Pfarrnachrichten 22+23/2024

Die Heilige Familie und die Heilige Dreifaltigkeit - Altmeister der Italienischen Schule; 16. bis 17. Jahrhundert (Bild: privat; gemeinfrei)

Jüngst haben wir viele Feste gefeiert. Dabei gedachten wir in dichter Reihenfolge vor allem der Ereignisse, die Gott in Jesus Christus zu unserem Wohl gewollt und hat stattfinden lassen. Ausgehend von der Auferstehung Jesu am dritten Tag nach seinem Leiden und Tod für unser Heil, haben wir in zeitnaher Abfolge Christi Himmelfahrt und Pfingsten gefeiert.

Mit Christi Himmelfahrt wurde unser Blick gen Himmel gelenkt. Dabei wurden wir ermuntert, als irdische Wesen in Ausrichtung auf den Himmel hin, also irdisch und himmlisch zugleich zu leben. Dazu hat Jesus selber ermutigt. Im Vaterunser lehrt er beten: „Wie im Himmel so auf Erden.

Auf Pfingsten folgte dann das Dreifaltigkeitsfest, das unsere Aufmerksamkeit nun auf Gott selber lenkt. Hier wird deutlich: Die Feste davor betonten, wer und wie Gott für uns ist. Am Dreifaltigkeitssonntag hingegen steht im Vordergrund, wer und wie Gott in sich ist: Der eine Gott ist Vater, ist Sohn und ist Heiliger Geist. Jede Person ist der eine wahre Gott, aber zugleich sind die drei Personen voneinander verschiedene. Jede Person ist also für sich und nicht eine der beiden anderen Personen. So ist der Vater Gott, der Sohn ist Gott und der Heilige Geist ist Gott; und doch sind die drei Personen real voneinander verschieden und so auch ganz für sich.

Nach alter und begründeter Tradition ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit „das Mysterium des inneren Lebens Gottes“ und zugleich „Urgrund aller anderen Glaubensmysterien“ und so auch „das Licht, das diese erhellt.“ Somit ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit „in der »Hierarchie der Glaubenswahrheiten« die grundlegendste und wesentlichste“ (KKK 234).

Wir können dieses innergöttliche Geheimnis unmöglich so begreifen, wie wir sonst alles andere, was geschaffen ist, begreifen können. Auch wenn uns als irdischen Geschöpfe der volle Zugriff auf Gott verwehrt ist, so öffnet uns das Geheimnis des einen und dreipersönlichen Gottes ungeahnte Zugänge zu dem, was unser Leben zutiefst erfüllt. Das Geheimnis des einen Gottes in drei verschiedenen Personen führt uns nämlich zu einem tieferen Verständnis des göttlichen Lebensprinzips, das in vergleichbarer Weise eben auch unser Lebensprinzip ist.

Das Lebensprinzip des Schöpfers ist die Liebe, in der das Geheimnis des einen Gottes in drei Personen beständig sich ereignende Wirklichkeit ist und in vollendeter Fülle so schon immer war, aktuell ist und ewig sein wird. Eben diese Liebe macht den vollendeten und ewig andauernden Vollzug dieses Geheimnisses nämlich real möglich. Wir vermögen dies durch Analogie in überraschender Annäherung nachvollziehen und eindrucksvoll wie folgt zu erhellen.

Im Zwischenmenschlichen sind dem Liebenden zwei scheinbar unvereinbare Dynamiken als Ausdruck ein und derselben Liebe gut bekannt. Der wirklich Liebende fühlt sich zum einen sehr hingezogen zum Geliebten, so dass er immerfort seine Nähe sucht und sogar mit ihm eins werden möchte. Das drückt sich anschaulich aus in dem bekannten Ausdruck: „Ich habe dich zum Fressen gerne.“ Gleichzeitig aber will der wirklich Liebende den Geliebten gerade nicht vereinnahmen. Im Gegenteil: Der Liebende möchte den Geliebten gut sein und im tiefstem Wohlwollen ihn ganz selber sein lassen.

Aus Erfahrung weiß der Liebende, dass die Kunst der Liebe sich besonders darin ausdrückt, das scheinbar Widersprüchliche zu ermöglichen: nämlich das „Eins-Werden“ mit dem Geliebten bei gleichzeitigem „Gut- und Wohl-Sein-Lassen“ des Geliebten.

Nun ist Gott von seinem göttlichen Wesen her vollendete und immerwährende Liebe. Von daher widerspricht die innergöttliche Einheit im Wesen ganz und gar nicht der Verschiedenheit der Personen. Gott ist ganz eins in seiner Wesenheit, welche die Liebe ist, und er ist dies in der Verschiedenheit der drei göttlichen Personen.

Dies spiegelt sich wider in der Schöpfung, vor allem im Menschen und seinem Nachwuchs, die dem schaffenden Gott besonders ähnlich sind. Denn Gott schuf den Menschen „als Mann und Frau“ und „segnete sie: Seid fruchtbar und vermehrt euch“ (Gen 1,27f). Deshalb gilt: Wer die Schöpfung und sich selber verstehen will, kommt ohne Gott und wie er in sich selber ist – was er uns deshalb geoffenbart hat – nicht aus.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 20+21/2024

Jesus betend am Ölberg - Niedernberg (Foto: Friedbert Simon; Pfarrbriefservice.de)

An den ersten vier Ostersonntagen verkündet die Kirche als Sonntags-Evangelien die facettenreichen Überlieferungen zu den sich ergänzenden Ereignisse, die sich nach Ostern zugetragen haben; an dem darauffolgenden, dem fünften und dem sechsten Ostersonntag dann zwei bekannte „Ich-Worte“ des Herrn. Das sind Reden Jesu, in denen er sich in der „Ichform“, hier konkret mit dem Hirten und dann mit dem Weinstock vergleicht: „Ich bin der Weinstock, mein Vater der Winzer und ihr seid die Reben.“

Am Sonntag danach, dem siebten nach Ostern, wird uns ein vom Evangelisten Johannes überliefertes und ganz besonderes Gebet Jesu vorgetragen: das so genannte „hohepriesterliche Gebet Jesu“.

In diesem Gebet bittet Jesus den himmlischen Vater darum, seine Jünger in dem Namen zu bewahren, den er ihm gegeben habe, „damit sie eins sind wie wir!“ Zunehmend richtet die Kirche ihren Blick nun auf den Abschied Jesu; auf seine letzten Mahnungen und Verheißungen und auf sein Vermächtnis, das er ihr anvertraut hat. Gemeint ist der Heilige Geist, dessen Kommen an Pfingsten gefeiert wird.

Mit dieser Abschiedsrede in der Form eines Gebetes führt der Evangelist Johannes mit Worten Jesu die Gemeinschaft der Christen ein in die Zeit, die nach dem endgültigen Abschied Jesu bei seiner Himmelfahrt angebrochen ist. „Solange ich bei ihnen war“, so betet Jesus, „bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte.“

Nach seiner Himmelfahrt weilt Jesus weiterhin unter den Seinen: in seiner Kirche, die wie Maria - als Urbild der Kirche - das Wort Gottes aufnimmt, bewahrt und zum Wohle der menschlichen Gemeinschaft in ihrem Schoße wachsen lässt und an alle Menschen guten Willens weitergibt. Diese Zeit ist für uns Christen deshalb geprägt von einer innigen Liebe zur Kirche, zum Leib Christi (Pfingsten und Fronleichnam) und zur Gottesmutter Maria (Marienmonat Mai).

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 18+19/2024

Christus der wahre Weinstock, griechische Ikone, Athen 16. Jahrhundert - gemeinfrei

Ich bin der Weinstock (Joh 15,5)

Schon im Alten Testament spricht der Prophet Jeremia von einem Weinstock, den Gott gepflanzt hat und der für das Volk Israel steht. Doch der Weinstock bringt keine Frucht (Jer 2,21).

Auf diesen Vergleich Israels mit einem Weinstock bezieht sich Jesus, wenn er zu seinen Jüngern sagt: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5).

Winzer wissen, wie aufwendig aber auch wie wichtig die Pflege der Reben für die Güte der Trauben und damit für die Qualität des Weines ist. Auf jede einzelne Traube kommt es an, wenn ein wohlschmeckender Wein daraus werden soll.

Entscheidend aber ist vor allem der knorrige Weinstock, der die Reben trägt, an denen die Trauben reifen. Denn ohne Wurzeln tief in der Erde gibt es keine Triebe – und damit kein Leben; ohne Zweige keine Früchte – und damit keine Ernte. Alles hängt miteinander zusammen. Das eine kann ohne das andere nicht sein. Die Reben sind auf die Lebenskraft aus dem Weinstock angewiesen.

Hier geht es um das Bild einer engen Gemeinschaft. Nur wer mit Jesus Christus verbunden bleibt, kann leben und Frucht bringen. Aus dem Wurzelstock erwächst Neues – aber eben nur, wenn den Reben aus dem Weinstock neue Lebenskräfte zuströmen. Abgeschnitten vom Weinstock, verdorren sie in kurzer Zeit.

 

 

Pfarrnachrichten 16+17/2024

Hl. Margareta Maria Allacoque betend vor dem Herzen Jesu, Altar, um 1935, an einem der Vierungspfeiler im Petersdom in Rom - Bildrechte zum nichtkommerziellen Gebrauch von Joachim Schäfer, Ökumenisches Heiligenlexikon, www.heiligenlexikon.de

Hl. Margareta Maria Allacoque - Herz-Jesu-Verehrung

Margareta Maria Allacoque: als fünfte von sieben Kindern 1647 in Burgund geboren - ihr Vater war Notar - lag sie mit Kinderlähmung vom zwölften bist sechzehntem Lebensjahr durchgehend im Krankenbett. Ihre Gesundung erfolgte, wohl bis heute nur als „wunderbare Heilung“ erklärbar, völlig überraschend.

1671 trat sie in das Salesianerkloster in Paray-le-Monial ein. Bereits als Kind und Jugendliche hatte sie Visionen, die sich nach ihrem Eintritt ins Kloster häuften. Ihre Mitschwestern verspotteten und demütigten sie deswegen. Zeitweise dachte man, sie sei besessen oder geisteskrank.

Am 27. Dezember 1673 beauftragte sie Jesus Christus während einer dieser Visionen, sich für die Verehrung seines göttlichen Herzens einzusetzen. In drei weiteren Visionen wurde sie von Jesus Christus damit beauftragt, die besondere Verehrung des Herzens Jesu an jedem ersten Freitag im Monat und am zweiten Freitag nach dem Fronleichnamsfest in der Kirche zu etablieren.

Schließlich wurde Margareta Maria durch den heiligen Jesuiten Claude de la Colombière unterstützt, ihren Weg weiterzugehen. Nach seiner Versetzung begannen die Mitschwestern jedoch erneut, und noch schlimmer als vorher, Margareta Maria Allacoque sogar mit massiven Handgreiflichkeiten (im Frauenkloster!!!) zu drangsalieren.

Erst als posthum die Schriften des inzwischen verstorbenen Claude de la Colombière über die Herz-Jesu-Verehrung bekannt und dann sogar täglich während der klösterlichen Mahlzeiten im Refektorium vorgelesen wurden, änderte sich alles. Im Kloster von Paray-le-Monial wurde schließlich erstmalig gemeinsam das Herz Jesu in einer Andachtsform verehrt, die dann beibehalten wurde.

In den Jahren 1688 und 1689 wurden Margareta Maria weitere Visionen zur Herz-Jesu-Verehrung zuteil. In der Folge bat sie den französischen König, Ludwig XIV., ganz Frankreich dem Herzen Jesu zu weihen und in Paris eine Kirche zu Ehren des Herzens Jesu zu bauen. Erfüllt wurde dieser Auftrag erst rund zweihundert Jahre später durch den Bau der Basilika Sacré-Cœur auf dem Hügel von Montmartre in Paris.

Margareta Maria Alacoque starb am 16. Oktober 1690. Sie wurde am 18. September 1864 von Papst Pius IX. selig- und am 13. Mai 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen.

Gegen anhaltende Ablehnungen breitete sich die Verehrung des Herzens Jesu weilweit aus. Papst Pius IX führte 1856 das Herz-Jesu-Festes für die Weltkirche ein. Papst Leo XIII. erhob es 1899 zum Hochfest. Papst Pius XI. stellte in der Enzyklika Miserentissimus Redemptor von 1928 die Bedeutung der Herz-Jesu-Verehrung für die gesamte Kirche dar. Und Papst Pius XII. wies in der Enzyklika Haurietis aquas auf die außerordentliche Bedeutung der hl. Margareta für die Herz-Jesu-Verehrung hin.

Die Herz-Jesu-Verehrung gehört bis heute zu den verbreitetsten Frömmigkeitsformen in der katholischen Kirche. Neben dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu nach Fronleichnam wird jeder erste Freitag im Monat als Herz-Jesu-Freitag begangen, in der Regel mit Aussetzung des allerheiligsten Altarsakraments und sakramentalem Segen.

Die Reliquien der Heiligen kommen am 17.4. nach St. Pantaleon und sind in der Hl. Messe um 12 Uhr anwesend. Es wird ein allgemeiner Segen mit der Reliquie gespendet. Nach dem Schlussgebet folgt noch ein kleines persönliches Zeugnis von ca. 10 Min. – Wir laden herzlich dazu ein.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 14+15/2024

Die Auferstehung Christi von Raffaellino del Garbo (1510) - Foto: Wikimedia / Gemeinfrei

Christus ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

So rufen die Christen seit frühesten Zeiten. Es ist ein Ruf der Hoffnung und der Zuversicht. Wenn ich glaube, dass Jesus wirklich auferstanden ist, dann weiß ich: das Leben ist stärker als der Tod, die Freude stärker als das Leid, das Licht stärker als die Finsternis.

Jesus ist mitten unter uns, auch hier und heute. Er hat Leiden und Tod bezwungen. Nun kann keine Macht der Finsternis mehr denen schaden, die an Christus Jesus glauben. Der Auferstandene wird uns durch alle Bedrängnisse, Leiden und Schmerzen dieser Welt hindurchführen in die Freude, das Licht und das Leben seiner Auferstehung.

Dafür danken wir in den Gottesdiensten mit dem frohen Osterlob "Halleluja". Das ist hebräisch und bedeutet: "Lobet den Herrn!" Mit dem Ostergruß "Frohe Ostern" geben wir die Freude über die Auferstehung Jesu Christi weiter.

Deshalb beten die an Christus glauben: Herr, deine Auferstehung öffnet uns das Tor zum Leben. Hilf uns, uns zu bereiten für das Leben mit dir und glaubwürdige Zeugen deiner Liebe zu sein, einer Liebe, die stärker ist als der Tod. (www.praedica.de)

 

Pfarrnachrichten 12+13/2024

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht (Joh 12, 24) - (C) Vom Bild-Autor Eugen Staab in d.dt. Wikipedia als gemeinfrei veröffentlicht.

Zum Evangelium des fünften Fastensonntags, Lesejahr B (Joh 12, 20-33):

Es ist für Jesu in Jerusalem das letzte Paschafest. Er weiß, dass seine Stunde gekommen ist, und dass ihn diese Stunde in einen Tod führt, der Erlösung und neues Leben bringt. Wie ein Weizenkorn, das in die Erde gefallen stirbt und neues Leben bringt.

Jesus war vorher in Betanien im Haus des Lazarus. Ihn hatte er zum Leben erweckt. Unschwer kann man in dieser Auferweckung einen vorausweisenden Hinweis auf seinen eigenen Tod und Auferstehung sehen. In diesem Haus hat ihn zudem Maria mit kostbarem Öl gesalbt. Jesus selbst deutet diesen Liebeserweis als Salbung für seinen Tod. Man kann darüber hinaus auch an die Königssalbung etwa des Königs David denken. Und Jesus zog schon bald wie ein König in die Stadt Jerusalem ein und wurde überwältigend empfangen und bejubelt.

Der Einzug Jesu in Jerusalem hat Eindruck gemacht und das Interesse der Pilger geweckt. Einige Halbproselyten, Griechen, die dem Judentum nahestanden, waren ebenfalls zum Paschafest gekommen. Nun wollten auch sie Jesus sehen. Sie wenden sich zunächst an Philippus. Der wiederum geht zu Andreas und daraufhin gehen beide mit diesem Anliegen zu Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

Jesus gibt scheinbar keine Antwort und lässt die Bitte jener Griechen, die ihn sehen möchten, offenbar ins Leere laufen. Er spricht stattdessen von seiner Stunde, die nun als Stunde des Kreuzes unmittelbar bevorsteht. In ihr werden er und der Vater verherrlicht; denn der Tod am Kreuz ist nicht das Ende, sondern der Anfang neuen Lebens.

Nur vordergründig weist er die Griechen ab. Ihnen und allen anderen, uns eingeschlossen, möchte er nicht mit seinem Äußeren, sondern mit seinem tiefsten Inneren und seinem ganzen Wesen begegnen und uns mit hinnehmen in seien Art zu leben. So zeichnet Jesus im Folgenden das Bild wahrer Nachfolge und Jüngerschaft: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 10+11/2024

Schneeglöckchen - Von Daniela Kloth - (C): frei benutzbar aber gesetzlich geschützt; Eigenes Werk, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.phpcurid=66710154.JPG

Die Bibelstunde montags zehn Uhr in der KiTa beginnen wir meist mit folgendem Gebet: „Die Nacht vergeht, die Sonn erwacht. * Sie hat den neuen Tag gebracht. * Bringt er mir Freud, bringt er mir Leid, * Dich will ich loben alle Zeit. * Herr, steh mir bei in allen Sachen, * die mich ein wenig wachsen lassen.“

Es ist ein biblisches Gebet, das nicht nur Kindern etwas sagt. Die von Unbekannt übernommene Textfassung endete ursprünglich: „Herr, steh mir bei in allen Sachen, die mich ein wenig besser machen.“ Wir haben die letzten zwei Worte „besser machen“ geändert in „wachsen lassen“. Denn: „besser machen“ suggeriert: „Du bist nicht gut, du musst besser werden.“ Nicht nur Kinder, auch Erwachsene kommen da schnell an eine problematische Grenze: „Du bist nicht gut; keiner mag dich! Du musst besser und besser und immer besser werden. Und du musst dir erst verdienen, dass dich jemand mag.

In der Beziehung von Mensch und Gott ist das definitiv anders. Gott liebt, wie er geschaffen hat. Und wie er geschaffen hat, ist es sogar sehr gut. Und die Menschen hat er als Wesen geschaffen, die sogar in besonderer Weise wachsen; zudem überwiegend ohne uns! Wohl müssen wir mitwirken.

Nicht nur Kinder erfahren, dass sie größer werden und wachsen. Auf das Wachsen des Körpers, und darin hineinverwoben, folgt das Wachsen an Einsicht, Klugheit, Verständnis und Weisheit. Und es gibt nichts Schöneres, als den Wachstumsplänen Gottes zu folgen, und dies frei und vernünftig.

Letzteres bedeutet für uns Menschen als geistbegabte Wesen, dass wir Gottes Pläne suchen und ergründen. Denn als geistbegabtes Wesen kann man sich mit Gottes Plänen nur so wachsend identifizieren. Alles andere, alle Abweichung, aller Trotz und alle Zurückweisung von Gott und seinen Plänen führt zu einer selbstbestimmten Degeneration.

Davor möchte Gott uns bewahren. So hat er als unverrückbare Leitlinie die zehn Gebote benannt, wie sie am dritten Sonntag der Fastenzeit vorgetragen werden. Und Jesus hat den Tempel gereinigt (Evangelium des dritten Fastensonntags), zum Zeichen dafür, dass Gott sein Volk und jeden erneuert, der das wünscht, möchte, will und zulässt.

Wer sich glaubend darauf einlässt erlebt, wie Gott wachsen lässt; sogar weit über die eigenen Möglichkeiten hinaus. Die Fastenzeit lädt in wunderbarer Weise dazu ein, „wachsen zu lassen“ und das dafür Unverzichtbare mit einzubringen durch Fasten, Beten und Almosen-Geben.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 8+9/2024

Juan de Flandes: Die Versuchung Christi – um 1500 - © gemeinfrei; wikipedia.org

Auszüge aus der Botschaft des Heiligen Vaters für die Fastenzeit 2024:

"... Ich möchte euch auf ein nicht unwichtiges Detail in der Exodus-Erzählung hinweisen: Gott ist es, der sieht, der gerührt ist und der befreit; es ist nicht Israel, das darum bittet. Der Pharao löscht nämlich sogar die Träume aus, er stiehlt den Himmel, er lässt eine Welt als unveränderlich erscheinen, in der die Würde mit Füßen getreten wird und echte Verbindungen verweigert werden. Es gelingt ihm also, die Menschen an sich zu binden. Fragen wir uns: Ersehne ich eine neue Welt? Bin ich bereit, mich von den Kompromissen mit der alten Welt zu lösen? …

Gott ist unserer nicht überdrüssig. Nehmen wir die Fastenzeit an als kraftvolle Gnadenzeit, in der sein Wort wieder neu an uns ergeht: „" (20,2). Es ist . Jesus selbst wurde vom Geist in die Wüste getrieben, um in seiner Freiheit auf die Probe gestellt zu werden. ...

Es ist Zeit zu handeln, und in der Fastenzeit . Innehalten , um das Wort Gottes aufzunehmen und innehalten wie der Samariter . Die Liebe zu Gott und zum Nächsten ist ein und dieselbe Liebe. Keine anderen Götter zu haben heißt, in der Gegenwart Gottes und beim Nächsten sein. Deshalb sind Gebet, Almosen und Fasten nicht drei voneinander unabhängige Tätigkeiten, sondern eine einzige Bewegung der Öffnung, der Entäußerung: raus mit den Götzen, die uns beschweren, weg mit den Abhängigkeiten, die uns gefangen halten. Dann wird das verkümmerte und vereinsamte Herz wiedererwachen. Verlangsamen und anhalten, also. Die kontemplative Dimension des Lebens, die uns die Fastenzeit auf diese Weise wiederentdecken lässt, wird neue Energien freisetzen. In der Gegenwart Gottes werden wir zu Schwestern und Brüdern, wir nehmen die anderen mit neuer Intensität wahr: Anstelle von Bedrohungen und Feinden finden wir Weggefährtinnen und Weggefährten. Dies ist der Traum Gottes, das Gelobte Land, auf das wir zugehen, wenn wir aus der Sklaverei aussteigen. ..." (Vatican News)

Zum Bild: Juan de Flandes, Die Versuchung Christi – um 1500

Der gehörnte Teufel kommt als frommer Mönch verkleidet und täuscht menschliche Anteilnahme vor. Gegen den Hunger bietet er einen Stein an; vermag ihn aber nicht in Brot = hingebende Liebe zu verwandeln. Das kann nur Gott!

 

 

Pfarrnachrichten 6+7/2024

Jeus heilt die Schwiegermutter des Petrus - Federzeichnung von Rembrandt – © gemeinfrei; wikipedia.org

Der Evangelist Markus berichtet (Evangelium vom fünften Sonntag im Jahreskreis: Mk 1, 29-39) über die Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die „mit Fieber im Bett lag. … Jeus ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.“ Auffallend an der Heilung ist die sofortige Wiederherstellung. Die schwer kranke Schwiegermutter wurde auf der Stelle geheilt und sie benötigte offenbar keine Zeit, um sich von der schweren Krankheit zu erholen. Kaum von Jesus aufgerichtet wich das Fieber von ihr, und sie sorgte sich um die Gäste ihres Schwiegersohnes.

Im Maß der Verantwortung, die auf jedem von uns lastet, spüren wir, wie das Leben uns fordert. Oft sagen wir, dass es uns an Zeit fehlt, um allem gerecht zu werden. Statt fehlende Zeit zu beklagen, ist es sinnvoller, einmal besonders auf die Zeit zu achten, die wir unnötig verlieren. Die uns für unser irdisches Leben gegebene Zeit ist kostbar. Und sie ist viel zu kurz, um sie auf Essen, Schlafen, Erfolg und Kultur zu beschränken. Die uns gegebene Zeit ermöglicht deutlich mehr und weitaus Segensreicheres.

Das wird besonders am Beispiel deutlich, das der Herr uns gibt. Er richtet sein Leben nicht auf sich selber aus. Er gestaltete sein Leben als Dienst mit Blick auf den Vater im Himmel. Er ist da für den anderen, für den jeweils Nächsten. Und dies sogar bis zum Äußersten. Die Kraft dafür kommt von oben.

Anstatt sich mit dem zufrieden zu geben, was ihm nach den vielen zusätzlihcen Krankenheilungen im Anschluss an die Heilung der Schwiegermutter des heiligen Petrus an Wertschätzung, Zuneigung und Erwartung entgegengebracht wurde, zog er schon am nächsten Morgen „durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.“ Vorausgegangen war das vertraute Zwiegespräch mit dem himmlischen Vater (Mk 1,35): "In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten."

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 4+5/2024

Die erste Lesung des dritten Sonntags im Jahreskreis ist dem Buch Jona entnommen. Dieses Buch legt erzählerisch dar, dass Gott den Propheten Jona in die Stadt Ninive sandte, um den Bewohnern die Zerstörung ihrer Stadt anzukündigen. Die Bewohner Ninives waren böse. Aber auf das Wort des Propheten, der das göttliches Strafgericht ankündigte, bekehrten sie sich. Fortan wollten sie gut sein. So ließ Gott von seinem Plan ab und zerstört Ninive nicht.

Anfangs wollte Jona dem Auftrag Gottes allerdings nicht folgen. Als Gott ihm sagte: „Steh auf, geh nach Ninive und verkünde der Stadt, dass sie zerstört wird!“ bekam Jona Angst und lief davon. Statt nach Ninive zu gehen, bestieg er ein Schiff, das genau in die entgegengesetzte Richtung fuhr.

Er kam aber nicht weit. Ein gewaltiger Sturm brach los und das Schiff drohte zu sinken. Die Leute an Bord warfen schließlich das Los um zu entschieden, wer an dem Unwetter schuld sei. Das Los fiel auf Jona, der sich längst im hintersten Winkel verkrochen hatte. Man fand ihn aber und warf ihn kurzerhand ins Meer.

Daraufhin schickte Gott einen großen Fisch, der Jona verschluckte. Nach drei Tagen im Bauch des Fisches kam Jona schließlich zur Besinnung und bat Gott um Verzeihung. So spuckte der Fisch Jona wieder an Land. Und Gott trug ihm erneut auf: „Steh auf, geh nach Ninive und verkünde der Stadt, dass sie zerstört wird!“ Diesmal ging Jona schließlich nach Ninive und führte Gottes Auftrag aus.

Auf das Wort des Jona hin bekehrten sich die Einwohner Ninives, weshalb ihre Stadt am Ende verschont blieb. Allerdings passte nun Jona dies überhaupt nicht. Er setzt sich missmutig auf einen Berg und beobachtete die Stadt, die nun eben nicht in Schutt und Asche fiel. Jona sah sich von Gott getäuscht und haderte mit ihm. Gott überzeugte nun Jona davon, dass die Rettung der Menschen weit wichtiger ist als ein angedrohtes Strafgericht.

Gottes Treue erweist sich folglich nicht in der Unumstößlichkeit seiner Urteile, sondern in seiner immer größeren Barmherzigkeit.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 02+03 / 2024

Mit dem Fest der Taufe des Herrn geht die Weihnachtszeit zu Ende. Danach beginnt die Zeit im Jahreskreis. Auch in den Evangelien bildet die Taufe des Herrn den Übergang vom verborgenen und weitgehend unbekannten Leben Jesu in Nazareth hin zu seinem öffentlichen Auftreten und Leben. Auch wenn wir nichts Genaueres über die etwa dreißig Lebensjahren zwischen der Geburt Jesu und seinem ersten öffentlichen Auftreten anlässlich seiner Taufe im Jordan wissen, hat dieses verborgene Leben Jesu in Nazareth die Kirche und ihre Heiligen immer wieder inspiriert.

So empfehlen u.a. der Hl. Josemaría Escrivá, aber etwa auch Charles de Foucauld, eben dieses verborgene Leben Jesu in Nazareth für sich als Christ zu entdecken und nachzuahmen. Charles de Foucauld hat es einmal so ausgedrückt: „Ich sehne mich danach, endlich das Leben zu führen, das ich seit mehr als sieben Jahren suche, (und) das ich erahnt habe, als ich durch die Straßen von Nazareth ging, durch die auch unser Herr gegangen ist als armer, gewöhnlicher Handwerker, von niemandem beachtet.“

Und der Hl. Josemaría Escrivá pflegte zu wiederholen: „Eine Stunde Studium ist eine Stunde Gebet.“ Er meinte damit: wenn wir mit Gott verbunden und christlich motiviert wirken, arbeiten und unterwegs sind, dann leben wir zum Verwechseln nahe wie Jesu gelebt hat; in eben dieser Verborgenheit. Wir verrichten dann so wie Jesus unsere familiäre, berufliche, schöpferische, soziale und ggf. politische Arbeit ganz im Sinne des Schöpfers, des himmlischen Vaters. Und so ermöglichen wir dem Allmächtigen, in und durch unser Leben in dieser unserer Welt auch heute segnend, heilend und erlösend zu wirken und gegenwärtig zu sein: Ähnlich wie damals durch Jesus von Nazareth - der „Menschensohn“ und „der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (vgl. Mt 16,16) -, so nun heute durch uns.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)