Pfarrnachrichten 6+7/2024

Jeus heilt die Schwiegermutter des Petrus - Federzeichnung von Rembrandt – © gemeinfrei; wikipedia.org

Der Evangelist Markus berichtet (Evangelium vom fünften Sonntag im Jahreskreis: Mk 1, 29-39) über die Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die „mit Fieber im Bett lag. … Jeus ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.“ Auffallend an der Heilung ist die sofortige Wiederherstellung. Die schwer kranke Schwiegermutter wurde auf der Stelle geheilt und sie benötigte offenbar keine Zeit, um sich von der schweren Krankheit zu erholen. Kaum von Jesus aufgerichtet wich das Fieber von ihr, und sie sorgte sich um die Gäste ihres Schwiegersohnes.

Im Maß der Verantwortung, die auf jedem von uns lastet, spüren wir, wie das Leben uns fordert. Oft sagen wir, dass es uns an Zeit fehlt, um allem gerecht zu werden. Statt fehlende Zeit zu beklagen, ist es sinnvoller, einmal besonders auf die Zeit zu achten, die wir unnötig verlieren. Die uns für unser irdisches Leben gegebene Zeit ist kostbar. Und sie ist viel zu kurz, um sie auf Essen, Schlafen, Erfolg und Kultur zu beschränken. Die uns gegebene Zeit ermöglicht deutlich mehr und weitaus Segensreicheres.

Das wird besonders am Beispiel deutlich, das der Herr uns gibt. Er richtet sein Leben nicht auf sich selber aus. Er gestaltete sein Leben als Dienst mit Blick auf den Vater im Himmel. Er ist da für den anderen, für den jeweils Nächsten. Und dies sogar bis zum Äußersten. Die Kraft dafür kommt von oben.

Anstatt sich mit dem zufrieden zu geben, was ihm nach den vielen zusätzlihcen Krankenheilungen im Anschluss an die Heilung der Schwiegermutter des heiligen Petrus an Wertschätzung, Zuneigung und Erwartung entgegengebracht wurde, zog er schon am nächsten Morgen „durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.“ Vorausgegangen war das vertraute Zwiegespräch mit dem himmlischen Vater (Mk 1,35): "In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten."

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 4+5/2024

Die erste Lesung des dritten Sonntags im Jahreskreis ist dem Buch Jona entnommen. Dieses Buch legt erzählerisch dar, dass Gott den Propheten Jona in die Stadt Ninive sandte, um den Bewohnern die Zerstörung ihrer Stadt anzukündigen. Die Bewohner Ninives waren böse. Aber auf das Wort des Propheten, der das göttliches Strafgericht ankündigte, bekehrten sie sich. Fortan wollten sie gut sein. So ließ Gott von seinem Plan ab und zerstört Ninive nicht.

Anfangs wollte Jona dem Auftrag Gottes allerdings nicht folgen. Als Gott ihm sagte: „Steh auf, geh nach Ninive und verkünde der Stadt, dass sie zerstört wird!“ bekam Jona Angst und lief davon. Statt nach Ninive zu gehen, bestieg er ein Schiff, das genau in die entgegengesetzte Richtung fuhr.

Er kam aber nicht weit. Ein gewaltiger Sturm brach los und das Schiff drohte zu sinken. Die Leute an Bord warfen schließlich das Los um zu entschieden, wer an dem Unwetter schuld sei. Das Los fiel auf Jona, der sich längst im hintersten Winkel verkrochen hatte. Man fand ihn aber und warf ihn kurzerhand ins Meer.

Daraufhin schickte Gott einen großen Fisch, der Jona verschluckte. Nach drei Tagen im Bauch des Fisches kam Jona schließlich zur Besinnung und bat Gott um Verzeihung. So spuckte der Fisch Jona wieder an Land. Und Gott trug ihm erneut auf: „Steh auf, geh nach Ninive und verkünde der Stadt, dass sie zerstört wird!“ Diesmal ging Jona schließlich nach Ninive und führte Gottes Auftrag aus.

Auf das Wort des Jona hin bekehrten sich die Einwohner Ninives, weshalb ihre Stadt am Ende verschont blieb. Allerdings passte nun Jona dies überhaupt nicht. Er setzt sich missmutig auf einen Berg und beobachtete die Stadt, die nun eben nicht in Schutt und Asche fiel. Jona sah sich von Gott getäuscht und haderte mit ihm. Gott überzeugte nun Jona davon, dass die Rettung der Menschen weit wichtiger ist als ein angedrohtes Strafgericht.

Gottes Treue erweist sich folglich nicht in der Unumstößlichkeit seiner Urteile, sondern in seiner immer größeren Barmherzigkeit.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 02+03 / 2024

Mit dem Fest der Taufe des Herrn geht die Weihnachtszeit zu Ende. Danach beginnt die Zeit im Jahreskreis. Auch in den Evangelien bildet die Taufe des Herrn den Übergang vom verborgenen und weitgehend unbekannten Leben Jesu in Nazareth hin zu seinem öffentlichen Auftreten und Leben. Auch wenn wir nichts Genaueres über die etwa dreißig Lebensjahren zwischen der Geburt Jesu und seinem ersten öffentlichen Auftreten anlässlich seiner Taufe im Jordan wissen, hat dieses verborgene Leben Jesu in Nazareth die Kirche und ihre Heiligen immer wieder inspiriert.

So empfehlen u.a. der Hl. Josemaría Escrivá, aber etwa auch Charles de Foucauld, eben dieses verborgene Leben Jesu in Nazareth für sich als Christ zu entdecken und nachzuahmen. Charles de Foucauld hat es einmal so ausgedrückt: „Ich sehne mich danach, endlich das Leben zu führen, das ich seit mehr als sieben Jahren suche, (und) das ich erahnt habe, als ich durch die Straßen von Nazareth ging, durch die auch unser Herr gegangen ist als armer, gewöhnlicher Handwerker, von niemandem beachtet.“

Und der Hl. Josemaría Escrivá pflegte zu wiederholen: „Eine Stunde Studium ist eine Stunde Gebet.“ Er meinte damit: wenn wir mit Gott verbunden und christlich motiviert wirken, arbeiten und unterwegs sind, dann leben wir zum Verwechseln nahe wie Jesu gelebt hat; in eben dieser Verborgenheit. Wir verrichten dann so wie Jesus unsere familiäre, berufliche, schöpferische, soziale und ggf. politische Arbeit ganz im Sinne des Schöpfers, des himmlischen Vaters. Und so ermöglichen wir dem Allmächtigen, in und durch unser Leben in dieser unserer Welt auch heute segnend, heilend und erlösend zu wirken und gegenwärtig zu sein: Ähnlich wie damals durch Jesus von Nazareth - der „Menschensohn“ und „der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (vgl. Mt 16,16) -, so nun heute durch uns.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)