Pfarrnachrichten 04/2012
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Im Evangelium von diesem Sonntag berichtet uns Markus im ersten Kapitel, wie Jesus seine Jünger zu sich ruft: „Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“
Passend dazu wird ein bekanntes Tafelbild von Duccio di Buoninsegna (Siena 1311) – vgl. Abbildung – in einer von der Deutschen Bischofskonferenz 1978 herausgegebenen Schulbibel wie folgt kommentiert:
„Berufen werden heißt erwählt sein. Das gilt für das Volk Israel (Jes 4,18-10) wie für den einzelnen. … Mk 1,16-18 berichtet in knappster Form, wie Jesus den Simon und seinen Bruder Andreas beruft, als sie gerade ihre Netze auswerfen. Äußere Umstände werden nicht mitgeteilt. Entscheidend sind der erwählende Blick Jesu und sein Ruf, der kein Zögern erlaubt. – Diese Sicht kommt auch in der Bildgestaltung zum Ausdruck: Keine große Landschaft, keine imposante Szenerie. Das Zueinander der Personen ist auch für den Maler ausschlaggebend.
Jesus (am linken Bildrand) ist soeben an das felsige Ufer getreten. Nur sein Kopf und seine Hand ragen über die Felsenlinie hinaus. Von seinen Augen und seiner Hand geht alle Aktivität aus. Diese Geste der rechten Hand wirkt einladend und fordernd zugleich. Ihr antworten der Blick und die erhobene Rechte des Simon. Während Andreas noch vom Fischnetz in Anspruch genommen ist und nur 'mit einem Ohr' zuzuhören scheint, ist sein Bruder Simon mit Augen und Ohren schon ganz bei Jesus.
Zwischen den Händen und den Augen Jesu und des Simon liegt die Spannung des Bildes; sie wird verstärkt von der Stelle, wo sich die Spitze des Bootes dem zerklüfteten Ufer nähert, ohne es zu berühren. So entsteht zwischen Jesus und Petrus ein Kraftfeld, das große Ruhe ausstrahlt. Zur rechten Seite des Bildes hin nehmen Kraft und Spannung ab; die hochgewölbte Spitze des Bootes lenkt den Blick zurück auf das Zentrum des Geschehens.
Der Maler Duccio hat das Gemälde im Anschluss an die byzantinische Bild–Tradition geschaffen, es jedoch mit etwas mehr Wärme und Leben gefüllt. – Die Bildtafel stammt vom ehemaligen Hauptaltar des Doms von Siena, der insgesamt fast l00 Bilder verschiedener Größe von der Hand des Malers Duccio umfasste.“ Soweit die leicht gekürzt Bilderläuterung.
Nehmen Sie sich doch noch einige Minuten Zeit, dieses Bild mit der vorgetragenen Erläuterung einmal besonders aufmerksam zu betrachten; denn Gott spricht jeden Menschen an; auch Sie und mich. Und das tut er auch über künstlerische Darstellungen, die entscheidende Aspekte dieser seiner Ansprache und seines Rufens gekonnt ins Bild setzen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 03/2012
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Panaleon!
An diesem zweiten Sonntag im Jahreskreis erfahren wir, wie Jesus mit seinen beiden ersten zwei Jüngern zusammentraf, die bis dahin noch Jünger von Johannes dem Täufer waren. Jesus kam an dem Ort vorbei, berichtet das Evangelium, wo Johannes in Begleitung von zwei seiner Jünger im Jordan taufte. Da richtete der Täufer „seinen Blick auf Jesus und sagte: Seht, das Lamm Gottes!“ Als beide „hörten, was er sagte, folgten sie Jesus.“
Auch wenn es für Johannes den Täufer in gewisser Hinsicht ein schmerzlicher Verlust war, zwei seiner besten Mitstreiter zu verlieren, so entsprach doch genau das seiner Absicht: auf die Ankunft des Erlösers vorzubereiten und Menschen guten Willens mit Jesus Christus, dem erwarteten Messias, in Kontakt zu bringen. – Ähnliches widerfährt manchmal Eltern, Lehrern und auch uns Priestern.
Es ist wichtig, die uns Anvertrauten nicht „festzuhalten“; uns nicht an sie „zu klammern“. Die Aufgabe von uns als Eltern, Erzieher und auch Priester besteht allein drin, die uns Anvertrauten gut darauf vorzubereiten, dem Ruf Gottes folgen und Gottes Wege dann auch gehen zu können. Und nicht selten hat Gott unseren Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden einen auch deutlich anderen Weg bereitet, als wir dachten. So muss man Menschen „gehen lassen“, man darf sei nicht zurückhalten, auch wenn man sich anderes vorgestellt oder an weitere Unterstützung durch sie in eigenen Anliegen gehofft hatte.
Das Evangelium berichtet dann weiter: „Jesus wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: „Was wollt ihr?“ – Das erscheint zuerst einmal wenig einladend und wie zufällig; kann aber als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Begegnungen mit Jesus oft nur wie zufällig erscheinen, und ihm darüber hinaus nur solche werden nachfolgen können, die etwas ganz Bestimmtes von ihm erwarten: „Meister“, so fragen die beiden, „wo wohnst du?“
Das ist keine Verlegenheitsantwort. Das ist die fragende Antwort von zwei jungen Menschen, deren bisheriger Meister erklärt hatte, dass der, „der nach ihm kommen wird“ und auf den er als das „Lamm Gottes“ hinweisen würde, ein neues Menschsein, eine neue Art des Lebens bringen werde, die all die großen Fragen des Daseins in einer nie dagewesenen und unübertreffbaren Weise beantworten wird.
„Meister, wo wohnst du?“ Damit fragen sie nach dem Lebensstil, nach den Einstellungen, den Grundhaltungen und großen Überzeugungen, die Jesu Leben bestimmen. Die beiden wollen wissen, wie Jesus im Leben dasteht, was sein Leben bestimmt, wie er es sieht und gestaltet. Das ist es, was sie vom „Lamm Gottes“ erwarten. Und darauf wollen sie sich mit ihrer ganzen Person einlassen. Erst auf diese Erwartung und inneren Haltung hin, die notwendige Vorraussetzung ist, Gottes Stimme und seine Ansprache überhaupt wahrnehmen zu können, erfolgt die Einladung des Herrn: „Kommt und seht!“ – Gott kann in unserem Herrn Jesus Christus nur den persönlich ansprechen und einladen, der in dieser Offenheit und Bereitschaft nach dem menschgewordenen Gott fragt, wie diese beiden jungen Männer.
Gott ist Mensch geworden, um uns durch sein beispielhaftes Leben und sein weisendes Wort zu sagen, wie das geht, als Mensch gut, gerecht und in erfüllender Heiligkeit zu leben.
Das abgebildete Deckenfresko aus Oberösterreich hält genau diesen Augenblick fest. Johannes im Hintergrund hat seine Aufgabe erfüllt: Er darf nun in den Hintergrund treten, ganz so, wie er es schon vom ersten Augenblick seines Auftretens gewusst und verkündet hat (vgl. Joh 3, 28 ff): „Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht. … Er muss wachsen, ich aber muss geringer werden“.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 02/2012
Liebe Freunde und Mitchristen von St. Pantaleon!
Mit den zwei weihnachtlichen, in diesem Jahr eng aufeinander folgenden Festen von der Erscheinung des Herrn (drei Könige; am 6. Januar)) und dem der Taufe Jesu (an diesem Sonntag) endet die liturgische Weihnachtszeit. Nach einer schon längeren Tradition dürfen Krippe und Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, die Kirche weiterhin schmücken. Das schnelle Ende der eigentlichen Weihnachtszeit, die durch die genannte Tradition gemäß dem Verlangen des Gläubigen nach Verweilen beim göttlichen Kind am Ort seiner Niederkunft inoffiziell deutlich verlängert wird, lässt uns noch einmal zurückblicken und fragen, was Weihnachten denn für uns persönlich gebracht hat.
Nicht nur Juden – wenngleich die Hirten eher als eine Randgruppe, auch religiös zu betrachten sind –, sondern auch Fremde und Heiden haben den Weg zum Erlöser gefunden. Sie kamen mit Gaben, jeder nach seinen Möglichkeiten, und kehren dann als Beschenkte heim.
Im Tagesgebet vom Dreikönigsfest betet die Kirche: „Durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind, hast du … den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart. Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.“ Darauf heißt es dann unmittelbar folgend: „Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.“
Vom Grundanliegen recht ähnlich betet die Kirche am Fest der Taufe des Herrn: „Allmächtiger, ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab, und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart“, worauf wie am Dreikönigstag auf die Zusammenfassung des Fest-Ereignisses eine Bitte folgt. Bei diesem Fest die Bitte: „Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.“
Mit dem Glauben ist es wie auch sonst im Leben. Wir können bei allem, was für den Fortbestand des Lebens wichtig ist, nie sagen: Das ist jetzt gut. Mehr ist nicht notwendig. Wir können das weder sagen mit Blick auf die Ernährung noch hinsichtlich der Entwicklung unserer Persönlichkeit. Kaum, dass die eine Mahlzeit verzehrt ist, steht bereits die nächste auf dem Tisch. Und in gewisser Weise ganz ähnlich, wenn auch in anderer Hinsicht ganz anders, werden wir nie sagen können, und es auch gar nicht wollen, dass wir mit unserer Persönlichkeitsentwicklung am Ende sind. Dann wären wir nämlich sprichwörtlich „am Ende“.
Liebe Mitchristen: Hat Weihnachten für Sie einen Schritt weiter „vom Glauben zur unverhüllten Anschauung“ beziehungsweise einen Schritt voran „in Gottes Wohlgefallen“ und in die „Fülle des Geistes Gottes“ gebracht? Ganz unabhängig davon, wie Sie diese Frage beantworten, schlage ich Ihnen gerne vor, die inoffizielle Verlängerung der Weihnachtszeit dafür noch ein wenig zu nutzen.
Keiner von uns ist „am Ende“: Weder diejenigen, die von sich sagen, sie könnten nicht glauben, noch diejenigen, die von sich sagen, ihr Glaube sei durch nichts mehr zu erschüttern. Der Glaube ist etwas sehr Lebendiges. Er lebt vor allem durch die Impulse, die Gott selber schenkt. Von unserer Seite aus ist wichtig, dass wir Gott und seinem Geist die Möglichkeit dazu geben, und sie nicht zustellen bzw. verbauen.
Nehmen Sie sich deshalb noch ein wenig Zeit vor der Krippe, um die geheimnisvolle Wirklichkeit zu bedenken, dass der Allmächtige und Schöpfer aller Dinge auch aus Liebe zu Ihnen Geschöpf und Menschenkind geworden ist. Dann schenken Sie nicht nur sich selber noch etwas Zeit, sondern geben diese Zeit auch in Gottes Hände, so dass er Sie vom Glauben – ja sogar vom vermeintlichen Nicht-Glauben-Können – deutlich und wahrnehmbar in Richtung „unverhüllte Anschauung“ und „Stehen in Gottes Wohlgefallen“ führen kann; und führen wird.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 52/2011 und 01/2012 - Weihnachten
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Wieder einmal feiern wir Weihnachten. Während der Festtage selber dürfen wir dankbar innehalten und uns freuen, dass Gott es wirklich gut mit uns meint.
Der Heilige Vater, Papst Benedikt, hat bei seinem Deutschlandbesuch wunderbar das Eigentliche von Weihnachten auf den Punkt gebracht. Er sagte wörtlich: „Die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht für sich sein, sie will sich verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschen zugekommen. Er ist aus dem Rahmen seines Gottseins herausgetreten, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden; und zwar nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie ganz so läßt, wie sie ist. Zum Christusgeschehen gehört das Unfaßbare, daß es – wie die Kirchenväter sagen – ein ‚sacrum commercium’, einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt, in dem beide – wenn auch auf ganz verschiedene Weise – Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende sind.“
Von Herzen wünsche ich Ihnen einen auch sehr persönlichen Zugang zu dieser Wirklichkeit des „sacrum commercium“, des heiligen Austauschs zwischen diesem Gott, der Liebe in Person ist, und Ihnen, die sich darauf glaubend und vertrauend einlassen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 51/2011 - 4. Adventwoche (B)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Der vierte Adventssonntag stimmt uns mit dem Evangelium der Verkündigung ein auf das nahende Weihnachtsfest. Über alle Unbeständigkeit und Untreue der Menschen hinweg hat Gott seine Verheißung wahr gemacht und ist mit seiner erlösenden Herrlichkeit zu uns gekommen.
Aber Gott ist nicht mit äußerer Macht gekommen, und er setzt für sein Ankommen auf Erden auch keine Repressalien ein. Er braucht jedoch unsere innere Zustimmung. Ohne unser Wünschen und Wollen möchte er uns sein Heil – gemeint ist wirkliche Erlösung, wie sie nur von ihm kommen kann – nicht aufzwingen.
Maria ist die erste der Erlösten, die mit ihrem „Ja“ die Vorraussetzung dafür geschaffen hat. Sie hörte das Wort des Gottesboten Gabriel und antwortete als „Magd des Herrn“. Diese Haltung – Magd des Herrn – lässt sie aus der Kraft des Glaubens, dass „bei Gott nichts unmöglich ist“, über sich selber hinauswachsen in die Größe Gottes hinein.
Als Maria kurz darauf ihre Verwandte Elisabeth besucht, preist diese Maria selig, weil sie „geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“. Und Maria kann darauf antworten und ohne jede Art von Selbstbespiegelung über sich selber sagen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“
Die letzten Adventtage sind Tage ganz besonderen Wartens auf die Ankunft des Herrn; Tage des Wünschens und Bittens, er möge wirklich ankommen. Die Zeit bis zur Ankunft ist meist mit einer bestimmten Unruhe verbunden; mit gewissen Vorstellungen und Erwartungen, und dem nicht völlig sicheren Wissen, ob am Ende auch alles in Erfüllung geht.
Es wäre schade, wenn man die Zeit des Ankommens und Erwartens nicht hätte. Manches ginge einem verloren und vieles vom Erwarteten bliebe unbeachtet und würde leicht überhört und nicht recht wahrgenommen werden. – Somit ist nach alt hergebrachter Erfahrung und Überlieferung für das Weihnachtsfest der Advent, die Zeit des Erwartens unverzichtbar. Wer den Advent vernachlässigt, ihn in der Begehrlichkeit des Kaufens und Verkaufens nicht mehr wahrnimmt, ihn unbeachtet lässt, der verliert früher oder später auch Weihnachten.
Weihnachten ist eine ganz persönliche und intime Begegnung des Menschen mit seinem Seinsgrund: Mit seinem Schöpfer und Erlöser. Erst in dieser Begegnung kommt der Mensch wirklich an und findet Frieden: mit Gott, mit seinem Nächsten und mit sich selber. Der Advent hilft, das Ziel nicht zu verfehlen und nicht zu einem Menschen zu werden, der über das irdische Leben hinaus nichts mehr zu erhoffen und zu erwarten vermag.
Wer den Advent ernst nimmt, der entdeckt insbesondere, dass Gott zum einen längst angekommen ist, zugleich aber immer wieder erst noch ankommen muss. Denn jeder von uns ist jetzt anders als vor einem Jahr. Wir sehen manches inzwischen ganz anders als vor 12 Monaten um diese Zeit. Wir hören manches anders als im vergangenen Jahr. Wir denken anders, als letztes Jahr. Deshalb muss Gott in gewisser Weise beständig in uns neu geboren werden.
Der Advent ist also nicht ein unaufrichtiges „so Tun, als ob“ Gott noch gar nicht angekommen wäre. Er ist angekommen und hat uns erlöst! Er muss aber auch in uns ankommen, sonst würden er und seine Gaben an uns vorbeirauschen und uns nicht berühren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bis zum nahenden Fest eine segensreiche letzte Adventwoche, die zur inneren Umkehr in all dem führen möge, wo Gott, da wir uns weiter entwickelt haben, noch nicht angekommen ist.
Für diesen Prozess empfehle ich Ihnen von ganzem Herzen die Hl. Beichte! Durch dieses Sakrament lassen wir vor allem Gott handeln, bei dem, wie Maria es geglaubt hat, „kein Ding unmöglich ist“; eben auch nicht eine tiefgreifende Umwandlung unserer selbst hin zu einem grenzenlosen Vertrauen in Gottes heilende und erlösende Kraft.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 50/2011 - 3. Adventwoche (B)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Nach dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember und der darauf vorbereitenden Novene, die in diesem Jahr übrigens sehr gut besucht war – ab dem 30. November täglich, neun Tage lang, ein feierlicher Gottesdienst mit besonderer Predigt –, wird St. Pantaleon an diesem Montag, dem 12. Dezember, noch einmal Ort besonderer Marienverehrung sein. Wie seit Jahren werden wir auch diesmal wieder das Fest der Gottesmutter von Guadalupe in besonderer Form und mit Teilnahme von zahlreichen Gläubigen aus Südamerika feiern. Im Pontifikalamt, von unserem Weihbischof Dr. Klaus Dick zelebrieret, wird zudem ein neuer Kerzenopferlichtständer gesegnet.
Der Kerzenopferlichtständer ist eine Bronzearbeit der Künstlerin Maria Fernandez, und er ist ihr außergewöhnlich gut gelungen. Er bleibt zukünftig aufgestellt in der Josefmariakapelle und verbindet ein Marienbild, eine getreue Darstellung des Gnadenbildes der Gottesmutter von Guadalupe – ein Geschenk vom derzeitigen Rektor der Basilika von Guadalupe in Mexiko, Mons. Enrique Glennie –, mit einer Darstellung des Heiligen Josefmaria Escrivá. So können an diesem Ort in Zukunft Maria wie auch der Heilige verehrt werden. Wer möchte, kann seine Verbundenheit mit Maria, mit dem Heiligen oder auch beider zusammen durch das Aufstellen einer Votivkerze zum Ausdruck bringen und entweder die eine oder den anderen, oder auch beide gemeinsam als Fürsprecher in seinen Anliegen anrufen, und seine Bitte oder Dankbarkeit mit einem Kerzenopferlicht unterstreichen.
Der Kerzenopferlichtständer besteht aus zwei Teilen: einer mit feinem Sand – zum Aufstellen der Kerzen – gefüllten, wunderbar proportionierten und sorgfältig in Bronze gestalteten mandelförmigen Opferkerzenwanne, und einem darüber auf einer Konsole befestigtem Marienbild, das umgeben ist von einem ebenfalls hochwertig bearbeitetem bronzenem Rahmen. Auf der Konsole kniet, liebevoll modelliert, der Hl. Josefmaria. Er hält eine Rose in der Hand und blickt auf Maria.
Diese Darstellung greift eine Begebenheit aus dem Leben des Heiligen auf, über die in der Zeitschrift Mariologisches (August 2010, S. 7) wie folgt berichtet wird:
„Das Leben des hl. Josefmaria schloss ab, wie er es sich gewünscht hatte: Als er fünf Jahre vor seinem Tod für eine kurze Zeit in Jaltepec weilte, betrachtete er mit inniger Anteilnahme ein Bild, auf dem Maria dem Seher Juan Diego lächelnd eine Blume reicht. Spontan flammte in seiner Seele der Wunsch auf: ‚So möchte ich sterben: Maria schauen, indem sie mir eine Blume schenkt.’
Das gewährte ihm der Herr: Am Tag seines Hinscheidens, als er von einem Besuch … zurückkehrte und in sein Arbeitszimmer eintrat, wandte er seinen Blick zu einem Bild Marias – einer Darstellung der Jungfrau von Guadalupe – und sank sterbend zu Boden: Sein Herzenswunsch war erfüllt!“
Der hl. Josefmaria wurde öfter gefragt, wie man seinem Beispiel folgen könnte. Der Heilige hat daraufhin mit großer Entschiedenheit erklärt, dass er in seinem Lebensstil, in seiner Art als Christ und Priester zu leben, nicht nachgeahmt werden möchte. Eine Ausnahme allerdings gestand er zu und pflegte dann zu sagen: „Wenn ihr mich nachahmen wollt, dann nur in der Liebe zu Maria!“
So verbinde ich mit der endgültigen Aufstellung dieser Kerzenopferlichtschale mit dem Bild der Gottesmutter von Guadalupe und der Darstellung des Heiligen Josefmaria die feste Zuversicht, dass dieses kunstvolle Kleinod viele Menschen anspricht und ihnen etwas von der Zuversicht, der Freude, der Stärke, dem Glauben und der Liebe der Heiligen vermittelt.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 49/2011 - 2. Adventwoche (B)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Ohne Johannes den Täufer wäre der Advent nicht Advent. Johannes ist der Rufer in der Wüste, der auch heute, nicht zuletzt im vorweihnachtlichen Rummel, den Weg zum Wesentlichen und Entscheidenden weist. Es ist traurig, dass der Advent in der Hektik der Festvorbereitung und all den Begehrlichkeiten des Kaufens und Verkaufens teilweise schon überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird.
Advent ist Zeit sehnsüchtigen Wartens und Hoffens auf das, was kommen wird. Damit hängt zusammen, dass Advent zugleich die wichtige und unverzichtbare Zeit ist, sich wieder einmal „in die Augen zu schauen“ und über sich selber und sein Leben größtmögliche Klarheit zu gewinnen. Dabei muss man achtgeben auf falsche Selbstzufriedenheit. Sie kann im Ergebnis nur zu einer vordergründigen Selbstgerechtigkeit führen. Hier ist kritische Distanz zu sich selber gefragt. Eine solche Distanz wird möglich, wenn man das Laufrad andauernder Betriebsamkeit und darauf immer wieder neu folgender Belohnung seiner selbst einfach einmal anhält.
Nur eine gesunde Distanz zu sich selber macht fähig zu einer guten Selbstkritik. Man muss sie auch reinen Herzens und uneingeschränkt wünschen und wollen, ohne die mögliche Feststellung zu scheuen, dass Verhaltensweisen oder Einstellungen gegebenenfalls auch grundlegend zu verändern sind. Nun reicht die eigene Kraft für grundlegende und nachhaltige Korrekturen und Veränderungen meist nicht aus.
Hier kommt uns am zweiten Adventssonntag der Prophet Jesaja entgegen: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden.“
Nach christlichem Verständnis ist die Schuld beglichen und ist die „volle Strafe“ abgebüßt, wenn ein Mensch sich mit Gottes Hilfe dazu aufrafft und durchringt, nicht mehr länger vor sich und seinem Nächsten mit inneren Brüchen, nicht mehr in der Unwahrheit über sein Leben und in der Lüge über sich selber leben zu wollen. Deshalb verbindet Jesaja die Worte des Trostes mit der Aufforderung: „Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!“
Advent ist nicht „Wellnes-Relaxen“, sondern besinnliches Sich-Einlassen auf eine ehrliche Konfrontation mit sich selber in der liebenden Gegenwart des allmächtigen Gottes. Dem Advent eignet somit ein besonderes „Ambiente“, das der Prophet Jesaja nach biblischer Art wie folgt beschreibt: „Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.“
In dem folglich von Gott selber gewährleisteten „Ambiente“ adventlicher Besinnung lassen sich mit der Bereitschaft zu auch grundlegender Korrektur Fragen wie diese stellen: „Auf welchem belastbaren Fundament gründe ich mein Leben? – Wohin bin ich eigentlich unterwegs? Ist das stimmig? – Welche Absichten aus meinen tieferen und tiefsten Schichten bestimmen letztlich mein Handeln? Bin ich da ehrlich? Kann ich auch vor Gottes Angesicht dazu stehen?“
In seinem zweiten Brief schreibt der Heilige Petrus mit Blick auf das zu Erwartende, auf das was kommen wird: „Bemüht euch, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.“ In diesem Sinne ist Johannes der Täufer, dieser Mann in der Wüste, ganz konzentriert. Sein Leben kennt nur eine einzige Aufgabe: Vorbote und Wegbereiter zu sein für den, der viel größer ist als er.
Für diesen Advent wünsche ich uns allen sehr, durch die Begegnung mit diesem Größeren – warum nicht auch im Bußsakrament? – wieder ganz zu sich selber zu finden.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 48/2011 - 1. Adventwoche (B)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Mit diesem Sonntag, dem ersten Advent, beginnt ein neues Kirchenjahr. Advent heißt – übersetzt in die Sprache der Herzen – Sehnsucht. Man sehnt sich nach dem, was kommen soll und wird. Und man sehnt sich immer wieder; jedes Mal von neuem.
Das Wort „Advent“ ist dem lateinischen „adventus“ = Ankunft entnommen, bzw. dem lateinischen Verb „advenire“ = ankommen, eintreffen. So bezeichnet Advent zum einen die Wochen, in denen man sich auf Weihnachten, auf das kommende Hochfest der Geburt Christi vorbereitet. Man seht sich danach, dass Christus auch bei einem selber ankomme. Der barocke Prediger Angelus Silesius drückt dies in seiner Weise aus: „Wär´ Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst noch ewiglich verloren.“
Zugleich erinnert der Advent daran, dass wir als Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten, wo dann endgültig alles in Erfüllung geht. Da macht es Sinn, dass mit dem ersten Advent auch das neue Kirchenjahr beginnt. Wie zu Neujahr hofft man, dass das kommende Gutes bringt; nicht nur ein wenig, sondern viel mehr Gutes als das zu Ende gegangene.
Da verwundert nicht, dass sich das Evangelium des ersten Advent nahtlos an das der letzen Sonntage anschließt. Es geht noch einmal um das Kommen des Herrn am Ende der Zeit, um das letzte Gericht und darum, wie wir uns darauf vorbereiten. Der Herr fordert zur Wachsamkeit auf.
Leben wir oft nicht so, als ob es kein Ende gebe? Schließen wir nicht oft die Augen vor dem, was einmal auf uns zukommen wird? – Im Schlussgebet des ersten Adventsonntag ist zusammengefasst, wie wir leben sollen: „Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche.“ – Man muss sich auf das Ende einstimmen, sonst verpasst man es.
Durch die Menschwerdung Gottes, wie wir sie zu Weihnachten als Jesu erstes Kommen feiern, hat sich alles verändert. Und doch sind wir noch unterwegs zu dem und erwarten das, was er bereits wirklich und tatsächlich gebracht hat. „Reiß doch den Himmel auf, und komm herab“ hören wir in der ersten Lesung (Jesaja 63,19b). Das irdische Leben ist eine Einstimmung, eine Vorbereitung auf das Große, das Gott uns einmal für immer schenken möchte und wofür er bei seinem ersten Kommen die Grundlage gelegt hat.
Dieses Große ist in manchem so anders, so unendlich viel größer, dass es nur durch innige Sehnsucht, durch inniges Beten, Bitten und Glauben erkannt werden kann; so aber selbst dann, wenn die vorübergehende und oft auch raue irdische Wirklichkeit dem zu widersprechen scheint. So etwa hat auf der Wand eines Kellers in Köln ein Jude, der sich während des Zweiten Weltkrieges dort versteckt hielt, geschrieben: „Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle. Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.“
„Reiß doch den Himmel auf, und komm herab!“ In diesem alttestamentlichen Wunsch, in dieser Sehnsucht nach dem Heil Gottes schwingt Israels Bekenntnis der eigenen Schuld und Untreue mit: „Wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden“. Die Schuld des Menschen hindert ihn dennoch nicht daran, Gott liebevoll vorzuwerfen: „Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht mehr fürchten?“
Gott lässt sich auf diese sehnsüchtige Bitte des Menschen ein. Beten wir also auch heute, wie schon damals, in vertrauensvoller Reue und im Schmerz des Gnadenverlustes dennoch von Gott gehalten: „Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.“ – In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 47/2011 - 34. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Aus dem alltäglichen Leben sind uns ernsthafte Hinweisschilder nicht nur bekannt, sondern sie werden gewöhnlich auch sehr geschätzt und für unverzichtbar gehalten: „Achtung, Hochspannung – Lebensgefahr!“, „Vorsicht – bissiger Hund!“ oder „Betreten der Baustelle verboten“. Kein Vernünftiger ärgert sich darüber oder montiert sie einfach ab.
Am Ende des kirchlichen Jahreskreises werden uns Gleichnisse Jesu vorgetragen, die offen, deutlich und nachvollziehbar erklären, was alle Menschen einmal erwartet (Matthäus 25, 31), „wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm.
Dass unser Universum nicht ewig sein kann, gilt naturwissenschaftlich durch das Entropiegesetz und den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik als bewiesen. Was dann aber sein wird, vermag die Naturwissenschaft nicht mehr zu berechnen. Sie vermag nur den sogenannten „Wäremtod des Alls“ näher zu bestimmen, bei dem zwingend alle bekannten Abläufe der Natur erstarren und zum Stillstand kommen werden. Mehr nicht. Auch philosophische Spekulationen helfen nicht weitet. Sie kommen zu keiner verbindlichen und logisch zwingenden Antwort über das Ende.
Jesus aber erklärt, dass der wiederkommende Herr sich am Ende der Welt „auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen" werde, und dass „alle Völker von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.“
Alle Völker, also nicht nur Kirchgänger oder solche, die zufällig ihren Taufschein dabei haben, werden nach der „Auferstehung der Toten“ mit ihrem Leben vor Christus stehen und er wird sie unaufhebbar voneinander trennen „wie der Hirt die Schafe von den Böcken“.
Die Trennung von Tieren großer Herden war zur Zeit Jesu ein allgegenwärtiges Geschehen. Sie war unvermeidlich. Die Entscheidung traf allein der Hirte, der seine Herde immer im Blick hatte. Jesus gebraucht ein starkes Bild. Es ist wie ein Hinweisschild: „Achtung – Das kommt auf Dich unabwendbar zu.“
Sofort nach dem Trennen, so erklärt Jesus im Evangelium, wird er als Richter zuerst zu denen sprechen, die vor ihm auf der guten Seite stehen dürfen: „Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.“
Jesus als König und Richter der Welt stellt hier die Einheit mit seinem Vater fest und betont den ursprünglichen und ganz am Anfang stehenden Wunsch, dass die Menschen als seine Kinder „das Reich in Besitz nehmen“. Das geht aber nicht automatisch; denn der Mensch ist ein freies Geschöpf, den auch Gott nicht zu seinem Heil zwingen möchte. Der Mensch muss es wollen und dafür auch etwas tun.
Dies ist der Hintergrund vor dem der Herr den Geretteten dann sagen wird: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“
Die Überraschung wird groß sein: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? …“ uns so weiter. „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Nur der Unvernünftige übersieht den deutlichen Hinweis, der mit Blick auf das Ende unserer Welt allen Menschen hier gegeben wird: „Achtung, auch Du stehst einmal vor mir und wirst nach dem gerichtet, was Du dem geringsten meiner Brüder getan“, beziehungsweise „nicht getan“ hast; denn auch das steht in diesem Evangelium.
Ist unsere Liebe groß genug? Bedürfen wir nicht der gläubigen Bitte und der Hilfe Gottes, um am Ende von ihm auf die richtige Seite geholt zu werden?
Ihr Pfr. Dr. Volker Hldebrandt
Pfarrnachrichten 46/2011 - 33. Woche im Jahreskreis (A)

- In vielen Gleichnissen des Herrn stehen Personen im Mittelpunkt, zu deren Tagesgeschäft der Umgang mit sehr viel Geld gehört. – In diesem Bild malt Rembrandt nach seiner Vorstellung das Gleichnis vom reichen Kornbauern. – Im Sonntagsevangelium ist die Rede von drei Dienern, denen ihr Herr eine große Geldsumme zur Verwaltung anvertraut. Entscheidend ist: Wie gehen sie damit um?
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Wie am vergangenen Sonntags geht es in den Lesungen auch an diesem Sonntag um das Ende der Welt, um die Wiederkunft Christi und um die Gestaltung unseres Lebens mit wachem Blick auf das, was am Ende unabwendbar auf alle Menschen zukommt. Jesus spricht über die Ereignisse am Ende unserer Welt in Gleichnissen. So vermögen wir uns ein vages Bild von dem zu machen, was die bisherigen Verhältnisse jenseits von allem, was wir bisher erfahren haben, verändern und für die Ewigkeit endgültig umgestalten wird.
An diesem Sonntag hören wir von drei Verwalten (Matthäus 25,14-30), denen der Herr je nach Begabung und Fähigkeiten fünf, zwei und ein Talent Silbergeld zum Wirtschaften anvertraute.
Der weltliche Hintergrund dieser Gleichnisrede ist die römisch-antike Finanz- und Wirtschaftswelt, die sich von der unsrigen nur unwesentlich unterscheidet. Es geht zudem um Millionenbeträge. Ein Talent Silbergeld entspricht zur Zeit Jesu etwa 25 Jahresgehältern eines jüdischen Normalverdieners. Ausländische Investoren, oft mit Hauptwohnsitz in Rom, ließen ihre weit verstreuten Güter von hervorragend qualifizierten Sklaven verwalteten, die – ähnlich wie heute ein Prokurist – persönlich dafür hafteten. Diese „Top-Sklaven“ genossen den besonderen Schutz der römischen Besatzungsarmee und Justiz. Sie waren unverzichtbar für Bestand und Blüte der antiken Wirtschafts– und Sozialstruktur.
Der „Mann“ im Gleichnis, „der auf Reisen ging“, jedem „Diener nach seinen Fähigkeiten“ Teile seines Vermögens anvertraute, und „nach langer Zeit zurückkehrte, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen“, war den Zuhörern Jesu also bestens vertraut.
Im Gleichnis nennt der Herr die beiden, die mit dem übertragenen Vermögen von fünf bzw. zwei Talenten den Betrag jeweils verdoppelt haben, „tüchtige und treue Diener“. Er lobt, dass sie „im Kleinen ein treue Verwalter“ waren und überträgt ihnen zum Dank „eine große Aufgabe“, die interessanterweise ganz anderes als die bisherige ist: „Komm, nimm teil an der Freude des Herrn!“
Mit diesem Gleichnis führt Christus vor Augen, dass ihm unsere Talente und Begabungen überaus wichtig und Grundlage für etwas ganz Großes sind. Sie sollten es also auch für uns sein.
Das Gleichnis verurteilt eindringlich das Versagen des „schlechten und faulen Dieners“, der aus vermeintlicher Angst, hinter der sich wohl eine gute Portion Trägheit verbarg, „ein Loch in die Ede grub, um das Geld des Herrn“ zu verstecken. Der Herr wirft ihm vor: „Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.“
Liebe Mitchristen: Die uns von Gott anvertrauten Talente und Fähigkeiten haben eine große Bedeutung für unser zukünftiges Leben nach dem Tod. Sie stellen eine Herausforderung dar, der wir uns nicht aus Faulheit und falschem Selbstmitleid verschließen dürfen. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, die Verantwortung, die wir mit ihnen zu übernehmen bereit sind, bestimmen darüber, „ob wir an der Freude des Herrn“ einmal teilnehmen können oder nicht. Denn „wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat“. Mit andern Worten: Wer trotz der empfangenen Talente und Begabungen, mit denen er seiner Aufgabe im Leben mit Gottes Hilfe und Gnade sehr gut entsprechen kann, diese nicht dafür einsetzt, diese nicht im Sinne des Herrn entfaltet, der wird am Ende auch noch das Empfangene verlieren.
Der Blick in die zukünftige Endzeit, den die Evangelien uns gewähren, offenbaren zugleich den tiefen Sinn, der in der jeweiligen Lebensaufgabe geborgen liegt, die zusammen mit den dafür notwendigen Begabungen und Talenten jeder ebenso von Gott empfangen hat. In der Entfaltung der Talente und im vertrauten Zwiegespräch mit Gott ebene auch darüber entfaltet auch sie sich und zeigt sich uns. Es lohnt sich allemal; denn so, und nur so, wird uns eine noch viel größere Aufgabe, und dann für immer, erwarten können: „Nimm teil an der Freude des Herrn“.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 45/2011 - 32. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Nach alter Gewohnheit sieht die kirchliche Leseordnung für die letzten Sonntage im Jahreskreis Evangelientexte vor, die das große, abschließende Finale der öffentlichen Predigten Jesu wiedergeben. So sind die Evangelien der kommenden drei Sonntage der fünften und letzten großen Rede aus dem Matthäusevangelium entnommen. Vor der Kulisse des gewaltigen Tempelbaus, den König Herodes hat errichten lassen (vgl. Mt 24,1f), blickt Jesus in die Zukunft. Er belehrt seine Jünger über sein Wiederkommen (seine ‚Parusie’) und über das Ende der Welt (Mt 24,3 – 25,46).
Die großen Schlussreden sind von Vorstellungen geprägt, die dem heutigen Empfinden fremd sind. Erschreckende Ereignisse, Kriege und Erdbeben sowie große Nöten werden vorausgesagt. Sie sind Zeichen für das Ende der Welt.
Diese, dem Zeitgeist fremde Vorstellungen haben ihre Wurzeln im Judentum der Jahrhunderte vor und nach Jesu Christi. Der Herr übernimmt diese Vorstellungen und spricht von ihnen her über das, was am Ende sein wird; sowohl nach dem Tod eines jeden wie auch nach dem Ende der Welt. Jesus prophezeit in diesen letzten Reden seine Wiederkunft als Auferstandener und zugleich als Richter im endzeitlichen Gericht.
An diesem Sonntag hören wir aus diesen Schlussreden das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten. Die fünf Klugen nahmen anders als die fünf Törichten genug Öl für ihre Lampen mit. Da sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte, standen die fünf Törichten schließlich ohne Öl da.
Als mitten in der Nacht laute Rufe zu hören waren: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“, versuchten sie noch, ausreichend Öl zu kaufen. Aber es war zu spät. Als sie schließlich zum Hochzeitssaal kamen, waren die Türen längst verschlossen. Auf ihre Bitte: „Herr, Herr, mach uns auf!“ antwortete der Herr von Innen: „Ich kenne Euch nicht.“ – Und Jesus beschließt das Gleichnis mit der Mahnung: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“
Dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard verdanken wir die treffende Tagebuchnotiz, dass „das Christentum durch den Gedanken an den Tod, den nahen Tod, vielleicht morgen, vielleicht heute, das Leben intensiver“ mache. Die gedankliche Vorwegnahme des eigenen Todes führe dazu, „den Tag ungeheuer intensiv zu nutzen.“
Der Tod lässt sich nicht verdrängen; es sei denn, man versucht albern und kindisch, gegen die Wahrnehmung der Realität, sein eigener Herr und Gott zu sein. Das kann eine zeitlang gelingen, aber bis höchstens in die Sterbestunde hinein. Und dann ist es vorbei und für eine Korrektur zu spät, wie es für die fünf Törichten zu spät war.
Die Klugen hatten ausreichend Öl dabei, weil sie vertrauend und vorausschauend die nächtlichen Rufe: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“ schon vor dem Ende wahr- und sich zu Herzen genommen hatten: Deshalb kannten sie den Bräutigam schon bevor er eintraf, und umgekehrt. Die Törichten aber waren unbekannte Fremde. Sie kannten nur sich selber. Sie wollten es nicht anders. Und so bleiben sie dann für immer: Ganz alleine und nur für sich selber.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 44/2011 - 31. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
In den Sonntagslesungen geht es um die eng miteinander verwobenen Werte der Treue, der Glaubwürdigkeit wie der Übereinstimmung von Wort und Tat. Wie ein roter Faden ziehen sich diese Haltungen durch die Bibelstellen des 31. Sonntags im Jahreskreis. Auch wenn an Ihnen überwiegend Priester gemessen werden, sind diese Werte für jeden verbindlich.
Während die erste Lesung jene Priester anklagt, die ihrem Dienst vor Gott untreu wurden und Falsches verkündet haben, kritisiert Jesus das nach Außen gekehrte Leben der Pharisäer und Schriftgelehrten. In ihrem Inneren sind sie verarmt. Ihrem Lippenbekenntnis folgen keine Taten: „Sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“
Paulus hingegen spricht vom Bestreben, glaubwürdig das Evangelium zu verkünden und danach zu leben: „Wir wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben.“ Es folgt die entscheidende Begründung, die ein solches Bemühen dann auch wunderbar gelingen lässt: „Denn ihr ward uns sehr lieb geworden.“
Von dieser Begründung her erschließ sich ein tiefer Zugang, wie diese eng miteinander verwobenen und anspruchsvollen Werte gelebt und umgesetzt werden können. Dann nämlich, wenn man die Liebe zu- und gemäß der ihr innewohnenden Dynamik auch wachsen lässt. Von dieser Begründung her lässt sich zugleich erkennen, dass dem Praktisch-Werden guter und richtiger Grundsätze ein Leben als Pharisäer entgegensteht. Genau dies kritisiert Jesus in aller Deutlichkeit zwischen den Zeilen: „Sie schnüren schwere Lasten zusammen, wollen selber aber keinen Finger rühren. Alles tun sie nur, damit die Menschen es sehen.“
Immer wieder führt uns die Heilige Schrift das Entscheidende vor Augen. Der Schlüssel zu allem Guten ist die dreifache Liebe: Die Liebe zu Gott und zum Nächsten wie zu sich selber, die aus der lebendigen Begegnung mit unserem Schöpfer und Erlöser genährt wird. Dem innerlich verarmten und ausgebrannten Pharisäer hingegen ist die Verbundenheit mit Gott verloren gegangen. Er hält nur noch mit den Lippen an Überliefertem fest. Die im Buch Maleachi verklagten Priester haben gleich alles über Bord geworfen.
Eine lebendige Beziehung zu Gott kann von uns Menschen weder erzwungen noch selbstgemacht werden. Sie kann uns nur von Gott geschenkt werden. Aber um dieses Geschenk muss man sich – das lehrt die Erfahrung – anspruchsvoll und mit großer Zähigkeit bemühen; ähnlich wie um die Liebe zu unserem Nächsten. „Wie haben wir uns gemüht und geplagt“, erinnert sich Paulus, „bei Tag und bei Nacht haben wir gearbeitet.“ Von daher lautet also die zuverlässige Devise, die uns die Hl. Schrift ans Herz legt: Du bleibst glaubwürdig und treu, und in deinem Leben werden Wort und Tat übereinstimmen, wenn du in deinem Bemühen um uneingeschränkte Treue zum Wort Gottes nicht nachlässt und dich so der ganzen Liebe Gottes öffnest, die er dir dann in jedem Fall auch schenken wird.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Hinweise für Allerseelen
Vom 1. bis 8. November kann täglich einmal ein vollkommener Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden. Neben den üblichen Voraussetzungen (Beichte, wobei eine zur Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt; entschlossener Abkehr von jeder Sünde; Kommunionempfang und Gebet auf Meinung des Heiligen Vaters – diese Erfordernisse können mehrere Tage vor oder nach dem Kirchen- bzw. Friedhofsbesuch erfüllt werden) sind erforderlich:
a) am Allerseelentag (einschließlich 1. November ab 12 Uhr): Besuch einer Kirche oder öffentlichen Kapelle, Vaterunser und Glaubensbekenntnis; in Hauskapellen können nur die zum Haus Gehörenden den Ablass gewinnen;
oder b) vom 1. bis zum 8. November: Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen.
Fehlt die volle Disposition oder bleibt eine der Bedingungen unerfüllt, ist es ein Teilablass für die Verstorbenen. Ein solcher kann in diesen und auch an den übrigen Tagen des Jahres durch Friedhofsbesuch wiederholt gewonnen werden.
Wo zu Allerheiligen am Nachmittag Totenfeiern üblich sind, soll in ihnen nicht nur die Trauer, sondern vielmehr das österliche Heilsgeheimnis der Auferstehung zum Ausdruck kommen.
Pfarrnachrichten 43/2011 - 30. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St.Pantaleon!
Wissen Sie, wie es sich mit der Liebe als dem wichtigsten und dem ebenso wichtigen Gebot verhält? Jesus erteilt treffend Antwort darauf.
Nachdem Jesus in der Frage nach der Auferstehung „die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte“, forderte ihn „ein Gesetzeslehrer“ mit der Frage heraus: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ Angesichts der 248 Gebote und der 365 Verbote des alten Testamentes eine nicht leichte Aufgabe, die nur ein „Meister“ richtig lösen konnte. Jesus bestand die „Probe“. Seine Gegner verstummten.
Das Besondere der Antwort Jesu besteht nicht darin, dass er das berühmte Schema Israel (Deuteronomium 6,4f), das der fromme Jude bis heute morgens und abends betet: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ in leicht geänderter Fassung mit dem Gebot der Menschenliebe aus dem Buch Levitikus (19,18) zusammen bringt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das Besondere liegt in der Präzisierung, wie beide Gebote jenseits der reinen Vernunftlogik miteinander verwoben sind.
Bei der katechetischen Unterweisung der Heiden etwa, die zum jüdischen Glauben übertreten wollten, war die Konzentration auf das doppelte Liebesgebot der Gottes- und Menschenliebe weit verbreitet. Jesus jedoch lehrte eine besondere Rangordnung und Beziehung dieser beiden Gebote. Das war neu.
Die Gottesliebe, sagt Jesus, ist „das wichtigste und erste Gebot“. Im Folgenden wird er scheinbar unlogisch; denn wie kann das erste Gebot „das wichtigste“ sein, und das zweite „ebenso wichtig“? Der Heilige Augustinus löst den scheinbaren Widerspruch folgendermaßen auf: Das erste Gebot sei in der Ordnung des Gebotenen das wichtigste. In der Ordnung des Tuns jedoch habe das zweite Gebot den Vorrang. Man könne den unsichtbaren Gott doch gar nicht lieben, wenn man ihm nie wirklich begegnet sei, ihn bislang nicht richtig wahrgenommen habe. Deshalb solle man zuerst den Nächsten lieben, den man sieht, und dann begegne man als Grund und Ursache dieser Liebe dem unsichtbaren Gott. Dann wiederum begreife man, dass die Gottesliebe wichtiger sei als die Nächstenliebe und unbedingt an erster Stelle stehen muss.
Augustinus betont damit im Sinne Jesu den Vorrang der Gottesliebe vor der Menschenliebe, ohne damit die Menschenliebe an die zweite Stelle zu setzen. Indirekt kritisiert er damit die Neigung, sich auf die Menschenliebe zu beschränken. Dem hohen Anspruch wahrer Menschenliebe kann nur genügen, wer sich der Gottesliebe hingibt. Ohne die Priorität der Gottesliebe wird Menschenliebe zur Philanthropie, für die man den in Jesus menschgewordenen Gott nicht mehr braucht. Seine Inspiration jenseits einer nur durchschnittlichen Mitmenschlichkeit ginge ebenso verloren wie der Glaube an ihn. Papst Benedikt hat in seiner Freiburger Rede zwischen den Zeilen auch darüber gesprochen. Es lohnt sich, sie daraufhin erneut zu lesen, im Gebet zu bedenken und danach zu handeln.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 42/2011 - 29. Woche im Jahreskreis (A)
Entweltlicht in der Welt
Zur Zeit Jesu musste jeder eine „Kopfsteuer“ zahlen. Die Steuermünze trug das Abbild des römischen Kaisers und die Inschrift: „Kaiser Tiberius, anbetungswürdiger Sohn des göttlichen Augustus“. So war sie Ausdruck einer verkehrten Welt: Ein Regierungschef und sein Staat maßen sich göttliches Wesen auf Kosten anderer an, und legitimierten damit zugleich ihre vermeintliche Autorität. Demgegenüber „hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht“, eine durch irgendeinen Glauben begründete Rechtsordnung vorgegeben. „Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen“, wie Papst Benedikt vor dem Deutschen Bundestag sagte, wobei freilich der Zusammenklang beider Bereiche „das Gegründetsein in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt“.
Die Steuermünze war so fragwürdig wie die Absichten der Pharisäer, die ihre Jünger mit den „Anhängern des Herodes“ zum Schmeicheln zusammen brachten: „Wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst“, um schließlich den Herrn mit einer Fangfrage auszuschalten: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“
Die öffentliche Steuerverweigerung galt als Kapitalverbrechen. Die Pharisäer haben damals mangels innerer Stärke vor der Übermacht der Römer kapituliert, sich arrangiert und schließlich kollaboriert. So auch hier. Gemeinsam mit den Herodianern gingen sie gegen den vor, der „wirklich den Weg Gottes lehrte“. Aber „Jesus erkannte ihre böse Absicht“. Er sollte entweder als Kapitalverbrecher von den Römern abgeführt oder öffentlich als Steuerzahler, und damit als Verräter ‚der Wahrheit und der Wege Gottes’ bloßgestellt werden. „Ihr Heuchler“, erwiderte er und forderte sie auf, ihm eine Steuermünze zu zeigen.
Dumm, wie Mitläufer es oft sind, „hielten sie ihm einen Denar hin“. Damit hat Jesus die Sache für sich entschieden. Nicht er, sondern sie waren Verräter. Nicht er, sondern sie waren unterwürfige Steuerzahler. Die kompromittierende Münze, die sie sogleich zur Hand hatten, legte alles offen. Jesus ließ sie sich nur zeigen. Er nahm sie nicht einmal in die Hand.
Dann sagt der Herr das Entscheidende: „Gebt also dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, und Gott was Gott gehört.“ Das erinnert an die Mahnung von Papst Benedikt in seiner Freiburger Rede vor engagierten Katholiken, sich zu „entweltlichen“ und doch zugleich in der Welt zu sein. Die ersten Christen haben so gelebt: Als Beamte, Landwirte, Handwerker, Soldaten, Geschäftsleute, Jungfrauen, Mütter, verheiratete Väter, Musiker, Dichter und Philosophen. Der weltlichen Übermacht der Römer und dem Trend der Zeit vermochten sie bis zum Martyrium zu widerstehen, weil sie vor dem Abbild des Kaisers nicht in die Knie gingen, sondern betend das Abbild Gottes suchten, das er seiner ganzen geliebten Schöpfung eingeprägt hat. Um es zu finden, muss man freilich zuerst beten und beten und noch einmal beten. Daraus folgt dann das rechte Tun. So haben die scheinbar Machtlosen betend, und erst dann handelnd, das zu Unrecht gewordene römische Herrschaftssystem schließlich bezwungen und dem Zusammenklang der in Gott gegründeten Natur und der Vernunft des Menschen als Spiegel der schöpferischen Vernunft Gottes bis in unsere Gegenwart zu seinem Recht und einer wunderbaren Entfaltung verholfen.
Wir Christen sind manchmal dabei, durch Verweltlichung, Anpassung und innere Aufweichung das wieder aufzugeben. Darum ist der Papst in sein Heimatland gekommen und hat Wichtiges gesagt. Man muss die geradezu prophetischen Deutschlandreden des Papstes deshalb mehrmals lesen, sie genauer bedenken und ins Gebet nehmen. Dann öffnen sie Augen und Herz und weisen den rechten Weg.
Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 41/2011 - 28. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Die erste Lesung und das Evangelium sprechen von einem Festmahl, bei dem der Herr allen, nicht nur den Privilegierten, „feinste Speisen“ (Jesaja), „Ochsen und Mastvieh“ (Matthäus) bringen lässt. Mit dem Bild vom Festmahl feiert der alttestamentliche Text Gott als den, der rettet: „Wir wollen jubeln und uns freuen“. In Ergänzung dazu betonen die anderen Perikopen, dass der Mensch diesem rettenden Gott deshalb mit Frömmigkeit und Gottesfurcht zu entsprechen hat.
Paulus erklärt den Philippern am Beispiel seines Leben, was dann passiert: Er komme mit Entbehrungen gleichermaßen zu Recht wie mit Überfluss. Durch Frömmigkeit und Gottesfurcht vermag er alles „durch IHN, der mir Kraft gibt.“
Frömmigkeit und Gottesfurcht entstehen aus der Gotteskindschaft: ein kindliches Vertrauen, das durch beständige Pflege wie von selber, also gnadenhaft, im Inneren des Menschen durch Gottes Nähe wächst und positiv verändert. In der Folge stellen sich Gleichmut und Größe, Gelassenheit und Noblesse ein. – Nehmen wir uns doch einmal reichlich Zeit für die ernste und zugleich befreiende Frage: Fällt es unseren Nachbarn durch unsere Präsenz ähnlich leicht wie damals den Philippern durch die Nähe des Paulus, an Gott und seine verwandelnde Kraft zu glauben?
In Evangelium wird das vertieft. Die mit vielen Vorzügen ausgestatteten Großen und Edlen sind viel zu sehr mit sich selber beschäftigt. Auch die zweite Einladung zur Hochzeitsfeier schlagen sie aus. Sie fällt ihnen sogar lästig und einige fallen über die Diener her. Ihre Ichbezogenheit macht sie blind dafür, dass sie ohne den einladenden Gott an sich selber ersticken und zu Grunde gehen.
Man spürt im Evangelium, menschlich gesprochen, den heiligen Eifer und die unendliche Sehnsucht Gottes nach dem Menschen. Er gibt ihn allem zum Trotz nicht auf. Auf Drängen des Herrn schwärmen die Diener zum dritten Mal aus und der Festsaal füllt sich gleichermaßen mit Guten und Bösen. Und doch unterschieden sie sich: Die Bösen haben schließlich auch das Hochzeitskleid der Barmherzigkeit Gottes angezogen. So sind nun auch sie im Himmel mit den Guten am richtigen Platz.
Einer jedoch hält das hochzeitliche Gewand der göttlichen Barmherzigkeit für überflüssig; auch noch, als er darauf angesprochen wird. So verurteilt er sich selber dazu, fortan „zu heulen und mit den Zähnen zu knirschen“.
Es gibt eine innere Einstellung, mit der die hier angesprochenen Wahrheiten des Menschen über sich selber wunderbar zu verstehen sind. Der Heilige Josefmaria Escrivá hat sie einmal in der ihm eigenen Tiefe spiritueller Erfahrung wie folgt auf den Punkt gebracht (Der Weg, 425): „Zu wissen, dass Du mich so sehr liebst, mein Gott, und – ich habe noch nicht den Verstand verloren?“
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 40/2011 - 27. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
In der ersten Lesung wie im Evangelium von diesem Sonntag wird von einem Gutsbesitzer erzählt, der einen herrlichen Weinberg anlegt. Liebevoll, ohne Mühe zu scheuen, gräbt er ihn um. Der schützende Zaun, ergänzt durch einen hohen Turm, der alles überschauen lässt, hält Diebe und Räuber fern. Durch die neu angelegte Kelter ist erntefrischer Most garantiert. Aber die Hoffnung auf süße Trauben und edlen Wein geht nicht in Erfüllung.
Im neutestamentlichen Gleichnis sind die Pächter daran schuld. Nach den Knechten bringen sie skrupellos auch den Erben, den Sohn des Besitzers um. Sie wollen den Weinberg fortan für sich alleine, zu ihrem Vorteil und nach ihren Vorstellungen bewirtschaften.
Mit dem Sohn und Erben meint Jesus sich selber als Sohn Gottes. Dem alttestamentlichen Weinberglied ist der Menschensohn noch unbekannt. Mit dem Weinberg aber ist bildhaft schon im alten wie dann im neuen Testament der von Gott geschaffene Mensch gemeint.
Gott hat sich, menschlich gesprochen, viel Mühe mit ihm gegeben. Er ist ihm auch wunderbar gelungen; wie der Weinberg. Aber es steckt in ihm ein Keim des Verderbens, der sein ganzes Leben elend und fruchtlos machen kann. Diesen Keim des Verderbens hat die Schlange schon sehr früh wie Blendwerk ausgesät (Buch Genesis, 3,5): »Sobald ihr davon esst, werdet ihr wie Gott«. In den bildhaften Weinbergreden würde die Schlange sagen: »Genieß dich selber. Mach alles mit dir selber aus. Sei dein eigener Maßstab, dein eigener Herr und Gott«.
Wenn die Weinbergreden unsere Ohren nicht streicheln und unbarmherzig hart daherkommen, sind sie dennoch keine Drohbotschaft. In der zweiten Lesung korrigiert Paulus mögliche Missverständnisse: Gott ist ein Gott des Friedens, »der alles Verstehen übersteigt«. Er bewahrt »eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus«. – Die Weinberggleichnisse sind hart und kantig, um das Elend der Gottlosigkeit auf den Punkt zu bringen.
Ganz unberührt davon erklärt die Schlange auch heute ganz im Trend der Zeit: »Gott lügt. Du brauchst ihn nicht. Mit dem Zaun und dem Wachturm schränkt er dich nur ein. Und mit der Kelter nimmt er dir alles weg. Vergiss ihn. Erst dann wirst du wirklich leben«.
Gegen diesen Ungeist hat Papst Benedikt wiederholt seine Stimme erhoben (u.a. am 24.04.2005): »Wer Christus einlässt, dem geht nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist. Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles«.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 39/2011 - 26. Woche im Jahreskreis (A)

- Der Papst im Bundestag - 22. September 2011
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Nach langer Nachtfahrt müde aber glücklich aus Berlin zurück, verweise ich für die Pfarrnachrichten mit dem folgenden Link auf einen Kommentar zur Papstrede im Deutschen Bundestag einer eher als liberal geltenden überregionalen Tageszeitung.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 38/2011 - 25. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Das Gleichnis vom Weinberg, das diesen Sonntag aus dem Matthäusevangelium vorgetragen wird, ist schwer zu verstehen. Ein Gutsbesitzer wirbt wie üblich wohl um 6:00 Uhr früh Arbeiter für seinen Weinberg an und einigt sich mit ihnen auf einen Denar für den Arbeitstag (bis 18:00 Uhr), den damals üblichen Lohn für einen Tagelöhner. Auch damals gab es so etwas wie einen Mindestlohn.
Überraschend an dem Gleichnis ist, dass nicht, wie sonst üblich, irgendein Verwalter, sondern der Gutsherr persönlich Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt. Auch die Einbettung des Gleichnisses in das Ganze des Matthäusevangeliums ist überraschend. Kurz vorher hatte Petrus den Herrn zur Rede gestellt (Mt 19,27): »Du weißt, wir haben alles verlassen und sind der nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?«
Die Jünger beschäftigte die aus irdischer Sicht nachvollziehbare Frage: Was bringt uns das Ganze? Bleibt am Ende auch für uns etwas übrig für den Einsatz, den wir hier aufbringen? Ausdrücklich sagt Matthäus, dass Jesus seinen Jüngern, also dem engsten Kreis seiner Vertrauten und eben nicht der Menge dieses Gleichnis erzählt.
Fragt man sich als gläubiger Christ nicht auch manchmal: Ich halte die Gebote und verzichte auf manches, was sich andere, den bequemsten Weg suchend, wie selbstverständlich leisten. Dann spende ich auch regelmäßig und schenke anderen von meiner Zeit und Kraft. Rechnet sich das? Von daher ist das Gleichnis nicht nur an die Jünger sondern ebenso besonders an die bewusst aus der Kraft des Glaubens Lebenden, an die Arbeiter der ersten Stunde gerichtet.
Überraschend am Gleichnis ist zudem, dass der Gutsherr mit den später hinzukommenden Arbeitern um 9:00, um 12:00 und um 15:00 Uhr keinen bestimmten Lohn vereinbart. Er sagt nur: »Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.« Ganz außergewöhnlich und gegen jedes unternehmerische Denken ist, dass er sogar um 17:00 Uhr, nur 1 Stunde vor Schluss, noch Arbeiter anwirbt und dazu noch ein gut meinendes Gespräch mit ihnen führt: »Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Das sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!«
Richtig spannend wird es dann im zweiten Teil des Gleichnisses. Alle Arbeiter, angefangen bei denen der letzten bis schließlich zu denen der ersten Stunde, erhalten denselben Lohn: Einen Denar. Die Arbeiter der ersten Stunde, die sich bei der auf Anweisung des Gutsherrn zuerst vorgenommen Auszahlung der Arbeiter der letzten Stunde verständlicherweise heimliche Hoffnungen gemacht hatten, sind empört. Sie »begannen, über den Gutsherrn zu murren.«
Dem Wortführer erwidert der Gutsherr, wenn man die schönredende deutsche Einheitsübersetzung durch eine wörtliche ersetzen darf: »Verschwinde mit deinem Anteil und geh! Komm mir nicht mehr unter die Augen. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten. Ist dein Blick böse, weil ich gut bin?«
Gott ist anders. Man kann mit ihm keine Geschäfte machen, wie man es sonst so kennt. Gott ist gut, ohne all die Einschränkungen, an die wir gebunden sind. Deshalb ist im Himmel ist kein Platz für diejenigen, die „einen bösen Blick“ haben. Unsere Denkweise ist viel zu eng und eingeschränkt, um die unbegreifbare Liebe Gottes zu verstehen. Wohl aber kann man sich durch betrachtendes Beten dem Gleichnis nähern. Das ist die einzige Art, um das Gleichnisses zu allmählich zu verstehen und es so zu verinnerlichen, dass es auch unser Leben immer mehr bestimmt.
Wenn es uns gelingt, uns in kleinen Schritten der Andersartigkeit Gottes anzunähern, dann werden wir die „Entlohnung“ immer vertrauensvoller ihm überlassen können.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 37/2011 - 24. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Diesen Sonntag gibt uns das Matthäusevangelium grundlegende Orientierung zum Thema Vergebung. Sie ist unverzichtbar für jede Gemeinschaft. Jeder von uns wird immer wieder schuldig und ohne Vergebung schließt jeder den anderen unwiderruflich und hoffnungslos aus. Die Gemeinschaft zerbricht und hört auf. Das schmerzhafte Scheitern vieler Ehen ist oft auf die Unfähigkeit zu vergeben zurückzuführen.
Offen schreibt ein Mann im Internet: »Ich bin in einer Ehe, wo meine Frau mir aus meiner Sicht geringste Kleinigkeiten nicht verzeiht. Ich rede von Kleinigkeiten, nicht vom Seitensprung o.ä. … Meine Fehler werden mir noch nach Jahren vorgehalten. Ich entschuldige mich, aber es wird „Wiedergutmachung“ eingefordert … Das Resultat nach 26 Jahren Ehe: alles zerrüttet. Über mich wird ein „Schwarzbuch der Missetaten“ geführt. Ich ziehe nun aus. Kein Verzeihen, keine Vergebung selbst kleinster Dinge.“
Und von einer Frau ist dort zu lesen: »Gestern Abend (wieder) Streit! Ich habe mich respektlos behandelt gefühlt, im Stich gelassen, bin erniedrigt worden. Er entschuldigt sich, ruft mich an, schreibt Nachrichten, bedauert sein Verhalten zutiefst. Es fällt mir nicht schwer, ihm zu verzeihen; ich habe mehr ein Problem mit der Tatsache, dass er mich respektlos behandelt. Ich verzeihe ihm, ja! Nur die Schwierigkeit ist, ihm WIRKLICH zu verzeihen, sodass … ich keine Wut mehr in mir habe. Es geht immer ein Teil in mir kaputt. Ich stelle anschließend die Frage, ob er wirklich DER Mann an meiner Seite sein kann. … Warum behandelt er mich immer so respektlos? … Vielleicht bin ich gar nicht in der Lage, ihm zu verzeihen, selbst wenn ich es sage!? Ich weiß es nicht, meine Gedanken sind durcheinander, bin sehr verwirrt. Ich muss nachdenken.«
Petrus fragt den Herrn (Mt 18,21): »Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?« Auf die Frage »wie oft?« nimmt Petrus die Antwort gleich vorweg: »Siebenmal?«
Die jüdischen Rabbiner kannten das dreimalige Vergeben in gleicher Sache. Irgendwann, so scheint es, muss doch einmal Schluss damit sein. Man kann doch nicht immer wieder neu vergeben!
Petrus geht deutlich weiter: »Siebenmal?« Die Zahl »sieben« drückt Vollkommenheit aus. Die siebenmalige Vergebung ist also nicht nur rein numerisch, sondern als unbeirrbare Haltung zu verstehen, allem zum Trotz immer wieder neu zu vergeben. Eigentlich hätte der Herr dem zustimmen müssen. Er antwortet aber (Mt 18, 22): »Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.«
Mit einem eindrucksvollen Gleichnis (Mt 18,23-35) verdeutlicht Christus, dass sich die Fähigkeit zur Vergebung – auch sie entgegen zu nehmen – zu einer Charaktereigenschaft entfalten muss. Nur so wird Vergebungsfähigkeit zu einem immerwährenden Verhalten, das den eigenen Lebensstil zutiefst bestimmt. Vergeben ist ein Prozess, auch ein Lernprozess, der lebenslang dauert und nie aufhört.
Vergebung setzt voraus, eigene Fehler uneingeschränkt einzugestehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Deshalb sollte es nie heißen: »Es tut mir leid, dass ich so reagiert habe, aber du hast mich auch provoziert!« Dieses »Aber« bewirkt, dass die wohlgemeinte Entschuldigung eher als Beschuldigung rüberkommt und Versöhnung unmöglich macht. Mit der Übernahme der vollen Verantwortung für den Bereich, wo man wirklich gefehlt hat, wächst die innere Stärke, die Konsequenzen zu tragen und neu zu beginnen.
Auch Wiedergutmachung will in diesem Zusammenhang gelernt sein: Wenn eine Frau ihren Fehler wieder gut machen möchte, indem sie ihrem Mann die Garage aufräumt, er ihre Hilfeleistung aber eher als Einmischung empfindet, wird die Aufräumaktion wohl einen weiteren Streit provozieren.
Der Gläubige weiß sich in allem Bemühen darum nie alleine. Gott öffnet neue Türen und zeigt ungeahnte Wege und Möglichkeiten.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 36/2011 - 23. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Jeder von uns wünscht sich Harmonie. Jeder möchte mit Menschen zusammen leben, denen er vertrauen und mit denen er gemeinsam in übereinstimmender Gesinnung etwas Gutes aufbauen kann. Zugleich weiß jeder von uns, dass dies sehr anspruchsvoll ist und leider nicht immer gelingt.
Das Leben ist oft geprägt von Konkurrenz, von Streben nach Macht und Beherrschung des anderen. Zugleich ist es geprägt von der Schwäche des Menschen. Keiner ist davon frei. Auch und gerade in der Größe des Menschen kann sich fast unbemerkt eine Erbärmlichkeit einschleichen, die alles ins Gegenteil verkehrt. Anderen können wir sehr gut raten und ihnen helfen, die Fallen der Eitelkeit, des verborgenen Stolz, der Machtgelüste wie auch der Trägheit, der Bequemlichkeit usw. besser zu erkennen und elegant zu umgehen.
Für die subtilen Erbärmlichkeiten des Menschen ist man mit Blick auf sich selber meist relativ blind; denn sie kommen mit raffinierten Begründungen, die einen selber auf’s Kreuz legen. Das eigene Denken ist nicht immer ein guter Ratgeber oder Lotse, wenn es um die Ausrichtung des eigenen Verhaltens und Tuns auf das wirkliche Gute geht. Anderen gegenüber ist das meist viel leichter. Deshalb sind wir angewiesen auf fremde Hilfe und zugleich dazu verpflichtet, anderen zu helfen.
Darum geht es im Sonntagsevangelium. »Wenn dein Bruder sündigt«, sagt der Herr (Mt. 18,15), »dann geh zu ihm und wiese ihn unter vier Augen zurecht.«
Schon die ersten Christen haben dieses Wort in besonderer Weise mit Blick auf die Gemeinschaft der Christgläubigen, also die Kirche gesehen. Diese Gemeinschaft ist einzigartig. Sie gibt es weltweit kein zweites Mal. Ihr ist der besondere Beistand des Heiligen Geistes versprochen. Von daher konnte Augustinus schon für die frühe Kirche die Zurechtweisung des Bruders mit dem Wirken Gottes zum Wohl eines jeden in Beziehung setzten. Augustinus sagt wörtlich (Reg 4,6): »Gott, der in euch wohnt, wird euch durch eure Verantwortlichkeit füreinander beschützen.«
Augustinus weiß von seiner eigen Biographie her um die Gebrochenheit des Menschen und besitzt zugleich eine große Sensibilität, für deren Auswirkungen auf andere, auch auf die gesamte Kirche, den Leib Christi. Die Verletzungen, die Menschen einander zufügen, betreffen Christus selbst, die Kirche und mit ihr die ganze Menschheit. »Denn, Brüder«, so Augustinus (Sermo 137,2 [PL 38,755]), »seht unseres Hauptes Liebe. Schon ist er im Himmel, und doch leidet er hienieden, solange die Kirche hienieden leidet.«
Ganz in diesem Sinne sagt dann viele Jahrhunderte später der Hl. Josefmaria Escrivá (Im Feuer der Schmiede 566): »Die brüderliche Zurechtweisung, deren Wurzeln im Evangelium zu finden sind, ist ein Freundschaftserweis im Zeichen des Glaubens und ein Beweis von Vertrauen. Sei dankbar, wenn du sie empfängst, und unterlasse es nicht, sie denen zu erteilen, die mit dir zusammen sind.«
Zurechtweisen heißt, den rechten Weg weisen. Das darf nie im Zorn geschehen. Auch darf dem anderen dabei nicht der Kopf gewaschen werden. Jesus hat es vorgemacht: Eher sind die schmutzigen Füße an der Reihe. Nach seiner Aufforderung zur Zurechtweisung gibt der Herr auch das Ziel einer solchen an (Mt 18,15): »Hört Dein Bruder auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen.«
Wer also jemanden auf den rechten Weg zurückbringen möchte, tut dies nicht zu seinem Privatvergnügen oder aus persönlichem Ärger heraus, sondern im ausdrücklichen Auftrag Gottes. Das Sonntagsevangelium nennt eine Reihe sehr interessanter Vorraussetzungen, wodurch dies gewährleistet ist; insbesondere auch durch das gemeinsame Gebet (Mt 18, 19): »Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.«
Ihr Pfr. Dr. Voker HIldebrandt
Pfarrnachrichten 35/2011 - 22. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Letzen Sonntag hörten wir vom beeindruckenden Messiasbekenntnis des Petrus: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt. 16,16). Der Herr hat daraufhin Petrus zum Felsen auf Erden gemacht, auf den er seine Kirche bauen werde und erklärt: »die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen« (Mt 16,18).
An diesem Sonntag hören wir, was sich unmittelbar im Anschluss daran ereignet hat. Jesus kündigt mit Worten des Evangelisten Matthäus wie folgt sein Leiden an: »Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen« (Mt 16, 21). Petrus nimmt sich den Herrn zur Seite, »machte ihm Vorwürfe« und sagt ihm (Mt 16,22): »Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!«
Wer von uns hätte es nicht genauso getan.
Daraufhin geschieht das Unglaubliche: »Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen«. (Mt 16,23).
Wer sich in diesen Zusammenhang wirklich hineindenkt, kann nicht anders, als den Atem anhalten. Der soeben ernannte erste Papst, »du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16, 18), wird nun Satan genannt.
Jesu hat den Satan, den Versucher, schon reichlich kennen gelernt. Das Hauptziel Satans besteht damals wie heue darin, Gott zu widersprechen. Satan will nicht, was Gott will. Satan will sein eigener Gott sein. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Und er scheut auch nicht davor zurück, den noch unreifen, eben erst gekürten Papst für seine Ziele zu missbrauchen.
In der unvermischten, zugleich ungeteilten Verbundenheit mit Gott widersteht der Mensch Jesu dieser Versuchung, die ihm Satan ins Ohr flüstert durch Petrus, dem engsten Freund Jesu auf Erden, dem er soeben seine ganze zukünftige Sendung auf Erden anvertraut und in die Hände gelegt hat.
Der Versucher gibt nicht auf. Am Ende des lukanischen Berichtes über die drei großen Versuchungen in der Wüste stehen wie beiläufig und schnell überlesen, die gewichtigen Worte (Lk 4,13): »Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.« Diesen Zusatz »für eine gewisse Zeit« finden wir nur bei Lukas. Wenn dieser Zusatz bei den anderen Evangelisten nicht zu finden ist, bedeutet das nicht, dass er unwichtig und zu vernachlässigen wäre.
»Für eine gewisse Zeit …« Danach aber versuchte der Satan Jesus immer wieder einmal zu Fall zu bringen. Heute versucht der Satan sich an uns. In seiner Gerissenheit ist er uns allen überlegen und legt uns so elegant auf’s Kreuz, dass wir in genau diesem Moment meinen, eigentlich doch jetzt das Richtige, Wahre und Gute zu tun.
Der letzten großen Versuchung widersteht Jesus in den dramatischer Stunden des Ölgartens vor seinem Tod am Kreuz. Mit seinem Tod löst er nun auch selber die Antwort auf die Frage ein, wie man denn dieser, dem Menschen überlegenen Gerissenheit des Teufels überhaupt widerstehen kann. Nach der uneingeschränkten Abweisung des Petrus, stehen am Ende des Evangeliums von diesem Sonntag die Worte, die ich uns allen sehr ans Herz legen möchte (Mt 16,24f): »Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.«
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 34/2011 - 21. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Zur Zeit Jesu war Cäsaréa Philíppi ein berühmter Wallfahrtsort. Auf dem imposanten Felsmassiv neben der Ortschaft stand damals eine große und beeindruckende Tempelanlage. Herodes der Große hatte sie zu Ehren des Kaisers Augustus errichten lassen, der ihm dieses Gebiet geschenkt hatte.
Vor dieser Kulisse ereignete sich, was wir an diesem Sonntag im Evangelium hören werden. Der Herr fragt seine Jünger, für wen die Menschen ihn halten. Sie antworteten (Mt. 16, 14): »Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.« Auf diese Antwort hin spricht er sie auf ihre Position an: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Daraufhin antwortet Petrus, wie oft in solchen Situationen, als Wortführer der anderen (Ibid., 16): »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“
Die Frage des Herrn und die Antwort des Petrus an genau diesem Ort sind auch insofern höchst pikant, weil sich damals die römischen Kaiser, angefangen bei eben jenem Augustus, mit „Sohn Gottes“ anreden ließen. Münzen und Inschriften belegen es.
Hier also wird der Vergottung des römischen Imperiums und seiner Herrscher eine klare Absage erteilt. – Ist das nicht auch heute wieder sehr nötig, wo die schwankenden, krisengeschüttelten Finanzmärkte und die exorbitanten Staatsverschuldungen Denken und Leben über die Maßen beherrschen und zum Ein und Alles geworden sind?
Ein weiteres an diesem Ort, dem nicht nur die Tempelanlage zu Ehren des vermeintliche kaiserlichen „Gottessohnes“ großen Zulauf und Attraktivität verschaffte, ist interessant. Hier befand sich auch das Heiligtum des griechischen Gottes Pan. Im Zweifelsfalle war dieser Gott einfach für alles zuständig.
Hier in Cäsaréa Philíppi konnte man diese von Menschen geschaffenen Götter hautnah erleben. Felsenfest standen sie da, und es schien, als könne niemand an ihnen rütteln.
Diese selbstgemachten Götter sind wie Unkraut. Immer wieder wachsen sie nach. Ist ein Götze tot, steht schon der nächste vor der Tür. – Weder Aktienkurse noch Gesundheit oder ähnliche, von Menschen geschaffene Götter wie Geld, Besitz, Ansehen, Egoismus, Macht, Sex usw. sind ein Ersatz für den einen, wahren, in Jesus Christus menschgewordenen Gott, den Petrus wider dem Zeitgeist von damals wie heute bekennt.
Mit dem »ihr aber« (s.o.) sind nun auch wir gemeint.
Die berühmte Frage von Gretchen an Faust in Goethes Tragödie Erster Teil (Vers 3415) ist und bleibt aktuell: »Wie hast du’s mit der Religion?« – Nicht von ungefähr wird seitdem eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage als Gretchenfrage bezeichnet.
Ein Zweites steht im Mittelpunkt des Sonntagevangeliums und hat es weltbekannt gemacht; nämlich die Antwort Jesu auf das Messiasbekenntnis des Petrus(Mt 16,17-19):
»Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.«
Vor den naturgewaltigen Felsen in Cäsaréa Philíppi werden nicht nur die scheinbar unerschütterlichen Götter „Marke Eigenbau“ ins Wanken und zu Fall gebracht, sondern zugleich – gewissermaßen als Antwort darauf – von Gott selber durch seinen Sohn Jesus Christus ein Fels auf Erden gestiftet, der allen Anfechtungen bis zum Ende der irdischen Zeit widerstehen wird: Das Amt des Petrus ist durch Gottes Gnade unfehlbar, wenn der Papst »als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen … eine Lehre über den Glauben oder die Sitten in einem endgültigen Akt verkündet«. (vgl. u.a. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 891).
Der Weltjungetag ist beredtes Zeugnis für die Lebendigkeit und die reichen Früchte dieser ungebrochenen Glaubenstradition.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 33/2011 - 20. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Der heilige Matthäus überrascht uns diesen Sonntag mit einer nicht nur auf den ersten Blick ganz unerwarteten Reaktion Jesu. Kurz vorher waren Pharisäer und Schriftgelehrte eigens aus Jerusalem zu ihm gekommen, um ihn warnend die Frage zu stellen, warum er seine Jünger nicht zu den üblichen Reinheitsvorschriften verpflichte. Daraufhin hatte sich der Herr in das benachbarte, aber heidnische Tyrus und Sidon zurückgezogen. Dort würde man ihn nicht zu schnell erneut belästigen.
Aber es kam anders. Eine kanaanäische, also für Juden ungläubige Frau näherte sich ihm höchst auffällig. Ihr Rufen muss nach dem von Matthäus verwendeten griechischen Ausdruck „ekrazein“ ein schrilles Schreien gewesen sein (Mt. 15,22): »Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief („ekrazein“): Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.«
»Jesus aber gab ihr keine Antwort« Er würdigt sie keines einzigen Blickes. Das verwundert.
Darüber hinaus weist er die Bitte der Jünger zurück (Mt 15,23): »Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her«. Sie scheinen ungeordnet, weil nicht ganz selbstlos zu bitten; zu sehr aus dem Wunsch heraus, endlich Ruhe zu haben.
Die Reaktion Jesu gegenüber der Frau und den Jüngern lässt zugleich deutlich werden, dass jede Vorstellung eines „Kuschel– oder Softi–Jesus“ hier völlig fehlt am Platz ist. Auch die anderen Lesungen dieses Sonntags betonen, dass Jesus von seinem himmlischen Vater (Mt 15, 24) »nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt« ist. Von dieser ihm aufgetragenen Aufgabe – was „heilstheologisch“ an anderer Stelle näher zu erörtern wäre – lässt er sich nicht abbringen.
Darüber hinaus ist Liebe nur dann wahr und echt, wenn sie geordnet ist. Die Fürsprache der Jünger für diese Frau entspricht dieser Anforderung nicht. Wie aber sieht es bei der bittenden Frau aus?
Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass ihre Liebe geordnet ist. Sie will nicht einfach eine Gelegenheit, die sich ihr scheinbar unerwartet und überraschend bietet, letztlich nur in egoistischer und eigennütziger Weise nutzen. Matthäus berichtet (Mt 15,25): »Sie fiel vor ihm nieder und sagte: Herr hilf mir!«
Ihr Bitten ist demütig. Es ist durchwoben von wahrer Ehrfurcht. – Das steht beim Evangelisten zwischen den Zeilen; denn der Herr erwiderte ihr (Mt 15.26): »Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.«
Es war im Volk Israel damals üblich, die Heiden als »Hunde« zu bezeichnen. Die Worte Jesu sind von daher weder geringschätzig noch verachtend gemeint. – Für das Verständnis des Ganzen wichtiger und entscheidender ist die Haltung der Frau. Sie entgegnet Jesus (Mt 15,27): »Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.«
Sie willigt also ein, wie Gott sein Heil uns Menschen schenkt. Dem Volk Israel kommt hier ein klarer Vorrang zu. Da lässt sie keinen Neid aufkommen. Zugleich wird deutlich, dass sie als wahrhaft Bittende kommt, die keinerlei Ansprüche stellt. Sie legt alles in Gottes Hand. Sein Wille soll geschehen.
Damit offenbart sie sich als wahrhaft Gläubige und wird uns abschließend als Vorbild geordneten Bittens und liebenden Vertrauens vor Augen gestellt (Mt 15,28): »Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.«
Ist auch unser Beten und Bitten von einer solchen Demut und rechten Ordnung in der Liebe und im Vertrauen geprägt?
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 32/2011 - 19. Woche im Jahreskreis (A)
LIebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Der Sturm auf dem See Genesaret hat immer wieder die großen Meister der Malerei zu eindrucksvollen Gemälden inspiriert. Darüber hinaus wird der „biblische Sturm“, wie ihn etwa der Evangelist Matthäus für diesen Sonntag (Mt., 14,22-33) erzählt, als Hauptereignis von bedeutsamen, die Haupterzählung erklärenden und deutenden Begleitumständen umrahmt.
Mit fünf Broten und zwei Fischen hatten die Jünger durch das geheimnisvolle und wunderbare Wirken des Herrn an einem abgelegnen Ort weit über 5.000 Menschen gesättigt; und von den Resten zwölf Körbe voll eingesammelt. Diese Erzählung von der wunderbaren Brotvermehrung wurde uns vergangenen Sonntag mit in die Woche gegeben.
Nun überrascht es, dass der Herr kurz nach diesem wundervollen Ereignis, offenbar mit einer gewissen Eile und mit Nachdruck, die Jünger auffordert, »ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten.« - So erzählt es der Evangelist Matthäus (Vers 22 f).
Der Evangelist scheint durch seine Erzählweise die Absicht des Herrn unterstreichen zu wollen, nicht beim Vordergründigen stehen zu bleiben und vor allem nicht im Glanz der durch Gottes Gnade bewirkten Wohltaten in trügerischer und selbstgefälliger Weise zu verweilen. … So drängt er sowohl die Jünger, wie auch die Leute, möglichst umgehend nach Hause zu gehen und besteigt selber den nahe gelegenen Berg, um zu beten.
Jesus wirkt also Wunder, um die Kraft eines Lebens ganz aus dem Glauben sichtbar zu machen; und zu einem solchen Leben zu motivieren. – Der Sturm auf dem See, der die Jünger kurz nach diesen Ereignissen überrascht, und schließlich zur Begegnung mit dem über das Wasser wandelnden Herrn führt, soll den Jünger dafür die Augen öffnen.
Sie hatten mit eigenen Augen gesehen und dabei mitgewirkt: Mit nur fünf Broten und zwei Fischen vermochten sie durch Gottes Gnade eine unüberschaubare Menschenmenge zu sättigen. – Aber jetzt, alleine auf dem See und dem gnadenlosen Sturm ausgesetzt, scheint das alles wie vergessen. Und noch schlimmer: Als der Herr ihnen auf dem Wasser entgegenkommt (Vers 26), »meinten sie, es sei ein Gespenst und sie schrien vor Angst«.
Nur Petrus wagt schließlich, es dem Herrn gleich zu tun: Auf Jesu Wort hin »komm«, »stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.« (Vers 28 f) – Aber auch dieses Mal ist der Glaube des Petrus nur von kurzer Dauer. Durch den Sturm, den Wind und die Wellen von seiner Sammlung auf Jesus hin eine kurzen Augenblick abgelenkt, »bekam er Angst und begann unterzugehen.« (Vers 30)
Wilhelm Völker hat in seinem 1845 geschaffenen Ölgemälde auf Leinwand (93,5 x 101 cm) die Hauptaussage dieser biblischen Erzählung in ganz eigener Weise ins Bild gesetzt: Ein junges Mädchen bittet den Pfarrer, erfüllt vom Glauben an die heilende und erlösende Kraft des in der Heiligen Eucharistie wirklich gegenwärtigen Jesu, ihrem sterbenden Vater den Lieb Christi als letzte Wegzehrung zu reichen.
Aber der Fährmann weigert sich und stemmt sich mit ganzer Kraft gegen den Glauben des Mädchen, des Priesters und des ihm vertrauensvoll folgenden Messners. Mädchen und Priester geben durch Gestik und Blicke dem Fährmann zu verstehen: Christus selber wird in der Hostie mit uns im Boot sein. Der nahende Sturm und die gefährlich wachsenden Wellen werden uns nichts anhaben können. … Der Fährmann aber denkt nur irdisch; und stemmt sich gegen den vertrauens– und hoffnungsvollen Glauben der Drei.
Wie würden denn Sie Ihr Vertrauen auf Jesu und Ihren Glauben an seine geheimnisvolle Wirksamkeit und Gegenwart im Sakrament des Altares, mindestens Sonntag für Sonntag, ins Bild setzten? – Beschäftigen Sei sich mit dieser Frage doch eine kurze Weile. Ihr Bemühen darum wird Sie die Aussageabsicht des Sonntagevangeliums sehr viel besser verstehen lassen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 31/2011 - 18. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Die Sommerpause tut gut und sie ist auch nötig. Leicht wächst uns die Arbeit über den Kopf. Auch wenn wir da vielleicht manchmal übertreiben, ist es doch so, dass schon allein dieser Eindruck uns zusätzlich lähmt und Kraft raubt.
So fühlten sich offenbar auch die Apostel, ja sogar unser Herr Jesus Christus selber – insofern er nicht nur Gott sondern in der Einzigkeit seiner Person zugleich auch ein Mensch wie wir ist – immer wieder einmal überfordert und an der Grenze der eigenen Möglichkeiten angelangt. So berichtet der Evangelist Matthäus unter anderem, dass Jesus, nachdem er gehört hatte, „dass Johannes (der Täufer) enthauptet worden war, mit dem Boot in eine einsame Gegend fuhr, um allein zu sein.“ (Mt 14,13)
Der schmachvolle Tod seines Wegbereiters wird ihn nicht nur schmerzlich berührt, sondern auch vor Augen geführt haben, wie wenig wir als Menschen letztlich bewegen und bewirken können. Die Bewohner Israels waren wohl in Scharen zum Täufer an den Jordan gekommen. Viele haben sich taufen lassen. Aber all das schien wie vergessen. Wie ein heruntergekommener Verbrecher wurde Johannes enthauptet; und nur noch wenige nahmen Notiz davon.
Wird das auch sein Schicksal sein, wenn einmal sein Weg am Kreuz enden wird? Wird dann alles vergebens gewesen sein? – Diese und ähnliche Fragen werden dem Herrn gekommen sein und ihn bedrückt haben. So muss er sich zuerst einmal zurückziehen, Abstand gewinnen, Herz und Kopf sortieren, um wieder klar sehen zu können.
Schließlich siegt das Mitleid, angesichts all der „Leute, die ihm zu Fuß nachgingen.“ (Mt 14,13) Durch sie wird ihm bewusst: Sie brauchen ihn. Auf ihn haben sie große Hoffnung gesetzt. Sie erwarten vieles von ihm. „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitlied mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.“ (Mt., 14,14)
Der Rahmen des Evangeliums von der Brotvermehrung (Mt 14,13-21), das wir an diesem Sonntag hören, ist höchst bedeutsam.
Als es Abend wurde, und die Vielen immer noch beim Herrn verweilten, werden die Apostel ungeduldig und sie drängen den Herrn voller Sorgen, sogar ein wenig vorwurfsvoll: „Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ (Mt., 14,15)
Als der Herr ihnen daraufhin erwidert (Mt 14,16): „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen“, da bricht auch aus ihnen das menschliche Unvermögen hervor, das kurz vorher den Herrn, angesichts der menschenverachtenden Hinrichtung des Täufers, in die Einsamkeit getrieben hatte. – Sie sagten zu ihm (Mt 14,17): „Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.“ In der parallelen Überlieferung bei Johannes finden wir noch den Zusatz: „Was ist das für so viele.“ (Joh 6,9)
Der Herr ordnet an, dass sie die fünf Brote und zwei Fische herbringen und „die Leute sich ins Gras setzten“ (Mt 14,18 f) sollen. Mit der Formulierung: „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern“ (Mt 14,9) deutet der Evangelist den tieferen Sinn der Brotvermehrung, der in der Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl in Erfüllung geht und fortan Bestand haben wird: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es seinen Jüngern und sagte: Nehmt und esst, das ist mein Leib.“ (Mt 26, 26)
Alle wurden satt. „Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.“ (Mt 14,20) Von den fünf Broten und den zwei Fischen blieb also für jeden Apostel ein voller Korb übrig.
Die Sommerpause wird uns helfen, erneut zu realisieren: Solange wir das „Wenige“, was wir hervorbringen und bewirken können – die Herstellung und den Vertrieb von Brot und Wein, vielmehr können wir am Ende auch heue nicht –, in die Hände Gottes legen, wie dieser Junge auf dem Bild, werden wir, wie die Apostel, immer wieder von den Möglichkeiten Gottes überrascht, der unser Bemühen reich segnet und von Dauer sein lässt.
Ihr Pfr.. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 30/2011 - 17. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
In den Beginn der großen Sommerferien werden uns an diesem Sonntag drei Schriftlesungen hinein gegeben, die zu betrachten sehr aufschlussreich ist.
Wieder einmal macht Jesus mit drei Gleichnissen über das Himmelreich nachdenklich. Die beiden ersten sind sich sehr ähnlich: Ein Feldarbeiter entdeckt im Acker einen Schatz und ein Perlenhändler woanders eine außergewöhnlich kostbare Perle. Beide sind klug und nicht auf den Kopf gefallen: beide gehen aufs Ganze: Sie setzen ihr gesamtes Vermögen ein, um das weit Wertvollere zu erwerben. Durch Wagemut und Schlauheit gehören sie zu den Gewinnern.
Wer verstanden hat, was Jesus anbietet, wird nicht zögern, alles auf eine Karte zu setzen. Er wird das Eigene uneingeschränkt und ohne Abzüge einsetzen, um vor Gott wie ein Armer zu werden. So kann er das von Gott Angebotene im reinen und ungetrübten Glauben erwerben: „Selig, die arm sind vor Gott – das heißt, die in ihrer Gesinnung auf alles verzichten –, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,3)
Aber nicht jeder findet den Schatz oder die Perle; und nicht jeder vermag sofort aufs Ganze zu gehen. Deshalb folgt, wie am vorigen Sonntag, noch ein drittes Gleichnis: Fischer ziehen ihre Netze ans Land. Sie sortieren die guten Fische aus, die Schlechten aber werfen sie weg. – „So wird es auch am Ende der Welt sein.“ (Mt 13,49) Mit dieser Erklärung deutet der Herr das dritte Gleichnis zusammen mit den beiden vorausgehenden: Mit den klugen Entscheidungen im zeitlichen und irdischen Leben ist es wie mit den klugen Entscheidungen für die Ewigkeit: hinter dem Angebot Gottes, der einmaligen Chance, steht die ernste Warnung, sie nicht zu versäumen.
Es geht um Gewinn oder Verlust der gesamten menschlichen Existenz. Wie der mutige Landwirt und der kluge Kaufmann keinen Augenblick zögern, so wird der Christ, der begriffen hat, um was es geht, sogleich zu greifen.
„Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten Ja.“ (ibid., 51) Womöglich haben die Jünger das alles erst nach Ostern richtig verstanden, als Jesus ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift öffnete: „Alles …, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.“ (Lk 24,44). – Im Licht des Neuen verstehen sie nun das „Gleichnis” des Alten. Und so kann nun Jesus die drei Gleichnisreden für die „Jünger des Himmelreichs“ mit einem letzten Vergleich abschließen. Wie er selber, sollen nun auch sie „einem Hausherrn” gleichen, „der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt" (ibid., 52): das Alte ist nicht obsolet geworden, sondern erhält im Licht des Neuen eine weitaus höhere und größere Bedeutung.
Die beiden Lesungen des ersten Feriensonntags spiegeln ‚das Alte und das Neue’ in der gemeinten Tiefe wieder. Gott will dem jungen, noch unerfahrenen König Salomo eine Bitte gewähren, und dieser bittet um „ein hörendes Herz”, um als König das „Volk regieren und das Gute vom Bösen unterscheiden” zu können (1 Kön 3,9). Er bittet um genau das Richtige, er setzt alles auf den Schatz im Acker und die kostbare Perle. Das gefällt Gott. David erhält das kostbare Geschenk und alles Übrige wird ihm dazu gegeben. Ganz in diesem Sinne sagt der Herr dann auch wenig später noch im Mathäusevangelium (6, 33): „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“
Man kann dieses „Alte” also unverkürzt ins „Neue” hineinholen, wo freilich weit größere Güter angeboten werden. „Wir wissen“, sagt Paulus (zweite Sonntagslesung: Röm 8,28), „dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“. Wer sich aus seinem Innersten heraus für Gott entscheidet, der erfährt zunehmend, dass seine freie und ureigene Entscheidung schon ewig von Gottes Entscheidung zu ihm umgriffen und in ihr geborgen war. Die Gott wirklich lieben, sind immer schon in Christus gewesen; und nichts kann sie aus der Bahn werfen, wenn sie in dieser Liebe blieben. Diese Vorherbestimmung, von Gott angesprochen und berufen zu sein, zur Gerechtsprechung und zum ewigen Leben, ist kein schicksalhaftes Rad (vgl. Jak 3,6), sondern der in sich geschlossene Kreis der Liebe, der immer auf die ureigene Antwort jedes Menschen angewiesen bleibt.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 29/2011 - 16. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
In altrömischen Archiven aus der Zeit Jesu sind Strafttatbelege böswilligen Unkrautsäens bis heute erhalten geblieben. Um dem Konkurrenten zu schaden, kamen solche böswilligen Aktionen offenbar häufiger vor. Eigentümer wie Pächter des Ackers gingen damals also auch gerichtlich gegen die Täter vor.
Auch der Name der Unkrautpflanze ist bekannt: Taumel-Lolch (Lolium temulentum). Im biblischen Buch Hiob (31,40) wird der Taumel-Lolch hebräisch B'oscha (באשה = „Unkraut“) und im Matthäusevangelium (13,24 ff), wie wir es diesen Sonntag hören, griechisch Zizanion (ζιζάνιον = „Unkraut“) genannt.
Dieses Unkraut ist eine bekannte Art aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die Bezeichnung als „Taumel-Lolch“ beruht auf den Vergiftungserscheinungen, die in der Vergangenheit nach dem Verzehr von mit Taumel-Lolch verunreinigtem Getreide auftraten.
Er sieht dem guten Weizen zum Verwechseln ähnlich, kann sich schnell ausbreiten und ist alles andere als harmlos. Vom flüchtigen äußeren Erscheinungsbild her kann man ihn vom Weizen erst kurz vor der Ernte deutlich unterscheiden. Werden seine Körner zusammen mit der Weizenernte gemahlen, verbacken und verzehrt, kommt es zu ernsten Kreislaufproblemen, Schwindel, Sehstörungen und in einigen Fällen kann die Vergiftung auch zum Tod führen. Der Taumel-Lolch ist also höchst gesundheitsschädlich und war wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Weizen sehr gefürchtet.
Das feindliche Ausstreuen dieses Unkrautes blieb dem geschädigten Bauern lange Zeit unbemerkt. Wurde das „Unkraut“ schließlich erkannt, war es längst zu spät. Die Wurzeln des Taumel-Lolchs umklammern tückischerweise auch noch die Wurzeln des Weizens. Man musste, um doch noch einen guten Ertrag zu bekommen, bis zur Ernte warten und dann genau so, wie Jesus es im Gleichnis (Mt 13,24 ff: s.o.) beschreibt, erst das „Unkraut“ mit einer Sichel direkt unterhalb der Ähren vorsichtig abschneiden und einsammeln, um es später zu verbrennen, und konnte erst danach den guten Weizen ernten. Die Ernte musste sicherheitshalber noch mehrmals gründlich gesiebt und in Augenschein genommen werden.
Das war den in ländlichen Dingen bestens bewanderten Zuhörern Jesu alles sehr gut bekannt. So verstanden sie auch, was er ihnen mit dem Gleichnis vom Unkraut sagen wollte, das der Feind nach der Aussaat guten Samens „während … die Leute schliefen … unter den Weizen säte“.
Der Gutsherr im Gleichnis hält die Knechte in ihrem Übereifer davon ab, das Unkraut, als es schließlich zum Vorschein kam, schon vor der Ernte zu vernichten: „… sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.“
Die Zeit nach Jesus Christus „ist Zeit der Aussaat und des Wachstums. Jesus ist der Sämann. Aber nicht alles, was da wächst, ist guter Weizen“. Es wächst auch viel Unkraut: Besserwisserei, Hochmut, Unglaube, Unzucht, Spott, gegenseitige Verachtung, verletzende Entzweiung und anderes mehr. „Soll man alles Unkraut ausreißen, Menschen ausschließen? Die Antwort Jesu: Lasst beides wachsen: Es gibt den Tag des Gerichts und der großen Scheidung, das aber ist nicht Sache der Menschen.“ (vgl. Kommentar zum Sonntagsevangelium aus dem „Schott-Messbuch“).
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 28/2011 - 15. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Der Evangelist Matthäus (13,1-23) erzählt von einer großen Menschenmenge, die sich versammelt hatte, um den Worten Jesu zu lauschen. Der Herr bestieg deshalb ein Boot. In der Art eines bedeutenden Lehrers, der Wichtiges zu sagen hat, setzte er sich dort wie auf einen Lehrstuhl und redete zu der Menge in Gleichnissen. Wir hören davon diesen Sonntag.
Das uns überlieferte Gleichnis greift die Alltagserfahrung der Menschen vom Lande auf: Ein gewisser Teil der Saat, die ein Sämann aussät, bringt keine Frucht, weil dieser Teil entweder auf den Weg, auf felsigen Boden oder unter die Dornen fällt. Der Teil aber, der auf fruchtbaren Boden fällt, bringt reiche Frucht: »teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach«.
Interessant ist, dass Matthäus zu der gleichnishaften Rede auch ihre Interpretation überliefert, die Jesus selber auf die Frage seiner Apostel: »Warum redest du ihnen in Gleichnissen?« gegeben hat. Es bedarf nach der Erklärung des Herrn als Vorraussetzung zum Verstehen zuerst einmal eines gewissen Grundverständnisses. »Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat« - gemeint ist: wer dieses Grundverständnis hat –, »dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat.«
Im Grunde kann man von Gott nur in Bildern reden. Wer aber diese Bilder nicht verstehen kann oder will, weil sein Herz verhärtet (V. 15), durch weltliche Sorgen (V. 22) oder Oberflächlichkeit (V. 15) vereinnahmt ist, der kann die in den Bildern gemeinte göttliche Wirklichkeit nicht verstehen: Die Saat verdorrt, der Böse nimmt auch noch die Keime weg (V. 19).
Seinen Jüngern jedoch sagt er: »Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören«. Durch Gottes Gnade können seine Jünger ansatzweise verstehen, was Jesus ihnen erklärend darlegt. Aber das volle Verständnis ist ihnen erst nach Ostern und erst nach der Sendung des Heiligen Geistes möglich. So fragen sie jetzt nach dem Sinn der Gleichnisse, die sie erst der Heilige Geist und Wirklichkeit der Kirche recht verstehen lassen.
In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief (8,18-23) sagt Paulus, und so versteht man besser, was im Sonntagsevangelium auch hintergründig gemeint ist, »dass die ganze Schöpfung sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet.« Die Schöpfung, so Paulus, »ist der Vergänglichkeit, der Sklaverei und Verlorenheit unterworfen«. Sie liegt in Geburtswehen und bringt noch keine Frucht hervor. So ist es auch mit uns, sagt Paulus, »obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben«. Wir »seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.
Der gläubige Christ gehört zu denen, in dessen Herz ein anfängliches Verstehen der Gleichnisse Jesu bereits gelegt ist. Aber schon er hat Mühe, im Gleichnis die Wahrheit Jesu zu finden! Und er muss fürchten, dass auch in ihm, der durch Gottes Gnade und im Heilige Geist und in seiner Kirchen zu sehen und zu hören vermag, steiniger Boden das Aufgehen der Saat Gottes verhindert!
Der gläubige Christ muss also auch heute der Versuchung widerstehen, angepasst leben zu wollen. Er muss stark sein und aushalten können, einer Minderheit anzugehören. Dass es sich lohnt, darin bekräftigt ihn die Heilige Schrift, weil sie zugleich bezeugt, dass die Saat auf dem guten Erdreich hundertfach, sechzigfach, dreißigfach aufgeht, dass also die Ernte doch eine im Ganzen überwiegend gute sein wird. Und das unbedingt (vgl. die erste Lesung: Jes 55, 10-11).
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 27/2011 - 14. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
An diesem Sonntag beginnen wir das Pfarrfest mit dem Gottesdienst. Im Anschluss daran ziehen wir mit dem Allerheiligsten in der Monstranz durch die Straßen unseres Viertels. Es hat einen tiefen Sinn, so zu beginnen, und das folgende Feiern auf diese Grundlage zu stellen.
Gott hat uns Menschen etwas ganz Besonderes geschenkt, das wir als Allerheiligstes, als das höchste der Sakramente, in Prozession durch die Straßen tragen. So zeigen wir, dass der Auferstandene Christus mitten unter uns ist und uns wunderbar durch dieses Leben bis in das Reich des Himmels führen möchte.
Das Besondere an diesem Sakrament ist die Wandlung, die Verwandlung in insgesamt drei Richtungen. Da ist zum einen die Verwandlung der Substanz des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi. Diese Verwandlung ist die Grundlage der anderen zwei. Sie ist uns von Gott geschenkt; sie ist das Geschenk, »das Christus mit sich selbst gegeben hat.« (Papst Benedikt XVI)
Über diese erste und grundlegende Verwandlung und dieses besondere Geschenk sagte jüngst Papst Benedikt: »Die Eucharistie ist Nahrung für das ewige Leben, Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus seinem „Eucharistischen Gebet“ am Abend vor seinem Leiden, geht diese Dynamik hervor, die die Realität in seiner kosmischen, menschlichen und historischen Dimension umgestaltet. Alles geschieht durch Gott, durch die Allmacht seiner Liebe innerhalb der Dreifaltigkeit ... In dieser Liebe ist das Herz Christi eingetaucht. Weil er, auch in Verrat und Gewalt, Gott zu danken und zu loben weiß, werden sich auf diese Weise die Dinge, die Personen und die Welt verändern.«
Nachdem durch Gottes Größe und Liebe Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt worden sind, und Gott selber sich im Leib und Blut seines Sohnes zur Speise und zum Trank gibt, wird der Gläubige, der entsprechend vorbereitet zur Kommunion geht, ebenfalls verwandelt. Und das ist die zweite Dimension dieser Verwandlung. Papst Benedikt erklärte es so:
»Das Wort „Kommunion“, das wir auch für die Eucharistie benutzen, schließt in sich die vertikale und horizontale Dimension … ein. Den Augenblick, in dem wir das eucharistische Brot essen, als „die Kommunion empfangen“ zu bezeichnen, ist schön und äußerst vielsagend. Tatsächlich, wenn wir dies tun, treten wir in die Gemeinschaft des Lebens mit Jesu selbst ein, in die Dynamik dieses Lebens, das sich an uns und für uns hingegeben hat. Von Gott her, durch Jesus, bis hin zu uns: Es ist eine einzige Gemeinschaft, die durch die heilige Eucharistie vermittelt wird.«
Der große Augustinus etwa erzählt von einer Vision, in der er die Stimme Gottes vernahm: »Ich bin Speise der Starken ... Nicht wirst du mich in dich verwandeln wie [es sonst bei der] Speise deines Fleisches [geschieht], sondern du wirst verwandelt werden in mich.« (Bekenntnisse VII, 10,18). Anders als bei der gewöhnlichen Nahrungsaufnahme, wo die Nahrung in unser Fleisch und Blut „verwandelt“ wird, verwandelt die Eucharistie als das ganz andere Brot uns in Gott hinein.
»Dies ist entscheidend«, sagt Papst Benedikt und erklärt: »In der eucharistischen Gemeinschaft … verwandelt Christus … uns in sich selbst. … Bei dieser Begegnung wird unsere Individualität geöffnet, von ihrem Egozentrismus befreit und der Person Jesu eingefügt, der wiederum in der Gemeinschaft der Trinität lebt.«
Diese zweite Verwandlung zieht eine dritte nach sich.
Während die Eucharistie uns mit Christus vereinigt, öffnet sie uns gleichzeitig für die anderen: wir sind nicht mehr getrennt sondern eins in Christus. Die Solidarität und Einheit der Menschheitsfamilie wird nicht länger mehr von oben durch ideologische oder ökonomische Interessen bestimmt, führt Papst Benedikt aus. Solidarität und Einheit gehen nun »von der gegenseitigen Verantwortung aus, weil … wir alle Glieder eines Leibes sind, des Leibes Christi. Wir haben vom Sakrament des Altares gelernt und lernen immer wieder, was Teilen, Liebe und der Weg der wahren Gerechtigkeit bedeuten.«
hr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 26/2011 - 13. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon!
In einem Brief vom 20. Juni des Jahres hat sich der Generalvikar des Erzbistums Köln kurzfristig an alle in der Seelsorge Tätigen gewendet und schreibt: „Am 29. Juni 2011, dem Hochfest Peter und Paul, feiert Papst Benedikt XVI. den 60. Jahrestag seiner Priesterweihe. Aus diesem Grund hat die Kleruskongregation dazu eingeladen, in allen Diözesen eine 60-stündige Eucharistische Anbetung, quasi als Geschenk für den Hl. Vater mit der Bitte um Ordens- und Priesterberufungen zu halten.“
Im Schlusswort zu Stadt-Prozession am Fronleichnamstag hat unser Erzbischof dankbar auf diese Initiative hingewiesen und zu einer großzügigen Teilnahme eingeladen.
Dem möchte ich mich gerne anschließen. Im Schaukasten finden Sie eine Übersicht, an welchen Orten wann für dieses Anliegen Jesus Christus, gegenwärtig in der Heiligen Hostie, intensiv gebeten und angebetet wird.
Der selige Papst Johannes Paul II. schrieb in seinem bekannten Brief ‚Dominicae cenae’: „Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören.“
Schon in früher Christenheit haben die Kirchenväter, etwa der Heilige Ambrosius, den Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu in der Hostie unter der Gestalt des Brotes wie folgt als höchst vernünftig dargestellt: „Hier liegt etwas vor, was nicht die Natur gebildet, sondern die Segnung konsekriert (zu etwas Heiligem gemacht) hat, und die Wirksamkeit der Segnung geht über die Natur hinaus, indem sogar die Natur selbst kraft der Segnung verwandelt wird ... Das Wort Christi, das noch nicht Seiende aus dem Nichts zu schaffen vermochte, soll Seiendes nicht in etwas verwandeln können, was es vorher nicht war? Nichts Geringeres ist es, neue Dinge zu erschaffen, als Naturen zu verwandeln“ (myst. 9,50,52).
In dem auf den Heiligen Thomas von Aquin zurückgehenden Hymnus ‚Gottheit tief verborgen’, der im gängigen Gotteslob unter der Nr. 546 zu finden ist, wird darauf hingewiesen, „dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi in diesem Sakrament sich nicht mit den Sinnen erfassen lässt, sondern nur durch den Glauben, der sich auf die göttliche Autorität stützt.“ Deshalb kommentierte etwa schon der Heilige Cyrill in altkirchlicher Zeit die Worte des Herrn; ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird‘ (Lk 22,19) wie folgt: „Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lügt er nicht“ (zitiert nach KKK 1381).
Die Heilige Schrift lässt keine Alternative zu: In der Hl. Hostie, im heiligsten Sakrament der Eucharistie, ist „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten“ (K. v. Trient: DS 1651).
Wer den Herrn in der Eucharistie anbetet und verehrt, bringt seine Anliegen nicht vergeblich zu ihm. Deshalb ist es schlicht und einfach so, allen abschätzigen Äußerungen zum Trotz: Wenn wir gute und zahlreiche Priester wollen, werden sie uns von Gott geschenkt, wenn wir uns durch die Anbetung Gottes in der Eucharistie in das Geheimnis seiner göttlichen Liebe hineinnehmen und verwandeln lassen. Auf dieser Grundlage werden uns viele und gute Priester geschenkt. Ohne diese Grundlage werden viele Pfarreien und Kirchen weiterhin verwaist und priesterlos bleiben.
Im Aushang finden Sie die Übersicht der Anbetungsstunden vor ausgesetztem Allerheiligsten vom 22. Juni bis zur Priesterweihe am 01. Juli im Dom. Auf dem Gebiet unserer Pfarrei findet die Anbetung statt in der Kirche Maria vom Frieden (Karmelitinnenkloster) am Do., dem 30.6., von 14.30-17.30 Uhr.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 25/2011 - Dreifaltigkeitssonntag und 12. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleoen!
Mit dem Pfingstfest ist die Osterzeit zu Ende gegangen. Der liturgische Kalender sieht unmittelbar im Anschluss daran drei sogenannte Herrenfeste vor: das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit; am kommenden Donnerstag das Fronleichnamsfest, und schließlich, am Freitag der dritten Wochen nach Pfingsten, das Fest des Heiligsten Herzens Jesu.
Jeder dieser Festtage schenkt dem Gläubigen eine besondere der vielen Dimensionen, die das Ganze des christlichen Glaubens umfassen: die Wirklichkeit des einen und dreifaltigen Gottes, das Sakrament der Eucharistie und die gottmenschliche Mitte der Person Christi. Es sind Aspekte des einen Heils, das uns von Gott geschenkt ist, und die »in gewisser Weise den ganzen Verlauf der Offenbarung Jesu zusammenfassen, von der Menschwerdung angefangen über den Tod und die Auferstehung bis hin zur Himmelfahrt und zum Geschenk des Heiligen Geistes« (Papst Benedikt XVI.)
An diesem Dreifaltigkeitssonntag feiert die Kirche den wahren Gott so, wie Jesus ihn uns zu verstehen gegeben hat: Als den einen Gott in drei Personen, was in der Präfation des Hochfestes theologisch genauer wie folgt formuliert ist: »nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens«.
Das sogenannte Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche erteilt auf die Frage »Welches ist das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens?« die folgende Antwort: »Das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit.«
Die fundamentale Bedeutung des einen Gottes in drei Personen als Dreifaltigen wird in der Glaubenspraxis etwa beim Bekreuzigen deutlich, die der christlich Betende mit den Worten begleitet: »Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes«. Auch wird die Taufe, das erste und für alle folgenden Sakramente grundlegende und notwendige, mit den Worten gespendet: »Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«.
In der gesamten Schöpfung, und in besonderer Weise in der Gemeinschaft der Mensch, spiegelt sich wider, was in ihrem Ursprung konstitutiv und wesentlich ist: Der eine Gott ist lebendige Gemeinschaft in drei Personen, er ist gegenseitiges Geben und Nehmen, Schenken und Beschenkt-Werden.
Das spiegelt sich wider bis hinein in den Makro- und Mikrokosmos, worauf Papst Benedikt XVI. in Anlehnung an frühchristliche Traditionen erinnert: »Wenn wir den Makrokosmos betrachten: unsere Erde, die Planeten, die Sterne, die Galaxien, oder aber den Mikrokosmos: die Zellen, die Atome, die Elementarteilchen. In allem, was ist, ist in einer gewissen Weise der „Name" der Heiligsten Dreifaltigkeit eingeprägt, da das ganze Sein, bis hin zum letzten Teilchen, ein Sein in Beziehung ist. Und so wird der Gott erkennbar, der Beziehung ist, so wird letztlich die schöpferische Liebe erkennbar. Alles geht aus der Liebe hervor, strebt hin zur Liebe und bewegt sich angetrieben von der Liebe - natürlich mit verschiedenen Graden des Bewusstseins und der Freiheit.«
Und mit besonderem Blick auf den Menschen fügt der heilige Vater hinzu: »Der stärkste Beweis dafür, dass wir nach dem Bild der Dreifaltigkeit gemacht sind, ist dieser: Nur die Liebe macht uns glücklich, denn wir leben in Beziehung; und wir leben, um zu lieben und geliebt zu werden. Unter Verwendung einer Analogie, die der Biologie entstammt, könnten wir sagen, dass das Sein des Menschen die tiefe Spur der Dreifaltigkeit – des Gottes, der die Liebe ist – in seinem „Genom" trägt.«
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 24/2011 - Pfingsten und 11. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Beim letzten großen Weltjugendtag in Sydney, 2008, hat Papst Benedikt XVI. den Jugendlichen seine eigene Erfahrung geschildert, wie er dem Heiligen Geist als junger Priester näher kam und ‚begegnete’.
„Als ich ein kleiner Junge war“, so Papst Benedikt, „lehrten mich meine Eltern – wie Eure auch – das Kreuzzeichen. Und so kam ich bald zu der Einsicht, dass es einen Gott in drei Personen gibt und dass die Dreifaltigkeit das Zentrum unseres christlichen Glaubens und Lebens ist. Während ich zu einem gewissen Verständnis von Gott Vater und Gott Sohn heranwuchs – die Namen sagten mir bereits viel –, blieb mein Verständnis der dritten Person in der Trinität unvollständig. Als junger Priester, der Theologie lehrte, entschied ich mich darum, die herausragenden Zeugen über den Geist in der Kirchengeschichte zu studieren. Auf diesem Weg geschah es, dass ich mich unter anderem in die Lektüre des großen Heiligen Augustinus vertiefte."
Das ‚Verstehen’ des Heiligen Geistes habe sich auch bei Augustinus schrittweise vollzogen. Es wäre ein inneres Ringen gewesen. Schließlich habe ihn die Erfahrung der in der Kirche gegenwärtigen Liebe Gottes dazu gebracht, deren Quelle im Leben des dreieinigen Gottes zu suchen. „Das führte ihn zu drei besonderen Einsichten über den Heiligen Geist als das Band der Einheit innerhalb der Heiligen Dreifaltigkeit: Einheit als Gemeinschaft, Einheit als bleibende Liebe und Einheit als Geben und Gabe.“
Dieser Einsichten seien hilfreich in einer Welt, „in der sowohl einzelne Menschen als auch Gemeinschaften oft an einem Mangel an Einheit oder Zusammenhalt leiden". Der Heilige Geist stelle sie wieder her und stärke sie.
Der heilige Augustinus habe bemerkt, „dass sich die beiden Begriffe ‚heilig’ und ‚Geist’ auf das Göttliche in Gott beziehen; mit anderen Worten: auf das, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben – auf ihre Communio. Wenn also das charakteristische Merkmal des Heiligen Geistes darin besteht, dass er das ist, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben, dann – so folgerte Augustinus – ist die besondere Eigenschaft des Geistes die Einheit. Es ist eine Einheit aus gelebter Gemeinschaft: eine Einheit von Personen in einer Beziehung ständigen Gebens, in der der Vater und der Sohn sich einander schenken.“
Das Studium des ersten Johannesbriefes – „Gott ist die Liebe … wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ –, habe Augustin schließlich fragen lassen, ob ‚Einheit als bleibende Liebe’ durch die Liebe selber oder durch den heiligen Geist gegeben und garantieret würde. Augustinus sei zu folgendem Schluss gekommen: „Der Heilige Geist lässt uns in Gott bleiben und Gott in uns; doch die Liebe ist es, die dies bewirkt. So ist der Geist also Gott als Liebe!" (De Trinitate, 15,17,31)
„Das ist eine wundervolle Erklärung", so Papst Benedikt: „Gott teilt sich selbst mit als Liebe im Heiligen Geist." Liebe ist also das Zeichen für die Gegenwart des Heiligen Geistes. All das, dem es an Liebe mangelt, stammt also nicht „vom Geist“. Darüber hinaus ist Liebe ihrem Wesen nach etwas Bleibendes. Sie ist folglich göttlichen Ursprungs und verwandelt von daher die Welt.
Zuletzt ist der Heilige Geist Gott selber, der sich uns als Gabe mitteilt (s.o.: „Einheit als Geben und Gabe“). „Der Heilige Geist ist Gott“, so Papst Benedikt, „der ewiglich sich selbst schenkt; wie eine nie versiegende Quelle gießt er nichts Geringeres aus als sich selbst. Angesichts dieser unaufhörlichen Gabe gehen uns die Augen auf für die Begrenztheiten alles Vergänglichen, für die Torheit der Konsum-Mentalität. Wir beginnen zu verstehen, warum die Suche nach dem Neuen uns unbefriedigt und sehnsuchtsvoll bleiben lässt. Schauen wir nicht nach einer ewigen Gabe aus? Nach der Quelle, die nie versiegen wird? Lasst uns mit der Samariterin ausrufen: ‚Gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr haben muss!’ (vgl. Joh. 4,15).“
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 23/2011 - 7. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Die Apostelgeschichte (Kapitel 1, Verse 12-14) berichtet, dass die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn vom Ölberg nach Jerusalem zurückkehrten. Dort angekommen »gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben«. Dieses »ständige Bleiben« beschreibt die Apostelgeschichte dann noch pointiert wie folgt: »Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern«.
Über dieses »ständige Bleiben « im »Obergemach im einmütigen Gebet « gibt es nur wenige bildhafte Darstellungen. Das auf dieser Seite wiedergegebene Ikonengemälde aus dem Kloster der heiligen Agnes von Böhmen (Prag) vom Meister des Hohenfurter Altars zeigt Maria in der Mitte der Apostel, wie sie diese belehrt, wohl in Erwartung des Heiligen Geistes.
Die christliche Frömmigkeit und der Glaube des Volkes haben nie Schwierigkeiten damit gehabt, nach der Himmelfahrt des Herrn nun Maria einen bevorzugten Platz in der Mitte der Apostel zuzuweisen. Von allen „Zurückgebliebenen“ steht sie dem Herrn am nächsten. Sie ist und bliebt ihm in besonderer Weise verbunden.
Darüber hinaus hat sich ihr Leben und Dasein darin erfüllt, allen Menschen den Erlöser zu schenken. Diesem ihren Lebensinhalt bleibt sie treu und füllt nun die Lücke des in den Himmel Aufgefahrenen bis zu Herabkunft des Heiligen Geistes.
All diese Darstellungen mit Maria in der Mitte der Apostel haben etwas ausdrücklich Frommes an sich. Die darstellende Kunst hat sich hier ganz offensichtlich an den oben zitierten Worten der Apostelgeschichte inspiriert: »Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet«.
Es täte uns gut, ließen wir uns auf die Weite und auf den Horizont ein, die in allen Erzählungen der neutestamentlichen Berichte immer mitgemeint und deshalb auch mitzuhören sind. Beten kann man nicht nur in der Kirche; und auch nicht nur im Wald oder in der wunderbaren Natur. Beten ist überall möglich. Beten ist ein Lebensstil.
Beten heißt, freundschaftlich verbunden zu leben mit dem Schöpfer und dem Erlöser. Beten heißt, mit ihm zu sprechen und auf ihn zu hören. Das kann und sollte man beständig. Regelmäßige Gottesdienste und Gebetszeiten helfen einem dabei, in allen Situationen im Alltag diesen Lebensstil des beständigen Redens und Hörens durchzuhalten und dabei zu bleiben, alles Wichtige wie auch das ganz Alltägliche, in anhaltender und nachhaltiger Rücksprache mit Gott, dem Herrn, anzugehen und umzusetzen.
So ist diese Zeit der Apostel im Obergemach eine für sie höchst wertvolle Zeit. Sie erhalten nun gewissermaßen von Maria „den letzten Schliff“, um sich nun angesichts der physischen Abwesenheit ihres Herrn daran zu gewöhnen und darauf einzustimmen, mit und in seiner geheimnisvolle, deshalb aber nicht weniger realen Anwesenheit und Gegenwart zu leben.
Wie wäre es, wenn auch Sie in diesem Sinne einmal „in die Schule“ von Maria gingen? »Man geht zu Jesus und man kehrt zu Ihm zurück immer durch Maria«, so hat es der Heilige Josefmaria Escrivá in einem seiner bekannten Aphorismen erklärt (Der Weg, Nr. 495).
Man vermag hinter dem frommen Charakter dieser bildhaften Darstellung auch den Kern des Gemeinten erkennen: Nur in einer lebendigen Beziehung zu Gott gelingt das Leben. Da Maria immer auch für die Kirche steht, wird dem Betrachter also auch mitgeteilt: Nur mit und im lebendigen Leben der Kirche wird gelingen, was das Leben gelingen lässt: Ein Freund und Kind Gottes zu werden und es ein Leben lang zu bleiben. – Das wünsche ich auch Ihnen von Herzen.
Beachten Sei bitte unsere Einladung zur Teilnahme am Papstbesuch in Berlin; die Ankündigungen zu unserm diesjährigen Theophanu-Gedenken (insbesondere die traditionsreiche Hl. Messe am 15. Juni mit orthodoxem Totengedenken am Grab der Kaiserin) und die Ankündigungen zu unserem Pfarrfest am Sonntag, dem 3. Juli.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 22/2011 - 6. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Im Vergleich zu den vergangenen Sonntagen ist der Text des Evangeliums von diesem Sonntag ausgesprochen kurz. Um so mehr fällt auf, dass das Wort „lieben“ gleich fünfmal darin vorkommt. Das Wort „lieben“ umschließt den Text wie eine Klammer. Es bestimmt den Anfang und den Schluss und umrahmt die in der Mitte stehende Aussage des Herrn, er werde die Seinen – die Apostel, wie alle anderen, die ihm einmal folgen werden – nicht alleine zurücklassen.
Darüber hinaus führen diese Evangelienverse das weiter fort, was der Herr den Seinen durch die Fußwaschung (vgl. Johannesevangelium, Kapitel 13) anschaulich erklärt hatte. Er, der Herr und Meister, hatte sein Obergewand abgelegt, sich mit einem Leinentuch umgürtet und den Aposteln die Füße gewaschen. Dieser von außen betrachtete „Sklavendienst“ war ein Liebesdienst, eine Liebeserklärung an die Seinen.
Diese anschauliche Liebeserklärung setzt er nun, sie mit Kopf und Herz erklärend, weiter fort. Seine Liebe kann ja nur dort begriffen werden, nur dort ist sie erfahrbar, wo sie auch beantwortet und erwidert wird und werden kann. Nun ist aber der Mensch aus eigenem Vermögen nur sehr bedingt dazu in der Lage; denn die Größe der Liebe Gottes zu ihm übersteigt sein Fassungsvermögen. Aus eigener Kraft hat keiner von uns eine Vorstellung davon, wie groß in der Tat Gottes Liebe zu uns Menschen ist.
Das kann der Mensch, ein jeder von uns, nur aus dem Licht heraus verstehen, mit dem Gott den Menschen gnadenhaft erleuchtet. Es ist das Licht des Heiligen Geistes, den der Herr als Beistand, als Tröster vom Vater für uns erbeten und gesendet hat.
„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.“
Anders als die „Welt“ können jedoch Jesu Jünger diesen Geist verstehen: „Ihr aber kennt ihn“, erklärt der Herr den Seinen, „weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“
Jesus lässt die Seinen also „nicht als Waisen“ zurück. Er bleibt in und bei ihnen durch den Heiligen Geist. Obwohl Jesus nicht mehr physisch unter seine Jüngern ist, bleibt er im und durch den Heiligen Geist und kann so erklären: „Ihr seid in mir und ich bin in euch.“
Das Ganze ist sehr konkret und bleibt nicht irgendwie abgehoben im rein Geistigen. Ein bestimmter Lebensstil, der Lebensstil unseres Herrn Jesus Christus, macht das alles möglich. Dieser Lebensstil spiegelt im lebendigen Vollzug die Gebote wider, die Gott in das Herz des Menschen als seine Bestimmung hineingelegt hat. Das meint Jesus, wenn er im Sonntagsevangelium sagt: „Wer meine Gebote hat uns sie hält, der ist es, der mich liebt.“
Der indische Philosoph Tagore hat dies als allgemeinmenschliche Erfahrung einmal mit den folgenden drei Sätzen auf den Punkt gebracht: „Ich schlief und träumte, das Leben sei Glück und Freude. Ich wurde wach und bemerkte, das Leben ist Pflicht. Ich begann die Pflicht zu erfüllen, und siehe, sie wurde mir zu Glück und Freude.“
Das tägliche Bemühen um einen Lebensstil im Sinne Jesu nach den zehn Geboten schafft die Vorraussetzung dafür, dass Gottes Liebe den Menschen erreichen und erfüllen kann. Die Erwiderung dieser Liebe folgt dann wie von selber und führt zur Vollendung eines solchen Lebens in der grenzenlosen Liebe Gottes.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 21/2011 - 5. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Es ist ein gutes Gefühl, eine Buchungsbestätigung in der Hand zu halten. Ein reservierter Platz schafft Sicherheit und schenkt Ruhe.
Ganz so einfach ist es jedoch mit einer Platzreservierung für den Himmel nicht.
Auf der einen Seite steht die zuversichtliche Gewissheit, die Gott uns mit Worten seines Sohnes im kommenden Sonntagsevangelium vermitteln möchte: » Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.«
Genauer übersetzt heißt es eigentlich: »Euer Herz lasse sich nicht durcheinander schütteln.« – Das trifft genauer auf die Situation der Jünger wie auch auf die des Christgläubigen zu. Auch der gläubige Mensch ist nicht immer frei davon, zwischen Vertrauen und Besorgnis hin- und hergerissen, eben durcheinandergeschüttelt zu sein.
Auf der anderen Seite steht die Distanz, in der auch der Gläubige als irdischer Mensch im Gegensatz zur Wirklichkeit der himmlischen Dinge lebt. Der Herr deutet an, dass diese Distanz für den, der glaubt, überbrückbar ist. Er fügt hinzu: »Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.«
Aber ist das wirklich so? Kennen wir denn den Weg zum Himmel; den Weg zu einem Frieden und einer Erfüllung, die bereits jetzt beginnen und dann für immer in Fülle sein werden? Den Weg, den unser Herr selber gegangen ist?
Da hatten sogar die Apostel ihre Zweifel. Wie uns das Evangelium im Folgenden berichtet, entgegnete ihm Thomas: »Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?«
Nicht weniger nachdrücklich ist die Ergänzung, mit der Jesus darauf antwortet: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.«
Der gläubige Christ, und das ist ein herausragendes Merkmal, glaubt nicht an Theorien. Er glaubt nicht an ein in sich schlüssiges Gedankengebäude. Er glaubt auch nicht nur einer Person; sondern er glaubt an eine Person, an die Person des menschgewordenen Gottes, unseren Herrn Jesus Christus.
In, mit und durch ihn sind die Distanz und der übergroße Abstand zwischen Himmel und Erde nicht mehr. Sie sind überwunden. In Jesus Christus verbindet sich der wahre und eine Gott mit dem wahren Menschen Jesus Christus.
Notwendig ist, und dazu schenkt Gott alle notwendige Hilfe, an Jesus als den menschgewordenen Gott zu glauben; d.h. in seine Fußstapfen treten zu wollen und sein Leben als Vorbild und Maßstab für das eigene Leben anzunehmen. So erklärt der Herr selber »Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.«
Damit ist zwar alles gesagt, aber es muss im Leben derer, die im Glauben Jesus nachfolgen, erst noch Wirklichkeit werden. Das zeigt auch der Fortgang des Gespräches Jesu mit seinen Jüngern.
Für diese Zeilen begnügen wir uns mit dem Hinweis darauf, es doch einfach immer wieder neu zu erproben. Etwa durch die vertrauensvollen Worte, die jeder an den Herrn wenden kann: »Hilf mir Herr, Deinen Lebenseinstellung und Deine Art zu leben, zum Maßstab und Vorbild meines Lebens zu machen.«
Sie werden überrascht sein, wie sehr die eingangs wiedergegebenen Worte unseres Herrn auch für Sie schon in diesem Leben in Erfüllung gehen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 20/2011 - 4. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Uns erreichen weiterhin Zeilen des Dankes für die gemeinsamen Tage in Rom anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., zu der wir uns mit über 90 Pilgern, darunter auch 36 Jugendliche, vor zwei Wochen auf den Weg gemacht hatten. So schließt sich Martin J., der hier in St. Pantaleon viele Jahre Messdiener war, einem der jugendlichen Vorredner an und schreibt bestätigend: »… ich kann mich nur mit ganzem Herzen dem Statement eines anderen Teilnehmers anschließen, das Sie in den letzten Pfarrnachrichten zitierten. Auch ich werde noch lange von dieser Pilgerfahrt und ihrem Höhepunkt, der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., zehren. Vielen Dank, dass ich an dieser Fahrt teilnehmen durfte.«
Diese weitere Rückmeldung, von noch anderen, beflügelt in der Absicht, auch zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland eine interessante und schöne Reise etwa nach Berlin anzubieten, zum Ausdruck sowohl unsere Solidarität mit dem Heiligen Vater, wie auch zur Stärkung, zur Verlebendigung und Vertiefung der eigenen Beziehung zum Herrn, die sich immer wieder neu und ganz überraschend als ungemein befreiend und beglückend erweist.
Darüber hinaus ist auch eine erste kleine Fahrt mit unserer neuen Messdienergruppe im Gespräch; vielleicht schon über Christi Himmelfahrt, sonst auch in den Sommerferien.
Mittlerweile laufen auch die Vorbereitungen für das kommende Pfarrfest am Sonntag, dem 3. Juli. Nach erprobter Weise schließt sich an die einzige Heilige Messe am Sonntagvormittag um 10.00 Uhr die Prozession mit dem eucharistischen Herrn durch unser Veedel an. Sie endet mit dem sakramentalen Segen in der Kirche um 12.00 Uhr. Daran schließt sich unmittelbar das Pfarrfest im Papst Benedikthof, unserem Innenhof, an. Wie in jedem Jahr werden auch für dieses Mal noch zahlreiche Helfer und fleißige Hände gesucht. Auch Kuchen- und sonstige Sachspenden sind immer herzlich willkommen. – Am Mittwoch, dem 08. Juni findet dafür um 19.30 Uhr eine weiter Vorbesprechung im Sitzungssaal des Pfarrbüros statt, zu der alle Interessierte herzlich eingeladen sind.
Aber das ist nicht alles. Auch in diesem Jahr werden wir im festlichen Rahmen unseres traditionsreichen und ökumenisch ausgerichteten Theophanugedenkens am 15. Juni um 18.30 in einer feierlich gehaltenen Abendmesse für die Einheit der Christen in Ost und West beten, mit sich daran anschließendem orthodoxen Totengedenken (Mnemosynon) am Grab der Kaiserin.
Das diesjährigen Theophanugedenken wird am Mittwoch, dem 1. Juni um 16.00 Uhr mit einer Ikonenausstellung – »Georgische Miniaturen von Mamuka Schengelia« eröffnet. Diese Ausstellung bleibt im Kapitelsaal, vor allem am Wochenende, für Interessierte bis Samstag, dem 25. Juni zugänglich.
Als weitere Höhepunkte des traditionsreichen Gedenkens »unserer« griechisch-deutschen Kaiserin sind vorgesehen:
· am Montag, dem 6. Juni um 19.30 Uhr im Domforum ein Vortrag von Prof. Dr. Günther Binding: »Die Kirche St. Pantaleon und neue Erkenntnisse der zeitlichen Einordnung«;
· am Freitag, dem 17. Juni um 19.30 Uhr in unserem Pfarrsaal eine Autorenlesung von Gabrielle Alioth aus ihrem brandneuen Roman über Kaiserin Theophanu zwischen 980 bis 991: »Die griechische Kaiserin«; und
· am Samstag, dem 18. Juni um 16.15 Uhr in der Kirche St. Pantaleon eine orthodoxe Vesper mit gemeinsamem Gebet für den Frieden, an der sich unterhaltsame und stimmungsvolle griechische Folklore mit Tanz und Musik und einem kulinarischen griechischen Imbiss im Pfarrsaal etwa gegen 17.00 Uhr anschließen werden
Es wäre schön, wenn hierdurch auch die Absicht der Völkerverständigung, die viele der Initiatoren zu diesem ihren Engagement inspiriert, von vielen anderen verstanden, aufgegriffen und mitgetragen würde.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 19/2011 - 3. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Kurz nach unserer Romfahrt zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. erreicht mich von einem der 36 jungendlichen von insgesamt 93 Teilnehmern die folgende Rückmeldung:
»Im Namen der Jugendlichen möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass wir die Chance hatten, an der Seligsprechung teilzunehmen. Es waren wirklich schöne Tage in Rom und gerade auch die geistige Dimension war sehr schön. Auch andere Jugendliche haben mir erzählt, dass sie in Rom Gott spüren konnten. Ich denke, dass das ein beeindruckendes Zeugnis für diese Pilgerfahrt ist.«
Papst Benedikt hat in seiner Predigt zur Seligsprechung besonders auch zwischen den Zeilen verdeutlicht, warum das Leben als gläubiger Christ besser gelingt und mehr Freude und Seligkeit schenkt als ohne Gott. Wörtlich sagte der Heilige Vater unter anderem:
»„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29). Im heutigen Evangelium spricht Jesus diese Seligpreisung aus, die Seligpreisung des Glaubens. Sie berührt uns auf besondere Weise, da wir versammelt sind, um eben eine Seligsprechung zu feiern, und noch mehr, da heute ein Papst seliggesprochen wird, ein Nachfolger Petri, der dazu berufen war, die Brüder im Glauben zu stärken. Johannes Paul II. ist selig durch seinen starken und großherzigen, seinen apostolischen Glauben.«
Über viele Jahre haben wir miterleben können, wie dieser außergewöhnliche Mensch Karol Wojtyla durch die Kraft, die Gott all denen schenkt, der ihm glauben und sich ihm anvertrauen, nicht nur den eisernen Vorhang entschieden zu Fall gebracht hat, sondern auch die hartnäckigen Verhärtungen und Verkrampfung im Herzen vieler Menschen durch sein Lebensbeispiel und seine Worte zu überwinden verhalf.
Nur eine einzige Vorraussetzung ist dafür nötig: Sich Gott vorbehaltlos anvertrauen und ihm glauben und den fatalen, immer wiederkehrenden Irrtum endlich als dumme Lüge zu durchschauen, als ob wir selber alles besser wüssten. Papst Johannes Paul II hat durch das Beispiel seines Lebens gezeigt, je älter er wurde, dass Kraft und Weisheit Gottes um ein Vielfaches größer als von uns Menschen sind.
In seiner Predigt hat Papst Benedikt die seligmachende Größe des Glaubens durch noch weitere Dimensionen aufgezeigt. Er sagte unter anderem: »Unsere Gedanken gehen (noch) zu einer anderen Seligpreisung, die im Evangelium allen anderen vorausgeht. Es ist jene der Jungfrau Maria, der Mutter des Erlösers. Ihr, die soeben Jesus in ihrem Schoß empfangen hat, sagt die heilige Elisabeth: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45).«
Passend zum Marienmonat Mai betonte Papst Benedikt dann: »Die Seligpreisung des Glaubens hat ihr Vorbild in Maria. Wir alle freuen uns, dass die Seligsprechung von Johannes Paul II. am ersten Tag des Marienmonats stattfindet, unter dem mütterlichen Blick Marias, die durch ihren Glauben den Glauben der Apostel gestützt hat und fortwährend den Glauben ihrer Nachfolger stützt, besonders jener, die auf den Stuhl Petri berufen sind. Maria kommt in den Erzählungen der Auferstehung Christi nicht vor, aber ihre Anwesenheit ist gleichsam überall verborgen: Sie ist die Mutter, der Jesus jeden einzelnen der Jünger und die ganze Gemeinschaft anvertraut hat.«
In der Freude über den neuen Seligen und in der Freude des Marienmonates Mai wünsche ich Ihnen, in den kommenden Tagen und Wochen ein wenig mehr die seligmachende Freude und Zuversicht dieses von Gott kommenden und geschenkten Glaubens auch in ihrem persönliche Leben erfahren zu können. Öffnen auch Sie weit die Türen für Christus den Erlöser; ganz im Sinne des neuen Seligen, und wie er es so oft in seinen weltbekannten Predigten wiederholt hat: »Spalancate le porte a Cristo! Non abbiate paura di accogliere Cristo. e di accettare la Sua potestà!« (Öffnet Christus die Türen! Habt keine Angst davor, Christus aufzunehmen und seine Herrschaft zu akzeptieren!)
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 18/2011 - 2. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Am weißen Sonntag, wo manche von uns zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II in Rom sein werden, gehen anderen Orts wieder zahlreiche Kinder zur Erstkommunion. So möchte ich Ihnen die Fragen von Erstkommunionkindern an Papst Benedikt – es war während der Bischofssynode über die Eucharistie (2005) – und seine Antworten darauf auszugsweise mit in die Woche geben.
"Jesus ist gegenwärtig in der Eucharistie. Aber wie? Ich sehe ihn nicht!", fragte etwa der kleine Andrea. Und der Papst antwortete ihm und weiteren Jungen und Mädchen:
Papst Benedikt XVI.: „Ja, wir sehen ihn nicht, aber es gibt so viele Dinge, die wir nicht sehen, die doch existieren und wesentlich sind. Zum Beispiel sehen wir unseren Verstand nicht, obwohl wir Verstand haben. Wir sehen unsere Intelligenz nicht, und haben sie doch. Wir sehen, mit einem Wort, unsere Seele nicht und doch existiert sie; wir sehen ihre Wirkungen, denn wir können reden, denken, entscheiden usw. So sehen wir auch nicht, zum Beispiel, die Elektrizität, und doch merken wir, dass sie existiert. Wir sehen dieses Mikrofon, wie es funktioniert. Wir sehen das Licht. In einem Wort: Gerade die tiefsten Dinge, die das Leben und die Welt tatsächlich ausmachen, sehen wir nicht, aber wir können ihre Wirkungen sehen und fühlen. Die Elektrizität, den Strom sehen wir nicht, aber das Licht sehen wir. Und so sehen wir auch nicht den auferstandenen Herrn mit unseren Augen, aber wir sehen, dass dort, wo Jesus ist, die Menschen sich ändern und besser werden. Es entsteht eine größere Fähigkeit zum Frieden, zur Versöhnung usw. Also, wir sehen den Herrn selbst nicht, aber wir sehen die Wirkungen: So können wir begreifen, dass Jesus gegenwärtig ist. Wie ich gesagt habe: Gerade die unsichtbaren Dinge sind die tiefsten und wichtigsten. Gehen wir also diesem unsichtbaren, aber starken Herrn entgegen, der uns hilft, gut zu leben!“
Ein anders Kind fragte ihn: „Lieber Papst, welche Erinnerung hast du an deine Erstkommunion?“
Papst Benedikt XVI.: „Zunächst möchte ich danken für dieses Fest des Glaubens, das ihr mir schenkt, für eure Anwesenheit und Freude. Ich danke für die Umarmung, die ich von einigen von euch bekommen habe, eine Umarmung, die natürlich symbolisch euch allen gilt. Was die Frage angeht, so erinnere ich mich gut an den Tag meiner Erstkommunion. Es war ein schöner Märzsonntag des Jahres 1936, also vor 69 Jahren. Es war ein sonniger Tag, die Kirche sehr schön, die Musik, alles schöne Dinge, an die ich mich erinnere. Wir waren etwa 30 Jungen und Mädchen unseres kleinen Dorfes, das nicht mehr als 500 Einwohner hatte. Aber im Mittelpunkt meiner frohen und schönen Erinnerungen steht dieser Gedanke, dass ich verstanden habe, dass Jesus in mein Herz eingetreten ist und gerade mich besucht hat. Und mit Jesus ist Gott selbst bei mir. Das ist ein Geschenk, das tatsächlich mehr wert ist als der ganze Rest, der uns vom Leben gegeben werden kann. Und ich habe begriffen, dass jetzt eine neue Etappe meines Lebens begonnen hat. Ich war neun Jahre alt; jetzt war es wichtig, dieser Begegnung treu zu bleiben, dieser Kommunion. Ich habe dem Herrn versprochen, so gut ich konnte: "Ich möchte immer bei dir sein" und habe gebetet: "Aber sei du vor allem bei mir!" Und so bin ich in meinem Leben weitergegangen. Gott sei Dank, der Herr hat mich immer bei der Hand genommen, mich auch in schwierigen Situationen geführt. Und so war diese Freude der Erstkommunion der Anfang eines gemeinsamen Weges. Ich hoffe, auch für euch alle, dass die Erstkommunion, die ihr in diesem Jahr der Eucharistie empfangen habt, der Anfang einer Freundschaft mit Jesus für das ganze Leben ist. Der Anfang eines gemeinsamen Weges, weil wir dann gut gehen und das Leben gut wird, wenn wir mit Jesus gehen.“
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 17/2011 - 1. Osterwoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
In seinem neuen Buch, dem zweiten Band »Jesus von Nazareth«, äußert sich Papst Benedikt ausführlich zu der Frage »worum es bei der Auferstehung Jesu geht«. … Auch wenn der Heilige Vater betont, nicht ausschließlich als Papst, sondern auch als der Professor und Gelehrte Joseph Ratzinger zu schreiben, kommt diesem Buch dennoch eine besondere Bedeutung zu.
Das Buch als Ganzes beschäftigt sich mit den österlichen Fragen »vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung«. Deshalb ist dieses neue Papstbuch eine für die Osterzeit sehr zu empfehlende Lektüre. Dem Kapitel »Worum es bei der Auferstehung Jesu geht« stellt Papst Benedikt eine aufschlussreiche Einleitung voran. Er schreibt dort:
»“Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt“ (1 Kor 15,14f). Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.
Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen – eine Art von religiöser Weltanschauung –, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz.
Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.«
Ganz in diesem Sinne wünsche ich im ungebrochenen Glauben an die wirkliche Auferstehung Jesu von den Toten und all dem, was für das Alltagsleben daraus folgt, gesegnete und besinnliche Ostertage.
Haben Sie bitte vor Augen, dass am kommenden Sonntag, dem 01. Mai, die Hl. Messe von 10 Uhr ausfallen wird. Am kommenden Sonntagvormittag wird nur das Hochamt um 11.00 Uhr gefeiert!
Christus ist wahrhaft auferstanden, halleluja!
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 16/2011 - Karwoche (A)
Lieber Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Beachten Sie bitte, dass am Sonntag, dem 1. Mai, dem Tag der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., die Familienmesse um 10:00 Uhr ausnahmsweise ausfallen wird. An diesem Sonntagvormittag (1. Mai) gibt es nur eine heilige Messe: Um 11:00 Uhr das Hochamt.
Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Für eine gute Mitfeier dieser besonderen Tage möchte ich Ihnen folgende zwei Leitgedanken mitgeben.
Pilatus, ein Nicht-Gläubiger, stellt unserem Herrn nach seiner Verhaftung die Frage »Bist du der König der Juden?«.
Vom Glauben her wissen wir: Christus ist nicht nur der König der Juden. Er ist auch der König der Heiden und der König der Männer und Frauen aller Zeiten, der Herr des Lebens und der Geschichte. Er ist der Sohn Gottes. Christus ist der eine, dreifaltige Gott, der in der zweiten Person des Sohnes Mensch und zugleich König aller geworden ist.
Es ist gut und wichtig, diesen Glauben zu vertiefen. Das geschieht vor allem im Gebet. Ohne das Gebet gerät man leicht auf die Seite derer, die am Palmsonntag Christus bejubelten, als er in Jerusalem einzog, aber ihn schon einige Tage später ablehnten.
Wer betet, dem wird unser Herr und Gott die Gnade geben, an ihn zu glauben! Im Gebet und aus ihm heraus erfährt der Gläubige in jedem Fall, dass Jesu Christus König aller Menschen ist.
Bei dem Schauprozess, den die damaligen Machthaber Jesus Christus bereiteten, schrie die Menge, angestachelt durch die Drahtzieher unter eben diesen Machthabern: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.«
Es sind Worte, welche die Leidenschaft der Menge zeigen, durch die sie wie blind geworden sind. So lässt die Volksmenge nicht nur zu, sondern sie stimmen mit ein in das ungerechteste Urteil, das je gefällt wurde: Er, der ganz ohne Sünde war, wurde wie ein Verbrecher zum Tode verurteilt.
Auch wir sind nicht frei von Leidenschaften, die uns blind machen, und wohl jeden von uns schon viel zu oft blind gemacht haben.
Die Worte der Mehrheit: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder« deuten aber zugleich geheimnisvoll etwas an, was den erregten Menschen damals gar nicht bewusst war. – Was sie riefen, ging in Erfüllung; aber ganz anders, als sie es meinten: Ihrer Ablehnung zum Trotz hat der Herr sein Blut auch für sie und ihre Kinder, für alle Menschen vergossen.
Wir sollten die Tage der Karwoche ganz nah bei Christus in der Eucharistie durchleben. In der Eucharistie ist der ganze Herr gegenwärtig, auch und besonders mit seinem Leib, den er für uns hingegeben, und mit seinem Blut, das er für uns vergossen hat.
»Das Fundament und die Quelle der Kirche«, so Papst Benedikt (vgl. Ecclesia de Eucharistia, No. 5), »ist das Triduum Paschale.« Das sind die drei Tage von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht. »Dieses Triduum Paschale ist in der eucharistischen Gabe gewissermaßen gesammelt … und für immer „konzentriert“.«
In diesen Gaben, so Papst Benedikt, stifte Jesus Christus eine geheimnisvolle »Gleichzeitigkeit« zwischen jenem Triduum vor 2000 Jahren und dem Triduum Paschale aller Jahrhunderte; auch dem Triduum Paschale, das wir in wenigen Tagen beginnend mit dem Gründonnerstag feiern werden.
So lade ich Sie herzlich ein, die Feier der Heiligen Drei Tage: die Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, die Karfreitagsliturgie am Karfreitag und die Osternacht gemeinsam mit uns allen mitzufeiern. – In der Kirche liegt eine Übersicht aus, in der alle Gottesdienste einschließlich der besonderen Beizeiten aufgenommen sind.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 15/2011 - 5. Woche in der Fastenzeit (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Inzwischen haben sich für unsere Romfahrt zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II fast 100 Teilnehmer angemeldet. Die beiden Busse sowie unsere Unterkunft sind damit weitgehend ausgebucht.
Die Seligsprechung dieses geliebten Papstes wird als eine unvergessene und einmalige Stunde in die Kirchengeschichte eingehen. Wir alle freuen uns darauf.
Da auch die Priester von St. Pantaleon unterwegs sein werden: Bitte merken Sie sich schon jetzt vor: Am Tag der Seligsprechung, am Sonntag, dem 1. Mai, wird hier in St. Pantaleon ausnahmsweise die Familienmesse am Vormittag um 10:00 Uhr ausfallen. Es wird nur um 11:00 Uhr das Hochamt gefeiert.
Gerne gebe ich Ihnen für den Rest der Fastenzeit die folgenden Worte von Papst Benedikt XVI. Weiter: „Durch die traditionellen Übungen des Fastens, des Almosengebens und des Gebetes, Ausdrucksweisen der Verpflichtung zur Umkehr, erzieht die Fastenzeit dazu, die Liebe Christi immer radikaler zu leben. Das Fasten, das unterschiedlich begründet sein kann, hat für den Christen einen tief religiösen Sinn: Indem wir unseren Tisch ärmer machen, lernen wir unseren Egoismus zu überwinden, um in der Logik des Schenkens und der Liebe zu leben; indem wir den Verzicht auf etwas auf uns nehmen - nicht bloß auf etwas Überflüssiges - lernen wir, unseren Blick vom eigenen „Ich“ abzuwenden, um jemanden an unserer Seite zu entdecken und Gott im Angesicht vieler unserer Brüder zu erkennen. Für den Christen hat das Fasten nichts mit einer Ichbezogenheit zu tun, sondern es öffnet mehr und mehr auf Gott hin und auf die Bedürfnisse der Menschen und sorgt dafür, dass die Liebe zu Gott auch die Liebe zum Nächsten einschließt (vgl. Mk 12,31).
Auf unserem Weg sehen wir uns auch der Versuchung des Haben-Wollens gegenüber, der Habsucht nach Geld, die die Vorrangstellung Gottes in unserem Leben gefährdet. Die Besitzgier bringt Gewalt, Missbrauch und Tod hervor; aus diesem Grunde erinnert die Kirche besonders in der Fastenzeit an die Übung des Almosengebens, das heißt an das Teilen. Die Vergötterung der Güter hingegen entfernt nicht nur vom anderen, sondern sie entblößt den Menschen, macht ihn unglücklich, betrügt ihn, weckt falsche Hoffnungen, ohne das zu verwirklichen, was sie verspricht, weil sie die materiellen Dinge an die Stelle Gottes setzt, der allein Quelle des Lebens ist. Wie kann man die Vatergüte Gottes verstehen, wenn das Herz voll von sich selbst und den eigenen Plänen ist, mit denen man sich einbildet, sich die Zukunft sichern zu können? Es ist die Versuchung, so zu denken wie der Reiche im Gleichnis: „Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht...“. Wir kennen das Urteil des Herrn: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern...“ (Lk 12,19-20). Die Übung des Almosengebens ist ein Aufruf, Gott den Vorrang zu geben und dem anderen gegenüber aufmerksam zu sein, um unseren guten Vater neu zu entdecken und sein Erbarmen zu empfangen.«
An diesem Sonntag hören wir das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. Möge unser Bemühen in der Fastenzeit dazu führen, dass auch wir im Herzen lebendig bleiben und, indem wir den Herrn wirken lassen, nur noch mehr zum Leben geführt werden.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 14/2011 - 4. Woche in der Fastenzeit (A)
Liebe Mitchristen und Freudn evon St. Pantaleon!
Gewöhnlich gebe ich ausdrucksvoll-klassischen und meist auch frommen Bildern für diese wöchentlichen Pfarrernachrichten den Vorzug. So darf ich mir in der Fastenzeit ruhigen Gewissens auch einmal eine Ausnahme erlauben und einer satirischen Karikatur, einer provokanten Zeichnung an dieser Stelle einmal den Vorrang geben. Sie passt zum Evangelium dieses vierten Fastensonntags.
Der Herr hatte sich gerade vor den Pharisäern, die ihm wieder nachstellten, in Sicherheit gebracht, als er einem von Geburt an Blinden begegnet. Ohne ihn zu fragen, wie der Heilige Johannes in seinem Evangelium deutlich werden lässt, »spuckte Jesus auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach.«
In der antiken Medizin wurde Speichel häufig bei Augenleiden verwendet. Das Lecken von Wunden ist auch heute noch etwas ganz Gewöhnliches, nicht nur im Tierreich. Darüber hinaus erinnert der Lehmteig an die Schöpfungsgeschichte, bei der Gott den Menschen aus Erde formte. Bei der Heilung des Blindgeborenen formt Jesus einen Menschen neu, weil er Mitleid mit ihm hat.
Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde von Archäologen auch der Teich Shiloach (oder Shiloah) ausgegraben. Er liegt in der Nähe des Tempels von Jerusalem und diente der Wasserversorgung. Gespeist wurde er von der berühmten Gihonquelle, an der unter anderem auch Salomo zum König über ganz Israel gesalbt wurde.
Es fällt auf, dass die Initiative bei der Heilung zuerst einmal ganz beim Herrn liegt. Der Blinde folgt anfangs »blindlings« nur seinen Anweisungen. So wurde ihm das Augenlicht geschenkt; später kommt er auch durch sein Mittun zum Glauben an Jesus Christus.
Die Pharisäer hingegen sehen nur auf das Sabbatverbot. Für sie ist die Bereitung des heilenden Lehmteiges genauso Arbeit wie der segensreiche Gang zum Teich Shiloach. Die Not des Blinden sehen Sie genauso wenig wie Gottes Barmherzigkeit. Deshalb gelangen bekanntlich auch nach Jesu Worte (Matthäusevangelium, 21,31) »Zöllner und Dirnen eher in das Himmelreich« als sie, die Pharisäer.
Die Ereignisse spitzen sich zu, als die Pharisäer die auch für sie evidente Heilung durch einen Betrug abzutun versuchen. Um sich dem Glauben und damit all dem zu verschließen, was Gott spürbar für die Menschen Gutes tut, haben den Ungläubigen noch nie Worte und Argumente gefehlt. Die Karikatur spitzt es darauf zu, dass sogar die Botschaft des Herrn für Eigenes missbraucht werden kann.
Die Fastenzeit kann und soll dabei helfen, das Vertrauen auf Gottes Wort und seine spürbare Hilfe im alltäglichen Leben uneingeschränkt zu erneuern. Wie macht man das? Wie kann das gelingen?
Auch hier gilt das bekannte Wort: »learning by doing«. Die Kraft des Glaubens kann Gott uns Menschen nur dann schenken, wenn wir ihm uneingeschränkt vertrauen, mit all unserer Kraft. Jeder, der das tut, kann dann früher oder später bezeugen – und ich kenne keine Ausnahme davon –, dass die Kraft Gottes durch den Glauben im Alltag dann in der Tat wirkmächtig erfahren wird.
So wünsche ich für diese Fastenzeit Ihnen und uns allen, all die vielen Argumente und Einwände aufdecken zu können, die einem Vertrauen ohne Vorbehalte Gott gegenüber und damit einer Entfaltung der uneingeschränkten Kraft des Glaubens im Wege stehen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 13/2011 - 3. Woche in der Fastenzeit (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Dieser Sonntag beschenkt uns mit einem der schönsten Dialoge aus der Heiligen Schrift.
Eine Frau aus Samarien kommt in der vollen Mittagshitze, zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit also, an den Jakobsbrunnen zum Wasserschöpfen. In der unerträglichen Mittagssonne geht nur zum Brunnen, wer all die anderen und die vielen zur frischen Morgen- oder zur lauen Abendzeit meiden möchte. Nur selten tut man dies freiwillig. Meist aus Notwendigkeit, weil man von all den anderen gemieden wird.
Eine solche ist diese Frau. Vielleicht möchte Jan Joest von Kalkar in seinem einfühlsamen Gemälde mit der Schadstelle im Krug andeuten, dass auch im Leben der Frau nicht alles in Ordnung ist. Auch der Herr, obwohl ein Fremder, weiß es genau. Aber er fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Noch weniger macht er ihr deshalb Vorhaltungen oder verurteilt er sie.
In gewissem Sinne kehrt der Herr die Verhältnisse sogar um. Er scheint der Unterlegene, der Bedürftige, der als Dürstender auf die Hilfe der Frau Angewiesene zu sein. Als die Frau zum Brunnen kommt, um Wasser zu schöpfen, sagt Jesus zu ihr: »Gib mir zu trinken!«
So macht er es der Frau leicht, sich ihm als Hilfesuchender zu öffnen. Er baut ihr eine Brücke, so dass sie sich auf das Gespräch mit ihm einlassen kann. Sie drückt ganz unbefangen ihr Erstaunen aus: »Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?« Der Evangelist Johannes fügt erklärend hierzu: »Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.«
Einmal ins Gespräch gekommen, kann der Herr Stück für Stück die Perspektive verändern und schließlich sogar umdrehen. Der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus ihr daraufhin antwortete: »Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.«
Im weiteren Verlauf des Gespräches erkennt die Frau, dass der Herr wirklich ein Prophet ist. Er ist als Fremder uneingeschränkt im Bilde darüber, dass sie bereits fünf Männer hatte und der jetzige auch nicht ihr Mann ist. Er weiß um ihre Not, aus der sie mit eigener Kraft nicht mehr heraus kommt. Er weiß auch um ihre Schuld, die mit dafür verantwortlich ist.
Er nennt ihre Schuld klar beim Namen. Aber er wirft sie ihr nicht im Geringsten in verletzender Weise vor. So kann sie ihm weiter zuhören, und sich von ihm an ihren Glauben erinnern lassen, den sie verborgen in der Tiefe ihres Herzens trägt. Durch das Gespräch verhilft ihr der Herr, diesen ihren Glauben erneut zu bekennen: »Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.«
Erst jetzt ist für den Herrn der Augenblick gekommen, solange hat er einfühlsam gewartet und das Gespräch schrittweise in die Tiefe geführt, dass er sich ihr offenbaren und sie nun auch glauben kann. »Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.«
»Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen«, berichtet Johannes, «eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?
Die Frau, berührt von der vornehm zurückhaltenden Klugheit des Herrn, geht nun in derselben Weise vor. Sie hilft denen, die sie bislang wie eine Ausgestoßene gemieden haben, zum Herrn und zum Glauben zu finden. Es gelingt ihr – nicht allein aus eigener Kraft, sondern mit Gottes Gnade.
Ich wünsche auch Ihnen, dem Herrn so begegnen zu können, wie die Samariterin am Brunnen, und einmal vom Herrn berührt dann klug das weiterzugeben, was er in diese seiner Art längst auch Ihnen geschenkt haben wird.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 12/2011 - 2. Woche in der Fastenzeit (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Fra Angelico malt den verklärten Christus in Kreuzesform. Das Kreuz im Heiligenschein verstärkt seine Absicht. Zugleich sind Wundmale nicht zu erkennen. Ein Unkundiger, der vom bevorstehenden Kreuzestod Jesu Christi nichts weiß, könnte durchaus meinen, dass der vom Licht umstrahlte Christus die ganze Welt umarmen möchte.
Das eine schließt das andere nicht aus. Der Herr hat denen, die ihm nachfolgen wollen, keine sichere und unangefochtene Existenz versprochen. Schon kurz nach der ersten Leidensankündigung spricht er von der Möglichkeit, dass auch seine Jünger ihr kurzes irdisches Leben „verlieren“ werden, um es dann jedoch für ewig „wiederzugewinnen“ (vgl. Mt 16,24f). Nur in dieser durch Jesus geoffenbarten und vorgelebten „Logik des Verlierens und Wiedergewinnens“ kann man sich Gott und den anderen eingeschränkt und vollendet schenken.
Diese Logik ist bestechend. Sie ist auch klar und bis ins Letzte nachvollziehbar. Dennoch sträubt sich etwas in uns immer wieder gegen diese Logik. Es ist der alte Mensch, der das nicht begreifen will und sich dagegen auflehnt.
Auch die Apostel haben mit dieser Logik ihre Schwierigkeiten gehabt. Deshalb »nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.« (Mt 17,1-3)
Vor ihren Augen wurde Jesus verklärt. Die Verklärung des Herrn stellt ihnen seine göttliche Herrlichkeit vor Augen, die seine Auferstehung vorwegnahm. Zugleich kündigt die Verklärung die von Christus ermöglichte Vergöttlichung nun auch des Menschen an, sofern er, der Mensch, sich im Glauben einlässt auf diese Logik des „Verlierens und Gewinnens“ und des damit möglich gewordenen uneingeschränkten sich „Verschenkens.“
Ganz in diesem Sinne schreibt Paulus an Timotheus (2 Tim 1, 8b-10), und wir werden auch diese Schriftstelle am zweiten Fastensonntag hören: »Mein Sohn! Leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft« um Timotheus dann zu erklären: »Er [Christus] hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.«
So sind die Bibelstellen des zweiten Fastensonntags eine Einladung, in dieser Fastenzeit »vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: er möchte uns täglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es gut und böse unterscheidet (vgl. Hebräerbrief 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.« (Papst Benedikt XVI)
Wer sich diesen Ratschlag des Heiligen Vaters zu Herzen nimmt, was sehr zu empfehlen ist, wird die Erfahrung machen, dass er den alten Mensch, der sich auf diese Logik des „Verlierens“ und „Gewinnens“ und des daraus folgenden „Sich-Schenken-Könnens“ nicht einlassen möchte, überwinden kann. Die in Form des Kreuzes ausgebreiteten Hände vermögen Gott und seine Schöpfung zu umarmen und beide aus ganzem Herzen zu bejahen und sich ihrer anzunehmen; nicht nur trotz, sondern auch wegen aller Katastrophen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 11/2011 - 1. Woche in der Fastenzeit (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Mit dem Aschermittwoch hat die 40tägige Fastenzeit begonnen. Am Aschermittwoch hörten wir im Tagesevangelium: »Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.«
Wenn jemand fasten möchte, empfiehlt ihm der Herr, das Haar zu salben und das Gesicht zu waschen. Die anderen sollen nicht merken, dass man fastet, sondern nur der »Vater im Himmel, der auch das Verborgene sieht«.
Beim christlichen Fasten geht es nicht darum, anderen oder sich selber zu beweisen, dass man sich im Griff hat. Es geht auch nicht darum, durch unsere Höchstleistung Gott unserer Sünden wegen wieder gnädig zu stimmen. Es geht vielmehr darum, vor Gott, vor sich selber und vor den anderen wieder ehrlich zu sein.
Ohne es recht zu merken, verfällt der Mensch sehr leicht in zumindest kleinere, manchmal auch größere Lügen sich selber gegenüber. Dann ist man auch Gott gegenüber nicht mehr aufrichtig; dann auch gegenüber dem Nächten nicht mehr. Wir machen uns mit all dem, was wir für unsere Gesundheit, für unser Wohlbefinden oder wofür auch sonst noch brauchen, schnell und relativ leicht immer wieder etwas vor. Auf manches von dem, was uns gewohnheitsmäßig fast ganz unentbehrlich geworden ist, könnten wir ohne weiteres verzichten.
Und es tut gut, bewusst und aus freien Stücken, zumindest auf die ein oder andere Kleinigkeit einmal 40 Tage lang zu verzichten. Man kann zum Beispiel den Fernsehkonsum einmal deutlich drosseln. Oder die Snacks zwischendurch. Oder auch auf das Bierchen am Abend verzichten. Für andere wäre es heilsam, die Zeit im Internet einmal ganz bewusst zu reduzieren. Für wieder andere wäre es sinnvoll, die Zeit des „Verquatschens“ zu beschneiden. Das ist dann vielleicht zugleich ein Akt der Nächstenliebe. Andere hingegen sollten einmal bewusst bestimmte Tätigkeiten eingrenzen, um etwas mehr Zeit für die Familie und das Gespräch miteinander zu haben.
Das bewusste Verzichten hilft, wieder mehr das zu sehen, was wesentlich und wichtig ist. Fasten macht frei. Fasten legt Abhängigkeiten offen, die uns im Griff haben und fremd bestimmen; manchmal so sehr, dass wir für Gott, für unseren Nächsten und auch für uns selber gar nicht mehr richtig frei und zugänglich sind.
Aus christlicher Sicht ist das Fasten eine Teilhabe am erlösenden Kreuz Jesu Christi. Christus hat uns nicht durch Wohlergehen und eine gute Gesundheit erlöst, sondern durch das Kreuz. Das Kreuz in rechter, in der Weise Jesu Christi verstanden, schenkt eine größere und umfassendere Gesundheit. Nicht nur die des Leibes, die sehr relativ ist, sondern die von Leib und Seele.
Der erste Sonntag der Fastenzeit macht unsere Situation hier auf Erden deutlich. Darauf hat Papst Benedikt in seiner diesjährigen Fastenbotschaft hingewiesen: »Der siegreiche Kampf gegen die Versuchungen, mit dem die Sendung Jesu beginnt, ist eine Einladung, sich der eigenen Schwachheit bewusst zu werden, um die Gnade zu empfangen, die von Sünden frei macht und neue Kraft in Christus ausgießt, der Weg, Wahrheit und Leben ist.«
Dieser siegreiche Kampf Jesu gegen die drei Versuchungen in der Wüst, so Papst Benedikt, »ist ein deutlicher Aufruf, sich daran zu erinnern, dass der christliche Glaube, nach dem Beispiel Jesu und in Gemeinschaft mit Ihm, einen Kampf „gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12) einschließt, in welcher der Teufel am Werk ist, der auch heute nicht müde wird, den Menschen, der sich dem Herrn nähern will, zu versuchen: Christus geht daraus als Sieger hervor, um auch unser Herz für die Hoffnung zu öffnen und uns darin zu leiten, die Verführungen des Bösen zu besiegen.«
So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit. Wenn es Sie tröstet: Auch ich werde es wohl in diesem Jahr erneut nicht schaffen, meinen Fastenvorsätzen immer ganz treu zu bleiben. Aber das ist auch gar nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass wir es mit Gottes Hilfe jeden Tag erneut versuchen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 10/2011 - 9. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Am Karnevalssonntag hören wir im Sonntagsevangelium den Schluss der Bergpredigt. Es wird nochmals klar, worauf es ankommt und der Herrn bringt es wie folgt auf den Punkt: »Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.«
Das gilt auch für die, die am Tag des Gerichtes zu ihm sagen werden: »Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?«
Um es einmal pointiert auf den Punkt zu bringen: Nicht einmal die Mitarbeit als kirchlicher Angestellter oder in kirchlichen Strukturen, etwa in den so genannten Gremien, reicht aus, um in den Himmel zu kommen. Manchmal ist vielleicht dieser Personenkreis sogar besonders gefährdet, dass der Herr – wie in diesem Evangelium – ihnen einmal wird antworten müssen: »Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!«; denn sie sollten ja eigentlich wie der »kluge Mann, der sein Haus auf Fels baute« wissen, worum es geht.
Der Herr beschreibt den klugen Mann als jemanden, der »diese meine Worte hört und danach handelt«.
Die Worte des Herrn hören und danach handeln: Das also ist entscheidend! Entscheidend ist also nicht, dass sich die Kirche durch karnevalistische Veranstaltungen wieder füllen, sondern dass die Kirche den Menschen getreu ihrer Sendung all das vermittelt was notwendig ist, um Karneval wieder so zu feiern, wie er ursprünglich gedacht war.
Dafür ist es notwendig, den Menschen nicht nach dem Mund zu reden. Der Herr verdeutlicht dies durch das Bild vom Haus, das auf Sand gebaut wurde.
Es ist leicht, ein Haus auf Sand zu bauen, der oft ganz in der Nähe von Flüssen reichlich zu finden ist. Dort ist der Weg zum Wasser kurz; der Untergrund ist meist eben und leicht zu bebauen. Wenn aber ein Wolkenbruch kommt, »und die Wassermassen heranfluten, die Stürme toben und an dem Haus rütteln« dann »stürzt es ein und wird völlig zerstört.«
Der Herr rät davon ab, als Leichtgewicht zu leben. Konzepte und Vorschläge, die nur kurzfristigen Erfolg bringen, lehnte er entschieden ab, wenn sie mit seinen Worten, mit dem was er möchte, nicht übereinstimmen.
Die Worte im Vaterunser, »Dein Wille geschehe«, sind also mit Bedacht zu sprechen. Nur dem wirklichen Beter wird von Gott geschenkt, seinen Willen zu erforschen.
Der wirkliche Beter scheut nicht die Mühe, das Haus auf Felsen zu bauen. Gott schenkt ihm die Kraft dafür. Wenn dann ein Wolkenbruch kommt, die Wassermassen heranfluten, die Stürme toben und an dem Haus rütteln, stützt es nicht ein; denn es ist auf Fels gebaut.
So wünsche ich uns allen, auch die ausgelassenen Tage um Karneval auf dem Fundament zu gründen, das einer Verflachung und Banalisierung, einer Sexualisierung und Kommerzialisierung und damit einem Ausverkauf dieser von ihrem Ursprung her so herrlichen Tage widersteht.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 09/2011 - 8. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Jesus spricht im Evangelium des achten Sonntags im Jahreskreis grundsätzliche Fragen an, an denen sich alles entscheidet: Wem dienen wir? … Wem unterwerfen wir uns? … Wen beten wir an? … Wer hat das Sagen in unserem persönlichen Leben?
Das Lebensgefühl heute ist zunehmend geprägt – und es ist eine richtige Plage – von Gier, Habsucht und Egoismus. Haltungen, die sogar als natürlich und folglich erstrebenswert betrachtet werde. Der Inbegriff des Glücks besteht für viele darin, sich alles kaufen und leisten zu können.
Umwelt, Medien und Werbung bestärken in der Überzeugung, man könne die Herausforderungen des Lebens durch Technik, eigene Fähigkeiten und eigenes Wissen, am Ende durch die Macht des Geldes, und was man damit machen kann, bewältigen. In der Folge wird der Wert eines Menschen nach seiner erbrachten Leistung beurteilt.
Wer viel kann, wer viel hat, wer das Leben scheinbar meistert, der hat es gut, der ist wichtig, der erscheint glücklich, dessen Leben scheint gelungen. – Menschen beziehen daraus ihre Identität und übersehen ein Problem: Bleiben diese Erfahrungen, bleibt der Erfolg aus, schwindet das Leben dahin. Es fehlt, was ihm bis dahin Fundament schien.
Auch heute sind Geld, irdische Macht, weltliches Ansehen erneut listige Gegenspieler Gottes geworden: »Niemand kann zwei Herren dienen«, sagt der Herr, »er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben oder er wird zu dem einen halten und den Anderen verachten. ... Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und der Mammon.«
Wer Genau hinschaut, wird leicht erkennen: Das Geld ist nicht nur bei den Reichen zum Gegenspieler Gottes geworden. Auch der Normalbürger hat schnell das Gefühl, ohne eigene Besitz im Leben zu kurz gekommen zu sein. Es ist dieser Kontext, in dem Jesus Grundsätze aus spricht, an denen sich alles entscheidet: »Man kann nicht zwei Herren dienen.«
Indirekt fragt hier der Herr einen jeden von uns: Wem dienst du? … Wem unterwirfst du dich? … Wen oder was betest du an? … Wer oder was bestimmt dein Leben?
Geld nimmt nicht nur sehr schnell den Schmutz der Welt an, Geld macht auch abhängig und unfrei. Geld beherrscht den, der es zu besitzen meint; denn es meist umgekehrt ist: Sehr schnell knechtet und versklavt das Geld seinen Besitzer und vereinnahmt ihn.
Deshalb sind die obigen Fragen wie folgt zu präzisieren: Wem dienst du: Gott oder dem Geld? … Wem unterwirfst du dich: Gott oder dem irdischen Ansehen? … Wen betest du an: Gott oder dein leibliches Wohlergehen? Wer hat das Sagen in deinem Leben: Gott oder du selber mit deinen Möglichkeiten?
Das heutige Evangelium hat etwas Faszinierendes an sich. Hier wird einer paradiesischen Sorglosigkeit das Wort geredet: »Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.«
In manchem gibt es ein »entweder – oder«; in anderem ein »sowohl als auch«. Man muss sehr genau hinschauen und das eine vom anderen unterscheiden.
Das Sonntagsevangelium hilft dabei, die einen jeden prägende Grundhaltung und Lebenseinstellung zu unterscheiden. Für die christliche Lebenshaltung gilt »Gott und die Welt«; sowohl Gott wie die Welt spielen eine wichtige Rolle. Für die unchristliche Lebenshaltung gilt: »Gott oder die Welt«, wobei dann Gott keine Rolle spielt.
Auch wir müssen unterscheiden und uns dabei zugleich entscheiden. Und wir müssen es immer wieder. Bejahen wir die Welt, so wie Gott sie will? Oder wollen wir eine andere, eine eigene Welt, nach unseren Vorstellungen? – Letzteres wird uns nicht gelingen; weil wir uns damit zugleich gegen Gott entscheiden würden. Gott und die Welt sind sehr wohl vereinbar: Immer dann nämlich, wenn auch wir die Welt so wollen, wie Gott sie will und wie er sie gewollt hat.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 08/2011 - 7. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Das Buch Levitikus (19,2) überliefert, wie der Herr zu Mose sprach: »Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.«
Das letzte große vatikanische Konzil vor nunmehr 50 Jahren hat es der Menschheit wieder vor Augen geführt, dass die einzig wirklich große Bewährung im Leben die Heiligkeit ist, der gegenüber aller anderen Herausforderungen untergeordnet sind. Dieses Konzil hat ebenfalls daran erinnert, was über Jahrhunderte bis heute vielen gar nicht so recht bewusst war und ist, das Heiligkeit als einzig wirklich große Bewährung im Leben nicht »ausschließlich Sache der Priester und Ordensleute« sondern aller Menschen ist, wie es schon in den dreißiger Jahren der Heilige Josefmaria Escrivá beständig wiederholt hat: »Der Herr nahm keinen aus, als Er sagte (Mt 5,48): ,Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.’« (Der Weg, Punkt 291).
Dieser Aufforderung zieht sich wie ein roter Faden durch die Schriftlesungen des siebten Sonntags im Jahreskreis und wird in ihnen praktisch. Heiligkeit ist eine Haltung nicht von verstaubten und kitschigen Gipsfiguren in ekstatischer Pose, sondern von Menschen wie du und ich, die sich die Heilige Schrift zu Herzen nehmen.
So heißt es dann, folgend auf die zitierte Stelle im Buch Levitikus (19,17-18): »Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.«
Die letzten vier Worte sind der Schlüssel zum Ganzen: Mit Gottes Hilfe ist es möglich, so, das heißt: wie ein waschechter Heiliger, zu leben.
Darum geht es auch dem heiligen Paulus im dritten Kapitel aus dem Brief an die Korinther (Verse 16-17): »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.«
In der Fortführung der Bergpredigt im fünften Kapitel bei Matthäus legt Jesus dar, dass mit Blick auf den Nächsten Heiligkeit bis zur Feindesliebe führt. Die alttestamentliche Regel: »Auge für Auge und Zahn für Zahn« hat ungerechter Willkür einen mächtigen Riegel vorgeschoben. Aber Heiligkeit geht noch weiter: »Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.«
Ein Rechtshändler, und zu einem solchen wurde man in der Antike auf jeden Fall erzogen, kann einem Gegenüber nur mit dem Handrücken auf die rechte Wange schlagen. Diese Art, jemanden zu schlagen, konnte sich damals nur ein Mächtiger und Stärkerer leisten. Es war für alle sichtbar eine Geste der Demütigung.
Hier fordert Jesus auf, im Vertrauen auf ihn standzuhalten und dem Ungerechten, scheinbar Mächtigerem auch die andere Wange hinzuhalten. Das ist für alle sichtbar eine Geste ethischer Überlegenheit und moralischer Zurechtweisung dem ungerecht Stärkeren gegenüber.
Ähnliches sagte der Herr am Beispiel von Hemd und Mantel: »Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.«
Ein Mantel war damals für die Armen so etwas wie die Lebensversicherung, der bei der empfindlichen Kälte der Nacht vor dem Erfrieren bewahrte. Deshalb war es verboten, jemanden über Nacht den Mantel zu pfänden.
Wer den Mantel dem das Hemd zu unrecht Erpressenden gibt »liebt seinen Feind«, weil er im Vertrauen auf Gott gegen den Strom geduldeter Ungerechtigkeit (alle machen es doch so mit dem Schwächeren) die Gefahr des eigene Erfrierens nicht scheut, um die Ungerechtigkeit offen zu legen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 07/2011 - 6. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Etliche Theologie-Professoren haben in einer „Denkschrift“ zu tiefgreifenden Reformen in der katholischen Kirche aufgerufen. Die lange Liste ihrer Forderungen reicht über verheiratete Priester bis hin zur Wahlbeteiligung aller Gläubigen vor Ort bei der Auswahl ihres Pfarrers und Bischofs. Über die mediale Öffentlichkeit haben sie ihre Forderungen vor den deutschen Bischöfen und dem Papst medienwirksam in Szene gesetzt. Inhalte und Methode dieses Aufrufs sind schon von daher sehr fragwürdig.
Das Evangelium dieses Sonntags ist ebenfalls ein Aufruf zur Kirchenreform. Auch hier geht es um Forderungen. Allerdings geht Jesus, der Herr, ganz andere Wege, als diese Theologen. Gleich im ersten Vers legt er seine Absicht offen: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.«
In den folgenden sechs sogenannten "Antithesen" (»Ihr habt gehört … Ich aber sage euch …«) stellt Jesus eine neue, in die Tiefe gehende Auslegung der Tora der traditionellen Auffassung gegenüber, wie sie Schriftgelehrten und Pharisäern seiner Zeit lehrten. Dem Herrn geht es um eine qualitativ neue Interpretation der alttestamentlichen Gesetze; nicht um eine neue zusätzliche Last. Er bürdet den Menschen nicht weiteres auf, sondern erhellt den Sinn des Gesetzes.
»Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.« Dem Herrn geht es nicht um äußere Erfüllung von Gesetzen, also nicht um formale Gerechtigkeit. Er legt den Sinn der Gebote und Gesetze offen und erklärt, warum etwas vor Gott und Mensch recht und richtig ist.
Das im tieferen Sinne Richtige führt zu jener Freiheit, zu der wir von Anfang an berufen sind. Es geht um Beziehung, um die Beziehung der Menschen untereinander und um die Beziehung der Menschen zu Gott. Beziehungen können nur schwer in ein Regelwerk gepresst werden. Bestrafung und Verurteilung alleine machen wenig Sinn, wenn sich die Gesinnung, die inneren Beweggründe und das Herz des Menschen nicht ändern. Die „Reform“ muss dort ansetzen, wo die Entscheidungen gefällt werden.
»Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.« Die Antithesen lenken die Aufmerksamkeit auf den ganzen Menschen. Es reicht nicht, und es würde auch nicht funktionieren, einfach nur bestimmte böse Handlungen größeren Ausmaßes zu unterlassen. Die innere Ausrichtung muss stimmen. Sie schafft einen Raum der Freiheit von allem Bösen, in dem es keine Falschheit mehr gibt. Die innere Einstellung ist dann ganz auf das Wohl des Nächsten bedacht, ganz so, wie Gott es mit uns gemeint hat. Dann wird nicht mehr nur kein Mord oder Ehebruch begangen.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind dann geprägt von einem tiefen Gespür für die Würde des anderen. Der Nächste wird dann nicht mehr als Objekt, als Gegenstand egoistischer Befriedigung missbraucht. Das Gegenteil von Liebe ist bekanntlich weniger Hassen, sondern meist mehr das „Brauchen“ bzw. „Benutzen“.
Wo das Herz in der Tiefe frei ist vom Bösen, schwört nicht nur keiner einen Meineid. Vielmehr redet und handelt jeder dann so wahrhaftig, dass man sich bedingungslos aufeinander verlassen kann. – Diese Reform ist nötig. Die oben genannte erledigt sich dann.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 06/2011 - 5. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Wieder einmal ist über die Medien in der Öffentlichkeit eine Diskussion über den Zölibat entfacht. Namhafte katholische CDU-Politiker – unter ihnen Bundestagspräsident Norbert Lammert – haben die deutschen Bischöfe gebeten, die so genannte »Zölibatspflicht« zu hinterfragen und somit etwas gegen den Priestermangel zu unternehmen.
Unter anderen hat der katholische Focus-Journalist Alexander Kissler dagegen festgestellt, dass der Rückgang an praktizierenden Katholiken wesentlich stärker ist als der Rückgang an Priestern. Die Zahl der »Geistlichen in der Pfarrseelsorge« ist in Deutschland seit 1960 von 15.500 auf 8.500 zurückgegangen, also um 45 Prozent. In derselben Zeit ist hingegen der Anteil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher unter den Katholiken von 46 auf 13 Prozent, also um 70 Prozent zurückgegangen.
So fragt Kissler verwundert, ob der im Vergleich zum Rückgang an Priestern wesentlich stärkere Rückgang an praktizierenden Katholiken nicht viel mehr Sorge bereiten müsste: »Ist die Verdunstung des Glaubens nicht der dramatischere Befund als die wachsende Entfernung zwischen den Stätten sonntäglicher Eucharistiefeier?«
Kissler kritisiert die rein soziologische Argumentation dieser Politiker. Sie sprächen davon, dass Gläubige »ein Recht auf die sonntägliche Messfeier« hätten, dieses aber durch den so genannten Priestermangel »unverhältnismäßig erschwert« werde. Kissler fragt verwundert, warum sie von einem »Recht« und »von erschwerten Bedingungen sonntags zur Messe zu gelangen« sprechen anstelle von »Sonntagspflicht«, und ob es in Zeiten fast maximaler Mobilität »unverhältnismäßig« wäre, fünf oder zehn oder mehr Kilometer zurückzulegen?
Könne man von Unverhältnismäßigkeit sprechen, wo es hier doch darum gehe »vielleicht gemeinsam sich aufzumachen zum Höhepunkt kirchlichen Lebens, zur Feier von Wochenanfang und Auferstehung, zur persönlichen Begegnung mit dem Herrn der Geschichte und des Kosmos, dem Erlöser? Sind Christen Menschen, die nur zu „verhältnismäßigen“ Einschränkungen ihrer Bequemlichkeit bereit sind, nicht aber zur Liebestat, die auch opfernd sich verschenkt?«
Die Politiker würden im Ganzen soziologisch und quantitativ argumentieren und strikt säkular. So fragt Kissler: »Darf eine Kirche, die Kirche sein will … sich solchen Argumenten öffnen?«
Die Politiker bemühten eine Umfrage, der zufolge 87 Prozent der Deutschen das »Eheverbot für das Priesteramt« für »nicht mehr zeitgemäß« halten. Darauf Kissler: »War Jesus zeitgemäß? Hätte man vor 2000 Jahren eine Umfrage im Heiligen Land gemacht, wofür die Menschen ihn hielten und ob man seiner Botschaft folgen solle, hätten gewiss mehr als 87 Prozent ihn außer Landes gewünscht, den „Störenfried“. Und war das „zeitgemäße“ Christentum nicht zu allen Zeiten ein von Christus möglichst weit entferntes Christentum, das mit der Macht kungelte, mit dem Staat, mit Kaiser, Zar und Führer?«
Schließlich, so Kissler, »hat mir noch niemand … die Frage beantwortet, warum es in jenen evangelischen, altkatholischen oder sonstigen christlichen Gemeinschaften, die den Zölibat nicht kennen, keineswegs boomt, sondern der Glaube noch weit rascher sich verzieht. Auch um den Nachwuchs steht es dort keineswegs leuchtend bestellt.«
Kissler kommt durch seine ganz andere Perspektive auf den Punkt: »Katholische Priester folgen Christus auch insofern nach, als sie dessen Ehelosigkeit sich zur eigenen Lebensform erwählen. Sie setzen dadurch … radikal und mit Haut und mit Haar und ganz freiwillig lebenslang auf diesen Christus. Manchmal denke ich, der Zölibat wird nur deshalb von nicht-zölibatär lebenden Menschen angegriffen, weil sie es nicht ertragen, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die leibhaft beweisen, dass es auch im 21. Jahrhundert lebenslange Treue, lebenslange Eindeutigkeit geben kann. Jeder katholische Priester ist ein wandelnder Einspruch gegen die Allmacht der Diesseitigkeit.«
Gerne möchte ich die im Schaukasten ausgehängten weiteren Beiträge Ihrer Lektüre empfehlen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 05/2011 - 4. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Am 25. Januar ist die Gebetswoche für die Einheit der Christen zu Ende gegangen. In mehreren Gottesdiensten haben wird dieser Einheit ausdrücklich gedacht und für sie gebetet.
Bei einem Vespergottesdienst zum Abschluss der Gebetswoche am Dienstagabend (25.01.2011) hat Papst Benedikt XVI. betont, dass die Bemühungen um eine Wiederherstellung der Einheit aller Christen sich nicht in einer Anerkennung der jeweiligen Unterschiede erschöpfen dürfe. Zugleich würdigte er »bedeutende Fortschritte« im Dialog zwischen den christlichen Kirchen.
In diesem Jahr stand die Gebetswoche unter dem Motto: »Geeint in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und im Gebet«.
Das Ziel der ökumenischen Bemühungen müsse letztlich eine Einheit der Christen sein, die in der Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und des Amtes zum Ausdruck komme, sagte der Papst in seiner Predigt in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Auf dem Weg zu dieser Einheit bestehe die Versuchung, zu resignieren und in Pessimismus zu verfallen. Eine solche Haltung müsse überwunden werden. »Es ist unsere Pflicht, dem Weg in diese Mitte mit Begeisterung zu folgen und durch einen ernsthaften und konsequenten Dialog das gemeinsame theologische, liturgische und geistliche Erbe zu vertiefen“, sagte der Papst vor ranghohen Vertretern verschiedener christlicher Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften.
Von meinem Vorgänger hier in St. Pantaleon, Msgr. Dr. Peter von Steinitz, habe ich ein äußerst wertvolles Erbe übernehmen dürfen: Die besonderen Tage des Gebetes um die Einheit der Christen, vor allem mit Vertretern der Orthodoxie, im Zusammenhang unseres alljährlichen Kaiserin Theophanu Gedenkens.
Auf die Ökumene angesprochen hat Papst Benedikt im Buch »Licht der Welt« gesagt: »Die Ökumene ist vielschichtig und vielgesichtig. Wir haben hier die ganze Weltorthodoxie, die in sich schon sehr vielfältig ist, dann den Weltprotestantismus, wo sich die klassischen Konfessionen vom neuen Protestantismus unterscheiden, der jetzt wächst und ein Zeichen der Zeit ist. Der Ort, wo wir sozusagen am nächsten zu Hause sind und am ehesten auch hoffen können, zueinander zu kommen, ist die Orthodoxie.«
Papst Benedikt betont dann die Wichtigkeit, »dass diese orthodoxe Welt mit ihren inneren Spannungen doch auch ihre innere Einheit mit der so anders gearteten lateinischen Weltkirche sieht. Dass wir uns bei allen Unterschieden, die die Jahrhunderte aufgebaut haben und die durch die kulturellen Trennungen und anderes bedingt sind, doch wieder wirklich in unserer inneren geistlichen Nähe sehen und verstehen.«
Die Seligpreisungen, die wir an diesem Sonntag aus dem Evangelium wieder vernehmen werden, gelten auch denen, »die hungern und dürsten« nach der Einheit; »denn sie werden Gott schauen«.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 04/2011 - 3. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Es gibt wohl kaum einen Tag in unserem Leben, wo alles glatt läuft. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat erleben wir Höhen und Tiefen. Manchmal zurückhaltend, manchmal ausgeprägt, hin und wieder dramatisch. In der Heiligen Schrift spiegelt sich diese Wirklichkeit wider.
Dem Text der ersten Sonntagslesung (Jes 8,23b-9) geht die Beschreibung einer gefahrvollen Zeit voraus. Verursacht wurde sie durch Unglaube und Untreue Gott gegenüber. Wer nicht an Gott glaubte, kam zu Fall; denn: Dem Gottlosen ist Gott ein Stein des Anstoßes. Er wird über ihn stolpern und zerschellen (vgl. Jes 8,14-15). Worte dieser Art finden ihren Widerhall bis weit hinein in das Neue Testament (vgl. z.B. Mt, 21,44; Lk 20,17; Apg 4,11; Röm 9,33).
In diesem Gesamt verkündet die erste Sonntagslesung aus dem Prophetenbuch Jesaja alles andere als idyllische Romantik. Sie verkündete die Rettung des Menschen; seine Erlösung.
Das Land Sebulon und das Land Naftali werden genannt: »Einst hat er das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden« (Jes 8,23b). Sebulon und Naftali sind fruchtbare Landstriche. Sie liegen weit oben im Norden, oberhalb des Sees Gennesaret.
Vor allem Sebulon war durch Verschleppung und erst spätere Heimkehr der Juden im Laufe der Zeit ein Vielvölkergebiet geworden; auch vom Glauben her. Darum nennt es Jesaja das Land der (vielen) Völker, das Land der Heiden, in dem der Glaube schwach und die Menschen bildlich gesprochen im Dunkel sitzen. Hier hinein lässt Gott ein strahlendes Licht fallen: »Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf« (V. 9,1).
Dieses Licht nimmt den Menschen eine große Last von den Schultern. »Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers« (V.3).
Sebulon und Naftali, dazu noch das Gebiet Ascher, wurden schon früh zum Land Galiläa. In dieses vom Glauben her schwaches Vielvölkergebiet zieht es Jesus, als er hört, was mit Johannes geschehen ist. »Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazareth um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist« (Mt 4,12-14).
Matthäus zitiert ganz bewusst das prophetische Wort aus dem Prophetenbuch Jesaja, das sich am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu nun erfüllt! Schon wieder ein überaus deutlicher Hinweis aus den alten Schriften, die Jesu Sendung bestätigen!
Wenn Matthäus sagt, dass Jesus sich nach Galiäa »zurückzog«, denkt er nicht an Flucht oder Resignation. Er meint vielmehr, dass Jesus sich nicht an verhärteten Strukturen und Besserwissern aufzureiben gedenkt. Jesus beginnt sein öffentliches Wirken dort, wo Kopf und Herz noch offen sind, wo nicht alles sofort in Schubladen und Denkschablonen eingeordnet wird. Hier fällt sein Wort auf fruchtbaren Boden.
"Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!" (V.17)
Er predigt eine Umkehr von moralischer und religiöser Beliebigkeit hin zum Reich Gottes; von Dunkelheit und Finsternis hin zum hellen Licht. – Die ersten, die sich diese Aufforderung zu Herzen nahmen, waren Petrus und sein Bruder Andreas. Matthäus berichtet: »Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.«
Petrus und Andreas waren keine Schriftgelehrten, keine Lehrer, keine Priester. Auch keine Schwärmer oder Theoretiker. Und wohl auch keine wortgewandten Redner. Sie waren einfache Fischer: bodenständig, mit der Natur verbunden; praktische und handfeste Männer, die mitten im Leben standen. Sie ließen alles stehen und folgten ihm nach.
Heute wie damals wird Gottes Licht dort erstrahlen und Frieden bringen, wo sich Menschen ihm vorbehaltlos anvertrauen: Mitten in der Welt oder auf dem „Sonderweg“ einer klösterlichen Berufung.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 03/2011 - 2. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Das Evangelium dieses Sonntags schlägt eine Brücke von der Advents–und Weihnachtszeit in die inzwischen begonnene Jahreszeit. Noch einmal erhebt Johannes der Täufer machtvoll seine Stimme. Als er Jesus auf sich zukommen sieht, so wird uns diesen Sonntag berichtet, bezeugt er unbeirrt und voller Kraft: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt«.
Auffällig ist, dass Johannes gleich zweimal unterstreicht: »Auch ich kannte ihn nicht«.
Damit meint Johannes nicht, dass er seinen Cousin Jesus noch nie gesehen habe. Vielmehr legt er Zeugnis dafür ab, ihn nun mit ganz anderen Augen zu sehen. Diese nämlich wurden ihm bei der Taufe Jesu geheimnisvoll geöffnet: »Und Johannes bezeugte: ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb«. Der ihn gesandt habe, mit Wasser zu taufen, habe ihm auch gesagt: »Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft«.
Schon als Bußprediger stand Johannes da wie ein Leuchtturm in der Brandung. Nicht wie ein schwankendes Schilfrohr (vgl. Mt 11,7), sondern unerschütterlich und fest spricht er nun aus: »Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: er ist der Sohn Gottes«.
Der Ernst dieser Worte ist unüberhörbar; und er berührt. Für dieses Zeugnis hat Johannes später den Tod auf sich genommen, wie viele Märtyrer nach ihm bis heute. Wir denken z.B. an Pater Maximilian Kolbe oder an die vielen, in den letzten Jahren weltweit verfolgten Christen.
So also bekennt der Täufer Jesus als »Sohn Gottes«, der zugleich als »Lamm Gottes … die Sünde der Welt hinwegnimmt«. Darauf geht zurück, was wir als Gläubige in jeder Heiligen Messe beten und bekennen: »Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser… gibt uns deinen Frieden« bzw.: »Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt«.
Als gläubige Juden verbanden die Zuhörer des Johannes mit dem Wort „Lamm“ spontan die biblische Erinnerung an die Flucht aus Ägypten. Damals rettete das Blut von Lämmern, das ihre Vorfahren auf Anweisung des Mose an die Türpfosten strichen, vor dem tödlichen Zugriff der Gerichtsengel auf jede Erstgeburt (vgl. Exodus 12,22 f).
Mit dem Wort „Lamm“ verbanden gläubige Juden intuitiv auch den Versöhnungskult im Tempel. Am jährlichen Versöhnungstag legte der Hohepriester, wenn er dann auch das Allerheiligste des Tempels betreten durfte, die ganze Sündenlast des Volkes durch Handauflegung auf ein männliches Schaf. Diesem friedfertigen und unschuldigen Tier wurden in diesem Zeichen die Sünden aller symbolhaft aufgebürdet. Dann wurde das Schaf in die Wüste getrieben, wo es hilflos verendete; und mit ihm vermeintlich auch all die vielen Sünden.
Darüber hinaus wurden das Jahr über im Opferbereich des Tempels so viele Opfertiere getötet, dass die Priester zuweilen bis zu den Fußknöchel im Blut standen.
Damit ist die Botschaft entschlüsselt: In Jesus Christus wird Gott zum Lamm, zum Knecht, der als Gottmensch unsere Schuld freiwillig übernimmt und auf sich lädt. Er tut, was wir nicht können: er nimmt unsere Schuld, die Sünde der Welt hinweg. So war es auch nicht Zufall, dass Jesus am Kreuz genau an dem Tag starb, als im Tempel die Paschalämmer geschlachtet wurden.
»Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer«, betont Jesus mehrfach. Darüber hinaus nennt er seinen Vater im Himmel liebevoll »abba«. Jesus ist also nicht in diesem Sinne Lamm Gottes, dass ein grausamer Gottvater nur durch das Blut des eigenen Sohnes besänftigt werden könne.
Als »Lamm Gottes« setzt er vielmehr den entschlossenen Willen des Vaters ins Werk, das Böse in der Welt endgültig zu besiegen. So werden wir in die Lage versetzt, uns fortan nicht mehr über die wahre und unheilvolle Größe der Sünde zu täuschen und selbstgerecht hinweg zu setzten; vorausgesetzt, wir winken nicht schon wieder ab und verhärten das Herz mit neuer Blindheit und weiterer Sünde.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 02/2011 - 1. Woche im Jahreskreis (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Nun ist die schöne Zeit der vielen Fest- und Feiertage, der besonderen Gottesdienste und familiären Begegnungen schon wieder vorbei. Das Neue Jahr hat seinen gewohnten Lauf genommen. Und auch der Alltag wird uns nun wieder fest im Griff haben.
Aber ist es wirklich so: Alles nur wieder Alltag? – Das Fest der Taufe des Herrn zeigt eine andere Perspektive.
Johannes der Täufer ist nicht wenig überrascht, als unvermittelt aus der Schar der umkehrwilligen Sünder der Herr vor ihn tritt, um sich taufen zu lassen. Der Evangelist Matthäus bemerkt dazu: »Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?«
Im griechischen, dem originalen Bibeltext heißt es ausdrucksstärker als in unserer Einheitsübersetzung: »Aber Johannes versuchte heftig, ihn zu hindern.« Der Herr, der ganz ohne Sünde ist, bedarf nicht der Umkehr und Reinigung. Dennoch bittet er Johannes um die Taufe: »Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen.«
Die aufschlussreichen Worte, auch das überraschende »wir«, lassen verstehen, dass sowohl der Herr wie auch Johannes sich nicht nur an eigenen Vorstellungen und Maßstäben orientieren, sondern an höheren, denen sie die eigenen unterordnen. Beide lassen sich auf das ein, was Gott mit ihnen vorhat. Sie identifizieren sich damit. – Das ist so ganz anders, als was Selbstverwirklichungspropheten predigen und für das einzig Richtige halten.
Über den Vorgang der Taufe sagt das Evangelium nichts. Das ist dem Evangelisten auch nicht wichtig. Wichtig ist ihm allein die Botschaft, dass Jesus sich taufen ließ, und dass auch Johannes im Gehorsam will, was Gott der Vater will.
Weil beide »mitspielten« konnte geschehen, was Gott alles noch wollte: »Kaum war Jesus getauft …, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.«
Wo Menschen sich auf Gottes Willen einlassen, wo sie ihren eigenen, bei aller Größe immer sehr beschränkten, dem größeren und besseren Willen Gottes öffnen und ihn zum Maßstab für ihren eigenen nehmen, da öffnet sich der Himmel. In Anlehnung an das biblische Ereignis der Taufe Jesu bedeutet die Öffnung des Himmels konkret: Durch den Gehorsam dafür empfänglich geworden, kann Gott uns Menschen den Himmel öffnen und erklären, wie sehr er uns liebt.
Der eigene Genius befreit nur bedingt aus der Monotonie des Alltags, die einen am Ende doch immer wieder einholt. Wirklich befreit aus ihr nur die Liebe: Die Liebe, mit der Gott uns liebt und die er uns zeigen und zuwenden kann, wenn wir uns seinem Wollen öffnen und es zum Maßstab für unser Wollen annehmen. Dabei entdeckt man auch zusehends die eigene Liebesfähigkeit Gott und der Welt gegenüber, die aus dem Glauben erwächst, und einen mehr beglückt als die jene Erfüllung durch Hingabe und Liebe, zu dem der Alltagsgenius in der Lage ist.
»Lass es nur zu«, forderte Jesus den Täufer auf, um »die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz (zu) erfüllen.« Die Gerechtigkeit und das Rechte, die Gott fordert, sind irdisch und himmlisch zugleich. Damit überdauern sie das eigene Leben und die ganze Geschichte. Das Rechte, was Gott fordert, hat nicht nur kosmische Dimension. Es ist ewig. Das Rechte in dieser Größe lieben, sich ihm öffnen und mit Hingabe anvertrauen zu können, erfüllt über die Maßen und schenkt ungeahntes Glück.
Dafür muss man sich allerdings jeweils neu bewusst machen, was Gott fordert; was er von mir in meiner jeweiligen Situation aus seiner Perspektive erwartet.
So schwer ist das nicht. Man muss in sich hineinhören, zur Orientierung die Heilige Schrift in die Hand nehmen und sich in der Sammlung bei Gebet und Gottesdienst üben. Dann hört und versteht man schließlich. Man erkennt und sieht dann, wie Gott sich das alles gedacht hat, und man begegnet jener kraftvollen Liebe Gottes, mit der er uns hilft, das umzusetzen. – Mit dem Evangelium von der Taufe Jesu sagt Matthäus, dass und warum es sich lohnt!
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 52/2010 und 01/2011 - Weihnachtszeit (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Weihnachten bringt uns erneut zur Mitte unseres Glaubens: Das Kind im Stall von Bethlehem ist Gottes Sohn. Der Sohn Mariens blieb was er war, nämlich Gott, und wurde uns Menschen doch wahrhaft gleich. Als Gott und Mensch ist er der einzige Mittler und der einzige Erlöser aller Menschen.
Ganz in diesem Sinne hat der große Theologe John Henry Newmann, der in diesem Jahr von Papst Benedikt XVI. in Birmingham seliggesprochen wurde, ausgehend von dem Aufbruch der Hirten die Gläubigen ermutigt: »Die Hirten sprachen zueinander: ‚Lasset uns nach Bethlehem gehen und die Dinge schauen, die dort geschehen sind, wie der Herr uns kund getan hat (Lk 2,15). Lasset auch uns mit Ihnen gehen und jenes zweite und größere Wunder schauen, zu dem der Engel ihnen den Weg wies: Er lag jetzt in den Armen seiner Mutter, allem Aussehen nach hilflos und kraftlos, wurde von Maria in Windeln gewickelt und zum Schlafen in eine Krippe gelegt. Der Sohn des allerhöchsten Gottes, der die Welten schuf, wurde Fleisch, obwohl er blieb, was er zuvor war. Er wurde so wahrhaftig Fleisch, als hätte er aufgehört zu sein, was er war, und als wäre er wirklich in Fleisch verwandelt worden.«
Alljährlich zu Weihnachten wird es uns in Erinnerung gerufen: Gott hat sich auf den Weg zu uns gemacht und wurde Mensch. So können auch wir uns auf den Weg zu ihm machen und in seiner Nähe zu diesem seinem Abbild finden, als das er uns ins Leben rief, wie es im Buch Genesis steht (1,26 f). »Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. … Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.«
Nachdem der Mensch so oft und immer wieder nur ein sehr mäßiges und oft auch schlechtes Abbild war, findet er nun allein und ausschließlich in seiner, in des Herrn Jesu Christi Nähe, die ihm eigene und wahre Größe: seine göttliche Ebenbildlichkeit; und nur so bleibende Erfüllung.
Von Herzen wünsche ich dies mit Blick auf Weihnachten und das Neue Jahr Ihnen und uns allen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 51 / 2010 - 4. Adventswoche (A)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie die über vier Wochen stetig sinkenden Temperaturen im Inneren der Kirche ohne jedes Klagen hingenommen und ausgehalten haben. Sicher gibt es Schlimmeres. Aber so niedrige Innenraumtemperatur (6,2 °C am 17.12. um 8.00 Uhr) gab es in St. Pantaleon schon lange nicht mehr.
Kommenden Montag (20.12.) wird die neue Heizung ab dem späten Nachmittag schrittweise in Betrieb genommen. Dann werden die Innentemperaturen langsam wieder steigen. Zugleich sind wir angehalten, nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen, in Zukunft in sparsamer und ausgewogener Verantwortung mit den stetig gestiegenen Energiekosten umzugehen. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam einen Level finden, mit dem wir alle gut auskommen und auf den wir uns einvernehmlich verständigen können.
Die neue Anlage bietet die Möglichkeit, ein variables Temperaturprogramm zu fahren, das auch in unserer Kirche zu guten Ergebnissen führen soll. Mehr kann ich noch nicht sagen und bin selber gespannt darauf, was die neue Technik uns bringen wird. Unser Küster, Herrn Gwozdz, wird dann unter Beibehaltung seiner bisherigen Aufgaben auch noch die des „Temperatur-Managers“ übernehmen. Dafür danken wir ihm schon jetzt im Voraus.
Nun haben wir bereits den vierten Advent. Im Sonntagsevangelium steht die Figur des Heiligen Josef besonders im Mittelpunkt. Durch den Evangelisten Matthäus (1,18) hören wir: "Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes."
Der Evangelist betont, dass es keine normale Schwangerschaft ist. Von einer Zeugung des Kindes durch Josef ist auch nicht der Hauch einer Andeutung zu lesen. Was auch die Verwirrung des Josef begreiflich macht, der über die unverhoffte Schwangerschaft seiner Verlobten offenbar über die Maßen irritiert war. "Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (ibid. 1,19-20)
Matthäus betont die Zugehörigkeit Josef zum Haus David und erinnert damit an die Erfüllung der uralten Verheißung an König David. "Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch die Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel, geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns." (ibid. 1,22-23)
Die Größe des Heiligen Josef wird darin sichtbar, dass er tut, warum Gott ihn bittet. Was menschliches Begreifen und Vermögen übersteigt, kann so Wirklichkeit werden.
Josef ge– horchte, auch wenn er nicht alles verstand. Heute ist es genau anders herum: heute will man alles verstehen, aber nicht gehorchen.
Die Rolle von Josef war eher die hinter Jesus und Maria, und nicht an vorderer Stelle. Josef, der Mann der Träume, war ein Mann mit Güte, mit Geduld, mit Herz. Mehrmals noch wird in der Bibel davon erzählt, wie er ohne Wenn und Aber dem Ruf Gottes folgte. – So ist der heilige Josef auch für uns heute ein großes Vorbild:
Gott gehorchen und dienen kann man auch in der zweiten Reihe. Es kommt weniger darauf an, was wir sagen; es kommt meist mehr darauf an, was wir tun.
So findet Gott wie bei Josef immer einen Weg zum Ziel. Auch wenn manche Situation in unserem Leben vielleicht eher zum Davonrennen ist, denken wir an Josef, der seine zugedachte Rolle im Plan Gottes liebend angenommen hat. Vielleicht denken wir daran, wenn wir im Vaterunser beten: „Dein Wille geschehe!“ – Wenn wir das ernstnehmen, dann kann Weihnachten kommen!
Die Ikone setzt die Rolle Josefs großartig ins Bild. Sogar für Maria ist das Geheimnis der Menschwerdung zu groß. Nur Ochs und Esel vermögen in ihrer Einfalt sich dem Kind zuzuwenden. Eine Einfalt, in welcher der Mensch mit Gottes Hilfe weit über seine eigenen Grenzen hinauswachsen kann.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 50 / 2010 - 3. Adventswoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Sollten Sie noch ein passendes Geschenk zu Weihnachten suchen, lesen Sie doch bitte aufmerksam, was ich Ihnen von den vielen Kommentaren zum neuen Papstbuch (Benedikt XVI., Licht der Welt, Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit., Ein Gespräch mit Peter Seewald, Verlag Herder, 240 Seiten, geb.m.Schutzumschlag, ISBN 978-3-451-32537-3, Preis: 20,50 Euro) im Folgenden zusammengestellt habe.
Das online Magazin „Spiegel“ schrieb am 25.11.2010 (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,731259,00.html): »Die Diskussion über das neue Papst-Buch dauert an. … Kirchenkritikern droht ein Feindbild abhanden zu kommen«, was im darauf folgenden »Debattenbeitrag« von Matthias Matussek dann konkret wird: »Besonders aber provoziert er (Papst Benedikt) nun die Schriftgelehrten der säkularen Welt, die professionelle Kirchenkritik, weil er sie zunächst mal beschäftigungslos werden lässt, denn er kritisiert sich und seine Firma schon selber und das schonungslos. Die fürchterlichen Missbrauchsfälle! Die Panne im Umgang mit dem ausgeklinkten Holocaust-Leugner Williamson! Diese Geständnisse eigener Fehlbarkeit, wie haben sie sich die Papstkritiker herbeigesehnt. Hier sind sie.
Er sagt, durchaus Gänsehaut treibend, dass in bestimmten Schichten in der katholischen Kirche Deutschlands viele nur darauf warten, ihn abzuschlachten. Doch dann wirft er als Pontifex Maximus den Blick über die außereuropäischen Horizonte einer Weltkirche, die blüht und wächst und Priester ordiniert. Die in einigen Weltgegenden zu den schlimm Verfolgten gehört. Die doch Dienst an den Armen tut und Trost und Hoffnung spendet und begeistert durch Glaubensinnigkeit. Die "katholisch" im Wortsinn ist: allumfassend. Und da wirkt dann Deutschland doch sehr klein und besonders hässlich.
In seinem Gespräch mit Peter Seewald – dessen kulturpessimistischen Fragen er des öfteren optimistische Aufhellungen entgegenhält – setzt er auf die christliche Moral als Mittel gegen die Selbstzerstörung des Planeten. Auf die heutzutage bestsellerfähige Frage "Wofür stehst Du?" gibt er irritationsfreie Antworten. Diese Art von Unfehlbarkeit erwartet dann auch jeder Gläubige.
Der Papst in diesem Gespräch ist glaubensstark, aber nicht autistisch. Es ist ein neues Papstbild, das da aufscheint. Hier spricht nicht der oft als kalter Taktiker verzeichnete Theologie-Professor, der seine Glaubensdogmen mit dem Rücken zur Welt formuliert, sondern der Menschen zugewandte, verständnisvolle Hirte. Und der antwortet mit oft entwaffnender Schlichtheit und Offenheit. Und er spricht ganz unverblümt über die Liebe als wahren, als echten Skandal in der heutigen Zeit.«
Nicht weniger aufschlussreich schreib Armin Schwibach am 7.12. im online Portal „kat.net“ (http://www.kath.net/detail.php?id=29262): »Zwei Wochen sind vergangen, seit das Interviewbuch mit Benedikt XVI. „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ in den Buchhandlungen ist. Schwindelerregende Auflagenzahlen begleiten das historische Ereignis eines Buches, in dem ein Papst zum ersten Mal einem Journalisten in einem Gespräch antwortet. Bereits im Jahr 1994 hatte der italienische Publizist Vittorio Messori den Interviewband mit Johannes Paul II. „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ veröffentlicht. Doch im Unterschied zu heute hatte der Papst damals schriftlich geantwortet. So besticht – neben allen wichtigen Inhalten – die Tatsache, dass der Leser von „Licht der Welt“ in den Fluss eines sechsstündigen Dialogs hineingenommen wird. Die Distanz zwischen Papst und Leser wird so auf ein Minimum reduziert.
… Besonders jedem Katholiken ist es anzuraten, sich intensiv mit dem Papstbuch auseinanderzusetzen, denn: es handelt sich um eine einmalige Gelegenheit, Benedikt XVI. kennenzulernen. So mancher wird auch staunend entdecken, wie sich angestaute Vorurteile an der einnehmenden Einfachheit und Tiefe der Gedanken des Papstes brechen und der für viele bereits bekannte „wahre“, das heißt nicht von irgendwelchen Medien in einem faschingsmäßig organisierten Spektakel verzerrte Benedikt XVI. in seiner unübersehbaren Wirklichkeit und Größe zutage tritt.«
So wünsche ich Ihnen einen frohen Advent und eine erfrischende und wohltuende Weihnachtslektüre!
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 49 / 2010 - 2. Adventswoche (A)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
In den Lesungen zum zweiten Advent begegnet uns Jahr für Jahr Johannes der Täufer. Er ist wohl die markanteste Gestalt der Adventszeit. Sein Bußruf: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!” hat viele schon im jugendlichen Alter erreicht. Wichtig ist, dass unser Verständnis für diesen Ruf des Täufers mit dem Heranwachsen und Älterwerden als Christ Schritt hält.
Mit seinem Aufsehen erregenden Auftreten will der Täufer mit Nachdruck unterstreichen, dass sich etwas ändern muss bei den Menschen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!” So verkündet es auch heute noch die Kirche alljährlich vor dem Weihnachtsfest.
Nun kann die Wüste, von der schon bei Jesaja die Rede ist, auch als Bild des Menschen guten Willens verstanden werden. Die „Leute von Jerusalem” und aus „ganz Judäa” waren solche Menschen. Die „Volljährigkeit” ihres guten Willens zeigt sich in ihrem Gespür dafür, dass ohne tägliche geübte Umkehr das Leben am Ende unerfüllt bleibt. Deshalb zogen die „Leute von Jerusalem zu ihm hinaus”, wird berichtet, „bekannten ihre Sünden” und ließen sich „von ihm taufen”.
Anders die Pharisäer. Sie wollten die Taufe des Johannes nicht zur Umkehr, sondern nur zur Bestätigung ihrer vermeintlichen Gerechtigkeit empfangen, die sie von ihrer abrahamitischen Abstammung meinten ableiten zu können. Der Täufer weist ihre Selbstgerechtigkeit scharf zurecht.
Erleben wir heute nicht ähnliches? Meinen manche nicht allzu voreilig, dass doch eigentlich alles ganz in Ordnung und nichts zu verändern wäre in ihrem Leben?
Das andere Extrem ist eine falsche Unzufriedenheit mit sich selber. Zur wahren Lebenskunst gehört, seine Fehler und Ungereimtheiten akzeptieren zu können, und gleichzeitig so zu ihnen zu stehen, das man mit Gottes Hilfe weiter an sich arbeitet und zu ändern versucht, was mit seiner Hilfe möglich ist.
Ohne die Bereitschaft bis an die Wurzel gehender Umkehr bleibt der Mensch ein Pharisäer, von denen der Täufer sagt, dass sie wie „jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt ... umgehauen und ins Feuer geworfen” werden.
Die adventliche Begegnung mit dem Täufer führt zu Jesus Christus. Deshalb lädt die Kirche in diesen Tagen des Advents dazu ein, den Weg der Umkehr mit dem Bußsakrament abzuschließen und in der Beichte besiegeln zu lassen. Das persönliche Bekenntnis vor dem Priester gehört mit zu der intensivsten Form, Christus, dem Herrn zu begegnen. Die schon im aufrichtigen Schuldbekenntnis vollzogene Umkehr und die in der Lossprechung geschenkte Vergebung „bereiten dem Herrn den Weg”.
Wenn wir in St. Pantaleon am Ende unserer Novene das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens gefeiert haben, schreiten wir weiter voran in dieser stimmungsvollen Atmosphäre der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.
»In der heutigen Konsumgesellschaft«, so hat es Papst Benedikt einmal formuliert, »erleidet diese Zeit bedauerlicherweise eine Art kommerzieller "Verunreinigung", die ihren wahren Geist, der geprägt ist von geistiger Sammlung, Schlichtheit und einer nicht äußerlichen, sondern tief innerlichen Freude, zu verfälschen droht. Es ist daher von der Vorsehung gewollt, dass – gleichsam wie ein Eingangstor zu Weihnachten – das Fest jener Frau gefeiert wird, die die Mutter Jesu ist und die uns besser als alle anderen dazu anleiten kann, den menschgewordenen Sohn Gottes zu kennen, zu lieben und anzubeten. Lassen wir uns also von ihr führen und uns von ihren Gefühlen beseelen, damit wir uns mit ehrlichem Herzen und offenem Geist darauf einstellen, im Kind von Betlehem den Sohn Gottes zu erkennen, der auf die Welt gekommen ist, um uns zu erlösen.«
Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 48 / 2010 - 1. Adventswoche (A)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
In diesem Jahr hat sich der Winter überraschend früh gemeldet. Tagestemperaturen um den Gefrierpunkt und Nachtfrost stehen uns bevor. Zeitgleich ist die alte und defekte Heizung inzwischen ausgebaut. Wir alle hätten uns eine andere zeitliche Abstimmung gewünscht: Dass der Winter noch etwas wartet und die Heizung einige Wochen früher gekommen wäre.
Schön jedoch ist, dass die Arbeiten zügig vorangehen. Derzeit werden die Luftauslässe für die neue Heizung vergrößert. Zu diesem Zweck wandert im Moment eine kleine Hütte aus Spanplatten durch die Kirche, in der die Stemm- und Maurerarbeiten für den Kirchenraum nahezu staubfrei durchgeführt werden. Bislang läuft alles nach Plan und die Kirche soll eine Woche vor Weihnachten wieder beheizt werden können. Vielleicht gelingt es uns sogar für eine kurze Zeit durch eine Notbeheizung die Temperaturen nicht allzu sehr unter 10 Grad absinken zu lassen.
Mit der richtigen Kleidung ist es bislang zugleich sehr erträglich geblieben. Im Augenblick, heute 26. November, 10.00 Uhr, haben wir in der Kirche immer noch 11,3 Grad Celsius. Als Pfarrer habe ich festgestellt, wie wohlig warm ein guter Daunenanorak, unsichtbar unter dem Messgewand getragen, mich zumindest die Kälte bislang fast ganz unberührt ließ. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie das ähnlich sehen oder empfinden könnten.
Unser schöner Kölner Dom, wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, bleibt im Winter ganz ungeheizt, weil das kaum zu finanzieren ist und nach einigen Versuchen zudem große technische Probleme davon abrieten. Wenn die kälteren Temperaturen im Kircheninneren dazu führen, an die notwendige geistliche und innere Temperatur der Seele zu denken und sie zu pflegen und zu erhöhen, dann lassen sich diese Widrigkeiten auch leichter hinnehmen.
Mit Blick auf eine solche Erhöhung der inneren und geistigen Seelentemperatur freuen wir uns auch dieses Jahr wieder auf die neuntägige Vorbereitung durch unsere „Novene“ auf das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter und Jungfrau Maria. Eröffnet wird die Novene in diesem Jahr am 30. November von Weihbischof Dr. Klaus Dick. Am Tag des Hochfestes selber, am 8. Dezember, wird Prälat Josef Sauerborn den Gottesdienst feiern und die Predigt halten.
Das weitere Programm der Novene hängt und liegt aus. Auch dieses Mal haben sich einige aus dem Pfarrgemeinderat bereit erklärt, im Anschluss an die Gottesdienste in der gewohnten Weise im Westwerk für das leibliche Wohl zu sorgen. Sicher erfährt angesichts der oben geschilderten Situation der Glühwein eine neue Wertschätzung. – Machen Sie die Novene doch bitte auch in diesem Jahr wieder unter Ihren Freunden bekannt.
Mit dem Advent bereiten wir Christen uns auf das kommende Weihnachtsfest vor. Unser Adventsbasar an diesem Wochenende (27./28. November) ist ein wertvoller Beitrag dafür, dass das Äußere, die Atmosphäre geschaffen wird für die innere Einstimmung auf Weihnachten.
»In der Adventszeit«, so hat es Papst Benedikt beim Gebet des „Angelus“ am 4. Dezember 2005 einmal formuliert, »bereitet sich die kirchliche Gemeinschaft darauf vor, das große Geheimnis der Menschwerdung zu feiern, und sie ist eingeladen, ihr persönliches Verhältnis zu Gott neu zu entdecken und zu vertiefen. Das lateinische Wort „adventus“ bezieht sich auf das Kommen Christi und stellt das Herabsteigen Gottes zur Menschheit in den Vordergrund, auf das jeder mit Offenheit, Erwartung, Suche und Zustimmung antworten soll. Und so wie Gott in seiner Selbstoffenbarung und seinem Sich-Hinschenken souverän und frei ist, weil ihn allein die Liebe dazu bewegt, so ist auch der Mensch frei, seine, wenn auch gebührende, Einwilligung zu geben: Gott erwartet eine aus Liebe gegebene Antwort.«
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnet und fruchtbringende Adventszeit.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 47 / 2010 - 34. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Mit den Wochentagen nach dem Christkönigssonntag geht das Kirchenjahr zu Ende. Das neue beginnt dann mit dem ersten Advent. Es sind, wenn man eine optimistische Grundeinstellung hat, gute Nachrichten, mit denen dieses Kirchenjahr nun zu Ende geht.
Sie werden bemerkt haben, dass es in der Kirche recht kühl geworden ist. Machen Sie sich bitte nicht allzu viele Sorgen darüber. In Abhängigkeit von der Außentemperatur kann die Kirche in den nächsten Tagen und Wochen sogar noch weiter auskühlen. Passend zu Herbstende und Winteranfang bekommen wir nach zweieinhalbjähriger Planung nun endlich eine neue Heizung, nachdem die alte ihren Geist zu einem guten Teil aufgegeben hat.
Mit dem Kirchenvorstand und allen Beteiligten haben wir gehofft, die Arbeiten noch in den Sommermonaten durchführen zu können. Es hat nicht funktioniert. Vor Weihnachten soll die Heizung wieder in Betrieb sein. Die neue Anlage wird deutlich wirtschaftlicher arbeiten und zugleich die bislang teilweise zu hohen Temperaturen im Kircheninneren während der Wintermonate, die dem Gebäude und vor allem der Ausstattung nicht gut tun, auf das passende und richtige Niveau bei den Gottesdiensten von maximal 14 bis 15 Grad bringen. Außerhalb der Gottesdienste wird die Temperatur mit einem halben bis maximal einem Grad pro Stunde auf ein Niveau von minimal 10 Grad wieder abgesenkt werden. Drauf haben sich die unterschiedlichen Sachverständigen, vom Orgelbauern bis zum Techniker verständigt.
Eine zweite gute Nachricht. Vergangenen Sonntag haben zehn Jugendliche, die hier zu St. Pantaleon gehören oder einen Bezug nach hier haben, das Sakrament der Firmung im Kölner Dom durch Weihbischof Manfred Melzer empfangen. Für zwei dieser Jugendlichen war der Tag der Firmung zugleich der Tag ihrer Erstkommunion.
Es war ein schöner und bewegender Firmgottesdienst, wunderbar gestaltet von den Domchören. Bei den Glaubensgesprächen zur Firmvorbereitung ist der Wunsch gewachsen, dass wir uns nach der Firmung weiter treffen und die Glaubensgespräche fortführen. Nach der Firmung hat es mich sehr gefreut, dass die Gefirmten von sich aus noch einmal darum gebeten haben, unsere Treffen doch bitte fortzusetzen. Das werden wir machen und uns wird dabei gewiss nicht langweilig; im Gegenteil.
Eine dritte gute Nachricht. Am Dienstag, dem 30. November beginnt die Novene zur Einstimmung auf das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter am 8. Dezember. Diese Novene hat in St. Pantaleon eine lange Tradition. Sie wird diesmal von Weihbischof Dr. Klaus Dick eröffnet. Täglich werden uns andere Zelebranten und Prediger durch diese Novene begleiten.
Mit dabei ist auch die Kirchenmusik an St. Pantaleon: Der Kirchenchor wird am 8. Dezember singen; in anderen Gottesdienste wird der ein oder andere Akzente gesetzt. Auch der Pfarrgemeinderat ist wieder mit dabei und wird nach der Stärkung der Seele im Gottesdienst noch ein wenig bei der Stärkung des Leibes nachhelfen.
Mit diesen guten Nachrichten kann das alte Kirchenjahr in den kommenden Tagen getrost zu Ende gehen. Und wir dürfen uns freuen auf die dann beginnende Adventszeit mit ihren Besonderheiten. Mehr dazu in den nächsten Pfarrnachrichten.
Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 46 / 2010 - 33. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Pfarrangehörigen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Allen, die von Ihrem Wahlrecht bei der Kirchenvorstandswahl Gebrauch gemacht und die wichtige Arbeit dieses Gremiums damit unterstütz haben, danke ich nicht weniger von Herzen wie den Kandidaten, die sich für diese Arbeit bereit erklärt haben. Alle Gewählten haben die Wahl angenommen. Wahlergebnis und Einspruchsfristen sind im Schaukasten veröffentlicht.
Wie schon angekündigt wird an diesem Sonntag, dem 14. November, die Ausstellung „Pontifex“ feierlich mit einem Vortrag um 17.00 Uhr und anschließendem Pontifikalamt um 18.30 Uhr mit Erzbischof Szczepan Wesoly, Rom, dem Kölner Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp in Vertretung für Kardinal Joachim Meisner und weiteren Konzelebranten eröffnet. Die Ausstellung möchte vor allem die drei zentralen Anliegen hervorheben, mit denen Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal 1980 vor 30 Jahren und dann zwei weitere Male, 1987 und 1996, nach Deutschland gekommen ist.
Der Papst betonte damals bei seinen drei Reisen besonders:
1) den Wert des Lebens ab der Empfängnis bis zum natürliche Tod;
2) die Bedeutung der Ehe und der Familie
3) das Engagement der Laien im kirchlichen sowie gesellschaftlichen Leben.
Die Zeit ist seitdem nicht stehen geblieben. Zu den drei Anliegen von damals, die weiterhin und seit damals noch heftiger angefochten werden, sind weitere hinzugekommen. Auf diese hat nun Papst Benedikt anlässlich seiner jüngsten Reise nach Spanien hingewiesen. Auch das einst katholische Land Spanien leidet unter einem massiven Verlust an wahrer Kultur und Menschlichkeit auf Grund zunehmender Gottlosigkeit. Das gilt leider nicht nur für Spanien, sondern bedauerlicher Weise für ganz Europa. Dazu hat Papst Benedikt wie folgt Stellung bezogen:
„Welche sind die großen Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen Europas? Was ist der besondere und grundlegende Beitrag der Kirche für dieses Europa, das in den letzten fünfzig Jahren einen Weg hin zu neuen Gestaltungsformen und Entwürfen zurückgelegt hat? Ihr Beitrag geht um eine Wirklichkeit so einfach und entscheidend wie diese: Gott existiert, und er hat uns das Leben gegeben. Er allein ist absolut, er ist treue und unvergängliche Liebe, unendliches Ziel, das hinter allem Guten, hinter aller wunderbaren Wahrheit und Schönheit dieser Welt durchscheint – alles wunderbar, aber für das Herz des Menschen nicht genug. Dies hat die heilige Teresa von Jesus gut erfaßt, als sie schrieb: „Gott allein genügt.“
Es ist eine Tragödie, daß sich in Europa, besonders im 19. Jahrhundert, die Überzeugung durchsetzte und verbreitete, daß Gott der Gegenspieler des Menschen und der Feind seiner Freiheit sei. …. Gegenüber einem Heidentum, dem zufolge Gott den Menschen beneidet und verachtet, bekräftigt der Verfasser des Buches der Weisheit entschieden: Weshalb hätte Gott alles erschaffen, wenn er es nicht geliebt hätte, Er, der in seiner unbegrenzten Fülle keiner Sache bedarf? (vgl. Weish 11,24-26). Weshalb hätte er sich den Menschen offenbart, wenn er sie nicht hätte beschützen wollen? Gott ist der Ursprung unseres Seins und das Fundament und der Gipfel unserer Freiheit, nicht ihr Gegner. Wie kann der sterbliche Mensch sich auf sich selbst gründen, und wie kann der sündige Mensch sich mit sich selbst versöhnen? Wie ist es möglich, daß über diese erste und wesentliche Wahrheit des menschlichen Lebens in der Öffentlichkeit geschwiegen wird? Wie kann das, was im Leben am meisten maßgebend ist, in die bloße Privatsphäre verwiesen oder in den Halbschatten verbannt werden? …
Europa muß sich Gott öffnen, muß ohne Angst heraustreten hin zur Begegnung mit Ihm, muß mit seiner Gnade für die Würde des Menschen arbeiten, die von den besten Traditionen erschlossen worden ist: Neben der biblischen, die diesbezüglich grundlegend ist, sind dies die Traditionen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit, aus denen die großen philosophischen und literarischen, kulturellen und sozialen Schöpfungen Europas hervorgingen.“
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 45 / 2010 - 32. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Ein letztes Mal darf ich auf die Kirchenvorstandswahlen an diesem Samstag und Sonntag (6./7. November) hinweisen und um rege Wahlbeteiligung aller bitten, die ihren Wohnsitz in der Pfarrei St. Pantaleon haben.
Dann darf ich mit Freude ankündigen, dass aus Anlass des 30. Jahrestages des ersten Besuches von Papst Johannes Paul II. in Deutschland die Delegatur der Deutschen Bischofkonferenz für die polnischsprachige Seelsorge eine Ausstellung in unserer Kirche organisiert, in der die drei Deutschlandbesuche des Papstes dokumentiert werden.
In dem ausliegenden Flyer heißt es dazu: »Johannes Paul II. besuchte Deutschland dreimal: 1980, 1987 und 1996. … Diese Ausstellung stellt alle drei Pilgerreisen dar, von denen jede einen anderen Charakter und ein anderes Ziel hatte. Johannes Paul II. betonte in seinen Ansprachen und Predigten den Ökumenismus, den interreligiösen Dialog, die christlichen Wurzeln Europas und Deutschlands. Der Papst unterstrich unter anderem den Wert des Lebens ab der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, die Bedeutung der Ehe und der Familie, das Engagement der Laien im kirchlichen sowie gesellschaftlichen Leben.«
In Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklungen und Strömungen wird deutlich, dass diese Anliegen von Johannes Paul II. prophetisch waren. Die Ausstellung möchte auf die Aktualität der päpstlichen Botschaft von damals aufmerksam machen. Hierfür findet der Ausstellungsbesucher auf den Ausstellungswänden kurze Zitate der Papstreden, die durch Fotos des »L’Osservatore Romano« sowie deutscher Quellen vervollständigt werden.
Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 14. November 2010 um 17.00 Uhr in der Kirche St. Pantaleon mit einigen Grußworten eröffnet. Daran schließt sich ein Vortrag vom Prof. Dr. Karl-Joseph Hummel an, dem Direktor der Forschungsstelle der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn. Sein Vortrag trägt den Titel: „Die Zukunft der versöhnten Vergangenheit – Karol Wojtyla, Deutschland und die deutschen Katholiken von 1939 bis 1996“.
Nach dem Rosenkranzgebet um 18.00 Uhr wird die Sonntagsabendmesse zu gewohnten Zeit (18.30 Uhr) gefeiert. Hauptzelebrant ist Erzbischof Szczepan Wesoly, Rom, ehem. Delegat des Primas von Polen für die polnischsprachige Seelsorge im Ausland. Die Predigt hält Generalvikar und Prälat Dr. Dominik Schwaderlapp in Vertretung für Kardinal Joachim Meisner.
Im Anschluss an die Hl. Messe lädt die Delegatur der polnischsprachigen Seelsorge zu einem Empfang im unseren Pfarrsaal ein. – Weiter Einzelheiten zur Ausstellung entnehmen Sie bitte den Handzetteln im Schriftenstand und auf dem Tisch am Eingang der Kirche.
Von Herzen gerne möchte ich Sie einladen zu diesem nicht alltäglichen Ereignis von Dokumentation, Erinnerung, Begegnung, Austausch und vor allem zu gemeinschaftlichem Gebet und gemeinsamem Gottesdienst.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 44 / 2010 - 31. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Pfarrangehörige!
Heute richte ich diese Pfarrnachrichten in besonderer Weise an die durch ihren Wohnsitz der Pfarrei St. Pantaleon zugeordneten Gläubigen. Lesen Sie den Pfarrbrief aber bitte auch dann weiter, wenn Sie staatskirchenrechtlich nicht zur Pfarrei St. Pantaleon gehören.
Mit Ausnahme von einigen Highlights, wie etwa die Weltjugendtage, hat man in Deutschland seit Jahren den Eindruck, als ob die Kirche für junge Leute an Attraktivität zunehmend eingebüßt hätte. Für diesen Eindruck verantwortlich ist unter anderem das erschreckend hohe Durchschnittsalter der sonntäglichen Kirchenbesucher.
Ohne Zweifel ist der regelmäßige Besuch der Sonntagsmesse von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Hier wird die Erlösung gefeiert und vollzogen. Ohne diesen Vollzug hätte die Kirche nicht mehr wirklich etwas zu sagen. Sie sollte dann besser noch viel öfter ihren Mund halten, ihre Bedeutungslosigkeit einsehen und sich noch weiter zurückziehen.
Aber sie feiert Sonntag für Sonntag Gottesdienst; und auch werktags. Ganz unabhängig davon, ob Viele oder Wenige, Junge oder Alte die heilige Messe mitfeiern. – Gerne darf ich auch hier in den Pfarrnachrichten meine Freude darüber bekunden, dass bei den zwei Werktagsmessen in St. Pantaleon (um 12:00 und um 18:30 Uhr) im Schnitt 30 bis 40 Gläubige Tag für Tag die heilige Eucharistie mitfeiern; darunter auch ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz an jungen Christen.
Auch wenn die sonntäglich Eucharistie, und die Messfeier überhaupt, Wurzel und Quelle allen christlichen und kirchlichen Lebens ist, so äußert sich dieses über den Sonntagsgottesdienst und die anderen Messfeiern hinaus zugleich noch in vielem anderen.
Jüngere Menschen haben dafür ein feines Gespür. Oft sind sie nicht mehr wie die ältere Generation in der Tradition des sonntäglichen Gottesdienstbesuches aufgewachsen, wissen sich aber dennoch der Kirche im Herzen verbunden und sind durchaus auch gerne bereit, Verantwortung in und für ihre Kirche zu übernehmen. Wo das der Fall ist, tut sich etwas, und es wird schon sehr Gutes daraus erwachsen.
Von daher freue ich mich, wenn sich für die anstehenden Kirchenvorstandswahlen auch jüngere Kandidaten zur Wahl stellen würden. Geben Sie ihnen eine Chance! Ich traue ihnen eine Mitverantwortung vorbehaltlos zu und würde sie ihnen auch gerne übertragen; auch deshalb, weil ich an die Zukunft der Kirche denke und fest daran glaube, dass sie eine Zukunft nicht zuletzt durch die jüngere Generation ist; trotz aller Absagen, die ich hinsichtlich der bevorstehenden Wahl dann doch erhalten habe.
Bei den anstehenden Kirchenvorstandswahlen sind wahlberechtigt alle Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Pantaleon, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und seit einem Jahr am Ort der Gemeinde wohnen. Zur Ausübung des Wahlrechts ist erforderlich, dass der Wahlberechtigte in der Wählerliste eingetragen ist.
Die Kandidatenliste hängt aus. Gewählt werden kann im Wahllokal: Pfarrbüro St. Pantaleon (Parterre – Archivraum); und zwar am Samstag, dem 06 November von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr sowie am Sonntag, dem 07. November von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr.
Es ist auch möglich per Brief zu wählen. Der Antrag auf Briefwahl kann bis zum Mittwoch vor der Wahl während der Öffnungszeiten des Pfarrbüros gestellt werden. Er ist an den Vorsitzenden des Wahlausschusses zu richten.
Mögliche weiter Fragen werden gerne von Frau Reimann im Pfarrbüro beantwortet. Wen Sie wählen sollen, das müssen Sie wissen. Ich habe mich im Rahmen meiner Möglichkeiten klar geäußert.
Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 43 / 2010 - 30. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Lassen Sie mich zu Beginn noch ein Wort über die anstehenden Kirchenvorstandwahl am 6./7. November sagen: Bislang haben sich erst vier Kandidaten zur Wahl für dieses Ehrenamt zur Verfügung gestellt. Das sind für die Wahlliste, die mindestens ein Drittel mehr Kandidaten als die zu wählenden (in unserer Pfarrei: vier zu wählende Kandidaten) enthalten muss, bislang immer noch zwei Kandidaten zu wenig. Ob sich diese zwei noch finden lassen?
Hier wird eines der Probleme sichtbar, die zur Entscheidung geführt haben, die Pfarreien zusammenzulegen. Es gibt nicht nur ein Mangel an Priestern, sondern einen nicht geringeren Mangel an Gläubigen, welche die Kirche mitzutragen fähig und bereit sind. Gäbe es mehr Gläubige, gäbe es auch mehr Priester, wie umgekehrt.
Aber Situationen wie diese hat es in der Kirche sehr oft gegeben. Und entscheidend ist bei weitem nicht nur das, was wir Menschen vermögen und erreichen, sondern was wir mit Gottes Hilfe erreichen; und notfalls auch Gott ganz ohne uns.
Mit diesem Gedanken sind wir auch schon beim Sonntagsevangelium. Der Herr erzählt eine beispielhafte Begebenheit jenen, die „von der eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten.“ Ganz frei von eine solchen Selbstgerechtigkeit ist wohl auch keiner von uns allen. Irgendwie ist hier jeder von uns mitgemeint.
Wir kennen die Neigung, Gutes zu tun, und darüber dann viel zu reden. Leicht stellt sich dann ein zweiter Defekt ein, nämlich im selben Atemzug schlecht über andere zu reden und sie „herunter zu machen“.
Es ist die Beispielgeschichte vom Sünder und vom Zöllner. Der Pharisäer stellt sich vorne hin und bedankt sich im Gebet bei Gott, dass er nicht so wäre wie dieser Zöllner da ganz hinten und all die anderen „Räuber, Betrüger und Ehebrecher“. Dann zählt er vor Gott auf, was er alles an Gutem tun würde: Sein Fasten und sein Spenden.
Der Zöllner jedoch bleibt ganz hinten stehen, „und wagt nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben.“ Er schlägt sich an die Brust und betet: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Der Zöllner weiß, dass er ein Sünder ist. Er beschönigt gar nichts.
Die Sympathie von Jesus gehört eindeutig dem Zöllner, aber nicht wegen seiner Sünden und Vergehen. Jesus sieht auf sein Herz. Er sieht, was der Pharisäer nicht sehen will und was der Hl. Franz von Assisi einmal wie folgt auf den Punkt gebracht hat: „Der Mensch ist nur das, was er vor Gott ist, nicht mehr und nicht weniger!“
„Hochmut kommt vor dem Fall“, lautet ein Sprichwort. Und auf dem beigefügten Bild ist großartig dargestellt, wie sehr der Teufel sich über den scheinbar gerechten Pharisäer freut. Denn der Pharisäer betet, wie es leicht ironisch im griechischen Urtext heißt „bei sich selbst“, das heißt: Er kreist bis in das Gebet hinein um sich selber. So ist der Pharisäer nicht wirklich bei Gott; der Zöllner wohl - und dort, bei Gott, findet er alle Barmherzigkeit. Der Pharisäer hingegen bereitet dem Teufel eine wahrhaft „diabolische Freude“. Er ist dem Teufel längst in die Fänge geraten.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 42 / 2010 - 29. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Gerne möchte ich Sie mit diesen Zeilen über anstehende Ereignisse in und um St. Pantaleon informieren und auf dem Laufenden halten.
Seit einiger Zeit bereiten sich in St. Pantaleon zehn Jugendliche auf den Empfang der Firmung vor, darunter zwei zugleich auf ihre Erstkommunion: Rafael Andrade, Tania Barbosa, Angelina Cardoso, Marlene Freitas da Cout, Matthias Gärtner, Jens Horlebogen, Ursula Jauch, Chiara Tese-Kuster, Norberto Pascoal und Patrik Weber.
Von Herzen möchte ich auch im Namen dieser Jugendlichen Sie alle darum bitten, diese Jugendlichen mit und in Ihrem Gebet zu begleiten, damit ihr Wunsch nach einem Leben in Erfüllung gehe, in dem sich voll und ganz erfülle, wozu Gott auch sie ins Leben gerufen hat.
Das Sakrament der Firmung – und für zwei von ihnen zugleich das der Ersten Heiligen Kommunion – wird ihnen von Weihbischof Manfred Melzer am Sonntag, dem 14. November in einem feierlichen Gottesdienst, gemeinsam mit Jugendlichen der Domchöre und weiteren sechs Jugendlichen aus St. Maria im Kapitol und St. Maria Lyskirchen in der hohen Domkirche spenden (Beginn um 17.00 Uhr).
Dann stehen noch einmal Kirchenvorstandswahlen am 6./7. November an. Es werden die vorerst letzten der katholischen Pfarrei St. Pantaleon sein. Nach bisheriger Planung wird die Pfarrei und katholische Kirchengemeinde St. Pantaleon als eigenständige Rechtsperson am 31.12.2012 aufgehoben. Rechtsnachfolger wird dann ab dem 01.01.2013 die Großpfarrei St. Apostel, in die dann zugleich auch die bislang ebenfalls noch eigenständigen Pfarreien St. Peter, St. Georg, St. Maria im Kapitol und St. Maria Lyskirchen integriert werden. Die Großpfarrei St. Apostel wird sich dann vom Dom über den Neumarkt bis zum Rhein erstrecken und das Gebiet von ehemals 10 Pfarreien umfassen.
Für die kommenden, uns als eigenständige Kirchengemeinde noch verbleibenden zwei Jahre sind nun noch einmal vier Kandidaten für den Kirchenvorstand zu wählen. Es ist nicht leicht, Kandidaten für die Übernahme dieses Ehrenamt zu finden. Zudem ist es mir ein Anliegen, auch jüngere Kandidaten dafür zu gewinnen. Ich hoffe, dass meine Bemühungen am Ende Erfolg haben werden. – Alles Weitere ist den Aushängen über die anstehende Kirchenvorstandswahl zu entnehmen.
Darüber hinaus möchte ich empfehlend auf einige weitere Veranstaltungen in nächster Zeit hinweisen. Auch hierzu erfahren Sie Näheres über die jeweiligen Aushänge.
Am 20. Oktober findet der nächste Glaubenskurs mit unserem Subsidiar, Msgr. Dr. Cesar Martinez statt: „Der Mensch und seine Würde“.
Am 2. November lädt die Frauengemeinschaft zu einem Einkehrtag im Hochchor ein.
Am 10. November wird um 19.15 Uhr in unserem Pfarrsaal Studiendirektorin i.R. Margarete Kuckelberg über den „Umgang mit dem Tod im gesellschaftlichen Wandel“ sprechen. Am Beispiel von Todesanzeigen wird die Referentin die Vielfalt aufzeigen, in der Menschen sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit der Realität des Todes im engeren Familien- und Bekanntenkreis auseinandersetzen.
Am 21. November wird Msgr. Dr. Cesar Martinez, gestützt auf seine langjährige Erfahrung in der seelsorglichen Begleitung von Eheleuten und seiner Tätigkeit am kirchlichen Ehegericht, für junge und schon reifere Braut- bzw. Ehepaare erfrischende und realistische Perspektiven gemeinsamen Lebens in „Liebe und Ehe“ aufzeigen.
Ihr Pfr. Dr. Voker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 41 / 2010 - 28. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Das Leben hat eine Außen- und ein Innenseite. Nicht wenige unterliegen der Gefahr, rein äußerlich zu bleiben.
Oberflächliche Menschen sind ohne Kultur. Sie sind mehr auf Äußeres, mehr auf den äußeren Schein bedacht – auf materielles Wohlergehen, auf „beauty“ und „wellness“, auf Erfolg, auf das „cool-sein“ und anderes dieser Art – dafür weniger auf das innere Sein, auf das, was den Menschen von Innen her um vieles reicher und größer sein lässt.
Wer ein Gespür für die die Vielschichtigkeit des Lebens hat, schaut durch die Oberfläche hindurch auf das Dahinter. Tiefgründige Menschen sind oft gläubige Menschen. Im "Dahinter" nehmen sie die Wirklichkeit und Gegenwart des lebendigen Gottes wahr.
So erzählt die Heilige Schrift in der 1. Lesung dieses Sonntags von einem Syrer mit Namen Naaman. Er ist unheilbar krank. Zugleich hat Naaman aber eine sehr genaue Vorstellung davon, wie seine Heilung erfolgen müsste. Aber das funktioniert nicht.
Schließlich wendet er sich an den Gottesmann Elischa. Statt der erwarteten religiösen Kulthandlungen und geheimnisvollen Beschwörungen verlangt Elischa von Naaman lediglich, sich siebenmal im Jordan zu waschen. Naaman reagiert darauf mit Wut und Zorn. Die Flüsse seiner Heimat wären doch viel besser. Da hätte er sich nicht nur die weite Reise sparen können.
Wut, Zorn und Auseinandersetzung mit der Krankheit gehören wesentlich zum Heilungsprozess dazu. Die Diener Naamans müssen ihre ganze Überredungskunst aufbringen, damit ihr Herr sich auf die Anweisung des Propheten schließlich einlässt …, und er wird sofort gesund.
Anschaulich legt die Heilige Schrift dar, dass großes Vertrauen, bis ins Mark erschütternde innere Auseinandersetzung und seelische Kraft notwendig sind, um Heil und Heilung aus der Hand zu geben und Gott das Wann und Wie zu überlassen. – Erst im Loslassen erfolgt der eigentliche innere Prozess der Heilung, der in der Bibel im siebenmaligen Waschen und Untertauchen versinnbildlicht wird.
Im Loslassen der fassbaren Oberfläche und im Glauben an das unglaublich Scheinende, was darunter liegt, öffnet sich der Mensch dem Überraschenden und Wunderbaren im Leben und schafft damit Raum für das Wirken Gottes.
Auch der Samariter im Evangelium dieses Sonntags erkennt sein neugeschenktes Leben als Einbruch Gottes in sein Dasein. Er ist der einzige von zehn geheilten Aussätzigen, der zu Jesus zurückkehrt und dafür dankt.
Wer sich vom äußeren Schein nicht blenden lässt, erkennt, dass das Leben ein Geschenk ist; ein Geschenk Gottes.
Die andren neun, die Jesus ebenfall von ihrem Aussatz heilte, bleiben an der Oberfläche. Sie können die ihnen zurückgegebene Gesundheit nicht bis zu jener letzten Konsequenz auch als inneres Heil erfahren, das sich in Dankbarkeit und im Weitererzählen der Großtaten Gottes äußert.
Echter Dank mündet immer in den Lobpreis Gottes ein. Im Hebräischen sind danken, loben, preisen ein Wortstamm, so sehr gehören diese Begriffe zusammen.
Möge es auch uns gelingen, unser Leben "von innen her" zu betrachten, zu erkennen, wie viel Heilung und Kraft uns von Gott zugesprochen und bereits verwirklicht sind. Möge es uns gelingen, Jesu Wort zu vertrauen, dass das Unheil in unserem Leben "unterwegs" zum Heil, zur Heilung gewendet wird. Mögen wir schließlich in Freude und Dankbarkeit dazu beitragen, dass auch anderen auf dem Weg das Heil zuteil werde.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 40 / 2010 - 27. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde aus St. Pantaleon!
Wenn wir an diesem Sonntag Erntedank feiern, dann steht neben dem Herrn, dem wir so vieles verdanken und der deshalb auch als der eigentlicher und letzter Urheber immer eine ganz zentrale Bedeutung in unserem Leben haben sollte, eine Grundhaltung des Menschen ganz besonders im Mittelpunkt, die überaus segensreich und beglückend für alle Beteiligten ist: Die Dankbarkeit.
Es macht Sinn und ist für uns ganz wichtig, nicht zu vergessen, dass wir als einer der 20 % Wohlstandmenschen unserer Erde 80 % der weltweit erzeugten Energie und geförderten Rohstoffen für unseren Lebensalltag und unser irdisches Wohlergehen in Anspruch nehmen; folglich 80 % der Menschen dieser Welt mit den restlichen 20 % weltweit erzeugter Energie und geförderter Rohstoffe auskommen müssen.
Da spricht man nun viel über Gerechtigkeit und reagiert ganz sensibel über die kleinste Benachteiligung, nimmt den üppigen Lebensstil aber wie selbstverständlich hin, ohne weiter darüber nachzudenken.
Nie werde ich vergessen, wie ich vor einigen Jahren fünf Geschwisterkindern im Alter zwischen 7 und 14 Jahren mit einer kleinen, der letzten mir verbliebenen 0,3 l Limonadenflasche in einer der vielen abgelegenen Ortschaften in den Anden Perus eine riesige Freude bereiten konnte. 10 Minuten lang tanzten diese Kinder vor Freude über dieses Geschenk, wobei die noch geschlossene Flasche – es war zudem nicht einmal eine Fanta oder eine Cola, sondern ein ganz billiges Produkt – von Hand zu Hand gereicht wurde. Dann wurde sie feierlich geöffnet, und jedes der fünf Geschwister konnte einen kleinen Schluck dieser kostbaren Flüssigkeit genießen.
Dieses Erlebnis hat mich sehr nachdenklich gemacht, weil ich neben der großen Armut in diesem Land selten so lebensfrohe und auch hilfsbereite Menschen wie dort erlebt habe.
Wenn jemand „Danke“ sagt, dann passiert da eine ganze Menge. Danken ist eine Kommunikation besonderer Art, die reiche Früchte trägt.
Der Beschenkte nimmt im Danken wahr, dass er geliebt und geschätzt wird. Als Dankender hält der Beschenkte inne. So gewinnt er Zeit, die ihm beim Danken geschenkt wird, über das Geschenkte nachzudenken, darüber zu stauen und sich zu freuen. Er unterliegt nicht mehr der Versuchung, weil er durch das Danken davon befreit wird und die ihm nur die Freude nehmen würde, unreflektiert, instinkthaft und triebgesteuert die Hände nur für noch mehr, nur für noch Größeres und Besseres auszustrecken.
Das Danken öffnet auch das Herz des Gebers. Er wird in Zukunft gerne wieder und erneut schenken; denn: Im Danken wird das Angekommensein des Geschenkes sowohl verbalisiert wie auch realisiert. Das ist gewöhnlich noch weit über den materiellen Geschenkwert von Bedeutung. Wo ein Geschenk im tieferen Sinn ankommt, das wächst Gemeinschaft; da entsteht ein Austausch, wie er für das Leben unverzichtbar ist; denn es ist und bleibt angewiesen auf gegenseitiges Geben und Nehmen.
Der Heilige Josefmaria Escrivá hat einmal gesagt (Der Weg, Nr. 894): »Hast du auf die Dankbarkeit von Kindern geachtet? – Ahme sie nach und sage wie sie zu Jesus für Angenehmes und Unangenehmes: "Wie gut Du bist. Wie gut!...". – Dieser Satz ist, tief empfunden, Weg der Kindschaft, der einen Frieden in sich birgt, messbar und wägbar in Lachen und Weinen, unmessbar und unwägbar in der Liebe.«
Achten wir anlässlich des Erntedankes doch einmal ganz besonders darauf, ob ich ausreichend und auch von Herzen „Danke“ sage.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 39 / 2010 - 26. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Die im Vorfeld als ausgesprochen schwierig eingestufte Reise des Papstes nach England offenbart sich im Rückblick als höchst einfühlsame und Mut machende Begegnung mit zahlreichen Persönlichkeiten und Institutionen. Auf diesem Weg hat der Papst weit über die Grenzen Englands hinaus Perspektiven für die großen nationalen und internationalen Problemfelder aufgezeigt, die zu Herzen gingen. Es folgt ein gekürzter Bericht von Michaela Koller im Nachrichtendienst www.zenit.org vom 20. September 2010:
Der Ton schlug von einem Tag auf den anderen um: Nachdem Papst Benedikt XVI. am Donnerstag in Edinburgh gelandet war, wich der Ton der Feindseligkeit auf den Titelseiten der Gazetten in den Straßen dem Jubel der Massen. „Eure Heiligkeit, während dieses wahrlich historischen ersten Staatsbesuchs in Großbritannien haben Sie zu einer Nation von sechs Millionen Katholiken gesprochen, Sie wurden aber von einer Nation von mehr als 60 Millionen Bürgern und so vielen Millionen mehr rund um die Welt gehört", sagte der britische Premierminister David Cameron kurz vor Rückflug des Papstes. In der Tat: Benedikt XVI. zog vier Tage lang eine ganze Nation in den Bann und sandte Botschaften an ganz Europa sowie den Westen insgesamt aus.
Der Schlüssel zum Verständnis seines für viele Beobachter überraschenden Erfolgs liefert die faszinierende Debatte, die in den dreißiger Jahren zwischen Oswald Spengler und Arnold Toynbee stattgefunden und die der Papst aufgegriffen hat. … In dieser Debatte ging es um die Zukunft der westlichen Zivilisation. Spengler sagte damals, der Westen würde wie jede andere Zivilisation seinen Aufstieg erleben, seine Höhe erreichen und dann wieder versinken. Toynbee hingegen sagte „Nein" und erklärte, dass der Westen wegen der Christenheit anders sei: „Der Westen hat das Christentum und das Christentum bewirkt seine Erneuerung, ist die ständige Quelle dieser Erneuerung." Der Papst hat sich auf die Seite Toynbees geschlagen.
… Nachrichten aus Großbritannien über problematische Entwicklungen in Gesetzgebung und Rechtsprechung während der vergangenen Jahre, unter denen Christen im Arbeitsleben leiden oder die christliche Initiativen zerstörten, nahmen dem Papst nie die Hoffnung. Eine Krankenschwester sollte gezwungen werden, das Kreuz an ihrer Halskette abzulegen, ein Beziehungsberater dazu gebracht werden, homosexuelle Verbindungen zu retten, Adoptionsagenturen sollten entgegen ihrer christlichen Ausrichtung schwulen und lesbischen Paaren Kinder anvertrauen.
Trotz dieser Meldungen … hofft der Papst … unbeirrt weiter, die Briten mögen sich allmählich auf ihre christlichen Wurzeln zurückbesinnen. Und genau daraus erklärt sich die hohe Zustimmung, die in diesen Tagen lautstark entlang seiner Wegstrecke zu vernehmen war. …
Seine Sicht der Verhältnisse in Großbritannien stellte Benedikt XVI. gleich nach Ankunft im Holyroodhouse klar … In der königlichen Residenz in Schottland sagte der Staatsgast, dass bereits der Name Holyroodhouse auf die tiefen christlichen Wurzeln verweise, die immer noch in jeder Schicht des britischen Lebens vorhanden seien. Monarchen Englands und Schottlands seien seit frühester Zeit Christen gewesen, und viele von ihnen hätten ihre Pflichten bewusst im Geiste des Evangeliums ausgeübt. Die christliche Botschaft sei mehr als tausend Jahre wesentlicher Bestandteil von Sprache, Denken und Kultur der Britischen Inseln geworden. "Die Achtung Ihrer Vorfahren für Wahrheit und Gerechtigkeit, für Barmherzigkeit und Nächstenliebe erben Sie von einem Glauben, der eine starke Kraft zum Guten in Ihrem Königreich zum Nutzen für Christen ebenso wie für Nichtchristen bleiben wird", sagte der Papst wörtlich.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 38 / 2010 - 25. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Im katholischen Nachrichtendienst kath.net finde ich eine gelungene „Analyse“ zum 1. Tag des Papstbesuchs in England von Armin Schwibach, die ich in gekürzter Fassung gerne Ihrer Lektüre empfehle (http://www.kath.net/detail.php?id=28149). Schwibach schreibt dort:
„Auch wenn es fast respektlos klingen mag, so kann man bereits zum Abschluss des ersten Tages der Apostolischen Reise Benedikts XVI. in das Vereinigte Königreich sagen: Er hat es wieder einmal geschafft. Trotz aller Polemiken, trotz aller Pressekampagnen der letzten Tage und Wochen, trotz aller objektiven Mängel, die hinsichtlich der Vorbereitung des Besuches beklagt wurden, ist das, was bleibt, das Bild eines Vaters, der gekommen ist, um eine Kirche in einem schwierigen Land mit nicht unerheblichen inneren Problemen zu stärken.
Ganz sanft und fast nebenbei verwies der Papst auch die Medien und im besonderen die britischen Medien auf die große Verantwortung, die sie im internationalen Spektrum einnehmen. In seiner Ansprache während des offiziellen Willkommensempfangs würdigte Benedikt XVI. vor Königin Elisabeth II. die politische und wirtschaftliche Schlüsselrolle, die das Vereinigte Königreich einnimmt.
„Ihre Regierung und Ihr Volk bringen Ideen ein, die nach wie vor weit über die britischen Inseln hinaus Wirkung zeigen“, so der Papst, der es nicht versäumte, auf die sich daraus ergebende Verpflichtungen hinzuweisen, klug für das Gemeinwohl zu arbeiten. Eine Verpflichtung, die besonders die britischen Medien betrifft, „deren Meinungen ein so breites Publikum erreichen“. Daher obliege ihnen eine schwerwiegendere Verantwortung, als dies bei den meisten anderen Medien der Fall sei. Gleichzeitig ergibt sich für Benedikt XVI. daraus „eine größere Gelegenheit, den Frieden der Nationen, die ganzheitliche Entwicklung der Völker und die Ausbreitung authentischer Menschenrechte zu fördern“. Ob dieser Aufruf in den Redaktionen wohl Gehör finden wird? Es bleibt zu hoffen.
Demut, Einfachheit, Milde und Entschlossenheit: mit diesen seinen Grundeigenschaften beeindruckte der Papst wohl gerade die Journalisten, denen er während des Fluges die Möglichkeit gegeben hatte, zu den Grundstrukturen seiner Reise Fragen zu stellen. Und natürlich konnte die Frage zum Skandal des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Mitglieder des Klerus nicht fehlen.
Schaut man sich die Aufnahmen zum Interview an, die von verschiedenen Fernsehsendern ausgestrahlt wurden, kann es nicht unbeeindruckt lassen, dass Benedikt XVI. die Tränen in den Augen standen, als er sein „Programm“ der Erneuerung der Kirche erklärte, um künftig diese unsäglichen und verbrecherischen „Perversionen des priesterlichen Dienstes“ zu vermeiden.
Wie konnte es dazu kommen?, fragte sich der Papst. Wie konnte es dazu kommen, dass ein Priester, der im Moment der Weihe, auf den er sich jahrelang vorbereitet hat, sein Ja zu Christus sagt, um zu seiner Stimme, zu seinem Mund und zu seiner Hand zu werden und so dabei hilft, dass die Wahrheit in der Welt sichtbar wird, zu einer derartigen Perversion gelangt?
Der Papst leidet – geistlich und physisch – an den Verbrechen, die aus der Untreue und Verkehrung kommen. Wie bereits in Malta, als er vor den Missbrauchsopfern, mit denen er zusammentreffen konnte, seine Tränen ob des ihnen zugefügten Bösen nicht zurückhalten konnte und wollte, so auch hier: Die große Trauer, die den Respekt vor den Opfern und die Sorge um sie als absolute Priorität erkennen lässt, macht den Papst zum Träger eines Leidens, das die ganze Kirche betrifft. Die ganze Kirche muss sich auf den Weg der Reue, der Erneuerung begeben. Die ganze Kirche muss angesichts der perversen Verkehrungen umkehren.
Die 17. Apostolische Reise Benedikts XVI. hat als Triumphzug begonnen: als Triumphzug der Demut, im Zeichen des sein Kreuz tragenden Gottessohnes, dessen Stellvertreter der Papst ist. Die Demut, die Kraft aus dem Glauben – allein diese lassen den Papst voranschreiten und die Christen im Glauben stärken.“
Den Bischöfen legte der Papst ganz besonders die Sorge um die Priester ans Herz, die isoliert leben: „Lebt in eurem brüderlichen Dienst an euren Priestern die Liebe, die von Christus ausgeht, in Vollkommenheit, indem ihr mit ihnen allen zusammenarbeitet, besonders mit denjenigen, die wenig Kontakt zu ihren Mitbrüdern haben".
Den „lieben jungen Katholiken Schottlands“, legte der Heilige Vater „dringend ans Herz, ein Leben zu führen, das des Herrn (vgl. Eph 4,1) und euer selbst würdig ist". Mit diesem Wort sind nach Benedikt XVI. die Standhaftigkeit angesichts vieler Versuchungen gemeint, die den Jungen Menschen „Tag um Tag vor Augen" stehen: „Drogen, Geld, Sex, Pornographie, Alkohol, von denen die Welt euch vorgaukelt, sie brächten Glück, doch diese Dinge sind zerstörerisch und zwiespältig. Nur eines ist dauerhaft: die Liebe, die Jesus Christus persönlich zu einem jeden von euch hat", bekräftigte der Papst.
„Sucht ihn, lernt ihn kennen und liebt ihn, dann wird er euch befreien von der Sklaverei gegenüber der verlockenden, aber oberflächlichen Existenz, für die die heutige Gesellschaft so häufig wirbt".
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 37 / 2010 - 24. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St.Pantaleon!
Jesus setzt sich mit Zöllnern und Sündern an einen gemeinsamen Tisch und isst mit ihnen. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten ist das ein Skandal. Als ob dadurch die Sünde und das Böse gut geredet und verharmlost würden. Als Antwort darauf erzählt Jesus ihnen drei Gleichnisse: das vom verlorenen und wieder gefundenen Schaf; das von der verlorenen und wieder gefundenen Drachme; und das große Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Diese drei Gleichnisse bilden das Herzstück des Lukasevangeliums. In allen drei Erzählungen steht Verlorengehen, Finden, Freude über das Wiederfinden und die Aufforderung zur Mitfreude im Zentrum. Das alles verdichtet der Herr schließlich in die Aussage: »Im Himmel, … auch bei den Engeln Gottes … herrscht mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.« (vgl. Lukasevangelium, Kapitel 15, Verse 7 und 10)
Wer unter den Menschen ist kein Sünder? Zugleich aber: Wer unter den Sündern kehrt um? – Beobachten wir nicht vielmehr, dass die Sünde oft verharmlost und gerechtfertigt, ja sogar verherrlicht und sogar als „Menschenrecht“ proklamiert wird; etwa in der vermeintlichen Rechtfertigung von Ehebruch und Abtreibung?
Die Freude im Himmel »über einen einzigen Sünder, der umkehrt« lehnt zum einen Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit ab. Sie sensibilisiert zum anderen für einen unendlich guten und großen Gott, der sich über etwas so „Kleines“ – über jeden, der umkehrt –, freuen kann.
Weit über das Maß menschlicher Vorstellung hinaus liebt Gott den Menschen und bleibt ihm treu. Er begleitet sein Volk voll Gnade und Barmherzigkeit. Deshalb verbietet das erste der zehn Gebote, sich einen Gott nach eigenen Vorstellungen zu schaffen: Gott ist nicht der alte Mann mit Bart in einer Himmelsecke, der nicht mehr so genau mitbekommt, was wir Mensche hier auf Erden treiben.
Verbreitete Vorstellungen, ähnlich wie diese, machen Gott zu einem verzichtbaren Spielball, den der Mensch manipulieren und dem er Vorschriften machen kann. – So ist Gott gerade nicht. Er ist und bleibt jener, der allein sein Volk retten kann, der ihm treu bleibt und stets die Möglichkeit eines Neuanfanges gewährt, auch wenn sich der Mensch noch so oft verläuft.
Diese Kernaussage der biblischen Botschaft führt Jesus in eine neue, leibhaftige und ungeahnte Dimension. Er pflegt Umgang und Tischgemeinschaft mit Menschen, die sich selber aufgrund ihrer Lebensweise aus dem heiligen Volk Israel entfernt haben. Während die althergebrachten Vorstellungen noch die Umkehr der Sünder zu einer gottgefälligen Lebensweise als Voraussetzung für die Vergebung Gottes für unerlässlich hielten, verkündet und lebt Jesus hingegen eine atemberaubende, teilweise für Empörung sorgende Haltung: Die Umkehr der Sünder ist nicht Voraussetzung dafür, dass Gott ihnen ihre Schuld vergibt; sondern Gott schafft die Voraussetzung dafür, dass der Sünder sich bekehrt.
Das „Wiederfinden“ in den neutestamentlichen Gleichnissen bedeutet, dass Gott von sich aus die durch die Sünde zerbrochene und gestörte Gemeinschaft wiederherstellt. Gott sucht den Menschen und geht ihm nach, auch in der größten Ferne und Einsamkeit, in die wir uns durch unsere Haltung und Lebensentscheidungen hinein manövriert haben. Ohne Vorleistung tilgt Gott von sich aus die Schuld des Menschen. Wie dieser dann mit Gottes Angebot umgeht, bleibt dann allerdings seiner freien Entscheidung überlassen.
Es lohnt sich, diese Erzählungen zum Mittelpunkt unseres Gebets zu machen und dabei der eigenen Lebenserfahrungen nachzuspüren: Kenne ich derartige Erfahrungen auch in meinem Leben? Erinnere ich mich, dass sich jemand unbändig freute, mich wiedergefunden zu haben? – Die Freude Gottes stellt die des Menschen weit in den Schatten!
Und umgekehrt: Kann ich handeln ohne zu kalkulieren, ohne Verlust- und Gewinnabschätzung? Wo ist es mir gelungen, jemandem ohne Vorwürfe „nachzugehen“, ihn „wiederzufinden“ und ihn erneut in die Gemeinschaft mit mir „aufzunehmen“? Manchmal haben wir solche Erfahrungen: weil Gott uns an seinem Wesen teilhaben lässt.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 36 / 2010 - 23. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Auf dem Mosaik-Bild ist im Detail Kaiser Léon VI. (886-912) dargestellt, der von Christus, dem Pantokrator (Allherrscher, Weltenherrscher), mit der Gabe der Weisheit bedacht wird. Das Original gehört zu den Mosaiken in der „Hagia Sophia“ im damaligen Byzanz bzw. Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.
Der weltliche Herrscher vollzieht mit all seiner Pracht vor dem Allherrscher den Fußfall und drückt damit aus, dass seine kaiserliche Fülle gegenüber der göttlichen wie Armut ist. Diese Haltung stimmt überein mit den Weisungen, die uns die erste Lesung des Sonntags (Weisheit 9,13-14; 16) mit auf den Weg gibt: „Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken … Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?“
Auch der Klügste unter den irdischen Menschen findet aus eigener Kraft nicht den Schlüssel zum Leben. Das ist bislang noch nie jemandem gelungen. Keiner hat ein Patentrezept vorlegen können, das den Weg zum Glück garantiert. Auch der zeitgenössische Versuch, wegen dieses Unvermögens nur noch das eigene Glück zu erstreben und damit zu experimentieren, hat sich als hinfällig erwiesen.
Das biblische Buch der Weisheit nennt den Grund, indem es auf den Weltenherrscher, den Pantokrator, den Allherrscher verweist. Er hat diese Welt gut geschaffen, und er will auch das Gute, das er seiner Schöpfung eingeschrieben hat (vgl. Buch Genesis). Es ist jedoch ein Gut, das den Menschen übersteigt; das größer ist als der Mensch selber. Der Heilige Paulus erklärt das unübertroffen im ersten Brief an die Korinther (2,9,): »Wir verkündigen, … was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.«
Immer haben die bedeutenden Denker mit mehr oder weniger Faszination um das Große gewusst, das dem Menschen in die Wiege gelegt ist. Aber wirklich erschließen konnten sie es nicht.
Zu dem wirklich Großen kann und wird der Mensch auch nur gelangen, wenn er es sich schenken lässt. Weisheit erwirbt man nicht durch Studium, das im besten Fall nur Vielwisserei vermittelt, sondern nur durch das uneingeschränkte Offensein für das Höhere, das Gott für den Menschen vorgesehen hat.
Diese uneingeschränkte Offenheit spricht Jesus im Lukasevangelium an, dass an diesem Sonntag auf die Lesung folgend vorgetragen wird (Lk 14,26): »Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.«
Die deutsche Übersetzung schwächt durch die Übersetzung des griechischen μισέω (= hassen) mit »gering achten« den Originaltext ab. Das ist nicht ganz falsch. Tatsächlich ist das »gering achten« beziehungsweise »hassen« des eigenen Lebens usw. als Ausdruck der kategorischen Entschiedenheit zu verstehen, mit der alles andere Gott und seiner Weisheit als das wirklich Entscheidende und Orientierung Gebende unterzuordnen ist.
Jeder Mensch steht vor dieser Wahl, im Raum der eigenen Möglichkeiten zu verbleiben, oder sich durch Glaube den Möglichkeiten Gottes zu vertrauen. Die zweite Option, der Glaube, muss aktiv erstrebt werden, was der Herr mit dem Nachfolgesatz ausdrückt, der dann noch anderes mit einschließt (Lk 14,27): »Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.«
Durch Passivität wählt man automatisch die erste Option. Ihnen möchte ich das jedoch nicht wünschen; denn Sie sind zu Größerem bestimmt.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 35 / 2010 - 22. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristenund Freunde von St. Pantaleon!
Dieser Sonntag beschenkt uns im Tagesevangelium mit einer „Belehrung“ Jesu, die deutlich über das hinausgeht, was in einem Ratgeber über gutes Benehmen zu finden ist. Dazu muss man aber genau hinschauen.
Ein führender Pharisäer hatte zum Essen eingeladen. Auch Jesus, der die Einladung annahm und kam. Der Evangelist Lukas, der dies erzählt, bemerkt eigens, dass „man ihn genau beobachtete“ (Lukas 14,1). Es ging wohl unter den geladenen Gästen damals nicht viel anders zu wie heute: Nach eingehender Beobachtung hat man schließlich reichlich Gesprächsstoff, um sich über die anderen auszulassen.
Aber auch Jesus beobachtet genau und stellt fest, dass viele Gäste für sich die Ehrenplätze in Anspruch nahmen. Auch das ist heute meist nicht anders.
Im Unterschied zum sonst Üblichen spricht Jesus, der Herr, dies jedoch ganz offen vor allen Geladenen in Form einer Belehrung aus und erklärt: „Ein anderer könnte eingeladen sein, der vornehmer ist.“ Wenn dann der Gastgeber einschreiten und bitten müsste, dem Vornehmeren Platz zu machen, wäre das für den weniger Vornehmen beschämend. Er müsste den dann noch freien „untersten Platz einnehmen.“
Deshalb, so der Rat des Herrn: „Setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen“ (Lukas 14,10).
Was Jesus meint, geht weit über das wörtlich Gesagte hinaus. Mit der strikten, nur einfachen und direkten Umsetzung dieses Ratschlages ist es bei weitem nicht getan. Das bringt der Philosoph Friedrich Nietzsche spöttelnd auf den Punkt, indem er scharfsinnig bemerkt: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden!“
Genau das meint Jesus eben nicht. Deshalb wechselt er vom anschaulich Konkreten ins grundsätzlich Allgemeine: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lukas 14,11).
Die von Jesus gemeinte Erniedrigung oder Erhöhung wird gegeben. Sie kann nicht beabsichtigt oder angestrebt werden, weil sie über das dem Menschen mögliche weit hinausgeht. Als Erhöhung wird sie einem über das hinaus geschenkt, was man aus eigener Kraft vermag. Und als Erniedrigung wird sie einen schmachvoll weit unter dem widerfahren, was man im Leben darstellt und geleistet hat.
Was hier im Irdischen genau in dieser Weise letztlich als Peinlichkeit oder eben als echte Wertschätzung erfahrbar ist, ist vom Glauben her nur eine schwache Spiegelung der Wirklichkeit von Himmel und Hölle, die zudem ewig ist.
Mit einer auf der ersten folgenden zweiten Belehrung lässt sich die hintergründige Aussageabsicht Jesu weiter verdeutlichen. Jesus empfiehlt nämlich in einem zweiten Schritt dem Gastgeber, nicht wie bisher Freunde, Brüder, Verwandte oder reiche Nachbarn einzuladen, die alle vermeintliche Großzügigkeit durch eine Gegeneinladung wieder begleichen werden, sondern „Arme, Krüppel, Lahme und Blinde“.
Erst dann, so erklärt der Herr abschließend, „wirst du selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ (Lukas 14,12-14).
Damit legt uns der Herr ans Herz, wahrhaft menschlich zu sein. Dazu gehört, nicht für sich sondern für den anderen das Beste zu wollen. Dazu gehören Charaktereigenschaften wie Dienstbereitschaft und Demut. – Hier wird die wahre Größe des Menschen sichtbar, wie sie hier auf Erden wächst und im Himmel für immer bleiben wird.
Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 34 / 2010 - 21. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Auf dem Weg nach Jerusalem wird der Herr von einem aus der Menge gefragt (Lk 13,23): »Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?« Anders als in vergangenen Zeiten scheint in unseren Tagen eine solche Frage erst einmal völlig uninteressant und ohne Bedeutung. Wo aber durch die Realität des Lebens gereift der vordergründige Blick aus der Verengung auf heute und morgen, auf gesund und satt, auf feiern, auf Spaß und Erfolg haben heraustritt, stellt sich diese uralte Frage auch heute mit ungebrochene Aktualität: »Sind es nur wenige, die gerettet werden?«
Es gibt zurzeit annähernd 2,6 Milliarden Christen. Aber die Welt ist auch dort, wo sie größeren Einfluss haben, nicht frei von Hass, Angst und Gewalt: Angst vor dem Leben, vor der Zukunft, vor den Menschen. Ändern wird sich das nur, wo jemand entschieden den Tellerrand seines irdischen und vergänglichen Lebens hinter sich lässt, weit darüber hinaus zu schauen und dem dann Erkannten zu folgen beginnt.
So antwortete Herr auf die ihm gestellte Frage (ibid. 13,24): »Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.« Hinter der engen Tür liegt das versprochene Glück, das schon im irdischen Leben beginnt, wenn auch noch unter fortdauernder Anstrengung (vgl. Mk 10,30), von der es erst im jenseitigen Leben endgültig befreit werden kann.
Auf das auch an anderen Stellen von Jesus gebrauchte Wort von der engen Tür und der notwendigen Anstrengung, folgt das Wort von der verschlossenen Tür (ibid. 25): »Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.« - All das hören wir im Evangelium von diesem Sonntag.
In der Geschichte Gottes mit jedem Menschen und auch mit den Völkern gibt es also einen entscheidenden Augenblick: »Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt ...«
Darüber hinaus ist entscheidend, dass die enge Tür nicht allein durch kulturelle Vertrautheit mit dem Christentum oder der Heiligen Schrift durchschritten werden kann. Denen, die von daher mit vermeintlichem Anrecht auf Einlass an die verschlossene Tür klopfen (ibid. 26f): »Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt«, wird geantwortet: »Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan.«
Diese werden dann (ibid. 28) »mit den Zähnen knirschen«, und müssen feststellen, »dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, sie selbst aber ausgeschlossen sind.« Sogar »von Osten und Westen und von Norden und Süden« werden viele andere »kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.« Ganz in diesem Sinne beendet der Herr seine Antwort dann mit dem bekannten Satz: »Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.«
Entscheidend ist folglich, ob und wie man sich »mit allen Kräften bemüht«. Nur dann kommt man durch die enge Tür zu dem Glück, das Gott jedem schenken möchte.
Hier gäbe es dann noch manches zu sagen. Ich möchte es exemplarisch mit zwei Aphorismen des Heiligen Josefmaria Escrivá tun, der in dem kleinen Buch »Spur des Sämanns« (Nr. 137f) schrieb: »Führe keinen Dialog mit der Versuchung. Lass es mich wiederholen: Hab den Mut zu fliehen! Und besitze ebenso die Stärke, keine Experimente mit deiner eigenen Schwachheit anzustellen - spiele nie mit dem Gedanken, wie weit du gehen könntest... Mach rechtzeitig Schluss - und zwar ganz! … Wenn dir klar ist - und du kennst dich ja gut genug -, dass du auf diesem Weg - mit dieser Lektüre, mit dieser Freundschaft... - in einen Abgrund geraten kannst... Warum versteifst du dich dann darauf, es sei vielleicht von Vorteil für deine Bildung, für die Entwicklung deiner Persönlichkeit? Ändere den Kurs - radikal! Mag das auch mehr Mühe kosten und weniger Zerstreuungen bieten. Es ist höchste Zeit, dass du dich wie ein erwachsener Mensch benimmst.«
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 33 / 2010 - 20. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Dieser Sonntag, der 15. August, ist zugleich das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Das Fest ist weiterhin mehr unter dem älteren, theologisch aber ungenaueren Namen Mariä Himmelfahrt bekannt
Am 1. November 1950 hat Pius XII. die im urchristlichen Glauben vorhandene Überzeugung, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet und endgültig bestätigt. In der antiken Ostkirche führte diese Glaubensüberzeugung schon bald nach dem Konzil von Ephesus (431) zur Feier dieses Glaubens. Unter Kaiser Mauritius (582-602) wurde diese Glaubensfeier zugleich staatlicher Feier- und Gedenktag und auf den 15. August festgelegt. Darauf geht die bis heute geltende Datierung zurück. In der römischen Kirche wurde das Fest etwas später, seit dem 7. Jahrhundert gefeiert.
Die dogmatische Erklärung von Papst Pius XII. gipfelt in der Aussage: „Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“
Passend zum Fest umreißt die erste Lesung aus Offb 12 in wenigen Sätzen ein gewaltiges Geschehen. »Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.« (Offb. 11,19a.12, 1-2)
Mit der Frau, die am Himmel als das große Zeichen erscheint, ist Maria, die Mutter des Messiaskindes gemeint. Sie verkörpert zugleich das Gottesvolk, insofern die zwölf Sterne über ihrem Haupt an die zwölf Stämme Israels erinnern. Damit eng verbunden beziehen sich die Geburtswehen nicht auf die leibliche Jungfrauengeburt ihres Messiaskindes. So wie Jesus von Maria außerhalb weltlicher Rahmenbedingungen, nämlich jungfräulich geboren wurde, so geht die Theologie von alters her auch von einer von Geburtswehen freien Geburt des Messias aus.
Mit den in der geheimen Offenbarung genannten Geburtswehen sind die Leiden des Gottesvolkes gemeint. Von diesen Leiden spricht auch der Heilige Paulus im Römerbrief (8,22): »Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.«
Neben Maria, die uns den Messias geschenkt hat und damit dem Geheimnis der Erlösung ganz nahe steht, spricht die geheime Offenbarung von einem anderen großen und gewaltigen, aber unheilvollem Zeichen (12, 3-4): »Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.«
Über die himmlische Frau jedoch wird dann ganz einfach und schlicht gesagt: »Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.«
Der Unheil bringende Drache vermochte ihr nichts anzuhaben. Auch konnte er die Erlösung bringende Geburt und das aus ihr erwachsende und sich ausbreitende Heil nicht vereiteln. So endet die Lesung mit der Feststellung (Offb. 12,10): »Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.«
Maria wurde also »mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen« auch damit wir, die wir noch nicht frei sind vom Leiden in dieser irdischen Zeit der Bewährung, getröstet, bestärkt und hoffnungsfroh ermutigt werden.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 32 / 2010 - 19. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Der Monat August ist der Monat einer Reihe bekannter kirchlicher Fest- und Feiertage. Von den Bedeutenderen sind zu nennen der 6. August, das Fest der Verklärung des Herrn, und der 15. August, das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel.
Das erste dieser beiden Feste, die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor, wurde in der Ostkirche schon im 6. Jahrhundert gefeiert. In der lateinischen Kirche wurde dieses Fest erst im Jahre 1457 von Papst Kallistus II fest vorgeschrieben, und zwar zum Dank für einen wichtigen Sieg über die muslimischen Türken bei Belgrad. Für die weitere Entwicklung Europas und seine Zukunft ist dieser militärische Sieg nicht unbedeutend gewesen.
Ein solcher historischer Kontext für ein kirchliches Fest ist uns heute fremd geworden. Verständlicher und nachvollziehbar wird er jedoch durch die Tatsache, dass es dem damaligen Papst gar nicht um die militärische Dimension dieses Sieges ging, sondern um die geistliche und geistige Verfassung des Menschen: Dieser Sieg über die muslimische Militärinvasion hat, wie andere Siege dieser Art, die dem christlichen Europa eigene und spezifische Freiheits- und Wertevorstellungen bewahrt.
Es sind Vorstellungen und Grundhaltungen, die dem Menschen ohne jeden Zweifel dann besser entsprechen, wenn der Mensch davon, mit Gottes Hilfe, einen guten Gebrauch macht. Das der gute Gebrauch Jahrhunderte später, im derzeitigen schon fast nachchristlichen Europa ganz offensichtlich nicht mehr der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt.
Hier lässt sich dann auch ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Fest der Verklärung und dem äußeren Grund des militärischen Sieges mit dem daraus folgenden Überleben und Fortbestehen der christlichen Größe und Freiheit des Menschen erkennen. Die christlichen Größe und Freiheit des Menschen sind in ihrer ganzen Dimension nur vom gelebten Glauben an einen Gott her möglich, der aus Liebe zum Menschen ganz aus freien Stücken den Weg einer Erlösung durch den Tod am Kreuz geht.
Erst dieser freiwillige Schritt in die äußerste Erniedrigung legt die Größe der dem Menschen möglichen Freiheit offen. Somit führt erst dieser Schritt zur endgültigen Freiheit und Befreiung des Menschen. Es ist ein Schritt, der deutlich über die Menschwerdung Gottes hinaus geht. Wenn schon Gottes Menschwerdung im muslimischen Umfeld eine nicht denkbare Vorstellung ist, dann ist für Denker mit muslimischem Hintergrund noch weniger eine Erlösung des Menschen zur Freiheit durch eine Liebe nachvollzieh- und denkbar, die bis in den Tod am Kreuz hinabsteigt.
Das Christentum hat von diesem Hinabsteigen Gottes in die tiefste Erniedrigung des Menschseins aus die Werte und Freiheitsvorstellungen des Menschen ableiten können, wie sie für die christliche Hemisphäre, nicht aber für die muslimische, prägend und spezifisch sind, bzw. waren, sofern sie in der Gegenwart global überlagert werden von einem falschen Gebrauch, wie er für die Modernen und Postmoderne typisch ist.
Um die Jünger auf den Kreuzestod und seine Folgen, das heißt auf den wieder gewonnen Glanz und die wiederhergestellte Größe des Menschen, vorzubereiten, lässt er einige der Apostel die Herrlichkeit des Menschensohnes in der göttlichen Verklärung auf dem Berg Tabor schauen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 31 / 2010 - 18. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
»Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.« So steht es im Buch Kohelet (1, 2). Ein Satz, der mit zu den bekanntesten der Bibel gehört. Er verwundert, seiner Unmittelbarkeit wegen, ist aber auf Anhieb eingängig und verständlich.
Jeder weiß um die Augenblicke, in denen einem das Leben zur Frage wird: ‚Was ist der Mensch? Wozu lebt er? Was nützen ihm Reichtum und Wissen, wenn der Tod doch alles auslöscht?’
Der biblische Verfasser des Buches Kohelet stellt sich und seinen Lesern unbequeme, aber zugleich auch spannende Fragen, auf die er bei den Philosophen und Theologen seiner Zeit keine Antwort bekommt: »Es kommt vor,« stellt er fest, »dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.« (ibid. 2,21)
Der Autor fragt kritisch: »Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?« und konstatiert: »Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.« (ibid. 2,22-23).
Im Evangelium vom Sonntag dieser Woche kehren diese Fragen wieder, freilich in einem ganz anderen Klima. Aller Reichtum verfällt, aber es gibt etwas Besseres, einen Reichtum „vor Gott“: nicht das, was der Mensch hat, sondern das, was Gott aus ihm gemacht hat.
Mahnend erhebt der Herr seine Stimme: »Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.« (Lk 12,15).
Bei Lukas folgt das bekannte Gleichnis vom Landwirt, der unerwartet eine so große Ernte einfuhr, dass er seine alten Scheunen abreißen und deutlich größere errichten ließ in der Meinung, er habe nun bis an sein Lebensende ausgesorgt: »Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!« (ibid., 19)
Darauf sagt Gott zu ihm: »Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?« (ibid., 20), und Jesus, der Herr, verallgemeinert: »So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.« (ibid., 21)
Ist es nicht längst und allen schon immer bekannt, dass Vermögen und Erfolg die Gefahr mit sich bringen, dass der Mensch hart wird gegen andere Menschen und stumpf gegenüber dem eigentlichen Anspruch seiner Person? Die Folgen sind Überdruss und innere Leere ohne Perspektive. Ein solcher Mensch ist zur Ablenkung von einer schwindelerregenden und nicht zu bewältigenden Hoffnungslosigkeit verdammt durch äußerliche Geschäftigkeit und hohlem Getue. Für den Menschen gibt es nur den einen „Ausweg“ aus diesem seinem Elend: Gott anerkennen und an seine Liebe glauben.
Ohne die Anerkennung Gottes und einem gelebten Glauben wird man praktischer „Atheist“. Man wird ein Mensch ohne Gott, ein gottloser Mensch, der nicht mehr fähig ist, die Wirklichkeit Gottes und seine Liebe zu begreifen. Als gottloser Mensch verfällt man gottlosem Tun und verfehlt den Sinn seines Lebens.
Die Ferienzeit schenkt Abstand vom Alltag und die Möglichkeit, über sein Verhältnis zu Gott nachzudenken, und mit sich selber in seinem Bemühen um eine lebendige Beziehung zu Gott wieder ins Reine zu kommen.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 30 / 2010 - 17. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
In dem Maß, wie die Elektronik in unser Leben Einzug hält, sind sichere Passwörter immer wichtiger. Sie schützen das Bankkonto, wenn es von zuhause über Internet verwaltet wird, und erlauben den Zugriff nur dem, der das Passwort kennt. Ähnlich ist es bei Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten.
Das richtige Passwort verschafft Zugang und sichert vor Missbrauch. Passwörter sind deshalb gewöhnlich geheim zu halten. Sie sollten auch möglichst ausgefallen und vielfältig sein, damit Unbefugte sie nicht erraten können. So ist etwa das Geburtsdatum oder der Vorname als Passwort ein denkbar schlechtes Passwort.
Am kommenden Sonntag teilt der Herr uns ein ganz besonderes Passwort mit. Es ist vielleicht das wichtigste Passwort überhaupt, und gegen alle Passwortregeln denkbar einfach und weltbekannt. Es ist das Passwort, das uns Zugang zu Gott verschafft.
Lange Zeit war Gott dem Menschen verborgen. Bei aller Gottesnähe, die der Herr etwa dem alttestamentlichen Mose gewährte, hörte Mose nur die Stimme aus dem brennenden Dornbusch, die ihm auftrug: „Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab“ (Ex. 3,5)
Jesus Christus hat als die zweite der drei göttlichen Personen, als der menschgewordene Sohn Gottes diese Schwelle überschreiten und uns als seine menschlichen Brüder und Schwestern in ein viel größere, eine schwindelerregende Nähe zu Gott mitnehmen können. Jesus Christus führt uns, nachdem er „die Reinigung von den Sünden bewirkt“ hat (Hebr. 1,3), vor das Angesicht des Vaters: „Seht, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat“ (Hebr. 2,13).
Das für diese Nähe notwendige Passwort lautet: „Vater“. – Wir sprechen es aus im Gebet, das der Herr uns gelehrt hat: Im Vaterunser. Das Sonntagsevangelium berichtete uns darüber.
In unseren liturgischen Gottesdienstfeiern wird die Gemeinde eingeladen, das Vaterunser mit kindlicher Kühnheit zu sprechen. Auch die östlichen Liturgien verwenden ähnliche Ausdrücke: „voll Vertrauen wagen“ und „mach uns würdig“.
Wo wir als Menschen in eine kindliche Nähe zu Gott treten können, werden uns nicht nur die Besonderheiten Gottes als liebender Vater, sondern auch die Besonderheiten des Menschen als Kind Gottes geoffenbart. Der Heilige Ambrosius (sacr. 5,19) sagt dazu:
„O Mensch, du wagtest nicht, das Antlitz zum Himmel zu erheben, du senktest den Blick zur Erde, und plötzlich hast du die Gnade Christi erhalten: alle deine Sünden wurden dir vergeben. Aus einem schlimmen Knecht bist du ein guter Sohn geworden ... Erhebe also deinen Blick zum Vater, ... der dich durch seinen Sohn erlöst hat, und sage: ‚Vater unser‘ ... Berufe dich aber auf kein Vorrecht. Eigentlicher Vater ist er nur in Bezug auf Christus, während wir von ihm erschaffen sind. Sage also aus Gnade auch du: ‚Vater unser‘, um zu verdienen, sein Sohn zu sein.“
Wer Gott „Vater“ nennt, bekennt damit in einem Atemzug seine Bereitschaft, sich auch als würdiger Sohn, als würde Tochter zu erweisen. Ein anderer Kirchenvater, der Heilige Cyprian (Dom. orat. 11), bringt das so auf den Punkt: „Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes verhalten“.
Wer täglich das Vaterunser, das Gebet des Herrn, in dieser Haltung und Bereitschaft spricht, wird am eigenen Leibe erfahren, was der Heilige Augustinus (serm. Dom. 2,4,16) über dieses Gebet sagt: „Vater unser: Dieser Name weckt in uns beim Beten gleichzeitig Liebe, Zuneigung ... und auch die Hoffnung, zu erlangen, um was wir bitten ... Was kann er denn dem Gebet seiner Kinder verweigern, wenn er ihnen schon zuvor gestattet hat, seine Kinder zu sein?“
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 29 / 2010 - 16. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Die Sommerferien haben begonnen. Dazu passend hören wir am Sonntag, wie der Herr Marta von Betanien vor ihrer Schwester Maria zurechtweist und Maria lobt. Was war geschehen?
Marta war ganz davon in Anspruch genommen, Jesus und seine Jünger zu bewirten. Maria hingegen machte „Urlaub“: Sie hatte sich „dem Herrn zu Füßen gesetzt und hörte seinen Worten zu“ (Lukasevangelium, 10, 39). Marta war darüber verständlicherweise erbost und beklagte sich beim Herrn, dass ihre Schwester die ganze Arbeit ihr allein überlasse: „Sagt ihr doch, sie soll mir helfen!" (ebd., 40)
Marta muss sehr überrascht gewesen sein, als der Herr Ihrem Wunsch nicht entsprach. Statt Maria zu sagen: „Ab in die Küche, du hast mir lange genug zugehört“, tadelt er die fleißige Marta und lobt zu deren Erstaunen ihre scheinbar müßige Schwester Maria: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ (ebd., 41-42).
Die richtige Auslegung und das richtige Verständnis dieser Aussage Jesu ist spannend. Was genau meinte er mit dem »Einen Notwendigen«, das Maria als das »Bessere« gewählt hat?
Mit Blick auf das Ganze der Heiligen Schrift wäre es falsch, daraus einfach zu schließen: Da nach Jesu Aussage ihm zuzuhören als das Bessere notwendig ist, ist es weniger gut und nicht so notwendig, den Gast zu bewirten und dafür wie überhaupt zu arbeiten und sich ins Zeug zu legen. - Das könnte leicht wie ein Freibrief verstanden werden, sich immer mehr Urlaub und Auszeiten zu gönnen bei mehr oder weniger frommen Müßigsein.
Der an den Menschen gerichtete Schöpfungsauftrag lautet unmissverständlich, die Erde zu bebauen und sie zu behüten (vgl. Genesis, 1, 28-29) Das ist nicht weniger wichtig und nicht weniger gut als Jesus zuzuhören; das heißt richtig zu beten. Richtig beten bedeutet ja nicht nur bitten und betteln, sondern Gott zumindest genauso intensiv zuhören, sich seinen Eingebungen und Anregungen öffnen und darauf dann einlassen.
Damit sind wir am Kern des Problems und haben den richtigen „Verständnisschlüssel“ für dieses interessante Gespräch Jesu mit Marta aus Betanien über deren Schwester Maria.
Wer gut arbeitet weiß, dass die Arbeit einen ganz in Beschlag nehmen und dann einseitig auf falsche Wege führen kann. Intensive Arbeit kann dazu verleiten, müde und schlecht gelaunt oder auch erfolgsbesessen und eitel und manches mehr dieser Art zu werden.
Wer ein guter Arbeiter sein will, der muss auch ein guter Beter sein; wie auch umgekehrt. Das Beten ist insofern das einzig wirklich Notwendige und Bessere, weil jeder Arbeiter die Perspektive Gottes benötigt, um sich in und durch seine tägliche Arbeit nicht auf Abwegen zu verlieren.
Der guten Marta ist offenbar genau das widerfahren. Als Jesus mit seinen Jüngern bei ihr eintraf, hat sie völlig richtig reagiert: Die Ärmel hoch gekrempelt und aufgetragen, was die Speisekammer hergab. Aber dabei hat sie sich ereifert und ‚im Eifer des Gefechts’ ihrer Schwester Maria unrecht getan, die „das bessere gewählt hat, das ihr nicht genommen werden soll.“
Lassen wir uns von niemandem, auch nicht von uns selbst, die Zeiten des Gesprächs mit Gott nehmen, die notwendig sind, um unser Leben und Arbeiten aus seiner Perspektive zu sehen, damit alles wieder ins rechte Lot kommt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommer- und Urlaubszeit.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 28 / 2010 - 15. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Ein Reisender wurde von Räubern brutal niedergeschlagen, ausgeraubt und schwer verletzt in der sengenden Wüstensonne halbtot liegen gelassen. Hintereinander kamen zwei scheinbar fromme Männer am Ort des Geschehens vorbei. Sie sahen den Verletzten, gingen jedoch davon unberührt weiter, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern.
Danach kam jemand vorbei, der als einer aus Samarien zu Unrecht als unfrommer Außenseiter galt. Als er den Ausgeraubten sah, empfand „er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie“ (Lukasevangelium, 10, 33f). Diese Erzählung gehört als Gleichnis vom barmherzigen Samariter mit zu den bekannten und sprichwörtlich gewordenen Lehrgeschichten, mit denen Jesus seinen Zuhörern etwas erklären möchte.
Ein Gesetzeslehrer hatte um Auskunft gebeten, wie man das ewige Leben gewinnt. Jesus verwies ihn auf das doppelte Gebot: ‚Gott mit ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben, und den Nächsten wie sich selbst.’
Der Gesetzeslehrer gab sich damit noch nicht zufrieden. „Wer ist mein Nächster?", wollte er wissen.
Hier geht es um ein bekanntes Phänomen. Nicht nur Prominente, die schon gerne einmal Gutes tun und dann auch möglichst viel darüber reden und berichten lassen, sondern auch „Normalsterblichen“ widerfährt es leicht: Durch Gefühle des Mitleids und der Anteilnahme bewegt setzt man sich in Wort und Tat ein für die Ärmsten der Armen. Aber in der eigenen Familie, im Kreis derer, mit denen man zusammen lebt, kommt man nicht so gut zurecht. Das fällt es einem merkwürdigerweise schwer, seinen Nächsten heute, morgen, übermorgen und alle Tage aus ganzem Herzen zu lieben.
Da gibt es einen Zusammenhang mit jener scheinbar frommen Frau, die bekennt: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie heiß und innig ich alle Menschen liebe und wie sehr mich jedes Unrecht zu Tränen rührt. …
Aber meine Nachbarin: Das ist eine ganz unmögliche, unausstehliche Frau. Wenn ich die schon sehe .…“
Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter erklärt Jesus, dass jeder einem der Nächste ist. Auch die Nachbarin. Diese gewöhnlich sogar noch mehr als all die Armen, die man nur über Fernsehen und Nachrichten kennt. Diese Art von Mitgefühl kostet einen nichts. Sie ist nicht gerade anspruchsvoll.
Von der heiligen Therese von Lisieux wird folgendes erzählt. Eine ältere Mitschwester aus ihrem Kloster besaß einen äußerst schwierigen Charakter. Sie wurde von allen anderen gemieden. Keine aus dem Frauenkloster kam mit ihr und sie kam mit keiner anderen gut zurecht. Als die blutjunge Therese das bemerkte, leistete sie der älteren Mitschwester über die Maßen oft Gesellschaft und war in ihrer Gegenwart immer besonders gut gelaunt.
Die ältere Mitschwester war darüber so verwundert, dass sie die jüngere fragte, was sie angesichts ihres verschrobenen Charakters denn so besonders an ihr fände. Die kleine Therese soll sich geschickt aus der Affäre gezogen haben. Sie wollte nur eines: Um der Liebe Jesu Christi willen auch dieser Außenseiterin als von Gott geliebtes Kind die dem Nächsten geschuldete Liebe und Zuneigung erweisen.
Tatsache ist: Bin ich gegenüber demjenigen aus meiner Nähe, bei dem es mir am schwersten fällt, in ganz besonderer Weise freundlich und zuvorkommend, dann strahle ich in meiner Umgebung auch allen anderen gegenüber eine überdurchschnittliche Sympathie aus. Dann kann Gottes Liebe in ganz besonderer Weise gegenwärtig sein.
Genau das ist im doppelten Gebot gefordert: ‚Gott mit ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben, und den Nächsten wie sich selbst.’ So konkret kann und sollte man es anpacken. Alles andere ist Gerede und bloßes Getue.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 27 / 2010 - 14. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freude von St. Pantaleon!
„Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ Mit diesen Worten sendet der Herr zweiundsiebzig seiner Jünger „wie Schafe mitten unter die Wölfe“ in alle Städte und Ortschaften aus, in die er dann selbst gehen will. Sie sollen überall Frieden hinbringen und seine Ankunft vorbereiten.
Angesichts der anspruchsvollen Aufgabe ermutigt der Herr die Seinen: Wenn in dem Ort, zu dem sie gehen, „ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr im wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.“
Nach vollbrachter Mission kehrten die Zweiundsiebzig zurück und berichteten voll Freude: „Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.“
Hier wird deutliche: Es ist ein großes Geschenk, sich als Mitarbeiter Gottes wissen und am Aufbau seines Reiches mitwirken zu dürfen. Jeder soll in der Welt als Jünger Jesu den Frieden ausrufen; und kein Jünger Jesu wird dies vergeblich tun. Das Bemühen als Jünger Jesu wird vom Rest der Menschheit positiv aufgenommen und so viele und gute Früchte bringen, dass man als Jünger Jesu darüber erstaunt und überrascht ist, weil man eine so gute Reaktion und Wirksamkeit selber nicht erwartet hatte.
Wo das Bemühen gegen alle Erwartungen auf Ablehnung stößt, wird kein Jünger Jesu deshalb den eigenen Frieden verlieren (s.o.). – Erklärbar ist dies alles, weil man als Jünger Jesu nicht im eigenen Namen und aus eigener Kraft sondern im Namen Gottes und mit seinem Beistand für den Frieden arbeitet.
Ein aktuelles Beispiel: Aufmerksamen Beobachtern der Fußballweltmeisterschaft wird nicht entgangen sein, dass die letzte, noch im Wettbewerb stehende Fußballnationalmannschaft des afrikanischen Kontinents, die ‚Black Stars’ aus Ghana, miteinander singt, tanzt und betet. Kaum ein Team ist so religiös wie das aus dem westafrikanischen Land Ghana. Journalisten sind beeindruckt.
Ein Reporter des amerikanischen Sportmagazin "ESPN The Magazine", Jeff Bradley, berichtete kürzlich, was er beim Besuch der ghanaischen Nationalmannschaft erlebte. Schon von weitem könne man die Freude der Spieler spüren. "Praktisch alles, was an den 'Black Stars' auffällt, ist, dass sie ein Team sind, im wahrsten Sinne des Wortes", schreibt Bradley.
Die Gemeinschaft umfasse auch das gemeinsame Gebet. "Wir lieben es, zusammen zu singen, zu tanzen und zu beten. Das bringt Freude in unsere Herzen. Das ist unser Team", sagt der Stürmer der Mannschaft, Asamoah Gyan.
Und Kapitän John Mensah sagte in einem Interview mit der deutschen Presseagentur dpa: "Wir sind Christen, und wir alle wissen, wie wichtig Gott ist. Wir respektieren alle Gott, und wir beten jedes Mal vor einem Spiel und nach einem Spiel. Wir preisen Gott für das, was er für uns getan hat." Er fügte hinzu: "Wir beten zu Gott, bevor wir aufs Spielfeld gehen." Auch nach dem Training singen sie zusammen. "Nicht immer, aber auf jeden Fall am Tag vor einem Spiel."
In einer Verkündigungssendung der evangelischen Kirche habe ich das folgende Gebet der Nationalmannschaft aus Ghana gefunden: „Herr, lass uns fair spielen. Lass unser Spiel in deinen Augen gut sein. Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen. Und Herr, wenn du gnädig bist, dann lass uns gewinnen, hier im Spiel und später, wenn das Spiel und das Leben zu Ende sind. Amen.“
Uns allen wünsche ich ein schönes und gelungenes Pfarrfest, einen guten weiteren Verlauf der Fußballweltmeisterschaft … und dass auch Sie als Jünger Jesu die Ärmel hochkrempeln und ihm, dem Herrn, als Botschafter des Friedens vorausgehen. Bleiben Sie nicht nur Zuschauer, wenn andere es erfolgreich vormachen.
Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 26 / 2010 - 13. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Am Samstag, dem 26. Juni jährt sich zum 35. Mal der Todestag des heiligen Josefmaria Escrivá, der als Gründer des Opus Dei weltweit bekannt und verehrt wird. Auch in Sankt Pantaleon ist zu seinen Ehren – gestiftet von der Dr. Zieseniß-Krambo-Stiftung – in der Apsis des nördlichen Seitenschiffes eine Kapelle zu seinen Ehren durch die Künstler Elmar und Klemens Hillebrand entstanden. Papst Benedikt XVI. war einer der ersten, der bei seinem Besuch in Sankt Pantaleon während des Weltjugendtages 2005 in Köln in der zu diesem Zeitpunkt gerade fertig gestellten Josefmaria-Kapelle für einen kurzen Augenblick des Gebetes und Gedenkens an diesen Heiligen hat innehalten können.
Es ist für uns in Sankt Pantaleon eine große Ehre, dass fast genau fünf Jahre später der Vertreter des römischen Pontifex, der apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, am 35 Todestag des heiligen Josefmaria zu seinen Ehren ein großes feierliches Hochamt feiern wird.
Man muss Gott wirklich dankbar für diese zwei großen Geschenke päpstlichen Besuches sein. Der Besuch von Papst Benedikt galt den Priesteramtskandidaten auf dem Weltjugendtag, was in der Presse oft übersehen und mit Blick auf das Opus Dei schief dargestellt wurde. Erst der jetzige Besuch seines Vertreters in Deutschland, des päpstlichen Nuntius, fünf Jahre später, gilt nun dem heiligen Josefmaria und seiner Gründung, dem Opus Dei.
Man muss zum zweiten Gott auch sehr dankbar für das sein, was er durch das vorbildhafte Mitwirken des Heiligen Escrivá der Kirche als Gabe und Auftrag hat schenken können. Josefmaria Escrivá hat besonders den Menschen, die aufgrund ihres familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Engagements darüber klagen mussten, keine Zeit und Möglichkeit für ein geistliches Leben zu haben, neue Horizonte eröffnet. Er hat ihnen in Wort und Tat vermittelt, im hektischen Alltag im ständigen Bewusstsein von Gottes Gegenwart zu leben, und ihm gerade dort zu begegnen. Damit hat er die Menschen „vor der damals wie heute so häufigen Versuchung bewahren, eine Art Doppelleben zu führen: auf der einen Seite das Innenleben, der Umgang mit Gott, und auf der anderen Seite, säuberlich getrennt davon, das familiäre, berufliche und soziale Leben, ein Leben voll irdischer Kleinigkeiten.“
Diesem Dualismus hat Escrivá vom Heiligen Geist explizit gewollt und inspiriert ein klares Nein entgegengesetzt: „Es darf kein Doppelleben geben. Wenn wir Christen sein wollen, können wir diese Art von Bewusstseinsspaltung nicht mitmachen. …
Es gibt keinen anderen Weg“, hat Escrivá konkretisiert. „Entweder lernen wir, den Herrn in unserem alltäglichen Leben zu entdecken, oder wir werden ihn niemals finden. Es tut unserer Zeit not, der Materie und den ganz gewöhnlich erscheinenden Situationen ihren edlen, ursprünglichen Sinn zurückzugeben, sie in den Dienst des Reiches Gottes zu stellen und sie dadurch, dass sie zum Mittel und zur Gelegenheit unserer ständigen Begegnung mit Jesus Christus werden, zu vergeistigen.“
Soweit zur Kernbotschaft dieses bedeutenden und außergewöhnlich sympathischen Heiligen. Dann noch in eigener Sache zum Pfarrfest am Sonntag, dem 4. Juli: Bitte haben Sie vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine einzige Hl. Messe und zudem schon um 9.30 Uhr gefeiert wird. Zur anschließenden Pfarrprozession lade ich Sei alle herzlich ein und bitte die Anwohner um ein Zeichen der Sympathie gegenüber dem eucharistischen Herrn in der Monstranz: Eine Kerze im Fenster, eine kleine Figur oder eine kleines Altärchen o.ä.
Der Prozessionsweg verläuft in diesem Jahr wie folgt: Von der Kirche zur 1. Station in der Katholischen Grundschule „Trierer Straße“; dann über die Straßen „Am Pantaleonsberg“, „Vor den Siebenburgen“, „Am Trutzenberg“, „Martinsfeld“, “Heinrichstraße“, „Steinstraße“, „Schnurgasse“ zur 2. Station in der Kirche Maria im Frieden (Karmel). Von dort über die Straßen „Vor den Siebenburgen“, „Am Pantaleonsberg“ und „durch den Torbogen Am Weidenbach“ wieder zurück in die Kirche.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 25 / 2010 - 12. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Am Mittwoch, dem 16. Juni, wurde der Raum hinter dem Hochaltar nach aufwendigen und mit hoher Sachkompetenz durchgeführten Restaurationsarbeiten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Was ist das für ein Raum? – Ich möchte es Ihnen kurz wie folgt erklären.
Der Nachkriegs-Wiederaufbau von St. Pantaleon ließ verschiedene Bereiche notgedrungen unberücksichtigt; unter anderem den Bereich hinter dem Hochaltar. Viele Jahre war dieser Raum zweckentfremdet Abstell-, fast schon eine Rumpelkammer; was der ursprünglichen Bedeutung dieses Ortes natürlich überhaupt nicht entsprach.
Der Bereich um den Altar ist nach ältester Tradition „heiliger Ort“ und gehört den Heiligen. Er ist Ruhestätte derer, die Großes geleistet haben: Heilige, deren sterbliche Überreste (Reliquien) hier einen Ehrenplatz erhielten.
Nur noch wenigen war bekannt, dass St. Pantaleon zwei große und kostbare Wandreliquienschränke in säulenflankierten Steinrahmen aus der Zeit der ersten barocken Chorumgestaltung unter Abt Spichernagel (1607-1640) besitzt. In Vergessenheit geraten waren auch die Nischen im Hochaltar, in denen einmal die kostbaren mittelalterlichen Reliquienschreine der Heiligen Albanus und Maurinus gestanden haben.
Der Hochaltar entstand in der zweiten Barockisierungsphase unter Abt Everhard von Schallenberg (1747-49). Die in diesem Hochaltar eingelassenen Nischen für die Schreine waren zum Kirchenschiff hin geöffnet, wurden aber nach dem Krieg durch geschickt im Barockstil übermalte Sperrholzplatten provisorisch geschlossen. Auch von der Rückseite waren sie, wie die gesamte Rückfront des Hochaltars, mit Sperrholzplatten vernagelt. Bei der Restaurierung des Umganges hinter dem Hochaltar wurden sie wiederentdeckt.
Man erkennt hier die schon in der Antike belegte, im Mittelalter intensivierte und im Barock ungebrochen weiter gepflegte Gewohnheit, die größten Schätze der Kirche, die sterblichen Überreste (Reliquien) der Heiligen, in größter Nähe zum Altar zu verehren. Mit dem nun vollständig wiederhergestellten Raum hinter dem Hochaltar ist diese Tradition bis in unsere Zeit nun fortgeführt.
Die Stelle der vor etwa 10 Jahren im Kirchenschiff aufgestellten Schreine der Heiligen Albanus und Maurinus, rechts und links neben dem Zelebrationsaltar unter der Orgel, füllen in den Hochaltarnischen nun zwei hölzerne Sammelreliquienschreine des frühen 17. Jahrhunderts aus der Kölner Jesuitenkircheh St. Mariä Himmelfahrt aus.
Der Umgang hinter dem Hochchor lockt mit zusätzlichen Besonderheiten. Künstlerisch hochwertig und aufwendig in Vollglasvitrinen werden hier nun kostbare Gegenstände präsentiert, die den wechselvollen Verlauf der Jahrhunderte überstanden und nicht nur wegen ihrer Einmaligkeit hohen Wert haben: Unter anderem zwei wunderschöne Vortragekreuze.
Das älteste, das sogenannte Albertuskreuz, mit eingraviertem Reliquienverzeichnis, entstand um 1170 in Köln. Das jüngere, aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, schmückt ein mit höchster Qualität gemalter „Corpus Christi“, der in mühevoller Restaurierung hinter einem stark verkrusteten und kaum noch durchsichtigen Balsamharzfirnis wieder zum Vorschein kam.
Nach den aufwändigen Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten sind dem Raum hinter dem Hochaltar seine ursprüngliche Würde und sein geheimnisvoller Glanz zurückgegeben. Alle an diesem Projekt Beteiligten haben eine Arbeit geleistet, die sich sehen lassen kann. Sie stellt einen beachtlichen Gewinn für die romanischen Kirchen Kölns und das einzigartige Kunstprofil dieser Stadt dar.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 24 / 2010 - 11. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Mit dem zu Ende gehenden Priesterjahr am Herz Jesu Fest (Freitag, 11. Juni 2010) werden die Christen wohl noch lange dunkle und beschämende Monate für die Kirche verbinden. In dem Jahr der Priester sollte die Heiligkeit der im Dienste Gottes Stehenden gestärkt und neu ins Bewusstsein gerückt werden. Herausgekommen sind für den oberflächlichen Betrachter Missstände auch unter Priestern und Bischöfen, die abscheulich und in jeder Hinsicht verwerflich sind.
Wer sich an Kindern und jungen Menschen vergreift und ihnen für den Rest ihres Lebens schwersten seelischen Schaden zufügt, für den gilt das Wort des Herrn: »Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.« (Matthäus 18,6)
Mit der nüchternen Tatsache, dass Kirche und Gesellschaft seit Menschengedenken sich gegen schwere Verbrechen immer wieder neu haben verteidigen müssen, und es Missbräuche dieser Art immer schon gegeben hat – mit Abstand am häufigsten in der eigenen Familie, darf nicht ein einziger Verbrecher entschuldigt und nicht ein einziges Opfer weniger Zuwendung, Schutz und Hilfe erfahren. Aber der nüchterne Blick auf die Wirklichkeit ist heilsam und bewahrt davor, den Missbrauch für etwas ganz anderes, etwa für eine verlogene und böswillige Kritik an der Kirche zu missbrauchen.
Gibt es denn jemanden, der ein wirksameres Rezept als die Kirche gegen die Versuchung hat, sich von den Neigungen der gebrechlichen Natur des Menschen in sündhafter und menschenverachtender Form verleiten zu lassen? Das Rezept der Kirche ist Gott selber, der Mensch geworden ist, um uns zu sagen und vorzuleben, wie der Mensch gut und richtig ist.
Der menschgewordene Gott hat der Kirche die unverzichtbare Aufgabe anvertraut, diese Realität unter den Menschen ganz wach und lebendig zu halten. Sie tut es unter anderem mit dem Herz Jesu-Fest. Im Mittelpunkt dieses Hochfestes steht das Geheimnis des Herzens Jesu, das die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch, seit den Anfängen des Glaubens, beschäftigt.
Wenn die Kirchenväter über dieses Geheimnis nachsinnen, dann sprechen sie von dem Durchbohrten. Damit wird unser Blick dahin gelenkt, wo sich dieses Geheimnis entbirgt und doch zugleich verbirgt, wo es sich entschlüsselt und doch zugleich verschlüsselt bleibt: auf das Kreuz, auf den Gekreuzigten mit seinem durchbohrten Herzen. Offenbar und entschlüsselt wird hier die unermessliche, unendliche, unbegreifliche Liebe Gottes, die sich nicht scheut, die Mühsal und Beschwernis eines menschlichen Lebens auf sich zu nehmen, und nicht davor zurückschreckt, Leiden, Schmach und Tod zu erdulden.
Doch zugleich bleibt diese Liebe verschlüsselt und verborgen. Denn: Wer kann sie begreifen? Wer kann begreifen, dass Gott dies tut, dass Gott sich in seinem einzigen, innigstgeliebten Sohn so sehr entäußert und erniedrigt? Ist das nicht ausgesprochene Dummheit? Muss das nicht allen vernünftig und weise denkenden Menschen töricht erscheinen? So wird ja auch Paulus von den klugen Korinthern die Torheit des Kreuzes vorgeworfen (vgl. 1 Korinther 1, 18 f).
Die Heilige Schrift bezeugt es uns genügend: Liebe ist das Geheimnis dieser unbegreiflichen Wirklichkeit von Kreuz und Tod! Liebe ist damit aber auch zugleich das Geheimnis der Wirklichkeit überhaupt.
Und diese Liebe war, ist und wird auch in Zukunft ganz die Mitte der Kirche sein. Wer etwas genauer hinblickt, den werden die schmerzlichen, notwendigen und von Gott gewollten „Enthüllungen“ (s.o.) eine ganz besondere Hilfe sein, jetzt erst recht aus dieser Mitte zu leben. Ohne diese Mitte wären die Menschen verloren und würden sich vergeblich gegen immer wieder neue und vielfältige Missbräuche zu wehren versuchen.
So ist dieses nun zu Ende gehende Priesterjahr ein Segen gewesen. In ganz unerwarteter Weise ist die von Gott gewollte Heiligkeit, besonders auch der Priester, wieder ins Zentrum gerückt.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 23 / 2010 - 10. Woche im Jahreskreis (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Am vergangenen Samstagvormittag fand im Petersdom eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung statt: Eine eucharistische Anbetung zur Sühne für die Sünden der Priester. Darin wurde die Tragödie, die in den letzten Monaten mit Schmerzen die ganze Kirche erfüllte, vor Gott gebracht: Das Schicksal vieler Kinder, deren Vergangenheit von pädophilen Priestern „zertreten“ worden war, und die die Worte Jesu „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ verraten haben. (…)
Der eucharistischen Anbetung (…) folgte eine Betrachtung des „Staatsanwaltes“ im Vatikan für Fälle sexuellen Missbrauchs von Geistlichen, Monsignore Charles Scicluna, der offiziell verantwortlich für den Gerichtshof der Kongregation für die Glaubenslehre ist. Monsignore Scicluna fand klare Worte: „Wie viele Sünden werden in der Kirche durch Arroganz, unersättliche Gier, Missbrauch und Ungerechtigkeit derer begangen, die ihren Dienst dazu ausnutzen, Karriere zu machen, etwas darzustellen, aufgrund einer sinnlosen und erbärmlichen Ruhmsucht.“
Der maltesische Priester, der schon seit Jahren Fälle von Pädophilie und Kindesmissbrauch durch Priester untersucht und überprüft, stellte fest, dass Christus seine härtesten Worte gegen die Urheber dieser Verbrechen gebraucht. „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde“, zitierte er Jesu Wort aus dem Markusevangelium (Mk 9, 42).
Das Kind sei „kostbar in den Augen Gottes und in den Augen eines wahren Jüngers Jesu“, betonte der Bischof während dieses Gottesdienstes am Ende des Priester-Jahres. Msgr. Scicluna prangerte an: „Wie dürr wird jedoch die Erde und wie traurig die Welt, wenn dieses so wunderbare Bild und diese heilige Ikone zertreten, zerbrochen, beschmutz, missbraucht, zerstört wird!“
Die anwesenden Gläubigen (…) erinnerte Bischof Scicluna an die Worte Jesu: „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab“. Er deutete diese „Hand“, die man abtrennen muss, als „den lieben Freund, mit dem wir unser Leben verbringen und mit dem uns die Bande der Zuneigung, Harmonie und Solidarität verbindet. Es gibt eine Grenze in dieser Verbindung“, so Sciluna.
„Die christliche Freundschaft ist dem Gesetz Gottes unterworfen. Wenn mein Freund, mein Begleiter oder der geliebte Mensch für mich ein Anlass zur Sünde wird oder zu einem Hindernis auf meiner Pilgerreise, habe ich keine andere Wahl, entsprechend dem Maßstab des Herrn, als diese Verbindung zu trennen. Wer würde die Qual einer solchen Entscheidung leugnen?
Handelt es sich nicht um eine grausame Amputation?“, stellt der Staatsanwalt des Vatikans zur Frage. „Der Herr spricht jedoch eindeutig: Es ist besser für mich allein ins Reich Gottes zu kommen (ohne eine Hand, ohne ein Auge, ohne einen Fuß), als mit meinem Freund »in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer«.“
Angesichts der schwierigen Situation der Kirche in dieser Zeit schloss der Bischof mit der Bitte aus der Messbuch: „Herr Jesus Christus, du hast den Apostel gesagt: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.« Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und schenke ihr nach deinem Wort Einheit und Frieden.“
Diesen vom Nachrichtendienst „Zenit“ wörtlich übernommen Bericht möchte ich Ihnen zum Ende des „Jahres der Priester“ mit auf den Weg geben. Dass es gerade Kinder als Opfer und diese unsäglichen Verbrechen sind, mit denen wir in diesem Priesterjahr konfrontiert wurden, ist für mich nur als vom Heiligen Geist ausdrücklich so gewollt und zugelassen zu verstehen, damit wir alle – jeder in seiner Weise – dem Leitwort dieses Priesterjahres uneingeschränkt entsprechen: „Treue in Christus, Treue des Priesters“, und Sühne tun für jene, die es missbraucht haben.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 22 / 2010 - Dreifaltigkeitssonntag (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
In diesen Tagen wird das Glaubensleben geprägt von einer Abfolge größerer Feste, die nachvollziehen lassen, in welch intensiver Weise Gott zum Heil der Menschen da ist. Auf das Fest der Auferstehung folgt der Tag der Himmelfahrt, an dem unser Herr Jesus Christus das gesamte irdische Leben gewissermaßen erneut in die Höhen des Himmels hebt und dabei die Erde wieder mit dem Himmel verbindet.
10 Tage später feiert die Kirche mit dem Pfingstfest das endgültige Herabsteigen Gottes von den Höhen des Himmels hinunter zur Erde. Damit stellt Gott sicher, dass die Verbindung zwischen Himmel und Erde, wie auch umgekehrt, nicht noch einmal hoffnungslos verloren geht.
Von daher ist es konsequent, dass die Kirche am Sonntag nach Pfingsten das Fest der Dreifaltigkeit feiert. Denn „das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium, Nummer 44).
Von klein an ist zwar allen Christen das Geheimnis der Dreifaltigkeit irgendwie bewusst – wenn Christen beten, beginnen sie meist mit dem Kreuzzeichen und bekennen dabei ihren Glauben an den dreifaltigen Gott: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ –, aber zugleich ist die Bedeutung dieses zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens und Lebens vielen so gut wie kaum bekannt.
Das liegt primär am Geheimnischarakter, zum anderen aber auch an einer bedauerlichen religiösen Unwissenheit.
In der Dreifaltigkeit offenbart sich der eine und einzige Gott als personales Wesen in drei Personen. Dieser dreipersonaler Gott ist eine einzige und innige Gemeinschaft, die zeitlos und damit ewig ist. Der immerwährende und ewige Austausch der drei Personen in dem einen und einzigen Gott spiegelt sich wider in dem auf Gemeinschaft hin geschaffenen Menschen.
In besonderer Weise ist die Familie Abbild der göttlichen Dreifaltigkeit. Von daher ist sie in der Natur des Menschen vorgegeben und nicht beliebig. Familie ist die Verbindung eines Mannes mit einer Frau und ihren gemeinsamen Kindern. Alles andere ist nicht wirklich Familie.
Zu diesem Zusammenhang zwischen dem Urbild der Dreifaltigkeit als himmlische Personengemeinschaft und ihrem Abbild in der irdischen Familie kennt die christliche Kunst die Darstellung der Dreifaltigkeit im Himmel und der „Dreifaltigkeit auf Erden“, die in der Heiligen Familie zugleich Vorbild aller Familien ist.
Dargestellt wird in vertikaler Linie, wie auf dem Bild der Pfarrnachrichten erkennbar, der Vater, der Heilige Geist und Sohn, der als der menschgewordene Jesus Christus eine Doppelfunktion als Bindeglied ausfüllt. Jesus Christus verbindet die himmlische Dreifaltigkeit als Urbild mit der irdischen Dreifaltigkeit als ihr erstes und schönstes Abbild in der Heiligen Familie.
Damit zeigt sich zugleich die Bedeutung des zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens und Lebens: Die Dreifaltigkeit ist der Ursprung und zugleich das Ziel jeder menschlichen Gemeinschaft, die auf die Familie zurückgeht. Vieles wäre hierzu noch zu sagen.
Auf das Hochfest der Dreifaltigkeit folgt das Fest Fronleichnam, das aus einer Perspektive die besondere Gegenwart unseres Gottes unter der Gestalt des Brotes als Stärkung und Nahrung für uns in den Mittelpunkt rückt. Auch hierzu wäre noch so vieles zu sagen.
Von Herzen lade ich Sie dazu ein, am Fronleichnamstag nach der Hl. Messe um 9:30 Uhr gemeinsam mit uns zum Roncalliplatz, und von dort aus in der zentralen Fronleichnamspression mit zu gehen. Darüber hinaus wünsche ich Ihnen Kraft, Trost und Zuversicht; denn Gott ist uns wirklich überaus nahe und zugleich als unsere Orientierung immer ansprechbar.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 21 / 2010 - Pfingstwoche (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
Eines der biblischen Symbole für den Heiligen Geist ist das Feuer. In dieser Gestalt kam er am Pfingsttag auf die Apostel herab. „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder“, so berichtet von jenem Ereignis die Apostelgeschichte (2,3).
Feuer ist ambivalent. Es bewirkt sowohl Gutes wie auch Böses. Es kann Leben erhalten und erretten wie auch vernichten und zerstören. Schon in manchen Redewendungen wird das deutlich: „In Liebe entbrennen“; „Feuer und Flamme sein“; „Feuertaufe“ wie auch „mit dem Feuer spielen“; „Feuer gefangen haben“; „sich die Finger verbrennen“ usw. Auch manche Begriffe werden in beiderlei Richtung mit Feuer in Verbindung gebracht: „Begeisterung“, „Liebe“, „Hass“, „Zorn“, „Leiden“, „Läuterung“, „Reinheit“ usw.
Das Evangelium Jesu Christi verkündet die Erlösung. Erlösung ermöglicht, dass der Mensch aus seiner Ambivalenz herausfindet und von ihr befreit wird. Jeder Mensch weiß sehr gut, dass er sowohl Gutes wie auch Böses tun kann. Wer sich Gott anvertraut, der spürt immer mehr eine Kraft, eine göttliche Kraft in sich, aus der heraus er sich dem Böse ab- und dem Guten immer endgültiger zuwenden kann.
So wird auch all das im Menschen, was mit Feuer in Verbindung gebracht werden kann, „erlöst“ und damit immer weniger ambivalent. Wer sich Gott anvertraut, ihm gehören möchte, sich mit Ausdauer und Gottes Kraft von der Gottlosigkeit abwendet, sich die Vater-unser-Bitte „Dein Wille geschehe“ auf die Fahnen schreibt, der lässt sich ein auf einen Prozess geheimnisvoller und doch zugleich wirklicher und spürbarer Reinigung und Läuterung. Er nimmt wahr und erfährt, wie seine Leidenschaften immer eindeutiger werden im Guten und immer geringer in ihrer Zweideutigkeit.
Auch hier gibt uns die Bibel ein wundervolles Bild an die Hand. Im Alten Testament, im Buch Exodus (3,1 ff), wird Mose von einem Dornenbusch in Bann gezogen, der „brannte und doch nicht verbrannte.“ In diesem Dornenbusch offenbarte sich Gott. In dieser Offenbarung können wir eine Vorbereitung auf das Pfingstfest sehen. Im Bild vom brennenden Dornenbusch, der nicht verbrannte, können wir auch sehen, wie Gott den Menschen durch die Kraft seines Geistes verändert und umgestaltet: Wie er ihn erlöst.
Wer sich von Gott nicht erlösen lassen möchte, und sich damit selber zur Gottlosigkeit verdammt, wird über eine gewisse Entwicklungsstufe aus eigener Kraft nicht hinaus kommen. Er wird feststellen müssen, dass seine Leidenschaften, wofür er sich mit Feuer und Flamme eingesetzt hat, mehr Schutt und Asche hinterlassen, als ihm lieb ist.
Nur in und mit der Kraft Gottes vermag der Mensch „zu brennen ohne zu verbrennen“; zu entzünden ohne zu verletzen; Feuer und Flamme ohne Schutt und Asche zu sein.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gnadenreiches Pfingstfest.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 20 / 2010 - 7. Osterwoche (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Im Monat Mai loben und verehren die katholischen Christen in besonderer Weise die Gottesmutter und Jungfrau Maria. Weithin sichtbar schmücken sie vielfältig ihre Mariendarstellungen. Dabei sind Blumen und Blüten Symbole für Maria in ihrer Gnadenfülle. Die Gottesmutter wird verehrt als „Rose ohne Dornen“ und „schönste Blume“, wie es in einem Marienlied heißt. Schwertlilien, Anemonen und Nelken wiederum weisen auf Maria als schmerzhafte Mutter hin. Das Maiglöckchen – als beliebte Heilpflanze – steht für das Heil, das endgültig durch Maria in die Welt gekommen ist.
Schon im frühen Mittelalter stellten Künstler Maria häufig inmitten von Blumen dar. Sie sollten zudem das verloren gegangene Paradies versinnbildlichen, das uns durch Maria als Mutter Gottes nun in anderer Weise zurückgeschenkt ist. Darüber hinaus steht die im Frühling erwachende Natur mit ihrer Blütenpracht für neues Leben und Fruchtbarkeit. Auch dies ist in besonderer Weise durch Maria als der Mutter Gottes ermöglicht und Wirklichkeit geworden.
Von daher erklärt sich, dass auf der Südhalbkugel nicht der Mai, sondern der dortige Frühlingsmonat November als Marienmonat begangen wird.
Das Leben Mariens lädt dazu ein, es in der Beziehung zu ihrem Sohn zu betrachten. Viele Künstler haben das in ihren Kunstwerken getan. So wird Maria oft als junges Mädchen dargestellt: bei der Verkündigung, neben der Krippe, im Tempel. Eine ganz andere Maria begegnet uns in den Darstellungen von Leidensweg und Kreuz: eine erfahrene, reife und treue Mutter, die den Lebensweg des Sohnes bis zum Ende mitging.
Die letzte Station dieses Weges stellte Michelangelo (1475-1564) in seiner berühmten Pieta dar. Als Papst Paul VI. vor dem restaurierten Werk stand, sagte er: Hier ist Arbeit Gebet geworden.
Neben dem friedvollen Gesicht der Gottesmutter fällt dem Betrachter ihre Jugendlichkeit auf. Man fragt unwillkürlich, weshalb Michelangelo einer Mutter mit einem über dreißig Jahre alten Sohn ein so jugendliches Gesicht geben konnte.
Seinem Schüler Ascanio Condivi gab Michelangel darauf die Antwort: „Weißt du nicht, dass die keuschen Frauen sich viel frischer erhalten als die unkeuschen? Um wie viel mehr also eine Jungfrau, welche niemals auch nur der geringste wollüstige Gedanke befiel, der ihren Leib hätte entstellen können. (...) Das war bei dem Sohn nicht nötig; vielmehr eher das Gegenteil, weil zu zeigen war, dass der Sohn Gottes wirklich einen menschlichen Körper angenommen hat. (...) Darum steht's dir nicht zu, dich zu wundern, wenn mich diese Einsicht bewog, die Allerheiligste Jungfrau, die Mutter Gottes, im Vergleich zu ihrem Sohn weit jünger zu gestalten, als es jenes Alter gewöhnlich fordert, dem Sohn aber sein Alter zu lassen.”
Hier klingt eine tiefe Einsicht an: die Jugendlichkeit eines Menschen entscheidet sich in seiner Einstellung und Lebenshaltung. Dabei sind auch die Gedanken besonders wichtig. Nicht wenige Ärzte und Psychologen behaupten: „Die unheilvollste Krankheit des heutigen Menschen ist die Negativität seines Denkens. Vielen Patienten fehlt nichts außer gesunden Gedanken.”
Maria macht Mut und erwirkt von ihrem Sohn die Gnade, Gedanken und Gefühle von allem Ungesunden, Unsinnigen und Destruktiven zu reinigen und weit von sich zu weisen. Maria bezog ihre Frische daraus, dass Gott für sie alles zum Positiven gewendet hat; auch das Kreuz und alle anderen negativen Lebenserfahrung.
Alles mit den Augen Gottes sehen, das könnte ihr unausgesprochenes Lebensmotto sein. Das könnte auch unsere Regel sein, um Unausgegorenes zu klären und zu reinigen, etwa Egoismus, ungeordnete Selbstwertgefühle oder vagabundierende Sexualität.
Auch wenn wir altern, wir bleiben doch jung. Die Jugendlichkeit der Pieta des Michelangelo hat einen tiefen und schönen Sinn.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 19 / 2010 - 6. Osterwoche (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
An diesem 6. Ostersonntag hören wir als Evangelium einige Verse aus den sogenannten Abschiedesreden Jesu. Zwischen den Zeilen nimmt der aufmerksame Zuhörer eine gewisse Angst und Unruhe der Jünger wahr, auf die der Herr im 14. Kapitel des Evangeliums nach Johannes wie folgt antwortet:
„Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“
Es sind beruhigende Worte des Herrn, die vor allem auch den Grund für die Zuversicht nennen: Die Liebe.
Blind macht nur die unreife Liebe. Die gereifte Liebe hingegen macht sehend. Wenn wir dem Herrn mit wirklicher, das heißt mit gereifter Liebe verbunden sind, dann ist der Abstand zwischen uns und ihm kein Hindernis; im Gegenteil: Er hilft der Liebe reif zu werden.
Auch wenn der Sohn Gottes nicht mehr als der Mensch Jesus von Nazareth unter uns ist, sind wir keine Waisenkinder Gottes. Wir sind nicht alleine. Und auch die Kirche ist nicht alleine, mag sie auch im Laufe ihrer zweitausendjährigen Geschichte immer wieder erschüttert und bis an den Abgrund getrieben worden zu sein. Der Heilige Geist, den das Pfingstereignis bezeugt, steht den Seinen zur Seite und leistet der Kirche seinen Beistand.
„Beistand“ ist eigentlich ein zu schwacher Ausdruck. Im griechischen Original steht das Wort „parakletos“, das ist der Herbeigerufene, der hilfreiche Berater, aber auch der Handhalter, der ganz in der Nähe ist und die Hand hält, wenn es darauf ankommt. Wir kennen so etwas z.B. wenn man krank ist: Wie froh ist man dann, wenn ein lieber Mensch bei einem ist und die Hand hält!
Der Beistand, den Jesus den Seinen zusichert, nimmt sie also an die Hand, und setzt auf diese Weise Jesu Werk fort. Er bringt den Seinen die Botschaft Jesu noch näher, wie der Herr es an dieser Stelle dann auch ausdrücklich erklärt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“
Die Himmelfahrt Jesu und seine von da an scheinbar größere Distance zu den Menschen ist Chance und Herausforderung zugleich, dass die Liebe zu ihm reift und in die Tiefe geht. Bei diesem Prozess, in dem natürlich auch der Glaube sich entfalten und in die Tiefe wachsen muss, bleibt die Herde Jesu nie ohne himmlischen Helfer, Hirten und „Handhalter“.
Jesus erklärt im dem oben genannten Evangelium auch, was der einzelne Christ dazu konkret tun soll: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“
Jesus Worte dienen dem heutigen Jünger Jesu wie eine Art Treppen-Geländer, das vor dem Absturz bewahrt und unaufdringlich nach oben führt. Dabei muss man sich am Geländer aber auch festhalten; sonst drohen Stolpern und Lebensgefahr!
Interessant dabei ist der ursprüngliche Ausdruck für „festhalten“ im Neuen Testament. Man kann diesen Vers nämlich auch so übersetzen: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort bewachen.“ – Jesus spricht also nicht von einem passiven Festhalten, sondern von einem aktiven Handeln: Damit das Wort des Herrn im alltäglichen Leben nicht verloren geht, muss jeder diesen Schatz auch aktiv bewachen und behüten.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 18 / 2010 - 5. Osterwoche (C)
Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!
An diesen Sonntagen in der Osterzeit wird uns im Gottesdienst aus der Apostelgeschichte vorgetragen, wie sich das Reich Gottes durch die Glaubensstärke der Apostel und der frühen Christen beständig ausgebreitete. Die Berichte vermitteln dem Leser oder Hörer eine positive Grundstimmung und enthalten versteckte Impulse, die den christlichen Gemeinden von heute sehr gut tun.
Obwohl die christlichen Gemeinden damals ganz geringe Zahlen aufwiesen, blies ihnen der Wind einer ganz anders denkenden Umwelt wesentlich kräftiger ins Gesicht als uns heute. Materielles Wohlergehen, religiöse Vielfalt und Beliebigkeit, Individualismus und Werteverfall waren damals so überwältigend groß, dass die Kulturen der Antike daran untergegangen sind.
Unser Problem heute besteht darin, dass die Kirche in unseren Tagen nicht nur von außen infrage gestellt wird. So ist es unter anderem nicht korrekt, nur mit Blick auf Priester und Bischöfe vom „Bodenpersonal“ zu sprechen. Zum „Bodenpersonal“ der Kirche gehören schließlich alle Christen. Uneinigkeit und Beliebigkeit, gegenseitige Vorwürfe und Unwille zur Kooperation sind nur einige Aspekte, die das Licht und den Segen, die von der Kirche für die Welt ausgehen, in der Öffentlichkeit verdunkeln und trüben.
Die Berichte der Apostelgeschichte verschweigen nicht die vielen Schwierigkeiten, äußere wie innere, die auch damals bestanden. Allen zum trotz sprachen Paulus und Barnabas den anderen „Jüngern Mut zu und ermahnte sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.“ (vgl. Apostelgeschichte, 14. Kapitel, Vers 22)
Entscheidend und ausschlaggebend war eine wichtige Grundüberzeugung, welche die christlichen Gemeinden des Anfangs ganz wesentlich geprägt hat. Die frühen Christen, allen voran die Apostel, verstanden sich als Werkzeuge Gottes. Sie ließen Gott ganz bewusst durch sich handeln; was auch auf eine innige und tiefe Gottesbeziehung schließen lässt.
Darin liegt das eigentliche Mutmachende; und wenn wir so wollen, das Erfolgsrezept. Paulus und Barnabas berichteten alles, wie es in der Apostelgeschichte wörtlich heißt, „was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.“
Das Leben eines jeden, der sich Christ nennt, muss davon geprägt sein, wenn man nicht nur ein Taufscheinkatholik sein möchte.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 17 / 2010 - 4. Osterwoche (C)
Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!
Im Kommunionvers an diesem Sonntag, dem 4. in der Osterzeit, betet die Kirche: „Auferstanden ist der Gute Hirt. Er gab sein Leben für die Schafe. Er ist für seine Herde gestorben, Halleluja.“ Hier wird die Gestalt des guten Hirten angesprochen, die im Sonntags-Evangelium im Mittelpunkt steht.
Er, Jesus, der gute Hirt hat durch sein aufopferndes Leben bis zum Tod den Schafen das Leben gerettet und wiedergeschenkt. Wir können auch sagen: Die Hingabe des guten Hirten hat Rettung und Erlösung gebracht.
Jahre später stärkt Petrus den Glauben der Christen daran. Er erinnert an die Taten Jesu und wofür er gelitten hat (1 Petr 2,24-25): „Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.“
Ganz ähnlich betet die Kirche auch heute, und erinnert damit zugleich die Gläubigen unserer Tage an das bis zum Ende der Zeit fortdauernde segensreiche Tun des guten Hirten: „Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt. Geleite auch die Herde, für die er sein Leben dahingab, aus aller Not zur ewigen Freude.“ (Tagesgebet vom 4. Sonntag)
Aus den ersten christlichen Jahrhunderten sind uns vor allem in Fresken und Mosaiken zahlreiche Darstellungen vom guten Hirten überliefert. Sie veranschaulichen die barmherzige Güte des menschgewordenen Gottes, der die Seinen nicht im Stich lässt. Darüber hinaus können und sollen diese Darstellungen auch Assoziationen mit Blick auf diejenigen wecken, die im Auftrag Gottes das Hirtenamt vor Christus ausübten, und nach Christus in anderer Form weiterhin ausüben.
Im Alten Testament ist Mose der Hirt der Herde Gottes (vgl. Jes 63,11), und David wird von Gott von seinen Schafen weggeholt, um das Volk Israel zu weiden (vgl. Ps 78(77),70 ff). Aber auch Gott selber ist der Hirte Israels (Ps 80(79),2), der das zerstreute und versprengte Volk wieder sammelt. Alle Verheißungen und Erwartungen an den vollkommenen Hirten, die im Alten Testament anklingen, erfüllen sich im Neuen Testament in der Gestalt Jesu.
Vor allem im Johannes-Evangelium erkennen wir neue Züge. Jesus ist keine Herrschergestalt, wie der messianische König es ist. Er ist der gute Hirt, der sein Leben für die Schafe hingibt und Hirten einsetzt, damit diese sein Werk weiterführen. Im Gegensatz zum Mietling, der im Augenblick der Gefahr die Schafe im Stich lässt, um sein eigenes Leben zu retten, setzt Jesus sein Leben für die Schafe ein und zeigt damit, dass sie seine Schafe sind.
Damit ist nicht ein materielles Eigentumsverhältnis gemeint. Hier geht es vielmehr um ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Hirt und Herde. Dieses Verhältnis wird durch zusätzliche Bilder vom Rufen des Hirten und dem Hören bzw. Kennen seiner Stimme durch die Schafe als sehr innig beschreiben. Jesus ist der eine und – wie es im 1. Petrusbrief (5,4) heißt – der oberste Hirt.
Jesus Christus wiederum, der eine und oberste Hirt, hat weiter Hirten eingesetzt, die in seinem Namen sprechen und handeln und ihn dabei auf eine ganz besondere Weise nicht nur vertreten sondern auch gegenwärtig machen. Nach katholischem Glauben wird das Priesteramt (= das Amt des [guten] Hirten) durch ein besonderes Sakrament übertragen. Dieses zeichnet die Priester, und in einem noch umfassenderen Maß die Bischöfe und den Papst aus und prägt als „Salbung des Heiligen Geistes“ dem zum Priester Geweihten ein unauslöschbares „Prägemal“ ein.
Durch diese „Besiegelung“ ist der Priester, und noch umfassender der Bischof, Christus gleichförmig, so dass er beim Verkünden und der kirchentreuen Auslegen des Evangeliums wie beim Spenden der Sakramente „in der Person Christi des Hauptes“ handelt.
Auch wenn diese Tatsache durch Priester und Bischöfe, die sich des sehr großen und verabscheuungswürdigen Verbrechens von sexuellem Kindesmissbrauch schuldig gemacht haben, in der oberflächlichen Wahrnehmung fast gänzlich verdunkelt wird, bleibt sie im Kern davon unberührt und darf deshalb im gläubigen wie auch – mit Blick auf religiöse Toleranz – im öffentlichen Bewusstsein nicht verdrängt oder gar geächtet werden.
„Die Mächte der Unterwelt werden sie (die Kirche) nicht überwältigen.“ (Mt 16,18). Die Missbrauchsfälle, und dass es dazu kommen konnte, sind ein Signal für sehr sehr viele, die Schuld ihrer Gottvergessenheit und ihre Gottlosigkeit zu er- und zu bekennen und umzukehren.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 16 / 2010 - 3. Osterwoche (C)
Ostern und Auferstehung waren vorbei. Nun hatte der Alltag die übriggebliebenen Jünger wieder fest im Griff. Sieben der Jünger waren in der Nähe der Stadt Tiberias am See Genesareth zusammen und wussten nicht so recht, wie es nun weitergehen sollte. Es ist der Evangelist Johannes, der uns davon berichtet (vgl. Joh. 21,1 ff).
Petrus als temperamentvolle und ungeduldige Führernatur hielt die Ungewissheit eines Abends nicht mehr aus: „Ich gehe fischen.“ Ohne Diskussion stimmten alle zu, und fuhren mit hinaus auf den See. „Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“
Wenn sie doch wenigstens einen ganz kleinen Fang gemacht hätten! … Aber sie fingen nichts. Gar nichts! … Umsonst hatten sie sich abgeplagt! Sie standen mit leeren Händen da. Was haben sie bloß falsch gemacht?
Die Frage des Auferstandenen, den sie wieder einmal nicht erkannten, brachte sie in zusätzliche Verlegenheit: „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Bei Ihrer Antwort: „Nein“ hört man es förmlich knistern. Es ist zugleich Eingeständnis des eigenen Unvermögens und der Unfähigkeit, einen hungrigen Fremden zu sättigen.
Wie schon einmal, als sie drei Jahre zuvor Jesus zum ersten Mal begegneten, lassen sie sich ein auf die sonderbare Aufforderung: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“
Fischfang bei Tag – das hat noch nie funktioniert! Eine solche Aufforderung ist so abwegig wie die Anweisung, beim Bau eines Hauses mit dem Dach anzufangen!
Dann aber war der Fang so überwältigend groß, dass sie wie vor drei Jahren Schwierigkeiten hatten, das Netz einzuholen. Da gingen ihnen die Augen auf. Sie erkannten die „Handschrift“ des Herrn. Wieder einmal zeigte sich Petrus, wie wir ihn kennen: In Ufernähe angekommen, konnte er es nicht abwarten. Er sprang in den See, um schneller beim Herrn zu sein!
Als sie an Land gingen, wartete die nächste Überraschung auf sie: Jesus hatte ein Feuer gemacht, und über den Flammen garten Fisch und frisches Brot. Da wird ihnen die wunderbare Brotvermehrung wieder in den Sinn gekommen sein.
Der überraschende Gastgeber ist der Herr selber!
Wie lange brauchen auch wir, um zu verstehen, wenn das Netz des eigenen Lebens manchmal so leer oder nur mit so wenig gefüllt zu sein scheint; wenn man scheinbar mit leeren Händen da steht, obwohl man sich doch so bemüht hat!
Damals haben die Jünger für sich gelernt und verstanden: Unser Wissen und Können alleine ist bei weitem nicht alles! Wer auf den Herrn hört, sich ihm anvertraut und auf sein Wort baut, nur der wird reich beschenkt. Er geht ganz gewiss nicht mehr leer aus.
Nicht wie man selber, sondern wie Gott denkt und lenkt, sollen wir leben: „Dein Wille geschehe!“
Das Netz der Jünger war mit 153 großen Fischen gefüllt. Eine symbolische Zahl. Sie ergibt sich aus 3 x 3 x 17, was in der Zahlensymbolik der Bibel Vollkommenheit bedeutet. Darüber hinaus nahm man damals an, es gäbe 153 verschiedene Völker auf der Erde. Damit also sagt der Herr seinen Jüngern, die bis dahin ja nur arme Fischer waren, dass der Missionsauftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkünden, sie dann nicht überfordern wird, wenn sie sich getreu an sein Wort halten. Dann würden die Netze wirklich voll werden.
Halten auch wir uns daran.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
Pfarrnachrichten 15 / 2010 - 2. Osterwoche (C)
"Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen" betet die Kirche in ihren liturgischen Texten (Tagesgebet vom 26. Sonntag im Jahreskreis). Und im Gebet nach dem Te deum bete sie: "Großer Gott, dein Erbarmen und deine Güte sind unerschöpflich."
Papst Johannes Paul II. war es ein großes, durch den Heilige Geist bewirktes Anliegen, das unerschöpfliche Erbarmen Gottes tief in die Herzen der Gläubigen einzusenken. So hat er bestimmt, Gottes Barmherzigkeit am zweiten Sonntag der Osterzeit besonderes zu verehren und diesem Tag die Bezeichnung zu verleihen: »Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit« (Dekret Misericors et miserator, 5. Mai 2000).
Gottes unermessliche Zuwendung leuchtet vor allem dann auf, wenn der Sünder nach der Vergebung inniger als zuvor in der väterlichen Freundschaftsliebe mit Gott leben darf, die er verdientermaßen verloren hatte.
Gott vergibt auch die schwersten Sünden und bewegt gleichzeitig den Gläubigen dazu, einen übernatürlichen, nicht nur psychologischen Schmerz über die eigenen Sünden zu verspüren. Nur so kann der Gläubige, immer mit Hilfe göttlicher Gnade, den festen Vorsatz fassen, nicht mehr zu sündigen.
„Mit einer solchen inneren Haltung“, wird im genannten Dekret erklärt, „erlangt der Gläubige wirklich die Vergebung der Todsünden, wenn er das Bußsakrament fruchtbringend empfängt oder sie in einem Akt vollkommenen Schmerzes und vollkommener Liebe bereut mit dem Vorsatz, baldmöglichst das Bußsakrament zu empfangen. Denn unser Herr Jesus Christus lehrt uns im Gleichnis des verlorenen Sohnes, dass der Sünder sein Elend vor Gott mit den Worten »Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein« (Lk 15, 18–19) bekennen und auch spüren muss, dass es Gottes Werk ist: Er »war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (Lk 15, 32).“
Ergänzend dazu wird im Evangelium vom zweiten Sonntag der Osterzeit, dem Barmherzigkeitssonntag, berichtet, wie Jesus seine Jünger anhauchte und zu ihnen sprach: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20, 19–23).
Wer uneingeschränkt und vorbehaltlos die mit dem Bußsakrament zuinnerst verwobene über jede Vorstellung erhabene Barmherzigkeit Gottes im Glauben nachvollzieht, der weiß sich mit Papst Johannes Paul II. im Innersten des Herzens zutiefst berührt, angesprochen und gedrängt, das Geheimnisse der göttlichen Vergebung andächtig zu feiern und seiner besonders zu gedenken.
Vor diesem Hintergrund hat die Apostolische Pönitentiarie am 29. Juni 2002 ein Dekret über mit Ablässen verbundenen Andachtsübungen zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit erlassen und darin bestimmt, dass das Volk Gottes seinen Glauben an Gottes Barmherzigkeit „durch besondere Gebetstexte“ ausdrücken und sie dabei zugleich lobpreisen soll. Es sei angebracht, so das Dekret weiter, dass das Volk Gottes „nachdem es die erforderlichen Werke dankbaren Herzens vollbracht und die notwendigen Bedingungen erfüllt hat, geistlichen Gewinn aus dem Schatz der Kirche ziehen kann.“
Folgerichtig wird dann im Dekret erklärt: „Damit die Gläubigen diese Feier mit ganzem Herzen begehen, hat der Papst festgelegt, dass der vorgenannte Sonntag … mit dem vollkommenen Ablass ausgestattet wird. Das hat den Zweck, dass die Gläubigen das Geschenk des Trostes des Heiligen Geistes in höherem Maß empfangen und so eine wachsende Liebe zu Gott und zum Nächsten entfalten können und, nachdem sie selbst die Vergebung Gottes empfangen haben, ihrerseits angeregt werden, sogleich den Brüdern und Schwestern zu vergeben.“
Die Bedingungen zum Empfang des vollkommenen Ablasses werden gesondert ausgelegt. Herzlich lade ich Sie zum Erwerb des vollkommenen Ablasses ein. Diesem Anliegen dient auch die Abendandacht am Barmherzigkeitssonntag.
Pfr. Dr. Volker Hildebrandt
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Ablässe am Barmherzigkeitssonntag
Mit dem brennenden Wunsch, im christlichen Volk die Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit zu fördern, hat Papst Johannes Paul II. am 13. Juni 2002 folgende Ablässe gemäß der unten genannter Bedingungen gewährt:
Der vollkommene Ablass wird unter den gewohnten Bedingungen (Empfang des Bußsakraments, der heiligen Eucharistie und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters) dem Gläubigen gewährt, der mit reinem, jeder, auch der lässlichen Sünde abgewandtem Herzen am zweiten Sonntag der Osterzeit, das heißt, dem »der Göttlichen Barmherzigkeit«, in einer Kirche oder einem Oratorium an den zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit durchgeführten Andachtsübungen teilnimmt oder wenigstens vor dem Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie – öffentlich ausgesetzt oder im Tabernakel aufbewahrt – das »Vater unser« und das »Credo« betet mit dem Zusatz einer kurzen Anrufung des Barmherzigen Herrn Jesus (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich!«)
Ein Teilablass wird dem Gläubigen gewährt, wenn er mit reuigem Herzen an den Barmherzigen Herrn Jesus eine der rechtmäßig genehmigten Anrufungen richtet.
Die Seefahrer, die ihre Pflicht im weiten Meer tun; die zahllosen Brüder und Schwestern, die durch das Unheil des Krieges, die politischen Wirrnisse, die Unbarmherzigkeit der Orte und aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen haben; die Kranken und ihre Pfleger und alle, die aus berechtigten Gründen nicht außer Haus gehen können oder zugunsten der Gemeinschaft eine unaufschiebbare Tätigkeit ausüben, können den vollkommenen Ablass am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit gewinnen, wenn sie unter vollständiger Abkehr von jeder Sünde, wie zuvor gesagt, und mit dem Vorsatz, baldmöglichst die drei gewohnten Bedingungen zu erfüllen, vor dem Bild Unseres Barmherzigen Herrn Jesus das »Vater unser« und das Glaubensbekenntnis beten und eine Anrufung an den Barmherzigen Herrn Jesus hinzufügen (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich«).
Sollte den Gläubigen auch das nicht möglich sein, können an demselben Tag den vollkommenen Ablass erlangen, die sich in der Absicht und Gesinnung des Herzens geistig mit denen vereinen, die in ordentlicher Weise das für den Ablass vorgeschriebene Werk erfüllen und dem Barmherzigen Gott ein Gebet und die Leiden, die Krankheit und die Beschwerlichkeiten ihres Lebens aufopfern, wobei auch sie den Vorsatz haben, baldmöglichst die für die Gewinnung des vollkommenen Ablasses vorgeschriebenen drei Bedingungen zu erfüllen.
Die Priester, die den pastoralen Dienst versehen, vor allem die Pfarrer, sollen ihre Gläubigen in der angemessensten Weise von dieser heilsamen Verfügung der Kirche unterrichten; sie sollen selbstlos und hilfsbereit deren Beichte hören und am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit nach der Feier der heiligen Messe oder der Vesper oder während einer Andacht zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit die vorgenannten Gebete mit der dem Ritus entsprechenden Würde leiten; sie sollen, gemäß dem Wort des Herrn: »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5, 7), die Gläubigen in der Katechese behutsam dazu drängen, so häufig wie möglich Werke der Barmherzigkeit zu tun und dem Beispiel und Auftrag Jesu Christi folgen, wie es in der zweiten allgemeinen Gewährung des Enchiridion Indulgentiarum angegeben ist.
Das vorliegende Dekret bleibt immer in Kraft, ungeachtet jeglicher gegenteilig lautenden Vorschrift. – Rom, beim Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 29. Juni 2002, am Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus 2002.
Pfarrnachrichten 14 / 2010 - 1. Osterwoche (C)
Was würden Sie einem Reporter im Anschluss eines Ostergottesdienstes antworten, der auf Sie zukäme, Ihnen sein Mirkofon unter die Nase hielte und Sie fragen würde: Warum feiern Sie Ostern?
Vielleicht würde Sie interessieren, was auch andere darauf antworten würden.
Aber zugunsten der Antwort eines Prominenten, des Heiligen Paulus nämlich, wollen wir darauf verzichten, hierüber weiter zu spekulieren.
Paulus antwortet auf diese Frage nämlich nicht, wie es wohl viele von uns tun würden: Wir feiern Ostern, weil Jesus von den Toten auferstanden ist. – Paulus würde dem Reporter antworten: Wir feiern Ostern, weil auch Du als Christ von den Toten auferweckt wurdest, und weil auch Du nach Ostern als neuer Mensch leben kannst und leben sollst.
Im Brief an die Römer – wir hören ihn der Osternacht – erzählt Paulus keine Geschichten von Ostern. Er erzählt nicht – wie Matthäus, Markus oder Lukas – von einem leeren Grab. Auch nichts von Engel, die Frauen an das erinnern, was der Herr schon in Galiläa vorausgesagt hatte, dass er den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werde und am dritten Tage auferstehe (vgl. Lk 24,7).
Ganz anders der Heilige Paulus. Er kreist immer wieder um das eine Thema: Was bedeutet Ostern, was bedeutet die Auferstehung Jesu für uns?
Paulus geht dabei so weit, dass er behauptet: Hätte die Auferweckung Jesu keine Folgen für uns, dann wäre unser ganzer Glaube sinnlos und nichtig.
In der Osternachtslesung formuliert Paulus das so: „Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod, damit wir – wie Christus auferweckt wurde – auch in dieser neuen Wirklichkeit leben“ (nach Röm 6,4).
Leben in einer neuen Wirklichkeit: Das ist nicht abgehoben! Das kann und soll der Gläubige Tag für Tag ganz unmittelbar und so lebendig erfahren, wie das im Ritus der Taufe, schon zur Zeit des Heiligen Paulus, vollzogen und zelebriert wurde.
Zu Beginn der Taufe legten die Erwachsenen ihre alten Kleider ab, und mit ihren alten Kleidern auch ihr altes Leben. Davon entledigt stiegen sie in die Taufanlage hinab und wurden für eine gewisse, meist auch längere Zeit unter Wasser getaucht. Damit wurden sie zeichenhaft, aber zugleich auch existentiell erfahrbar, in die Nähe des Todes gebracht.
Paulus sagt im Römerbrief (6,3.6): „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.“
Aus dieser auch längeren Zeit unter Wasser und in Todesnähe wurde der Täufling dann befreit. – „Wenn wir Christus gleich geworden sind in seinem Tod“, sagt wiederum Paulus, „dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“
Beim Auftauchen erlebte der Getaufte im Durch- und Aufatmen das neue Leben, das ihm in der Taufe geschenkt worden war. – „Ihr sollt euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind“, lesen wir noch einmal bei Paulus (Röm 6,11), „aber für Gott leben in Christus Jesus.“
Christen haben immer wieder erfahren, dass dies keine Theorie sondern gerade auch im Alltag lebbare Wirklichkeit ist.
So wünsche ich uns allen, dass wir beständig und ausdauernd sind in dem, was wir in der Fastenzeit und jetzt zu Ostern ganz einfach und direkt tun und aus ganzem Herzen feiern und erleben: Wir sind mit Christus gestorben und könne nun mit ihm leben.
Das ist Ostern! Und darum feiern wir Ostern.
Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt





























































































