Pfarrnachrichten 04 / 2023

Duccio di Boninsegna, 1308-1311, Dom von Siena

Nach dem letzten großen Auftritt des Täufers Johannes am letzten Sonntag gemäß Leseordnung tritt nun Jesus in den Vordergrund (Mt 4, 12-17): „(12) Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. (13) Er verließ Nazaret, um in Kafárnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sébulon und Náftali. (14) Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesája gesagt worden ist: (15) Das Land Sébulon und das Land Náftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: (16) Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. (17) Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“

Interessanterweise verbindet der Evangelist Matthäus die ersten öffentlichen Predigt-Worte Jesu (ibid., 17): „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ mit der bekannten Voraussage des Propheten Jesaja (ibid., 16): „Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“

Hier findet sich eine aufschlussreiche Parallele etwa zu den Worten des vorchristlichen Lyrikers Pindar, der im 5. Jahrhundert vor Christus in Theben seine 8. Pythische Ode verfasst: „Was ist? Was ist man nicht? Eines Schattens Traum der Mensch! Sobald aber Glanz, gottgegebener, kommt, ist strahlend Licht bei den Menschen, freundlich ihr Dasein.“

Bis heute, auch auf dem Kölner Melaten Friedhof, finden wir diese Worte sogar in griechischer Sprache als Grabinschrift, meist allerdings in gekürzter Form: „Eines Schattens Traum der Mensch!“ (σκιάς όναρ άνθρωπος). In dieser Verkürzung ist folgerichtig, dass darüber hinaus weder ein christliches Symbol, noch ein Wort aus der Heiligen Schrift oder der kirchlichen Liturgie den Grabstein ziert. Denn ohne Gott bleibt der Mensch nur ein Schattentraum.

Parallel hält sich in der Literatur und in religiösen Texten als Ahnung und Hoffnung die nie verstummende Erfahrung: Wo Gott in diese Welt hineinwirkt, da wird es hell. Jesaja und Pindar bezeugen dies in je unterschiedlicher und erkenntnisreicher Weise im siebten bzw. im fünften Jahrhundert vor Christus.

Im biblischen Zeugnis des Evangelisten Matthäus ist dieser Augenblick göttlichen Wirkens in die Welt hinein in der fassbaren Person des Menschensohns nun endgültig und bleibend gekommen. Und darüber hinaus: Unter der Voraussetzung der Bekehrung und Umkehr des Menschen zu Gott, wirkt nun auch der Mensch mit Gottes Kraft durch und aus dieser Welt heraus als Träger und Vermittler des göttlichen und friedvollen Lichtes.

Auch das ist ein Grund, warum Gott in der zweiten göttlichen Person des Sohnes in Jesus Mensch geworden ist. Nun kann jedes rechtmäßiges Tun des Menschen, der aufrichtig mit dem Menschensohn in Verbindung ist, durch Gott vergöttlicht und geheiligt werden.

Mit Jesus hat sich erfüllt, was bis dahin nur Hoffnung war: Der „Schattentraum Mensch“ wird mit Gottes Licht erfüllt und wird selber Licht, dass er weitergibt. Dafür bedarf es aber der Umkehr und Christusnachfolge in seinen vielfältigen Ausprägungen: als christgläubiger Laie, am besten ohne jedwede klerikalen Allüren, sondern im durch Gottes Licht erhellten Weltcharakter, oder Ordensfrau bzw. Priester.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

 

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