Pfarrnachrichten 19/21 (B)

Am Fest Christi Himmelfahrt feiert eine Gruppe unserer Kinder ihre Erstkommunion

In den sozialen Medien rühmen sich viele, in kürzester Zeit zahlreiche neue „Follower“ – sogenannte Freunde – gewonnen zu haben. Auf einer Webseite – „Wie bekomme ich mehr Traffic auf meine Seite“ – findet sich etwa der Werbespruch: „Wie Du 300 echte und gezielte Instagram-Follower pro Tag gewinnen kannst.

„Follower“ sind aber nicht Freunde im eigentliche Sin des Wortes. Facebook-Freunde halten zwar oft den Daumen nach oben. Aber wenn man etwa krank und alleine im Krankenhaus ist, oder Hilfe für einen Umzug braucht, dann haben die meisten davon garantiert etwas ganz anders vor und keine Zeit, einem beizustehen oder zu helfen.

Im Evangelium vom sechsten Sonntag in der Osterzeit ist auch von Freunden die Rede. Aber hier ist mit Freunden und Freundschaft etwas ganz Anderes gemeint. Jesus sagt zu den Seinen: „Ich habe euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Und Jesus sagt dann sogar: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“

Das überrascht aber auch. Denn es hat den Anstrich von Einseitigkeit: „Nicht ihr, sondern ich erwähle“; und: „Weil ich euch alles mitteile“. Gehören zu einer richtigen Freundschaft nicht zwei, die übereinstimmend und auf Gegenseitigkeit beruhend erleben, dass sie einander zugetan sind?

Idem velle, idem nolle: So haben die Römer das Wesen von Freundschaft definiert. Idem velle, idem nolle: Das Gleiche wollen und das Gleiche nicht wollen. Freundschaft bedeutet kurz, prägnant und praktisch: Willensgemeinschaft, Übereinstimmung in dem, was man im Tiefsten möchte.

Demgegenüber sagt Jesus aber: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“ (Joh 15, 14). Damit führt er die auffällige Einseitigkeit fort und betont sie. Zugleich sagt er aber auch, dass „es keine größere Liebe gibt, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“

Was ist das für eine Liebe und was ist das für eine Freundschaft, die der Gottessohn meint und in die er uns offenbar hineinholen möchte, weit über das hinaus, was uns zwischenmenschlich als Freundschaft und Liebe möglich ist? Denn der Herr sagt: „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe“.

Nach einer ersten Annäherung an das, was Freundschaft ist, müssen wir unsere zum tieferen Verständnis unsere Aufmerksamkeit auch auf Gott richten.

Gott ist Macht“ kann man bei George Orwell in dem Roman „1984“ lesen. Diese kurze Definition steht symbolisch für eine Welt voller Unterdrückung und Menschenverachtung. Andere scheinen zu meinen: „Gott ist Gesetz“: Zur Zeit Jesu einige Pharisäer; und heute fundamentalistische Muslimen oder Christen. Sie stellen die Beachtung der Gebote in die Mitte der Religion und machen aus dem Glauben an Gott eine Gesetzes-Religion. Andere sagen: „Gott ist Geheimnis“, und heben damit auf das Mystische in jeder Religion ab.

Im erste Johannesbrief (1,7) lesen wir hingegen: „Gott ist Liebe.“

Liebe ist in der Tat sehr anspruchsvoll! Schlager besingen die Liebe eher oberflächlich als Gefühl oder Leidenschaft. Und für andere legitimiert Zuneigung, die sie Liebe nennen, jede Art von Beziehung.

Der 1. Johannesbrief verweist hingegen auf Gott, der ganz Liebe ist. Diese göttliche Liebe tut den ersten Schritt. Sie bringt Liebe dorthin, wo noch keine Liebe ist. Uns gegenüber ist Gottes Liebe nicht eine Reaktion auf das, was an uns Liebenswerte ist. Wohl ist es bei uns meist so. Wir reagieren auf das, was uns liebenswert erscheint: Charme, ein freundliches Wesen, eine reife, liebevolle Persönlichkeit. Da antworten dann auch wir mit Liebe.

Gottes Liebe hingegen ist von alldem nicht abhängig. Gott liebt uns, vor aller Leistung und trotz aller Schuld. Er liebt uns nicht, weil wir es wert wären, sondern weil er Liebe ist. Und wir sind beschenkt, längst bevor wir irgendetwas tun. Somit ist Gottes Liebe schöpferisch.

Durch Gottes Liebe werden wir fähig, in ähnlicher Weise einander zu lieben – und dabei ebenso schöpferisch zu sein wie Gott. Aus der Kraft seiner Liebe vermögen dann auch wir, als Erste zu lieben und Liebe dorthin bringen, wo noch keine ist. Hier eröffnet sich die Dynamik eines neuen Lebens! Der Kreis schließt sich.

Freundschaft mit dem Menschensohn heißt also, zunehmend so zu wollen, wie der himmlische Vater will. Sein und unser Willen werden zu einem. Unser Wille, gerecht und glücklich zu werden und zu lieben, wird möglich, weil Gott genau dies für uns am Herzen liegt.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

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