Pfarrnachrichten 44/2019 (C)

Gottlob, dass ich kein Zöllner bin, wie dieser da! - 19. Jh., Englische Schule

Eine meiner lebendigen Kindheitserinnerungen hat mit dem heutigen Evangelium zu tun. Ich weiß nicht mehr genau in welchem, aber es muss in einem Alter gewesen sein, wo ich mit der einleitenden Hinführung des Heiligen Lukas zum nachfolgenden Gleichnis noch nichts anfangen konnte. Ich muss sie deshalb ohne jedes weitere Verstehen nichtsahnend einfach überlesen haben. Das war für das dann folgende Erleben bei der weiteren Lektüre ausschlaggebend.

Der Heilige Lukas erklärt nämlich einleitend, dass „Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten“, die folgende Beispielgeschichte erzählte. Da ist dann die Rede von „zwei Männer, die zum Tempel hinaufgingen, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.“ Mir war bekannt, dass weder von den Pharisäern noch von den Zöllnern Gutes zu erwarten war.

Umso beeindruckender war ich Satz für Satz von dem, was Jesus beispielhaft vom Pharisäer erzählte: „Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet.“ Ein Pharisäer, der leise betet: das war doch schon mal gut, so dachte ich. Dieser Pharisäer schien ganz anders, wie man sich als Kind, das mit der Bibel langsam vertraut wurde, die nur in der Öffentlichkeit Betenden: „um von den Leuten gesehen zu werden“ (Mt 23,5), vorgestellt hatte.

Und es war darüber hinaus ein scheinbar wirklich ehrlicher und gottesfürchtiger Pharisäer. In seinem Gebet dankt er Gott nicht nur flüchtig. Nicht nur so, wie man es als streng erzogenes Kind kannte: „Geh sofort zurück, und bedank dich bitte.

In seinem Dankgebet zählt der Pharisäer detailliert all das auf, was ihn vom sündigen Zöllner und allen anderen Sündern tugendhaft unterscheidet: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.“

So will auch ich einmal werden, dachte ich als Kind bei meiner ersten, bewussten Lektüre dieses Gleichnisses, das sich mir tief ins Bewusstsein eingeprägt hat. Ich dachte es ganz spontan. Und der nächste Vers schien es zu bestätigen: „Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Diese faule Socke“, so dachte ich. Dieser Zöllner, der meint, sich mit so einer pauschalen Bitte um Erbarmen in den Himmel hineinschwindeln zu können. Nicht mehr als eine billige Ausrede; und ohne etwas dafür zu tun!

Mein Erstaunen, ja Entsetzen war groß, als ich ganz erschrocken gleich mehrfach, als ob ich nicht recht verstanden hätte, zum Ende lesen musste: „Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht.“ Ich hatte anfangs Zuordnungsschwierigkeiten. Aber vom Satzbau und der Grammatik war es eindeutig. Jesus sagt von diesem Zöllner, dass er als Gerechter zurückkehrt. Der Pharisäer aber als Ungerechter; als Unfrommer, Unehrlicher, Undankbarer usw.

Es braucht Zeit und Reife. Und als Kind fällt einem schwer zu verstehen, was Jesus mit der abschließenden Aussage meint: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Aber mit der Zeit fand ich den Schlüssel, dieses Gleichnis für mich zu entschlüsseln. Der Pharisäer war ganz bei sich, und blieb in sich verfangen. Er war nicht bei Gott: Weder mit seinem Herzen noch bei all dem scheinbar Guten, was er leistete. Anders der Zöllner, der durch sein Leben weise geworden, vom hohen Ross heruntergestiegen war. Sein Reichtum, sein wie auch immer gutes Auskommen und Leben hatte ihn verblendet. Er hatte sich täuschten lassen. Dafür bittet er nun um Gottes Hilfe, Beistand und Gnade.

Der Schlüssel zur wahren Gerechtigkeit und Erfüllung vor Gott und den Menschen lässt sich als Frage wie folgt formulieren: „Bin ich mit Gottes Hilfe in allem, was ich bin und leiste, bei ihm und meinem Nächsten? Oder bleibe ich, nur um mich selber kreisend, am Ende doch wieder nur bei mir und meiner unerfüllbaren Endlichkeit?“

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

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