Pfarrnachrichten 40 / 2022

Stärke unseren Glauben, Herr!

Die Zeiten sind unruhig. Eine anhaltende Ungewissheit über das, was uns in nächster Zukunft alles noch erwartet, schürt Ängste. Diese äußern sich in Unzufrieden mit sich und anderen. Viele spüren das an ihrer Arbeitsstelle und auch in der Nachbarschaft. Man wird noch mehr versucht, zuerst an sich zu denken und den Nächsten immer weniger zu berücksichtigen.

Und viele Fragen bleiben offen: Wird der Krieg in der Ukraine eskalieren; gar auch uns erreichen? Bekommen wir die Energiekrise in Griff? Werden die spürbaren Versorgungsengpässe noch deutlich zunehmen und uns am Ende auch existentiell „an den Kragen gehen“? Das Kommende ist ungewiss, die Hoffnung auf Gutes geschwächt und das Vertrauen in die Zukunft angeschlagen.

Da trifft es sich gut, wenn uns im Evangelium des 27. Sonntages im Jahreskreis folgendes erzählt wird: In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.“ (Lk 17,5f)

Im vertrauten Gespräch mit Jesus hatte er seinen Aposteln erklärt: „Es ist unvermeidlich, dass Ärgernisse kommen.“ (ibid., 1) Dabei ließ Jesus durchblicken (ibid., 1-4), dass die Ärgernisse, auf die er mahnend hinweist, nicht nur durch Fremde und irgendwo in weiter Ferne hervorgerufen werden, sondern auch aus den eigenen Reihen kommen werden. Damit erschüttert er auch das gegenseitige Vertrauen der Apostel. Man mag sich gut vorstellen, dass sie sich untereinander fragend angeschaut haben. Und dann richtete einer von ihnen im Namen aller diese Bitte an Jesus: „Stärke unseren Glauben!“

Bedenken wir, dass die Jünger diese Bitte vor dem Erlebnishorizont einer überaus reichen und intensiven Zeit mit Jesus an ihn richteten. Sie waren bei vielen Wundern dabei. Sie hatten erlebt, dass der Herr sich durch keine der zahlreichen Anfeindungen erschüttern und von seiner Aufgabe abhalten ließ. Sie hatten die Berg- bzw. die Feldpredigt verinnerlicht. Und auch die zahlreichen Gleichnisse, die Halt und Orientierung geben. Sie hatten mit überschwänglicher Freude erlebt, von ihm erwählt und mit großem Erfolg ausgesandt zu werden. Seine Gegenwart hatte allen Widrigkeiten zum Trotz viel Licht in ihr Leben gebracht.

Dadurch war ihr Glaube ganz stark geworden. Aber der Hinweis Jesu auf die Unvermeidlichkeit von Ärgernissen, von Not und Bedrängnis, verunsichert sie. Später werden sie sogar Reißaus davor nehmen, so dass Jesus ohne sie und von ihnen verlassen am Kreuz stirbt.

Auch wir kennen das: Tiefes Berührtsein von Gott, ganz neues Erwachen aus Not und Sorge, und dann doch wieder Schwachheit und Verzagen, die uns mehr quälend als betend ähnlich den Worten der ersten Lesung aus dem Buch Hábakuk (1, 2-3) innerlich schreien lässt: „Wie lange, Herr, soll ich noch rufen und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! Aber du hilfst nicht. Warum lässt du mich die Macht des Bösen sehen und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit.

Nicht wir machen den Glauben. Es ist auch keine Einbildung, die ihn hervorruft. Ebenso wenig ist Glaube Galgenhumor oder sonst eine Form von Selbstsuggestion. Glaube ist Geschenk. Er setzt allerdings eine Haltung voraus, wie sie dann im Sonntagsevangelium verdeutlicht wird (Lk 17,7-10): „Wenn einer von euch einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm gleich her und begib dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe; danach kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“

Was wir hier hören, spiegelt eine soziale Situation wider, die nicht nur für uns heute unerträglich ist. Darum geht es Jesus allerdings nicht. Und deshalb setzt er sich damit auch nicht weiter auseinander. Er will nur sagen, dass keiner seiner Jünger mit all seinem Tun und Arbeiten einen Anspruch vor Gott erwerben kann. Dass aber dem Jünger auf der anderen Seite ein großes Geschenk damit zuteilwurde, von Gott gerufen zu sein, in seinem Sinne zu leben, zu arbeiten und zu wirken. Wer sich darauf einlässt, erfährt den Glaube als ein Geheimnis, das ihn auf Grund der eigenen Unfähigkeit bis zum Letzten herausfordert, dabei aber auch verwandelt und zutiefst mit Gott erfüllt und glücklich macht.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

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