaut wurde.

Es ist leicht, ein Haus auf Sand zu bauen, der oft ganz in der Nähe von Flüssen reichlich zu finden ist. Dort ist der Weg zum Wasser kurz; der Untergrund ist meist eben und leicht zu bebauen. Wenn aber ein Wolkenbruch kommt, »und die Wassermassen heranfluten, die Stürme toben und an dem Haus rütteln« dann »stürzt es ein und wird völlig zerstört.«

Der Herr rät davon ab, als Leichtgewicht zu leben. Konzepte und Vorschläge, die nur kurzfristigen Erfolg bringen, lehnte er entschieden ab, wenn sie mit seinen Worten, mit dem was er möchte, nicht übereinstimmen.

Die Worte im Vaterunser, »Dein Wille geschehe«, sind also mit Bedacht zu sprechen. Nur dem wirklichen Beter wird von Gott geschenkt, seinen Willen zu erforschen.

Der wirkliche Beter scheut nicht die Mühe, das Haus auf Felsen zu bauen. Gott schenkt ihm die Kraft dafür. Wenn dann ein Wolkenbruch kommt, die Wassermassen heranfluten, die Stürme toben und an dem Haus rütteln, stützt es nicht ein; denn es ist auf Fels gebaut.

So wünsche ich uns allen, auch die ausgelassenen Tage um Karneval auf dem Fundament zu gründen, das einer Verflachung und Banalisierung, einer Sexualisierung und Kommerzialisierung und damit einem Ausverkauf dieser von ihrem Ursprung her so herrlichen Tage widersteht.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09/2011 - 8. Woche im Jahreskreis (A)

»Doch ich sage euch: Selbst Salono war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von Ihnen.« (Mt 6, 29) – König Salomo, Glasfenster, Kathedrale Notre-Dame in Chartres, um 1230

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Jesus spricht im Evangelium des achten Sonntags im Jahreskreis grundsätzliche Fragen an, an denen sich alles entscheidet: Wem dienen wir? … Wem unterwerfen wir uns? … Wen beten wir an? … Wer hat das Sagen in unserem persönlichen Leben?

Das Lebensgefühl heute ist zunehmend geprägt – und es ist eine richtige Plage – von Gier, Habsucht und Egoismus. Haltungen, die sogar als natürlich und folglich erstrebenswert betrachtet werde. Der Inbegriff des Glücks besteht für viele darin, sich alles kaufen und leisten zu können.

Umwelt, Medien und Werbung bestärken in der Überzeugung, man könne die Herausforderungen des Lebens durch Technik, eigene Fähigkeiten und eigenes Wissen, am Ende durch die Macht des Geldes, und was man damit machen kann, bewältigen. In der Folge wird der Wert eines Menschen nach seiner erbrachten Leistung beurteilt.

Wer viel kann, wer viel hat, wer das Leben scheinbar meistert, der hat es gut, der ist wichtig, der erscheint glücklich, dessen Leben scheint gelungen. – Menschen beziehen daraus ihre Identität und übersehen ein Problem: Bleiben diese Erfahrungen, bleibt der Erfolg aus, schwindet das Leben dahin. Es fehlt, was ihm bis dahin Fundament schien.

Auch heute sind Geld, irdische Macht, weltliches Ansehen erneut listige Gegenspieler Gottes geworden: »Niemand kann zwei Herren dienen«, sagt der Herr, »er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben oder er wird zu dem einen halten und den Anderen verachten. ... Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und der Mammon.«

Wer Genau hinschaut, wird leicht erkennen: Das Geld ist nicht nur bei den Reichen zum Gegenspieler Gottes geworden. Auch der Normalbürger hat schnell das Gefühl, ohne eigene Besitz im Leben zu kurz gekommen zu sein. Es ist dieser Kontext, in dem Jesus Grundsätze aus spricht, an denen sich alles entscheidet: »Man kann nicht zwei Herren dienen.«

Indirekt fragt hier der Herr einen jeden von uns: Wem dienst du? … Wem unterwirfst du dich? … Wen oder was betest du an? … Wer oder was bestimmt dein Leben?

Geld nimmt nicht nur sehr schnell den Schmutz der Welt an, Geld macht auch abhängig und unfrei. Geld beherrscht den, der es zu besitzen meint; denn es meist umgekehrt ist: Sehr schnell knechtet und versklavt das Geld seinen Besitzer und vereinnahmt ihn.

Deshalb sind die obigen Fragen wie folgt zu präzisieren: Wem dienst du: Gott oder dem Geld? … Wem unterwirfst du dich: Gott oder dem irdischen Ansehen? … Wen betest du an: Gott oder dein leibliches Wohlergehen? Wer hat das Sagen in deinem Leben: Gott oder du selber mit deinen Möglichkeiten?

Das heutige Evangelium hat etwas Faszinierendes an sich. Hier wird einer paradiesischen Sorglosigkeit das Wort geredet: »Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.«

In manchem gibt es ein »entweder – oder«; in anderem ein »sowohl als auch«. Man muss sehr genau hinschauen und das eine vom anderen unterscheiden.

Das Sonntagsevangelium hilft dabei, die einen jeden prägende Grundhaltung und Lebenseinstellung zu unterscheiden. Für die christliche Lebenshaltung gilt »Gott und die Welt«; sowohl Gott wie die Welt spielen eine wichtige Rolle. Für die unchristliche Lebenshaltung gilt: »Gott oder die Welt«, wobei dann Gott keine Rolle spielt.

Auch wir müssen unterscheiden und uns dabei zugleich entscheiden. Und wir müssen es immer wieder. Bejahen wir die Welt, so wie Gott sie will? Oder wollen wir eine andere, eine eigene Welt, nach unseren Vorstellungen? – Letzteres wird uns nicht gelingen; weil wir uns damit zugleich gegen Gott entscheiden würden. Gott und die Welt sind sehr wohl vereinbar: Immer dann nämlich, wenn auch wir die Welt so wollen, wie Gott sie will und wie er sie gewollt hat.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08/2011 - 7. Woche im Jahreskreis (A)

Angriff und Gegenangriff – Russlandfeldzug 1942 – Heiligkeit ist anderer Art

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Buch Levitikus (19,2) überliefert, wie der Herr zu Mose sprach: »Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.«

Das letzte große vatikanische Konzil vor nunmehr 50 Jahren hat es der Menschheit wieder vor Augen geführt, dass die einzig wirklich große Bewährung im Leben die Heiligkeit ist, der gegenüber aller anderen Herausforderungen untergeordnet sind. Dieses Konzil hat ebenfalls daran erinnert, was über Jahrhunderte bis heute vielen gar nicht so recht bewusst war und ist, das Heiligkeit als einzig wirklich große Bewährung im Leben nicht »ausschließlich Sache der Priester und Ordensleute« sondern aller Menschen ist, wie es schon in den dreißiger Jahren der Heilige Josefmaria Escrivá beständig wiederholt hat: »Der Herr nahm keinen aus, als Er sagte (Mt 5,48): ,Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.’« (Der Weg, Punkt 291).

Dieser Aufforderung zieht sich wie ein roter Faden durch die Schriftlesungen des siebten Sonntags im Jahreskreis und wird in ihnen praktisch. Heiligkeit ist eine Haltung nicht von verstaubten und kitschigen Gipsfiguren in ekstatischer Pose, sondern von Menschen wie du und ich, die sich die Heilige Schrift zu Herzen nehmen.

So heißt es dann, folgend auf die zitierte Stelle im Buch Levitikus (19,17-18): »Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.«

Die letzten vier Worte sind der Schlüssel zum Ganzen: Mit Gottes Hilfe ist es möglich, so, das heißt: wie ein waschechter Heiliger, zu leben.

Darum geht es auch dem heiligen Paulus im dritten Kapitel aus dem Brief an die Korinther (Verse 16-17): »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.«

In der Fortführung der Bergpredigt im fünften Kapitel bei Matthäus legt Jesus dar, dass mit Blick auf den Nächsten Heiligkeit bis zur Feindesliebe führt. Die alttestamentliche Regel: »Auge für Auge und Zahn für Zahn« hat ungerechter Willkür einen mächtigen Riegel vorgeschoben. Aber Heiligkeit geht noch weiter: »Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.«

Ein Rechtshändler, und zu einem solchen wurde man in der Antike auf jeden Fall erzogen, kann einem Gegenüber nur mit dem Handrücken auf die rechte Wange schlagen. Diese Art, jemanden zu schlagen, konnte sich damals nur ein Mächtiger und Stärkerer leisten. Es war für alle sichtbar eine Geste der Demütigung.

Hier fordert Jesus auf, im Vertrauen auf ihn standzuhalten und dem Ungerechten, scheinbar Mächtigerem auch die andere Wange hinzuhalten. Das ist für alle sichtbar eine Geste ethischer Überlegenheit und moralischer Zurechtweisung dem ungerecht Stärkeren gegenüber.

Ähnliches sagte der Herr am Beispiel von Hemd und Mantel: »Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.«

Ein Mantel war damals für die Armen so etwas wie die Lebensversicherung, der bei der empfindlichen Kälte der Nacht vor dem Erfrieren bewahrte. Deshalb war es verboten, jemanden über Nacht den Mantel zu pfänden.

Wer den Mantel dem das Hemd zu unrecht Erpressenden gibt »liebt seinen Feind«, weil er im Vertrauen auf Gott gegen den Strom geduldeter Ungerechtigkeit (alle machen es doch so mit dem Schwächeren) die Gefahr des eigene Erfrierens nicht scheut, um die Ungerechtigkeit offen zu legen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 07/2011 - 6. Woche im Jahreskreis (A)

BERGPREDIGT - St. Blasius, Weiler, Landkreis Lindau, Bayern – Andreas Brugger 1737 – 1812

 

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Etliche Theologie-Professoren haben in einer „Denkschrift“ zu tiefgreifenden Reformen in der katholischen Kirche aufgerufen. Die lange Liste ihrer Forderungen reicht über verheiratete Priester bis hin zur Wahlbeteiligung aller Gläubigen vor Ort bei der Auswahl ihres Pfarrers und Bischofs. Über die mediale Öffentlichkeit haben sie ihre Forderungen vor den deutschen Bischöfen und dem Papst medienwirksam in Szene gesetzt. Inhalte und Methode dieses Aufrufs sind schon von daher sehr fragwürdig.

Das Evangelium dieses Sonntags ist ebenfalls ein Aufruf zur Kirchenreform. Auch hier geht es um Forderungen. Allerdings geht Jesus, der Herr, ganz andere Wege, als diese Theologen. Gleich im ersten Vers legt er seine Absicht offen: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.«

In den folgenden sechs sogenannten "Antithesen" (»Ihr habt gehört … Ich aber sage euch …«) stellt Jesus eine neue, in die Tiefe gehende Auslegung der Tora der traditionellen Auffassung gegenüber, wie sie Schriftgelehrten und Pharisäern seiner Zeit lehrten. Dem Herrn geht es um eine qualitativ neue Interpretation der alttestamentlichen Gesetze; nicht um eine neue zusätzliche Last. Er bürdet den Menschen nicht weiteres auf, sondern erhellt den Sinn des Gesetzes.

»Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.« Dem Herrn geht es nicht um äußere Erfüllung von Gesetzen, also nicht um formale Gerechtigkeit. Er legt den Sinn der Gebote und Gesetze offen und erklärt, warum etwas vor Gott und Mensch recht und richtig ist.

Das im tieferen Sinne Richtige führt zu jener Freiheit, zu der wir von Anfang an berufen sind. Es geht um Beziehung, um die Beziehung der Menschen untereinander und um die Beziehung der Menschen zu Gott. Beziehungen können nur schwer in ein Regelwerk gepresst werden. Bestrafung und Verurteilung alleine machen wenig Sinn, wenn sich die Gesinnung, die inneren Beweggründe und das Herz des Menschen nicht ändern. Die „Reform“ muss dort ansetzen, wo die Entscheidungen gefällt werden.

»Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.« Die Antithesen lenken die Aufmerksamkeit auf den ganzen Menschen. Es reicht nicht, und es würde auch nicht funktionieren, einfach nur bestimmte böse Handlungen größeren Ausmaßes zu unterlassen. Die innere Ausrichtung muss stimmen. Sie schafft einen Raum der Freiheit von allem Bösen, in dem es keine Falschheit mehr gibt. Die innere Einstellung ist dann ganz auf das Wohl des Nächsten bedacht, ganz so, wie Gott es mit uns gemeint hat. Dann wird nicht mehr nur kein Mord oder Ehebruch begangen.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind dann geprägt von einem tiefen Gespür für die Würde des anderen. Der Nächste wird dann nicht mehr als Objekt, als Gegenstand egoistischer Befriedigung missbraucht. Das Gegenteil von Liebe ist bekanntlich weniger Hassen, sondern meist mehr das „Brauchen“ bzw. „Benutzen“.

Wo das Herz in der Tiefe frei ist vom Bösen, schwört nicht nur keiner einen Meineid. Vielmehr redet und handelt jeder dann so wahrhaftig, dass man sich bedingungslos aufeinander verlassen kann. – Diese Reform ist nötig. Die oben genannte erledigt sich dann.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06/2011 - 5. Woche im Jahreskreis (A)

Die Sieben Sakramente. An sechster und siebter Stelle die sogenannten Sakrament für die Gemeinschaft: Priesterweihe und Eheschließung

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wieder einmal ist über die Medien in der Öffentlichkeit eine Diskussion über den Zölibat entfacht. Namhafte katholische CDU-Politiker – unter ihnen Bundestagspräsident Norbert Lammert – haben die deutschen Bischöfe gebeten, die so genannte »Zölibatspflicht« zu hinterfragen und somit etwas gegen den Priestermangel zu unternehmen.

Unter anderen hat der katholische Focus-Journalist Alexander Kissler dagegen festgestellt, dass der Rückgang an praktizierenden Katholiken wesentlich stärker ist als der Rückgang an Priestern. Die Zahl der »Geistlichen in der Pfarrseelsorge« ist in Deutschland seit 1960 von 15.500 auf 8.500 zurückgegangen, also um 45 Prozent. In derselben Zeit ist hingegen der Anteil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher unter den Katholiken von 46 auf 13 Prozent, also um 70 Prozent zurückgegangen.

So fragt Kissler verwundert, ob der im Vergleich zum Rückgang an Priestern wesentlich stärkere Rückgang an praktizierenden Katholiken nicht viel mehr Sorge bereiten müsste: »Ist die Verdunstung des Glaubens nicht der dramatischere Befund als die wachsende Entfernung zwischen den Stätten sonntäglicher Eucharistiefeier?«

Kissler kritisiert die rein soziologische Argumentation dieser Politiker. Sie sprächen davon, dass Gläubige »ein Recht auf die sonntägliche Messfeier« hätten, dieses aber durch den so genannten Priestermangel »unverhältnismäßig erschwert« werde. Kissler fragt verwundert, warum sie von einem »Recht« und »von erschwerten Bedingungen sonntags zur Messe zu gelangen« sprechen anstelle von »Sonntagspflicht«, und ob es in Zeiten fast maximaler Mobilität »unverhältnismäßig« wäre, fünf oder zehn oder mehr Kilometer zurückzulegen?

Könne man von Unverhältnismäßigkeit sprechen, wo es hier doch darum gehe »vielleicht gemeinsam sich aufzumachen zum Höhepunkt kirchlichen Lebens, zur Feier von Wochenanfang und Auferstehung, zur persönlichen Begegnung mit dem Herrn der Geschichte und des Kosmos, dem Erlöser? Sind Christen Menschen, die nur zu „verhältnismäßigen“ Einschränkungen ihrer Bequemlichkeit bereit sind, nicht aber zur Liebestat, die auch opfernd sich verschenkt?«

Die Politiker würden im Ganzen soziologisch und quantitativ argumentieren und strikt säkular. So fragt Kissler: »Darf eine Kirche, die Kirche sein will … sich solchen Argumenten öffnen?«

Die Politiker bemühten eine Umfrage, der zufolge 87 Prozent der Deutschen das »Eheverbot für das Priesteramt« für »nicht mehr zeitgemäß« halten. Darauf Kissler: »War Jesus zeitgemäß? Hätte man vor 2000 Jahren eine Umfrage im Heiligen Land gemacht, wofür die Menschen ihn hielten und ob man seiner Botschaft folgen solle, hätten gewiss mehr als 87 Prozent ihn außer Landes gewünscht, den „Störenfried“. Und war das „zeitgemäße“ Christentum nicht zu allen Zeiten ein von Christus möglichst weit entferntes Christentum, das mit der Macht kungelte, mit dem Staat, mit Kaiser, Zar und Führer?«

Schließlich, so Kissler, »hat mir noch niemand … die Frage beantwortet, warum es in jenen evangelischen, altkatholischen oder sonstigen christlichen Gemeinschaften, die den Zölibat nicht kennen, keineswegs boomt, sondern der Glaube noch weit rascher sich verzieht. Auch um den Nachwuchs steht es dort keineswegs leuchtend bestellt.«

Kissler kommt durch seine ganz andere Perspektive auf den Punkt: »Katholische Priester folgen Christus auch insofern nach, als sie dessen Ehelosigkeit sich zur eigenen Lebensform erwählen. Sie setzen dadurch … radikal und mit Haut und mit Haar und ganz freiwillig lebenslang auf diesen Christus. Manchmal denke ich, der Zölibat wird nur deshalb von nicht-zölibatär lebenden Menschen angegriffen, weil sie es nicht ertragen, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die leibhaft beweisen, dass es auch im 21. Jahrhundert lebenslange Treue, lebenslange Eindeutigkeit geben kann. Jeder katholische Priester ist ein wandelnder Einspruch gegen die Allmacht der Diesseitigkeit.«

Gerne möchte ich die im Schaukasten ausgehängten weiteren Beiträge Ihrer Lektüre empfehlen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05/2011 - 4. Woche im Jahreskreis (A)

Bergpredigt – Fra Angelico

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am 25. Januar ist die Gebetswoche für die Einheit der Christen zu Ende gegangen. In mehreren Gottesdiensten haben wird dieser Einheit ausdrücklich gedacht und für sie gebetet.

Bei einem Vespergottesdienst zum Abschluss der Gebetswoche am Dienstagabend (25.01.2011) hat Papst Benedikt XVI. betont, dass die Bemühungen um eine Wiederherstellung der Einheit aller Christen sich nicht in einer Anerkennung der jeweiligen Unterschiede erschöpfen dürfe. Zugleich würdigte er »bedeutende Fortschritte« im Dialog zwischen den christlichen Kirchen.

In diesem Jahr stand die Gebetswoche unter dem Motto: »Geeint in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und im Gebet«.

Das Ziel der ökumenischen Bemühungen müsse letztlich eine Einheit der Christen sein, die in der Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und des Amtes zum Ausdruck komme, sagte der Papst in seiner Predigt in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Auf dem Weg zu dieser Einheit bestehe die Versuchung, zu resignieren und in Pessimismus zu verfallen. Eine solche Haltung müsse überwunden werden. »Es ist unsere Pflicht, dem Weg in diese Mitte mit Begeisterung zu folgen und durch einen ernsthaften und konsequenten Dialog das gemeinsame theologische, liturgische und geistliche Erbe zu vertiefen“, sagte der Papst vor ranghohen Vertretern verschiedener christlicher Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften.

Von meinem Vorgänger hier in St. Pantaleon, Msgr. Dr. Peter von Steinitz, habe ich ein äußerst wertvolles Erbe übernehmen dürfen: Die besonderen Tage des Gebetes um die Einheit der Christen, vor allem mit Vertretern der Orthodoxie, im Zusammenhang unseres alljährlichen Kaiserin Theophanu Gedenkens.

Auf die Ökumene angesprochen hat Papst Benedikt im Buch »Licht der Welt« gesagt: »Die Ökumene ist vielschichtig und vielgesichtig. Wir haben hier die ganze Weltorthodoxie, die in sich schon sehr vielfältig ist, dann den Weltprotestantismus, wo sich die klassischen Konfessionen vom neuen Protestantismus unterscheiden, der jetzt wächst und ein Zeichen der Zeit ist. Der Ort, wo wir sozusagen am nächsten zu Hause sind und am ehesten auch hoffen können, zueinander zu kommen, ist die Orthodoxie.«

Papst Benedikt betont dann die Wichtigkeit, »dass diese orthodoxe Welt mit ihren inneren Spannungen doch auch ihre innere Einheit mit der so anders gearteten lateinischen Weltkirche sieht. Dass wir uns bei allen Unterschieden, die die Jahrhunderte aufgebaut haben und die durch die kulturellen Trennungen und anderes bedingt sind, doch wieder wirklich in unserer inneren geistlichen Nähe sehen und verstehen.«

Die Seligpreisungen, die wir an diesem Sonntag aus dem Evangelium wieder vernehmen werden, gelten auch denen, »die hungern und dürsten« nach der Einheit; »denn sie werden Gott schauen«.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04/2011 - 3. Woche im Jahreskreis (A)

Berufung der Apostel Petrus und Andreas, San Pedro de Roda, Barcelona, um 1150

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es gibt wohl kaum einen Tag in unserem Leben, wo alles glatt läuft. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat erleben wir Höhen und Tiefen. Manchmal zurückhaltend, manchmal ausgeprägt, hin und wieder dramatisch. In der Heiligen Schrift spiegelt sich diese Wirklichkeit wider.

Dem Text der ersten Sonntagslesung (Jes 8,23b-9) geht die Beschreibung einer gefahrvollen Zeit voraus. Verursacht wurde sie durch Unglaube und Untreue Gott gegenüber. Wer nicht an Gott glaubte, kam zu Fall; denn: Dem Gottlosen ist Gott ein Stein des Anstoßes. Er wird über ihn stolpern und zerschellen (vgl. Jes 8,14-15). Worte dieser Art finden ihren Widerhall bis weit hinein in das Neue Testament (vgl. z.B. Mt, 21,44; Lk 20,17; Apg 4,11; Röm 9,33).

In diesem Gesamt verkündet die erste Sonntagslesung aus dem Prophetenbuch Jesaja alles andere als idyllische Romantik. Sie verkündete die Rettung des Menschen; seine Erlösung.

Das Land Sebulon und das Land Naftali werden genannt: »Einst hat er das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden« (Jes 8,23b). Sebulon und Naftali sind fruchtbare Landstriche. Sie liegen weit oben im Norden, oberhalb des Sees Gennesaret.

Vor allem Sebulon war durch Verschleppung und erst spätere Heimkehr der Juden im Laufe der Zeit ein Vielvölkergebiet geworden; auch vom Glauben her. Darum nennt es Jesaja das Land der (vielen) Völker, das Land der Heiden, in dem der Glaube schwach und die Menschen bildlich gesprochen im Dunkel sitzen. Hier hinein lässt Gott ein strahlendes Licht fallen: »Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf« (V. 9,1).

Dieses Licht nimmt den Menschen eine große Last von den Schultern. »Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers« (V.3).

Sebulon und Naftali, dazu noch das Gebiet Ascher, wurden schon früh zum Land Galiläa. In dieses vom Glauben her schwaches Vielvölkergebiet zieht es Jesus, als er hört, was mit Johannes geschehen ist. »Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazareth um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist« (Mt 4,12-14).

Matthäus zitiert ganz bewusst das prophetische Wort aus dem Prophetenbuch Jesaja, das sich am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu nun erfüllt! Schon wieder ein überaus deutlicher Hinweis aus den alten Schriften, die Jesu Sendung bestätigen!

Wenn Matthäus sagt, dass Jesus sich nach Galiäa »zurückzog«, denkt er nicht an Flucht oder Resignation. Er meint vielmehr, dass Jesus sich nicht an verhärteten Strukturen und Besserwissern aufzureiben gedenkt. Jesus beginnt sein öffentliches Wirken dort, wo Kopf und Herz noch offen sind, wo nicht alles sofort in Schubladen und Denkschablonen eingeordnet wird. Hier fällt sein Wort auf fruchtbaren Boden.

"Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!" (V.17)

Er predigt eine Umkehr von moralischer und religiöser Beliebigkeit hin zum Reich Gottes; von Dunkelheit und Finsternis hin zum hellen Licht. – Die ersten, die sich diese Aufforderung zu Herzen nahmen, waren Petrus und sein Bruder Andreas. Matthäus berichtet: »Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.«

Petrus und Andreas waren keine Schriftgelehrten, keine Lehrer, keine Priester. Auch keine Schwärmer oder Theoretiker. Und wohl auch keine wortgewandten Redner. Sie waren einfache Fischer: bodenständig, mit der Natur verbunden; praktische und handfeste Männer, die mitten im Leben standen. Sie ließen alles stehen und folgten ihm nach.

Heute wie damals wird Gottes Licht dort erstrahlen und Frieden bringen, wo sich Menschen ihm vorbehaltlos anvertrauen: Mitten in der Welt oder auf dem „Sonderweg“ einer klösterlichen Berufung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 03/2011 - 2. Woche im Jahreskreis (A)

Lamm Gottes - Isenheimer Altar (Detail)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Evangelium dieses Sonntags schlägt eine Brücke von der Advents–und Weihnachtszeit in die inzwischen begonnene Jahreszeit. Noch einmal erhebt Johannes der Täufer machtvoll seine Stimme. Als er Jesus auf sich zukommen sieht, so wird uns diesen Sonntag berichtet, bezeugt er unbeirrt und voller Kraft: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt«.

Auffällig ist, dass Johannes gleich zweimal unterstreicht: »Auch ich kannte ihn nicht«.

Damit meint Johannes nicht, dass er seinen Cousin Jesus noch nie gesehen habe. Vielmehr legt er Zeugnis dafür ab, ihn nun mit ganz anderen Augen zu sehen. Diese nämlich wurden ihm bei der Taufe Jesu geheimnisvoll geöffnet: »Und Johannes bezeugte: ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb«. Der ihn gesandt habe, mit Wasser zu taufen, habe ihm auch gesagt: »Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft«.

Schon als Bußprediger stand Johannes da wie ein Leuchtturm in der Brandung. Nicht wie ein schwankendes Schilfrohr (vgl. Mt 11,7), sondern unerschütterlich und fest spricht er nun aus: »Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: er ist der Sohn Gottes«.

Der Ernst dieser Worte ist unüberhörbar; und er berührt. Für dieses Zeugnis hat Johannes später den Tod auf sich genommen, wie viele Märtyrer nach ihm bis heute. Wir denken z.B. an Pater Maximilian Kolbe oder an die vielen, in den letzten Jahren weltweit verfolgten Christen.

So also bekennt der Täufer Jesus als »Sohn Gottes«, der zugleich als »Lamm Gottes … die Sünde der Welt hinwegnimmt«. Darauf geht zurück, was wir als Gläubige in jeder Heiligen Messe beten und bekennen: »Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser… gibt uns deinen Frieden« bzw.: »Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt«.

Als gläubige Juden verbanden die Zuhörer des Johannes mit dem Wort „Lamm“ spontan die biblische Erinnerung an die Flucht aus Ägypten. Damals rettete das Blut von Lämmern, das ihre Vorfahren auf Anweisung des Mose an die Türpfosten strichen, vor dem tödlichen Zugriff der Gerichtsengel auf jede Erstgeburt (vgl. Exodus 12,22 f).

Mit dem Wort „Lamm“ verbanden gläubige Juden intuitiv auch den Versöhnungskult im Tempel. Am jährlichen Versöhnungstag legte der Hohepriester, wenn er dann auch das Allerheiligste des Tempels betreten durfte, die ganze Sündenlast des Volkes durch Handauflegung auf ein männliches Schaf. Diesem friedfertigen und unschuldigen Tier wurden in diesem Zeichen die Sünden aller symbolhaft aufgebürdet. Dann wurde das Schaf in die Wüste getrieben, wo es hilflos verendete; und mit ihm vermeintlich auch all die vielen Sünden.

Darüber hinaus wurden das Jahr über im Opferbereich des Tempels so viele Opfertiere getötet, dass die Priester zuweilen bis zu den Fußknöchel im Blut standen.

Damit ist die Botschaft entschlüsselt: In Jesus Christus wird Gott zum Lamm, zum Knecht, der als Gottmensch unsere Schuld freiwillig übernimmt und auf sich lädt. Er tut, was wir nicht können: er nimmt unsere Schuld, die Sünde der Welt hinweg. So war es auch nicht Zufall, dass Jesus am Kreuz genau an dem Tag starb, als im Tempel die Paschalämmer geschlachtet wurden.

»Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer«, betont Jesus mehrfach. Darüber hinaus nennt er seinen Vater im Himmel liebevoll »abba«. Jesus ist also nicht in diesem Sinne Lamm Gottes, dass ein grausamer Gottvater nur durch das Blut des eigenen Sohnes besänftigt werden könne.

Als »Lamm Gottes« setzt er vielmehr den entschlossenen Willen des Vaters ins Werk, das Böse in der Welt endgültig zu besiegen. So werden wir in die Lage versetzt, uns fortan nicht mehr über die wahre und unheilvolle Größe der Sünde zu täuschen und selbstgerecht hinweg zu setzten; vorausgesetzt, wir winken nicht schon wieder ab und verhärten das Herz mit neuer Blindheit und weiterer Sünde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 02/2011 - 1. Woche im Jahreskreis (A)

Annibale Carracci - Taufe Jesu (1584) - Bologna, San Gregorio

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nun ist die schöne Zeit der vielen Fest- und Feiertage, der besonderen Gottesdienste und familiären Begegnungen schon wieder vorbei. Das Neue Jahr hat seinen gewohnten Lauf genommen. Und auch der Alltag wird uns nun wieder fest im Griff haben.

Aber ist es wirklich so: Alles nur wieder Alltag? – Das Fest der Taufe des Herrn zeigt eine andere Perspektive.

Johannes der Täufer ist nicht wenig überrascht, als unvermittelt aus der Schar der umkehrwilligen Sünder der Herr vor ihn tritt, um sich taufen zu lassen. Der Evangelist Matthäus bemerkt dazu: »Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?«

Im griechischen, dem originalen Bibeltext heißt es ausdrucksstärker als in unserer Einheitsübersetzung: »Aber Johannes versuchte heftig, ihn zu hindern.« Der Herr, der ganz ohne Sünde ist, bedarf nicht der Umkehr und Reinigung. Dennoch bittet er Johannes um die Taufe: »Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen.«

Die aufschlussreichen Worte, auch das überraschende »wir«, lassen verstehen, dass sowohl der Herr wie auch Johannes sich nicht nur an eigenen Vorstellungen und Maßstäben orientieren, sondern an höheren, denen sie die eigenen unterordnen. Beide lassen sich auf das ein, was Gott mit ihnen vorhat. Sie identifizieren sich damit. – Das ist so ganz anders, als was Selbstverwirklichungspropheten predigen und für das einzig Richtige halten.

Über den Vorgang der Taufe sagt das Evangelium nichts. Das ist dem Evangelisten auch nicht wichtig. Wichtig ist ihm allein die Botschaft, dass Jesus sich taufen ließ, und dass auch Johannes im Gehorsam will, was Gott der Vater will.

Weil beide »mitspielten« konnte geschehen, was Gott alles noch wollte: »Kaum war Jesus getauft …, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.«

Wo Menschen sich auf Gottes Willen einlassen, wo sie ihren eigenen, bei aller Größe immer sehr beschränkten, dem größeren und besseren Willen Gottes öffnen und ihn zum Maßstab für ihren eigenen nehmen, da öffnet sich der Himmel. In Anlehnung an das biblische Ereignis der Taufe Jesu bedeutet die Öffnung des Himmels konkret: Durch den Gehorsam dafür empfänglich geworden, kann Gott uns Menschen den Himmel öffnen und erklären, wie sehr er uns liebt.

Der eigene Genius befreit nur bedingt aus der Monotonie des Alltags, die einen am Ende doch immer wieder einholt. Wirklich befreit aus ihr nur die Liebe: Die Liebe, mit der Gott uns liebt und die er uns zeigen und zuwenden kann, wenn wir uns seinem Wollen öffnen und es zum Maßstab für unser Wollen annehmen. Dabei entdeckt man auch zusehends die eigene Liebesfähigkeit Gott und der Welt gegenüber, die aus dem Glauben erwächst, und einen mehr beglückt als die jene Erfüllung durch Hingabe und Liebe, zu dem der Alltagsgenius in der Lage ist.

»Lass es nur zu«, forderte Jesus den Täufer auf, um »die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz (zu) erfüllen.« Die Gerechtigkeit und das Rechte, die Gott fordert, sind irdisch und himmlisch zugleich. Damit überdauern sie das eigene Leben und die ganze Geschichte. Das Rechte, was Gott fordert, hat nicht nur kosmische Dimension. Es ist ewig. Das Rechte in dieser Größe lieben, sich ihm öffnen und mit Hingabe anvertrauen zu können, erfüllt über die Maßen und schenkt ungeahntes Glück.

Dafür muss man sich allerdings jeweils neu bewusst machen, was Gott fordert; was er von mir in meiner jeweiligen Situation aus seiner Perspektive erwartet.

So schwer ist das nicht. Man muss in sich hineinhören, zur Orientierung die Heilige Schrift in die Hand nehmen und sich in der Sammlung bei Gebet und Gottesdienst üben. Dann hört und versteht man schließlich. Man erkennt und sieht dann, wie Gott sich das alles gedacht hat, und man begegnet jener kraftvollen Liebe Gottes, mit der er uns hilft, das umzusetzen. – Mit dem Evangelium von der Taufe Jesu sagt Matthäus, dass und warum es sich lohnt!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 52/2010 und 01/2011 - Weihnachtszeit (A)

Meister Bertram, 1383 - Hochaltar St. Petri, Hamburg

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Weihnachten bringt uns erneut zur Mitte unseres Glaubens: Das Kind im Stall von Bethlehem ist Gottes Sohn. Der Sohn Mariens blieb was er war, nämlich Gott, und wurde uns Menschen doch wahrhaft gleich. Als Gott und Mensch ist er der einzige Mittler und der einzige Erlöser aller Menschen.

Ganz in diesem Sinne hat der große Theologe John Henry Newmann, der in diesem Jahr von Papst Benedikt XVI. in Birmingham seliggesprochen wurde, ausgehend von dem Aufbruch der Hirten die Gläubigen ermutigt: »Die Hirten sprachen zueinander: ‚Lasset uns nach Bethlehem gehen und die Dinge schauen, die dort geschehen sind, wie der Herr uns kund getan hat (Lk 2,15). Lasset auch uns mit Ihnen gehen und jenes zweite und größere Wunder schauen, zu dem der Engel ihnen den Weg wies: Er lag jetzt in den Armen seiner Mutter, allem Aussehen nach hilflos und kraftlos, wurde von Maria in Windeln gewickelt und zum Schlafen in eine Krippe gelegt. Der Sohn des allerhöchsten Gottes, der die Welten schuf, wurde Fleisch, obwohl er blieb, was er zuvor war. Er wurde so wahrhaftig Fleisch, als hätte er aufgehört zu sein, was er war, und als wäre er wirklich in Fleisch verwandelt worden.«

Alljährlich zu Weihnachten wird es uns in Erinnerung gerufen: Gott hat sich auf den Weg zu uns gemacht und wurde Mensch. So können auch wir uns auf den Weg zu ihm machen und in seiner Nähe zu diesem seinem Abbild finden, als das er uns ins Leben rief, wie es im Buch Genesis steht (1,26 f). »Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. … Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.«

Nachdem der Mensch so oft und immer wieder nur ein sehr mäßiges und oft auch schlechtes Abbild war, findet er nun allein und ausschließlich in seiner, in des Herrn Jesu Christi Nähe, die ihm eigene und wahre Größe: seine göttliche Ebenbildlichkeit; und nur so bleibende Erfüllung.

Von Herzen wünsche ich dies mit Blick auf Weihnachten und das Neue Jahr Ihnen und uns allen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51 / 2010 - 4. Adventswoche (A)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie die über vier Wochen stetig sinkenden Temperaturen im Inneren der Kirche ohne jedes Klagen hingenommen und ausgehalten haben. Sicher gibt es Schlimmeres. Aber so niedrige Innenraumtemperatur (6,2 °C am 17.12. um 8.00 Uhr) gab es in St. Pantaleon schon lange nicht mehr.

Kommenden Montag (20.12.) wird die neue Heizung ab dem späten Nachmittag schrittweise in Betrieb genommen. Dann werden die Innentemperaturen langsam wieder steigen. Zugleich sind wir angehalten, nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen, in Zukunft in sparsamer und ausgewogener Verantwortung mit den stetig gestiegenen Energiekosten umzugehen. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam einen Level finden, mit dem wir alle gut auskommen und auf den wir uns einvernehmlich verständigen können.

Die neue Anlage bietet die Möglichkeit, ein variables Temperaturprogramm zu fahren, das auch in unserer Kirche zu guten Ergebnissen führen soll. Mehr kann ich noch nicht sagen und bin selber gespannt darauf, was die neue Technik uns bringen wird. Unser Küster, Herrn Gwozdz, wird dann unter Beibehaltung seiner bisherigen Aufgaben auch noch die des „Temperatur-Managers“ übernehmen. Dafür danken wir ihm schon jetzt im Voraus.

Nun haben wir bereits den vierten Advent. Im Sonntagsevangelium steht die Figur des Heiligen Josef besonders im Mittelpunkt. Durch den Evangelisten Matthäus (1,18) hören wir: "Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes."

Der Evangelist betont, dass es keine normale Schwangerschaft ist. Von einer Zeugung des Kindes durch Josef ist auch nicht der Hauch einer Andeutung zu lesen. Was auch die Verwirrung des Josef begreiflich macht, der über die unverhoffte Schwangerschaft seiner Verlobten offenbar über die Maßen irritiert war. "Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (ibid. 1,19-20)

Matthäus betont die Zugehörigkeit Josef zum Haus David und erinnert damit an die Erfüllung der uralten Verheißung an König David. "Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch die Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel, geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns." (ibid. 1,22-23)

Die Größe des Heiligen Josef wird darin sichtbar, dass er tut, warum Gott ihn bittet. Was menschliches Begreifen und Vermögen übersteigt, kann so Wirklichkeit werden.

Josef ge– horchte, auch wenn er nicht alles verstand. Heute ist es genau anders herum: heute will man alles verstehen, aber nicht gehorchen.

Die Rolle von Josef war eher die hinter Jesus und Maria, und nicht an vorderer Stelle. Josef, der Mann der Träume, war ein Mann mit Güte, mit Geduld, mit Herz. Mehrmals noch wird in der Bibel davon erzählt, wie er ohne Wenn und Aber dem Ruf Gottes folgte. – So ist der heilige Josef auch für uns heute ein großes Vorbild:

Gott gehorchen und dienen kann man auch in der zweiten Reihe. Es kommt weniger darauf an, was wir sagen; es kommt meist mehr darauf an, was wir tun.

So findet Gott wie bei Josef immer einen Weg zum Ziel. Auch wenn manche Situation in unserem Leben vielleicht eher zum Davonrennen ist, denken wir an Josef, der seine zugedachte Rolle im Plan Gottes liebend angenommen hat. Vielleicht denken wir daran, wenn wir im Vaterunser beten: „Dein Wille geschehe!“ – Wenn wir das ernstnehmen, dann kann Weihnachten kommen!

Die Ikone setzt die Rolle Josefs großartig ins Bild. Sogar für Maria ist das Geheimnis der Menschwerdung zu groß. Nur Ochs und Esel vermögen in ihrer Einfalt sich dem Kind zuzuwenden. Eine Einfalt, in welcher der Mensch mit Gottes Hilfe weit über seine eigenen Grenzen hinauswachsen kann.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50 / 2010 - 3. Adventswoche (A)

Das sensationelle Buch von Papst Benedikt XVI.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Sollten Sie noch ein passendes Geschenk zu Weihnachten suchen, lesen Sie doch bitte aufmerksam, was ich Ihnen von den vielen Kommentaren zum neuen Papstbuch (Benedikt XVI., Licht der Welt, Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit., Ein Gespräch mit Peter Seewald, Verlag Herder, 240 Seiten, geb.m.Schutzumschlag, ISBN 978-3-451-32537-3, Preis: 20,50 Euro) im Folgenden zusammengestellt habe.

Das online Magazin „Spiegel“ schrieb am 25.11.2010 (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,731259,00.html): »Die Diskussion über das neue Papst-Buch dauert an. … Kirchenkritikern droht ein Feindbild abhanden zu kommen«, was im darauf folgenden »Debattenbeitrag« von Matthias Matussek dann konkret wird: »Besonders aber provoziert er (Papst Benedikt) nun die Schriftgelehrten der säkularen Welt, die professionelle Kirchenkritik, weil er sie zunächst mal beschäftigungslos werden lässt, denn er kritisiert sich und seine Firma schon selber und das schonungslos. Die fürchterlichen Missbrauchsfälle! Die Panne im Umgang mit dem ausgeklinkten Holocaust-Leugner Williamson! Diese Geständnisse eigener Fehlbarkeit, wie haben sie sich die Papstkritiker herbeigesehnt. Hier sind sie.

Er sagt, durchaus Gänsehaut treibend, dass in bestimmten Schichten in der katholischen Kirche Deutschlands viele nur darauf warten, ihn abzuschlachten. Doch dann wirft er als Pontifex Maximus den Blick über die außereuropäischen Horizonte einer Weltkirche, die blüht und wächst und Priester ordiniert. Die in einigen Weltgegenden zu den schlimm Verfolgten gehört. Die doch Dienst an den Armen tut und Trost und Hoffnung spendet und begeistert durch Glaubensinnigkeit. Die "katholisch" im Wortsinn ist: allumfassend. Und da wirkt dann Deutschland doch sehr klein und besonders hässlich.

In seinem Gespräch mit Peter Seewald – dessen kulturpessimistischen Fragen er des öfteren optimistische Aufhellungen entgegenhält – setzt er auf die christliche Moral als Mittel gegen die Selbstzerstörung des Planeten. Auf die heutzutage bestsellerfähige Frage "Wofür stehst Du?" gibt er irritationsfreie Antworten. Diese Art von Unfehlbarkeit erwartet dann auch jeder Gläubige.

Der Papst in diesem Gespräch ist glaubensstark, aber nicht autistisch. Es ist ein neues Papstbild, das da aufscheint. Hier spricht nicht der oft als kalter Taktiker verzeichnete Theologie-Professor, der seine Glaubensdogmen mit dem Rücken zur Welt formuliert, sondern der Menschen zugewandte, verständnisvolle Hirte. Und der antwortet mit oft entwaffnender Schlichtheit und Offenheit. Und er spricht ganz unverblümt über die Liebe als wahren, als echten Skandal in der heutigen Zeit.«

Nicht weniger aufschlussreich schreib Armin Schwibach am 7.12. im online Portal „kat.net“ (http://www.kath.net/detail.php?id=29262): »Zwei Wochen sind vergangen, seit das Interviewbuch mit Benedikt XVI. „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ in den Buchhandlungen ist. Schwindelerregende Auflagenzahlen begleiten das historische Ereignis eines Buches, in dem ein Papst zum ersten Mal einem Journalisten in einem Gespräch antwortet. Bereits im Jahr 1994 hatte der italienische Publizist Vittorio Messori den Interviewband mit Johannes Paul II. „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ veröffentlicht. Doch im Unterschied zu heute hatte der Papst damals schriftlich geantwortet. So besticht – neben allen wichtigen Inhalten – die Tatsache, dass der Leser von „Licht der Welt“ in den Fluss eines sechsstündigen Dialogs hineingenommen wird. Die Distanz zwischen Papst und Leser wird so auf ein Minimum reduziert.

… Besonders jedem Katholiken ist es anzuraten, sich intensiv mit dem Papstbuch auseinanderzusetzen, denn: es handelt sich um eine einmalige Gelegenheit, Benedikt XVI. kennenzulernen. So mancher wird auch staunend entdecken, wie sich angestaute Vorurteile an der einnehmenden Einfachheit und Tiefe der Gedanken des Papstes brechen und der für viele bereits bekannte „wahre“, das heißt nicht von irgendwelchen Medien in einem faschingsmäßig organisierten Spektakel verzerrte Benedikt XVI. in seiner unübersehbaren Wirklichkeit und Größe zutage tritt.«

So wünsche ich Ihnen einen frohen Advent und eine erfrischende und wohltuende Weihnachtslektüre!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 49 / 2010 - 2. Adventswoche (A)

Johannes der Täufer - Anton Raphael Mengs 1728-1779 - St. Petersburg-Eremitage

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den Lesungen zum zweiten Advent begegnet uns Jahr für Jahr Johannes der Täufer. Er ist wohl die markanteste Gestalt der Adventszeit. Sein Bußruf: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!” hat viele schon im jugendlichen Alter erreicht. Wichtig ist, dass unser Verständnis für diesen Ruf des Täufers mit dem Heranwachsen und Älterwerden als Christ Schritt hält.

Mit seinem Aufsehen erregenden Auftreten will der Täufer mit Nachdruck unterstreichen, dass sich etwas ändern muss bei den Menschen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!” So verkündet es auch heute noch die Kirche alljährlich vor dem Weihnachtsfest.

Nun kann die Wüste, von der schon bei Jesaja die Rede ist, auch als Bild des Menschen guten Willens verstanden werden. Die „Leute von Jerusalem” und aus „ganz Judäa” waren solche Menschen. Die „Volljährigkeit” ihres guten Willens zeigt sich in ihrem Gespür dafür, dass ohne tägliche geübte Umkehr das Leben am Ende unerfüllt bleibt. Deshalb zogen die „Leute von Jerusalem zu ihm hinaus”, wird berichtet, „bekannten ihre Sünden” und ließen sich „von ihm taufen”.

Anders die Pharisäer. Sie wollten die Taufe des Johannes nicht zur Umkehr, sondern nur zur Bestätigung ihrer vermeintlichen Gerechtigkeit empfangen, die sie von ihrer abrahamitischen Abstammung meinten ableiten zu können. Der Täufer weist ihre Selbstgerechtigkeit scharf zurecht.

Erleben wir heute nicht ähnliches? Meinen manche nicht allzu voreilig, dass doch eigentlich alles ganz in Ordnung und nichts zu verändern wäre in ihrem Leben?

Das andere Extrem ist eine falsche Unzufriedenheit mit sich selber. Zur wahren Lebenskunst gehört, seine Fehler und Ungereimtheiten akzeptieren zu können, und gleichzeitig so zu ihnen zu stehen, das man mit Gottes Hilfe weiter an sich arbeitet und zu ändern versucht, was mit seiner Hilfe möglich ist.

Ohne die Bereitschaft bis an die Wurzel gehender Umkehr bleibt der Mensch ein Pharisäer, von denen der Täufer sagt, dass sie wie „jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt ... umgehauen und ins Feuer geworfen” werden.

Die adventliche Begegnung mit dem Täufer führt zu Jesus Christus. Deshalb lädt die Kirche in diesen Tagen des Advents dazu ein, den Weg der Umkehr mit dem Bußsakrament abzuschließen und in der Beichte besiegeln zu lassen. Das persönliche Bekenntnis vor dem Priester gehört mit zu der intensivsten Form, Christus, dem Herrn zu begegnen. Die schon im aufrichtigen Schuldbekenntnis vollzogene Umkehr und die in der Lossprechung geschenkte Vergebung „bereiten dem Herrn den Weg”.

Wenn wir in St. Pantaleon am Ende unserer Novene das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens gefeiert haben, schreiten wir weiter voran in dieser stimmungsvollen Atmosphäre der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.

»In der heutigen Konsumgesellschaft«, so hat es Papst Benedikt einmal formuliert, »erleidet diese Zeit bedauerlicherweise eine Art kommerzieller "Verunreinigung", die ihren wahren Geist, der geprägt ist von geistiger Sammlung, Schlichtheit und einer nicht äußerlichen, sondern tief innerlichen Freude, zu verfälschen droht. Es ist daher von der Vorsehung gewollt, dass – gleichsam wie ein Eingangstor zu Weihnachten – das Fest jener Frau gefeiert wird, die die Mutter Jesu ist und die uns besser als alle anderen dazu anleiten kann, den menschgewordenen Sohn Gottes zu kennen, zu lieben und anzubeten. Lassen wir uns also von ihr führen und uns von ihren Gefühlen beseelen, damit wir uns mit ehrlichem Herzen und offenem Geist darauf einstellen, im Kind von Betlehem den Sohn Gottes zu erkennen, der auf die Welt gekommen ist, um uns zu erlösen.«

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 48 / 2010 - 1. Adventswoche (A)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

In diesem Jahr hat sich der Winter überraschend früh gemeldet. Tagestemperaturen um den Gefrierpunkt und Nachtfrost stehen uns bevor. Zeitgleich ist die alte und defekte Heizung inzwischen ausgebaut. Wir alle hätten uns eine andere zeitliche Abstimmung gewünscht: Dass der Winter noch etwas wartet und die Heizung einige Wochen früher gekommen wäre.

Schön jedoch ist, dass die Arbeiten zügig vorangehen. Derzeit werden die Luftauslässe für die neue Heizung vergrößert. Zu diesem Zweck wandert im Moment eine kleine Hütte aus Spanplatten durch die Kirche, in der die Stemm- und Maurerarbeiten für den Kirchenraum nahezu staubfrei durchgeführt werden. Bislang läuft alles nach Plan und die Kirche soll eine Woche vor Weihnachten wieder beheizt werden können. Vielleicht gelingt es uns sogar für eine kurze Zeit durch eine Notbeheizung die Temperaturen nicht allzu sehr unter 10 Grad absinken zu lassen.

Mit der richtigen Kleidung ist es bislang zugleich sehr erträglich geblieben. Im Augenblick, heute 26. November, 10.00 Uhr, haben wir in der Kirche immer noch 11,3 Grad Celsius. Als Pfarrer habe ich festgestellt, wie wohlig warm ein guter Daunenanorak, unsichtbar unter dem Messgewand getragen, mich zumindest die Kälte bislang fast ganz unberührt ließ. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie das ähnlich sehen oder empfinden könnten.

Unser schöner Kölner Dom, wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, bleibt im Winter ganz ungeheizt, weil das kaum zu finanzieren ist und nach einigen Versuchen zudem große technische Probleme davon abrieten. Wenn die kälteren Temperaturen im Kircheninneren dazu führen, an die notwendige geistliche und innere Temperatur der Seele zu denken und sie zu pflegen und zu erhöhen, dann lassen sich diese Widrigkeiten auch leichter hinnehmen.

Mit Blick auf eine solche Erhöhung der inneren und geistigen Seelentemperatur freuen wir uns auch dieses Jahr wieder auf die neuntägige Vorbereitung durch unsere „Novene“ auf das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter und Jungfrau Maria. Eröffnet wird die Novene in diesem Jahr am 30. November von Weihbischof Dr. Klaus Dick. Am Tag des Hochfestes selber, am 8. Dezember, wird Prälat Josef Sauerborn den Gottesdienst feiern und die Predigt halten.

Das weitere Programm der Novene hängt und liegt aus. Auch dieses Mal haben sich einige aus dem Pfarrgemeinderat bereit erklärt, im Anschluss an die Gottesdienste in der gewohnten Weise im Westwerk für das leibliche Wohl zu sorgen. Sicher erfährt angesichts der oben geschilderten Situation der Glühwein eine neue Wertschätzung. – Machen Sie die Novene doch bitte auch in diesem Jahr wieder unter Ihren Freunden bekannt.

Mit dem Advent bereiten wir Christen uns auf das kommende Weihnachtsfest vor. Unser Adventsbasar an diesem Wochenende (27./28. November) ist ein wertvoller Beitrag dafür, dass das Äußere, die Atmosphäre geschaffen wird für die innere Einstimmung auf Weihnachten.

»In der Adventszeit«, so hat es Papst Benedikt beim Gebet des „Angelus“ am 4. Dezember 2005 einmal formuliert, »bereitet sich die kirchliche Gemeinschaft darauf vor, das große Geheimnis der Menschwerdung zu feiern, und sie ist eingeladen, ihr persönliches Verhältnis zu Gott neu zu entdecken und zu vertiefen. Das lateinische Wort „adventus“ bezieht sich auf das Kommen Christi und stellt das Herabsteigen Gottes zur Menschheit in den Vordergrund, auf das jeder mit Offenheit, Erwartung, Suche und Zustimmung antworten soll. Und so wie Gott in seiner Selbstoffenbarung und seinem Sich-Hinschenken souverän und frei ist, weil ihn allein die Liebe dazu bewegt, so ist auch der Mensch frei, seine, wenn auch gebührende, Einwilligung zu geben: Gott erwartet eine aus Liebe gegebene Antwort.«

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnet und fruchtbringende Adventszeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47 / 2010 - 34. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Mit den Wochentagen nach dem Christkönigssonntag geht das Kirchenjahr zu Ende. Das neue beginnt dann mit dem ersten Advent. Es sind, wenn man eine optimistische Grundeinstellung hat, gute Nachrichten, mit denen dieses Kirchenjahr nun zu Ende geht.

Sie werden bemerkt haben, dass es in der Kirche recht kühl geworden ist. Machen Sie sich bitte nicht allzu viele Sorgen darüber. In Abhängigkeit von der Außentemperatur kann die Kirche in den nächsten Tagen und Wochen sogar noch weiter auskühlen. Passend zu Herbstende und Winteranfang bekommen wir nach zweieinhalbjähriger Planung nun endlich eine neue Heizung, nachdem die alte ihren Geist zu einem guten Teil aufgegeben hat.

Mit dem Kirchenvorstand und allen Beteiligten haben wir gehofft, die Arbeiten noch in den Sommermonaten durchführen zu können. Es hat nicht funktioniert. Vor Weihnachten soll die Heizung wieder in Betrieb sein. Die neue Anlage wird deutlich wirtschaftlicher arbeiten und zugleich die bislang teilweise zu hohen Temperaturen im Kircheninneren während der Wintermonate, die dem Gebäude und vor allem der Ausstattung nicht gut tun, auf das passende und richtige Niveau bei den Gottesdiensten von maximal 14 bis 15 Grad bringen. Außerhalb der Gottesdienste wird die Temperatur mit einem halben bis maximal einem Grad pro Stunde auf ein Niveau von minimal 10 Grad wieder abgesenkt werden. Drauf haben sich die unterschiedlichen Sachverständigen, vom Orgelbauern bis zum Techniker verständigt.

Eine zweite gute Nachricht. Vergangenen Sonntag haben zehn Jugendliche, die hier zu St. Pantaleon gehören oder einen Bezug nach hier haben, das Sakrament der Firmung im Kölner Dom durch Weihbischof Manfred Melzer empfangen. Für zwei dieser Jugendlichen war der Tag der Firmung zugleich der Tag ihrer Erstkommunion.

Es war ein schöner und bewegender Firmgottesdienst, wunderbar gestaltet von den Domchören. Bei den Glaubensgesprächen zur Firmvorbereitung ist der Wunsch gewachsen, dass wir uns nach der Firmung weiter treffen und die Glaubensgespräche fortführen. Nach der Firmung hat es mich sehr gefreut, dass die Gefirmten von sich aus noch einmal darum gebeten haben, unsere Treffen doch bitte fortzusetzen. Das werden wir machen und uns wird dabei gewiss nicht langweilig; im Gegenteil.

Eine dritte gute Nachricht. Am Dienstag, dem 30. November beginnt die Novene zur Einstimmung auf das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter am 8. Dezember. Diese Novene hat in St. Pantaleon eine lange Tradition. Sie wird diesmal von Weihbischof Dr. Klaus Dick eröffnet. Täglich werden uns andere Zelebranten und Prediger durch diese Novene begleiten.

Mit dabei ist auch die Kirchenmusik an St. Pantaleon: Der Kirchenchor wird am 8. Dezember singen; in anderen Gottesdienste wird der ein oder andere Akzente gesetzt. Auch der Pfarrgemeinderat ist wieder mit dabei und wird nach der Stärkung der Seele im Gottesdienst noch ein wenig bei der Stärkung des Leibes nachhelfen.

Mit diesen guten Nachrichten kann das alte Kirchenjahr in den kommenden Tagen getrost zu Ende gehen. Und wir dürfen uns freuen auf die dann beginnende Adventszeit mit ihren Besonderheiten. Mehr dazu in den nächsten Pfarrnachrichten.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 46 / 2010 - 33. Woche im Jahreskreis (C)

Papst Benedikt in der Kathedrale von Santiago de Compostela am 6. November 2010

Liebe Pfarrangehörigen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Allen, die von Ihrem Wahlrecht bei der Kirchenvorstandswahl Gebrauch gemacht und die wichtige Arbeit dieses Gremiums damit unterstütz haben, danke ich nicht weniger von Herzen wie den Kandidaten, die sich für diese Arbeit bereit erklärt haben. Alle Gewählten haben die Wahl angenommen. Wahlergebnis und Einspruchsfristen sind im Schaukasten veröffentlicht.

Wie schon angekündigt wird an diesem Sonntag, dem 14. November, die Ausstellung „Pontifex“ feierlich mit einem Vortrag um 17.00 Uhr und anschließendem Pontifikalamt um 18.30 Uhr mit Erzbischof Szczepan Wesoly, Rom, dem Kölner Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp in Vertretung für Kardinal Joachim Meisner und weiteren Konzelebranten eröffnet. Die Ausstellung möchte vor allem die drei zentralen Anliegen hervorheben, mit denen Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal 1980 vor 30 Jahren und dann zwei weitere Male, 1987 und 1996, nach Deutschland gekommen ist.

Der Papst betonte damals bei seinen drei Reisen besonders:

1)      den Wert des Lebens ab der Empfängnis bis zum natürliche Tod;

2)      die Bedeutung der Ehe und der Familie

3)      das Engagement der Laien im kirchlichen sowie gesellschaftlichen Leben.

Die Zeit ist seitdem nicht stehen geblieben. Zu den drei Anliegen von damals, die weiterhin und seit damals noch heftiger angefochten werden, sind weitere hinzugekommen. Auf diese hat nun Papst Benedikt anlässlich seiner jüngsten Reise nach Spanien hingewiesen. Auch das einst katholische Land Spanien leidet unter einem massiven Verlust an wahrer Kultur und Menschlichkeit auf Grund zunehmender Gottlosigkeit. Das gilt leider nicht nur für Spanien, sondern bedauerlicher Weise für ganz Europa. Dazu hat Papst Benedikt wie folgt Stellung bezogen:

„Welche sind die großen Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen Europas? Was ist der besondere und grundlegende Beitrag der Kirche für dieses Europa, das in den letzten fünfzig Jahren einen Weg hin zu neuen Gestaltungsformen und Entwürfen zurückgelegt hat? Ihr Beitrag geht um eine Wirklichkeit so einfach und entscheidend wie diese: Gott existiert, und er hat uns das Leben gegeben. Er allein ist absolut, er ist treue und unvergängliche Liebe, unendliches Ziel, das hinter allem Guten, hinter aller wunderbaren Wahrheit und Schönheit dieser Welt durchscheint – alles wunderbar, aber für das Herz des Menschen nicht genug. Dies hat die heilige Teresa von Jesus gut erfaßt, als sie schrieb: „Gott allein genügt.“

Es ist eine Tragödie, daß sich in Europa, besonders im 19. Jahrhundert, die Überzeugung durchsetzte und verbreitete, daß Gott der Gegenspieler des Menschen und der Feind seiner Freiheit sei. …. Gegenüber einem Heidentum, dem zufolge Gott den Menschen beneidet und verachtet, bekräftigt der Verfasser des Buches der Weisheit entschieden: Weshalb hätte Gott alles erschaffen, wenn er es nicht geliebt hätte, Er, der in seiner unbegrenzten Fülle keiner Sache bedarf? (vgl. Weish 11,24-26). Weshalb hätte er sich den Menschen offenbart, wenn er sie nicht hätte beschützen wollen? Gott ist der Ursprung unseres Seins und das Fundament und der Gipfel unserer Freiheit, nicht ihr Gegner. Wie kann der sterbliche Mensch sich auf sich selbst gründen, und wie kann der sündige Mensch sich mit sich selbst versöhnen? Wie ist es möglich, daß über diese erste und wesentliche Wahrheit des menschlichen Lebens in der Öffentlichkeit geschwiegen wird? Wie kann das, was im Leben am meisten maßgebend ist, in die bloße Privatsphäre verwiesen oder in den Halbschatten verbannt werden? …

Europa muß sich Gott öffnen, muß ohne Angst heraustreten hin zur Begegnung mit Ihm, muß mit seiner Gnade für die Würde des Menschen arbeiten, die von den besten Traditionen erschlossen worden ist: Neben der biblischen, die diesbezüglich grundlegend ist, sind dies die Traditionen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit, aus denen die großen philosophischen und literarischen, kulturellen und sozialen Schöpfungen Europas hervorgingen.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45 / 2010 - 32. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Ein letztes Mal darf ich auf die Kirchenvorstandswahlen an diesem Samstag und Sonntag (6./7. November) hinweisen und um rege Wahlbeteiligung aller bitten, die ihren Wohnsitz in der Pfarrei St. Pantaleon haben.

Dann darf ich mit Freude ankündigen, dass aus Anlass des 30. Jahrestages des ersten Besuches von Papst Johannes Paul II. in Deutschland die Delegatur der Deutschen Bischofkonferenz für die polnischsprachige Seelsorge eine Ausstellung in unserer Kirche organisiert, in der die drei Deutschlandbesuche des Papstes dokumentiert werden.

In dem ausliegenden Flyer heißt es dazu: »Johannes Paul II. besuchte Deutschland dreimal: 1980, 1987 und 1996. … Diese Ausstellung stellt alle drei Pilgerreisen dar, von denen jede einen anderen Charakter und ein anderes Ziel hatte. Johannes Paul II. betonte in seinen Ansprachen und Predigten den Ökumenismus, den interreligiösen Dialog, die christlichen Wurzeln Europas und Deutschlands. Der Papst unterstrich unter anderem den Wert des Lebens ab der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, die Bedeutung der Ehe und der Familie, das Engagement der Laien im kirchlichen sowie gesellschaftlichen Leben.«

In Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklungen und Strömungen wird deutlich, dass diese Anliegen von Johannes Paul II. prophetisch waren. Die Ausstellung möchte auf die Aktualität der päpstlichen Botschaft von damals aufmerksam machen. Hierfür findet der Ausstellungsbesucher auf den Ausstellungswänden kurze Zitate der Papstreden, die durch Fotos des »L’Osservatore Romano« sowie deutscher Quellen vervollständigt werden.

Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 14. November 2010 um 17.00 Uhr in der Kirche St. Pantaleon mit einigen Grußworten eröffnet. Daran schließt sich ein Vortrag vom Prof. Dr. Karl-Joseph Hummel an, dem Direktor der Forschungsstelle der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn. Sein Vortrag trägt den Titel: „Die Zukunft der versöhnten Vergangenheit – Karol Wojtyla, Deutschland und die deutschen Katholiken von 1939 bis 1996“.

Nach dem Rosenkranzgebet um 18.00 Uhr wird die Sonntagsabendmesse zu gewohnten Zeit (18.30 Uhr) gefeiert. Hauptzelebrant ist Erzbischof Szczepan Wesoly, Rom, ehem. Delegat des Primas von Polen für die polnischsprachige Seelsorge im Ausland. Die Predigt hält Generalvikar und Prälat Dr. Dominik Schwaderlapp in Vertretung für Kardinal Joachim Meisner.

Im Anschluss an die Hl. Messe lädt die Delegatur der polnischsprachigen Seelsorge zu einem Empfang im unseren Pfarrsaal ein. – Weiter Einzelheiten zur Ausstellung entnehmen Sie bitte den Handzetteln im Schriftenstand und auf dem Tisch am Eingang der Kirche.

Von Herzen gerne möchte ich Sie einladen zu diesem nicht alltäglichen Ereignis von Dokumentation, Erinnerung, Begegnung, Austausch und vor allem zu gemeinschaftlichem Gebet und gemeinsamem Gottesdienst.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44 / 2010 - 31. Woche im Jahreskreis (C)

Blick auf versammelte Kriegsgefangenen, während der päpstliche Nuntius in Berlin, Msgr. Orsenigo, eine Heilige Messe feiert.

Liebe Pfarrangehörige!

Heute richte ich diese Pfarrnachrichten in besonderer Weise an die durch ihren Wohnsitz der Pfarrei St. Pantaleon zugeordneten Gläubigen. Lesen Sie den Pfarrbrief aber bitte auch dann weiter, wenn Sie staatskirchenrechtlich nicht zur Pfarrei St. Pantaleon gehören.

Mit Ausnahme von einigen Highlights, wie etwa die Weltjugendtage, hat man in Deutschland seit Jahren den Eindruck, als ob die Kirche für junge Leute an Attraktivität zunehmend eingebüßt hätte. Für diesen Eindruck verantwortlich ist unter anderem das erschreckend hohe Durchschnittsalter der sonntäglichen Kirchenbesucher.

Ohne Zweifel ist der regelmäßige Besuch der Sonntagsmesse von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Hier wird die Erlösung gefeiert und vollzogen. Ohne diesen Vollzug hätte die Kirche nicht mehr wirklich etwas zu sagen. Sie sollte dann besser noch viel öfter ihren Mund halten, ihre Bedeutungslosigkeit einsehen und sich noch weiter zurückziehen.

Aber sie feiert Sonntag für Sonntag Gottesdienst; und auch werktags. Ganz unabhängig davon, ob Viele oder Wenige, Junge oder Alte die heilige Messe mitfeiern. – Gerne darf ich auch hier in den Pfarrnachrichten meine Freude darüber bekunden, dass bei den zwei Werktagsmessen in St. Pantaleon (um 12:00 und um 18:30 Uhr) im Schnitt 30 bis 40 Gläubige Tag für Tag die heilige Eucharistie mitfeiern; darunter auch ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz an jungen Christen.

Auch wenn die sonntäglich Eucharistie, und die Messfeier überhaupt, Wurzel und Quelle allen christlichen und kirchlichen Lebens ist, so äußert sich dieses über den Sonntagsgottesdienst und die anderen Messfeiern hinaus zugleich noch in vielem anderen.

Jüngere Menschen haben dafür ein feines Gespür. Oft sind sie nicht mehr wie die ältere Generation in der Tradition des sonntäglichen Gottesdienstbesuches aufgewachsen, wissen sich aber dennoch der Kirche im Herzen verbunden und sind durchaus auch gerne bereit, Verantwortung in und für ihre Kirche zu übernehmen. Wo das der Fall ist, tut sich etwas, und es wird schon sehr Gutes daraus erwachsen.

Von daher freue ich mich, wenn sich für die anstehenden Kirchenvorstandswahlen auch jüngere  Kandidaten zur Wahl stellen würden. Geben Sie ihnen eine Chance! Ich traue ihnen eine Mitverantwortung vorbehaltlos zu und würde sie ihnen auch gerne übertragen; auch deshalb, weil ich an die Zukunft der Kirche denke und fest daran glaube, dass sie eine Zukunft nicht zuletzt durch die jüngere Generation ist; trotz aller Absagen, die ich hinsichtlich der bevorstehenden Wahl dann doch erhalten habe.

Bei den anstehenden Kirchenvorstandswahlen sind wahlberechtigt alle Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Pantaleon, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und seit einem Jahr am Ort der Gemeinde wohnen. Zur Ausübung des Wahlrechts ist erforderlich, dass der Wahlberechtigte in der Wählerliste eingetragen ist.

Die Kandidatenliste hängt aus. Gewählt werden kann im Wahllokal: Pfarrbüro St. Pantaleon (Parterre – Archivraum); und zwar am Samstag, dem 06 November von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr sowie am Sonntag, dem 07. November von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr.

Es ist auch möglich per Brief zu wählen. Der Antrag auf Briefwahl kann bis zum Mittwoch vor der Wahl während der Öffnungszeiten des Pfarrbüros gestellt werden. Er ist an den Vorsitzenden des Wahlausschusses zu richten.

Mögliche weiter Fragen werden gerne von Frau Reimann im Pfarrbüro beantwortet. Wen Sie wählen sollen, das müssen Sie wissen. Ich habe mich im Rahmen meiner Möglichkeiten klar geäußert.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43 / 2010 - 30. Woche im Jahreskreis (C)

Fresko vom Zöllner und Pharisäer - Basilika Ottobeuren - von Johannes Böckh & Thomas Mirtsch

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Lassen Sie mich zu Beginn noch ein Wort über die anstehenden Kirchenvorstandwahl am 6./7. November sagen: Bislang haben sich erst vier Kandidaten zur Wahl für dieses Ehrenamt zur Verfügung gestellt. Das sind für die Wahlliste, die mindestens ein Drittel mehr Kandidaten als die zu wählenden (in unserer Pfarrei: vier zu wählende Kandidaten) enthalten muss, bislang immer noch zwei Kandidaten zu wenig. Ob sich diese zwei noch finden lassen?

Hier wird eines der Probleme sichtbar, die zur Entscheidung geführt haben, die Pfarreien zusammenzulegen. Es gibt nicht nur ein Mangel an Priestern, sondern einen nicht geringeren Mangel an Gläubigen, welche die Kirche mitzutragen fähig und bereit sind. Gäbe es mehr Gläubige, gäbe es auch mehr Priester, wie umgekehrt.

Aber Situationen wie diese hat es in der Kirche sehr oft gegeben. Und entscheidend ist bei weitem nicht nur das, was wir Menschen vermögen und erreichen, sondern was wir mit Gottes Hilfe erreichen; und notfalls auch Gott ganz ohne uns.

Mit diesem Gedanken sind wir auch schon beim Sonntagsevangelium. Der Herr erzählt eine beispielhafte Begebenheit jenen, die „von der eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten.“ Ganz frei von eine solchen Selbstgerechtigkeit ist wohl auch keiner von uns allen. Irgendwie ist hier jeder von uns mitgemeint.

Wir kennen die Neigung, Gutes zu tun, und darüber dann viel zu reden. Leicht stellt sich dann ein zweiter Defekt ein, nämlich im selben Atemzug schlecht über andere zu reden und sie „herunter zu machen“.

Es ist die Beispielgeschichte vom Sünder und vom Zöllner. Der Pharisäer stellt sich vorne hin und bedankt sich im Gebet bei Gott, dass er nicht so wäre wie dieser Zöllner da ganz hinten und all die anderen „Räuber, Betrüger und Ehebrecher“. Dann zählt er vor Gott auf, was er alles an Gutem tun würde: Sein Fasten und sein Spenden.

Der Zöllner jedoch bleibt ganz hinten stehen, „und wagt nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben.“ Er schlägt sich an die Brust und betet: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Der Zöllner weiß, dass er ein Sünder ist.  Er beschönigt gar nichts.

Die Sympathie von Jesus gehört eindeutig dem Zöllner, aber nicht wegen seiner Sünden und Vergehen. Jesus sieht auf sein Herz. Er sieht, was der Pharisäer nicht sehen will und was der Hl. Franz von Assisi  einmal wie folgt auf den Punkt gebracht hat: „Der Mensch ist nur das, was er vor Gott ist, nicht mehr und nicht weniger!“

„Hochmut kommt vor dem Fall“, lautet ein Sprichwort. Und auf dem beigefügten Bild ist großartig dargestellt, wie sehr der Teufel sich über den scheinbar gerechten Pharisäer freut. Denn der Pharisäer betet, wie es leicht ironisch im griechischen Urtext heißt „bei sich selbst“, das heißt: Er kreist bis in das Gebet hinein um sich selber. So ist der Pharisäer nicht wirklich bei Gott; der Zöllner wohl - und dort, bei Gott, findet er alle Barmherzigkeit. Der Pharisäer hingegen bereitet dem Teufel eine wahrhaft „diabolische Freude“. Er ist dem Teufel längst in die Fänge geraten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 42 / 2010 - 29. Woche im Jahreskreis (C)

Reliquiar der Reliquien des Hl. Pantaleon – Pfarrei St. Pantaleon, Köln – Detail

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Gerne möchte ich Sie mit diesen Zeilen über anstehende Ereignisse in und um St. Pantaleon informieren und auf dem Laufenden halten.

Seit einiger Zeit bereiten sich in St. Pantaleon zehn Jugendliche auf den Empfang der Firmung vor, darunter zwei zugleich auf ihre Erstkommunion: Rafael Andrade, Tania Barbosa, Angelina Cardoso, Marlene Freitas da Cout, Matthias Gärtner, Jens Horlebogen, Ursula Jauch, Chiara Tese-Kuster, Norberto Pascoal und Patrik Weber.

Von Herzen möchte ich auch im Namen dieser Jugendlichen Sie alle darum bitten, diese Jugendlichen mit und in Ihrem Gebet zu begleiten, damit ihr Wunsch nach einem Leben in Erfüllung gehe, in dem sich voll und ganz erfülle, wozu Gott auch sie ins Leben gerufen hat.

Das Sakrament der Firmung – und für zwei von ihnen zugleich das der Ersten Heiligen Kommunion – wird ihnen von Weihbischof Manfred Melzer am Sonntag, dem 14. November in einem feierlichen Gottesdienst, gemeinsam mit Jugendlichen der Domchöre und weiteren sechs Jugendlichen aus St. Maria im Kapitol und St. Maria Lyskirchen in der hohen Domkirche spenden (Beginn um 17.00 Uhr).

Dann stehen noch einmal Kirchenvorstandswahlen am 6./7. November an. Es werden die vorerst letzten der katholischen Pfarrei St. Pantaleon sein. Nach bisheriger Planung wird die Pfarrei und katholische Kirchengemeinde St. Pantaleon als eigenständige Rechtsperson am 31.12.2012 aufgehoben. Rechtsnachfolger wird dann ab dem 01.01.2013 die Großpfarrei St. Apostel, in die dann zugleich auch die bislang ebenfalls noch eigenständigen Pfarreien St. Peter, St. Georg, St. Maria im Kapitol und St. Maria Lyskirchen integriert werden. Die Großpfarrei St. Apostel wird sich dann vom Dom über den Neumarkt bis zum Rhein erstrecken und das Gebiet von ehemals 10 Pfarreien umfassen.

Für die kommenden, uns als eigenständige Kirchengemeinde noch verbleibenden zwei Jahre sind nun noch einmal vier Kandidaten für den Kirchenvorstand zu wählen. Es ist nicht leicht, Kandidaten für die Übernahme dieses Ehrenamt zu finden. Zudem ist es mir ein Anliegen, auch jüngere Kandidaten dafür zu gewinnen. Ich hoffe, dass meine Bemühungen am Ende Erfolg haben werden. – Alles Weitere ist den Aushängen über die anstehende Kirchenvorstandswahl zu entnehmen.

Darüber hinaus möchte ich empfehlend auf einige weitere Veranstaltungen in nächster Zeit hinweisen. Auch hierzu erfahren Sie Näheres über die jeweiligen Aushänge.

Am 20. Oktober findet der nächste Glaubenskurs mit unserem Subsidiar, Msgr. Dr. Cesar Martinez statt: „Der Mensch und seine Würde“.

Am 2. November lädt die Frauengemeinschaft zu einem Einkehrtag im Hochchor ein.

Am 10. November wird um 19.15 Uhr in unserem Pfarrsaal Studiendirektorin i.R. Margarete Kuckelberg über den „Umgang mit dem Tod im gesellschaftlichen Wandel“ sprechen. Am Beispiel von Todesanzeigen wird die Referentin die Vielfalt aufzeigen, in der Menschen sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit der Realität des Todes im engeren Familien- und Bekanntenkreis auseinandersetzen.

Am 21. November wird Msgr. Dr. Cesar Martinez, gestützt auf seine langjährige Erfahrung in der seelsorglichen Begleitung von Eheleuten und seiner Tätigkeit am kirchlichen Ehegericht, für junge und schon reifere Braut- bzw. Ehepaare erfrischende und realistische Perspektiven gemeinsamen Lebens in „Liebe und Ehe“ aufzeigen.

Ihr Pfr. Dr. Voker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41 / 2010 - 28. Woche im Jahreskreis (C)

Jesus heilt 10 Aussätzige – James Tissot (1836 – 1902) Brooklyn-Museum

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Leben hat eine Außen- und ein Innenseite. Nicht wenige unterliegen der Gefahr, rein äußerlich zu bleiben.

Oberflächliche Menschen sind ohne Kultur. Sie sind mehr auf Äußeres, mehr auf den äußeren Schein bedacht – auf materielles Wohlergehen, auf „beauty“ und „wellness“, auf Erfolg, auf das „cool-sein“ und anderes dieser Art – dafür weniger auf das innere Sein, auf das, was den Menschen von Innen her um vieles reicher und größer sein lässt.

Wer ein Gespür für die die Vielschichtigkeit des Lebens hat, schaut durch die Oberfläche hindurch auf das Dahinter. Tiefgründige Menschen sind oft gläubige Menschen. Im "Dahinter" nehmen sie die Wirklichkeit und Gegenwart des lebendigen Gottes wahr.

So erzählt die Heilige Schrift in der 1. Lesung dieses Sonntags von einem Syrer mit Namen Naaman. Er ist unheilbar krank. Zugleich hat Naaman aber eine sehr genaue Vorstellung davon, wie seine Heilung erfolgen müsste. Aber das funktioniert nicht.

Schließlich wendet er sich an den Gottesmann Elischa. Statt der erwarteten religiösen Kulthandlungen und geheimnisvollen Beschwörungen verlangt Elischa von Naaman lediglich, sich siebenmal im Jordan zu waschen. Naaman reagiert darauf mit Wut und Zorn. Die Flüsse seiner Heimat wären doch viel besser. Da hätte er sich nicht nur die weite Reise sparen können.

Wut, Zorn und Auseinandersetzung mit der Krankheit gehören wesentlich zum Heilungsprozess dazu. Die Diener Naamans müssen ihre ganze Überredungskunst aufbringen, damit ihr Herr sich auf die Anweisung des Propheten schließlich einlässt …, und er wird sofort gesund.

Anschaulich legt die Heilige Schrift dar, dass großes Vertrauen, bis ins Mark erschütternde innere Auseinandersetzung und seelische Kraft notwendig sind, um Heil und Heilung aus der Hand zu geben und Gott das Wann und Wie zu überlassen. – Erst im Loslassen erfolgt der eigentliche innere Prozess der Heilung, der in der Bibel im siebenmaligen Waschen und Untertauchen versinnbildlicht wird.

Im Loslassen der fassbaren Oberfläche und im Glauben an das unglaublich Scheinende, was darunter liegt, öffnet sich der Mensch dem Überraschenden und Wunderbaren im Leben und schafft damit Raum für das Wirken Gottes.

Auch der Samariter im Evangelium dieses Sonntags erkennt sein neugeschenktes Leben als Einbruch Gottes in sein Dasein. Er ist der einzige von zehn geheilten Aussätzigen, der zu Jesus zurückkehrt und dafür dankt.

Wer sich vom äußeren Schein nicht blenden lässt, erkennt, dass das Leben ein Geschenk ist; ein Geschenk Gottes.

Die andren neun, die Jesus ebenfall von ihrem Aussatz heilte, bleiben an der Oberfläche. Sie können die ihnen zurückgegebene Gesundheit nicht bis zu jener letzten Konsequenz auch als inneres Heil erfahren, das sich in Dankbarkeit und im Weitererzählen der Großtaten Gottes äußert.

Echter Dank mündet immer in den Lobpreis Gottes ein. Im Hebräischen sind danken, loben, preisen ein Wortstamm, so sehr gehören diese Begriffe zusammen.

Möge es auch uns gelingen, unser Leben "von innen her" zu betrachten, zu erkennen, wie viel Heilung und Kraft uns von Gott zugesprochen und bereits verwirklicht sind. Möge es uns gelingen, Jesu Wort zu vertrauen, dass das Unheil in unserem Leben "unterwegs" zum Heil, zur Heilung gewendet wird. Mögen wir schließlich in Freude und Dankbarkeit dazu beitragen, dass auch anderen auf dem Weg das Heil zuteil werde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40 / 2010 - 27. Woche im Jahreskreis (C)

Van Gogh - Ernte in der Provénce

Liebe Mitchristen und Freunde aus St. Pantaleon!

Wenn wir an diesem Sonntag Erntedank feiern, dann steht neben dem Herrn, dem wir so vieles verdanken und der deshalb auch als der eigentlicher und letzter Urheber immer eine ganz zentrale Bedeutung in unserem Leben haben sollte, eine Grundhaltung des Menschen ganz besonders im Mittelpunkt, die überaus segensreich und beglückend für alle Beteiligten ist: Die Dankbarkeit.

Es macht Sinn und ist für uns ganz wichtig, nicht zu vergessen, dass wir als einer der 20 % Wohlstandmenschen unserer Erde 80 % der weltweit erzeugten Energie und geförderten Rohstoffen für unseren Lebensalltag und unser irdisches Wohlergehen in Anspruch nehmen; folglich 80 % der Menschen dieser Welt mit den restlichen 20 % weltweit erzeugter Energie und geförderter Rohstoffe auskommen müssen.

Da spricht man nun viel über Gerechtigkeit und reagiert ganz sensibel über die kleinste Benachteiligung, nimmt den üppigen Lebensstil aber wie selbstverständlich hin, ohne weiter darüber nachzudenken.

Nie werde ich vergessen, wie ich vor einigen Jahren fünf Geschwisterkindern im Alter zwischen 7 und 14 Jahren mit einer kleinen, der letzten mir verbliebenen 0,3 l Limonadenflasche in einer der vielen abgelegenen Ortschaften in den Anden Perus eine riesige Freude bereiten konnte. 10 Minuten lang tanzten diese Kinder vor Freude über dieses Geschenk, wobei die noch geschlossene Flasche – es war zudem nicht einmal eine Fanta oder eine Cola, sondern ein ganz billiges Produkt – von Hand zu Hand gereicht wurde. Dann wurde sie feierlich geöffnet, und jedes der fünf Geschwister konnte einen kleinen Schluck dieser kostbaren Flüssigkeit genießen.

Dieses Erlebnis hat mich sehr nachdenklich gemacht, weil ich neben der großen Armut in diesem Land selten so lebensfrohe und auch hilfsbereite Menschen wie dort erlebt habe.

Wenn jemand „Danke“ sagt, dann passiert da eine ganze Menge. Danken ist eine Kommunikation besonderer Art, die reiche Früchte trägt.

Der Beschenkte nimmt im Danken wahr, dass er geliebt und geschätzt wird. Als Dankender hält der Beschenkte inne. So gewinnt er Zeit, die ihm beim Danken geschenkt wird, über das Geschenkte nachzudenken, darüber zu stauen und sich zu freuen. Er unterliegt nicht mehr der Versuchung, weil er durch das Danken davon befreit wird und die ihm nur die Freude nehmen würde, unreflektiert, instinkthaft und triebgesteuert die Hände nur für noch mehr, nur für noch Größeres und Besseres auszustrecken.

Das Danken öffnet auch das Herz des Gebers. Er wird in Zukunft gerne wieder und erneut schenken; denn: Im Danken wird das Angekommensein des Geschenkes sowohl verbalisiert wie auch realisiert. Das ist gewöhnlich noch weit über den materiellen Geschenkwert von Bedeutung. Wo ein Geschenk im tieferen Sinn ankommt, das wächst Gemeinschaft; da entsteht ein Austausch, wie er für das Leben unverzichtbar ist; denn es ist und bleibt angewiesen auf gegenseitiges Geben und Nehmen.

Der Heilige Josefmaria Escrivá hat einmal gesagt (Der Weg, Nr. 894): »Hast du auf die Dankbarkeit von Kindern geachtet? – Ahme sie nach und sage wie sie zu Jesus für Angenehmes und Unangenehmes: "Wie gut Du bist. Wie gut!...". – Dieser Satz ist, tief empfunden, Weg der Kindschaft, der einen Frieden in sich birgt, messbar und wägbar in Lachen und Weinen, unmessbar und unwägbar in der Liebe.«

Achten wir anlässlich des Erntedankes doch einmal ganz besonders darauf, ob ich ausreichend und auch von Herzen „Danke“ sage.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39 / 2010 - 26. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die im Vorfeld als ausgesprochen schwierig eingestufte Reise des Papstes nach England offenbart sich im Rückblick als höchst einfühlsame und Mut machende Begegnung mit zahlreichen Persönlichkeiten und Institutionen. Auf diesem Weg hat der Papst weit über die Grenzen Englands hinaus Perspektiven für die großen nationalen und internationalen Problemfelder aufgezeigt, die zu Herzen gingen. Es folgt ein gekürzter Bericht von Michaela Koller im Nachrichtendienst www.zenit.org vom 20. September 2010:

Der Ton schlug von einem Tag auf den anderen um: Nachdem Papst Benedikt XVI. am Donnerstag in Edinburgh gelandet war, wich der Ton der Feindseligkeit auf den Titelseiten der Gazetten in den Straßen dem Jubel der Massen. „Eure Heiligkeit, während dieses wahrlich historischen ersten Staatsbesuchs in Großbritannien haben Sie zu einer Nation von sechs Millionen Katholiken gesprochen, Sie wurden aber von einer Nation von mehr als 60 Millionen Bürgern und so vielen Millionen mehr rund um die Welt gehört", sagte der britische Premierminister David Cameron kurz vor Rückflug des Papstes. In der Tat: Benedikt XVI. zog vier Tage lang eine ganze Nation in den Bann und sandte Botschaften an ganz Europa sowie den Westen insgesamt aus.

Der Schlüssel zum Verständnis seines für viele Beobachter überraschenden Erfolgs liefert die faszinierende Debatte, die in den dreißiger Jahren zwischen Oswald Spengler und Arnold Toynbee stattgefunden und die der Papst aufgegriffen hat. … In dieser Debatte ging es um die Zukunft der westlichen Zivilisation. Spengler sagte damals, der Westen würde wie jede andere Zivilisation seinen Aufstieg erleben, seine Höhe erreichen und dann wieder versinken. Toynbee hingegen sagte „Nein" und erklärte, dass der Westen wegen der Christenheit anders sei: „Der Westen hat das Christentum und das Christentum bewirkt seine Erneuerung, ist die ständige Quelle dieser Erneuerung." Der Papst hat sich auf die Seite Toynbees geschlagen.

… Nachrichten aus Großbritannien über problematische Entwicklungen in Gesetzgebung und Rechtsprechung während der vergangenen Jahre, unter denen Christen im Arbeitsleben leiden oder die christliche Initiativen zerstörten, nahmen dem Papst nie die Hoffnung. Eine Krankenschwester sollte gezwungen werden, das Kreuz an ihrer Halskette abzulegen, ein Beziehungsberater dazu gebracht werden, homosexuelle Verbindungen zu retten, Adoptionsagenturen sollten entgegen ihrer christlichen Ausrichtung schwulen und lesbischen Paaren Kinder anvertrauen.

Trotz dieser Meldungen … hofft der Papst … unbeirrt weiter, die Briten mögen sich allmählich auf ihre christlichen Wurzeln zurückbesinnen. Und genau daraus erklärt sich die hohe Zustimmung, die in diesen Tagen lautstark entlang seiner Wegstrecke zu vernehmen war. …

Seine Sicht der Verhältnisse in Großbritannien stellte Benedikt XVI. gleich nach Ankunft im Holyroodhouse klar … In der königlichen Residenz in Schottland sagte der Staatsgast, dass bereits der Name Holyroodhouse auf die tiefen christlichen Wurzeln verweise, die immer noch in jeder Schicht des britischen Lebens vorhanden seien. Monarchen Englands und Schottlands seien seit frühester Zeit Christen gewesen, und viele von ihnen hätten ihre Pflichten bewusst im Geiste des Evangeliums ausgeübt. Die christliche Botschaft sei mehr als tausend Jahre wesentlicher Bestandteil von Sprache, Denken und Kultur der Britischen Inseln geworden. "Die Achtung Ihrer Vorfahren für Wahrheit und Gerechtigkeit, für Barmherzigkeit und Nächstenliebe erben Sie von einem Glauben, der eine starke Kraft zum Guten in Ihrem Königreich zum Nutzen für Christen ebenso wie für Nichtchristen bleiben wird", sagte der Papst wörtlich.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 38 / 2010 - 25. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im katholischen Nachrichtendienst kath.net finde ich eine gelungene „Analyse“ zum 1. Tag des Papstbesuchs in England von Armin Schwibach, die ich in gekürzter Fassung gerne Ihrer Lektüre empfehle (http://www.kath.net/detail.php?id=28149). Schwibach schreibt dort:

„Auch wenn es fast respektlos klingen mag, so kann man bereits zum Abschluss des ersten Tages der Apostolischen Reise Benedikts XVI. in das Vereinigte Königreich sagen: Er hat es wieder einmal geschafft. Trotz aller Polemiken, trotz aller Pressekampagnen der letzten Tage und Wochen, trotz aller objektiven Mängel, die hinsichtlich der Vorbereitung des Besuches beklagt wurden, ist das, was bleibt, das Bild eines Vaters, der gekommen ist, um eine Kirche in einem schwierigen Land mit nicht unerheblichen inneren Problemen zu stärken.

Ganz sanft und fast nebenbei verwies der Papst auch die Medien und im besonderen die britischen Medien auf die große Verantwortung, die sie im internationalen Spektrum einnehmen. In seiner Ansprache während des offiziellen Willkommensempfangs würdigte Benedikt XVI. vor Königin Elisabeth II. die politische und wirtschaftliche Schlüsselrolle, die das Vereinigte Königreich einnimmt.

„Ihre Regierung und Ihr Volk bringen Ideen ein, die nach wie vor weit über die britischen Inseln hinaus Wirkung zeigen“, so der Papst, der es nicht versäumte, auf die sich daraus ergebende Verpflichtungen hinzuweisen, klug für das Gemeinwohl zu arbeiten. Eine Verpflichtung, die besonders die britischen Medien betrifft, „deren Meinungen ein so breites Publikum erreichen“. Daher obliege ihnen eine schwerwiegendere Verantwortung, als dies bei den meisten anderen Medien der Fall sei. Gleichzeitig ergibt sich für Benedikt XVI. daraus „eine größere Gelegenheit, den Frieden der Nationen, die ganzheitliche Entwicklung der Völker und die Ausbreitung authentischer Menschenrechte zu fördern“. Ob dieser Aufruf in den Redaktionen wohl Gehör finden wird? Es bleibt zu hoffen.

Demut, Einfachheit, Milde und Entschlossenheit: mit diesen seinen Grundeigenschaften beeindruckte der Papst wohl gerade die Journalisten, denen er während des Fluges die Möglichkeit gegeben hatte, zu den Grundstrukturen seiner Reise Fragen zu stellen. Und natürlich konnte die Frage zum Skandal des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Mitglieder des Klerus nicht fehlen.

Schaut man sich die Aufnahmen zum Interview an, die von verschiedenen Fernsehsendern ausgestrahlt wurden, kann es nicht unbeeindruckt lassen, dass Benedikt XVI. die Tränen in den Augen standen, als er sein „Programm“ der Erneuerung der Kirche erklärte, um künftig diese unsäglichen und verbrecherischen „Perversionen des priesterlichen Dienstes“ zu vermeiden.

Wie konnte es dazu kommen?, fragte sich der Papst. Wie konnte es dazu kommen, dass ein Priester, der im Moment der Weihe, auf den er sich jahrelang vorbereitet hat, sein Ja zu Christus sagt, um zu seiner Stimme, zu seinem Mund und zu seiner Hand zu werden und so dabei hilft, dass die Wahrheit in der Welt sichtbar wird, zu einer derartigen Perversion gelangt?

Der Papst leidet – geistlich und physisch – an den Verbrechen, die aus der Untreue und Verkehrung kommen. Wie bereits in Malta, als er vor den Missbrauchsopfern, mit denen er zusammentreffen konnte, seine Tränen ob des ihnen zugefügten Bösen nicht zurückhalten konnte und wollte, so auch hier: Die große Trauer, die den Respekt vor den Opfern und die Sorge um sie als absolute Priorität erkennen lässt, macht den Papst zum Träger eines Leidens, das die ganze Kirche betrifft. Die ganze Kirche muss sich auf den Weg der Reue, der Erneuerung begeben. Die ganze Kirche muss angesichts der perversen Verkehrungen umkehren.

Die 17. Apostolische Reise Benedikts XVI. hat als Triumphzug begonnen: als Triumphzug der Demut, im Zeichen des sein Kreuz tragenden Gottessohnes, dessen Stellvertreter der Papst ist. Die Demut, die Kraft aus dem Glauben – allein diese lassen den Papst voranschreiten und die Christen im Glauben stärken.“

Den Bischöfen legte der Papst ganz besonders die Sorge um die Priester ans Herz, die isoliert leben: „Lebt in eurem brüderlichen Dienst an euren Priestern die Liebe, die von Christus ausgeht, in Vollkommenheit, indem ihr mit ihnen allen zusammenarbeitet, besonders mit denjenigen, die wenig Kontakt zu ihren Mitbrüdern haben".

Den „lieben jungen Katholiken Schottlands“, legte der Heilige Vater „dringend ans Herz, ein Leben zu führen, das des Herrn (vgl. Eph 4,1) und euer selbst würdig ist". Mit diesem Wort sind nach Benedikt XVI. die Standhaftigkeit angesichts vieler Versuchungen gemeint, die den Jungen Menschen „Tag um Tag vor Augen" stehen: „Drogen, Geld, Sex, Pornographie, Alkohol, von denen die Welt euch vorgaukelt, sie brächten Glück, doch diese Dinge sind zerstörerisch und zwiespältig. Nur eines ist dauerhaft: die Liebe, die Jesus Christus persönlich zu einem jeden von euch hat", bekräftigte der Papst.

„Sucht ihn, lernt ihn kennen und liebt ihn, dann wird er euch befreien von der Sklaverei gegenüber der verlockenden, aber oberflächlichen Existenz, für die die heutige Gesellschaft so häufig wirbt".

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37 / 2010 - 24. Woche im Jahreskreis (C)

Rückkehr des verlorenen Sohnes – James Tissot (1836-1902)

Liebe Mitchristen und Freunde von St.Pantaleon!

Jesus setzt sich mit Zöllnern und Sündern an einen gemeinsamen Tisch und isst mit ihnen. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten ist das ein Skandal. Als ob dadurch die Sünde und das Böse gut geredet und verharmlost würden. Als Antwort darauf erzählt Jesus ihnen drei Gleichnisse: das vom verlorenen und wieder gefundenen Schaf; das von der verlorenen und wieder gefundenen Drachme; und das große Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Diese drei Gleichnisse bilden das Herzstück des Lukasevangeliums. In allen drei Erzählungen steht Verlorengehen, Finden, Freude über das Wiederfinden und die Aufforderung zur Mitfreude im Zentrum. Das alles verdichtet der Herr schließlich in die Aussage: »Im Himmel, … auch bei den Engeln Gottes … herrscht mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.« (vgl. Lukasevangelium, Kapitel 15, Verse 7 und 10)

Wer unter den Menschen ist kein Sünder? Zugleich aber: Wer unter den Sündern kehrt um? – Beobachten wir nicht vielmehr, dass die Sünde oft verharmlost und gerechtfertigt, ja sogar verherrlicht und sogar als „Menschenrecht“ proklamiert wird; etwa in der vermeintlichen Rechtfertigung von Ehebruch und Abtreibung?

Die Freude im Himmel »über einen einzigen Sünder, der umkehrt« lehnt zum einen Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit ab. Sie sensibilisiert zum anderen für einen unendlich guten und großen Gott, der sich über etwas so „Kleines“ – über jeden, der umkehrt –, freuen kann.

Weit über das Maß menschlicher Vorstellung hinaus liebt Gott den Menschen und bleibt ihm treu. Er begleitet sein Volk voll Gnade und Barmherzigkeit. Deshalb verbietet das erste der zehn Gebote, sich einen Gott nach eigenen Vorstellungen zu schaffen: Gott ist nicht der alte Mann mit Bart in einer Himmelsecke, der nicht mehr so genau mitbekommt, was wir Mensche hier auf Erden treiben.

Verbreitete Vorstellungen, ähnlich wie diese, machen Gott zu einem verzichtbaren Spielball, den der Mensch manipulieren und dem er Vorschriften machen kann. – So ist Gott gerade nicht. Er ist und bleibt jener, der allein sein Volk retten kann, der ihm treu bleibt und stets die Möglichkeit eines Neuanfanges gewährt, auch wenn sich der Mensch noch so oft verläuft.

Diese Kernaussage der biblischen Botschaft führt Jesus in eine neue, leibhaftige und ungeahnte Dimension. Er pflegt Umgang und Tischgemeinschaft mit Menschen, die sich selber aufgrund ihrer Lebensweise aus dem heiligen Volk Israel entfernt haben. Während die althergebrachten Vorstellungen noch die Umkehr der Sünder zu einer gottgefälligen Lebensweise als Voraussetzung für die Vergebung Gottes für unerlässlich hielten, verkündet und lebt Jesus hingegen eine atemberaubende, teilweise für Empörung sorgende Haltung: Die Umkehr der Sünder ist nicht Voraussetzung dafür, dass Gott ihnen ihre Schuld vergibt; sondern Gott schafft die Voraussetzung dafür, dass der Sünder sich bekehrt.

Das „Wiederfinden“ in den neutestamentlichen Gleichnissen bedeutet, dass Gott von sich aus die durch die Sünde zerbrochene und gestörte Gemeinschaft wiederherstellt. Gott sucht den Menschen und geht ihm nach, auch in der größten Ferne und Einsamkeit, in die wir uns durch unsere Haltung und Lebensentscheidungen hinein manövriert haben. Ohne Vorleistung tilgt Gott von sich aus die Schuld des Menschen. Wie dieser dann mit Gottes Angebot umgeht, bleibt dann allerdings seiner freien Entscheidung überlassen.

Es lohnt sich, diese Erzählungen zum Mittelpunkt unseres Gebets zu machen und dabei der eigenen Lebenserfahrungen nachzuspüren: Kenne ich derartige Erfahrungen auch in meinem Leben? Erinnere ich mich, dass sich jemand unbändig freute, mich wiedergefunden zu haben? – Die Freude Gottes stellt die des Menschen weit in den Schatten!

Und umgekehrt: Kann ich handeln ohne zu kalkulieren, ohne Verlust- und Gewinnabschätzung? Wo ist es mir gelungen, jemandem ohne Vorwürfe „nachzugehen“, ihn „wiederzufinden“ und ihn erneut in die Gemeinschaft mit mir „aufzunehmen“? Manchmal haben wir solche Erfahrungen: weil Gott uns an seinem Wesen teilhaben lässt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36 / 2010 - 23. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Auf dem Mosaik-Bild ist im Detail Kaiser Léon VI. (886-912) dargestellt, der von Christus, dem Pantokrator (Allherrscher, Weltenherrscher), mit der Gabe der Weisheit bedacht wird. Das Original gehört zu den Mosaiken in der „Hagia Sophia“ im damaligen Byzanz bzw. Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Der weltliche Herrscher vollzieht mit all seiner Pracht vor dem Allherrscher den Fußfall und drückt damit aus, dass seine kaiserliche Fülle gegenüber der göttlichen wie Armut ist. Diese Haltung stimmt überein mit den Weisungen, die uns die erste Lesung des Sonntags (Weisheit 9,13-14; 16) mit auf den Weg gibt: „Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken … Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?“

Auch der Klügste unter den irdischen Menschen findet aus eigener Kraft nicht den Schlüssel zum Leben. Das ist bislang noch nie jemandem gelungen. Keiner hat ein Patentrezept vorlegen können, das den Weg zum Glück garantiert. Auch der zeitgenössische Versuch, wegen dieses Unvermögens nur noch das eigene Glück zu erstreben und damit zu experimentieren, hat sich als hinfällig erwiesen.

Das biblische Buch der Weisheit nennt den Grund, indem es auf den Weltenherrscher, den Pantokrator, den Allherrscher verweist. Er hat diese Welt gut geschaffen, und er will auch das Gute, das er seiner Schöpfung eingeschrieben hat (vgl. Buch Genesis). Es ist jedoch ein Gut, das den Menschen übersteigt; das größer ist als der Mensch selber. Der Heilige Paulus erklärt das unübertroffen im ersten Brief an die Korinther (2,9,): »Wir verkündigen, … was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.«

Immer haben die bedeutenden Denker mit mehr oder weniger Faszination um das Große gewusst, das dem Menschen in die Wiege gelegt ist. Aber wirklich erschließen konnten sie es nicht.

Zu dem wirklich Großen kann und wird der Mensch auch nur gelangen, wenn er es sich schenken lässt. Weisheit erwirbt man nicht durch Studium, das im besten Fall nur Vielwisserei vermittelt, sondern nur durch das uneingeschränkte Offensein für das Höhere, das Gott für den Menschen vorgesehen hat.

Diese uneingeschränkte Offenheit spricht Jesus im Lukasevangelium an, dass an diesem Sonntag auf die Lesung folgend vorgetragen wird (Lk 14,26): »Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.«

Die deutsche Übersetzung schwächt durch die Übersetzung des griechischen μισέω (= hassen) mit »gering achten« den Originaltext ab. Das ist nicht ganz falsch. Tatsächlich ist das »gering achten« beziehungsweise »hassen« des eigenen Lebens usw. als Ausdruck der kategorischen Entschiedenheit zu verstehen, mit der alles andere Gott und seiner Weisheit als das wirklich Entscheidende und Orientierung Gebende unterzuordnen ist.

Jeder Mensch steht vor dieser Wahl, im Raum der eigenen Möglichkeiten zu verbleiben, oder sich durch Glaube den Möglichkeiten Gottes zu vertrauen. Die zweite Option, der Glaube, muss aktiv erstrebt werden, was der Herr mit dem Nachfolgesatz ausdrückt, der dann noch anderes mit einschließt (Lk 14,27): »Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.«

Durch Passivität wählt man automatisch die erste Option. Ihnen möchte ich das jedoch nicht wünschen; denn Sie sind zu Größerem bestimmt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35 / 2010 - 22. Woche im Jahreskreis (C)

Einladung zum Gastmahl von Eugène Burnand (1850-1921)

Liebe Mitchristenund Freunde von St. Pantaleon!

Dieser Sonntag beschenkt uns im Tagesevangelium mit einer „Belehrung“ Jesu, die deutlich über das hinausgeht, was in einem Ratgeber über gutes Benehmen zu finden ist. Dazu muss man aber genau hinschauen.

Ein führender Pharisäer hatte zum Essen eingeladen. Auch Jesus, der die Einladung annahm und kam. Der Evangelist Lukas, der dies erzählt, bemerkt eigens, dass „man ihn genau beobachtete“ (Lukas 14,1). Es ging wohl unter den geladenen Gästen damals nicht viel anders zu wie heute: Nach eingehender Beobachtung hat man schließlich reichlich Gesprächsstoff, um sich über die anderen auszulassen.

Aber auch Jesus beobachtet genau und stellt fest, dass viele Gäste für sich die Ehrenplätze in Anspruch nahmen. Auch das ist heute meist nicht anders.

Im Unterschied zum sonst Üblichen spricht Jesus, der Herr, dies jedoch ganz offen vor allen Geladenen in Form einer Belehrung aus und erklärt: „Ein anderer könnte eingeladen sein, der vornehmer ist.“ Wenn dann der Gastgeber einschreiten und bitten müsste, dem Vornehmeren Platz zu machen, wäre das für den weniger Vornehmen beschämend. Er müsste den dann noch freien „untersten Platz einnehmen.“

Deshalb, so der Rat des Herrn: „Setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen“ (Lukas 14,10).

Was Jesus meint, geht weit über das wörtlich Gesagte hinaus. Mit der strikten, nur einfachen und direkten Umsetzung dieses Ratschlages ist es bei weitem nicht getan. Das bringt der Philosoph Friedrich Nietzsche spöttelnd auf den Punkt, indem er scharfsinnig bemerkt: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden!“

Genau das meint Jesus eben nicht. Deshalb wechselt er vom anschaulich Konkreten ins grundsätzlich Allgemeine: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lukas 14,11).

Die von Jesus gemeinte Erniedrigung oder Erhöhung wird gegeben. Sie kann nicht beabsichtigt oder angestrebt werden, weil sie über das dem Menschen mögliche weit hinausgeht. Als Erhöhung wird sie einem über das hinaus geschenkt, was man aus eigener Kraft vermag. Und als Erniedrigung wird sie einen schmachvoll weit unter dem widerfahren, was man im Leben darstellt und geleistet hat.

Was hier im Irdischen genau in dieser Weise letztlich als Peinlichkeit oder eben als echte Wertschätzung erfahrbar ist, ist vom Glauben her nur eine schwache Spiegelung der Wirklichkeit von Himmel und Hölle, die zudem ewig ist.

Mit einer auf der ersten folgenden zweiten Belehrung lässt sich die hintergründige Aussageabsicht Jesu weiter verdeutlichen. Jesus empfiehlt nämlich in einem zweiten Schritt dem Gastgeber, nicht wie bisher Freunde, Brüder, Verwandte oder reiche Nachbarn einzuladen, die alle vermeintliche Großzügigkeit durch eine Gegeneinladung wieder begleichen werden, sondern „Arme, Krüppel, Lahme und Blinde“.

Erst dann, so erklärt der Herr abschließend, „wirst du selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ (Lukas 14,12-14).

Damit legt uns der Herr ans Herz, wahrhaft menschlich zu sein. Dazu gehört, nicht für sich sondern für den anderen das Beste zu wollen. Dazu gehören Charaktereigenschaften wie Dienstbereitschaft und Demut. – Hier wird die wahre Größe des Menschen sichtbar, wie sie hier auf Erden wächst und im Himmel für immer bleiben wird.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34 / 2010 - 21. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Auf dem Weg nach Jerusalem wird der Herr von einem aus der Menge gefragt (Lk 13,23): »Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?« Anders als in vergangenen Zeiten scheint in unseren Tagen eine solche Frage erst einmal völlig uninteressant und ohne Bedeutung. Wo aber durch die Realität des Lebens gereift der vordergründige Blick aus der Verengung auf heute und morgen, auf gesund und satt, auf feiern, auf Spaß und Erfolg haben heraustritt, stellt sich diese uralte Frage auch heute mit ungebrochene Aktualität: »Sind es nur wenige, die gerettet werden?«

Es gibt zurzeit annähernd 2,6 Milliarden Christen. Aber die Welt ist auch dort, wo sie größeren Einfluss haben, nicht frei von Hass, Angst und Gewalt: Angst vor dem Leben, vor der Zukunft, vor den Menschen. Ändern wird sich das nur, wo jemand entschieden den Tellerrand seines irdischen und vergänglichen Lebens hinter sich lässt, weit darüber hinaus zu schauen und dem dann Erkannten zu folgen beginnt.

So antwortete Herr auf die ihm gestellte Frage (ibid. 13,24): »Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.« Hinter der engen Tür liegt das versprochene Glück, das schon im irdischen Leben beginnt, wenn auch noch unter fortdauernder Anstrengung (vgl. Mk 10,30), von der es erst im jenseitigen Leben endgültig befreit werden kann.

Auf das auch an anderen Stellen von Jesus gebrauchte Wort von der engen Tür und der notwendigen Anstrengung, folgt das Wort von der verschlossenen Tür (ibid. 25): »Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.« - All das hören wir im Evangelium von diesem Sonntag.

In der Geschichte Gottes mit jedem Menschen und auch mit den Völkern gibt es also einen entscheidenden Augenblick: »Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt ...«

Darüber hinaus ist entscheidend, dass die enge Tür nicht allein durch kulturelle Vertrautheit mit dem Christentum oder der Heiligen Schrift durchschritten werden kann. Denen, die von daher mit vermeintlichem Anrecht auf Einlass an die verschlossene Tür klopfen (ibid. 26f): »Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt«, wird geantwortet: »Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan.«

Diese werden dann (ibid. 28) »mit den Zähnen knirschen«, und müssen feststellen, »dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, sie selbst aber ausgeschlossen sind.« Sogar »von Osten und Westen und von Norden und Süden« werden viele andere »kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.« Ganz in diesem Sinne beendet der Herr seine Antwort dann mit dem bekannten Satz: »Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.«

Entscheidend ist folglich, ob und wie man sich »mit allen Kräften bemüht«. Nur dann kommt man durch die enge Tür zu dem Glück, das Gott jedem schenken möchte.

Hier gäbe es dann noch manches zu sagen. Ich möchte es exemplarisch mit zwei Aphorismen des Heiligen Josefmaria Escrivá tun, der in dem kleinen Buch »Spur des Sämanns« (Nr. 137f) schrieb: »Führe keinen Dialog mit der Versuchung. Lass es mich wiederholen: Hab den Mut zu fliehen! Und besitze ebenso die Stärke, keine Experimente mit deiner eigenen Schwachheit anzustellen - spiele nie mit dem Gedanken, wie weit du gehen könntest... Mach rechtzeitig Schluss - und zwar ganz! … Wenn dir klar ist - und du kennst dich ja gut genug -, dass du auf diesem Weg - mit dieser Lektüre, mit dieser Freundschaft... - in einen Abgrund geraten kannst... Warum versteifst du dich dann darauf, es sei vielleicht von Vorteil für deine Bildung, für die Entwicklung deiner Persönlichkeit? Ändere den Kurs - radikal! Mag das auch mehr Mühe kosten und weniger Zerstreuungen bieten. Es ist höchste Zeit, dass du dich wie ein erwachsener Mensch benimmst.«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33 / 2010 - 20. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Dieser Sonntag, der 15. August, ist zugleich das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Das Fest ist weiterhin mehr unter dem älteren, theologisch aber ungenaueren Namen Mariä Himmelfahrt bekannt

Am 1. November 1950 hat Pius XII. die im urchristlichen Glauben vorhandene Überzeugung, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet und endgültig bestätigt. In der antiken Ostkirche führte diese Glaubensüberzeugung schon bald nach dem Konzil von Ephesus (431) zur Feier dieses Glaubens. Unter Kaiser Mauritius (582-602) wurde diese Glaubensfeier zugleich staatlicher Feier- und Gedenktag und auf den 15. August festgelegt. Darauf geht die bis heute geltende Datierung zurück. In der römischen Kirche wurde das Fest etwas später, seit dem 7. Jahrhundert gefeiert.

Die dogmatische Erklärung von Papst Pius XII. gipfelt in der Aussage: „Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“

Passend zum Fest umreißt die erste Lesung aus Offb 12 in wenigen Sätzen ein gewaltiges Geschehen. »Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.« (Offb. 11,19a.12, 1-2)

Mit der Frau, die am Himmel als das große Zeichen erscheint, ist Maria, die Mutter des Messiaskindes gemeint. Sie verkörpert zugleich das Gottesvolk, insofern die zwölf Sterne über ihrem Haupt an die zwölf Stämme Israels erinnern. Damit eng verbunden beziehen sich die Geburtswehen nicht auf die leibliche Jungfrauengeburt ihres Messiaskindes. So wie Jesus von Maria außerhalb weltlicher Rahmenbedingungen, nämlich jungfräulich geboren wurde, so geht die Theologie von alters her auch von einer von Geburtswehen freien Geburt des Messias aus.

Mit den in der geheimen Offenbarung genannten Geburtswehen sind die Leiden des Gottesvolkes gemeint. Von diesen Leiden spricht auch der Heilige Paulus im Römerbrief (8,22): »Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.«

Neben Maria, die uns den Messias geschenkt hat und damit dem Geheimnis der Erlösung ganz nahe steht, spricht die geheime Offenbarung von einem anderen großen und gewaltigen, aber unheilvollem Zeichen (12, 3-4): »Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.«

Über die himmlische Frau jedoch wird dann ganz einfach und schlicht gesagt: »Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.«

Der Unheil bringende Drache vermochte ihr nichts anzuhaben. Auch konnte er die Erlösung bringende Geburt und das aus ihr erwachsende und sich ausbreitende Heil nicht vereiteln. So endet die Lesung mit der Feststellung (Offb. 12,10): »Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.«

Maria wurde also »mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen« auch damit wir, die wir noch nicht frei sind vom Leiden in dieser irdischen Zeit der Bewährung, getröstet, bestärkt und hoffnungsfroh ermutigt werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32 / 2010 - 19. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Monat August ist der Monat einer Reihe bekannter kirchlicher Fest- und Feiertage. Von den Bedeutenderen sind zu nennen der 6. August, das Fest der Verklärung des Herrn, und der 15. August, das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Das erste dieser beiden Feste, die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor,  wurde in der Ostkirche schon im 6. Jahrhundert gefeiert. In der lateinischen Kirche wurde dieses Fest erst im Jahre 1457 von Papst Kallistus II fest vorgeschrieben, und zwar zum Dank für einen wichtigen Sieg über die muslimischen Türken bei Belgrad. Für die weitere Entwicklung Europas und seine Zukunft ist dieser militärische Sieg nicht unbedeutend gewesen.

Ein solcher historischer Kontext für ein kirchliches Fest ist uns heute fremd geworden. Verständlicher und nachvollziehbar wird er jedoch durch die Tatsache, dass es dem damaligen Papst gar nicht um die militärische Dimension dieses Sieges ging, sondern um die geistliche und geistige Verfassung des Menschen: Dieser Sieg über die muslimische Militärinvasion hat, wie andere Siege dieser Art, die dem christlichen Europa eigene und spezifische Freiheits- und Wertevorstellungen bewahrt.

Es sind Vorstellungen und Grundhaltungen, die dem Menschen ohne jeden Zweifel dann besser entsprechen, wenn der Mensch davon, mit Gottes Hilfe, einen guten Gebrauch macht. Das der gute Gebrauch Jahrhunderte später, im derzeitigen schon fast nachchristlichen Europa ganz offensichtlich nicht mehr der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt.

Hier lässt sich dann auch ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Fest der Verklärung und dem äußeren Grund des militärischen Sieges mit dem daraus folgenden Überleben und Fortbestehen der christlichen Größe und Freiheit des Menschen erkennen. Die christlichen Größe und Freiheit des Menschen sind in ihrer ganzen Dimension nur vom gelebten Glauben an einen Gott her möglich, der aus Liebe zum Menschen ganz aus freien Stücken den Weg einer Erlösung durch den Tod am Kreuz geht.

Erst dieser freiwillige Schritt in die äußerste Erniedrigung legt die Größe der dem Menschen möglichen Freiheit offen. Somit führt erst dieser Schritt zur endgültigen Freiheit und Befreiung des Menschen. Es ist ein Schritt, der deutlich über die Menschwerdung Gottes hinaus geht. Wenn schon Gottes Menschwerdung im muslimischen Umfeld eine nicht denkbare Vorstellung ist, dann ist für Denker mit muslimischem Hintergrund noch weniger eine Erlösung des Menschen zur Freiheit durch eine Liebe nachvollzieh- und denkbar, die bis in den Tod am Kreuz hinabsteigt.

Das Christentum hat von diesem Hinabsteigen Gottes in die tiefste Erniedrigung des Menschseins aus die Werte und Freiheitsvorstellungen des Menschen ableiten können, wie sie für die christliche Hemisphäre, nicht aber für die muslimische, prägend und spezifisch sind, bzw. waren, sofern sie in der Gegenwart global überlagert werden von einem falschen Gebrauch, wie er für die Modernen und Postmoderne typisch ist.

Um die Jünger auf den Kreuzestod und seine Folgen, das heißt auf den wieder gewonnen Glanz und die wiederhergestellte Größe des Menschen, vorzubereiten, lässt er einige der Apostel die Herrlichkeit des Menschensohnes in der göttlichen Verklärung auf dem Berg Tabor schauen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31 / 2010 - 18. Woche im Jahreskreis (C)

Erste Seite des Buches Kohelet aus dem „Codex Sinaiticus“, einer Bibelabschrift aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

»Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.« So steht es im Buch Kohelet (1, 2). Ein Satz, der mit zu den bekanntesten der Bibel gehört. Er verwundert, seiner Unmittelbarkeit wegen, ist aber auf Anhieb eingängig und verständlich.

Jeder weiß um die Augenblicke, in denen einem das Leben zur Frage wird: ‚Was ist der Mensch? Wozu lebt er? Was nützen ihm Reichtum und Wissen, wenn der Tod doch alles auslöscht?’

Der biblische Verfasser des Buches Kohelet stellt sich und seinen Lesern unbequeme, aber zugleich auch spannende Fragen, auf die er bei den Philosophen und Theologen seiner Zeit  keine Antwort bekommt: »Es kommt vor,« stellt er fest, »dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.« (ibid. 2,21)

Der Autor fragt kritisch: »Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?« und konstatiert: »Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.« (ibid. 2,22-23).

Im Evangelium vom Sonntag dieser Woche kehren diese Fragen wieder, freilich in einem ganz anderen Klima. Aller Reichtum verfällt, aber es gibt etwas Besseres, einen Reichtum „vor Gott“: nicht das, was der Mensch hat, sondern das, was Gott aus ihm gemacht hat.

Mahnend erhebt der Herr seine Stimme: »Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.« (Lk 12,15).

Bei Lukas folgt das bekannte Gleichnis vom Landwirt, der unerwartet eine so große Ernte einfuhr, dass er seine alten Scheunen abreißen und deutlich größere errichten ließ in der Meinung, er habe nun bis an sein Lebensende ausgesorgt: »Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!« (ibid., 19)

Darauf sagt Gott zu ihm: »Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?« (ibid., 20), und Jesus, der Herr, verallgemeinert: »So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.« (ibid., 21)

Ist es nicht längst und allen schon immer bekannt, dass Vermögen und Erfolg die Gefahr mit sich bringen, dass der Mensch hart wird gegen andere Menschen und stumpf gegenüber dem eigentlichen Anspruch seiner Person? Die Folgen sind Überdruss und innere Leere ohne Perspektive. Ein solcher Mensch ist zur Ablenkung von einer schwindelerregenden und nicht zu bewältigenden Hoffnungslosigkeit verdammt durch äußerliche Geschäftigkeit und hohlem Getue. Für den Menschen gibt es nur den einen „Ausweg“ aus diesem seinem Elend: Gott anerkennen und an seine Liebe glauben.

Ohne die Anerkennung Gottes und einem gelebten Glauben wird man praktischer „Atheist“. Man wird ein Mensch ohne Gott, ein gottloser Mensch, der nicht mehr fähig ist, die Wirklichkeit Gottes und seine Liebe zu begreifen. Als gottloser Mensch verfällt man gottlosem Tun und verfehlt den Sinn seines Lebens.

Die Ferienzeit schenkt Abstand vom Alltag und die Möglichkeit, über sein Verhältnis zu Gott nachzudenken, und mit sich selber in seinem Bemühen um eine lebendige Beziehung zu Gott wieder ins Reine zu kommen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30 / 2010 - 17. Woche im Jahreskreis (C)

Mose begegnet Gott im brennenden Dornbusch

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

In dem Maß, wie die Elektronik in unser Leben Einzug hält, sind sichere Passwörter immer wichtiger. Sie schützen das Bankkonto, wenn es von zuhause über Internet verwaltet wird, und erlauben den Zugriff nur dem, der das Passwort kennt. Ähnlich ist es bei Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten.

Das richtige Passwort verschafft Zugang und sichert vor Missbrauch. Passwörter sind deshalb gewöhnlich geheim zu halten. Sie sollten auch möglichst ausgefallen und vielfältig sein, damit Unbefugte sie nicht erraten können. So ist etwa das Geburtsdatum oder der Vorname als Passwort ein denkbar schlechtes Passwort.

Am kommenden Sonntag teilt der Herr uns ein ganz besonderes Passwort mit. Es ist vielleicht das wichtigste Passwort überhaupt, und gegen alle Passwortregeln denkbar einfach und weltbekannt. Es ist das Passwort, das uns Zugang zu Gott verschafft.

Lange Zeit war Gott dem Menschen verborgen. Bei aller Gottesnähe, die der Herr etwa dem alttestamentlichen Mose gewährte, hörte Mose nur die Stimme aus dem brennenden Dornbusch, die ihm auftrug: „Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab“ (Ex. 3,5)

Jesus Christus hat als die zweite der drei göttlichen Personen, als der menschgewordene  Sohn Gottes diese Schwelle überschreiten und uns als seine menschlichen Brüder und Schwestern in ein viel größere, eine schwindelerregende Nähe zu Gott mitnehmen können. Jesus Christus führt uns, nachdem er „die Reinigung von den Sünden bewirkt“ hat (Hebr. 1,3), vor das Angesicht des Vaters: „Seht, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat“ (Hebr. 2,13).

Das für diese Nähe notwendige Passwort lautet: „Vater“. – Wir sprechen es aus im Gebet, das der Herr uns gelehrt hat: Im Vaterunser. Das Sonntagsevangelium berichtete uns darüber.

In unseren liturgischen Gottesdienstfeiern wird die Gemeinde eingeladen, das Vaterunser mit kindlicher Kühnheit zu sprechen. Auch die östlichen Liturgien verwenden ähnliche Ausdrücke: „voll Vertrauen wagen“ und „mach uns würdig“.

Wo wir als Menschen in eine kindliche Nähe zu Gott treten können, werden uns nicht nur die Besonderheiten Gottes als liebender Vater, sondern auch die Besonderheiten des Menschen als Kind Gottes geoffenbart. Der Heilige Ambrosius (sacr. 5,19) sagt dazu:

„O Mensch, du wagtest nicht, das Antlitz zum Himmel zu erheben, du senktest den Blick zur Erde, und plötzlich hast du die Gnade Christi erhalten: alle deine Sünden wurden dir vergeben. Aus einem schlimmen Knecht bist du ein guter Sohn geworden ... Erhebe also deinen Blick zum Vater, ... der dich durch seinen Sohn erlöst hat, und sage: ‚Vater unser‘ ... Berufe dich aber auf kein Vorrecht. Eigentlicher Vater ist er nur in Bezug auf Christus, während wir von ihm erschaffen sind. Sage also aus Gnade auch du: ‚Vater unser‘, um zu verdienen, sein Sohn zu sein.“

Wer Gott „Vater“ nennt, bekennt damit in einem Atemzug seine Bereitschaft, sich auch als würdiger Sohn, als würde Tochter zu erweisen. Ein anderer Kirchenvater, der Heilige Cyprian (Dom. orat. 11), bringt das so auf den Punkt: „Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes verhalten“.

Wer täglich das Vaterunser, das Gebet des Herrn, in dieser Haltung und Bereitschaft spricht, wird am eigenen Leibe erfahren, was der Heilige Augustinus (serm. Dom. 2,4,16) über dieses Gebet sagt: „Vater unser: Dieser Name weckt in uns beim Beten gleichzeitig Liebe, Zuneigung ... und auch die Hoffnung, zu erlangen, um was wir bitten ... Was kann er denn dem Gebet seiner Kinder verweigern, wenn er ihnen schon zuvor gestattet hat, seine Kinder zu sein?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29 / 2010 - 16. Woche im Jahreskreis (C)

Christus bei Marta und Maria (Lk 10, 38-42) – Jan Vermeer (1632 – 1675)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Die Sommerferien haben begonnen. Dazu passend hören wir am Sonntag, wie der Herr Marta von Betanien vor ihrer Schwester Maria zurechtweist und Maria lobt. Was war geschehen?

Marta war ganz davon in Anspruch genommen, Jesus und seine Jünger zu bewirten. Maria hingegen machte „Urlaub“: Sie hatte sich „dem Herrn zu Füßen gesetzt und hörte seinen Worten zu“ (Lukasevangelium, 10, 39). Marta war darüber verständlicherweise erbost und beklagte sich beim Herrn, dass ihre Schwester die ganze Arbeit ihr allein überlasse: „Sagt ihr doch, sie soll mir helfen!" (ebd., 40)

Marta muss sehr überrascht gewesen sein, als der Herr Ihrem Wunsch nicht entsprach. Statt Maria zu sagen: „Ab in die Küche, du hast mir lange genug zugehört“, tadelt er die fleißige Marta und lobt zu deren Erstaunen ihre scheinbar müßige Schwester Maria: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ (ebd., 41-42).

Die richtige Auslegung und das richtige Verständnis dieser Aussage Jesu ist spannend. Was genau meinte er mit dem »Einen Notwendigen«, das Maria als das »Bessere« gewählt hat?

Mit Blick auf das Ganze der Heiligen Schrift wäre es falsch, daraus einfach zu schließen: Da nach Jesu Aussage ihm zuzuhören als das Bessere notwendig ist, ist es weniger gut und nicht so notwendig, den Gast zu bewirten und dafür wie überhaupt zu arbeiten und sich ins Zeug zu legen. - Das könnte leicht wie ein Freibrief verstanden werden, sich immer mehr Urlaub und Auszeiten zu gönnen bei mehr oder weniger frommen Müßigsein.

Der an den Menschen gerichtete Schöpfungsauftrag lautet unmissverständlich, die Erde zu bebauen und sie zu behüten (vgl. Genesis, 1, 28-29) Das ist nicht weniger wichtig und nicht weniger gut als Jesus zuzuhören; das heißt richtig zu beten. Richtig beten bedeutet ja nicht nur bitten und betteln, sondern Gott zumindest genauso intensiv zuhören, sich seinen Eingebungen und Anregungen öffnen und darauf dann einlassen.

Damit sind wir am Kern des Problems und haben den richtigen „Verständnisschlüssel“ für dieses interessante Gespräch Jesu mit Marta aus Betanien über deren Schwester Maria.

Wer gut arbeitet weiß, dass die Arbeit einen ganz in Beschlag nehmen und dann einseitig auf falsche Wege führen kann. Intensive Arbeit kann dazu verleiten, müde und schlecht gelaunt oder auch erfolgsbesessen und eitel und manches mehr dieser Art zu werden.

Wer ein guter Arbeiter sein will, der muss auch ein guter Beter sein; wie auch umgekehrt. Das Beten ist insofern das einzig wirklich Notwendige und Bessere, weil jeder Arbeiter die Perspektive Gottes benötigt, um sich in und durch seine tägliche Arbeit nicht auf Abwegen zu verlieren.

Der guten Marta ist offenbar genau das widerfahren. Als Jesus mit seinen Jüngern bei ihr eintraf, hat sie völlig richtig reagiert: Die Ärmel hoch gekrempelt und aufgetragen, was die Speisekammer hergab. Aber dabei hat sie sich ereifert und ‚im Eifer des Gefechts’ ihrer Schwester Maria unrecht getan, die „das bessere gewählt hat, das ihr nicht genommen werden soll.“

Lassen wir uns von niemandem, auch nicht von uns selbst, die Zeiten des Gesprächs mit Gott nehmen, die notwendig sind, um unser Leben und Arbeiten aus seiner Perspektive zu sehen, damit alles wieder ins rechte Lot kommt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommer- und Urlaubszeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28 / 2010 - 15. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Ein Reisender wurde von Räubern brutal niedergeschlagen, ausgeraubt und schwer verletzt in der sengenden Wüstensonne halbtot liegen gelassen. Hintereinander kamen zwei scheinbar fromme Männer am Ort des Geschehens vorbei. Sie sahen den Verletzten, gingen jedoch davon unberührt weiter, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern.

Danach kam jemand vorbei, der als einer aus Samarien zu Unrecht als unfrommer Außenseiter galt. Als er den Ausgeraubten sah, empfand „er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie“ (Lukasevangelium, 10, 33f). Diese Erzählung gehört als Gleichnis vom barmherzigen Samariter mit zu den bekannten und sprichwörtlich gewordenen Lehrgeschichten, mit denen Jesus seinen Zuhörern etwas erklären möchte.

Ein Gesetzeslehrer hatte um Auskunft gebeten, wie man das ewige Leben gewinnt. Jesus verwies ihn auf das doppelte Gebot: ‚Gott mit ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben, und den Nächsten wie sich selbst.’

Der Gesetzeslehrer gab sich damit noch nicht zufrieden. „Wer ist mein Nächster?", wollte er wissen.

Hier geht es um ein bekanntes Phänomen. Nicht nur Prominente, die schon gerne einmal Gutes tun und dann auch möglichst viel darüber reden und berichten lassen, sondern auch „Normalsterblichen“ widerfährt es leicht: Durch Gefühle des Mitleids und der Anteilnahme bewegt setzt man sich in Wort und Tat ein für die Ärmsten der Armen. Aber in der eigenen Familie, im Kreis derer, mit denen man zusammen lebt, kommt man nicht so gut zurecht. Das fällt es einem merkwürdigerweise schwer, seinen Nächsten heute, morgen, übermorgen und alle Tage aus ganzem Herzen zu lieben.

Da gibt es einen Zusammenhang mit jener scheinbar frommen Frau, die bekennt: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie heiß und innig ich alle Menschen liebe und wie sehr mich jedes Unrecht zu Tränen rührt. …

Aber meine Nachbarin: Das ist eine ganz unmögliche, unausstehliche Frau. Wenn ich die schon sehe .…“

Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter erklärt Jesus, dass jeder einem der Nächste ist. Auch die Nachbarin. Diese gewöhnlich sogar noch mehr als all die Armen, die man nur über Fernsehen und Nachrichten kennt. Diese Art von Mitgefühl kostet einen nichts. Sie ist nicht gerade anspruchsvoll.

Von der heiligen Therese von Lisieux wird folgendes erzählt. Eine ältere Mitschwester aus ihrem Kloster besaß einen äußerst schwierigen Charakter. Sie wurde von allen anderen gemieden. Keine aus dem Frauenkloster kam mit ihr und sie kam mit keiner anderen gut zurecht. Als die blutjunge Therese das bemerkte, leistete sie der älteren Mitschwester über die Maßen oft Gesellschaft und war in ihrer Gegenwart immer besonders gut gelaunt.

Die ältere Mitschwester war darüber so verwundert, dass sie die jüngere fragte, was sie angesichts ihres verschrobenen Charakters denn so besonders an ihr fände. Die kleine Therese soll sich geschickt aus der Affäre gezogen haben. Sie wollte nur eines: Um der Liebe Jesu Christi willen auch dieser Außenseiterin als von Gott geliebtes Kind die dem Nächsten geschuldete Liebe und Zuneigung erweisen.

Tatsache ist: Bin ich gegenüber demjenigen aus meiner Nähe, bei dem es mir am schwersten fällt, in ganz besonderer Weise freundlich und zuvorkommend, dann strahle ich in meiner Umgebung auch allen anderen gegenüber eine überdurchschnittliche Sympathie aus. Dann kann Gottes Liebe in ganz besonderer Weise gegenwärtig sein.

Genau das ist im doppelten Gebot gefordert: ‚Gott mit ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben, und den Nächsten wie sich selbst.’ So konkret kann und sollte man es anpacken. Alles andere ist Gerede und bloßes Getue.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27 / 2010 - 14. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freude von St. Pantaleon!

„Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ Mit diesen Worten sendet der Herr zweiundsiebzig seiner Jünger „wie Schafe mitten unter die Wölfe“ in alle Städte und Ortschaften aus, in die er dann selbst gehen will. Sie sollen überall Frieden hinbringen und seine Ankunft vorbereiten.

Angesichts der anspruchsvollen Aufgabe ermutigt der Herr die Seinen: Wenn in dem Ort, zu dem sie gehen, „ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr im wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.“

Nach vollbrachter Mission kehrten die Zweiundsiebzig zurück und berichteten voll Freude: „Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.“

Hier wird deutliche: Es ist ein großes Geschenk, sich als Mitarbeiter Gottes wissen und am Aufbau seines Reiches mitwirken zu dürfen. Jeder soll in der Welt als Jünger Jesu den Frieden ausrufen; und kein Jünger Jesu wird dies vergeblich tun. Das Bemühen als Jünger Jesu wird vom Rest der Menschheit positiv aufgenommen und so viele und gute Früchte bringen, dass man als Jünger Jesu darüber erstaunt und überrascht ist, weil man eine so gute Reaktion und Wirksamkeit selber nicht erwartet hatte.

Wo das Bemühen gegen alle Erwartungen auf Ablehnung stößt, wird kein Jünger Jesu deshalb den eigenen Frieden verlieren (s.o.). – Erklärbar ist dies alles, weil man als Jünger Jesu nicht im eigenen Namen und aus eigener Kraft sondern im Namen Gottes und mit seinem Beistand für den Frieden arbeitet.

Ein aktuelles Beispiel: Aufmerksamen Beobachtern der Fußballweltmeisterschaft wird nicht entgangen sein, dass die letzte, noch im Wettbewerb stehende Fußballnationalmannschaft des afrikanischen Kontinents, die ‚Black Stars’ aus Ghana, miteinander singt, tanzt und betet. Kaum ein Team ist so religiös wie das aus dem westafrikanischen Land Ghana. Journalisten sind beeindruckt.

Ein Reporter des amerikanischen Sportmagazin "ESPN The Magazine", Jeff Bradley, berichtete kürzlich, was er beim Besuch der ghanaischen Nationalmannschaft erlebte. Schon von weitem könne man die Freude der Spieler spüren. "Praktisch alles, was an den 'Black Stars' auffällt, ist, dass sie ein Team sind, im wahrsten Sinne des Wortes", schreibt Bradley.

Die Gemeinschaft umfasse auch das gemeinsame Gebet. "Wir lieben es, zusammen zu singen, zu tanzen und zu beten. Das bringt Freude in unsere Herzen. Das ist unser Team", sagt der Stürmer der Mannschaft, Asamoah Gyan.

Und Kapitän John Mensah sagte in einem Interview mit der deutschen Presseagentur dpa: "Wir sind Christen, und wir alle wissen, wie wichtig Gott ist. Wir respektieren alle Gott, und wir beten jedes Mal vor einem Spiel und nach einem Spiel. Wir preisen Gott für das, was er für uns getan hat." Er fügte hinzu: "Wir beten zu Gott, bevor wir aufs Spielfeld gehen." Auch nach dem Training singen sie zusammen. "Nicht immer, aber auf jeden Fall am Tag vor einem Spiel."

In einer Verkündigungssendung der evangelischen Kirche habe ich das folgende Gebet der Nationalmannschaft aus Ghana gefunden: „Herr, lass uns fair spielen. Lass unser Spiel in deinen Augen gut sein. Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen. Und Herr, wenn du gnädig bist, dann lass uns gewinnen, hier im Spiel und später, wenn das Spiel und das Leben zu Ende sind. Amen.“

Uns allen wünsche ich ein schönes und gelungenes Pfarrfest, einen guten weiteren Verlauf der Fußballweltmeisterschaft … und dass auch Sie als Jünger Jesu die Ärmel hochkrempeln und ihm, dem Herrn, als Botschafter des Friedens vorausgehen. Bleiben Sie nicht nur Zuschauer, wenn andere es erfolgreich vormachen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26 / 2010 - 13. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Samstag, dem 26. Juni jährt sich zum 35. Mal der Todestag des heiligen Josefmaria Escrivá, der als Gründer des Opus Dei weltweit bekannt und verehrt wird. Auch in Sankt Pantaleon ist zu seinen Ehren – gestiftet von der Dr. Zieseniß-Krambo-Stiftung – in der Apsis des nördlichen Seitenschiffes eine Kapelle zu seinen Ehren durch die Künstler Elmar und Klemens Hillebrand entstanden. Papst Benedikt XVI. war einer der ersten, der bei seinem Besuch in Sankt Pantaleon während des Weltjugendtages 2005 in Köln in der zu diesem Zeitpunkt gerade fertig gestellten Josefmaria-Kapelle für einen kurzen Augenblick des Gebetes und Gedenkens an diesen Heiligen hat innehalten können.

Es ist für uns in Sankt Pantaleon eine große Ehre, dass fast genau fünf Jahre später der Vertreter des römischen Pontifex, der apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, am 35 Todestag des heiligen Josefmaria zu seinen Ehren ein großes feierliches Hochamt feiern wird.

Man muss Gott wirklich dankbar für diese zwei großen Geschenke päpstlichen Besuches sein. Der Besuch von Papst Benedikt galt den Priesteramtskandidaten auf dem Weltjugendtag, was in der Presse oft übersehen und mit Blick auf das Opus Dei schief dargestellt wurde. Erst der jetzige Besuch seines Vertreters in Deutschland, des päpstlichen Nuntius, fünf Jahre später, gilt nun dem heiligen Josefmaria und seiner Gründung, dem Opus Dei.

Man muss zum zweiten Gott auch sehr dankbar für das sein, was er durch das vorbildhafte Mitwirken des Heiligen Escrivá der Kirche als Gabe und Auftrag hat schenken können. Josefmaria Escrivá hat besonders den Menschen, die aufgrund ihres familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Engagements darüber klagen mussten, keine Zeit und Möglichkeit für ein geistliches Leben zu haben, neue Horizonte eröffnet. Er hat ihnen in Wort und Tat vermittelt, im hektischen Alltag im ständigen Bewusstsein von Gottes Gegenwart zu leben, und ihm gerade dort zu begegnen. Damit hat er die Menschen „vor der damals wie heute so häufigen Versuchung bewahren, eine Art Doppelleben zu führen: auf der einen Seite das Innenleben, der Umgang mit Gott, und auf der anderen Seite, säuberlich getrennt davon, das familiäre, berufliche und soziale Leben, ein Leben voll irdischer Kleinigkeiten.“

Diesem Dualismus hat Escrivá vom Heiligen Geist explizit gewollt und inspiriert ein klares Nein entgegengesetzt: „Es darf kein Doppelleben geben. Wenn wir Christen sein wollen, können wir diese Art von Bewusstseinsspaltung nicht mitmachen. …

Es gibt keinen anderen Weg“, hat Escrivá konkretisiert. „Entweder lernen wir, den Herrn in unserem alltäglichen Leben zu entdecken, oder wir werden ihn niemals finden. Es tut unserer Zeit not, der Materie und den ganz gewöhnlich erscheinenden Situationen ihren edlen, ursprünglichen Sinn zurückzugeben, sie in den Dienst des Reiches Gottes zu stellen und sie dadurch, dass sie zum Mittel und zur Gelegenheit unserer ständigen Begegnung mit Jesus Christus werden, zu vergeistigen.“

Soweit zur Kernbotschaft dieses bedeutenden und außergewöhnlich sympathischen Heiligen. Dann noch in eigener Sache zum Pfarrfest am Sonntag, dem 4. Juli: Bitte haben Sie vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine einzige Hl. Messe und zudem schon um 9.30 Uhr gefeiert wird. Zur anschließenden Pfarrprozession lade ich Sei alle herzlich ein und bitte die Anwohner um ein Zeichen der Sympathie gegenüber dem eucharistischen Herrn in der Monstranz: Eine Kerze im Fenster, eine kleine Figur oder eine kleines Altärchen o.ä.

Der Prozessionsweg verläuft in diesem Jahr wie folgt: Von der Kirche zur 1. Station in der Katholischen Grundschule „Trierer Straße“; dann über die Straßen „Am Pantaleonsberg“, „Vor den Siebenburgen“, „Am Trutzenberg“, „Martinsfeld“, “Heinrichstraße“, „Steinstraße“, „Schnurgasse“ zur 2. Station in der Kirche Maria im Frieden (Karmel). Von dort über die Straßen „Vor den Siebenburgen“, „Am Pantaleonsberg“ und „durch den Torbogen Am Weidenbach“ wieder zurück in die Kirche.


Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25 / 2010 - 12. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Am Mittwoch, dem 16. Juni, wurde der Raum hinter dem Hochaltar nach aufwendigen und mit hoher Sachkompetenz durchgeführten Restaurationsarbeiten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Was ist das für ein Raum? – Ich möchte es Ihnen kurz wie folgt erklären.

Der Nachkriegs-Wiederaufbau von St. Pantaleon ließ verschiedene Bereiche notgedrungen unberücksichtigt; unter anderem den Bereich hinter dem Hochaltar. Viele Jahre war dieser Raum zweckentfremdet Abstell-, fast schon eine Rumpelkammer; was der ursprünglichen Bedeutung dieses Ortes natürlich überhaupt nicht entsprach.

Der Bereich um den Altar ist nach ältester Tradition „heiliger Ort“ und gehört den Heiligen. Er ist Ruhestätte derer, die Großes geleistet haben: Heilige, deren sterbliche Überreste (Reliquien) hier einen Ehrenplatz erhielten.

Nur noch wenigen war bekannt, dass St. Pantaleon zwei große und kostbare Wandreliquienschränke in säulenflankierten Steinrahmen aus der Zeit der ersten barocken Chorumgestaltung unter Abt Spichernagel (1607-1640) besitzt. In Vergessenheit geraten waren auch die Nischen im Hochaltar, in denen einmal die kostbaren mittelalterlichen Reliquienschreine der Heiligen Albanus und Maurinus gestanden haben.

Der Hochaltar entstand in der zweiten Barockisierungsphase unter Abt Everhard von Schallenberg (1747-49). Die in diesem Hochaltar eingelassenen Nischen für die Schreine waren zum Kirchenschiff hin geöffnet, wurden aber nach dem Krieg durch geschickt im Barockstil übermalte Sperrholzplatten provisorisch geschlossen. Auch von der Rückseite waren sie, wie die gesamte Rückfront des Hochaltars, mit Sperrholzplatten vernagelt. Bei der Restaurierung des Umganges hinter dem Hochaltar wurden sie wiederentdeckt.

Man erkennt hier die schon in der Antike belegte, im Mittelalter intensivierte und im Barock ungebrochen weiter gepflegte Gewohnheit, die größten Schätze der Kirche, die sterblichen Überreste (Reliquien) der Heiligen, in größter Nähe zum Altar zu verehren. Mit dem nun vollständig wiederhergestellten Raum hinter dem Hochaltar ist diese Tradition bis in unsere Zeit nun fortgeführt.

Die Stelle der vor etwa 10 Jahren im Kirchenschiff aufgestellten Schreine der Heiligen Albanus und Maurinus, rechts und links neben dem Zelebrationsaltar unter der Orgel, füllen in den Hochaltarnischen nun zwei hölzerne Sammelreliquienschreine des frühen 17. Jahrhunderts aus der Kölner Jesuitenkircheh St. Mariä Himmelfahrt aus.

Der Umgang hinter dem Hochchor lockt mit zusätzlichen Besonderheiten. Künstlerisch hochwertig und aufwendig in Vollglasvitrinen werden hier nun kostbare Gegenstände präsentiert, die den wechselvollen Verlauf der Jahrhunderte überstanden und nicht nur wegen ihrer Einmaligkeit hohen Wert haben: Unter anderem zwei wunderschöne Vortragekreuze.

Das älteste, das sogenannte Albertuskreuz, mit eingraviertem Reliquienverzeichnis, entstand um 1170 in Köln. Das jüngere, aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, schmückt ein mit höchster Qualität gemalter „Corpus Christi“, der in mühevoller Restaurierung hinter einem stark verkrusteten und kaum noch durchsichtigen Balsamharzfirnis wieder zum Vorschein kam.

Nach den aufwändigen Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten sind dem Raum hinter dem Hochaltar seine ursprüngliche Würde und sein geheimnisvoller Glanz zurückgegeben. Alle an diesem Projekt Beteiligten haben eine Arbeit geleistet, die sich sehen lassen kann. Sie stellt einen beachtlichen Gewinn für die romanischen Kirchen Kölns und das einzigartige Kunstprofil dieser Stadt dar.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24 / 2010 - 11. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Mit dem zu Ende gehenden Priesterjahr am Herz Jesu Fest (Freitag, 11. Juni 2010) werden die Christen wohl noch lange dunkle und beschämende Monate für die Kirche verbinden. In dem Jahr der Priester sollte die Heiligkeit der im Dienste Gottes Stehenden gestärkt und neu ins Bewusstsein gerückt werden. Herausgekommen sind für den oberflächlichen Betrachter Missstände auch unter Priestern und Bischöfen, die abscheulich und in jeder Hinsicht verwerflich sind.

Wer sich an Kindern und jungen Menschen vergreift und ihnen für den Rest ihres Lebens schwersten seelischen Schaden zufügt, für den gilt das Wort des Herrn: »Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.« (Matthäus 18,6)

Mit der nüchternen Tatsache, dass Kirche und Gesellschaft seit Menschengedenken sich gegen schwere Verbrechen immer wieder neu haben verteidigen müssen, und es Missbräuche dieser Art immer schon gegeben hat – mit Abstand am häufigsten in der eigenen Familie, darf nicht ein einziger Verbrecher entschuldigt und nicht ein einziges Opfer weniger Zuwendung, Schutz und Hilfe erfahren. Aber der nüchterne Blick auf die Wirklichkeit ist heilsam und bewahrt davor, den Missbrauch für etwas ganz anderes, etwa für eine verlogene und böswillige Kritik an der Kirche zu missbrauchen.

Gibt es denn jemanden, der ein wirksameres Rezept als die Kirche gegen die Versuchung hat, sich von den Neigungen der gebrechlichen Natur des Menschen in sündhafter und menschenverachtender Form verleiten zu lassen? Das Rezept der Kirche ist Gott selber, der Mensch geworden ist, um uns zu sagen und vorzuleben, wie der Mensch gut und richtig ist.

Der menschgewordene Gott hat der Kirche die unverzichtbare Aufgabe anvertraut, diese Realität unter den Menschen ganz wach und lebendig zu halten. Sie tut es unter anderem mit dem Herz Jesu-Fest. Im Mittelpunkt dieses Hochfestes steht das Geheimnis des Herzens Jesu, das die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch, seit den Anfängen des Glaubens, beschäftigt.

Wenn die Kirchenväter über dieses Geheimnis nachsinnen, dann sprechen sie von dem Durchbohrten. Damit wird unser Blick dahin gelenkt, wo sich dieses Geheimnis entbirgt und doch zugleich verbirgt, wo es sich entschlüsselt und doch zugleich verschlüsselt bleibt: auf das Kreuz, auf den Gekreuzigten mit seinem durchbohrten Herzen. Offenbar und entschlüsselt wird hier die unermessliche, unendliche, unbegreifliche Liebe Gottes, die sich nicht scheut, die Mühsal und Beschwernis eines menschlichen Lebens auf sich zu nehmen, und nicht davor zurückschreckt, Leiden, Schmach und Tod zu erdulden.

Doch zugleich bleibt diese Liebe verschlüsselt und verborgen. Denn: Wer kann sie begreifen? Wer kann begreifen, dass Gott dies tut, dass Gott sich in seinem einzigen, innigstgeliebten Sohn so sehr entäußert und erniedrigt? Ist das nicht ausgesprochene Dummheit? Muss das nicht allen vernünftig und weise denkenden Menschen töricht erscheinen? So wird ja auch Paulus von den klugen Korinthern die Torheit des Kreuzes vorgeworfen (vgl. 1 Korinther 1, 18 f).

Die Heilige Schrift bezeugt es uns genügend: Liebe ist das Geheimnis dieser unbegreiflichen Wirklichkeit von Kreuz und Tod! Liebe ist damit aber auch zugleich das Geheimnis der Wirklichkeit überhaupt.

Und diese Liebe war, ist und wird auch in Zukunft ganz die Mitte der Kirche sein. Wer etwas genauer hinblickt, den werden die schmerzlichen, notwendigen und von Gott gewollten „Enthüllungen“ (s.o.) eine ganz besondere Hilfe sein, jetzt erst recht aus dieser Mitte zu leben. Ohne diese Mitte wären die Menschen verloren und würden sich vergeblich gegen immer wieder neue und vielfältige Missbräuche zu wehren versuchen.

So ist dieses nun zu Ende gehende Priesterjahr ein Segen gewesen. In ganz unerwarteter Weise ist die von Gott gewollte Heiligkeit, besonders auch der Priester, wieder ins Zentrum gerückt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23 / 2010 - 10. Woche im Jahreskreis (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Am vergangenen Samstagvormittag fand im Petersdom eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung statt: Eine eucharistische Anbetung zur Sühne für die Sünden der Priester. Darin wurde die Tragödie, die in den letzten Monaten mit Schmerzen die ganze Kirche erfüllte, vor Gott gebracht: Das Schicksal vieler Kinder, deren Vergangenheit von pädophilen Priestern „zertreten“ worden war, und die die Worte Jesu „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ verraten haben. (…)

Der eucharistischen Anbetung (…) folgte eine Betrachtung des „Staatsanwaltes“ im Vatikan für Fälle sexuellen Missbrauchs von Geistlichen, Monsignore Charles Scicluna, der offiziell verantwortlich für den Gerichtshof der Kongregation für die Glaubenslehre ist. Monsignore Scicluna fand klare Worte: „Wie viele Sünden werden in der Kirche durch Arroganz, unersättliche Gier, Missbrauch und Ungerechtigkeit derer begangen, die ihren Dienst dazu ausnutzen, Karriere zu machen, etwas darzustellen, aufgrund einer sinnlosen und erbärmlichen Ruhmsucht.“

Der maltesische Priester, der schon seit Jahren Fälle von Pädophilie und Kindesmissbrauch durch Priester untersucht und überprüft, stellte fest, dass Christus seine härtesten Worte gegen die Urheber dieser Verbrechen gebraucht. „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde“, zitierte er Jesu Wort aus dem Markusevangelium (Mk 9, 42).

Das Kind sei „kostbar in den Augen Gottes und in den Augen eines wahren Jüngers Jesu“, betonte der Bischof während dieses Gottesdienstes am Ende des Priester-Jahres. Msgr. Scicluna prangerte an: „Wie dürr wird jedoch die Erde und wie traurig die Welt, wenn dieses so wunderbare Bild und diese heilige Ikone zertreten, zerbrochen, beschmutz, missbraucht, zerstört wird!“

Die anwesenden Gläubigen (…) erinnerte Bischof Scicluna an die Worte Jesu: „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab“. Er deutete diese „Hand“, die man abtrennen muss, als „den lieben Freund, mit dem wir unser Leben verbringen und mit dem uns die Bande der Zuneigung, Harmonie und Solidarität verbindet. Es gibt eine Grenze in dieser Verbindung“, so Sciluna.

„Die christliche Freundschaft ist dem Gesetz Gottes unterworfen. Wenn mein Freund, mein Begleiter oder der geliebte Mensch für mich ein Anlass zur Sünde wird oder zu einem Hindernis auf meiner Pilgerreise, habe ich keine andere Wahl, entsprechend dem Maßstab des Herrn, als diese Verbindung zu trennen. Wer würde die Qual einer solchen Entscheidung leugnen?

Handelt es sich nicht um eine grausame Amputation?“, stellt der Staatsanwalt des Vatikans zur Frage. „Der Herr spricht jedoch eindeutig: Es ist besser für mich allein ins Reich Gottes zu kommen (ohne eine Hand, ohne ein Auge, ohne einen Fuß), als mit meinem Freund »in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer«.“

Angesichts der schwierigen Situation der Kirche in dieser Zeit schloss der Bischof mit der Bitte aus der Messbuch: „Herr Jesus Christus, du hast den Apostel gesagt: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.« Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und schenke ihr nach deinem Wort Einheit und Frieden.“

Diesen vom Nachrichtendienst „Zenit“ wörtlich übernommen Bericht möchte ich Ihnen zum Ende des „Jahres der Priester“ mit auf den Weg geben. Dass es gerade Kinder als Opfer und diese unsäglichen Verbrechen sind, mit denen wir in diesem Priesterjahr konfrontiert wurden, ist für mich nur als vom Heiligen Geist ausdrücklich so gewollt und zugelassen zu verstehen, damit wir alle – jeder in seiner Weise – dem Leitwort dieses Priesterjahres uneingeschränkt entsprechen: „Treue in Christus, Treue des Priesters“, und Sühne tun für jene, die es missbraucht haben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22 / 2010 - Dreifaltigkeitssonntag (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

In diesen Tagen wird das Glaubensleben geprägt von einer Abfolge größerer Feste, die nachvollziehen lassen, in welch intensiver Weise Gott zum Heil der Menschen da ist. Auf das Fest der Auferstehung folgt der Tag der Himmelfahrt, an dem unser Herr Jesus Christus das gesamte irdische Leben gewissermaßen erneut in die Höhen des Himmels hebt und dabei die Erde wieder mit dem Himmel verbindet.

10 Tage später feiert die Kirche mit dem Pfingstfest das endgültige Herabsteigen Gottes von den Höhen des Himmels hinunter zur Erde. Damit stellt Gott sicher, dass die Verbindung zwischen Himmel und Erde, wie auch umgekehrt, nicht noch einmal hoffnungslos verloren geht.

Von daher ist es konsequent, dass die Kirche am Sonntag nach Pfingsten das Fest der Dreifaltigkeit feiert. Denn „das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium, Nummer 44).

Von klein an ist zwar allen Christen das Geheimnis der Dreifaltigkeit irgendwie bewusst – wenn Christen beten, beginnen sie meist mit dem Kreuzzeichen und bekennen dabei ihren Glauben an den dreifaltigen Gott: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ –, aber zugleich ist die Bedeutung dieses zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens und Lebens vielen so gut wie kaum bekannt.

Das liegt primär am Geheimnischarakter, zum anderen aber auch an einer bedauerlichen religiösen Unwissenheit.

In der Dreifaltigkeit offenbart sich der eine und einzige Gott als personales Wesen in drei Personen. Dieser dreipersonaler Gott ist eine einzige und innige Gemeinschaft, die zeitlos und damit ewig ist. Der immerwährende und ewige Austausch der drei Personen in dem einen und einzigen Gott spiegelt sich wider in dem auf Gemeinschaft hin geschaffenen Menschen.

In besonderer Weise ist die Familie Abbild der göttlichen Dreifaltigkeit. Von daher ist sie in der Natur des Menschen vorgegeben und nicht beliebig. Familie ist die Verbindung eines Mannes mit einer Frau und ihren gemeinsamen Kindern. Alles andere ist nicht wirklich Familie.

Zu diesem Zusammenhang zwischen dem Urbild der Dreifaltigkeit als himmlische Personengemeinschaft und ihrem Abbild in der irdischen Familie kennt die christliche Kunst die Darstellung der Dreifaltigkeit im Himmel und der „Dreifaltigkeit auf Erden“, die in der Heiligen Familie zugleich Vorbild aller Familien ist.

Dargestellt wird in vertikaler Linie, wie auf dem Bild der Pfarrnachrichten erkennbar, der Vater, der Heilige Geist und Sohn, der als der menschgewordene Jesus Christus eine Doppelfunktion als Bindeglied ausfüllt. Jesus Christus verbindet die himmlische Dreifaltigkeit als Urbild mit der irdischen Dreifaltigkeit als ihr erstes und schönstes Abbild in der Heiligen Familie.

Damit zeigt sich zugleich die Bedeutung des zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens und Lebens: Die Dreifaltigkeit ist der Ursprung und zugleich das Ziel jeder menschlichen Gemeinschaft, die auf die Familie zurückgeht. Vieles wäre hierzu noch zu sagen.

Auf das Hochfest der Dreifaltigkeit folgt das Fest Fronleichnam, das aus einer Perspektive die besondere Gegenwart unseres Gottes unter der Gestalt des Brotes als Stärkung und Nahrung für uns in den Mittelpunkt rückt. Auch hierzu wäre noch so vieles zu sagen.

Von Herzen lade ich Sie dazu ein, am Fronleichnamstag nach der Hl. Messe um 9:30 Uhr gemeinsam mit uns zum Roncalliplatz, und von dort aus in der zentralen Fronleichnamspression mit zu gehen. Darüber hinaus wünsche ich Ihnen Kraft, Trost und Zuversicht; denn Gott ist uns wirklich überaus nahe und zugleich als unsere Orientierung immer ansprechbar.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21 / 2010 - Pfingstwoche (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Eines der biblischen Symbole für den Heiligen Geist ist das Feuer. In dieser Gestalt kam er am Pfingsttag auf die Apostel herab. „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder“, so berichtet von jenem Ereignis die Apostelgeschichte (2,3).

Feuer ist ambivalent. Es bewirkt sowohl Gutes wie auch Böses. Es kann Leben erhalten und erretten wie auch vernichten und zerstören. Schon in manchen Redewendungen wird das deutlich: „In Liebe entbrennen“; „Feuer und Flamme sein“; „Feuertaufe“ wie auch „mit dem Feuer spielen“; „Feuer gefangen haben“; „sich die Finger verbrennen“ usw. Auch manche Begriffe werden in beiderlei Richtung mit Feuer in Verbindung gebracht: „Begeisterung“, „Liebe“, „Hass“, „Zorn“, „Leiden“, „Läuterung“, „Reinheit“ usw.

Das Evangelium Jesu Christi verkündet die Erlösung. Erlösung ermöglicht, dass der Mensch aus seiner Ambivalenz herausfindet und von ihr befreit wird. Jeder Mensch weiß sehr gut, dass er sowohl Gutes wie auch Böses tun kann. Wer sich Gott anvertraut, der spürt immer mehr eine Kraft, eine göttliche Kraft in sich, aus der heraus er sich dem Böse ab- und dem Guten immer endgültiger zuwenden kann.

So wird auch all das im Menschen, was mit Feuer in Verbindung gebracht werden kann, „erlöst“ und damit immer weniger ambivalent. Wer sich Gott anvertraut, ihm gehören möchte, sich mit Ausdauer und Gottes Kraft von der Gottlosigkeit abwendet, sich die Vater-unser-Bitte „Dein Wille geschehe“ auf die Fahnen schreibt, der lässt sich ein auf einen Prozess geheimnisvoller und doch zugleich wirklicher und spürbarer Reinigung und Läuterung. Er nimmt wahr und erfährt, wie seine Leidenschaften immer eindeutiger werden im Guten und immer geringer in ihrer Zweideutigkeit.

Auch hier gibt uns die Bibel ein wundervolles Bild an die Hand. Im Alten Testament, im Buch Exodus (3,1 ff), wird Mose von einem Dornenbusch in Bann gezogen, der „brannte und doch nicht verbrannte.“ In diesem Dornenbusch offenbarte sich Gott. In dieser Offenbarung können wir eine Vorbereitung auf das Pfingstfest sehen. Im Bild vom brennenden Dornenbusch, der nicht verbrannte, können wir auch sehen, wie Gott den Menschen durch die Kraft seines Geistes verändert und umgestaltet: Wie er ihn erlöst.

Wer sich von Gott nicht erlösen lassen möchte, und sich damit selber zur Gottlosigkeit verdammt, wird über eine gewisse Entwicklungsstufe aus eigener Kraft nicht hinaus kommen. Er wird feststellen müssen, dass seine Leidenschaften, wofür er sich mit Feuer und Flamme eingesetzt hat, mehr Schutt und Asche hinterlassen, als ihm lieb ist.

Nur in und mit der Kraft Gottes vermag der Mensch „zu brennen ohne zu verbrennen“; zu entzünden ohne zu verletzen; Feuer und Flamme ohne Schutt und Asche zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gnadenreiches Pfingstfest.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20 / 2010 - 7. Osterwoche (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Monat Mai loben und verehren die katholischen Christen in besonderer Weise die Gottesmutter und Jungfrau Maria. Weithin sichtbar schmücken sie vielfältig ihre Mariendarstellungen. Dabei sind Blumen und Blüten Symbole für Maria in ihrer Gnadenfülle. Die Gottesmutter wird verehrt als „Rose ohne Dornen“ und „schönste Blume“, wie es in einem Marienlied heißt. Schwertlilien, Anemonen und Nelken wiederum weisen auf Maria als schmerzhafte Mutter hin. Das Maiglöckchen – als beliebte Heilpflanze – steht für das Heil, das endgültig durch Maria in die Welt gekommen ist.

Schon im frühen Mittelalter stellten Künstler Maria häufig inmitten von Blumen dar. Sie sollten zudem das verloren gegangene Paradies versinnbildlichen, das uns durch Maria als Mutter Gottes nun in anderer Weise zurückgeschenkt ist. Darüber hinaus steht die im Frühling erwachende Natur mit ihrer Blütenpracht für neues Leben und Fruchtbarkeit. Auch dies ist in besonderer Weise durch Maria als der Mutter Gottes ermöglicht und Wirklichkeit geworden.

Von daher erklärt sich, dass auf der Südhalbkugel nicht der Mai, sondern der dortige Frühlingsmonat November als Marienmonat begangen wird.

Das Leben Mariens lädt dazu ein, es in der Beziehung zu ihrem Sohn zu betrachten. Viele Künstler haben das in ihren Kunstwerken getan. So wird Maria oft als junges Mädchen dargestellt: bei der Verkündigung, neben der Krippe, im Tempel. Eine ganz andere Maria begegnet uns in den Darstellungen von Leidensweg und Kreuz: eine erfahrene, reife und treue Mutter, die den Lebensweg des Sohnes bis zum Ende mitging.

Die letzte Station dieses Weges stellte Michelangelo (1475-1564) in seiner berühmten Pieta dar. Als Papst Paul VI. vor dem restaurierten Werk stand, sagte er: Hier ist Arbeit Gebet geworden.

Neben dem friedvollen Gesicht der Gottesmutter fällt dem Betrachter ihre Jugendlichkeit auf. Man fragt unwillkürlich, weshalb Michelangelo einer Mutter mit einem über dreißig Jahre alten Sohn ein so jugendliches Gesicht geben konnte.

Seinem Schüler Ascanio Condivi gab Michelangel darauf die Antwort: „Weißt du nicht, dass die keuschen Frauen sich viel frischer erhalten als die unkeuschen? Um wie viel mehr also eine Jungfrau, welche niemals auch nur der geringste wollüstige Gedanke befiel, der ihren Leib hätte entstellen können. (...) Das war bei dem Sohn nicht nötig; vielmehr eher das Gegenteil, weil zu zeigen war, dass der Sohn Gottes wirklich einen menschlichen Körper angenommen hat. (...) Darum steht's dir nicht zu, dich zu wundern, wenn mich diese Einsicht bewog, die Allerheiligste Jungfrau, die Mutter Gottes, im Vergleich zu ihrem Sohn weit jünger zu gestalten, als es jenes Alter gewöhnlich fordert, dem Sohn aber sein Alter zu lassen.”

Hier klingt eine tiefe Einsicht an: die Jugendlichkeit eines Menschen entscheidet sich in seiner Einstellung und Lebenshaltung. Dabei sind auch die Gedanken besonders wichtig. Nicht wenige Ärzte und Psychologen behaupten: „Die unheilvollste Krankheit des heutigen Menschen ist die Negativität seines Denkens. Vielen Patienten fehlt nichts außer gesunden Gedanken.”

Maria macht Mut und erwirkt von ihrem Sohn die Gnade, Gedanken und Gefühle von allem Ungesunden, Unsinnigen und Destruktiven zu reinigen und weit von sich zu weisen. Maria bezog ihre Frische daraus, dass Gott für sie alles zum Positiven gewendet hat; auch das Kreuz und alle anderen negativen Lebenserfahrung.

Alles mit den Augen Gottes sehen, das könnte ihr unausgesprochenes Lebensmotto sein. Das könnte auch unsere Regel sein, um Unausgegorenes zu klären und zu reinigen, etwa Egoismus, ungeordnete Selbstwertgefühle oder vagabundierende Sexualität.

Auch wenn wir altern, wir bleiben doch jung. Die Jugendlichkeit der Pieta des Michelangelo hat einen tiefen und schönen Sinn.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19 / 2010 - 6. Osterwoche (C)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem 6. Ostersonntag hören wir als Evangelium einige Verse aus den sogenannten Abschiedesreden Jesu. Zwischen den Zeilen nimmt der aufmerksame Zuhörer eine gewisse Angst und Unruhe der Jünger wahr, auf die der Herr im 14. Kapitel des Evangeliums nach Johannes wie folgt antwortet:

„Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“

Es sind beruhigende Worte des Herrn, die vor allem auch den Grund für die Zuversicht nennen: Die Liebe.

Blind macht nur die unreife Liebe. Die gereifte Liebe hingegen macht sehend. Wenn wir dem Herrn mit wirklicher, das heißt mit gereifter Liebe verbunden sind, dann ist der Abstand zwischen uns und ihm kein Hindernis; im Gegenteil: Er hilft der Liebe reif zu werden.

Auch wenn der Sohn Gottes nicht mehr als der Mensch Jesus von Nazareth unter uns ist, sind wir keine Waisenkinder Gottes. Wir sind nicht alleine. Und auch die Kirche ist nicht alleine, mag sie auch im Laufe ihrer zweitausendjährigen Geschichte immer wieder erschüttert und bis an den Abgrund getrieben worden zu sein. Der Heilige Geist, den das Pfingstereignis bezeugt, steht den Seinen zur Seite und leistet der Kirche seinen Beistand.

„Beistand“ ist eigentlich ein zu schwacher Ausdruck. Im griechischen Original steht das Wort „parakletos“, das ist der Herbeigerufene, der hilfreiche Berater, aber auch der Handhalter, der ganz in der Nähe ist und die Hand hält, wenn es darauf ankommt. Wir kennen so etwas z.B. wenn man krank ist: Wie froh ist man dann, wenn ein lieber Mensch bei einem ist und die Hand hält!

Der Beistand, den Jesus den Seinen zusichert, nimmt sie also an die Hand, und setzt auf diese Weise Jesu Werk fort. Er bringt den Seinen die Botschaft Jesu noch näher, wie der Herr es an dieser Stelle dann auch ausdrücklich erklärt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Die Himmelfahrt Jesu und seine von da an scheinbar größere Distance zu den Menschen ist Chance und Herausforderung zugleich, dass die Liebe zu ihm reift und in die Tiefe geht. Bei diesem Prozess, in dem natürlich auch der Glaube sich entfalten und in die Tiefe wachsen muss, bleibt die Herde Jesu nie ohne himmlischen Helfer, Hirten und „Handhalter“.

Jesus erklärt im dem oben genannten Evangelium auch, was der einzelne Christ dazu konkret tun soll: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“

Jesus Worte dienen dem heutigen Jünger Jesu wie eine Art Treppen-Geländer, das vor dem Absturz bewahrt und unaufdringlich nach oben führt. Dabei muss man sich am Geländer aber auch festhalten; sonst drohen Stolpern und Lebensgefahr!

Interessant dabei ist der ursprüngliche Ausdruck für „festhalten“ im Neuen Testament. Man kann diesen Vers nämlich auch so übersetzen: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort bewachen.“ – Jesus spricht also nicht von einem passiven Festhalten, sondern von einem aktiven Handeln: Damit das Wort des Herrn im alltäglichen Leben nicht verloren geht, muss jeder diesen Schatz auch aktiv bewachen und behüten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18 / 2010 - 5. Osterwoche (C)

Der Heilige Paulus, Mosaik aus dem 5. Jh., Ravenna

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesen Sonntagen in der Osterzeit wird uns im Gottesdienst aus der Apostelgeschichte vorgetragen, wie sich das Reich Gottes durch die Glaubensstärke der Apostel und der frühen Christen beständig ausgebreitete. Die Berichte vermitteln dem Leser oder Hörer eine positive Grundstimmung und enthalten versteckte Impulse, die den christlichen Gemeinden von heute sehr gut tun.

Obwohl die christlichen Gemeinden damals ganz geringe Zahlen aufwiesen, blies ihnen der Wind einer ganz anders denkenden Umwelt wesentlich kräftiger ins Gesicht als uns heute. Materielles Wohlergehen, religiöse Vielfalt und Beliebigkeit, Individualismus und Werteverfall waren damals so überwältigend groß, dass die Kulturen der Antike daran untergegangen sind.

Unser Problem heute besteht darin, dass die Kirche in unseren Tagen nicht nur von außen infrage gestellt wird. So ist es unter anderem nicht korrekt, nur mit Blick auf Priester und Bischöfe vom „Bodenpersonal“ zu sprechen. Zum „Bodenpersonal“ der Kirche gehören schließlich alle Christen. Uneinigkeit und Beliebigkeit, gegenseitige Vorwürfe und Unwille zur Kooperation sind nur einige Aspekte, die das Licht und den Segen, die von der Kirche für die Welt ausgehen, in der Öffentlichkeit verdunkeln und trüben.

Die Berichte der Apostelgeschichte verschweigen nicht die vielen Schwierigkeiten, äußere wie innere, die auch damals bestanden. Allen zum trotz sprachen Paulus und Barnabas den anderen „Jüngern Mut zu und ermahnte sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.“ (vgl. Apostelgeschichte, 14. Kapitel, Vers 22)

Entscheidend und ausschlaggebend war eine wichtige Grundüberzeugung, welche die christlichen Gemeinden des Anfangs ganz wesentlich geprägt hat. Die frühen Christen, allen voran die Apostel, verstanden sich als Werkzeuge Gottes. Sie ließen Gott ganz bewusst durch sich handeln; was auch auf eine innige und tiefe Gottesbeziehung schließen lässt.

Darin liegt das eigentliche Mutmachende; und wenn wir so wollen, das Erfolgsrezept. Paulus und Barnabas berichteten alles, wie es in der Apostelgeschichte wörtlich heißt, „was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.“

Das Leben eines jeden, der sich Christ nennt, muss davon geprägt sein, wenn man nicht nur ein Taufscheinkatholik sein möchte.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17 / 2010 - 4. Osterwoche (C)

Der gute Hirt – Fresko in der Priscilla-Katakombe, Rom, Ende des 3. Jh.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Kommunionvers an diesem Sonntag, dem 4. in der Osterzeit, betet die Kirche: „Auferstanden ist der Gute Hirt. Er gab sein Leben für die Schafe. Er ist für seine Herde gestorben, Halleluja.“ Hier wird die Gestalt des guten Hirten angesprochen, die im Sonntags-Evange­lium im Mittelpunkt steht.

Er, Jesus, der gute Hirt hat durch sein aufopferndes Leben bis zum Tod den Schafen das Leben gerettet und wiedergeschenkt. Wir können auch sagen: Die Hingabe des guten Hirten hat Rettung und Erlösung gebracht.

Jahre später stärkt Petrus den Glauben der Christen daran. Er erinnert an die Taten Jesu und wofür er gelitten hat (1 Petr 2,24-25): „Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.“

Ganz ähnlich betet die Kirche auch heute, und erinnert damit zugleich die Gläubigen unserer Tage an das bis zum Ende der Zeit fortdauernde segensreiche Tun des guten Hirten: Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt. Geleite auch die Herde, für die er sein Leben dahingab, aus aller Not zur ewigen Freude. (Tagesgebet vom 4. Sonntag)

Aus den ersten christlichen Jahrhunderten sind uns vor allem in Fresken und Mosaiken zahlreiche Darstellungen vom guten Hirten überliefert. Sie veranschaulichen die barmherzige Güte des menschgewordenen Gottes, der die Seinen nicht im Stich lässt. Darüber hinaus können und sollen diese Darstellungen auch Assoziationen mit Blick auf diejenigen wecken, die im Auftrag Gottes das Hirtenamt vor Christus ausübten, und nach Christus in anderer Form weiterhin ausüben.

Im Alten Testament ist Mose der Hirt der Herde Gottes (vgl. Jes 63,11), und David wird von Gott von seinen Schafen weggeholt, um das Volk Israel zu weiden (vgl. Ps 78(77),70 ff). Aber auch Gott selber ist der Hirte Israels (Ps 80(79),2), der das zerstreute und versprengte Volk wieder sammelt. Alle Verheißungen und Erwartungen an den vollkommenen Hirten, die im Alten Testament anklingen, erfüllen sich im Neuen Testament in der Gestalt Jesu.

Vor allem im Johannes-Evangelium erkennen wir neue Züge. Jesus ist keine Herrschergestalt, wie der messianische König es ist. Er ist der gute Hirt, der sein Leben für die Schafe hingibt und Hirten einsetzt, damit diese sein Werk weiterführen. Im Gegensatz zum Mietling, der im Augenblick der Gefahr die Schafe im Stich lässt, um sein eigenes Leben zu retten, setzt Jesus sein Leben für die Schafe ein und zeigt damit, dass sie seine Schafe sind.

Damit ist nicht ein materielles Eigentumsverhältnis gemeint. Hier geht es vielmehr um ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Hirt und Herde. Dieses Verhältnis wird durch zusätzliche Bilder vom Rufen des Hirten und dem Hören bzw. Kennen seiner Stimme durch die Schafe als sehr innig beschreiben. Jesus ist der eine und – wie es im 1. Petrusbrief (5,4) heißt – der oberste Hirt.

Jesus Christus wiederum, der eine und oberste Hirt, hat weiter Hirten eingesetzt, die in seinem Namen sprechen und handeln und ihn dabei auf eine ganz besondere Weise nicht nur vertreten sondern auch gegenwärtig machen. Nach katholischem Glauben wird das Priesteramt (= das Amt des [guten] Hirten) durch ein besonderes Sakrament übertragen. Dieses zeichnet die Priester, und in einem noch umfassenderen Maß die Bischöfe und den Papst aus und prägt als „Salbung des Heiligen Geistes“ dem zum Priester Geweihten ein unauslöschbares „Prägemal“ ein.

Durch diese „Besiegelung“ ist der Priester, und noch umfassender der Bischof, Christus gleichförmig, so dass er beim Verkünden und der kirchentreuen Auslegen des Evangeliums wie beim Spenden der Sakramente „in der Person Christi des Hauptes“ handelt.

Auch wenn diese Tatsache durch Priester und Bischöfe, die sich des sehr großen und verabscheuungswürdigen Verbrechens von sexuellem Kindesmissbrauch schuldig gemacht haben, in der oberflächlichen Wahrnehmung fast gänzlich verdunkelt wird, bleibt sie im Kern davon unberührt und darf deshalb im gläubigen wie auch – mit Blick auf religiöse Toleranz – im öffentlichen Bewusstsein nicht verdrängt oder gar geächtet werden.

„Die Mächte der Unterwelt werden sie (die Kirche) nicht überwältigen.“ (Mt 16,18). Die Missbrauchsfälle, und dass es dazu kommen konnte, sind ein Signal für sehr sehr viele, die Schuld ihrer Gottvergessenheit und ihre Gottlosigkeit zu er- und zu bekennen und umzukehren.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16 / 2010 - 3. Osterwoche (C)

Der nachösterliche Fischfang - Konrad Witz (+1444)

Ostern und Auferstehung waren vorbei. Nun hatte der Alltag die übriggebliebenen Jünger wieder fest im Griff. Sieben der Jünger waren in der Nähe der Stadt Tiberias am See Genesareth zusammen und wussten nicht so recht, wie es nun weitergehen sollte. Es ist der Evangelist Johannes, der uns davon berichtet (vgl. Joh. 21,1 ff).

Petrus als temperamentvolle und ungeduldige Führernatur hielt die Ungewissheit eines Abends nicht mehr aus: „Ich gehe fischen.“ Ohne Diskussion stimmten alle zu, und fuhren mit hinaus auf den See. „Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“

Wenn sie doch wenigstens einen ganz kleinen Fang gemacht hätten! … Aber sie fingen nichts. Gar nichts! … Umsonst hatten sie sich abgeplagt! Sie standen mit leeren Händen da. Was haben sie bloß falsch gemacht?

Die Frage des Auferstandenen, den sie wieder einmal nicht erkannten, brachte sie in zusätzliche Verlegenheit: „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Bei Ihrer Antwort: „Nein“ hört man es förmlich knistern. Es ist zugleich Eingeständnis des eigenen Unvermögens und der Unfähigkeit, einen hungrigen Fremden zu sättigen.

Wie schon einmal, als sie drei Jahre zuvor Jesus zum ersten Mal begegneten, lassen sie sich ein auf die sonderbare Aufforderung: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Fischfang bei Tag – das hat noch nie funktioniert! Eine solche Aufforderung ist so abwegig wie die Anweisung, beim Bau eines Hauses mit dem Dach anzufangen!

Dann aber war der Fang so überwältigend groß, dass sie wie vor drei Jahren Schwierigkeiten hatten, das Netz einzuholen. Da gingen ihnen die Augen auf. Sie erkannten die „Handschrift“ des Herrn. Wieder einmal zeigte sich Petrus, wie wir ihn kennen: In Ufernähe angekommen, konnte er es nicht abwarten. Er sprang in den See, um schneller beim Herrn zu sein!

Als sie an Land gingen, wartete die nächste Überraschung auf sie: Jesus hatte ein Feuer gemacht, und über den Flammen garten Fisch und frisches Brot. Da wird ihnen die wunderbare Brotvermehrung wieder in den Sinn gekommen sein.

Der überraschende Gastgeber ist der Herr selber!

Wie lange brauchen auch wir, um zu verstehen, wenn das Netz des eigenen Lebens manchmal so leer oder nur mit so wenig gefüllt zu sein scheint; wenn man scheinbar mit leeren Händen da steht, obwohl man sich doch so bemüht hat!

Damals haben die Jünger für sich gelernt und verstanden: Unser Wissen und Können alleine ist bei weitem nicht alles! Wer auf den Herrn hört, sich ihm anvertraut und auf sein Wort baut, nur der wird reich beschenkt. Er geht ganz gewiss nicht mehr leer aus.

Nicht wie man selber, sondern wie Gott denkt und lenkt, sollen wir leben: „Dein Wille geschehe!“

Das Netz der Jünger war mit 153 großen Fischen gefüllt. Eine symbolische Zahl. Sie ergibt sich aus 3 x 3 x 17, was in der Zahlensymbolik der Bibel Vollkommenheit bedeutet. Darüber hinaus nahm man damals an, es gäbe 153 verschiedene Völker auf der Erde. Damit also sagt der Herr seinen Jüngern, die bis dahin ja nur arme Fischer waren, dass der Missionsauftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkünden, sie dann nicht überfordern wird, wenn sie sich getreu an sein Wort halten. Dann würden die Netze wirklich voll werden.

Halten auch wir uns daran.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15 / 2010 - 2. Osterwoche (C)

"Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen" betet die Kirche in ihren liturgischen Texten (Tagesgebet vom 26. Sonntag im Jahreskreis). Und im Gebet nach dem Te deum bete sie: "Großer Gott, dein Erbarmen und deine Güte sind unerschöpflich."

Papst Johannes Paul II. war es ein großes, durch den Heilige Geist bewirktes Anliegen, das unerschöpfliche Erbarmen Gottes tief in die Herzen der Gläubigen einzusenken. So hat er bestimmt, Gottes Barmherzigkeit am zweiten Sonntag der Osterzeit besonderes zu verehren und diesem Tag die Bezeichnung zu verleihen: »Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit« (Dekret Misericors et miserator, 5. Mai 2000).

Gottes unermessliche Zuwendung leuchtet vor allem dann auf, wenn der Sünder nach der Vergebung inniger als zuvor in der väterlichen Freundschaftsliebe mit Gott leben darf, die er verdientermaßen verloren hatte.

Gott vergibt auch die schwersten Sünden und bewegt gleichzeitig den Gläubigen dazu, einen übernatürlichen, nicht nur psychologischen Schmerz über die eigenen Sünden zu verspüren. Nur so kann der Gläubige, immer mit Hilfe göttlicher Gnade, den festen Vorsatz fassen, nicht mehr zu sündigen.

Mit einer solchen inneren Haltung“, wird im genannten Dekret erklärt, „erlangt der Gläubige wirklich die Vergebung der Todsünden, wenn er das Bußsakrament fruchtbringend empfängt oder sie in einem Akt vollkommenen Schmerzes und vollkommener Liebe bereut mit dem Vorsatz, baldmöglichst das Bußsakrament zu empfangen. Denn unser Herr Jesus Christus lehrt uns im Gleichnis des verlorenen Sohnes, dass der Sünder sein Elend vor Gott mit den Worten »Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein« (Lk 15, 18–19) bekennen und auch spüren muss, dass es Gottes Werk ist: Er »war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (Lk 15, 32).“

Ergänzend dazu wird im Evangelium vom zweiten Sonntag der Osterzeit, dem Barmherzigkeitssonntag, berichtet, wie Jesus seine Jünger anhauchte und zu ihnen sprach: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20, 19–23).

Wer uneingeschränkt und vorbehaltlos die mit dem Bußsakrament zuinnerst verwobene über jede Vorstellung erhabene Barmherzigkeit Gottes im Glauben nachvollzieht, der weiß sich mit Papst Johannes Paul II. im Innersten des Herzens zutiefst berührt, angesprochen und gedrängt, das Geheimnisse der göttlichen Vergebung andächtig zu feiern und seiner besonders zu gedenken.

Vor diesem Hintergrund hat die Apostolische Pönitentiarie am 29. Juni 2002 ein Dekret über mit Ablässen verbundenen Andachtsübungen zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit erlassen und darin bestimmt, dass das Volk Gottes seinen Glauben an Gottes Barmherzigkeit „durch besondere Gebetstexte“ ausdrücken und sie dabei zugleich lobpreisen soll. Es sei angebracht, so das Dekret weiter, dass das Volk Gottes „nachdem es die erforderlichen Werke dankbaren Herzens vollbracht und die notwendigen Bedingungen erfüllt hat, geistlichen Gewinn aus dem Schatz der Kirche ziehen kann.“

Folgerichtig wird dann im Dekret erklärt: „Damit die Gläubigen diese Feier mit ganzem Herzen begehen, hat der Papst festgelegt, dass der vorgenannte Sonntag … mit dem vollkommenen Ablass ausgestattet wird. Das hat den Zweck, dass die Gläubigen das Geschenk des Trostes des Heiligen Geistes in höherem Maß empfangen und so eine wachsende Liebe zu Gott und zum Nächsten entfalten können und, nachdem sie selbst die Vergebung Gottes empfangen haben, ihrerseits angeregt werden, sogleich den Brüdern und Schwestern zu vergeben.“

Die Bedingungen zum Empfang des vollkommenen Ablasses werden gesondert ausgelegt. Herzlich lade ich Sie zum Erwerb des vollkommenen Ablasses ein. Diesem Anliegen dient auch die Abendandacht am Barmherzigkeitssonntag.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

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Ablässe am Barmherzigkeitssonntag

Mit dem brennenden Wunsch, im christlichen Volk die Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit zu fördern, hat Papst Johannes Paul II. am 13. Juni 2002 folgende Ablässe gemäß der unten genannter Bedingungen gewährt:

Der vollkommene Ablass wird unter den gewohnten Bedingungen (Empfang des Bußsakraments, der heiligen Eucharistie und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters) dem Gläubigen gewährt, der mit reinem, jeder, auch der lässlichen Sünde abgewandtem Herzen am zweiten Sonntag der Osterzeit, das heißt, dem »der Göttlichen Barmherzigkeit«, in einer Kirche oder einem Oratorium an den zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit durchgeführten Andachtsübungen teilnimmt oder wenigstens vor dem Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie – öffentlich ausgesetzt oder im Tabernakel aufbewahrt – das »Vater unser« und das »Credo« betet mit dem Zusatz einer kurzen Anrufung des Barmherzigen Herrn Jesus (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich!«)

Ein Teilablass wird dem Gläubigen gewährt, wenn er mit reuigem Herzen an den Barmherzigen Herrn Jesus eine der rechtmäßig genehmigten Anrufungen richtet.

Die Seefahrer, die ihre Pflicht im weiten Meer tun; die zahllosen Brüder und Schwestern, die durch das Unheil des Krieges, die politischen Wirrnisse, die Unbarmherzigkeit der Orte und aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen haben; die Kranken und ihre Pfleger und alle, die aus berechtigten Gründen nicht außer Haus gehen können oder zugunsten der Gemeinschaft eine unaufschiebbare Tätigkeit ausüben, können den vollkommenen Ablass am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit gewinnen, wenn sie unter vollständiger Abkehr von jeder Sünde, wie zuvor gesagt, und mit dem Vorsatz, baldmöglichst die drei gewohnten Bedingungen zu erfüllen, vor dem Bild Unseres Barmherzigen Herrn Jesus das »Vater unser« und das Glaubensbekenntnis beten und eine Anrufung an den Barmherzigen Herrn Jesus hinzufügen (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich«).

Sollte den Gläubigen auch das nicht möglich sein, können an demselben Tag den vollkommenen Ablass erlangen, die sich in der Absicht und Gesinnung des Herzens geistig mit denen vereinen, die in ordentlicher Weise das für den Ablass vorgeschriebene Werk erfüllen und dem Barmherzigen Gott ein Gebet und die Leiden, die Krankheit und die Beschwerlichkeiten ihres Lebens aufopfern, wobei auch sie den Vorsatz haben, baldmöglichst die für die Gewinnung des vollkommenen Ablasses vorgeschriebenen drei Bedingungen zu erfüllen.

Die Priester, die den pastoralen Dienst versehen, vor allem die Pfarrer, sollen ihre Gläubigen in der angemessensten Weise von dieser heilsamen Verfügung der Kirche unterrichten; sie sollen selbstlos und hilfsbereit deren Beichte hören und am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit nach der Feier der heiligen Messe oder der Vesper oder während einer Andacht zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit die vorgenannten Gebete mit der dem Ritus entsprechenden Würde leiten; sie sollen, gemäß dem Wort des Herrn: »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5, 7), die Gläubigen in der Katechese behutsam dazu drängen, so häufig wie möglich Werke der Barmherzigkeit zu tun und dem Beispiel und Auftrag Jesu Christi folgen, wie es in der zweiten allgemeinen Gewährung des Enchiridion Indulgentiarum angegeben ist.

Das vorliegende Dekret bleibt immer in Kraft, ungeachtet jeglicher gegenteilig lautenden Vorschrift. – Rom, beim Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 29. Juni 2002, am Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus 2002.

 

 

Pfarrnachrichten 14 / 2010 - 1. Osterwoche (C)

Matthias Grünewald (+ 1528), Isenheimer Altar

Was würden Sie einem Reporter im Anschluss eines Ostergottesdienstes antworten, der auf Sie zukäme, Ihnen sein Mirkofon unter die Nase hielte und Sie fragen würde: Warum feiern Sie Ostern?

Vielleicht würde Sie interessieren, was auch andere darauf antworten würden.

Aber zugunsten der Antwort eines Prominenten, des Heiligen Paulus nämlich, wollen wir darauf verzichten, hierüber weiter zu spekulieren.

Paulus antwortet auf diese Frage nämlich nicht, wie es wohl viele von uns tun würden: Wir feiern Ostern, weil Jesus von den Toten auferstanden ist. – Paulus würde dem Reporter antworten: Wir feiern Ostern, weil auch Du als Christ von den Toten auferweckt wurdest, und weil auch Du nach Ostern als neuer Mensch leben kannst und leben sollst.

Im Brief an die Römer – wir hören ihn der Osternacht – erzählt Paulus keine Geschichten von Ostern. Er erzählt nicht – wie Matthäus, Markus oder Lukas – von einem leeren Grab. Auch nichts von Engel, die Frauen an das erinnern, was der Herr schon in Galiläa vorausgesagt hatte, dass er den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werde und am dritten Tage auferstehe (vgl. Lk 24,7).

Ganz anders der Heilige Paulus. Er kreist immer wieder um das eine Thema: Was bedeutet Ostern, was bedeutet die Auferstehung Jesu für uns?

Paulus geht dabei so weit, dass er behauptet: Hätte die Auferweckung Jesu keine Folgen für uns, dann wäre unser ganzer Glaube sinnlos und nichtig.

In der Osternachtslesung formuliert Paulus das so: „Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod, damit wir – wie Christus auferweckt wurde – auch in dieser neuen Wirklichkeit leben“ (nach Röm 6,4).

Leben in einer neuen Wirklichkeit: Das ist nicht abgehoben! Das kann und soll der Gläubige Tag für Tag ganz unmittelbar und so lebendig erfahren, wie das im Ritus der Taufe, schon zur Zeit des Heiligen Paulus, vollzogen und zelebriert wurde.

Zu Beginn der Taufe legten die Erwachsenen ihre alten Kleider ab, und mit ihren alten Kleidern auch ihr altes Leben. Davon entledigt stiegen sie in die Taufanlage hinab und wurden für eine gewisse, meist auch längere Zeit unter Wasser getaucht. Damit wurden sie zeichenhaft, aber zugleich auch existentiell erfahrbar, in die Nähe des Todes gebracht.

Paulus sagt im Römerbrief (6,3.6): „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

Aus dieser auch längeren Zeit unter Wasser und in Todesnähe wurde der Täufling dann befreit. – „Wenn wir Christus gleich geworden sind in seinem Tod“, sagt wiederum Paulus, „dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“

Beim Auftauchen erlebte der Getaufte im Durch- und Aufatmen das neue Leben, das ihm in der Taufe geschenkt worden war. – „Ihr sollt euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind“, lesen wir noch einmal bei Paulus (Röm 6,11), „aber für Gott leben in Christus Jesus.“

Christen haben immer wieder erfahren, dass dies keine Theorie sondern gerade auch im Alltag lebbare Wirklichkeit ist.

So wünsche ich uns allen, dass wir beständig und ausdauernd sind in dem, was wir in der Fastenzeit und jetzt zu Ostern ganz einfach und direkt tun und aus ganzem Herzen feiern und erleben: Wir sind mit Christus gestorben und könne nun mit ihm leben.

Das ist Ostern! Und darum feiern wir Ostern.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 13 / 2010 - Karwoche (C)

Giotto di Bondone: Einzug in Jerusalem, 1304 - 1306, Fresko in der Cappella Scrovegni in Padu

Predigtauszug, Palmsonntag 2007, Papst Benedikt XVI.

In der Palmsonntagsprozession schließen wir uns der Schar seiner Jünger an, die den Herrn in festlicher Freude nach Jerusalem geleiten. Wie sie loben wir den Herrn mit lauter Stimme für all die Wunder, die wir erlebt haben. Ja, auch wir haben die Wohltaten Christi gesehen und sehen sie: Wie er Menschen dazu bringt, auf ihr eigenes bequemes Leben zu verzichten und sich ganz in den Dienst der Leidenden zu stellen; wie er Menschen den Mut gibt, der Gewalt und der Lüge zu widerstehen und der Wahrheit in der Welt Raum zu schaffen; wie er ganz im stillen Menschen bewegt, einander Gutes zu tun, Versöhnung zu schaffen, wo Hass war; Friede zu schaffen, wo Feindschaft herrschte.

Die Prozession ist zuallererst ein freudiges Bekenntnis zu Jesus Christus, in dem uns das Antlitz Gottes sichtbar geworden ist; durch den das Herz Gottes für uns offensteht. Im Lukas-Evangelium ist der Anfang der Prozession zum Teil wörtlich nach dem Krönungsritual gestaltet, mit dem – dem Buch der Könige zufolge – Salomon zum Erben von Davids Königtum bestellt wurde (1 Kön 1, 33 – 35). So ist die Palmprozession auch eine Christkönigsprozession: Wir bekennen uns zum Königtum Jesu Christi, bekennen ihn als den Davidssohn, den wahren Salomon – den König des Friedens und der Gerechtigkeit. Ihn als König anerkennen heißt: Ihn als den Wegweiser annehmen, dem wir trauen und dem wir folgen. Es heißt: Sein Wort als gültigen Maßstab für unser Leben annehmen Tag um Tag. Es bedeutet, in ihm die Autorität zu sehen, der wir uns beugen. Ihm beugen wir uns, weil seine Autorität die Autorität der Wahrheit ist.

Die Palmprozession ist – wie damals bei den Jüngern – zunächst einfach Ausdruck der Freude darüber, dass wir Jesus kennen dürfen; dass wir ihm Freunde sein dürfen; und dass er uns den Schlüssel zum Leben geschenkt hat. Diese Freude, die am Anfang steht, ist aber auch Ausdruck unseres Ja zu Jesus und unserer Bereitschaft, mit ihm zu gehen, wohin er uns führt. Der Aufruf, mit dem die Liturgie heute begonnen hat, deutet deswegen die Prozession auch als symbolische Darstellung dessen, was wir Nachfolge Christi nennen: „Bitten wir um die Gnade, ihm zu folgen“, heißt es da. Das Wort Nachfolge Christi ist eine Beschreibung des Ganzen der christlichen Existenz überhaupt. Worin besteht sie? Was heißt das praktisch „Christus nachfolgen“?

… Nachfolge ist etwas Äußerliches und zugleich etwas ganz Innerliches... Etwas Äußerliches: das Nachgehen hinter Jesus auf seinen Wanderungen durch Palästina; etwas Innerliches: die neue Orientierung der Existenz, die nicht mehr im Geschäft, im Broterwerb, im eigenen Wollen ihre Leitpunkte hat, sondern weggegeben ist an den Willen eines anderen. Ihm zur Verfügung stehen ist nun Lebensinhalt geworden. Wieviel Verzicht auf das Eigene, welche Wendung von sich selbst das für die Jünger einschloss, können wir aus einzelnen Szenen der Evangelien recht deutlich erkennen.

So wird aber auch schon sichtbar, was Nachfolge für uns bedeutet und was für uns ihr eigentliches Wesen ist: Es geht um eine innere Verwandlung der Existenz. Es geht darum, dass ich nicht mehr in mein Ich eingeschlossen bin und meine Selbstverwirklichung als meinen hauptsächlichen Lebensinhalt annehme. Es geht darum, dass ich mich frei gebe an einen anderen hin – für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott, der mir in Jesus Christus vorausgeht und den Weg zeigt. Es geht um die Grundentscheidung, nicht Nutzen und Erwerb, Karriere und Erfolg als letztes Ziel meines Lebens anzusehen, sondern Wahrheit und Liebe als die eigentlichen Maßstäbe anzuerkennen. Es geht um die Wahl, nur für mich selber zu leben oder mich wegzugeben – an das Größere hin. Und bedenken wir dabei, dass Wahrheit und Liebe nicht abstrakte Größen sind, sondern in Jesus Christus sind sie Person. Wenn ich ihm folge, dann trete ich in den Dienst der Wahrheit und der Liebe. Mich verlierend finde ich mich.

 

Pfarrnachrichten 12 / 2010 - 5. Fastenwoche (C)

In drastischer Weise stellt Max Beckmann 1917 die Erzählung von Jesus und der Ehebrecherin dar: Die Sündern, als rothaarige, schamentblößte Prostituierte auf Knien betend dargestellt, wird von Jesus gegen die Heuchelei der sündigen Pharisäer in Schutz genommen.

Der fünfte Fastensonntag greift in der Erzählung von der Ehebrecherin das Anliegen Jesu vom vergangenen Sonntag (Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen zwei Söhnen) auf und führt es fort: Gott verurteilt und verstößt den Sünder nicht. Er hält seine Hand schützend über ihn So kann er umkehren und sich von seiner Sünde lossagen.

Die Erzählung von der Ehebrecherin gehört zu den eindrucksvollsten Texten des Johannesevangeliums. Unter den Bibelstellen, die Jesu Umgang mit Frauen zum Thema haben, nimmt sie einen hervorragenden Platz ein. In ihr kommt das gegenüber der jüdischen Tradition völlig neue Verhältnis Jesu zu den Frauen überzeugend zum Ausdruck. Ohne diese Geschichte würde uns etwas Wesentliches über die beispielhafte Haltung und Predigt Jesu in Wort und Tat fehlen.

Die Erzählung besteht aus zwei Teilen und hat zwei Höhepunkte.

Jesus wird von den Pharisäern mit einer „auf frischer Tat ertappten“ Ehebrecherin konfrontiert, die nach jüdischem Gesetzt zu steinigen wäre. Die Konfrontation erreicht ihren Höhepunkt in der Erwiderung Jesu: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie“ und klingt damit aus, dass „einer nach dem anderen fort ging“.

Der zweite Teil schildert die kurze, aber umso intensivere Begegnung mit der Frau, die mit dem Freispruch, mit der Lossprechung endet: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“

Auffallend ist, dass die Schuld des beteiligten Mannes überhaupt nicht erwähnt wird. So steht die Frau mit ihrer Sünde alleine da, ausgesetzt der öffentlichen Meinung. Die Schuld des mitverantwortlichen Mannes wird stillschweigend übergangen.

Wird der Ehebruch eines Mannes oft nicht weiterhin als Kavaliersdelikt angesehen und die Frau mit strengeren Maßstäben gemessen? Ganz abwegig ist die Tendenz, Ehebruch mit allerlei Geschwätz sogar zu legitimieren.

Die Pharisäer stellen die Frage nach der Schuldigkeit der Frau, um Jesus eine Falle zu stellen. Entscheidet er sich für ein mildes Vorgehen, stellt er sich gegen das Gesetz. Entscheidet er sich für die strikte Anwendung des Gesetzes, widerspricht er seiner Predigt von Gottes Barmherzigkeit.

Jesus durchschaut ihre Absicht. Er reagiert mit Stillschweigen und lässt sich nicht auf eine spitzfindige Diskussion ein. Gelassen und souverän „schreibt“ er mit dem Finger „auf die Erde“.

Als die Ankläger hartnäckig weiterfragen, lenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit von der Frau weg und konfrontiert sie mit sich selber: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ – Im Hintergrund steht der Brauch, dass die ersten Zeugen auch den ersten Stein zu werfen hatten (vgl. Lev 24,10‑16; Dtn 17,2‑7) und damit die volle Verantwortung für die Hinrichtung übernahmen. Eine derartige Verantwortung könnte aber nur übernehmen, wer selber „ohne Sünde ist.“

Dieses Wort Jesu wirkt. Er hat die Ankläger im Innersten getroffen. Einer um den anderen geht. Sie müssen anerkennen, dass sie als Sünder nicht das Recht haben, andere zu richten. Das setzt voraus, dass sie ihre eigenen Sünden anerkennen.

In den aktuellen Diskussionen um die Moral liegt hier das Problem: Die eigene Sünde wird mit dem legitimiert, was doch alle tun. Um so gnadenloser und alles Anspruchsvolle und Hohe der Moral pauschal gleich mit über Bord werfend rechnet man mit diesen Sünden und schweren Verbrechen ab, die im gegenwärtigen Trend nicht alle, aber immer noch viel zu viele begehen.

Am Ende seht die Frau Jesus in ihrer Menschlichkeit und ihrer menschlichen Schwäche, in ihrer Scham und ihrer Schuld ganz alleine gegenüber. Er stellt ihr die Schuldfrage nicht. Kein Wort der Verurteilung, auch keine Moralpredigt, sondern nur die Frage „Hat dich keiner verurteilt?“ Mit dieser Frage holt er sie aus der Verlegenheit und Unsicherheit heraus. – Die befreiende Erleichterung ist in ihrer Antwort zu spüren. „Keiner, Herr.“

Jesus entscheidet die kritische Situation der Frau durch die Worte: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr!“

Jesus schenkt mit dieser Entscheidung der Frau ein neues Leben. – Es wird gelingen, wenn die Frau fortan Gottes Wirken in ihrem Inneren zulässt, Gott um Beistand bittet und sich aus dieser inneren Kraft heraus an seine Weisungen, seine Gebote hält.

Jesus verhält sich hier wie der barmherzige Vater mit seinen zwei Söhnen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11 / 2010 - 4. Fastenwoche (C)

Die Gesamtschau nimmt uns als Rückenbild mit dem heimkehrenden Sohn mit hinein in die Barmherzigkeit des vergebenden Vaters. Im Hintergrund sind die Knechte und der zweite Sohn zu erkennen. - Das vergrößerte Detail zeigt die unterschiedlichen Hände des Vaters (vgl. Text).

In seinem apostolischen Schreiben über Buße und Versöhnung aus dem Jahre 1984 erläutert Papst Johannes Paul II. das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Der barmherzige Vater „hatte den Sohn keineswegs vergessen. Im Gegenteil“, so Johannes Paul II., „er hatte ihm unverändert Liebe und Achtung bewahrt. So hatte er immer auf ihn gewartet, und so umarmt er ihn jetzt, während er zum großen Fest für denjenigen auffordert, der tot war und wieder lebt, der verloren war und wiedergefunden wurde.

Der Mensch – ein jeder Mensch – ist ein solcher verlorener Sohn: betört von der Versuchung, sich vom Vater zu trennen, um ein unabhängiges Leben zu führen; dieser Versuchung verfallen; enttäuscht von der Leere, die ihn wie ein Blendwerk verzaubert hatte; allein, entehrt, ausgenutzt, als er sich eine Welt ganz für sich allein zu schaffen versucht; auch in der Tiefe seines Elendes noch immer gequält von der Sehnsucht, zur Gemeinschaft mit dem Vater zurückzukehren. Wie der Vater im Gleichnis erspäht Gott den heimkehrenden Sohn, er umarmt ihn bei seiner Ankunft und lässt die Tafel herrichten für das Festmahl ihrer neuen Begegnung, mit dem der Vater und die Brüder die Wiederversöhnung feiern.

Was an diesem Gleichnis am meisten beeindruckt, ist die festliche und liebevolle Aufnahme, die der Vater dem heimkehrenden Sohn bereitet: ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, der immer bereit ist zu verzeihen. Sagen wir es gleich: Die Versöhnung ist in erster Linie ein Geschenk des himmlischen Vaters.“ Soweit Papst Johannes Paul II.

Rembrandt (1606-166) hat passend hierzu in dem bekannten Bild „Die Heimkehr des verlorenen Sohnes“, das in der Eremitage von St. Petersburg zu bewundern ist, die barmherzige Versöhnung des Vaters in interessanter Weise visuell erschlossen.

Das Bild drückt das Verhältnis des Sohnes zu seinem Vater als Verhältnis des Gläubigen zu Gott aus. Durch den als Rückenfigur dargestellten Sohn fühlt der Betrachter sich in Rembrandts Bild und hierdurch in Gottes Barmherzigkeit hineingenommen und von den väterlichen Armen sanft umschlossen. Im Detail wird gut sichtbar, dass die Hände des Vaters unterschiedlich sind: Rembrand hat eine Frauen- und eine Männerhand gemalt, um die umfassende Größe und Weite des göttlichen Erbamens sichtbar zu machen.

Das Gemälde ist eine der letzten biblischen Darstellungen Rembrandts.

Johannes Paul II. lenkt im oben genannten Schreiben den Blick auch auf den zweiten Sohn: „Das Gleichnis lässt aber auch den älteren Bruder auftreten, der seinen Platz beim Festmahl verschmäht. Er wirft dem jüngeren Bruder dessen lockeres Treiben vor und dem Vater den Empfang, den dieser dem verlorenen Sohn vorbehalten habe, während es ihm selbst, immer beherrscht und fleißig und treu zum Vater und zum Hause stehend, niemals erlaubt worden sei – wie er sagt –, mit seinen Freunden ein Fest zu feiern.

Ein Zeichen, dass er die Güte des Vaters nicht versteht.

Solange dieser Bruder, von sich selbst und seinen Verdiensten allzu sehr überzeugt, eifersüchtig und verächtlich, voller Bitterkeit und Zorn, sich nicht bekehrt und mit dem Vater und dem Bruder versöhnt, ist dieses Mahl noch nicht ganz das Fest der Begegnung und des Sichwiederfindens.

Der Mensch – ein jeder Mensch –„ so Papst Johannes Paul II, „ist auch ein solcher älterer Bruder. Egoismus macht ihn eifersüchtig, lässt sein Herz hart werden, verblendet und verschließt ihn gegenüber den anderen und vor Gott. Die Güte und Barmherzigkeit des Vaters reizen und ärgern ihn; das Glück des heimgekehrten Bruders schmeckt ihm bitter. Auch in dieser Hinsicht hat der Mensch es nötig, sich zu bekehren, um sich auszusöhnen.“

Vertiefen wir uns zuerst in die Größe und Weite der entgegenkommenden Barmherzigkeit Gottes. Bekehrung und Umkehr werden daraufhin viel leichter folgen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10 / 2010 - 3. Fastenwoche (C)

Zur ersten Sonntagslesung: Gott zeigt sich Mose im brennenden Dornbusch, der lichterloh brennt und doch nicht verbrennt (vgl. Exodus,3,2f).

Im Sonntagsevangelium geht es um eine der ganz großen, immer wieder gestellten Fragen: Warum lässt Gott das Leid zu? Warum Erdbeben, Tsunamis, Kriege und noch Schlimmeres?

Im Sonntagsevangelium bezieht Jesus sich auf zwei Ereignisse, die aktuell zum Hauptgesprächsthema gehörten, und wieder einmal diese große Frage aufwarf: Warum wurden einige Galiläer von Pilatus umgebracht und warum wurden achtzehn Menschen von einem einstürzenden Turm erschlagen?

Warum? Das fragen wir nach jeder Katastrophe immer wieder.

Jesus erklärt seinen Zuhörern (Lukas, 13,2-5): „Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? … Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“

Das Leid hat nach dieser Erklärung also ursächlich mit der Sünde des Menschen zu tun, ist mit ihm ursächlich verwoben. Wäre die Sünde nicht in die Welt gekommen, dann wäre das Paradies dem Menschen wohl erhalten geblieben und er hätte nicht in der Form leiden müssen, wie er das nach dem Sündenfall nun erlebt.

Damit ist die Frage nach dem „Warum?“ allerdings noch lange nicht beantwortet. Der Katechismus der Katholischen Kirche holt zu dieser Frage weiter aus und erklärt: „Jede vorschnelle Antwort auf diese ebenso bedrängende wie unvermeidliche, ebenso schmerzliche wie geheimnisvolle Frage wird unbefriedigt lassen.“ (Nr. 309)

Im Folgenden weist der Katechismus darauf hin, dass die Antwort auf diese Frage „der christliche Glaube als ganzer“ ist: „Das Gutsein der Schöpfung, das Drama der Sünde, die geduldige Liebe Gottes, der dem Menschen entgegenkommt.“ (ibid.) Die Beantwortung dieser Frage ist also in den komplexen Zusammenhängen der Schöpfung und der Freiheit des geschaffenen Menschen zu suchen, wie sie sich im Licht des Glaubens zeigen.

Der große, christliche Denker des Mittelalters, Thomas vom Aquin, hat darüber nachgedacht, dass Gott in seiner unendlichen Macht stets etwas Besseres schaffen könnte (vgl. Thomas v. A., s. th. 1,25,6). In seiner unendlichen Weisheit und Güte jedoch wollte Gott aus freiem Entschluss eine Welt erschaffen, die „auf dem Weg“ zu ihrer letzten Vollkommenheit ist. Dieses Werden bringt nach Gottes Plan mit dem Erscheinen gewisser Daseinsformen das Verschwinden anderer, mit dem Vollkommenen auch weniger Vollkommenes mit sich, mit dem Aufbau auch den Abbau in der Natur. So kommt der heilige Thomas  zu dem Schluss: Solange die Schöpfung noch nicht zur Vollendung gelangt ist, gibt es mit dem physisch Guten folglich auch das physische Übel (vgl. Thomas v. A., s. gent. 3,71).

Weitaus schlimmer ist es mit dem (moralisch) Bösen / Übel, das die mit Geist und Freiheit ausgestatten Geschöpfe verursachen. Gegenüber dem physischen Übel, etwa einem Erdbeben, ist das moralische Übel unvergleichlich schlimmer.

„Gott ist auf keine Weise, weder direkt noch indirekt, Ursache des moralischen Übels. Er lässt es jedoch zu, da er die Freiheit seines Geschöpfes achtet, und er auf geheimnisvolle Weise weiß, daraus Gutes zu ziehen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 311)

Der heilige Augustinus erklärt das mit folgenden Worten: „Der allmächtige Gott ... könnte in seiner unendlichen Güte unmöglich irgend etwas Böses in seinen Werken dulden, wenn er nicht dermaßen allmächtig und gut wäre, dass er auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen vermöchte“ (Augustinus, enchir. 11,3).

Das hat etwas sehr tröstliches an sich und ist zur Bewältigung von Leid und Übel sehr hilfreich. Auf diese Sichtweise hat etwa der hl. Thomas Morus kurz vor seinem Martyrium seine Tochter Margret tröstend hingewiesen: „Es kann nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es auch scheinen mag, es ist für uns dennoch wahrhaft das Beste.“ – So ist also die Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ des Bösen „der christliche Glaube als ganzer.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 9 / 2010 - 2. Fastenwoche (C)

Die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor ist ein Schlüsselereignis in seinem Leben und in dem seiner Jünger. Aus diesem Grund nimmt Jesus auch drei besonders ausgesuchte Zeugen mit. Bevor sein Leidensweg beginnt, sollen sie die göttliche Herrlichkeit und Größe Jesu ganz intensiv erfahren. Sie sollen das Ziel erkennen, das der Herr durch den erlösenden Tod hindurch ansteuert. In seiner Verklärung nimmt Jesus die Auferstehung vorweg. So festigt er den Glauben der Jünger, damit sie nicht ganz verwirrt sind, wenn er leidend am Kreuz sein Leben hingibt.

Petrus erinnert an dieses Tabor-Erlebnis in seinem zweiten Brief als Augenzeuge: „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.“ (2 Petr 1,16-18)

Die Verklärung ruft bei den drei Aposteln zuerst ein Gefühl der Geborgenheit hervor, das dann überwechselt in Staunen und Furcht. Die Drei sind fasziniert und erschrocken zugleich. Das entspricht voll und ganz einem Erscheinen Gottes: Gott ist „mysterium fascinosum et tremendum“, ein faszinierende Geheimnis, das zugleich erzittern lässt. Diese Wirklichkeit Gottes, seine unser Fassungsvermögen weit überschreitende Majestät und Erhabenheit, ist uns heute fremd geworden. Gott wurde über Jahre verniedlicht. Für viele ist er nur noch der nette alte Herr, der dem Treiben der Menschen, wenn überhaupt, dann nur vergnüglich zuschaut.

Kaum jemand versucht noch, sich heranzutasten an die unendliche Erhabenheit Gottes, an seine majestätische Größe, Herrlichkeit und Macht, an seine absolute Heiligkeit. Daraus folgt, und es liegt in der Natur einer falschen und unzureichenden Gottesvorstellung: Verflachung und Banalisierung aller Lebensvollzüge, eine ungeheure geistige Verarmung, schließlich eine falsche Selbstsicherheit, wovor Paulus im Brief an die Philipper warnt: Viele leben als Feind des Kreuzes Christi; alles dreht sich um Essen und Trinken und irdische Vergnügen: „Ihr Gott ist der Bauch“.

Christen fasten, damit genau das nicht geschieht. Sie fasten, um frei zu bleiben – oder wieder frei zu werden – für die Erhabenheit und Größe Gottes. Die drei Jünger damals haben sie „erlebt“ und „verstanden“: Die Begegnung mit der umwerfenden Wirklichkeit Gottes, die alles Bekannte in den Schatten stellt, hat sie gerüstet für die kommende Zeit, die nicht einfach war.

Nutzen deshalb auch wir diese Fastenzeit, um uns für die Aufgaben des Lebens zu rüsten. Auch wir sollen wie die Apostel Zeugnis ablegen: Für Jesus Christus. Das ist nicht immer leicht und kostet mitunter Mut.

Jeden von uns erwarten früher oder später allerlei Leiden oder Krankheiten. Wir werden sie besser bestehen und anders mit ihnen umgehen, wenn unsere Beziehung zu Gott stimmt, wenn sie in der Vertrautheit mit Gott gefestigt wurde.

Die Verklärung lässt auch uns Mut fassen und Kraft schöpfen für die Selbstdisziplin und bewahrt vor der Verwirrung der Geister. Sie schenkt uns Zuversicht und Gewissheit, dass die Mühe um ein gutes Leben nicht vergeblich bleiben und keine Träne umsonst geweint wird: Gott hat denen Großes bereitet, die ihn lieben. (Vgl. 1 Kor 2,9)

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 8 / 2010 - 1. Fastenwoche (C)

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, so haben es nicht wenige von uns in den letzten Tagen gesungen und geschunkelt. Vorbei ist die ausgelassene Fröhlichkeit, die mit dem Beginn der Fastenzeit nun übergegangen ist in die 40-tägige Zeit der Besinnung. Der Besinnung auf die Wurzeln und die Verankerung des Lebens in Gott, dem Schöpfer und Erlöser. Diese Besinnung ist nicht möglich ohne Umkehr.

Jeder Mensch kennt in sich den Geist der Auf- und Ablehnung, den „Un-Geist“ des Verneinens. Dieser Geist ist mit allen Wassern gewaschen. Heute tarnt er sich zunehmend als Geist der Bejahung, als „Un-Geist“ vermeintlichen Lebens.

Dieser Ungeist bejaht das Leben nur vordergründig. Er propagiert nicht das Verschenken sondern das Verschleudern. Er steht nicht wirklich für das Leben, sondern immer mehr nur für das Ausleben: Für ein Leben, das wie ein Strohfeuer hell aufflackert, dann aber ohne jede Wärme und Glut als kalte und fade Asche für immer verlischt.

Dieser Tendenz, von der keiner frei ist und die mit ihrem äußeren, vergänglichen Schein leicht blind macht, kann nur durch Umkehr Einhalt geboten werden. Durch notwendige Umkehr, die zugleich eine Bekehrung zur unverrückbaren Wahrheit über das Leben des Menschen ist.

Diese Wahrheit über den Menschen wird in einzigartiger Weise in Jesus Christus offenbar. Wer den Menschen und sich selber als Mensch verstehen will, muss auf Christus schauen. Nur in seinem Geheimnis, im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes klärt sich „das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.“ (2. Vatikanische Konzil, Gaudium et spes, Nr. 22)

Gott ist Mensch geworden, um allen Menschen zu sagen und vorzuleben, wie sie als Geschöpfe Gottes richtig, wahr und gut sind. So macht Christus „dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung.“ (ibid.)

Leider steckt im Leben jedes Menschen „der Wurm drin“. Die Theologie spricht von Erbsünde. Jeder Mensch ist durchaus und in gewisser Weise auch ehrlich auf der Suche danach, wie sein Leben wirklich gelingt. Und er weiß auch, dass er dabei auf Orientierung und Hilfe angewiesen ist. Niemand kann sich alleine und aus sich selber heraus verwirklichen.

Zugleich aber hat jeder Mensch erfahren, dass er sich wiederholt getäuscht hat, falschen Idealen nachgelaufen ist und wegen seiner Begrenztheit falsche Kompromisse eingegangen ist. Bis dahin, dass er sogar ausreichend „Gründe“ gefunden hat, faule Kompromisse zu legitimieren und als richtig, wahr und gut hinzustellen.

Das ist die erbsündliche Tragik aller Menschen: Aus eigener Kraft findet kein Mensch zum dem Heil, das ihm entspricht. Um nicht zu resignieren und der Hoffnungslosigkeit zu verfallen, wird das aus eigener Kraft unerreichbare Heil sogar zum Gegner erklärt. Wie „über Nacht“, fast unbemerkt, tritt ein Pseudo-Heil an seine Stelle, das dem wirklichen nur noch in der Perversion ähnelt. Es lässt den Menschen taumeln und stürzen.

Das Heil findet er nur in Jesus Christus. Dafür muss er Christus aber annehmen, und sich abwenden von der tragischen Verstrickung in sich selber. Das ist Umkehr und Bekehrung.

Im Kreuzwegbild der ersten Station – 1933 von Professor Robert Seuffert geschaffen und neu aufgehängt im nördlichen Seitenschiff von St. Pantaleon – kommt manches davon eindrucksvoll zum Ausdruck.

Pilatus, als kleine Figur auf dem Richterstuhl sitzend rechts im Bild dargestellt, will nichts damit zu tun haben. Er weist zurück und lehnt ab. Vergeblich lässt er sein Personal kommen (links im Bild dargestellt), um sich die Hände in Unschuld zu waschen. Er ahnt und scheint zu wissen, dass er nicht nur bei diesem Urteil das Rechte verdreht und dem „Un-Geist“ vermeintlichen Lebens huldigt.

Pilatus hat seine Chance gehabt. Er hätte den wie einen majestätischen König dargestellten Christus und damit die Wahrheit über das Leben des Menschen annehmen können. Er ist beidem ja begegnet.

Jeder Mensch hat diese Chance. Du und ich, wir haben sie jetzt in dieser Fastenzeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 7 / 2010 - 6. Woche im Jahreskreis (C)

Im Sonntagsevangelium stehen vier Seligpreisungen vier Wehrufe gegenüber. „Selig seid ihr!“ so ruft der Herr den einen zu. Die anderen hingegen mahnt er, wenn er sagt: „Weh euch!“

„Weh euch!“ das ist in der Sprache der Hl. Schrift der Beginn einer Totenklage. – Mit den Wehrufen erklärt der Herr somit jene für tot, die reich und satt sind, die lachen und allen sympathisch sind! Also gerade die, die in unseren Augen das Glück scheinbar auf ihrer Seite haben.

Denen gegenüber stehen die Armen, die Hungernden, die Weinenden, die Ausgestoßenen. Die nennt der Herr selig. Also jene, die vom Leben scheinbar nichts haben und zu kurz kommen.

Selig ist in der Sprache der Bibel jedoch nicht mit „glücklich“ gleichzusetzen. Selig drückt vielmehr die Nähe zu Gott aus. Somit sind jener selig, der Gott nahe sind.

Gott nahe zu sein, dass muss nicht einhergehen mit irdischen Erfolgen, mit Spaß, mit Geld und Ruhm. Ein Seliger ist kein Glückspilz, dem alles zu Füssen liegt.

Die von der Kirche Selig und Heiliggesprochen waren weiß Gott nicht alle samt und sonders Glückspilze. Aber sie alle besaßen eine innere Freude und Zuversicht, eine inner Heiterkeit und Leichtigkeit mit dem Leben umzugehen, dass äußere Bedrängnis und Not ihnen letztlich nichts anhaben konnten.

Jeder einzelne ohne Ausnahme macht die Erfahrungen:

Wer alles hat, wer nur noch darauf aus ist, seine Güter immer noch weiter zu vermehren und besser zu bewahren, wer nicht genug von all dem bekommen kann, was uns diese Welt bietet, der hat Kopf und Herz nicht frei für das, was das Leben eigentlich ausmacht, der kann auch nach dem Tod nichts mehr für sich erwarten. Deshalb ruft der Herr: Weh euch, die ihr reich seid, denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten

Wer sich immer anpasst, wer sein Fähnchen immer in den Wind hängt, wer nicht zu seiner Verantwortung steht, wer den anderen immer nach dem Mund redet, der wird sich irgendwann selbst in Widersprüche verwickeln. Deshalb ruft der Herr: „Weh euch, wenn euch alle Menschen loben, denn ebenso haben es eure Väter mit den falschen Propheten gemacht.“

In den Augen Jesu sind tot, die so leben, als ob es Gott, den Urheber allen Lebens nicht gäbe.

Anders verhält es sich mit denen, die der Herr selig preist: „Selig seid ihr.“ – Gemeint sind jene, die nicht auf sich und die eigene Stärke allein vertrauen. In den Augen Jesu sind sie Gott und damit dem Leben sehr nah. Und wenn das Leben sie nicht sonderlich verwöhnt, dann betrübt sei das auch nicht sonderlich. Ihre Stärke liegt im Vertrauen und Glauben an Gott.

Wer bereit ist, die Bedürftigkeit des Menschen und damit seine eigene anzuerkennen, der kann abgeben und verzichten. Der muss nicht alles haben. Der lässt sich beschenken und erwartet letztlich alles von Gott, dem Schöpfer aller Dinge. Deshalb ruft der Herr: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“

Das alles gehört zum Grundbestand des christlichen Glaubens und ist denen, die ihn praktizieren, wohl bekannt.

Auf dieser Grundlage geht dann etwa die christliche Art und Weise zurück, mit einer bewundernswerten und ausgelassenen, eben nicht zügellosen, Leichtigkeit zu feiern und sich zu freuen, wie es an den Wurzen des Kölner Karnevals unverkennbar auszumachen ist.

Es lohnt sich, mit Einsatz und Anstrengung diese christlichen Wurzeln aufzuzeigen, sie zu verteidigen und einzufordern. – Es wäre doch Schade, wenn der Kölner Karneval „vor die Hunde ginge“, weil viel zu oft nur „die Sau rausgelassen wird.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 6 / 2010 - 5. Woche im Jahreskreis (C)

Der Herr schenkt in überreichem Maß. Sein Geschenk besteht darin, dass er ruft, auffordert und den Berufenen in die Verantwortung nimmt. So führt es uns das Evangelium vom 5. Sonntag im Jahreskreis vor Augen.

Simon Petrus und die beiden Söhnen des Zebedäus hatten die ganze Nacht vergeblich gefischt. Die Netze waren leer geblieben. – Als am anderen Morgen viele Menschen Jesus am Ufer des Sees bedrängten, sie wollten das Wort Gottes hören, bat er die müden und enttäuschten Fischer, ihm ihr Boot zur Verfügung zu stellen. Einige Meter vom Ufer entfernt konnten ihn dann alle sehen, hören und verstehen.

Als Jesus seine Predigt beendet hatte und die Fischer aufforderte, noch einmal die Netze auszuwerfen, obwohl das angesichts der erfolglosen Nacht nun völlig sinnlos erschien, gingen so viele Fische ins Netz, dass die Netze zu zerreißen drohten und ein zweites Boot bis zum äußersten Rand gefüllt wurde.

Petrus, der anfing zu begreifen, bat Jesus von ihm abzusehen: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.“ Der Herr aber sprach ihm gut zu, forderte ihn auf und nahm ihn in eine besondere, in eine heilige Verantwortung: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ – Petrus und die beiden anderen ließen sich darauf ein. „Sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach“, berichtet der Evangelist.

An das rechts dargestellte Bild muss sich das Auge erst ein wenig gewöhnen, so wie der Mensch sich an seine Berufung, an die Art wie Gott ihn ruft, stetig neu gewöhnen und sich darauf einlassen muss. – Beim näheren Hinsehen erkennt man zwei Bilder, die ineinander gefügt sind.

In der Mitte des Bildes sieht man, wie die drei zukünftigen Apostel sich abmühen. Sie haben mit den drei Fischen, die ihnen ins Netzt gegangen sind, schon mehr als genug zu tun. Aber über ihnen beugt sich ein anderer hinunter, der kräftig mit anpackt und nicht nur weitere, noch viel größere Fische, sondern mit ihnen auch die drei zukünftigen Apostel „ins Boot holt“.

Es ist ein Bild der Kirche, ein Bild vom Reich Gottes, das schon mitten unter den Menschen ist.

Jesus sagt nicht „Menschen fischen“, denn das Gefischte wird am Ende in die Pfanne gehauen. Er sagt „fangen“. Das Netz, das diese „Fische“ fängt, fängt sie auf, gibt ihnen Orientierung und trägt sie durch dieses bis hin zum Ewigen Leben.

Jeder Getaufte ist nicht nur hineingenommen in dieses rettende Boot, das sich weder verliert in den Launen des irdischen Ozeans noch untergeht. Jeder Getaufte ist auch mit hineingenommen in die Verantwortung, was ihm von Gott geschenkt wurde weiterzugeben und seinen Beitrag am Fangen, am Ein- wie am Auffangen zu leisten.

Das Bild drückt es aus: Wer diese Verantwortung wie die ersten Jünger auf sich nimmt, der ist dem Herzen Jesu besonders nahe. Die durchaus mit Arbeit und Mühe verbundene Bitte des Herrn „Werft eure Netze zum Fang aus“ ist nicht auf die ersten Jünger, und auch nicht nur auf Priester und Ordensleute beschränkt. Diese Bitte ist nichts anderes als die an alle Menschen guten Willens, vor allem an jeden Getauften ergangene Berufung Gottes, die adelt und zur Mitarbeit im Weinberg des Herrn bestellt.

Man sagt: „Adel verpflichtet.“ – Es wäre dumm und schade, und man würde sich vom Herzen Gottes wieder entfernen, ließe man sich zurückfallen in die scheinbar bequemen, aber trügerischen und jeder beliebigen Strömung ausgesetzten Gewässer irdischer Niedrigkeiten. – Jeder verfügt über ein Netzt von ausreichendem Charme, von Begabung, Wertschätzung und Hochachtung seinem Nachbarn gegenüber, um ihn mit diesem Netz und dann mit Gottes Hilfe zu „fangen“ und aufzufangen, und den rechten Weg zu weisen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 5 / 2010 - 4. Woche im Jahreskreis (C)

Rembrandt: Der Evangelist Matthäus als vom Heiligen Geist - in Gestalt eines Engels - inspirieter "Redakteur"

Im letzen Pfarrbrief haben wir in einem ersten Schritt erklärt, dass die Bibel Gottes Wort im Menschen Wort ist. Dies soll in einem zweiten Schritt, spezifisch für die Evangelien, weiter erläutert werden. – Man unterscheidet drei Phasen in der Entstehungsgeschichte der Evangelien:

1. Das irdische Leben Jesu: Jesus hat selbst nichts geschrieben, nur mündlich gelehrt. Dabei wandte er vielfach eine Sprachtechnik an, die es sehr erleichterte, das Gesagte im Gedächtnis zu behalten, vor allem Bilder, Gleichnisse, rhythmische Wiederholungen sowie Parallelismen und Antithesen, z.B. „Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten.“ (Mt 20,16) Solche Sätze prägen sich ein wie markige Werbesprüche, und die Apostel, die sie häufiger hörten, brauchten sie gar nicht aufzuschreiben, sondern konnten sie ohne Mühe im Gedächtnis behalten.

2. Die mündliche Predigt der Apostel: Bald nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesus begannen die Apostel damit, überall von Jesus zu predigen. Sie schöpften aus ihren reichen Erfahrungen mit Jesus und erzählten das Erlebte so lebendig wie möglich, jedoch nicht in der Absicht, eine genaue historische Abfolge vom Leben Jesu zu geben. Sie betonten hingegen mal dies, mal jenes – je nach dem, was für die Hörer gerade nützlich erschien –, um ihren Glauben zu stärken. Nicht die Oberfläche der Geschehnisse war ihnen wichtig, sondern der tiefe Sinn, der dahinter steckte und den sie nach Ostern durch Gottes Gnade klar erkannt hatten. In all dem, was für den Glauben wichtig ist, waren Ihre Predigten vom Heiligen Geist gelenkt. Ob es also 4.000 oder 5.000 Männer waren, die Jesus bei der Brotvermehrung gespeist hat, oder ob es solche Wunder mehr als eines gegeben hat, ist für die Zuverlässigkeit des Evangeliums in Fragen des Glaubens unwichtig.

3. Die geschriebenen Evangelien: Ungefähr 30 Jahre nach dem Tod Jesu begannen einige Autoren, die apostolische Predigt, die auf mündlichem Weg zu ihnen gelangt war, schriftlich festzuhalten. Vermutlich gab es zu der Zeit schon einige kleinere schriftliche Sammlungen von Einzelberichten. Lukas erwähnt im Vorwort zu seinem Evangelium, dass es „viele“ waren, die es bereits unternommen haben, erste Zusammenfassungen in schriftlicher Form abzufassen. Einige dieser Berichte hat er vor sich, anderem ist er selber genauer nachgegangen, „von Grund auf“, wie er sagt, um es vom Anfang der Überlieferungskette her, d.h. von den Augenzeugen zu verifizieren. Selbstverständlich musste er für sein Werk in den literarischen Stoff selbst stark gestaltend eingreifen: durch Auswahl des Wichtigeren und Auslassung des Nebensächlichen; durch Einpassung in eine sinnvoll erscheinende Ordnung, die nicht unbedingt die chronologische sein musste; durch eine Färbung und Gewichtung nach persönlicher Vorliebe und im Hinblick auf den Leserkreis. Lukas z.B. schreibt vor allem für die Armen und Geringen, und darum liegt ihm die Herausstellung der Barmherzigkeit Gottes am Herzen, worin er  „eine gute Nachricht für die Armen“ sieht (Lk 4,18). Matthäus hingegen, da er für Judenchristen schrieb, hat viele Vorraussagen aus dem Alten Testament „eingebaut“, um zu „beweisen“, dass sie in Jesus erfüllt sind.

Solche Unterschiede zeigen, dass die Evangelien keine Geschichtsbücher in dem Sinne sind, dass sie die Vergangenheit möglichst genau zu rekonstruieren versuchen. Die Evangelien sind Glaubensbücher. Durch den Bericht über das, was Jesus gesagt und getan hat, geben sie zuverlässig seine Botschaft von der Erlösung und dem Reich Gottes weiter. Diese Botschaft ist frei von Irrtum. Dafür hat der Heilige Geist gesorgt, als die Evangelisten sie niederschreiben. – Das Bild von Rembrandt drückt deshalb viel besser als die beiden Bilder im letzen Pfarrbrief aus, wie es zu verstehen ist, dass die Bibel Gottes Wort im Menschen Wort und dass sie ganz frei von Irrtum in all dem ist, was Gott zum Heil der Menschen durch Jesus Christus geoffenbart hat: Der Heilige Geist – als Engel – inspiriert den Evangelisten: Er nimmt ihm als „Redakteur“ das eigene Tun nicht ab, garantiert aber die Irrtumslosigkeit in all dem, was zum Heil der Menschen wichtig ist.

Das Neue Testament ist in der Weltliteratur einmalig. Religiöse Tiefe und historische Zuverlässigkeit treffen hier zusammen, wie sonst nirgendwo. Als Christ muss man sich gerade mit der Bibel vor niemandem verstecken!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 4 / 2010 - 3. Woche im Jahreskreis (C)

Der Evangelist Lukas beginnt sein Evangelium mit einer interessanten Vorbemerkung. Sie macht deutlich, wozu er den Bericht über das Leben Jesu verfasst, welche Informationen er dazu eingeholt und welche Zeugen er befragt hat. So erfahren wir, wie sein Evangelium zu verstehen ist.

Die interessante Vorbemerkung ist Teil des Sonntagsevangeliums: „Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.“ (Lk 1,1-4)

Wir fragen manchmal: Sind die neutestamentlichen Berichte auch wahr? Während in früheren Zeiten hieran überhaupt kein Zweifel bestand und man eine solche Frage schon für skandalös hielt, scheint es heute von einem kritischen Geist zu zeugen, wenn man die biblischen Erzählungen ins Reich der Legende verweist. Es handle sich nicht um Geschichte, sondern nur um Geschichten.

Doch Lukas will offensichtlich nicht bloße Geschichten erzählen, so wie auch der Autor des 2. Petrusbriefes klarstellt. „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.“ (2 Petr 1,16) Dasselbe Wort von den Augenzeugen verwendet auch Lukas in seiner kurzen Vorbemerkung. Am Anfang der Überlieferungen, die Lukas gesammelt hat, müssen Augenzeugen stehen, damit sein Bericht auch zuverlässig und glaubwürdig ist.

Freilich ist das geschriebene Evangelium nicht ein vom Himmel gefallenes Dokument, in dem uns Wort für Wort detailgetreu berichtet wird, was Jesus gesagt und getan hat. Vielmehr ist es in einem Überlieferungsprozess entstanden.

Mit den beiden Bildern auf dieser Seite lässt sich zu diesem Überlieferungsprozess folgendes verdeutlichen: Die mittelalterliche Miniatur legt nahe, ein Engel sei vom Himmel gekommen und habe dem Evangelisten Wort für Wort das Evangelium „diktiert“. Das stimmt so nicht. Die moderne Darstellung hingegen legt nahe, die Evangelisten hätten ausschließlich wie Redakteure gearbeitet, die alle vorhandenen Erzählungen und Berichte über Jesu Leben und Wort gesammelt, zusammengefasst und dann der Reihe nach logisch und sinnvoll aufgeschrieben hätten. Das deutet Lukas ja an. Aber das alleine stimmt auch nicht.

Das Evangelium, wie die gesamte Heilige Schrift, ist sowohl Wort Gottes – was die mittelalterliche Miniatur einseitig betont – aber zugleich auch Menschenwort, nämlich das der Verfasser und Autoren der biblischen Bücher – was die moderne Karikatur einseitig betont.

Die Bibel ist beides. Sie ist das unfehlbare Wort Gottes, das alles für uns Menschen zum Heil notwendige unfehlbar enthält, das sich zugleich aber in dem begrenzten und gebrechlichen Wort der menschlichen Verfasser eingeschlossen hat, denn nur so kann es uns erreichen.

Die Bibel ist deshalb Gottes Wort im Menschen Wort. Da zeigt sich eine Parallele zu Gottes Menschwerdung in Jesus Christus: Der ewige unsterbliche und unbegrenzte Gott hat sich „eingeschlossen“ in dem der Zeit unterliegenden, und damit sterblichen und begrenzten Menschen Jesus Christus, der Gott und Mensch zugleich ist.

Wie sich das mit der Schrift als Wort Gottes im Wort der Menschen genauer verhält, erfahren sie im Pfarrbrief der kommenden Woche.

 

Pfarrnachrichten 3 / 2010 - 2. Woche im Jahreskreis (C)

Papst Benedikt und der orthodoxe Patriarch Bartholomaios in Istanbul

Gebetsoktav für die Einheit der Christen

Vom 18. bis zum 25. Januar 2010 hält die Kirche weltweit die traditionelle jährliche Gebetsoktav für die Einheit der Christen. Sie wird seit 1908 gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und der Römisch-Katholischen Kirche vorbereitet und steht in diesem Jahr unter dem Thema: „Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen“. Thema und Impulse wurden von den Kirchen in Schottland erarbeitet, die gleichzeitig auch das hundertjährige Jubiläum der Weltmissionskonferenz vorbereiteten, die 1910 zum Thema: „Heute Zeugnis von Christus ablegen“ stattfand.

Die Versöhnung der Christen untereinander hat im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr unterschiedliche Formen angenommen. Die spirituelle ökumenische Bewegung hat gezeigt, wie wichtig das Gebet für die Einheit der Christen ist. Große Energie wurde auf das wissenschaftlich-theologische Gespräch verwendet, was zu zahlreichen Übereinstimmungen in Lehrfragen geführt hat. Die praktische Zusammenarbeit der Kirchen auf sozialem Gebiet hat fruchtbare Initiativen hervorgebracht. Neben diesen wichtigen Leistungen nahm die Frage der Mission eine besondere Stellung ein. Heute betrachtet man die Missionskonferenz, die 1910 in Edinburgh stattfand, als den Beginn der modernen ökumenischen Bewegung.

Zum Erbe und zur Tradition der Kirche Sankt Pantaleon gehören seit Jahren die ökumenischen Akzente, sowohl im Kontext des jährlichen Theophanu-Gedenkens (um den 15. Juni) wie auch des monatlichen Albanusgedenkens in der Abendmesse jeweils am 22igsten des Monats mit der besonderen Gebetsintention „für die Einheit der Christen in Ost und West“.

Darüber hinaus werden wir auch diesmal der Gebetsoktav für die Einheit der Christen, die alljährlich vom 18. bis 25. Januar stattfindet, in den täglich zwei Eucharistiefeiern besonderen Raum geben und uns dabei an die vom Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen und von der Kommission "Glaube und Verfassung" des Ökumenischen Rates der Kirchen vorbereiteten Themen und Leitgedanken halten:

  1. Tag (Montag, 18. Januar) Zeugnis durch die Feier des Lebens: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lk 24, 5)
  2. Tag (Dienstag, 19. Januar) Zeugnis durch das Teilen von Lebensgeschichten: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ (Lk 24, 17)
  3. Tag (Mittwoch, 20. Januar) Zeugnis durch Achtsamkeit: „Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ (Lk 24, 18)
  4. Tag (Donnerstag, 21. Januar) Zeugnis durch die Feier des Glaubenserbes: „Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazareth“ (Lk 24, 19)
  5. Tag (Freitag, 22. Januar) Zeugnis im Leiden: „Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24, 26)
  6. Tag (Samstag, 23. Januar) Zeugnis durch Treue zur Schrift: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk 24,32)
  7. Tag (Sonntag, 24. Januar) Zeugnis durch Hoffnung und Vertrauen: „Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“ (Lk 24,38)
  8. Tag (Montag, 25. Januar) Zeugnis durch Gastfreundschaft: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ (Lk 24, 41)

In der römischen Basilika vom hl. Paulus vor den Mauern wird Papst Benedikt XVI. am 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des Apostel Paulus, die Gebetswoche mit einer feierlichen Vesper beschließen, an der auch ökumenische Vertreter teilnehmen werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 2 / 2010 - Ende der Weihnachtszeit (C)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Das Fest, Taufe des Herrn, das wir diesen Sonntag feiern, drückt in anderer Weise das noch einmal aus, was uns am Fest der Heiligen Drei Könige, dem Fest der Erscheinung des Herrn, vor Augen geführt wurde.

Die Weisen aus dem Morgenland brachen auf und nahmen eine beschwerliche Reise in Kauf, um dem „neugeborenen König der Juden“ (Mt 2, 2) die Ehre zu erweisen. Den Neugeborenen finden Sie jedoch nicht in einem königlichen Palast, umgeben von großer Dienerschaft und in einer prachtvollen Königswiege, sondern in einem Stall, umgeben von Tieren und Stallgeruch in deren Futterkrippe.

Durch Gottes Gnade geht Ihnen auf, wie unendlich groß dieses Königskind ist. Gott selber ist in ihm zum kleinsten unter den menschlichen Geschöpfen geworden: Ein hilfloses Kind; ganz angewiesen auf die Geborgenheit bei seiner Mutter und allen Menschen. Die Macht seiner Herrschaft ist die Liebe, die all jene anspricht, die – im Gegensatz zu Herodes – um aufrichtige Menschlichkeit bemüht bleiben.

Um die Menschlichkeit zu bewahren müssen wir zugleich die „Pietas“, die Frömmigkeit und Ehrfurcht Gott gegenüber kultivieren. Das eine geht nicht ohne das andere. Ohne Menschlichkeit verlieren wir die „Pietas“, ohne „Pietas“ die Menschlichkeit.

Das wird bei den Königen im Gegensatz zu Herodes konkret. Sie brachten Gold, Weihrauch und Myrre dar: Geschenke, die den alltäglichen Bedürfnissen nicht gerade entsprechen. In diesem Augenblick hätte die Heilige Familie bestimmt etwas anderes dringender gebraucht: Weihrauch und Myrre, und auch das Gold, konnten sie nicht unmittelbar gebrauchen.

Diese Geschenke haben einen tieferen Sinn: Sie drücken „Pietät“, Ehrfurcht und Wertschätzung aus, und in der Folge Gerechtigkeit.

In jener Zeit bedeuten die Gaben von Gold, Weihrauch und Myrre die Anerkennung einer Person als König und Gott. Mit ihren Geschenken stellen sich die Weisen unter das neugeborene Kind, dessen Göttlichkeit ihnen erschien und offenbar wurde. Ihr Kniefall ist als Akt der Unterwerfung Ausdruck ihrer Gerechtigkeit Gott gegenüber, dem wir alles verdanken.

Als Folge davon können sie nun auch den Mitmenschen in ganz neuer Weise sehen: In Ehrfurcht und Wertschätzung, durch die sich die Gerechtigkeit auch zwischen den Menschen ausdrückt. Von dieser göttlichen Begegnung im Stall an können die Weisen nicht mehr auf ihrem bisherigen Weg weitergehen. Sie können nicht mehr zu Herodes zurückkehren. Sie können nicht mehr als Verbündete gemeinsam mit einem so mächtigen und grausamen Herrscher dessen gottlose Wege gehen. Sie haben sich auf den Weg des Jesuskindes begeben und folgen fortan ihm.

Bei seiner Taufe erscheint Jesus durch die Offenbarung aus dem Himmel erneut als Sohn Gottes. Als der ganz Sündenlose reiht er sich ein in die Schar der Sünder: Aus Wertschätzung, aus Ehrfurcht und Liebe sowohl gegenüber Gottvater, dem Schöpfer aller Menschen, wie auch gegenüber dem – weil es vom ersten nicht zu trennen ist –, was in jedem Menschen trotz seiner Sünden an unzerstörbarem Rest, an wahrer Menschlichkeit bleibt und geblieben ist.

Von da an ruft Jesus auf zu Umkehr und Bekehrung, für die in der Taufe der Grund gelegt wird.

Gegenwärtig verstehen viele diese Botschaft nicht mehr, die aus dem Stall von Bethlehem und von der Taufe des Herrn an von ihm dann unmittelbar verkündet wird. Den Unverständigen fehlt die Fähigkeit, im Herzen ein Kind zu bleiben. Übersteigerte Selbstsicherheit und Eigenmächtigkeit machen nicht nur blind für all das, was von Gott kommt. Sie trüben auch die Gerechtigkeit, die Wertschätzung und Pietät Gott und dem Nächsten gegenüber.

Zu viele maßen sich gegenwärtig an, die Realität gänzlich zu kennen, und haben bereits ihr endgültiges Urteil über die Dinge gefällt. Das verschließt ihre Herzen für die Neuheiten Gottes und die individuelle Würde des Menschen. Zu viele vertrauen eher sich selbst als Gott und können nicht glauben, dass er die Größe besitzt, sich klein zu machen, um uns nah zu sein.

So fehlt es dann auch an echter Demut, sich dem unterzuordnen, was größer ist. Was fehlt, ist echter Mut, an das zu glauben, was wirklich groß ist, auch wenn es sich in einem wehrlosen Kind offenbart. Damit fehlt es auch an der typisch christgläubigen Fähigkeit, im Herzen ein Kind zu bleiben, sich zu wundern und aus sich heraus zu gehen, um dem Weg zu folgen, den der Stern von Bethlehem aufzeigt, dem Weg Gottes.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 1 / 2010 - Weihnachtszeit (C)

Orantenhaltung - Frühchristlich römische Katakombenmalerei

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Am 9. Januar begehen wir in St. Pantaleon wieder den Tag des Ewigen Gebetes. An jedem Tag des Jahres beten Gläubige in einer anderen Pfarrkirche unseres Erzbistums füreinander.

So möchte ich Ihnen weitergeben, nicht nur mit Blick auf diesen Tag, was der spätere Kardinal Franz Xaver Nguyên van Thuân nach 13 Jahren Gefangenschaft als Erzbischof, davon 9 Jahre in absoluter Einzelhaft, in vietnamesischen Gefängnissen der Kommunisten zwischen 1975 bis 1988 niedergeschrieben hat.

Er schildert unter anderem, dass seine Freude unbeschreiblich war, als es Freunden gelungen war, ihm ein kleines Medizinfläschchen mit einigen Milliliter Wein zukommen zu lassen, als Tropfen gegen Bauchschmerzen deklariert. Von da an, schreibt Bischof van Thuân, »feierte ich jeden Tag die heilige Messe in der hohlen Hand mit drei Tropfen Wein und einem Tropfen Wasser.« Die hohle Hand diente ihm als Kelch; und einige Brotreste konnte er sich immer zur Seite legen.

Alle seine Bewacher hat er durch seine Liebe, seine Freude und Zuversicht „angesteckt“, weshalb sie alle zwei Wochen ausgewechselt wurden, bis die Vorgesetzen darauf verzichteten, damit nicht alle Wachbeamten „angesteckt“ würden.

In der Gefangenschaft schrieb Van Thuân über das Gebet: »Behüte dein Geheimnis, deinen Schlüssel zum Leben: das Gebet. Niemand ist stärker als der Betende, weil der Herr versprochen hat, ihm alles zu geben, worum er bittet. Wenn ihr euch im Gebet versammelt, dann ist Gott mitten unter euch (vgl. Mt 18,20). Ich ermahne Dich inständig: außer dem „offiziellen“ Gebet sollst du täglich eine oder besser zwei Stunden dem persönlichen Gebet widmen. Das ist keine verlorene nutzlose Zeit. Auf meinem Lebensweg habe ich die Wahrheit eines Wortes von Theresia von Avila erfahren: ‚Es bedarf keiner Bemühungen des Teufels, um einen Nichtbetenden in die Hölle zu treiben. Er wird aus eigenem Antrieb hineinstürzen.’«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 53 / 2009 - Weihnachtsoktav (C)

Aufruf der deutschen Bischöfe zur Aktion Dreikönigssingen 2010

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Verantwortliche in den Gemeinden und Gruppen, liebe Schwestern und Brüder,

„Kinder finden neue Wege“. So lautet dieses Mal das Motto der Aktion Dreikönigssingen. Es erinnert an die oft langen Wege, die Kinder und Jugendliche in vielen Teilen der Welt täglich gehen müssen, um leben und überleben zu können: zur Schule, zur Kirche, zur Wasserstelle, zum Holzsammeln oder auf den Markt in der weit entfernten Stadt. So ist es auch im Senegal, dem diesjährigen Beispielland des Dreikönigssingens. Immer wieder dürfen wir aber auch die erstaunliche Erfahrung machen, mit welchem Mut und welcher Beharrlichkeit Kinder trotz der schwierigen Verhältnisse ihr eigenes Leben und das ihrer Familien meistern. Viele finden dabei Zuversicht und Orientierung im Glauben.

In den kommenden Wochen machen sich die Sternsinger in unseren Gemeinden wieder auf den Weg. Wenn sie von Haus zu Haus ziehen, nehmen sie teil am Leben ihrer Altersgenossen aus den Armutszonen der Welt. Zugleich verkünden sie dabei Jesus Christus. In ihm geht Gott selbst unsere Wege des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe mit.

Alle Pfarrgemeinden, Jugendverbände und Initiativen, aber auch die vielen persönlich Engagierten bitten wir, die Aktion Dreikönigssingen wieder nach Kräften zu unterstützen.

Fulda, den 24. September 2009

Für das Erzbistum Köln: + Joachim Card. Meisner, Erzbischof von Köln

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Die Sternsinger kommen zu Ihnen nach Hause, entweder am 04. Januar, Montagvormittag, zwischen 10 und 12 Uhr, oder am 05. Januar, Dienstagnachmittag, zwischen 16 und 18 Uhr. Teilen Sie den Sternsingern Ihren Terminwunsch bitte mit dem entsprechenden Zettel mit, der in der Kirche ausliegt oder über das Pfarrbüro.

Darüber hinaus werden die Sternsinger Ihnen ihr Anliegen auch beim Neujahrsempfang, am Sonntag, dem 10 Januar ab 12 Uhr im Pfarrsaal vortragen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 52 / 2009 - 4. Adventswoche (C)

Rogier van der Weyden. Besuch Marias bei Elisabeth, 1440-1445

Liebe Mitchristen!

Im Evangelium vom 4. Advents-Sonntag begegnen sich Maria und Elisabeth, zwei Angehörige des auserwählten Volkes. Ihre Begegnung ist Zeichen und Ausdruck der besonderen Geschichte Gottes mit den Menschen, die von Liebe geprägt ist.

Gott hat den Menschen geschaffen als Mann und Frau, nach seinem Abbild. Er leidet unter der Schuld des Menschen, gibt ihn aber nicht auf. So wählt er sich sein Volk aus, damit die Liebe Gottes zu allen Völkern zeichenhaft deutlich werde. Obwohl das auserwählte Volk ihn verlässt, verlässt er es nicht. Ihm bleibt er treu in guten und in bösen Stunden. Als größtes Zeichen seiner Liebe sendet er seinen Sohn, der „Jesus“ genannt wird, was soviel bedeutet wie: „In Gott ist das Heil.“

So begegnen sich nun zwei Frauen, die Gott mit seiner Liebe überrascht hat.

Elisabeth, die als unfruchtbar galt, wurde dank der Verheißung Gottes überraschend doch noch schwanger, obwohl sie längst über das Alter hinaus war. Und auch Maria, erstaunt über Gottes Anliegen, kann anfangs nur die Frage stellen: „Wie soll das geschehen?“ Auf die klärenden Worte des Engels hin hat sie dann uneingeschränkt sagen können: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

So begegnen sich nun zwei Frauen, durch deren Söhne sich Gott endgültig offenbaren wird.

Der Evangelist Lukas lässt uns teilhaben an dieser Begegnung. Kaum hat Maria Elisabet begrüßt, reagiert das Kind im Mutterleib. Im Evangelium heißt es: „Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.“

Johannes hüpfte in ihrem Leib. – Man weiß heute sehr genau, wie sensibel Kinder im Mutterleib auf ihre Umwelt reagieren, auf Musik, auf laute Geräusche und vieles mehr. Johannes reagiert darüber hinaus „vor Freude“.

Schon im Mutterleib ist Johannes durch Einwirkung des Heiligen Geistes von Freude über den kommenden Messias erfüllt. Die Reaktion des Kindes bewirkt nun auch in Elisabeth, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt wird. „Mit lauter Stimme“ ruft sie aus: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Immer wieder haben – auch in der Kunst – gläubige Menschen das Vertrauen und die Liebe dieser beiden Frauen zu verdeutlichen versucht, die sie miteinander verbinden. Gemeint ist das Vertrauen zueinander; zugleich aber auch Gott gegenüber, der ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder lenken wird.

Vertrauen auf den unbegreiflichen Gott! Warum gerade sie? Wie kommt Gott dazu, gerade sie auszuwählen?

Das ist Liebe, die man nie endgültig versteht und deren Gründe man nie wirklich enträtseln kann, auch unter Menschen nicht: Warum liebt mich meine Frau, mein Mann? Warum liebe ich meine Kinder, warum sie mich? – Wir werden es nie endgültig verstehen, insbesondere nicht, wenn es um die Liebe zwischen Gott und den Menschen geht! Wie kann Gott so sein, wie er ist?

Maria und Elisabeth halten sich nicht bei ihren Fragen auf, auch wenn sie noch keine abschließende Antwort kennen. Sie rühmen nicht sich selbst, sondern preisen Gott und seine Liebe. Sie staunen und sind dankbar. – Das ist die beste Antwort auf diese Fragen!

Die Begegnung von Maria und Elisabeth lädt ein, alles was wir an Liebe erfahren haben, in dieser Weise zu bedenken und zu beantworten: Dankend und preisend! – Dann ist es gar nicht einmal so schwer, Gottes Wohltaten als Ausdruck seiner Liebe zu erkennen, und schweigend und staunend inne zu halten, anzubeten und zu danken

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51 / 2009 - 3. Adventswoche (C)

„Es kommt einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Lukasevangelium: 3,16) – Johannes der Täufer, Isenheimer Altar, Matthias Grünewald - Detail

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es passiert an einem Samstag vor Weihnachten. Im Haushalt steht bei Familie Meier der große Hausputz an, und so gibt es wieder einmal Eintopf zum Mittagessen. Beim Anblick dieser Köstlichkeit auf seinem Teller verfinstert sich die Miene des 12-jährigen Sohnes deutlich. Das bleibt der Mutter natürlich nicht verborgen, und so weist sie ihren Sohn zurecht: „Dir geht es viel zu gut! Viele Kinder in armen Ländern wären froh, wenn sie die Hälfte dieser Suppe hätten!“ – Der Sohn antwortet darauf: „Ich wäre darüber auch froh, Mama, ich auch!“

So ist das manchmal mit unseren Erziehungsmaßnahmen. Immer wieder müssen wir erleben, dass unsere gutgemeinten Ratschläge nicht auf fruchtbaren Boden fallen

Im Evangelium vom 3. Adventssonntag erleben wir mit, wie Menschen tief beeindruckt sind von Johannes dem Täufer. Er ist ein Prophet, ein regelrechter Lautsprecher Gottes. Mitten in der Einöde lebt er, ganz auf Gott und dessen Wort konzentriert. Dieser Mann ist sich absolut sicher: Sehr bald schon wird der so sehnsüchtig erwartete Messias kommen.

Doch das Erstaunlichste ist nicht sein karges Leben in der lebensfeindlichen Wüste, sondern dass sich überall im Lande herumspricht: In der Wüste lebt ein gewaltiger Bußprediger!

Viele Menschen ziehen dorthin, um diesen Mann zu erleben, weil sie tief in ihrem Herzen eine innere Unruhe spüren. Ihnen wird bewusst, dass sie sich in ihrem Leben eigentlich neu auf Gott hin orientieren müssen.

Das, was ihnen die Schriftgelehrten und Priester in Jerusalem an frommen Belehrungen verkünden, ist zu eintönig und begeistert nicht. Johannes hingegen, der Täufer in der Wüste, nimmt kein Blatt vor den Mund. Viele wollen sich zum Zeichen der Reue und Umkehr von ihm taufen lassen. Doch so einfach geht das nicht.

Johannes hält seinen Zuhörern vor: Ihr seid eine „Schlangenbrut“, wenn eure Umkehr nicht durch Taten sichtbar wird. So fragen sie ihn: „Was sollen wir also tun?“

Viele sind offenbar bereit, ein neues Leben mit Gott zu beginnen. Aber sie sind verunsichert. Was ist dabei wirklich wichtig? Wie soll ich mich verhalten?

Johannes antwortet ihnen konkret: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“

Vielleicht hatten einige mit dem Rat gerechnet, die vielen jüdischen Vorschriften strenger einzuhalten. Oder einfach mehr zu beten.

Die Antwort des Johannes fällt jedoch ganz anders aus, handfest und praktisch, aber deshalb keineswegs leichter.

Johannes sagt ihnen: Gebt großzügig von dem, was ihr besitzt. Gebt so euren Mitmenschen eine Chance, die in Not sind und weder genug zum Essen noch zum Anziehen haben und kein menschenwürdiges Leben führen können.

Johannes nimmt damit die Illusion, sich mit Frömmigkeitsleistungen bei Gott etwas erkaufen zu können. Umkehr, so sagt Johannes, muss konkret und handfest sein: So wie Gott im Himmel barmherzig ist, so sollt auch ihr es sein. Dient Gott in eurem ganz normalen Alltag. Teilt euer Geld, euren Überfluss, eure Zeit, euer Leben mit denen, die auf eure Nächstenliebe angewiesen sind.

Johannes sagt dies den vom Volk verhassten Zöllnern und Soldaten. Damit erklärt er indirekt, dass jeder Nächstenliebe und Barmherzigkeit dort zeigen kann, wohin er durch die Lebensumstände geführt worden ist; wo er lebt und arbeitet; auch als Zöllner und Besatzungssoldat.

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Zeit adventlicher Besinnung und Kurskorrektur; und dass wir die Worte des Wüstenpredigers nicht so verdrehen wie der 12-jährige Sohn die Worte seiner Mutter anlässlich seines Blicks in den Eintopf. Nehmen wir die Worte des Täufers so an wie sie gemeint sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50 / 2009 - 2. Adventswoche (C)

Meine Adventswünsche an den lieben Gott

Darf ich Dir, lieber Gott, anlässlich Advent meine vielen Wünsche vortragen, samt dem Versprechen besser mein Bestes zu tun? Darf ich Dir auch sagen, was ich gern zur Adventszeit hätte?

Hör denn, lieber Gott:

Ich hätte gern einen neuen Kopf. ... Mit diesem hier wollte ich schon so oft durch die Wand; ich habe ihn in schweren Zeiten unschön hängen lassen, und zwischendurch habe ich ihn auch einige Male verloren.

Schenk mir dann auch bitte neue Augen. … Zur Zeit verliere ich so wichtige Dinge aus dem Auge. Ich sehe vieles nur noch schwarz‑weiß, gern sähe ich alles wieder in Farben.

Vielleicht hast Du für mich auch noch eine neue Nase. … Meine habe ich vor vielem gerümpft; ich stecke sie auch überall hinein, wo es nicht sein müsste.

Eine andere Zunge käme mir auch ganz gut zustatten! … Die ich jetzt habe, ist bereits ein wenig scharf geworden. Sie redet zuviel und kritisiert auch gern. Zwischendurch spreche ich auch schnell einmal zweideutig.

Selbst, neue Ohren könnte ich brauchen. … Ich stecke über beide in Arbeit und Sorgen. Das eine Ohr klingt vom Tratsch um mich herum; das andere ist fast taub; es hört wenig Gutes und Fröhliches. Ich möchte gern wieder ruhig und ausgeglichen sein.

Und dann meine Zähne, lieber Gott. … Ich musste sie oft zusammenbeißen. Ich habe sie auch zu oft gezeigt. Manchmal stehen zu viele Haare darauf, und manchmal zu wenig.

Und dann zum Schluss, lieber Gott, mein Mund! … In der letzten Zeit habe ich so einen großen Mund. Ich nehme ihn schnell zu voll. Er hat das Singen und auch das Pfeifen verlernt, und er schweigt, wenn er sprechen sollte. Gib mir einen etwas kleineren, der wieder herzlich lachen kann.

Und dann, ja, wenn ich noch um eine ganz kleine Zugabe bitten darf, sorg darin bitte auch noch für neue Ellbogen. … Ich habe so fest damit gearbeitet und gestoßen. Ich habe beinahe keine mehr.

Ich danke Dir sehr, lieber Gott!

In Erwartung auf Dein Kommen … und von Dir beschenkt zu werden.

(G. de Vooght)

 

Pfarrnachrichten 49 / 2009 - 1. Adventswoche (C)

Der Weihnachtsteufel

Wenn ich der Teufel wäre ... Gedanken zum Advent

Ich stelle mir vor, wie mir wohl in dieser schönen Vorweihnachtszeit zumute sein würde, wenn ich der Teufel wäre...

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich also ganz genau, worum es zur Weihnacht geht ‑ um das genaue Gegenteil dessen, was ich will. Ich wüsste auch ganz genau, was ich zu tun hätte. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich zunächst einmal an den gesunden Menschenverstand appellieren.

Seit wann gibt's denn so was? ‑ würde ich die Menschen fragen. Gott ein Mensch? Gott ein Kind? Und ausgerechnet in Palästina? In einem Dorf? In einem Stall? Wie geschmacklos!

Wenn ich der Teufel wäre, würde ich gerade in der Weihnachtszeit eine meiner bewährtesten Theorien zur Anwendung bringen ‑ die Beschäftigungstheorie. Wenn man weiß, dass die Menschen hinter dem Gelde her sind, wie ich Teufel hinter den armen Seelen, gelingt einem das ja sehr leicht. Man lässt die Menschen an den blanken Talern riechen, dann machen sie Überstunden. Überstunden in den Fabriken. Überstunden in den Kaufhäusern, Überstunden in den Geschäften. Die Frauen würde ich in ihren Wohnungen beschäftigen, mit Hausputz, Kuchenbacken und dergleichen. Ich würde ihnen allen keine Ruhe geben und keine Ruhe lassen. Wer sich nämlich auf die Weihnacht rüsten will, muss Ruhe haben. Wer keine Ruhe hat, kann sich nicht rüsten. Wer sich nicht rüsten kann, kann auch nicht Weihnacht feiern.

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich natürlich, dass es zur Weihnacht auch um den Frieden geht, den inneren Frieden, wie man so sagt. Gegen den Frieden gibt es ein ganz herrliches Mittel. Dieses Mittel heißt Tempo. Ich würde die Menschen also gerade in der Weihnachtszeit auf Touren bringen. Ich würde ihnen das Herz hochjagen wie einen Motor. Ich würde sie in einen Haufen tempotoller Ameisen verwandeln. Ich würde sie schon um ihren Frieden bringen.

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich natürlich auch, dass man Stille haben muss, wenn man das Schlagen der rettenden Stunde hören will; dass Stille walten

muss, wenn die Menschen hören sollen, was Gott mit ihnen redet. Allein ‑ auch gegen die Stille lässt sich schon etwas tun. Nachgerade ein Wundermittel gegen die Stille ist der Rummel. Ich würde also einen Rummel inszenieren, eine Art Gegenstück zum Karneval. Einen Rummel, von dem die Menschen ganz toll und verrückt werden. Das lässt sich machen. Das ist nicht einmal Hexerei. Die Weihnachtslieder würde ich in Weihnachtsschlager verwandeln, in Weihnachtsgassenhauer. Eine Kleinigkeit. Man braucht sie nur durch die Lautsprecher zu jagen. Und die Lautsprecher braucht man nur brüllen zu lassen. An jeder Straßenecke...

Ich würde die Menschen dahin bringen, dass sie Weihnachten auf der Straße feiern, dass sie gar keine Lust mehr haben, Weihnachten noch bei sich zu Hause zu feiern. Und eine Weihnacht, die nicht zu Hause gefeiert wird, ist überhaupt keine.

Das heißt natürlich nicht, dass eine Weihnacht, die zu Hause gefeiert wird, nun auch eine echte Weihnacht sein müsste. Wer sollte das besser wissen als ich, wenn ich der Teufel wäre? Dafür wollen die Menschen viel zu gern sein wie der liebe Gott selber. Das fehlte gerade noch, dass die Menschen sich von Gott beschenken lassen müssten. Das können sie selber doch auch, so wie sie nun einmal gebaut sind. Eigentlich müsste die ganze Weihnacht um die Armut der Menschen kreisen, in die Gott seinen Sohn hineingeschenkt hat. Aber wer redet denn da von Armut? Ich? ‑ Ich bin doch der Teufel. Ich rede den Menschen doch gerade ein, dass sie gar nicht so arm sind, dass sie Gott gar nicht brauchen, zum Schenken bestimmt nicht. Das können sie selber doch viel besser. Sie haben doch Geld.

Und wenn sie jetzt immer noch auf den Gedanken kommen sollten, Weihnachten zu feiern, wirkliche Weihnacht, dann ‑ ja dann würde ich einfach wieder von vorn anfangen...

Gekürzte Fassung, Verfasser unbekannt


Pfarrnachrichten 48 / 2009 - 34. Woche im Jahreskreis (B)

Hans Memling (um 1430/40 1494) – Das jüngste Gericht

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Die Heilsgeheimnisse, die wir im Laufe des Kirchenjahres gefeiert haben, münden in das Fest von Christus, dem König. Auch andere Hochfeste wie Epiphanie (Hl. drei Könige), Ostern oder Christi Himmelfahrt verweisen auf das Königtum unseres Herrn.

Als Papst Pius XI. im Jahre 1925 das Christkönigsfest einführte, ging es ihm jedoch »nicht so sehr um das heilsgeschichtliche Königtum Christi, sondern um den sozialen und staatspolitischen Wert der Christkönigsidee: die Völker können in sich und untereinander den Frieden nicht finden, wenn sie sich nicht Christus unterordnen.«

Die Messtexte, insbesondere die Lesung, weisen auf die Herrschaft eines Königs hin, der sein Reich nicht auf Eroberung gründet, sondern auf die Fürsorglichkeit eines Hirten: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

Zu unserem  Glauben gehört die Tatsache, dass Gott die durch die Sünde verirrten Menschen aufgesucht hat: Sie waren krank, er heilt ihre Wunden.

Christus ist gekommen als der die Liebe Gottes offenbarende König, als Erlöser der Menschen und Mittler des Neuen Bundes. Sein Reich ist Zeichen des Heiles unter den Menschen, damit diese eine Welt aufbauen in Gerechtigkeit und geschwisterliche und solidarische Gesinnung in der Hoffnung auf das künftige Heil herrschen.

Deshalb heißt es in der Präfation der heutigen Messe: Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

Vor allem das Evangelium vom Lesejahr A bekräftigt dies in sehr anschaulicher Weise. Matthäus gibt im 25. Kapitel wieder, was Jesus seinen Jüngern mitgeteilt hat: Am Ende dieser unserer sichtbaren Welt, am sogenannten jüngsten Tag, wird Christus das letzte Urteil sprechen, dem keiner mehr wird widersprechen können. Ohne die Möglichkeit des Einspruchs, weil Gottes Urteil der Wahrheit entspricht, wird Christus als in Herrlichkeit Wiedergekommener den Gerechten und damit denen, die Christi Königsherrschaft anerkannt und sich von ihm als dem guten Hirten wie Schafe haben führen und leiten lassen, erklären: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ bzw. „was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, dass habt ihr auch mir nicht getan.“

Jesus der Herr möchte sein Reich in dieser unserer Zeit also durch uns errichten, um uns am Tag des Unterganges dieser Welt dereinst sagen zu können, dass unsere vergänglichen Bemühungen mit dieser Welt nicht untergehen werden. All das Gute haben wir ja auch ihm getan. Es bleibt für immer und uns voll und ganz zugänglich aufgehoben in seinem Herzen und damit bis in alle Ewigkeit. Dort werden wir uns als die wiederfinden, deren Einsatz für das Gute und Gerechte endgültig alles Böse und Gemeine überwunden haben wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47 / 2009 - 33. Woche im Jahreskreis (B)

Die Priesterweihe wird durch die Handauflegung des Bischofs gespendet.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag wird in allen Gottesdiensten ein Hirtenwort unseres Erzbischofs über den Zölibat verlesen. Dabei geht es unserem Erzbischof darum, den Gläubigen den Sinn des Zölibates näher zu bringen: „Denn immer wieder ist es der Zölibat, der angefragt wird oder gar auf Unverständnis stößt.“

„Die gelebte, gottgewollte Ehelosigkeit, der Zölibat“, so der Kardinal, „ist ein unübersehbares Zeugnis, für den lebendigen Gott mitten in der Welt.“ Deshalb binde die Kirche das Priestertum an Menschen, „deren Lebensstil nur erklärbar ist, wenn es Gott gibt.“

So wie die unauflösliche Ehe, so ist auch der treu durchgetragene Zölibat „Zeichen für das nahe gekommene Reich Gottes.“ Was der Priester verkündigt, das Reich Gottes, bezeuge er somit „zeichenhaft und wirksam zugleich durch seinen (zölibatären) Lebensstil.“

Der Kölner Erzbischof präzisiert die zeichenhafte und wirksame Bedeutung von Ehe und Ehelosigkeit: „Das unauflösliche Ja der Eheleute wie die vorbehaltlose Verfügbarkeit im Zölibat zeugen davon, dass Menschen sich voll und ganz einlassen auf Gottes entgegenkommende Liebe.“ So werden sie zu neuen Menschen. „Christliche Ehe und zölibatäres Leben sind daher zwei Ausprägungen derselben Botschaft von Gottes unbedingter Nähe und Treue.“

Im Zentrum des christlichen Glaubens stehe die Tatsache, das „Gottes Herz in der Welt … nicht irgendein Herz angenommen hat, sondern die Gestalt des Priesters. Jesus ist der … einzig wahre Priester, weil er als Opfergabe nicht irgendetwas, sondern sich selbst darbringt.“ Hier habe auch „der Zölibat Jesu seinen Ursprung: Jesus gehört nicht nur einem Menschen, einer Frau, einer Familie. Jesus ist ehelos geblieben und hat keine Familie im üblichen Sinn gegründet, weil er etwa das Geschlechtliche abgewertet oder Frau und Familie gering geschätzt hätte. Er wollte in seinem zölibatren Leben ein Zeichen dafür setzten, dass Gott der Vater aller ist.“

So wird dann auch „der zölibatäre Priester in seiner Treue … ein getreues Abbild Christi.“ Er werde „allen zum Bruder … und bindet sich nicht an einen einzelnen Menschen.“ Das ermögliche ihm, „in größerer Freiheit ein um so klareres Zeugnis zu geben von der entgegenkommenden Liebe Gottes.“ Das habe auch ganz praktische Auswirkungen: „Weil ein Priester weniger Rücksicht auf unmittelbare Angehörige nehmen muss, kann er sich freier den Menschen zuwenden.“ Zölibat und Ehe würden sich dabei einander stützen, sofern sich „beide Lebensformen als glaubwürdiges Zeichen erweisen.“

In Abgrenzung zu den Eheleuten wollte Jesus „sein eigenes priesterliches Dasein“ in besonderer Weise „in den geweihten Priestern … fortsetzen und vergegenwärtigen.“ Unser Erzbischof schreibt hierzu: „Im Zölibat will sich Gott unter den Menschen bekannt machen. Er will zeigen, dass er uns Menschen so nahe ist und uns so überschwänglich liebt, dass ein Mann als zölibatärer Priester sich ganz an Gott und an die Menschen verschwendet und dabei ganz Mensch ist und bleibt. Hier wird deutlich: Nur wer wirklich an Gott glaubt, versteht etwas vom Zölibat.“

Neben vielen weiteren Gründen spricht Kardinal Meisner auch den sogenannten eschatologischen an: „Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen hält mitten unter uns die Sehnsucht wach nach der einen, endgültigen, vollkommenen Liebe. Der zölibatäre Mensch streckt sich mit seinem ganzen Dasein aus nach jener letzten Erfüllung, die nur Gott schenken kann. Der Zölibat ist deshalb ein Charisma, eine Gnadengabe, und damit ein kostbares Geschenk der Freiheit.“ Mit Blick auf unsere oft nur pragmatische, funktionale oder psychologische Sichtweise stellt der Kardinal die zukunftsweisende Frage „Könnte es nicht sein, dass der Zölibat gerade in seiner gesellschaftlichen Widerspenstigkeit ein Schatz ist, den es neu zu heben gilt und dessen prophetische Botschaft neu verstanden werden muss?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 46 / 2009 - 32. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Kaum vergehen hier die Tage, ohne dass es immer wieder etwas Schönes und Neues gäbe.

Am 2. November etwa haben wir die Allerseelenmesse gemeinsam mit Msgr. Anthony Muheria, seit 2008 Bischof von Kitui / Kenia feiern können. Das war nicht nur für die kleine Messdienerschar (mehr ...) etwas ganz Besonderes.

Inzwischen ist auch das Kreuzigungsbild, das viele Jahre an der Rückwand des südlichen Seitenschiffes hing – seitlich neben, aber räumlich höher als der Windfang –, durch den Kunstrestaurator Vladimir Tkatchenko, der seit Monaten hier in St. Pantaleon arbeitet, wieder in einen sehr guten Zustand gebracht worden. Da den langjährigen Platz dieses Bildes nun schon seit einiger Zeit das ebenfalls restaurierte, etwa 400 kg schwere Wappen von Abt Schallenberg eingenommen hat, wir aber dieses schöne, den „Pantaleönern“ gut vertraute Bild wieder in der Kirche aufhängen möchten, haben wir dafür einen neuen Ort gefunden: in der Marienkapelle, relativ hoch an der Rückwand gegenüber der Schmerzenmutter.

Aller guten Dinge sind drei. So gibt es auch eine dritte gute Nachricht.

Ab diesem Wochenende werden wir bis etwa September 2010 einen vierten Seelsorger in unseren Reihen begrüßen: Ein Diakon auf dem Weg und in der Vorbereitung zum Priesteramt.

Es ist ein etwas außergewöhnlicher Diakon: Prof. Dr. Dr. Harm Klueting, ein katholischer Theologe und Historiker, der als Theologieprofessor an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg in der Schweiz Kirchengeschichte lehrt und auch Professor der Universität zu Köln ist für Geschichte und Katholische Theologie im Fach Kirchengeschichte (mehr ...).

Prof. Klueting wird in St. Pantaleon seinen Dienst zunächst als Diakon verrichten, zugleich seine Lehrtätigkeit fortführen, und, so Gott will, im Frühjahr im Alter von 60 Jahren zum Priester geweiht. Er war früher evangelischer Geistlicher der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie evangelischer Theologieprofessor im Fach Kirchengeschichte (in Sibiu / Rumänien) und ist 2004 zur katholischen Kirche konvertiert.

Wir heißen ihn herzlich willkommen und freuen uns sehr auf die gemeinsame, vor uns liegende Zeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45 / 2009 - 31. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Nach altem Brauch besuchen katholische Christen in unserem Land, weil er zugleich ein staatlicher Feiertag ist, bereits an Allerheiligen den Friedhof, um dort ihrer Verstorbenen betend zu gedenken. Meist wird das Gebet begleitet durch das Aufstellen von Kerzen und eine besonderer Grabpflege.

Auch wenn der eigentliche Gebetstag für die Verstorbenen der Allerseelentag ist, gehört der ihm vorausgehende Allerheiligentag wie ein Zwilling untrennbar zu ihm: Beide Tage bilden eine gewisse Einheit.

Was bringt es, so könnte man kritisch fragen, für die Verstorbenen zu beten? Die sind doch tot! … Die haben doch nichts mehr davon, könnte ein Skeptiker vorbringen!

Eine erste Antwort darauf gibt uns die Liturgie. In der Allerseelenmesse betet die Kirche in der Präfation: „Vita mutatur, non tollitur“, was übersetzt heißt: „Das Leben wird gewandelt, nicht genommen.“

Damit glaubt und verkündet die Kirche, dass die Seele, das Innere und Eigentliche des Menschen nicht stirbt, sondern der Mensch ohne seinen Körper, der im Grab zurückbleibt und verfällt, als körperloses Individuum mit seinem bisherigen Selbstbewusstsein, mit seinem Ich und seiner Persönlichkeit – allerdings ohne Haut, ohne Knochen und ganz ohne seine materiell biologischen Organe – weiter- und fortlebt.

Hier wird deutlich, wie wichtig das Innere des Menschen ist. Weder die äußere Kraft noch der äußere Glanz des irdischen Lebens sind entscheidend, sondern die innere Herzenskraft und Größe eines Menschen.

Am Allerseelentag beten wir auf dem Friedhof, im Gottesdienst oder zu Hause, dass das Innere der Verstorbenen, das einzige was ihnen als gewandelte aber weiterhin als Inhaber des eigenen Lebens und Daseins geblieben ist, gereinigt werde von aller falschen Anhänglichkeit an irdisch-vergänglichem und verführerischem Glanz.

Nach dem Tod eröffnen sich dem Menschen drei Möglichkeiten seines zukünftigen, zeitlich und von der Dauer her unbegrenzten Lebens und Daseins.

Wer hier auf Erden aus ganzem Herzen Gott gesucht, seine Liebe erfleht und nach Maß der eigenen Möglichkeiten gerne angenommen und an seinen Nächsten weitergegeben hat, der ist für immer und ewig bei Gott. Dieser Verstorbenen gedenken wir nicht bittend, sondern feierlich an Allerheiligen. Wir feiern ihretwegen, die keiner Fürbitte und keiner reinigenden Veränderung mehr bedürfen. Sie sind im Himmel.

Wer hier auf Erden zwar nicht unbelehrbar und verbohrt böse war, aber doch in vielem gleichgültig und nachlässig, und Gott und den Nächsten nicht in Liebe und Anteilnahme aus ganzem Herzen gesucht hat, der bedarf nach seinem Tod noch einer reinigenden Veränderung, um von Gottes Liebe nicht erschlagen und erdrückt zu werden. Für diese Verstorbenen beten wir. Wir beten dafür, dass die Dauer und Intensität der für sie schmerzhaft und qualvoll empfundenen reinigenden und läuternden Änderung verkürzt werde und nicht allzu schmerzhaft ausfalle. Diese Verstorbenen befinden sich im Zustand der Läuterung. Sie sind im Fegefeuer, sagt man. Aber sie sind voller Zuversicht, weil sie bereits definitiv wissen, nach der Läuterung endgültig und für immer bei Gott zu sein.

Wer aber das Böse zugelassen und gewollt, wer den Streit und die Verachtung des Schwächeren gesucht hat … usw., und das bis in den Tod hinein, der wird Gottes Liebe und seiner vergebenden Barmherzigkeit nie mehr begegnen können. Der ist und bleibt für immer in der Hölle.

So sind beide Tage, Allerheiligen und Allerseelen, für uns, die wir noch im irdischen Leben stehen, ein guter Anlass, erneut auf unser Herz zu hören und Gott zu bitten, dass unser Leben gelinge. Beide Tage machen uns Mut, Gott noch mehr zu vertrauen. Er erneuert unsere Kraft und hilft uns, beharrlich und Tag für Tag ihn und unseren Nächsten im Guten zu suchen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44 / 2009 - 30. Woche im Jahreskreis (B)

Die Heilung des blinden Bartimäus - Codex Egberti

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Das Sonntagsevangelium berichtet über die Heilung des blinden Bartimäus. Jesus hört den Schrei des Blinden und bleibt stehen; denn für solche Menschen ist er gekommen: Für Menschen, die aus Erfahrung davon überzeugt sind, dass Gott uns zu Höherem berufen hat und zu Größerem führen möchte, als was wir sehen beziehungsweise noch nicht sehen können.

Der biblische Heilungsbericht ist gespickt mit interessanten Details. Er erwähnt etwa, dass die Umstehenden anfangs ärgerlich auf den Hilferuf des Blinden reagieren. Sie fahren ihn an, er soll schweigen. Doch Bartimäus schreit daraufhin noch viel lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“

Der Herr hat ihn wohl vom ersten Augenblick an gehört. Aber er ließ ihn weiter rufen.

So macht er es auch mit uns. Er vernimmt unser erstes Bitten. Aber er wartet; denn so begreifen wir besser, dass wir ihn brauchen und ohne ihn keine wirkliche Chance im Leben haben.

Gott will, dass wir ihn mit der Hartnäckigkeit des Blinden am Rande des Weges von Jericho bitten. „Hierin sollen wir ihn (den Blinden) nachahmen“, empfiehlt der Hl. Johannes Chrysostomus (In Matthaeum homiliae, 66, 1; PG 58, 626): „Wenn Gott die Erhörung hinausschiebt, wenn manche uns vom Beten abhalten wollen, so dürfen wir trotzdem nicht nachlassen.“

Weiterhin ist auffällig, dass der Herr den Blinden schließlich nicht selber zu sich ruft. Er fordert vielmehr die Umstehenden auf, dem Blinden zu sagen, er solle zu ihm kommen. Also waren auch die Umstehenden anfangs blind: Sie waren blind für die Not des Blinden und sie waren blind für das, was der Herr uns Menschen geben möchte. So heilt er auch sie.

Überlegen Sie selber einmal, was der von Gott inspirierte Evangelist mit dem nächsten Detail sagen möchte. Er erzählt, dass der Blinde auf die Aufforderung der Umstehenden hin aufspringt und seinen Mantel wegwirft. Ohne den schützenden Mantel ist er eigentlich noch ärmer dran!

Ist das nicht wie ein Hinweis, dass man, um ganz nahe bei Gott sein zu können, manches zurücklassen und sich auch von bislang scheinbar Notwendigem trennen muss? – Überlegen Sie einmal, was für Sie bislang Notwendiges möglicherweise nicht mehr nötiger Ballast darstellt, der sie von einer größeren Nähe zu Gott zurückhält!

Und schließlich: Als der Blinde vor Jesus auf die Knie fällt, fragt er ihn, obwohl er doch genau weiß, was der Blinde möchte: „Was soll ich dir tun?“ – Es ist es also gut, weiterhin zu bitten und darin nicht nachzulassen, obwohl Gott längst weiß, was wir brauchen.

Es ist gut für uns! Es führt mit Gottes Gnade dazu, dass wir immer weniger blind sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43 / 2009 - 29. Woche im Jahreskreis (B)

Dieser herrliche barocke Messkelch (Augsburg 1710 von Johann I. Mittnacht) wurde St. Pantaleon am 23. April dieses Jahres gestiftet.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Zwei Apostel, Jakobus und Johannes, kommen zum Herrn und tragen ihm eine Bitte vor. Sie möchten im Reich Gottes zur Rechten und zur Linken des Herrn sitzen. So steht es im Sonntags-Evangelium dieser Woche (Mk 19,35-45).

Jesus erwidert ihnen, dass sie nicht wirklich wissen, worum sie eigentlich bitten. Deshalb stellt er ihnen die Frage: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“

Mit der „Taufe“ meint der Herr ohne Zweifel seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, wo all sein Tun hinführt und von wo aus er seine Erlösung schenken wird. So ist der Kelch von daher auch als Leidens-Kelch zu verstehen. Aber er ist nicht nur Leidenskelch.

So ist auch die Taufe nicht nur Hinabsteigen in den Taufbrunnen mit Hineingehalten- und Untergetaucht-Werden in den reinigenden Tod Jesu Christi. Taufe ist auch das Aufsteigen aus dem Bad der „Wiedergeburt“ und der „Erneuerung“.

So hat es einmal der Hl. Paulus im Römerbrief (6,3-5) ausgedrückt: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“

In der Taufe wird der Mensch neu und wieder geboren. Die Taufe befähigt, als neuer Mensch zu leben. So ist der Kelch, von dem der Herr spricht, auch Inbegriff eines guten und erfüllten Lebens. Er ist immer zugleich auch Ausdruck üppiger Lebensfreude: Er ist Leidenskelch und Siegerpokal in einem.

Der Herr beschließt den Dialog mit der Feststellung, dass er die gewünschten Plätze nicht vergeben kann. Auf diesen Plätzen „werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.“

Damit weist Jesus hin auf die Gnade des göttlichen Vaters, für den die Zukunft immer zugleich Gegenwart ist: Gott Vater im Himmel weiß, wer von uns Menschen seine Gnade aus freien Stücken annehmen und wer sie ablehnen wird. Gott weiß im Voraus, wer sich ihm anvertrauen wird, und wer nichts von ihm wissen will und die entscheidende Gnade Gottes ablehnen wird. In diesem Sinne gibt es eine Vorsehung Gottes und eine ewige Bestimmung des Menschen.

Uns aber ist das noch verborgen; denn wir haben uns noch nicht endgültig entschieden. Auch darum geht es in diesem Sonntagsevangelium.

Was in der Taufe durch Gott grundgelegt ist, muss durch das Tun des Menschen Gestalt gewinnen. Ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und seid zu einem neuen Menschen geworden“, schreibt Paulus an die Kolosser (3,9-10). Das Neue muss wachsen, es muss beschützt und umhegt werden.

Manche Verhaltensweisen des alten Menschen leben in uns weiter, sind vielleicht sogar tief in uns verwurzelt. Deshalb ist ein Bemühen notwendig, das einem wahren Kampf gleicht. Dieses auch kämpferische Bemühen bereitet den Boden, auf dem die Freundschaft mit dem Herrn gedeihen kann. Schritt für Schritt können wir uns so der Gestalt Christi nähern.

Der Heilige Vater hat das als Kardinal Ratzinger einmal so formuliert: „Nachfolge Jesu Christi bedeutet, dass wir einen Weg gehen müssen und gehen können, der gegen die natürliche Schwerkraft gerichtet ist, gegen die Schwerkraft des Egoismus, der Suche nach dem bloß Materiellen und nach dem Maximum an Lustgewinn, das man mit Glück verwechselt. Nachfolge ist ein Weg durch die aufgeregten, stürmischen Wasser, den wir nur gehen können, wenn wir im Schwerefeld der Liebe Jesu Christi sind, den Blick auf ihn gerichtet und so getragen von der neuen Schwerkraft der Gnade, die uns den Weg zur Wahrheit und zu Gott hin möglich macht, den wir aus eigenem nicht durchschreiten können. Deswegen ist Nachfolge Christi mehr als Zustimmung zu einem bestimmten Programm, mehr als Sympathie und Solidarität mit einem Menschen, den wir als Vorbild ansehen. Wir folgen nicht nur Jesus, einem Menschen; wir folgen Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes. Wir gehen einen göttlichen Weg.“ (J.Kard.Ratzinger, Diener eurer Freude, Freiburg 1989, S.68-69)

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrand

 

Pfarrnachrichten 42 / 2009 - 28. Woche im Jahreskreis (B)

Berufung ist ein Weg bewussten Hinhörens und Sprechens: zwischen Gott und Mensch. Berufung entsteht und wächst in der Beziehung zu Gott. // Berufung ist kein ausgetretener Pfad, aber es gibt Wegweiser. Berufung braucht Aufmerksamkeit, waches Unterscheiden, wohin ich von wem und was gezogen werde.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium der Messe berichtet Markus von einem jungen Mann, den seine irdischen Güter daran hinderten, Christus nachzufolgen.

Der Herr war auf dem Weg nach Jerusalem, berichtet Markus. Da lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Der Herr antwortet ihm mit den Geboten, den göttlichen Weisungen im Alten Testament. Er erfülle sie schon, sagt ihm darauf der junge Mann.

Hier wird sichtbar, dass die Erfüllung der Gebote den jungen Mann noch nicht ausfüllte. Er war von einem Verlangen nach Höherem erfüllt. Ihn drängt eine innere Sehnsucht, zu einer Höhe und Größe aufzusteigen, die über dem Gebot liegen. In dieses Verlangen geht der Blick, mit dem Jesus ihn daraufhin ansieht.

Da sah ihn Jesus an, berichtet Markus, und weil er ihn liebt, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkauf was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!

Der Herr blickt ihn in Liebe an, um ihm einen neuen Weg zu zeigen, der sich mit seinem Kommen aufgetan hat: Alles verlassen und ihm, dem Herrn, nachfolgen.

Halten wir einen Moment beim Blick des Herrn inne.

Der Blick des Herrn kann herzlich gewinnend sein wie hier, da er zur Nachfolge aufruft, oder von Mitleid erfüllt, wie angesichts des Leichenzugs in Nain (vgl. Lk 7,13), oder fordernd wie beim Ruf an Matthäus (vgl. Mt 9,9), zur inneren Bekehrung führend wie bei Zachäus (vgl. Lk 19,5), zärtliche Rührung ausdrückend wie bei der armen Witwe, die zwei kleine Münzen, alles, was sie besaß, in den Opferkasten warf (vgl. Mk 12,41-44). In seinem Blick wird die Gnade spürbar, die einen Menschen durchdringt und verändert - so bei der Ehebrecherin (vgl. Joh 8,10) und bei Petrus, der nach seinem Versagen hinausging und bitterlich weinte (vgl. Lk 22,61). – So schaute der Herr auch den jungen Mann an: voll Liebe.

Papst Johannes Paul II. bezog sich darauf vor jungen Leuten: »Der Mensch braucht diesen liebevollen Blick: Er muss das Bewusstsein haben, geliebt zu sein, von Ewigkeit her geliebt und erwählt zu sein (vgl. Eph 1,4). Diese ewige Liebe göttlicher Erwählung begleitet den Menschen durch sein ganzes Leben wie der liebende Blick Christi. Und vielleicht am stärksten im Augenblick der Prüfung, der Niederlage, wenn unser Menschsein vor den Augen der Leute fast erlöscht ist, geschändet und zertreten. Dann wird das Bewusstsein, dass der Vater uns immer schon in seinem Sohn geliebt hat, dass Christus selbst einen jeden ohne Unterlass liebt, zu einem festen Halt für unsere gesamte menschliche Existenz. Wenn alles für den Zweifel an sich selbst und am Sinn des eigenen Lebens spricht, dann läst uns dieser Blick Christi überleben, das Bewusstsein von jener Liebe, die sich in ihm mächtiger als jedes Übel und jede Zerstörung erwiesen hat.« (Apost. Schreiben An die Jugend, 31.3.85)

Christus, der Herr, ruft jeden und spricht jeden darauf an, ihm zu folgen. Der junge Mann aber ging traurig weg. Sein Herz hing an seinem Geld; an seiner Karriere, am äußeren Glanz und Schein. Das aber machte ihn nicht glücklich, sondern traurig.

Wer dagegen zu Christus »Ja« sagt, findet Frieden und Freude. So vielfältig die Menschen, so vielfältig sind die Wege, die Gott für einen jeden vorgesehen und bereitet hat. Einige wenige beruft er dazu, Priester zu sein und zu werden. Andere beruft er in die Abgeschiedenheit eines Klosters. Die Mehrzahl beruft er dazu, inmitten der Welt, in allen ehrbaren Berufen und Unternehmungen, in Familie und Gesellschaft uneingeschränkt nach Gottes Willen, der für uns Menschen nur das Beste will, zu leben. – Da ist nun jeder einzelne gefragt, ob er das auch will, und wie er es am besten mit Gottes Hilfe umsetzen kann.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41 / 2009 - 27. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Erst jüngst wurden uns in verschiedenen Gottesdiensten Schriftlesungen vorgetragen, in denen der Herr dazu auffordert, vor Gott wie Kinder zu sein. Diese Aufforderung unterstreicht der Herr wiederholt durch eine bewegende Geste: Er ruft Kinder herbei und stellt sie mitten unter die Apostel.

Darüber hinaus berichtet der hl. Matthäus im 19. Kapitel, dass man Kinder zu ihm brachte, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete, die Jünger aber die Leute schroff abwiesen. Darauf reagierte Jesus überaus deutlich und wies seine Jünger mit den Worten zurecht: »Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.«

Kinder gehören beim Gottesdienst unbedingt mit dazu und sie haben hier einen Platz, der nicht zu verhandeln und ihnen nicht abzustreiten ist.

Es ist nachvollziehbar, wenn sich vor allem ältere Gottesdienstbesucher in ihrer Andacht durch unruhige und schreiende Kinder gestört fühlen. Aber es ist nicht nachvollziehbar, wenn diese Gottesdienstbesucher den Eltern dieser Kinder ihr Unverständnis über die Unruhe äußern. Durch ein solches Verhalten lösen sie bei den betroffenen Eltern nur noch mehr das Gefühl aus – sicher unbeabsichtigt –, was ihnen unsere oft kinderfeindliche Gesellschaft schon mehr als genug vermittelt, nämlich mit ihren Kindern unerwünscht zu sein.

Für St. Pantaleon haben wir seit geraumer Zeit folgende Regelung getroffen und dies auch mehrfach in Form eines Hinweises / einer Vermeldung deutlich gesagt: In der Familienmesse am Sonntag um 10:00 Uhr ist jede Mutter und ist jeder Vater mit Kind, in welchem Alter auch immer, in jedem einzelnen Fall uneingeschränkt willkommen und braucht sich wegen kindlicher Unruhe des ihm von Gott geschenkten Kindes nicht die geringste Sorge zu machen. – Mit seinem Mikrofon und seiner körperlichen Überlegenheit ist der Pastor immer noch lauter und stärker als alle Kinder zusammen; sollten sie einmal auch alle gemeinsam und laut schreiend auf ihn losrennen.

Ich hoffe, dass das nun endlich auch vom Letzten verstanden worden ist. Und so sage ich noch einmal, und hoffentlich das letzte Mal: Wenn Sie sich als Gottesdienstbesucher der Familienmesse um 10:00 Uhr von der kindlichen Unruhe gestört fühlen, bitte ich Sie, einen der anderen Sonntagsgottesdienste zu besuchen: Die Vorabendmesse, das Hochamt oder die Abendmesse. Oder gehen Sie bitte in eine andere Kirche. Das ist mir alles Recht. Aber lassen Sie bitte Eltern mit ihren Kindern in Ruhe, wenn deren Bemühen, die kindliche Unruhe während der Familienmesse in einem angebrachten Maß zu halten, einmal vergeblich war.

Welches Maß angebrachte ist, entscheiden nicht jene Gottesdienstbesucher, die in ihrer Andacht nicht gestört werden möchten – für sie gibt es genug andere Gottesdienste –, sondern – was die Familienmesse betrifft – die Eltern in Absprache und in Übereinstimmung mit dem Pfarrer.

Ich möchte nicht noch einmal erleben, dass eine Mutter mit Tränen in den Augen mir davon berichtet, dass eine »fromme« ältere Dame ihr Nachhilfe in religiöser Kindererziehung zu geben versucht habe, ihr dabei zugleich unmissverständlich gesagt hat, dass ihr unruhiges Kind nicht erwünscht sei.

Es gilt, was der Herr sagt (Mt 18,3): »Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen«; was ich für die Familienmesse Sonntags um 10:00 Uhr mit diesen Zeilen definitiv hoffentlich für alle verständlich hiermit noch einmal konkretisiert habe.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40 / 2009 - 26. Woche im Jahreskreis (B)

Mauritus-Schrein in St. Maurice / Schweiz

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Als am 13. September auf einem S-Bahnhof in München zwei Jugendliche am Sonnabend einen Mann angegriffen und zu Boden geschlagen haben, waren viele zu Recht erschrocken.

Der Mann war dazwischengegangen, als die Jugendlichen in einer S-Bahn vier 13- bis 15-Jährige bedroht und Geld von ihnen verlangt hatten. Als er ausstieg, folgten ihm die jungen Männer. Der Polizei zufolge schlugen und traten die 17 und 18 Jahre alten Deutschen brutal auf ihr Opfer ein. Der Mann sei mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen und bewusstlos liegengeblieben. Der 50-Jährige erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der Überlieferung nach geschah am 22. September – allerdings vor wohl 1706 Jahren – in der jetzigen Schweiz in mancher Hinsicht noch weitaus Erschreckendes bzw. Erhebendes. Einer alten, von Eucherius, dem um 450 gestorbenen Bischof von Lyon, aufgeschriebenen Legende zufolge, gehörte einer zur Zeit der römischen Kaiser Diokletian und Maximian bei Theben in Ägypten aus vorwiegend christlichen Männern ausgehobenen Legion ein Offizier Namens Mauritius (dt: Moritz, frz. Maurice) mit seinen Gefährten an.

Die Legende berichtet: »Für den Kaiser kämpften sie mit Tapferkeit, für Christus aber mit Frömmigkeit. Auch als Soldaten vergaßen sie das Gebot des Evangeliums nicht und gaben Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers war.«

Eines Tages wurden sie »zu gewaltsamem Vorgehen gegen die zahlreichen Christen aufgeboten.« Mauritius und seine Gefährten stellten sich schützend vor die unschuldigen Menschen und verweigerten den Befehl.

Als der Kaiser das vernahm, ließ er die Legion antreten, durchzählen und jeden Zehnten vortreten, die vor den Augen der anderen hingerichtet wurden. »Als … der Befehl zum zweiten Mal … erging, und sie erkannten, dass sie wieder zu verbrecherischen Handlungen verpflichtet werden sollten, erhob sich im Lager überall Lärm und Aufruhr. Alle schrien, keiner werde je zu solchen Verbrechen Beihilfe leisten. Sie zögen es vor, eher den Tod zu erleiden, als Befehlen gegen den christlichen Glauben zu folgen.«

Der erzürnte Kaiser ließ wiederum jeden zehnten Mann hinrichten. »Die übrigen Soldaten aber munterten sich gegenseitig auf, in diesem herrlichen Kampfe durchzuhalten. Den größten Überredungseifer zeigte dabei Mauritius.« Gemeinsam mit anderen Offizieren »ermunterten und ermahnten sie jeden einzelnen Mann. Gestärkt durch diese Offiziere, ließen sie (dem Kaiser) Maximianus ihren Entschluss übermitteln. Als er ihn vernommen hatte, gab er die Hoffnung auf, ihre Standhaftigkeit erschüttern zu können, gab den Befehl, … alle hinzurichten und ließ zur Vollstreckung von allen Seiten zahlreiche Truppen heranziehen. So wurden alle mit dem Schwert enthauptet, ohne dass sie sich widersetzten. Sie legten ihre Waffen freiwillig nieder und hielten den Nacken ihren Henkern hin.«

Eine unserer Kirche St. Pantaleon unmittelbar benachbarte ist dem Hl. Mauritius geweiht: St. Mauritius; und man gelangt von hier nach dort über den Mauritius - Steinweg.

Der Heilige Mauritius ist St. Pantaleon auch über den deutschen Kaiser Otto I., dem Schwiegervater der in St. Pantaleon begrabenen Kaiserin Theophanu, besonders nahe. – Otto I. erhielt anlässlich seiner Heirat 951 mit Adelheid, der Tochter des Königs von Burgund, von diesem zum Weihnachtsfest 960 Reliquien von Mauritius für den gleichnamigen Dom (St. Mauritius) in Magdeburg. Sie galten damals als das ehrwürdigste Heiligtum auf deutschem Boden. Otto führte seinen Sieg gegen Ungarn von 955 auf Mauritius' Hilfe zurück und ließ 962 sein Fest vom Papst bestätigen.

Von seiner bis hin zur Stauferzeit blühte die Verehrung des Heiligen in Deutschland. Mauritius wurde zum Reichsheiligen und zum Kriegerheiligen, dessen Heilige Lanze in wichtigen Kriegszügen des Reiches zum Schutz vorangetragen wurde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39 / 2009 - 25. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Ein schwergewichtiger Mann ist nach St. Pantaleon zurückgekehrt. Er wiegt über 1.500 Kilogramm! Seine Heimkehr hat viel Schweiß gekostet. Mit nicht gerade geringem Kraftaufwand wurde er unter großer Vorsicht die Eingangsstufen bis zum Hochalter hinauf gehoben.

Gemeint ist der Hl. Bruno; nicht seine Reliquien, die unbeschadet gewissermaßen auch als Fundament unserer Kirche in der Krypta ruhen, sondern das barocke Grabdenkmal.

Seit 1922 stand das Grabdenkmal bis zur Einrichtung der Josefmaria – Kapelle eher unbeachtet und deplaziert ganz in der Ecke der nördlichen Seitenapsis. Nach jahrelanger Zwischenlagerung wurde es von den Restauratoren im Karthäuserhof sorgfältig in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Nun hat das Grabdenkmal einen Platz in die Nähe seines ursprünglichen im Hochchor erhalten.

Das Grabdenkmal entstand unter Abt Eberhard Schallenberg, nachdem die in Vergessenheit geratenen Gräber des Heiligen Bruno und der Kaiserin Theophanu 1747 in der zugeschütteten Krypta neu entdeckt wurden. Über dieses Ereignis berichtet ein zeitgenössisches Dokument folgendes:

»Nach Entfernung des Steines sah man den verehrungswürdigen Leib und das Haupt, beide vom Fleisch entblößt, aber in richtiger Anordnung der Gliedmaßen daliegend und angethan mit violett seidenen bischöflichen Gewändern, die hier und da mit reinen Goldfäden durchwoben waren. Unter seinem h.Haupte lag als Polster oder Kissen ein Tuffstein, die Füße waren mit spitzen Schuhen bekleidet, wie die Frauen sie tragen, und die Hände mit Handschuhen bekleidet. Nachdem dies in Gegenwart des Abtes Everhard und des ganzen Conventes so gefunden, wurde ein weißes Tuch ehrfurchtsvoll darüber ausgebreitet bis zum folgenden Tage, an dem man das Grab wieder aufdeckte und der Notar Hoedt in Gegenwart der vorhin genannten und noch vieler anderer Personen eine Urkunde darüber ausfertigte. Als nun der Sacristanpriester Heinrich Sauvage das Haupt in die Hand nahm und es den Umstehenden zeigte, so sah man, wie der Gaumen noch röthlich war, als gehöre er einem lebenden Menschen an, ebenso war es mit den beiden Kinnbacken. Auch alle Zähne waren mit Ausnahme eines einzigen weiß und fest. Ein Schenkel, der noch mit Haut und Fleisch, aber etwas eingetrocknet, bedeckt war und im Innern so zu sagen noch lebendfrisches Mark hatte, zeigte eine frische röthliche Farbe. Das übrige Gebein war theils in Staub zerfallen, theils ausgetrocknet, aber wohl erhalten«.

Abt Schallenberg beließ das Grab in der Krypta, errichtete aber im Hochchor vor dem Hochaltar Denkmäler für Bruno, Theophanu und Abt Hermann I. Ein 1819 auf Veranlassung des Kölner Bürgermeisters angefertigter Bericht beschreibt das Ensemble aus drei schwarzen Tumben mit Liegefiguren aus hellem Stuck. Brunos Sarkophag stand in der Mittelachse vor dem Hauptaltar, westlich von seiner Gruft, die Tumba Theophanus rechts vom Hochaltar, und ihr gegenüber die Tumba Hermanns. – Auch wenn das Ensemble aus künstlerischer Sicht wenig bedeutend war, so waren mit ihm die wichtigsten Persönlichkeiten der Klostergeschichte der Vergessenheit enthoben und erneut in die Liturgie eingebunden.

Als Historiker darf ich dazu abschließend bemerken: Geschichte wiederholt sich nicht, aber die Ereignisse ähneln sich. So freut es mich, dass der Heilige Bruno, wie schon einmal vor fast 300 Jahren, als maßgeblicher Stifter unserer schönen Kirche und als heiliger Fürsprecher auf diese Weise erneut erhoben in lebendiger Erinnerung bleibt und angerufen und verehrt wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 38 / 2009 - 24. Woche im Jahreskreis (B)

Cäsaréa Philippi: der historische, wundervolle Ort des Messiasbekenntnisses des Hl. Petrus

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium von diesem Sonntag fragt Jesus seine Jünger: »Für wen halten mich die Menschen?« Mit dieser Frage will Jesus am Ende darauf hinaus, dass seine Jüngern und auch wir darüber nachdenken, wer Jesus ist und welche Bedeutung er in unserem Leben hat.

Der Herr führt seine Jünger wie ein kluger Erzieher schrittweise zu dieser schwierigeren Fragen: »Für wen halten mich die Menschen?« – Diese Frage ist noch leicht. Aber sie regt an zum Innehalten und Nachdenken. Alle Jünger beteiligen sich an der Beantwortung.

Die zweite Frage ist schon schwieriger. Sie verlangt, über sich selbst nach zu denken, in sich hinein zu horchen und zu einer Standortbestimmung zu kommen. – Ist nicht genau das einer der ganz wichtigen Wege, Christus immer näher zu kommen? – Diesmal hat nur Petrus den Mut zu antworten.

Ähnlich wie den Jüngern stellt Christus auch uns immer wieder überraschend Fragen. Er stellt uns vor Situationen, in denen wir gefordert sind, die berühmte „Gretchen-Frage“ zu stellen: »Wie hältst du es mit der Religion?« Oder: »Welche Rolle spielt Jesus in deinem Leben? … Ist er für dich nicht nur der Theorie nach der menschgewordene Gott, der dir als wahrer Gott den wahren Weg, auch den für dich wahren Weg als Mensch auf Erden hin zu seiner ewigen Heimat zeigt?«

Wie den Jüngern so geht es auch uns. Nähern wir uns Christus, dann gibt er sich uns zu erkennen.

Wie damals, so gibt es auch heute viele falsche Vorstellungen über den Messias. Er ist nicht der politische Befreier von der römischen Fremdherrschaft. Er ist auch nicht der Wunderdoktor oder der Brotvermehrer, der das irische Leben in ein Schlaraffenland verwandelt. Ganz unmissverständlich macht er Petrus und den Jüngern klar, dass er der leidende Gottesknecht Jahwes sei, der leiden müsse, verworfen werden aber durch diese Läuterung hindurch in seiner Auferstehung alles in einer Weise verwandelt, die uns wirklich entspricht und Perspektive wie Zukunft hat.

Der Weg zur Erlösung führt über die Leiden des Kreuzes zur Freude der Auferstehung. Der Herr stärkt jeden, der ihn ernst und wichtig nimmt und seine Nähe sucht, seinen Fußstapfen zu folgen und die Schwierigkeiten des Tages mit Freude an zu nehmen.

Dann noch eine Mitteilung zum Messplan: Die tägliche 12.00 Uhr - Messe ist so gut angenommen worden, dass wir ab Oktober die bisherige Frauengemeinschaftsmesse von Mittwoch auf Dienstag verlegen und in die 12.00 Uhr – Messe mit integrieren werden. Am ersten Dienstag des Monats gibt es dann nach der 12.00 Uhr – und zugleich Frauen-Messe, etwas Gutes und Kräftiges zum Speisen in geselliger Runde im Pfarrsaal.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37 / 2009 - 23. Woche im Jahreskreis (B)

Zum Sonntagsevangelium: Jesus heilt einen Taubstummen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Ein wunderschönes Pfarrfest liegt hinter uns: Zuerst die jedes Herz immer wieder öffnende Sonntagsmesse mit sich unmittelbar daran anschließender Pfarrprozession und danach unvergessliche Stunden des Zusammenseins mit durchweg gutgelaunten und angenehmen Menschen jeden Alters.

So viele quirlige und muntere Kinder auf einem Raum kann man sonst nur noch ganz selten erleben. Das abwechslungsreiche Programm war ihnen auf den Leib geschneidert. Omas, Opas und natürlich die Eltern waren auf das Höchste zufrieden; aber nicht nur deshalb: Jeder, ob jung oder alt, fand Gleichgesinnte. Das biblische Wort, dass »die Gemeinde der Gläubigen ein Herz und eine Seele war« und dass »keiner etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum nannte, sondern sie alles gemeinsam hatten«, gehört also definitiv nicht der Vergangenheit an.

Zu dem schönen Zeitungsbericht werden bald auch noch Fotos ausgehängt und ins Internet gestellt. – Allen Beteiligten sei von Herzen für ihren Einsatz und ihr Mitwirken gedankt!

Nicht weniger positiv ist die neue »12.00 Uhr Messe« angenommen worden, die von nun an ohne Ausnahme jeden Montag bis Freitag, bis auf weiteres noch in der Josefmaria-Kapelle, gefeiert werden wird. Sie war vom ersten Mal an mit durchschnittlich 10 Gläubigen eigentlich recht gut besucht. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Möglichkeit, zur Mittagszeit eine Heilige Messe besuchen zu können, »herumspricht«, und es wäre schön, wenn Sie bei der »Mund-zu-Mund – Propaganda«, die sich immer wieder als die wirksamste erweist, kräftig mithelfen würden.

Eine E-Mail, die uns vor kurzem erreichte, bestätigt, dass diese Eucharistiefeier zur Mittagszeit eine Lücke füllt und wohl »Zukunft hat«. In dieser E-Mail schreibt der Verfasser: »Eben habe ich von der Möglichkeit erfahren, ab sofort jeden Tag zur Mittagszeit eine hl. Messe zu besuchen. Ich möchte Ihnen auf diesem Wege meinen herzlichen Dank für die Einrichtung dieses zusätzlichen Angebotes sagen. Seit 2003 ist mir aufgrund des langen Arbeitstages und der anderen familiären Verpflichtungen oft nur noch die Sonntagsmesse geblieben. … Ich freue mich daher sehr auf die Möglichkeit in der Mittagspause diese Nähe zum Herrn erfahren zu können.«

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36 / 2009 - 22. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wer betet, der darf auch feiern. – Und wer feiert, sollte zumindest dieselbe Energie aufwenden, um zu beten. Denn nur wer betet, verliert nicht den Boden unter den Füßen und bleibt, so paradox es klingen mag, „geerdet“ und „mit beiden Füßen auf dem Teppich“. Der Grund dafür ist ganz einfach und im Prinzip selbstverständlich.

Gott schuf die Welt und gab ihr eine Ordnung. So bezeugt es das Buch der Weisheit (11,20): »Allmächtiger Gott: Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.« So liebt Gott diese Welt und er verabscheut nichts von all dem, was er gemacht hat. Darüber hinaus hat ohne seinen Willen nichts Bestand. »Wie könnte etwas erhalten bleiben«, heißt es im Buch der Weisheit (11,25), »das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?«

Durch Beten und Glauben bleibt der Mensch somit Gott als dem Urherber von allem, was ist, verbunden. Durch Beten und Glauben bleibt der Mensch damit auch sich selber treu. Denn: Durch Beten und Glauben findet der Mensch nicht nur zu Gott als Mitte und Ursprung allen Lebens. Er findet auch zu sich selber; so wie er von Gott gewollt und geschaffen worden ist.

»Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist«, erklärt das Buch der Weisheit (12,1). Durch das Beten bleibt der Mensch in Ordnung und findet dahin wieder zurück, wenn etwas durcheinandergeraten ist. So ist und bleibt der Mensch gut, kann sich darüber freuen und vermag in rechter Weise zu feiern.

Am Tag unseres Pfarrfestes wird beides besonders sichtbar. Nach dem Sonntagsgottesdienst um 10:00 Uhr und der sich unmittelbar daran anschließenden Prozession wird das Pfarrfest pünktlich um 12:15 Uhr mit einem schönen und abwechslungsreichen Programm mit bekannten Stars und Gruppen eröffnet.

Vom 31. August an gilt dann unsere neues und zusätzliches Angebot geistlich-religiöser Art: Täglich von Montag bis Freitag wird zwischen 10:00 und 12:00 Uhr immer ein Priester in der Kirche anwesend und für Gespräche wie für Beichte ansprechbar sein. Im Anschluss daran wird täglich von Montag bis Freitag um 12:00 Uhr eine Hl. Messe gefeiert.

Die unregelmäßige Frühmesse wird entfallen. Die neue 12:00 Uhr – Messe wird dagegen von Montag bis Freitag jeden Tag ohne Ausnahme immer gefeiert werden.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35 / 2009 - 21. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nachdem nun auch der Pfarrgemeinderat darüber beraten hat, wollen wir das Jahr des Priesters zum Anlass nehmen, das geistliche Angebot in St. Pantaleon zu erweitern. Ab Montag, dem 31. August, wird nun auch vormittags von Montag bis Freitag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr immer ein Priester in der Kirche anwesend und für Gespräche wie für Beichte ansprechbar sein. Im Anschluss daran wird täglich von Montag bis Freitag um 12:00 Uhr eine Hl. Messe gefeiert.

Die unregelmäßige Frühmesse wird entfallen. Die neue 12:00 Uhr – Messe wird dagegen täglich von Montag bis Freitag ohne Ausnahme immer gefeiert werden. Was in Zukunft mit der bisherigen Frauengemeinschaftsmesse am Mittwoch um 08:15 Uhr geschehen wird, das müssen wir noch gemeinsam mit allen Beteiligten bereden. Möglich wäre, dass diese Heilige Messe, die eine lange Tradition hat, für eine gewisse Zeit nur noch am ersten Mittwoch des Monats mit anschließendem Frühstück gefeiert wird.

Ich bitte um Ihr Gebet und um Ihre Unterstürzung, dass dieses zusätzliche und zeitintensive Angebot geistlicher Natur reiche Früchte bringt; spirituell-seelische Früchte, die man oft nicht sieht oder unmittelbar wahrnimmt, die aber Grundlage für alles andere sind.

Dann möchte ich noch einmal auf unser diesjähriges Pfarrfest am Sonntag, dem 30. August hinweisen. Haben Sie bitte vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine Heilige Messe als Familienmesse um 10:00 Uhr stattfinden wird. Daran schließt sich die Pfarrprozession an. Am Sonntag, dem 30. August, entfällt also das Hochamt!

Der Prozessionsweg verläuft wie folgt:

  • Von der Kirche St. Pantaleon über die Straßen „Am Weidenbach / Am Pantaleonsberg“ auf den Schulhof Trierer Straße: 1. Statio
  • Von dort über die Straßen „Am Pantaleonsberg / Waisenhausgasse / Pantaleonswall / Am Trutzenberg / Vor den Siebenburgen“ zur Kirche der Karmelitinnen (Maria vom Frieden): 2. Statio
  • Von dort über die Straßen „Schnurgase / Steinstraße / Heinrichtstraße / Martinsfeld / Quirinstraße / Waisenhausgasse“ bis zur Madonna an der Wand: 3. Statio
  • Von dort über die Straßen „Trierer Straße / Am Weidenbach“ zur Kirche St. Pantaleon: 4. Statio

Es wäre schön, wenn Sie als Anwohner mit einem kleinen Zeichen der Verbundenheit den Weg schmücken könnten. - Im Anschluss an die Prozession gibt es bei fröhlicher und der über die Pfarrgrenzen hinaus gut bekannten Geselligkeit bei Würstchen, Erbsensuppe, Kaffe, Kuchen, Limo und Bier unterhaltsame Programmpunkte wie Greifvogelschau, Darbietungen und Auftritte bekannter Stars und Tanzgruppen.

Kommen Sie vorbei, beten und feiern Sie mit uns!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34 / 2009 - 20. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Sonntag, dem 30. August feiern wir unser diesjähriges Pfarrfest. Haben Sie bitte vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine Heilige Messe um 10:00 Uhr als Familienmesse stattfinden wird. Daran schließt sich die Pfarrprozession an. Am Sonntag, dem 30. August, entfällt also das Hochamt!

Der Prozessionsweg verläuft wie folgt:

·        Von der Kirche St. Pantaleon über die Straßen „Am Weidenbach / Am Pantaleonsberg“ auf den Schulhof Trierer Straße: 1. Statio

·        Von dort über die Straßen „Am Pantaleonsberg / Waisenhausgasse / Pantaleonswall / Am Trutzenberg / Vor den Siebenburgen“ zur Kirche der Karmelitinnen (Maria vom Frieden): 2. Statio

·        Von dort über die Straßen „Schnurgase / Steinstraße / Heinrichtstraße / Martinsfeld / Quirinstraße / Waisenhausgasse“ bis zur Madonna an der Wand: 3. Statio

·        Von dort über die Straßen „Trierer Straße / Am Weidenbach“ zur Kirche St. Pantaleon: 4. Statio

Es wäre schön, wenn Sie als Anwohner mit einem kleinen Zeichen der Verbundenheit den Weg schmücken könnten. - Im Anschluss an die Prozession gibt es bei fröhlicher und über die Pfarrgrenzen hinaus gut bekannter Geselligkeit bei Würstchen, Erbsensuppe, Kaffe, Kuchen, Limo und Bier ein unterhaltsames Programm mit Greifvogelschau, Darbietungen und Auftritte bekannter Stars und Tanzgruppen.

Kommen Sie vorbei! Beten und feiern Sie mit uns!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33 / 2009 - 19. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

In seinem Schreiben zum Jahr der Priester spricht Papst Benedikt auch das Leben der Priester an, das ganz vom Wort Gottes bestimmt und durchdrungen sein müsse. Wörtlich sagt der Heilige Vater: »In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“«

So ermutigt Papst Benedikt die Priester – wobei er sich als Priester auch selber mit hinein nimmt: »Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.«

Diesen neuen Lebensstil verdeutlicht Papst Benedikt an den drei großen christlichen Grundhaltungen Armut, Keuschheit und Gehorsam, wobei er erneut auf das Lebenszeugnis des Pfarrers von Ars zurückgreift.

»Seine Armut war ... die, welche von einem Weltpriester erwartet wird: Obwohl er mit viel Geld wirtschaftete (da die wohlhabenderen Pilger nicht versäumten, sich seiner karitativen Werke anzunehmen), wusste er, dass alles seiner Kirche, seinen Armen, seinen Waisen, den Mädchen seiner „Providence“, den am meisten notleidenden Familien zugedacht war. Darum war er „reich, um den anderen zu geben, und sehr arm für sich selbst“. Er erklärte: „Mein Geheimnis ist einfach: Alles geben und nichts behalten.“ Wenn er mit leeren Händen dastand, sagte er zufrieden zu den Armen, die sich an ihn wendeten: „Heute bin ich arm wie ihr, bin einer von euch.“ So konnte er am Ende seines Lebens in aller Ruhe sagen: „Ich habe nichts mehr. Nun kann der liebe Gott mich rufen, wann er will!“ Auch seine Keuschheit war so, wie sie für den Dienst eines Priesters nötig ist. Man kann sagen, es war die angemessene Keuschheit dessen, der gewöhnlich die Eucharistie berühren muss und der sie gewöhnlich mit der ganzen Begeisterung seines Herzens betrachtet und sie mit derselben Begeisterung seinen Gläubigen reicht. Man sagte von ihm, „die Keuschheit strahle in seinem Blick“, und die Gläubigen bemerkten es, wenn er mit den Augen eines Verliebten zum Tabernakel schaute. Auch der Gehorsam von Johannes Maria Vianney war ganz und gar verkörpert in der leidvoll errungenen inneren Einwilligung in die täglichen Anforderungen seines Amtes. Es ist bekannt, wie sehr ihn der Gedanke an seine Unzulänglichkeit für den Dienst des Pfarrers quälte und wie sehr ihn der Wunsch umtrieb, zu fliehen „um in Einsamkeit sein armes Leben zu beweinen“. Nur der Gehorsam und seine Leidenschaft für die Seelen konnten ihn überzeugen, an seinem Platz zu bleiben. Sich selbst und seinen Gläubigen erklärte er: „Es gibt nicht zwei gute Arten, Gott zu dienen. Es gibt nur eine einzige: ihm so zu dienen, wie er es will.“ Die goldene Regel für ein Leben im Gehorsam schien ihm diese zu sein: „Nur das tun, was dem lieben Gott dargebracht werden kann.“«

Möge dieser Lebensstil uns alle ansprechen und Orientierung und Maßstab sein.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32 / 2009 - 18. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Einem weiteren Abschnitt des Schreibens von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters könnte man die Überschrift geben: »Bußsakrament als Dialog des Heils«.

Vom heiligen Pfarrer von Ars könnten die Priester ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, so Papst Benedikt. Das lässt sich ganz allgemein gewiss für alle Christen sagen.

Für die Priester regt der Heiligen Vater an, indem er sich selber als Priester mit einschließt, »das Bußsakrament wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen« und konkretisiert das an einer Fähigkeit, die den Heiligen Pfarrer von Ars auszeichnete und die „wir Priester“ durch sein Beispiel ebenfalls lernen könnten: nämlich »die Methode des „Dialogs des Heiles“, der sich darin (im Bußsakrament) vollziehen muss«. Was Papst Benedikt unter dem »Dialog des Heils« versteht und wie er besonders im Bußsakrament stattfindet, verdeutlicht er dann am Beispiel des Heiligen Pfarrers von Ars.

»Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise. Wer zu seinem Beichtstuhl kam, weil er von einem inneren und demütigen Bedürfnis nach der Vergebung Gottes angezogen war, fand bei ihm die Ermutigung, in den „Strom der göttlichen Barmherzigkeit“ einzutauchen, der in seiner Wucht alles mit sich fortreißt. Und wenn jemand niedergeschlagen war beim Gedanken an seine Schwäche und Unbeständigkeit und sich vor zukünftigen Rückfällen fürchtete, offenbarte der Pfarrer ihm das Geheimnis Gottes mit einem Ausspruch von rührender Schönheit: „Der liebe Gott weiß alles. Noch bevor ihr sündigt, weiß er schon, dass ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, freiwillig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann!“ Wer sich dagegen lau und fast gleichgültig anklagte, dem bot er durch seine eigenen Tränen die ernste und erlittene deutliche Einsicht, wie „abscheulich“ diese Haltung sei: „Ich weine, weil ihr nicht weint“, sagte er. „Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muss ein Barbar sei, um sich einem so guten Vater gegenüber so zu verhalten!“ Er ließ die Reue im Herzen der Lauen aufkommen, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beichtvaters gleichsam „verkörperte“ Leiden Gottes wegen der Sünden mit eigenen Augen zu sehen. Wer sich dagegen voll Verlangen und fähig zu einem tieferen geistlichen Leben zeigte, dem öffnete er weit die Tiefen der Liebe, indem er ihm erklärte, wie unbeschreiblich schön es ist, mit Gott vereint und in seiner Gegenwart zu leben: „Alles unter den Augen Gottes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefallen … Wie schön ist das!“ Und er lehrte sie zu beten: „Mein Gott, erweise mir die Gnade, dich so sehr wie nur möglich zu lieben.“

So beende ich das Wort für den Pfarrbrief dieser Woche mit der Anregung und Bitte, uns Priester durch Gebet und Ihre Ermutigung zu stärken, der anspruchsvollen Aufgabe der Beichtpastoral viel Zeit und Einsatz zu widmen und uns der Herausforderung des »Dialogs des Heils« zu stellen.

Darüber hinaus lege ich Ihnen ans Herz, sich auch selber auf diesen »Dialog des Heils« einzulassen. – Das ist kein Theater. Dieser »Dialog des Heiles« wird gnadenhaft von Gott geschenkt, wo Christen, Priester und Gläubige, den Glauben zulassen, dass Gott in besonderer Weise durch den Heiligen Geist wirkt und spricht, wo wir uns auf die Heilsdynamik des Bußsakramentes neu einlassen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31 / 2009 - 17. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Wer das Schreiben von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters unvoreingenommen liest, fühlt sich unwillkürlich angesprochen, sich mit einbinden zu lassen in die Dringlichkeit des Anliegens, Sorge für viele gute Priester zu tragen. Im Schreiben des Heiligen Vaters wird deutlich, wie nahe ihm dieses Anliegen auch persönlich ist. So fühlt sich der Leser liebevoll aber bestimmt gedrängt, sein Herz diesem Anliegen nicht zu verschließen.

Papst Benedikt macht dieses Anliegen an dem Heiligen Pfarrer von Ars fest und schreibt: »Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie die barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen. Auch in unserer Zeit ist eine solche Verkündigung und ein solches Zeugnis der Wahrheit der Liebe dringend: Deus caritas est (1 Joh 4, 8 - [Gott ist Liebe]). Mit dem Wort und den Sakramenten seines Jesus wusste Johannes Maria Vianney sein Volk aufzubauen, auch wenn er, überzeugt von seiner persönlichen Unzulänglichkeit, oft schauderte, so dass er mehrmals wünschte, sich der Verantwortung des Dienstes in der Pfarrei zu entziehen, dessen er sich unwürdig fühlte. Trotzdem blieb er in vorbildlichem Gehorsam stets an seinem Posten, denn die apostolische Leidenschaft für das Heil der Seelen verzehrte ihn. Durch eine strenge Askese versuchte er, seiner Berufung völlig nachzukommen: „Das große Unglück für uns Pfarrer“, beklagte der Heilige, „besteht darin, daß die Seele abstumpft“, und er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben. Mit Wachen und Fasten zügelte er den Leib, um zu vermeiden, dass dieser sich seiner priesterlichen Seele widersetzte. Und er schreckte nicht davor zurück, sich selbst zu kasteien zum Wohl der ihm anvertrauten Seelen und um zur Sühne all der Sünden beizutragen, die er in der Beichte gehört hatte. Einem priesterlichen Mitbruder erklärte er: „Ich verrate Euch mein Rezept: Ich gebe den Sündern eine kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle.“ Jenseits der konkreten Bußübungen, denen der Pfarrer von Ars sich unterzog, bleibt in jedem Fall der Kern seiner Lehre für alle gültig: die Seelen sind mit dem Blut Jesu erkauft, und der Priester kann sich nicht ihrer Rettung widmen, wenn er sich weigert, sich persönlich an dem „teuren Preis“ ihrer Erlösung zu beteiligen.«

Davon ausgehend lenkt im folgenden Abschnitt Papst Benedikt, mit der Absicht entsprechend zu motivieren, den Blick in unserer Zeit: »In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“ Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.«

Lassen wir uns vom Heiligen Vater mit auf den Weg nehmen und nehmen auch wir uns dieses Anliegen zu Herzen – jeder in der ihm möglichen Weise.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30 / 2009 - 16. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Von den verschiedenen Qualitäten des Heiligen Pfarrers von Ars, die wir über das Schrieben von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters in den vorausgehenden Pfarrnachrichten bereits vorgestellt haben, ragt eine ganz besonders hervor: Die Führung der Seelen zu einem guten und heiligen Leben durch das Bußsakrament.

Papst Benedikt sieht diese Qualität in enger Verbindung mit der inneren Einstellung, in der der Pfarrer von Ars täglich Eucharistie feierte: »Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“

Dieses persönliche Sicheinfühlen in das Kreuzesopfer führte ihn – in einer einzigen inneren Bewegung – vom Altar zum Beichtstuhl«, fährt Papst Benedikt fort, und führt weiter aus: »Die Priester dürften niemals resignieren, wenn sie ihre Beichtstühle verlassen sehen, noch sich darauf beschränken, die Abneigung der Gläubigen gegenüber diesem Sakrament festzustellen. Zur Zeit des heiligen Pfarrers war in Frankreich die Beichte weder einfacher, noch häufiger als in unseren Tagen, da der eisige Sturm der Revolution die religiöse Praxis auf lange Zeit erstickt hatte. Doch er versuchte auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte. Auf diese Weise verstand er, einen Kreislauf der Tugend in Gang zu setzen. Durch seine langen Aufenthalte in der Kirche vor dem Tabernakel erreichte er, dass die Gläubigen begannen, es ihm nachzutun; sie begaben sich dorthin, um Jesus zu besuchen, und waren zugleich sicher, den Pfarrer anzutreffen, der bereit war zum Hören und zum Vergeben. Später war es dann die wachsende Menge der Bußfertigen aus ganz Frankreich, die ihn bis zu 16 Stunden täglich im Beichtstuhl hielt. Man sagte damals, Ars sei „das große Krankenhaus der Seelen“ geworden. „Die Gnade, die er empfing [für die Bekehrung der Sünder], war so stark, dass sie ihnen nachging, ohne ihnen einen Moment der Ruhe zu lassen“, sagt der erste Biograph. Der heilige Pfarrer sah das nicht anders, wenn er sagte: „Nicht der Sünder ist es, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um Vergebung zu bitten, sondern Gott selbst läuft dem Sünder nach und lässt ihn zu sich zurückkehren.“ „Dieser gute Heiland ist so von Liebe erfüllt, dass er uns überall sucht.“

Den Priestern erklärt Papst Benedikt daraufhin, dass sie alle spüren müssten, »dass jene Worte, die er Christus in den Mund legte, uns persönlich angehen: „Ich beauftrage meine Diener, den Sündern zu verkünden, dass ich immer bereit bin, sie zu empfangen, dass meine Barmherzigkeit unbegrenzt ist.“ Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester … ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen.«

Dieses Anliegen darf nicht, nachdem es gehört und vernommen wurde, doch wieder in den bekannten und oben bereits genannten Schwierigkeiten untergehen. Es ist eine Frage des Glaubens, nicht eines theoretischen sondern eines gelebten Glaubens.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29 / 2009 - 15. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Erneut möchte ich Ihnen die Anliegen von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Priesters ans Herz legen.

In dem für dieses Priesterjahr veröffentlichten Schreiben weist Papst Benedikt auf Situationen hin, »die nie genug beklagt werden können«. Er bezieht sich auf die Untreue einiger Diener der Kirche. In solchen Fällen sei »weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener« hilfreich.

Damit leugnet der Heilige Vater nicht die Notwendigkeit, alles Notwendige aufzudecken und ggf. auch öffentlich zu machen. Aber er betont, dass in solchen Fällen für die Kirche »das erneute und frohe Bewusstsein der Größe des Geschenkes Gottes« weitaus hilfreicher sei, »das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern.«

So stellt der Heilige Vater in seinem bewegenden Schreiben das priesterliche Format des heiligen Pfarrers von Ars in den Mittelpunkt und erneuert damit den Blick aller für die Größe des Priestertums, die durch eine Skandale suchende Presse beeinträchtig oder sogar verloren gegangen ist.

Die gläubige Seelengröße des Heiligen Pfarrers von Ars äußert sich nicht nur darin, dass er ein Mann des Gebetes, sondern auch der Tat war. »Er besuchte systematisch die Kranken und die Familien; er organisierte Volksmissionen und Patronatsfeste; er sammelte und verwaltete Geld für seine karitativen und missionarischen Werke; er verschönerte seine Kirche und stattete sie mit Kirchengerät aus; er kümmerte sich um die Waisenmädchen der „Providence“ (einer von ihm gegründeten Einrichtung) und ihre Erzieherinnen; er kümmerte sich um die Schulausbildung der Kinder; er gründete Bruderschaften und forderte die Laien zur Zusammenarbeit mit ihm auf«, schreibt Papst Benedikt.

Der Heilige Pfarrer von Ars war als leuchtendes Priester-Vorbild also nicht nur ein Mann des Gebetes. Wohl war das die Grundlage von allem anderem. – Der Heilige Vater nimmt das an Tätigkeit reiche Leben des Pfarrers von Ars zum Anlass, die Zusammenarbeit zu betonen, mittels der »die Priester das eine priesterliche Volk bilden und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums alle zur Einheit in der Liebe zu führen, „indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen“ (Röm 12,10).«

Das Zweite Vatikanischen Konzils habe die Priester aufgefordert, so der Papst, »die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern … Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.«

So sollen die Priester nach dem, was Papst Benedikt durch Gestalt und Person des Heiligen Pfarrers von Ars kraftvoll sagt, auch heute wieder vermehrt aus der Kraft des Gebetes und ihrer besonderen Verbundenheit mit Christus in einer Weise aktiv sein, dass sie ihr Amt und ihre Aufgabe nicht mit dem eines Managers verwechseln. Sie würden das auf Dauer auch nicht durchhalten. Niemand kann rund um die Uhr im Einsatz wein.

Vom Priester wird dies aber zu Recht, allerdings in anderer Weise erwartet: Er soll Pastor (Hirt) sein, der Christus durch sein Gebet und seinen Einsatz in einer Weise für die Gläubigen gegenwärtig macht, dass sich alle angesprochen wissen, gemeinsam, zugleich jeder durch seine Begabung und seine Arbeit, dem erlösenden Heilswillen Gottes den Weg zu bahnen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28 / 2009 - 14. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Gerne fahre ich damit fort, die Anliegen von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Priesters weiter bekannt zu machen.

Papst Benedikt schreibt: »Als er (der Hl. Pfarrer) nach Ars, einem kleinen Dorf mit 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, dass er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: „Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden Sie dort einführen.“ Folglich war er sich völlig bewusst, dass er dorthin gehen musste, um die Gegenwart Christi zu verkörpern, in dem er dessen heilbringende Sanftmut bezeugte. „[Mein Gott,] gewährt mir die Bekehrung meiner Pfarrei; ich will dafür alles erleiden, was ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“ – mit diesem Gebet begann er seine Mission. Die Bekehrung seiner Pfarrei widmete sich der Heilige Pfarrer mit all seinen Kräften …

Er begann sofort … sein Leben als Priester mit der Tätigkeit des ihm anvertrauten Dienstes in Einklang zu bringen und sagte, dass er sogar materiell in seiner Pfarrkirche „wohne“: „Kaum war er angekommen, wählte er die Kirche zu seinem Wohnsitz … Vor dem Morgenrot betrat er die Kirche und kam erst nach dem abendlichen Angelus wieder heraus. Dort musste man ihn suchen, wenn man ihn brauchte“, heißt es in seiner ersten Biografie (Nodet).«

Manches daran ist gewiss »fromme Übertreibung des ehrfurchtsvollen Hagiographen«, so Papst Benedikt. Dennoch steht fest, dass der Heilige Pfarrer seine Pfarreimitglieder »vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens belehrte. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren. „Es ist nicht nötig, viel zu sprechen, um gut zu beten“, erklärte ihnen der Pfarrer. „Man weiß, dass Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“ Und er ermunterte sie: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt … Es stimmt, dass ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“

Diese Erziehung der Gläubigen zur eucharistischen Gegenwart und zur Kommunionempfang«, so Papst Benedikt, »wurde besonders wirkkräftig, wenn die Gläubigen ihn das Heilige Messopfer zelebrieren sahen. Wer ihm beiwohnte, sagte, dass „es nicht möglich war, eine Gestalt zu finden, welche die Anbetung besser ausgedrückt hätte … Er betrachtete die Hostie liebevoll.“ „Alle guten Werke zusammen wiegen das Messopfer nicht auf, denn sie sind Werke von Menschen, während die heilige Messe Werk Gottes ist“, sagte er. Er war überzeugt«, so Papst Benedikt, »dass von der Messe der ganze Eifer eines Priesterlebens abhängt: „Die Ursache der Erschlaffung des Priesters liegt darin, dass er bei der Messe nicht aufmerksam ist! Mein Gott, wie ist ein Priester zu beklagen, der so zelebriert, als ob er etwas Gewöhnliches täte!“«

Papst Benedikt beschließt diesen Abschnitt mit der Feststellung, dass der Heilige Pfarrer von Ars »es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“«

So kann ich für heute mit der evidenten Feststellung schließen, dass Papst Benedikt mit dem Jahr des Priesters für alle christgläubigen Laien und Priester weltweit genau das gleiche wünscht und beabsichtigt, was der Heilige Pfarrer von Ars für die Gläubigen seiner Pfarrei gewünscht und Gott durch sein Leben und Beten erlangt hat: Dass sie sich alle bekehren.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27 / 2009 - 13. Woche im Jahreskreis (B)

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