Pfarrnachrichten 40/2020 (A)

Gleichnis von den ungleichen Söhnen - Frankreich um 1900

Jeder kennt das: Eine Bitte wird abgeschlagen. Wenig später aber ändert der Gebetene seine Meinung und ist dann doch dabei. Er hat es sich anders überlegt. Er bedauert, etwas abgeschlagen zu haben. Er bereut es und ändert sein Verhalten.

Wir kennen aber auch das Gegenteil: Man bittet jemanden um etwas. Der Gebetene sagt „Ja“, lässt einen dann aber im Stich, weil er es vergessen hat oder ihm anderes wichtiger erscheint. So ist es auch in dem Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen im aktuellen Sonntagsevangelium (Mat 21, 28-32).

Auch anderswo berichtet uns die Heilige Schrift von ungleichen Söhne. Gleich zu Beginn, im vierten Kapitel der Genesis. Ein Brudermord: Kain erschlägt Abel [Gen 4]. Und einige Kapitel weiter: Esau und Jakob. Für ein Linsengericht bringt Jakob seinen älteren Bruder Esau um das Erstgeburtsrecht und dann betrügt er, um den Segen des Vaters zu erhalten [Gen 25-27]. Im Lukasevangelium schließlich ist uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn überliefert. Bei seiner reumütigen Rückkehr ist der älterer Bruder eifersüchtig und verärgert, weil der Vater den Heimkehrer unerwartet großzügig empfängt und bewegend wiederaufnimmt [Lk 15,11-32].

Und nun hören wir an diesem Sonntag von den zwei Söhnen eines Winzers. Er fordert den ersten auf, zur Arbeit in den Weinberg zu gehen. Dieser sagt: „Ich will nicht.“ Aber später geht er doch. Weil es ihn reut. Der andere, den der Vater dann ebenfalls in den Weinberg schicken will, sagt „Ja”. Aber er geht nicht. Er hält nicht, was er verspricht. Er ist ein schlechter Sohn und ein Heuchler. Er sagt „Ja“ und tut es doch nicht.

Jesus antwortet mit diesem Gleichnis den Hohenpriestern und Ältesten. Im Tempel von Jerusalem hatten sie ihn angesprochen und gefragt, aus welcher Vollmacht er Kranke heile und das Wort Gottes verkünde [vgl. Mt 21,23]. Da sie immer nur darauf lauern, Jesus überführen und anzeigen zu können, antwortet ihnen Jesus mit diesem Gleichnis von den zwei ungleichen Söhnen. Dann fragt er sie: „Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?” [V. 31].

Sie antworten ihm: „Der erste”. Diese Antwort ist zweifellos richtig. Der erste Sohn, der zuerst „Ich will nicht“, also „Nein” gesagt, aber dann das Nein bereut hat und zur Arbeit in den Weinberg gegangen ist, hat den Willen des Vaters erfüllt. Zwar nicht sofort, aber dann doch. Jesus will diese Antwort, um seinerseits die Hohenpriester und Pharisäer überführen zu können.

Entscheidend ist nicht das erste „Ja” oder das erste „Nein”. Die zwei ungleichen Söhne haben es wohl schnell daher gesagt; ganz so wie es in ihrer Verschiedenheit dem ungleichen Primärcharakter der beiden entspricht.

Entscheidend ist die Antwort, die aus dem Herzen kommt. Zu einer ehrlichen, von Herzen kommenden Antwort und einem guten wie wahrheitsgemäßen Verhalten gehören unverzichtbar das Bereuen, die Reue und die Umkehr. Der erste Sohn hat „Ja” gesagt, aber dann doch nicht entsprechend gehandelt. Er bereut nichts. Der zweite Sohn hat „Nein” gesagt – „ich will nicht“ – aber dieses „Nein” dann bereut und den Willen des Vaters erfüllt.

Reue” – „bereuen” – ist ein ganz altes deutsches Wort und bedeutet Betrübnis oder Unzufriedenheit. Wer Reue empfindet, der ist betrübt – der ist traurig – über sein eigenes zurückliegendes oder bisheriges oder noch andauerndes Verhalten. Er möchte das, was er getan oder unterlassen hat, ungeschehen machen oder doch noch nachvollziehen. Wie der Sohn, der „Nein” gesagt hat, dieses „Nein” bereut und die unterlassene Handlung – die Arbeit im Weinberg – nachvollzieht.

Und nun sagt Jesus denen, die ihn mit ihren Fragen endlich loswerden und eine Falle stellen wollen: „Amen, ich sage euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ – Und Jesus sagt das bis heute und für immer all denen, die nicht wirklich glauben: die nur gewohnheitsmäßig oder immer im Dissens „glauben“. Alle Diskurse im Glauben bringen nur Segen, wenn sie zutiefst von Reue und Umkehr geprägt bleiben. Genau darum geht es hier; denn Jesus erinnert nun an Johannes den Täufer.

Johannes der Täufer ist „auf dem Weg der Gerechtigkeit zu euch gekommen und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt [V. 32].“ Letztere haben zum Glauben gefunden. Sie sind wie der erste Sohn, der zuerst „Nein“ gesagt, dann aber bereut hat und in den Weinberg ging. „Ihr habt es gesehen“ sagt Jesus den Hohenpriestern und Ältesten, „und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt“ [V. 32]. Ihr seid wie der zweite Sohn. Ihr seid nur scheinbar gläubige Verbandsvertreter eures Volkes. Aber ihr glaubt nicht, weil ihr Euch verabschiedet habt von Reue und Umkehr, vom Bekennen eurer Schuld und vom bußbereiten Wiedergutmachen derselben.

Manche Philosophen – Friedrich Nietzsche zum Beispiel – haben Reue abgelehnt und für unmännlich, weibisch oder knechtisch erklärt. Wir wissen, wohin das geführt hat. Ohne Reue und Umkehr wird der Mensch unweigerlich zum Gegner Gottes und zum Menschenmörder.

Jesus sagt in unserem Gleichnis zu den Hohenpriestern und Pharisäern: „Ihr habt nicht bereut und … nicht geglaubt” [V. 32]. Wo Glaube ist, da ist auch Reue. Glaube ohne Reue, ohne Bekenntnis und Beichte, ohne sakramentale Umkehr ist bestenfalls gut Gemeintes, aber kein Glaube an unseren Herrn Jesus Christus in enger Verbundenheit mit der von ihm gestifteten Kirche.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

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